Freundschaft und Sexualität bei Erwachsenen mit geistiger Behinderung unter den Bedingungen einer Großeinrichtung


Diplomarbeit, 2003

92 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmungen
2.1 Definition von Freundschaft
2.2 Definition von Sexualität
2.3 Definition von geistiger Behinderung

3. Die Entwicklung der menschlichen Sexualität
3.1 Sexuelle Entwicklung im Kindesalter
3.2 Entwicklung während der Pubertät
3.2.1 Allgemeiner Teil
3.2.1 Aspekte der psychosozialen Pubertätsentwicklung
3.2.2 Behinderungsspezifische Probleme während der Pubertät

4. Bedeutung von Freundschaft und Sexualität für Menschen mit geistiger Behinderung
4.1 Bedeutung von Freundschaft
4.2 Bedeutung von Sexualität

5 Sexualität und sexuelle Partnerschaft bei erwachsenen Menschen mit geistiger Behinderung
5.1 Sexualverhalten geistig behinderter Menschen
5.1.1 Sexualität als Kommunikationsmittel und im sogenannten Mittelbereich
5.1.2 Genitalsexualität
5.2 Störungen im Sexualbereich
5.4 Exkurs: Sexuelle Ausdrucksformen geistig schwerstbehinderter Menschen

6. Kinderwunsch und Elternschaft geistig behinderter Menschen
6.1 Allgemeiner Teil
6.2 Rechtliche und persönliche Lage von Eltern mit geistiger Behinderung

7. Empfängnisverhütung
7.1 Allgemeiner Teil
7.2 Reversible Methoden der Empfängnisverhütung
7.3 Sterilisation
7.3.1 Allgemeiner Teil
7.3.2 Historische Dimension der Sterilisation
7.3.3 Sterilisation nach dem Betreuungsgesetz von 1992

8. Institutionelle Einschränkungen der Sexualität geistig behinderter
Menschen
8.1 Rechtlicher und konzeptioneller Anspruch auf ein normalisiertes
(Sexual)Leben der Bewohner
8.2 Diskrepanz zwischen diesen Ansprüchen und der Heimrealität
8.2.1 Einschränkungen durch institutionelle Rahmenbedingungen
8.2.2 Einschränkungen durch das Verhalten der Mitarbeiter
8.2.3 Auswirkungen auf die Bewohner

9. Sexueller Mißbrauch in Einrichtungen der Behindertenhilfe
9.1 Allgemeiner Teil
9.2 Ursachen des erhöhten Mißbrauchsrisikos geistig behinderter Menschen in
Großeinrichtungen
9.3 Präventions- und Interventionsmöglichkeiten

10. Exkurs: AIDS

11. Interventionsmöglichkeiten im Hinblick auf die Entwicklung eines
selbstbestimmten Sexuallebens geistig behinderter Menschen
11.1 Ansatzpunkte bei den institutionellen Rahmenbedingungen
11.2 Ansatzpunkte bei den Mitarbeitern
11.3 Ansatzpunkte bei den Bewohnern

12. Mitarbeiterbefragung in einer Großeinrichtung zu dem Thema "Freundschaft und Sexualität geistig behinderter Menschen in einer Großeinrichtung."

13. Schlußbemerkungen

14. Literaturverzeichnis

15. Anhang

1. Einleitung

Freundschaft, Liebe und Sexualität sind untrennbar mit dem Menschsein verbunden. Gerade der Sexualität kommt im Zuge der sexuellen Liberalisierung der letzten Jahrzehnte ein gewichtiger Anteil bei der ganzheitlichen Erfassung des Menschen zu. Diese Ganzheitlichkeit muss auch für Menschen mit geistiger Behinderung von Gültigkeit sein. Dennoch ist es eine Tatsache, dass diesen Personen sowohl von Laien als auch vielfach noch von Professionellen unterstellt wird, das geistige Handicap bewirke stets eine behinderungsspezifische Modifikation des Sexualverhaltens, welches deshalb am besten gar nicht erst zu Tage treten sollte. Diese Haltung vehement kritisierend betont FEUSER dagegen, die Sexualität eines geistig behinderten Menschen und seine daran orientierten Wünsche seien "[...] so wirklich wie die unsrigen. Sie ihm derart abzusprechen ist in gleicher Weise ein Schritt seiner Entmündigung wie seiner Entmenschlichung."[1] Schon hier wird deutlich, dass wir Menschen ohne geistige Behinderung es sind, welche die Geschlechtlichkeit von und zwischen geistig behinderten Erwachsenen als problematisch ansehen. In dieser Arbeit möchte ich aufzeigen, dass die Schwierigkeiten bezüglich der Sexualität dieser Personengruppe nicht primär in der Behinderung selbst liegen, sondern ihre Ursachen in den alltäglichen Einschränkungen, Abhängigkeiten und fremdbestimmten Lebensbedingungen dieser Menschen haben. Diese allgemeine Einschränkung der selbstbestimmten Lebensführung erhält oft noch eine zusätzliche Steigerung, wenn der Betreffende in einer stationären Großeinrichtung untergebracht ist. Im Hauptteil dieser Arbeit möchte ich deshalb insbesondere die institutionellen Einschränkungen des partnerschaftlichen und sexuellen Lebens der Bewohner solcher Einrichtungen diskutieren.

Meine Motivation für die Bearbeitung dieses Themas entwickelte sich während meiner Hospitation auf einer Wohngruppe für schwer geistig und mehrfach behinderte Männer in einer stationären Großeinrichtung. Einige der Bewohner zeigten sexuelle Ausdrucksweisen, wie beispielsweise das öffentliche Manipulieren an den eigenen Genitalien. Irritiert von diesem Verhalten traute ich mich dennoch nicht, dieses Thema anzusprechen und auch von Seiten der Mitarbeiter kam die Sexualität der Bewohner nie zur Sprache. Ähnliche Erfahrungen machte ich auch in anderen Bereichen dieser Einrichtung: Die sexuellen Bedürfnisse und Ausdrucksweisen der Bewohner waren nur selten Diskussionsgegenstand der Mitarbeiter. Aus diesem Grund möchte ich dieses Thema in meiner Arbeit aufgreifen und hoffe, den Leser zu sensibilisieren für eine Wahrnehmung und Unterstützung der Sexualität von in Großeinrichtungen lebenden Menschen mit geistiger Behinderung.

Mit der Arbeit möchte ich versuchen, folgende Fragestellungen zu beantworten:

- Gibt es ein behinderungsspezifisches Sexualverhalten?
- Inwieweit stimmen die Ansprüche der Einrichtungsbewohner auf ein normalisiertes (Sexual)Leben mit der Umsetzung im Heimalltag überein und inwieweit wird die Sexualität der geistig behinderten Menschen durch die Einstellungen und Verhaltensweisen der Mitarbeiter beeinflusst?
- Was kann getan werden, bzw. was muss sich in der Realität des Einrichtungslebens ändern, um den Bewohnern ein selbstbestimmteres Sexualleben zu ermöglichen?

