Nach der Demokratisierung Polens und der anderen MOE Staaten nach 1989 kam es in
dem Staat zu riesigen wirtschaftlichen Umwälzungen. Der 1990 eingeführte „Balcerowicz –
plan“ liberalisierte zwar die bis dahin planwirtschaftlich gelenkte Wirtschaft, hat aber auf der
anderen Seite negative aber auch damals unumgängliche Nebeneffekte mit sich gebracht. Für
die zwischen 1945 – 1989 von der kommunistischen Regierung finanziell und strukturell
unterstützte Schwerindustrie Polens war das der Anfang vom Ende. Plötzlich war
Oberschlesien nicht mehr das Industriezentrum, das dem Staat die meisten Devisen
einbrachte, sondern fast die ganze Region Oberschlesiens ist zum größten Sorgenkind für den
Staat geworden. Andere kleinere im Land verteilte und vom Staat unterstütze
Industriezentren standen vor dem gleichen Problem des Subventionsabbaus und daraus
folgenden Umstrukturierungsmaßnahmen. Diese wirtschaftliche Umstellung führte zum
Beschäftigungsrückgang in der Schwerindustrie und dem Beschäftigungszuwachs im
Dienstleistungssektor, aber leider auch zum Beschäftigungszuwachs in dem bis heute
angeschlagenen Agrarsektor und damit zur neuen aber nicht modernen Arbeitsteilung in
Polen. Natürlich hatte die wirtschaftliche Entwicklung auch regionale Auswirkungen auf die
Arbeitslosenquote und das Pro - Kopf Einkommen in den betroffenen Regionen. Einige
Agglomerationen und Regionen schafften die Umstellung der Wirtschaft auf den
Dienstleistungssektor und andere wettbewerbsfähige Wirtschaftszweige, was zugleich zur
Herausbildung von interregionalen Diskrepanzen geführt hat (von Speicher P. 2001, S.51)1.
Die Systemtransformation in Polen deckt sich zusätzlich mit den neuen globalen
wirtschaftlichen Entwicklungen; „Globalization and innovation are two key motors of the
contemporary international political economy, producing greater integration of economies
through commerce, foreign investment, elongated supply chains and seamless financial
flows“ (Cooke P. 2000, S. 12)2. [...]
1 Drehhaupt-von Speicher P.: „Die Regionen Polens, Ungarns und der Tschechischen Republik vor dem EUBeitritt“,
Hrsg. Hasse R./Kruse J./Schäfer W./Straubhaar T./Zimmermann K.W., Peter Lang Verlag 2001. S.51
2 Cooke P./Boekholt P./Tödtling F.: “The Governance of Innovation in Europe”- Regional Perspektives on
Global Competitiveness, aus der Serie “Science, Technology and the International Political Economy”, Hrsg. De
La Mothe J.: Pinterverlag London, New York 2000. S.12
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
1.1. Problemstellung der Arbeit
1.2. Zielsetzung und Vorgehensweise
1.3. Regionen und Regionale Innovationssysteme – Begriffsklärung
1.4. Zum Begriff der Region
1.5. Zum Begriff eines Regionalen Innovationssystems-RIS
1.6. Zur Umfrage der IT-Unternehmen
2. Die Globalisierung und der Paradigmenwechsel in der Wirtschaft „new industrial spaces“
2.1. Institutionsökonomische Perspektive
2.2. Wertschöpfungsketten als neues Produktionssystem
2.3. Elastische Produktion
2.4. Eine Typologie der Regionalen Innovationssysteme
2.4.1. Die institutionelle Infrastruktur in einem RIS
2.4.2. Die Unternehmen in einem RIS
2.5. F&E in einem RIS
2.5.1. Ausgaben für F&E und Innovationen
2.6. Innovationen durch Direktinvestitionen
2.7. Lernen als Prozess
2.8. Innovationsnetzwerk und das globale Netzwerk
3. Systemtransformation und ein Regionales Innovationsnetzwerk
3.1. Die Systemtransformation Polens
3.2. Beschäftigungsstruktur in Polen
3.3. Branchestruktur Polens
3.4. Die Probleme der Systemtransformation in Polen
3.5. Die Regionalpolitik Polens
3.5.1. Dezentralisierung und die administrative Reform 1999
3.6. Die F&E Politik Polens
3.6.1. Human Ressources und der F&E-Sektor in Polen
3.6.2. Die F&E Investitionen der Unternehmen
3.7. Der polnische IT-Markt im Kontext der EU Erweiterung
4. Der IT-Markt in Polen und die Kluft zu den westlichen Nationen
4.1. Die Struktur und die Charakteristik der IT-Branche in Polen
4.2. Der IT – Markt und der KMU Sektor in Polen
4.3. Die Verteilung des IT – Sektors auf die Woiwodschaften
4.4. Technologie – und Forschungsparks auf die Regionen verteilt
4.5. Die unternehmensunterstützenden Institutionen
5. Die IT-Branche in der Region Niederschlesiens
5.1. Makroökonomische Daten im interregionalen Vergleich
5.2. IT-Unternehmen in der Region
5.3. Die Umfrage der IT – Unternehmen
5.4. Die horizontale Zusammenarbeit in der Region Niederschlesiens
5.5. Die Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht die Entwicklung regionaler IT-Netzwerke in Polen am Beispiel der Region Niederschlesien im Kontext der Systemtransformation und bevorstehenden EU-Integration. Ziel ist es zu analysieren, ob sich Niederschlesien zu einem innovativen System entwickelt, das eine dynamische IT-Branche fördern kann.
