Marshall McLuhans Mediendualismus

Faszination und Ablehnung der technisierten Kommunikation


Hausarbeit, 2012
18 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Marshall McLuhan und seine Bedeutung für die Entwicklung der Kommunikation

Was sind Medien?

Die voralphabetische Kultur

Die alphabetische Kultur

Das elektronische Zeitalter

Telegraf, Radio, Telefon und Film

Fernsehen und Computer

Weltumspannende Vernetzung der Menschen durch elektronische Medien: Entstehung des „globalen Dorfes“

Fazit

Literaturverzeichnis zu

Einleitung

Marshall McLuhan gilt als Begründer der modernen Medienwissenschaft. Seine wichtigsten Arbeiten befassen sich mit der Zeit der elektronischen Medien. Für eine umfassende Darstellung der Materie lässt er das Zeitalter der Stammesgemeinschaft und das des Buchdrucks in seine Forschungen einfließen.

McLuhan ist in seiner Persönlichkeit so vielseitig wie er in den verschiedenen Diskussionen interpretiert wird. Als Professor für Anglistik zeigt er sich kritisch der Vulgärkultur gegenüber, als Historiker und Medienphilosoph schreibt er der Technik deterministischen Charakter zu, er ist modernistischer Literaturkritiker ebenso wie er der Schriftkultur, dem Zeitalter des Buchdrucks, kritisch gegenüber steht.

Die kulturelle Entwicklung der Menschheit gliedert McLuhan in die Zeit der oralen Stammeskultur, die literale Schriftkultur, die Gutenberg-Galaxis und das elektronische Zeitalter.

Auf Letzteres bezogen ist er einer der Ersten, der der Frage nach der Wirkung der neuen Medien auf den Menschen nachgegangen ist.

Marshall McLuhan begreift Medien und Technik vom menschlichen Körper her als eine Erweiterung der Sinnesorgane. Dabei kommt es nicht auf die Inhalte an, es sind die Medien selbst, die die Sinneswahrnehmungen des Menschen beeinflussen. Diese Erkenntnis kommt in seinem berühmt gewordenen Satz „The medium is the message“ zum Ausdruck.

Eine andere wichtige These formuliert McLuhan in seinem Buch „Understanding medias“ (1964): „Wir formen unsere Werkzeuge und unsere Werkzeuge formen uns“. Er möchte ein Bewusstsein für die neuen Medien entwickeln, denn die Menschen entscheiden frei über ihre Anwendung und Nutzung. Sie entwickeln aus einer passiven Aufnahme eine aktive Gestaltung der Medien. Daraus entstehen Manipulation und Kontrolle im gesellschaftlichen Zusammenleben und das öffentliche Denken wird gesteuert. Nach McLuhans Ansicht ist der Einfluss der Medien weniger in deren Inhalten zu suchen, deshalb forciert er die Untersuchung der elektronischen Medien in ihrer Wirkung als Kommunikationsmittel.

Im Ergebnis seiner kritischen Haltung der Schriftkultur gegenüber verlangt McLuhan mehr Lebendigkeit in der Kommunikation. Diese soll durch das Ansprechen möglichst vieler Sinne erreicht werden. Gefühl und Verstand arbeiten wieder zusammen wie es schon in der oralen Kultur zu finden war.

Marshall McLuhan und seine Bedeutung für die Entwicklung der Kommunikation

Marshall McLuhan war ein umstrittener und polarisierender Wissenschaftler. In seinen Werken beschäftigte er sich insbesondere mit der Erforschung der Medien als „Ausweitungen“ des menschlichen Körpers und seiner Sinnesorgane. Seine bedeutendsten Bücher sind „The Mechanical Bride: Folklore of Industrial Man“(1951), „The Gutenberg Galaxy: The Making of Typographic Man“(1962), „Understanding Media: The Extensions of Man“(1964), „The Medium is the Massage: An Inventor of Effects“(1967) und „War and Peace in the Global Village“(1968).