Hierauf basierend ergibt sich folgender Textaufbau:

Beginnen werde ich die Arbeit mit den kontextrelevanten Definitionen von Freundschaft, Sexualität und geistiger Behinderung, um im Folgenden die Entwicklung der menschlichen Sexualität im allgemeinen und unter behinderungsspezifischen Aspekten darzustellen. Im Hauptteil werde ich dann auf die Bedeutung von Freundschaft und Sexualität für Menschen mit geistiger Behinderung eingehen und anschließend mögliche sexuelle Verhaltensweisen dieser Klientel darstellen. In Folge daran beschäftige ich mich mit Kinderwunsch und Elternschaft geistig behinderter Menschen und diskutiere anschließend Methoden der Empfängnisverhütung einschließlich der Sterilisation. Daran anknüpfend möchte ich die rechtlichen und konzeptionellen Ansprüche der Bewohner auf ein normalisiertes Leben auch im sexuellen Bereich diskutieren und mögliche Einschränkungen ihrer Sexualität durch institutionelle Rahmenbedingungen sowie durch das Verhalten der Mitarbeiter beschreiben. Anschließend wird der Themenkomplex Sexueller Mißbrauch von Einrichtungsbewohnern erörtert. Das Problemfeld AIDS werde ich nur kurz im Rahmen eines Exkurses umreißen. Nachfolgend werde ich ausführlich auf (pädagogische) Interventionsmöglichkeiten im Hinblick auf die Entwicklung eines selbstbestimmten Sexuallebens geistig behinderter Menschen eingehen. Abschließend werden die Ergebnisse der zuvor behandelten Themenkomplexe verglichen mit einer von mir in … ( einer stationären Großeinrichtung für behinderte Menschen) durchgeführten qualitativen Mitarbeiterbefragung zum Thema "Freundschaft und Sexualität geistig behinderter Menschen in einer Großeinrichtung."

Es sei darauf hingewiesen, dass ich auf Grund der besseren Lesbarkeit der Arbeit bei der Beschreibung von Bewohnern und Mitarbeitern die männlichen Formen verwende, es sei denn, ich beziehe mich explizit auf Menschen weiblichen Geschlechts. Hin und wieder verwende ich synonym zu dem Begriff Mitarbeiter das Wort Betreuer. Um hierbei Mißverständnisse zu vermeiden, werde ich im Hinblick auf die Sterilisation Einwilligungsunfähiger von rechtlichen Betreuern sprechen.

2. Begriffsbestimmungen

2.1 Definition von Freundschaft

Etymologisch steht der Begriff Freundschaft in einem Bedeutungszusammenhang mit Verwandtschaft und Liebe, aber auch mit Freiheit. Die scheinbare Vertrautheit mit dem Konstrukt Freundschaft legt die Annahme nahe, jeder benutze den Begriff in einem ähnlichen Kontext. Es ist aber so, dass der Ausdruck Freundschaft von den verschiedensten Fachrichtungen wie beispielsweise der Psychologie, Philosophie oder Soziologie unter je eigenen, fachspezifischen Aspekten definiert wurde. Da die Darstellung der verschiedenen Ansätze jedoch den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, werde ich mich hier beziehen auf die soziologische Definition von NÖTZOLDT-LINDEN. Hiernach ist

"Freundschaft [...] eine auf freiwilliger Gegenseitigkeit basierende dyadische, persönliche Beziehung zwischen nichtverwandten, gleichgeschlechtlichen Erwachsenen in einer Zeitspanne."[2] Eine Freundschaft ist demnach keine institutionalisierte, sozial vorgegebene Beziehung, sondern unterliegt der persönlichen Kontrolle der Beteiligten. Von Freundschaft kann hier nur gesprochen werden, wenn dies von beiden Partnern so erlebt wird. Auch die Dauer spielt eine Rolle: Freundschaft ist keine punktuelle, spontane Begegnung, sondern entwickelt sich im Verlauf einer Zeitspanne.

Im Hinblick auf das Thema dieser Arbeit halte ich diese Definition für angemessen, da sie sich explizit auf die Erwachsenenfreundschaft bezieht; allerdings möchte ich den von NÖTZOLDT-LINDEN genannten Aspekt der Gleichgeschlechtlichkeit erweitern um den der Gegengeschlechtlichkeit, um im Folgenden den unterschiedlichen Formen der Freundschaft geistig behinderter Menschen besser gerecht werden zu können. Unter Abschnitt 4.1 werde ich mich ausführlicher mit der Bedeutung von Freundschaft für Menschen mit geistiger Behinderung auseinandersetzen, hier sollen nur die wichtigsten Aspekte dieser Beziehungsform kurz vorgestellt werden: Da wäre die pragmatisch-utilitaristische Ebene der Freundschaft zu nennen, welche die gegenseitige Hilfe in materiellen und seelischen Notlagen beinhaltet. Der soziale Aspekt der Freundschaft impliziert Schutz vor Alleinsein, Vertrauen und Solidarität. Auf der personalen Ebene dient die Freundschaft dem Zwecke der Identitätsfindung und -sicherung. Abschließend bleibt der emotionale Aspekt zu erwähnen, bei dem es um den gefühlsmäßigen Austausch untereinander geht.[3]

2.2 Definition von Sexualität

Aus semantischer Sicht läßt sich der Begriff Sexualität zurückführen auf das lateinische Wort secare (teilen) und bedeutet soviel wie Unterteilung in zwei unterschiedliche Geschlechter. In Lexika trifft man meist auf folgende oder ähnliche Definitionen, wonach Sexualität die "Gesamtheit der mit dem Geschlechtstrieb zusammenhängenden Empfindungen, Bedürfnisse Verhaltens- u. Handlungsweisen, Geschlechtlichkeit"[4] ist. Diese Begriffsbestimmung stimmt mit der gesamtgesellschaftlich weit verbreiteten Einschätzung überein, wonach Sexualität oft als dasselbe betrachtet wird wie die Genitalsexualität. Dies ist jedoch

"eine verhängnisvolle einseitige Einschätzung, die Sexualität in den Entwicklungsphasen des Menschen vor der Pubertät in der Regel einfach negiert und Sexualität nach der Pubertät meist nur auf den sogenannten Sex einschränkt."[5]

Die auf Genitalsexualität beschränkte Sichtweise der menschlichen Sexualität erfährt jedoch häufig eine Gradwendung um 180 Prozent, verfällt sozusagen in ein anderes Extrem, wenn sie im Zusammenhang mit geistig behinderten Menschen erwähnt wird. So erfahren wir beispielsweise von SCHRÖDER, daß es in diesem Kontext bereits Sexualität sei,

"wenn man ein Tier liebkost, oder eine Puppe wiegt, [Sexualität] ist leidenschaftliches Verlangen, aber auch das ratlose Betrachten eines Menschen, den man gern hat, ist ein verstecktes Lächeln, oder ein roter Kopf, wenn man sich ertappt glaubt, ist das Abpflücken einer Blume, das Einatmen von salziger Seeluft."[6]

Mit einer solchen Ausweitung von Sexualität macht man es sich jedoch

zu einfach. Nach LEMPP ist sie dann auch nur

"ein fauler Trick, um das tatsächliche oder vermeintliche Problem zu entschärfen [...].Es geht ja ganz konkret um die genitale Aktivität bei den behinderten Kindern und Erwachsenen [...] und wir können dieses Problem kaum dadurch lösen, daß wir die Behinderten aufs Blumenpflücken verweisen."[7]

Kaum einer der nichtbehinderten Erwachsenenwürde sich mit den von SCHRÖDER genannten Elementen der Sexualität begnügen, warum also sollten wir dies von unseren geistig behinderten Mitbürgern erwarten? Es steht uns nicht zu, ihnen den Bereich der Genitalsexualität von vornherein abzusprechen. Besser beschrieben, wenn auch wiederum die Genitalsexualität nicht explizit erwähnend, wird der Begriff der Sexualität von der Bundesvereinigung Lebenshilfe.