- Analyse der sozioökonomischen Struktur Niederschlesiens im Transformationsprozess.
- Untersuchung der Innovationsfähigkeit und Kooperationsbereitschaft lokaler IT-Unternehmen.
- Evaluierung der Rolle von Politik und F&E-Institutionen beim Aufbau regionaler Innovationssysteme (RIS).
- Vergleich der regionalen Entwicklungsunterschiede innerhalb Polens.
Auszug aus dem Buch
Die Systemtransformation in Polen und globale wirtschaftliche Entwicklungen
Nach der Demokratisierung Polens und der anderen MOE Staaten nach 1989 kam es in dem Staat zu riesigen wirtschaftlichen Umwälzungen. Der 1990 eingeführte „Balcerowicz – plan“ liberalisierte zwar die bis dahin planwirtschaftlich gelenkte Wirtschaft, hat aber auf der anderen Seite negative aber auch damals unumgängliche Nebeneffekte mit sich gebracht. Für die zwischen 1945 – 1989 von der kommunistischen Regierung finanziell und strukturell unterstützte Schwerindustrie Polens war das der Anfang vom Ende.
Die Systemtransformation in Polen deckt sich zusätzlich mit den neuen globalen wirtschaftlichen Entwicklungen; „Globalization and innovation are two key motors of the contemporary international political economy, producing greater integration of economies through commerce, foreign investment, elongated supply chains and seamless financial flows“ (Cooke P. 2000, S. 12). Durch mehr Innovationen also schafft man es im internationalen Wettbewerb nicht das Schlusslicht zu sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Umreißt die wirtschaftlichen Umwälzungen nach 1989 und stellt das Konzept des regionalen Innovationssystems (RIS) als theoretischen Rahmen vor.
2. Die Globalisierung und der Paradigmenwechsel in der Wirtschaft „new industrial spaces“: Diskutiert institutionsökonomische Perspektiven, Wertschöpfungsketten sowie die Bedeutung elastischer Produktion für die Wettbewerbsfähigkeit von Regionen.
3. Systemtransformation und ein Regionales Innovationsnetzwerk: Analysiert den Transformationsverlauf in Polen, die regionale Arbeitsmarktstruktur und den Einfluss der F&E-Politik auf die Innovationskraft.
4. Der IT-Markt in Polen und die Kluft zu den westlichen Nationen: Beleuchtet die Struktur der polnischen IT-Branche sowie die Rolle von Forschungsparks und unterstützenden Institutionen beim Technologietransfer.
5. Die IT-Branche in der Region Niederschlesiens: Führt eine Fallstudie zu den IT-Unternehmen und der horizontalen Zusammenarbeit in Niederschlesien durch, um die Existenz regionaler Netzwerke zu prüfen.
Schlüsselwörter
Systemtransformation, Niederschlesien, IT-Branche, Regionales Innovationssystem (RIS), Globalisierung, Wertschöpfungsketten, Technologietransfer, Forschungs- und Entwicklungspolitik (F&E), KMU-Sektor, Innovationsnetzwerk, Wirtschaftsgeographie, Strukturwandel, Wissensgesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob und wie sich in der Region Niederschlesien ein innovatives IT-Netzwerk entwickelt, das Polen bei der Integration in das globale Wirtschaftssystem unterstützen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die wirtschaftliche Transformation Polens nach 1989, die Theorie regionaler Innovationssysteme und die spezifische Analyse der IT-Branche in Niederschlesien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel besteht darin, durch empirische Untersuchungen festzustellen, ob die sozioökonomischen Voraussetzungen in Niederschlesien ausreichen, um ein wettbewerbsfähiges regionales Innovationssystem (RIS) für die IT-Branche zu etablieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus Literaturrecherche, Analyse statistischer Daten sowie eine eigene Umfrage unter in Niederschlesien ansässigen IT-Dienstleistungsunternehmen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt den theoretischen Rahmen (Globalisierung, RIS, elastische Produktion), die wirtschaftliche Situation Polens seit 1989 und die detaillierte Analyse der IT-Branche sowie deren institutionelle Einbettung in der Zielregion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Systemtransformation, Regionales Innovationssystem (RIS), IT-Branche, Niederschlesien, Wissens- und Technologietransfer sowie Wettbewerbsfähigkeit.
Welche Rolle spielt der KMU-Sektor bei der Entstehung von Innovationsnetzwerken?
Der KMU-Sektor ist laut der Arbeit zentral für die Flexibilität und Innovationskraft, benötigt jedoch eine stärkere Unterstützung durch regionale Netzwerke und öffentliche Institutionen, um global wettbewerbsfähig zu sein.
Wie bewertet der Autor die bisherige Regionalpolitik in Niederschlesien?
Der Autor äußert sich kritisch und sieht die Rolle der regionalen Förderagenturen als eher marginal an, da bisher kaum konkrete IT-Projekte oder Innovationsförderungen für die IT-Branche realisiert wurden.
- Quote paper
- Kamil Wiecek (Author), 2004, Regionale Innovationsnetzwerke in Polen am Beispiel der IT-Branche in Niederschlesien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23239