Seine Thesen erlangen durch die gesellschaftlichen Entwicklungen in der Gegenwart immer größere Bedeutung. Damit erhalten seine Bücher und Texte eine Bedeutung, die nicht nur Medienwissenschaftler zu breit gefächerten Diskursen anregte und noch anregt.

Literatur, die sich mit Marshall McLuhan und seinen Werken beschäftigt, lässt zwei Darstellungsvarianten erkennen. Zum Einen wird McLuhan schlichtweg als „Schwätzer“ abgetan. Die andere Richtung erhebt ihn zum Gründungsvater der Medienwissenschaft und Visionär des digitalen Zeitalters. Viele technische Entwicklungen der Gegenwart geben seinen Theorien eine unerwartete Aktualität und regen zu neuen Lesarten und Interpretationen seiner Texte an.

Marshall McLuhan gestaltet seine Werke eigenwillig und facettenreich. Argumentative Folgerichtigkeit, logische Schlussfolgerungen und klare Darstellung eines Gegenstandes sucht man vergeblich. Seine negative Einstellung zur „Gutenberg Galaxis“, mit der er das Zeitalter des Buchdrucks bezeichnet, kommt in seinen Büchern zum Ausdruck. Er vermeidet Linearität und Logik, die der alphabetischen Kultur eigen ist. Der Leser ist selbst gefordert die Gedankengänge nachzuvollziehen. Es ist ein Experimentieren mit verschiedenen Ansätzen ohne Zielvorstellung, zumindest vermittelt das der erste Eindruck. McLuhan gestaltet seine Argumentation scheinbar willkürlich, er sucht immer neue Zusammenhänge und versteht seine Herangehensweise als einen Prozess des Entdeckens. Dabei fordert er den Rezipienten zum Suchen und Testen auf und bleibt auf viele Fragen die Antwort schuldig. Slogans und wirkungsvoll formulierte Thesen kehren in seinen Texten immer wieder. Oft bleibt in der Schwebe, was McLuhan wirklich meint, und besonders gern verwendet er Mittel der Ironie um klaren Aussagen auszuweichen.

Marshall McLuhan steht den Auswirkungen der Medien auf den Menschen kritisch gegenüber. Er thematisiert ausführlich, wie hilflos die Zuschauer den Produktionen des Fernsehens ausgeliefert sind. Andererseits ist McLuhan fasziniert von Radio Fernsehen und Computer, deren Wirkung auf die Menschen er mit der „Rückkehr ins Afrika in uns“ gleichsetzt, ein Begriff, der von Joseph Conrad (polnisch-britischer Schriftsteller 1857-1924) geprägt wurde.[1] Für ihn entwickeln sich die alten Stammesbindungen auf einer gänzlich neuen Grundlage. In der voralphabetischen Kultur waren sie die Basis des Zusammenlebens. Durch Alphabetisierung und Buchdruck zerschlugen sich diese Strukturen. Doch durch den Einfluss der elektronischen Medien kehren die audio-taktilen Sinneswahrnehmungen auf neuem Niveau in das gesellschaftliche Leben zurück. Nach McLuhans Ansicht entwickelt sich eine weltumspannende Vernetzung aller Menschen im „globalen Dorf“.

Die Widersprüchlichkeit, die seine Auseinandersetzung mit den Medien bestimmt, ist wohl das Faszinierende daran. Aus diesem Grunde beschäftigen sich die verschiedensten Wissenschaftsbereiche mit McLuhans Thesen und setzen sich damit auseinander, indem sie diese vor dem Hintergrund ihrer eigenen Theorien diskutieren.

Was sind Medien?

Marshall McLuhan nimmt den Ausdruck der „Extensions of man“ für eine Beschreibung der Medien zu Hilfe. So zeigt er das Rad als die Erweiterung des abrollenden Fußes, die Kleidung ist die Ausweitung der Haut, die Entwicklung des Radios bewirkt eine Erweiterung des Gehörs und die Fotografie erweitert den Gesichtssinn.

Alle mechanischen Techniken dienen der Ausweitung unseres Körpers in den Raum hinaus und letztendlich erzeugt die Elektrizität in Form des Computers und des Internets ein weltumspannendes Netz aus unserem Zentralnervensystem.