Hier heißt es:

"Sexualität ist mit dem Menschsein untrennbar verbunden. Sie umfaßt alle Aspekte des Mann- oder Frauseins und ist bereits Teil der kindlichen Persönlichkeit. In der zwischenmenschlichen Beziehung ist Sexualität von großer Bedeutung für Werte wie Liebe, Nähe und Wärme, Zärtlichkeit, Sinnlichkeit und Erotik. Sie ist damit Ausdruck des Grundbedürfnisses, nicht allein sein zu wollen."[8]

In der Fachliteratur findet man heutzutage sehr häufig das Drei-Stufen-Schema des holländischen Medizinethikers SPORKEN. Danach umfaßt Sexualität

1. das ganze Gebiet von Verhaltensweisen in den allgemeinmenschlichen Beziehungen,
2. den Mittelbereich von Zärtlichkeit, Sensualität und Erotik, sowie
3. die Genitalsexualität.[9]

SPORKEN betont dabei die Gleichwertigkeit aller drei genannten Dimensionen der Sexualität und beschreibt ihre Übergänge als fließend. Ich halte diese Definition im Hinblick auf das Thema dieser Arbeit für sinnvoll, da sie den ganzheitlichen Aspekt von Sexualität berücksichtigt. Ergänzend möchte ich allerdings hinzufügen, daß Sexualität selbstverständlich auch ohne Partner gelebt werden kann, wie es beispielsweise bei der Masturbation der Fall ist.

2.3 Definition von geistiger Behinderung

Der Begriff der "geistigen Behinderung" kam erst in den 60er Jahren auf, geprägt durch die 1958 in Marburg gegründete Elterninitiative "Bundesvereinigung Lebenshilfe e.V.". Er sollte als neutraler Begriff die bis dahin gebräuchlichen, aber diskriminierenden Wörter wie Depp oder Blöder ersetzen, hat aber mittlerweile selbst oft eine stigmatisierende Funktion. Eine einheitliche, von allen Fachdisziplinen anerkannte Definition von "geistiger Behinderung" gibt es bislang noch nicht, so dass ich im Folgenden einen kurzen Einblick in die Vielfalt der Definitionen bieten möchte:

In der medizinischen Klassifikation gilt geistige Behinderung als Begrenzung der maximalen Intelligenzentwicklung und wird nach ihrem Schweregrad folgendermaßen unterteilt: Bei einem IQ von 50-69 spricht man von leichter geistiger Behinderung oder Debilität, wobei das maximale Entwicklungsalter bei etwa 15 Jahren liegt. Die mäßige bzw. schwere geistige Behinderung wird als Imbezillität bezeichnet, der IQ liegt hier zwischen 20 und 49, was einem Entwicklungsalter zwischen drei und sechs Jahren entspricht. Von schwerster geistiger Behinderung oder auch Idiotie spricht man in medizinischen Fachkreisen dann, wenn die IQ-Werte unter 20 liegen. Das maximale Entwicklungsalter beträgt hierbei etwa 18 Monate.[10] Zu dieser Einteilung muß kritisch angemerkt werden, daß die IQ-Testverfahren mit zunehmender Schwere der geistigen Behinderung immer unzuverlässiger werden und verschiedene Testbatterien auch oft zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. IQ-Werte können also immer nur als Orientierungshilfe für die Einschätzung intellektueller Fähigkeiten angesehen werden.

Aus rechtlicher Sicht wird nach § 2 Absatz 1 SGB IX ein Mensch dann als geistig behindert eingestuft, wenn seine geistige Funktion mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für sein Lebensalter typischen Zustand abweicht und so seine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben beeinträchtigt ist.

Nach dem Deutschen Bildungsrat gilt als geistig behindert,

"wer infolge einer organisch-genetischen oder anderweitigen Schädigung kognitiv so sehr beeinträchtigt ist, daß er voraussichtlich lebenslanger sozialer und pädagogischer Hilfen bedarf. Mit der kognitiven Beeinträchtigung gehen solche der sprachlichen, sozialen, emotionalen und motorischen Entwicklung einher.“[11]

Die genannten Definitionen stellen übereinstimmend die vorliegenden Defizite von Menschen mit geistiger Behinderung in den Vordergrund, was den Blick auf die Gesamtpersönlichkeit der Betroffenen zwangsläufig stark einschränkt. Deshalb möchte ich mich der Aussage der "Lebenshilfe" anschließen, wonach

"die Beschreibung "geistig behindert" nie dem eigentlichen Wesen eines Menschen gerecht werden [kann]. Sie bezieht sich eher auf intellektuelle Bereiche, nicht aber auf sonstige Wesenszüge, wie z.B. die Fähigkeit, Freude zu empfinden und zu verbreiten oder sich wohl zu fühlen. [...] Der Blick auf die Gesamtpersönlichkeit muss Vorrang haben gegenüber Einzelmerkmalen. [...]. Stets sind die Persönlichkeitsentwicklung und alle körperlichen, seelisch-geistigen und sozialen Fähigkeiten gleichermaßen zu berücksichtigen."[12]

Dieser Blick weg von der Defektorientierung hin zu der Betrachtung der Gesamtpersönlichkeit läßt mehr Raum für individuelle Entwicklungsmöglichkeiten. Geistige Behinderung kann dann nicht mehr als unveränderlicher, defizitärer Zustand angesehen werden.

Beenden möchte ich diesen Abschnitt mit einem Zitat von HAHN, in dem er das "Geistigbehindertsein" treffend aus der Sicht der persönlich Betroffenen schildert:

"Geistigbehindertsein stellt sich für Betroffene als ein extremes Mehr an sozialer Abhängigkeit dar, als ein Verlust an Freiheit, einem Verlust an Unabhängigkeit. Wo soziale Abhängigkeit vorliegt, geht Verantwortung für diesen Teil der Lebenswirklichkeit ganz oder teilweise vom behinderten Menschen auf nichtbehinderte Menschen über, von denen er abhängig ist. Dies gilt uneingeschränkt auch für die Realisierung von Sexualität."[13]

Diese Begriffserklärung greift in passender Art und Weise das Dilemma auf, in dem sich geistig behinderte Menschen, gerade auch im Hinblick auf ihre Sexualität, befinden. Im Laufe dieser Arbeit werde ich mich deshalb immer wieder auf diese Gedankengänge beziehen, also den Aspekt der sozialen Abhängigkeit aufgreifen.

3. Die Entwicklung der menschlichen Sexualität

3.1 Sexuelle Entwicklung im Kindesalter

Obwohl es in dieser Arbeit primär um die Sexualität geistig behinderter Erwachsener gehen soll, halte ich es für unumgänglich, die sexuelle Entwicklung des Menschen kurz zu umreißen. In den verschiedenen Entwicklungsphasen werden schließlich die Grundlagen gelegt für das sexuelle Verhalten des (geistig behinderten) Erwachsenen.

Da in der einschlägigen Fachliteratur über die Sexualität geistig behinderter Menschen oft Bezug auf das Modell der psychosexuellen Entwicklung genommen, es aber selten aufgeführt wird, möchte ich dieses im Folgenden kurz darstellen. Zurückzuführen ist dieses Modell auf den Psychoanalytiker SIEGMUND FREUD (1856-1939), der in seinem 1905 veröffentlichten Werk „Drei Abhandlungen der Sexualtheorie“ als einer der ersten die kindliche Sexualität anerkannte, und so die Sicht der Sexualität als Fortpflanzungstrieb erweiterte um den Aspekt des individuellen Lustgewinns und der sinnlichen Bedürfnisbefriedigung. Mit der Darstellung der von FREUD beschriebenen und von BROCHER bearbeiteten Entwicklungsphasen gebe ich im Folgenden die Lehrmeinung wieder, die nicht in allen Punkten mit meiner Ansicht übereinstimmt.

- Orale Entwicklungsphase

Die orale Phase erstreckt sich vom Zeitpunkt der Geburt bis zu einem Alter von etwa zweieinhalb Jahren. Gerade das erste Lebensjahr hat enorme Bedeutung für die Entwicklung des Körperbewusstseins. Jede Berührung, der Umgang mit Nacktheit, Wärme, Nähe, Geborgenheit ist für das Kind elementar und man geht davon aus, dass bereits diese Erfahrungen die spätere Sexualität mitprägen. In der oralen Entwicklungsphase ist es von entscheidender Bedeutung, daß sich das Kind von der Mutter löst und eine "Individuation des frühkindlichen Ich"[14] stattfinden kann. Das frühkindliche Lustempfinden und die Weltwahrnehmung des Kleinkindes erfolgen in dieser Zeit über Haut- und Mundreize, was in der Sexualität des Erwachsenen ihre erotische Entsprechung findet. "Kennzeichen der oralen psychosexuellen Entwicklungsstufe ist das Habenwollen. Die Befriedigung umfaßt das Habenkönnen."[15] Durch das Nichthabenkönnen kommt es zu Gefühlen der Frustration und darauf folgend zu Trauer oder Passivität. Wurde diese Phase nicht genügend bewältigt, so wird nach psychoanalytischer Sicht eine Persönlichkeitsstruktur ausgebildet, die sich durch schnelle Kränkbarkeit, Überempfindlichkeit, die Neigung zu Depressionen oder aber gegenteilig durch Herumkaspern und submanisches Verhalten auszeichnet.

- Anale Entwicklungsphase

Im zweiten und dritten Lebensjahr tritt die anale Phase (von Lat. anus = After) in den Vordergrund. In dieser Zeit lernt das Kind meist, seine Darmfunktion zu kontrollieren, sein Lustempfinden konzentriert sich auf den Anus. Die Beherrschung der Ausscheidungsfunktion wird als Machtzuwachs erlebt, das Kind entwickelt Gefühle von Autonomie und Selbstkontrolle, was für seine Persönlichkeitsbildung von großer Bedeutung ist. Ist die Erziehung in dieser Phase verbietend und einengend, so zieht sich das Kind entweder verschüchtert zurück oder entwickelt im Gegenteil negative Durchsetzungsmechanismen. Hier entsteht der anale Persönlichkeitscharakter des Erwachsenen, welcher darin zum Ausdruck kommt, dass Verpflichtungen nur erfüllt werden, wenn mit Belohnung bzw. Strafe zu rechnen ist.

Im Übergang zur nächsten Phase entwickelt das Kind eine verstärkte Sexualneugier, sein Explorationsdrang nimmt stärkere Formen an.

- Phallische Entwicklungsphase

Etwa ab dem vierten Lebensjahr geht die anale in die phallische Entwicklungsphase über. Der Begriff "phallisch" leitet sich vom lateinischen Wort Phallus ab, bezieht sich also auf das erigierte männliche Glied. In dieser Phase beschäftigt sich das Kind dann auch in erster Linie mit den Geschlechtsorganen und ihrer Verschiedenartigkeit bei Mann und Frau. Bei Jungen führt die Erkenntnis, dass es Menschen ohne Penis gibt, meist zu der Befürchtung, auch ihnen könnte ihr Glied genommen werden. Dies bezeichnet man als Kastrationsangst. Die Entsprechung in Bezug auf die Mädchen findet sich in dem Wort Penisneid: Es wird davon ausgegangen, dass das kleine Mädchen seinen "Mangel" als Strafe für frühkindliche Masturbation auffaßt.[16]

Mit der Differenzierung des Kindes zwischen Mann und Frau kommt es zu einer deutlichen Zuwendung zu dem gegengeschlechtlichen Elternteil und zu rivalisierendem Verhalten mit dem gleichgeschlechtlichen. Dieses Phänomen wurde von Freud als Ödipus- bzw. Elektrakonflikt[17] bezeichnet. Bei normalem Vollzug dieser Phase löst sich aber die Rivalität zu dem gleichgeschlechtlichen Elternteil durch die Anerkennung seiner größeren Stärke auf, das Kind identifiziert sich nun mit ihm. Mit dieser Identifizierung einher geht die Übernahme der eigenen Geschlechtsrolle. Jungen entwickeln während dieser Zeit oft ein Imponiergehabe, Mädchen wirken schüchterner und somit weiblicher. Das Erwachsensein wird nun durch Rollenspiele eingeübt, die Kinder entwickeln vermehrt Eigeninitiative.

- Latenzphase

In seinen Modellvorstellungen läßt FREUD an die phallische Phase die Latenzphase anschließen, die etwa bis zum 11. Lebensjahr andauert. In dieser Zeit geht die Neugier am Sexuellen stark zurück, "das Kind verhält sich asexuell"[18]. Dieser Meinung wurde in Fachkreisen zum Teil heftig widersprochen, so betonen beispielsweise FRIEDRICH und HOFFMANN, daß auch in dieser Zeitspanne "eine Fülle von sexuellen Phantasien und sexuellen Entäußerungen eines Kindes beobachtbar sind"[19]. Die Existenz einer asexuellen Phase der Sexualentwicklung wird also angefochten. Unabhängig davon, ob es sich in diesem Alter um eine asexuelle Phase handelt oder nicht, ist diese Zeit gekennzeichnet durch zunehmendes Realitätsbewusstsein, Aushandeln von Regeln, Aktivität und Betriebsamkeit. Das Kind interessiert sich für die Funktionsweise von Gegenständen und erlernt nun die Kulturtechniken.

Wurden die vorangehenden Entwicklungsphasen nicht angemessen bewältigt, so kann das Kind nun in kleinkindhafte Verhaltensweisen dieser Phasen zurückfallen. Symptome hierfür sind beispielsweise Sprachstörungen und Einnässen. Dieser Rückfall in kindliche Verhaltensweisen wird als infantile Regression, als „regressive Glückseligkeit“ bezeichnet.[20]

3.2 Entwicklung während der Pubertät

3.2.1 Allgemeiner Teil

Der Begriff Pubertät läßt sich von dem lateinischen Wort "pubes" ableiten, was Schamhaar bedeutet. Pubertas heißt wörtlich übersetzt Mannbarkeit. In der Umgangssprache meint Pubertät die Zeitspanne der körperlichen Reifung in der Übergangsphase zwischen Kindheit und Erwachsensein. In dieser Phase entwickelt sich der Jugendliche sowohl in körperlicher, als auch in sozialer und psychischer Hinsicht entscheidend weiter. Bei den Mädchen beginnt die Pubertät zwischen dem 8. und 13. Lebensjahr mit einer Rundung der Hüften. Etwas später kommt es zur Brustentwicklung, Körper- und Schambehaarung beginnen zu wachsen. Die inneren und äußeren Schamlippen werden größer und mit durchschnittlich 12 Jahren setzt die Menarche, die erste Regelblutung, ein. Bei den Jungen wird die Pubertät mit durchschnittlich 11, 12 Jahren durch das Wachstum von Hoden und Penis eingeleitet. Es schließt sich die Entwicklung von Scham- und Achselbehaarung an, mit etwa 14 Jahren kommt es zum Stimmbruch, d.h., die Stimmlage senkt sich. Die ersten Pollutionen treten meist zwischen dem 14. und 15. Lebensjahr auf und finden häufig nachts im Schlaf statt. Sowohl bei Mädchen als auch bei Jungen kommt es in dieser Entwicklungsphase zu einer enormen Zunahme an Größe und Körpergewicht. Das Problem "Akne" dürfte dem Leser sicher noch aus der eigenen Jugendzeit bekannt sein.