Doch darüber hinaus charakterisiert er die Wirkungsweise der Medien wie folgt: „…jedes Medium hat die Macht, seine eigenen Postulate dem Ahnungslosen aufzuzwingen. Voraussage und Steuerung bestehen darin, diesen unterschwelligen Trancezustand zu vermeiden. Aber am meisten hilft in diesem Fall einfach die Erkenntnis, dass der Zauber sofort nach Kontaktaufnahme, wie bei den ersten Takten einer Melodie, wirken kann.“[2] Hier beschreibt McLuhan nicht nur die Wirkung von Medien, er eröffnet auch erste Ansätze, wie eine Reaktion auf sie aussehen sollte.

Neue Technologien und deren psychische und soziale Auswirkungen für den Menschen bleiben in ihrer Wirkung unsichtbar. Die neuen Medien durchdringen unbemerkt unsere Umwelt und verändern unser Gleichgewicht der Sinne vollkommen.

Marshall McLuhan teilt die Medien in heiße und kalte ein. Das heiße Medium erweitert nur einen Sinn, diesen jedoch sehr detailreich. So wird wenig persönliche Beteiligung notwendig, wenn man Radio hört oder einen Film anschaut. Es ist ein ausschließendes Medium. Dem gegenüber beinhalten kalte Medien nur wenige Details und verlangen umfangreiche Beteiligung und Vervollständigung. Telefon und Fernsehen sind dafür charakteristisch, sie üben immer eine einschließende Wirkung aus.

Was sind nun die Ursachen dafür, dass der Mensch unentwegt nach neuen Techniken zur Ausweitung seiner Sinne strebt? Menschliche Erfindungen haben die Aufrechterhaltung des inneren Gleichgewichts zum Ziel. Es entwickelt sich zum Beispiel ein beschleunigter Austausch, hervorgerufen durch die Medien Schrift und Geld. Diese Entwicklung fordert die Ausweitung des Fußes in Form des Rads, womit eine sofortige Befreiung von dem Druck dieser Beschleunigung auf unser Zentralnervensystem erreicht wird.

So wird der Mensch durch Verwendung seines vielseitig erweiterten Körpers ständig physiologisch verändert und entwickelt zwangsläufig wiederum neue Techniken. Doch schaffen die Medien nicht nur rückwirkende Veränderungen, sie beeinflussen sich auch gegenseitig und dabei bringt die Verbindung zweier Medien neue Erkenntnisse und Formen hervor.

Der Inhalt des Mediums ist wiederum ein Medium und das verleiht ihm eine starke und eindringliche Wirkung. So ist zum Beispiel der Inhalt eines Films ein Roman, der unsere Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Das Medium Film bleibt unerkannt und wirkt, ohne dass wir uns dessen bewusst werden. Jedes Medium verändert bestehende Maßstäbe, Geschwindigkeiten oder auch Schemata, die auf die Existenz des Menschen einwirken. Die Formen des menschlichen Zusammenlebens werden neu gestaltet. Dabei bleiben die Inhalte, die das Medium verbreitet, wirkungslos. Das einzige Medium ohne Inhalt ist das elektrische Licht, aber nur solange, bis es von anderen Medien genutzt wird.

[...]


[1] Vgl. Martin Baltes, Rainer Höltschl: absolute Marshall McLuhan,orange-press, Freiburg 2002, S. 37

[2] Marshall McLuhan: Die magischen Kanäle. ECON Verlag, Düsseldorf 1992, S. 26

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Details

Titel
Marshall McLuhans Mediendualismus
Untertitel
Faszination und Ablehnung der technisierten Kommunikation
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Kulturwissenschaften)
Veranstaltung
Literatur
Note
2,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
18
Katalognummer
V232445
ISBN (eBook)
9783656489115
ISBN (Buch)
9783656492641
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medien, Marshall, McLuhan
Arbeit zitieren
Birgit Halm (Autor), 2012, Marshall McLuhans Mediendualismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232445

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