Kennzeichnend für diese Zeit der raschen Entwicklung sind nach WALTER folgende Verhaltenscharakteristika:

- Jugendliche unterliegen extremen Stimmungsschwankungen, sie wechseln zwischen Euphorie und depressiven Phasen.
- Es kommt zu einem ständigen Wechsel zwischen aktivem und passivem Verhalten, verbunden mit geringer Frustrationstoleranz.
- Widerstand gegen Autoritäten, arrogantes und überhebliches Verhalten sind verbunden mit eigenen Allmachtsphantasien, die aber abrupt in Minderwertigkeitsgefühle und Überempfindlichkeit umschlagen können. Suizidale Phantasien sind möglich.
- Das eigene Aussehen wird immer wichtiger. Vergleiche mit Gleichaltrigen werden angestellt, wobei die eigene pubertäre Unförmigkeit oft als tragisch erlebt wird. In seinem Verhalten schwankt der Jugendliche zwischen übertriebener Prüderie hinsichtlich seines Körpers und exhibitionistischer Zurschaustellung.
- Gedanken und Wertvorstellungen von Erwachsenen werden rigoros abgelehnt oder einer kompromisslosen Prüfung auf Echtheit unterzogen. Hierdurch erreicht der Heranwachsende den Abbau des infantilen Eltern-Überichs und gelangt zu eigenen Ziel- und Idealvorstellungen.[21]

3.2.1 Aspekte der psychosozialen Pubertätsentwicklung

Die vorangehenden Verhaltenscharakteristika pubertierender Jugendlicher spiegeln die Problematik dieser Entwicklungsphase wieder. So beschreibt WALTER die Pubertät treffend als "leidvollen Prozeß psychischer Umstrukturierung"[22], denn in keiner vorangehenden Entwicklungsphase nimmt der Mensch die raschen körperlichen und seelischen Veränderungen so bewußt wahr wie jetzt. Wie oben bereits ausführlicher dargestellt charakterisieren Stimmungsschwankungen, geringe Frustrationstoleranz, Widerstand gegen Autoritäten und Gefühle von Minderwertigkeit aber auch Allmachtsphantasien das jugendliche Verhalten während der Pubertät. Dies alles ist Teil einer normalen Entwicklung und begünstigt den Aufbau einer unabhängigen Persönlichkeit. Nach übereinstimmender Meinung von Wissenschaftlern sind die Entwicklungsaufgaben der psychosozialen Pubertätsentwicklung der Aufbau der sexuellen Reife, der psychischen sowie der sozialen Reife. Unter sexueller Reife versteht man zum einen die biologische Geschlechtsreife, die abhängig ist vom persönlichen Gesundheitszustand, der Ernährung und dem Klima. Darüber hinaus beinhaltet sie auch die Übernahme der geschlechtsspezifischen Rolle und die Akzeptanz der eigenen körperlichen Erscheinung. Die psychische Reife beinhaltet die Entwicklung von Verantwortungsbewußtsein, kritischem Urteilsvermögen, emotionaler Unabhängigkeit durch die Loslösung vom Elternhaus sowie den Aufbau eines eigenen Wertesystems. OERTER/MONTADA ergänzen die genannten Punkte noch um die Bereiche der Entwicklung der Ich-Identität, des Aufbaus eines Freundeskreises, sowie der Aufnahme intimer Partnerbeziehungen. Zusammengefasst bedeutet psychische Reife also seelische Selbständigkeit. Die soziale Reife schließlich wird erst dann erreicht, wenn man sich eine selbständige, unabhängige wirtschaftliche Existenz aufgebaut hat. Dies ist die Voraussetzung für Heirat und eigene Familiengründung. Ziel hierbei ist die Integration des jungen Erwachsenen in das Gesellschaftsleben, was allerdings von vielen jungen Menschen, insbesondere von Fachschülern und Studenten oft nicht vor Mitte oder gar Ende des dritten Lebensjahrzehnts erreicht wird.[23]

Im nachfolgenden Kapitel soll überprüft werden, inwieweit diese Aufgaben der psychosozialen Pubertätsentwicklung von Jugendlichen mit geistiger Behinderung vollzogen werden können.

3.2.2 Behinderungsspezifische Probleme während der Pubertät

Bis auf wenige Behinderungsarten verläuft die sexuell-biologische Reifeentwicklung geistig behinderter Jugendlicher unabhängig von der Intelligenzminderung analog zu der von Nichtbehinderten. Die sexuelle Reife wird demnach zumindest auf biologischer Ebene auch von ihnen erlangt. So treffen die oben genannten pubertätsspezifischen Charakteristika ebenfalls auf geistig behinderte Jugendliche zu. Auch sie erleben diesen schmerzhaften Prozeß der Umstrukturierung, wenn auch unter anderen Voraussetzungen als die nichtbehinderten Gleichaltrigen. Auf Grund der Diskrepanz zwischen Sexual- und Intelligenzalter verstehen geistig behinderte Jugendliche weniger, was mit ihrem Körper geschieht. Verschärfend kommt hinzu, daß bei ihnen häufig auf eine adäquate Sexualaufklärung verzichtet wird, da unterstellt wird, dass sie die körperlichen Veränderungen gar nicht wahrnähmen. Dies führt dazu, daß diese Veränderungen kaum eingeordnet, geschweige denn verarbeitet werden, was vielfältige Ängste heraufbeschwören kann. So werden die Jugendlichen beispielsweise häufig von der ersten Regelblutung bzw. dem ersten Samenerguß überrascht und bringen diese in Verbindung mit ernsten Krankheiten. Im Extremfall entwickelt sich sogar Abscheu vor dem Genitalbereich und infolgedessen der Sexualität. Darüber hinaus führt die mangelnde Bereitschaft zur Aufklärung dazu, dass sich Jugendliche mit geistiger Behinderung nur schwer in ihre jeweilige Geschlechterrolle einfinden können, sich seltener als heranwachsenden Mann, heranwachsende Frau wahrnehmen.

Die körperlichen Veränderungen lassen die Behinderung stärker zum Ausdruck kommen, sie wird "für Außenstehende rascher erkennbar und damit deutlicher stigmatisierbar."[24] Der Jugendliche nimmt seine Andersartigkeit bewußter wahr, empfindet sie oft als belastend und steht nun vor der schwierigen Aufgabe, sie zu akzeptieren und in seine Persönlichkeit zu integrieren. Dies allerdings wird ihm nur gelingen, wenn auch seine Bezugspersonen diesen Schritt erfolgreich vollziehen konnten.

Die Abweichung vom gängigen Schönheitsideal erschwert die für Nichtbehinderte übliche frühe erotische Erfahrung mit Gleichaltrigen im Schonraum der peer group. Geistig behinderte Jugendliche gelten als nicht attraktiv genug, so daß ihnen die Erfahrungen erster Intimbeziehungen oft fehlen, wodurch das meist eher negative Selbst- und Körperbild noch verstärkt wird.

Im Hinblick auf die psychische Reife kann festgestellt werden, dass es für geistig behinderte Heranwachsende oft sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich ist, sie zu erreichen. Geistig behinderten Jugendlichen wird meist grundsätzlich weniger erlaubt und zugetraut, so daß sie geringere Chancen zur Selbstverwirklichung und zur Entwicklung einer eigenständigen Persönlichkeit haben. Auch die Loslösung vom Elternhaus und das Erreichen relativer Selbständigkeit werden oft dadurch erschwert, daß viele Eltern in der Betreuung ihres Kindes eine Lebensaufgabe sehen, ihr Kind nicht loslassen wollen und ihm zudem (zu) viele Entscheidungen einfach abnehmen.

Auch die Stufe der sozialen Reife wird von einem Großteil der geistig behinderten Menschen nicht erreicht. Partielle Ausnahmen bilden hier Werkstattbesuche mit eigenem Verdienst und das von den Eltern losgelöste Leben in betreuten Wohngruppen. Das Ziel der Integration in das Gemeinwesen, möglichst als wirtschaftlich gutsituierter Bürger mit eigener Familie bleibt unter den heutzutage üblichen Lebensbedingungen dieser Personen in Deutschland für fast alle Menschen mit geistiger Behinderung eine Utopie.

Durch die genannten Abhängigkeiten und die einschränkende Erziehungshaltung vieler Eltern und Betreuer ergibt sich eine sekundäre Behinderung, die oft größere Auswirkungen auf die Entwicklung einer eigenständigen Persönlichkeit hat, als es die geistige Behinderung allein hätte.

Als Fazit läßt sich sagen, daß Jugendliche mit der stürmischen Zeit der Pubertät und der Entwicklung ihrer Sexualität sicher besser zurechtkämen, wenn sie mehr partnerschaftliche Unterstützung und weniger beschützende Verbote erhielten.

4. Bedeutung von Freundschaft und Sexualität für Menschen mit geistiger Behinderung

4.1 Bedeutung von Freundschaft

Freundschaft wird im Bereich der Arbeit mit behinderten Menschen sowohl von den Betroffenen selbst als auch von den Mitarbeitern häufig mit einer Partnerschaft gleichgesetzt. Da die Bedeutung von Partnerschaft zu einem großen Teil mit der von Freundschaft übereinstimmt und Partnerschaft bekanntlich auch Freundschaft sein kann, werde ich hier nicht zwischen beiden differenzieren.

Der Mensch als soziales Wesen entwickelt seine Persönlichkeit erst in Wechselwirkung zwischen seinen eigenen Wahrnehmungen, der sozialen Umwelt und den Personen, die ihm begegnen. Er ist also ist auf den Kontakt zu seinen Mitmenschen angewiesen. Innerhalb einer Freundschaft macht der geistig behinderte Mensch nun die Erfahrung, für den Partner als attraktiv zu gelten, ohne Blick auf seine Behinderung angenommen zu sein. Er erhält das Gefühl, akzeptiert, normal und vollwertig zu sein. Der Partner kümmert sich nicht aus familiären oder arbeitsbedingten Verpflichtungen heraus um ihn, sondern aus ehrlichem, eigenmotiviertem Interesse an seiner Person. Der Aspekt der in der Definition von Freundschaft genannten freiwilligen Gegenseitigkeit spielt hier eine bedeutende Rolle. Zu einem Freundschaftsverständnis gehört die gegenseitige Rückmeldung von Vertrauen, Verständnis und Verläßlichkeit. Freundschaft stabilisiert die Ich-Identität und dient als Medium der Selbstoffenbarung und Persönlichkeitsentwicklung. Dazu gehört auch das Akzeptieren von Fehlern und Versagen des anderen .[25] Bei sprachfähigen Menschen mit geistiger Behinderung ist das wichtigste an einer Freundschaft, daß sie sich unterhalten, aussprechen können, sich gegenseitig entlasten, unterstützen, trösten und Mut machen. Auch gemeinsame Unternehmungen, und körperliche Nähe sind von großer Bedeutung, wobei sich das partnerschaftliche Interesse im Allgemeinen weniger auf den direkten Geschlechtsverkehr bezieht. Kommt es zu kritischen Lebensereignissen, so erweist sich eine Freundschaft für die Bewältigung dieser Situationen als ausgesprochen hilfreich. Meist handelt es sich bei solchen Freundschaften um relativ symmetrische Beziehungen, d.h. die Partner sind sich von ihren Fähigkeiten her recht ähnlich. Anders gestaltet sich das Freundschaftsverhältnis, wenn einer der beiden wesentlich stärker beeinträchtigt ist als der andere. Hierbei geht es dann eher um Rücksichtnahme, Hilfe und Unterstützung im Alltag des schwächeren Partners.[26]

Alle genannten Aspekte der Freundschaft geistig behinderter Menschen stimmen mit denen bei nichtbehinderten überein. Auch diese sehen in einem Freund einen unverbindlichen Begleiter, der ihnen konkrete Unterstützung und seelischen Beistand bietet, ihnen Schutz vor Alleinsein und sozialen Rückhalt gewährt und mit dem man in einen wechselseitigen persönlichen Austausch treten kann.[27] Allerdings gestaltet sich für behinderte Menschen die Suche nach einem Freund oder Partner wesentlich schwieriger als für nichtbehinderte. Dies liegt zum einen daran, dass die Anbahnung von Freundschaften ein gewisses Maß an Mobilität voraussetzt, über dass viele geistig behinderte Menschen nicht verfügen. Ein anderer Aspekt ist das häufig negativ besetzte Körperschema, das Empfinden der eigenen Unzulänglichkeit, das Wissen um die geringe soziale Kompetenz. Diese Minderwertigkeitsgefühle erschweren den Kontakt zu anderen und machen einen Freundschaftsaufbau problematisch, da Freundschaft ohne ein bestimmtes Maß an Selbstwert nicht aufrechterhalten werden kann. Vielen Menschen mit geistiger Behinderung fällt es zudem schwer, das richtige Tempo zur Intensivierung der Freundschaft oder Partnerschaft einzuhalten. Hier wird u.a. zu schnell zuviel Nähe verlangt oder unrealistische Erwartungen an Zuwendung gestellt. Um hier nicht die Erfahrung einer Ablehnung durch den Sozialpartner machen zu müssen, wäre eine behutsame Anleitung durch die betreuenden Mitarbeiter denkbar.

Auch der Wunsch nach einer Freundschaft mit nichtbehinderten Menschen, als Ausdruck der Teilhabe an der gesellschaftlichen Normalität, bedeutet eine Einschränkung. Denn die meisten Beziehungen zu Nichtbehinderten sind entweder professioneller oder familiärer Art. Gerade professionelle Kontakte aber sind instrumentalisierte Beziehungen und können echte menschliche Bindungen nicht ersetzen. Dieser Wunsch nach Normalität versperrt oft die Möglichkeit, unter den ebenfalls behinderten Mitmenschen nach Freundschaften zu suchen. Die Mitbewohner werden häufig als nicht attraktiv genug und als Freund oder Partner nicht in Frage kommend bezeichnet. WENDELER formuliert diesbezüglich treffend:

„Leider hindert die eigene Behinderung nicht zuverlässig

daran, gesellschaftliche Diskriminierungen zu übernehmen, mit dem Ergebnis, dass die behinderten Menschen die Freundschaften, die sie wünschen, nicht finden und die Freundschaften, die sie finden könnten, nicht wollen.“[28]

Beeinträchtigend kommt in Einrichtungen der Behindertenhilfe auch hinzu, dass Verhaltensweisen von Mitbewohnern oft als beängstigend und einschüchternd erlebt werden, weshalb ein freundschaftlicher Kontakt erst gar nicht angestrebt wird. Auch die in Zwangsgemeinschaften (und die Wohngruppe ist eine Zwangsgemeinschaft) unvermeidlichen Spannungen und Missverständnisse untereinander begünstigen keinesfalls die Ausbildung fester Freund- und Partnerschaften. Die Orientierung am Gruppenprinzip entspricht im allgemeinen nicht den Bedürfnissen der Bewohner. Diese Bedürfnisse besser zu berücksichtigen muss Ziel zukünftiger Bemühungen sein, denn Untersuchungen haben ergeben, dass sich Freund- und Partnerschaften positiv auf die allgemeine Lebenszufriedenheit der Heimbewohner auswirken.

Letztlich muss noch darauf hingewiesen werden, dass partnerschaftliche Beziehungen und beständige Freundschaften umso eher möglich sind, je geringer der Grad der geistigen Beeinträchtigung ist. Sehr schwer behinderten Menschen ist es oft auf Grund des allgemeinen Entwicklungsrückstandes nicht möglich, Freundschaften in dem hier beschriebenen Sinn aufzubauen.

4.2 Bedeutung von Sexualität für Menschen mit geistiger Behinderung

Die Sexualität geistig behinderter Erwachsener wurde selbst von Experten lange Zeit nicht wahrgenommen, oft wurde diesen Menschen sexuelles Verhalten gänzlich abgesprochen. Heute wird Sexualität auch geistig behinderter Menschen nicht mehr nur als biologische Fortpflanzungsfunktion angesehen, sondern sie gilt als wesentliche Dimension zwischenmenschlicher Kommunikation und individueller Persönlichkeitsentfaltung.[29] So wird es auch in einer Denkschrift der Evangelischen Kirche Deutschland beschreiben:

"Das gesellschaftliche Gegenüber und die Begegnung von Männern und Frauen haben ihren Sinn in sich selbst. Deshalb dient die Sexualität nicht in erster Linie der Fortpflanzung. Mann und Frau sind aneinander gewiesen, um ihre Beziehung zu gestalten. In der Begegnung mit der Andersartigkeit des Partners erfährt der einzelne Mensch nicht nur eine Ergänzung, sondern er erkennt sich selbst und den anderen."[30]

Die Bedeutung von Sexualität liegt also neben der Fortpflanzung vor allem auch in der persönlichen Selbstverwirklichung, Selbsterkenntnis und Selbstentfaltung als Frau oder Mann. Darüber hinaus ist sie einer der Motivationsfaktoren , um zwischenmenschliche Beziehungen aufzunehmen und gemeinsam zu gestalten: "Die Sexualität ist einer der "Antriebe", die [den] Menschen bewegen, einen Partner zu suchen und ihn zu lieben. Der Mensch, der liebt und geliebt wird, ist eine Einheit. Er nimmt als Ganzes wahr, empfindet, denkt und handelt."[31] FEUSER erkennt die menschliche Sexualität als eine grundlegende Lebenskraft an und spricht jedem der genannten Bereiche, sprich der Fortpflanzung, der Selbstverwirklichung, sowie dem Aufbau zwischenmenschlicher Beziehungen, volle Anerkennung zu, auch wenn einer davon nicht realisierbar sein sollte. Ist beispielsweise die Fortpflanzung aus biologischen oder psychischen Gründen nicht möglich, so darf dies nicht die Verhinderung der anderen Bereiche nach sich ziehen. Auch die ausschließliche Konzentration auf den eigenen Körper, die eine sexuelle Partnerschaft unmöglich macht, bietet kein Alibi dafür, daß Sexualität grundsätzlich verhindert werden darf. Denn:

"Allein der Aspekt des subjektiven Lustgewinns durch sexuelle Betätigung, auch wenn er die Dimension partnerschaftlicher Zuwendung nicht erreicht, ist Grund genug, die Entwicklung der Sexualität umfassend zu fördern und sie einem Menschen zu ermöglichen, sei er nun behindert oder nicht."[32]

Aus all diesen Darstellungen wird deutlich, daß Sexualität in welcher Form auch immer untrennbar mit dem Menschsein verbunden ist und eine große Bedeutung für die individuelle Persönlichkeitsentwicklung hat, unabhängig davon, ob es sich um einen behinderten oder einen nichtbehinderten Menschen handelt. Wird Sexualität beispielsweise aus institutionellen Gründen heraus unterdrückt oder negiert, so führt dies häufig zu Frustrationen, Spannungen und mitunter sogar zu aggressiven Verhaltensauffälligkeiten, die sich meist schnell legen, wenn dem Bewohner ein adäquates Ausleben seiner sexuellen Bedürfnisse zugestanden wird.

5. Sexualität und sexuelle Partnerschaft bei erwachsenen Menschen mit geistiger Behinderung

5.1 Sexualverhalten geistig behinderter Menschen

5.1.1 Sexualität als Kommunikationsmittel und im sogenannten Mittelbereich

Äußerungsformen geistig behinderter Menschen werden oft auf Grund ihrer fehlenden oder mangelnden verbalen Ausdrucksmöglichkeiten missverstanden. Die meisten Menschen mit geistiger Behinderungen können sich sprachlich nicht ausreichend verständigen und greifen so auf non-verbale Kommunikation, insbesondere die Körpersprache, zurück, um ihre Gefühle und Bedürfnisse zu äußern. Diese soziale Funktion der Sexualität, die beispielsweise durch Streicheln und Anschmiegen als Sympathiebezeugung zum Ausdruck kommt, ist für den genannten Personenkreis von großer Bedeutung, wird aber in einer Gesellschaft, welche Gefühle eher verbirgt und verneint, als unbeherrschte, distanzlose, triebhafte oder gar aggressive Sexualität etikettiert. Obwohl man geistig behinderten Menschen sicherlich Unrecht tut, wenn man ihr Verhalten in solch pauschaler Weise kategorisiert, darf andererseits auch nicht der Fehler gemacht werden, all ihre Körperkontakte als nonverbale Sprache zu deuten. Auch bei diesen Menschen kann der Körperkontakt neben der sozialen Komponente der Sexualität auch direkte sexuelle Aspekte beinhalten. Dieses natürliche Triebelement darf nicht wegidealisiert werden.[33] Aus dem Gesagten folgt, dass geistig behinderten Menschen sozial akzeptable Gesten beigebracht werden sollten, die es ihnen erlauben, ihre Empfindungen differenziert zum Ausdruck zu bringen, ohne jedoch das Potential ihrer Sexualität zu negieren.

Ergänzend zu der Sichtweise der Sexualität als soziales Kommunikationsmittel ist ein Großteil der Autoren der Ansicht, dass für Menschen mit geistiger Behinderung nicht die Genitalsexualität im Mittelpunkt steht, sondern vielmehr die Möglichkeit, mit dem Partner Zuneigung und Zärtlichkeit auszutauschen. Nach SPORKEN umfasst dieser Mittelbereich der Sexualität Zärtlichkeit, Sensualität und Erotik, bezieht sich also beispielsweise auf Liebkosungen, Streicheln, Geben und Nehmen menschlicher Nähe, Wärme und Geborgenheit. Der Beziehungswert ist hierbei eindeutig nicht an die Genitalsexualität gebunden. Die Tatsache, dass sich das geschlechtliche Interesse bei einem Großteil der nichtbehinderten Bevölkerung mehr auf genitalsexuelle Aktivitäten richtet und die Sexualität im sogenannten Mittelbereich im Laufe einer Partnerschaft oft immer mehr zurückgeht, wirft die Frage auf, warum die Gewichtung des Sexualverhaltens geistig behinderter Menschen geradezu umgekehrt sein sollte. Warum spielt bei ihnen die Genitalsexualität trotz meist normaler sexualbiologischer Reife eine so untergeordnete Rolle? Eine mögliche Antwort hierauf findet sich in der gesellschaftlichen und oft auch institutionellen Ablehnung der genitalen Aktivitäten geistig behinderter Menschen. Ein bequemer Ausweg ist es demnach, das genitalsexuelle Interesse dieser Personengruppe zu ignorieren und davon auszugehen, dass der Mittelbereich für sie von wesentlich größerer Bedeutung ist. So können auch Problemkomplexe wie beispielsweise Schwangerschaftsverhütung oder Prävention von Geschlechtskrankheiten ruhigen Gewissens umgangen werden. Auf genitalsexuelle Aktivitäten gerichtete Bedürfnisäußerungen wird dann nicht eingegangen, so dass der behinderte Mensch in einem allmählichen Prozess resigniert und schließlich die Ablehnung der Genitalsexualität selbst übernimmt. Hierdurch wiederum wird die Annahme bestätigt, Menschen mit geistiger Behinderung hätten ein gering ausgeprägtes Interesse an genitalsexuellen Vorgängen. Eine "Selffulfilling Prophecy" entsteht.[34]

Sicherlich ist der genannte Mittelbereich der Sexualität für Erwachsene mit (aber auch ohne) geistige Behinderung von großer Bedeutung und es ist auch auf jeden Fall zu akzeptieren, wenn ein Paar über diesen Bereich nicht hinausgehen möchte. Hinterfragt werden sollte aber immer, ob dies wirklich ihren Wünschen entspricht oder ob es sich hierbei um das Produkt reglementierender, ablehnender Haltungen beispielsweise der Einrichtungsmitarbeiter handelt.

5.1.2 Genitalsexualität

Neben dem Bedürfnis nach Nähe, Zärtlichkeit und Erotik, wie oben unter dem Punkt "Sexualität im sogenannten Mittelbereich" dargestellt, gibt es selbstverständlich auch bei Menschen mit geistiger Behinderung den Wunsch nach Genitalsexualität.

Lange Zeit war diese Form der Sexualität besonders aus kirchlicher Sicht auf die Ehe beschränkt und sollte vorrangig der Erzeugung von Nachwuchs dienen. Beide Argumente für den Vollzug genitalsexueller Aktivitäten greifen allerdings bei geistig behinderten Menschen nicht. Zum einen sind sie oft nicht in der rechtlichen Position, eine Ehe eingehen zu dürfen[35], zum anderen wird ihnen der Wunsch nach eigenen Kindern meist verwehrt. Im Zuge der sexuellen Liberalisierung haben sich diese gesellschaftlichen Moralvorstellungen gelockert, durch den Einsatz verschiedenster Methoden zur Verhütung ungewollter Schwangerschaften ist das Ausleben genitalsexueller Interessen freier geworden. Dies gilt auch für die Situation geistig behinderter Menschen. Dennoch wird in der Fachliteratur davon ausgegangen, daß "der genital-sexuelle Vollzug hierzulande unter mittel- und schwergradig geistig Behinderten nur von einem relativ geringen Prozentsatz - etwa 10-15% - bekannt"[36] sei. Zu hinterfragen wäre hier sicherlich, ob dieser geringe Prozentsatz daher zustande kommt, daß es eine hohe Dunkelziffer in Bezug auf die genitalsexuellen Aktivitäten geistig behinderter Menschen gibt. Eine andere in der Literatur zum Teil angedeutete und oben bereits erwähnte Vermutung ist, daß die Entwicklung eines genitalsexuellen Interesses durch familiäre Erziehung und die institutionellen Bedingungen der Wohneinrichtungen unterdrückt wird. Auf diese These werde ich im nachfolgenden Kapitel über die institutionellen Einschränkungen der Sexualität geistig behinderter Menschen ausführlicher eingehen.

[...]


[1] FEUSER in: Geistige Behinderung IV/1980, S. 201

[2] NÖTZOLDT-LINDEN, 1994, S. 29

[3] Vgl. ebd.

[4] "Sexualität", Microsoft® Encarta® 99 Enzyklopädie. Wörterbuch;® Langenscheidt KG, Berlin und München.© Alle Rechte vorbehalten.

[5] FEUSER in: Geistige Behinderung 4/1980, S.196

[6] SCHRÖDER zitiert nach WALTER, 1996, S. 34 f.

[7] LEMPP in: WALTER, 1996, S. 179

[8] Grundsatzprogramm der Bundesvereinigung Lebenshilfe e.V. in www.lebenshilfe.de, 2002

[9] Vgl. SPORKEN, 1974

[10] Vgl. Pschyrembel Therapeutisches Wörterbuch, 1998

[11] DEUTSCHER BILDUNGSRAT, zitiert nach ZIMA, 1998, S. 4 f.

[12] Grundsatzprogramm der Bundesvereinigung Lebenshilfe e.V. in www.lebenshilfe.de , 2002

[13] HAHN in: WALTER, 1996, S. 116

[14] BROCHER, 1971, S.27

[15] ebd., S. 26

[16] Die Kleinkindmasturbation ist keinesfalls mit der Masturbation im Jugend- oder Erwachsenenalter zu vergleichen. Es handelt sich hierbei lediglich um eine normale Entdeckung der Genitalien als Lust- und Trostspender. (Vgl. BROCHER, 1971, S. 36)

[17] In der griechischen Mythologie tötete Ödipus seinen Vater und heiratete seine Mutter. Elektra ließ ihre Mutter ermorden, um den Tod des Vaters zu rächen.

[18] DAVISON/NEALE zitiert nach KIECHLE/WIEDMAIER, 1998, S. 33

[19] FRIEDRICH/HOFFMANN in JUSSEN, 1967, S. 73

[20] Vgl. WALTER, 1996

[21] Vgl. WALTER, 1996

[22] WALTER, 1996, S. 162

[23] Vgl. WALTER, 1996 und OERTER/MONTADA, 1995

[24] WALTER, 1996, S. 168

[25] Vgl. OERTER/MONTADA, 1995

[26] Vgl. WENDELER, 1992

[27] Vgl. NÖTZOLDT-LINDEN, 1994

[28] WENDELER, 1992, S. 43

[29] Vgl. WALTER, 1996

[30] "Denkschrift zu Fragen der Sexualethik" der EKD 1971, in WALTER, 1980, S. 33

[31] HUBER in WALTER, 1996, S. 23

[32] FEUSER in GEISTIGE BEHINDERUNG 4/1980, S. 205

[33] Vgl. KIECHLE/WIEDMAIER, 1998

[34] Vgl. KIECHLE/WIEDMAIER, 1998

[35] Um eine Ehe eingehen zu können, darf nach § 1304 BGB keine Geschäftsunfähigkeit vorliegen. Eine Geschäftsunfähigkeit liegt aber nach § 104 Punkt 2 BGB bei demjenigen vor, der sich in einem die freie Willensbildung ausschließenden Zustand krankhafter Störung der Geistestätigkeit befindet. Ein Großteil der Erwachsenen mit geistiger Behinderung fällt unter diesen Personenkreis.

[36] KREBS zitiert nach WALTER, 1996, S. 291; nicht ersichtlich ist bei dieser Prozentangabe, ob sie auch homosexuelle Genitalkontakte impliziert.

Ende der Leseprobe aus 92 Seiten

Details

Titel
Freundschaft und Sexualität bei Erwachsenen mit geistiger Behinderung unter den Bedingungen einer Großeinrichtung
Hochschule
Fachhochschule Braunschweig / Wolfenbüttel; Standort Braunschweig  (Sozialwesen)
Note
2
Autor
Jahr
2003
Seiten
92
Katalognummer
V23242
ISBN (eBook)
9783638264068
Dateigröße
732 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Freundschaft, Sexualität, Erwachsenen, Behinderung, Bedingungen, Großeinrichtung
Arbeit zitieren
Julja Hufeisen (Autor), 2003, Freundschaft und Sexualität bei Erwachsenen mit geistiger Behinderung unter den Bedingungen einer Großeinrichtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23242

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