Das Internet erfreut sich auch im wissenschaftlichen Bereich immer größerer
Beliebtheit. Seit etwa sechs Jahren ist es zu einem unerlässlichen Instrument von
Forschung und Lehre geworden - wenngleich bei allem Enthusiasmus niemals der
Wert einer Bibliothek oder eines Archivs vergessen werden darf1. Doch gerade im
Zusammenwirken mit diesen erweist sich das Internet zunehmend „als eine der
tragenden Säulen von Forschung und Lehre im Fach Geschichte“2. Das Angebot
hierbei ist, sowohl im positiven, als auch im negativen Sinne immens und der
wissenschaftliche Wert von Informationen nicht immer erkennbar.
Im Folgenden möchte ich sowohl die geschichtliche Entwicklung - soweit sie die
Geschichtswissenschaft betrifft, als auch die Auswirkungen auf wichtige
Einrichtungen der geschichtlichen Forschung näher betrachten. Der Schwerpunkt
meiner Ausführungen wird dabei auf dem Bereich der mittelalterlichen Geschichte
liegen. Um einen Praxisbezug herzustellen, werde ich außerdem zwei meiner
Meinung nach wichtige Internetseiten unter dem Blickwinkel der Wissenschaftlichkeit
kommentieren. Hierbei soll sowohl die Frage nach der Nützlichkeit als auch der
Verläßlichkeit der angebotenen Informationen im Vordergrund stehen.
1 Vgl. Jenks, Stuart. Internet für Historiker –Eine praxisorientierte Einführung-. Weimar-Wien 2000, S. XII
2 Zitiert nach: Jenks, Stuart. Internet für Historiker –Eine praxisorientierte Einführung-.
Weimar-Wien 2000, S.XIII
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2.1 Internet und PC im Bewusstsein der Historiker
2.2 Mittelalter
2.3 Beispiel einer Mittelalter-Seite im Internet
2.4 “e-Text“ und Fotokopie
2.5 Landes- und Regionalgeschichte
2.6 Bibliotheken
2.7 Archive
3.1 Verlässlichkeit von Informationen aus dem Internet
3.2 Beispiel für ein Internet-Portal - Die Virtual Library Geschichte -
4. Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des Internets als Instrument der geschichtswissenschaftlichen Forschung und Lehre, wobei der Fokus insbesondere auf dem Bereich der mittelalterlichen Geschichte liegt. Ziel ist es, die Entwicklung der digitalen Recherche, die Auswirkungen auf wissenschaftliche Einrichtungen und die Problematik der Informationsqualität kritisch zu beleuchten.
- Historische Entwicklung des PC und Internets im Kontext der Geschichtswissenschaften
- Bedeutung digitaler Medien für die mittelalterliche Geschichte
- Rolle von Bibliotheken und Archiven im Zeitalter der Digitalisierung
- Kritische Bewertung der Verlässlichkeit von Online-Informationen
- Vorstellung und Analyse wissenschaftlich orientierter Internet-Portale
Auszug aus dem Buch
2.2 Mittelalter
Die Mittelalterhistoriker haben schon früh die Bedeutung des Internets für ihre Wissenschaft erkannt. Sie sahen sich, „angesichts der begrenzten Zahl der Quellen gezwungen, gegenüber jeder methodischen Neuerung offen zu sein, um auf diesem Wege mehr Informationen aus der Überlieferung herauszuholen“. Heutzutage spiegelt sich die Faszination mittelalterlicher Phänomene in zahlreichen Internetauftritten wieder. Allerdings ist der Großteil der Seiten als populärwissenschaftlich einzuordnen und ihr Inhalt stets kritisch zu betrachten.
Besonders die Grundtexte, die für das Studium der mittelalterlichen Geschichte unerlässlich sind, finden sich bereits in Internetprojekten wieder. Sicherlich liegen diese Quellen auch noch in gedruckter Form vor, doch oft sind sie „vergriffen, antiquarisch kaum zu erhalten und – falls ermittelt – unbezahlbar“. Oftmals muss man daher, um wissenschaftliche Quellen zu bearbeiten, Bibliotheken aufsuchen. Mittels Internet sind derartige Texte nun z. T. bequem von zu Hause via Internet abrufbar – die Abhängigkeit von weiten Wegen ist damit größtenteils aufgehoben.
Allgemein lässt sich festhalten, dass sich die Mediävisten durch die Vorlage von Grundtexten, Quellen und zahlreichen Datenbanken die Vorteile der „Neuen Medien“ zu Nutze gemacht haben, „um Massen von Informationen, deren Druck sich z. T. kommerziell nicht lohnt, zu verwalten und wesentlich rascher und gezielter zu liefern, als es bislang möglich war“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die zunehmende Bedeutung des Internets für die Forschung und Lehre ein und definiert das Ziel der Untersuchung unter Berücksichtigung des Mittelalters.
2.1 Internet und PC im Bewusstsein der Historiker: Dieser Abschnitt beschreibt die historische Adaption des PCs und der Netzwerktechnologie durch Historiker und wie dies den wissenschaftlichen Arbeitsalltag veränderte.
2.2 Mittelalter: Hier wird thematisiert, wie Mediävisten durch digitale Quellenbereitstellung und methodische Neuerungen effektiver auf Informationen zugreifen können.
2.3 Beispiel einer Mittelalter-Seite im Internet: Anhand des Portals www.mediaevum.de wird ein Beispiel für die wissenschaftliche Aufbereitung und Katalogisierung im Bereich der Mediävistik diskutiert.
2.4 “e-Text“ und Fotokopie: Dieses Kapitel vergleicht die Vorteile maschinenlesbarer Texte (e-Texte) mit gescannten Fotokopien hinsichtlich ihrer Funktionalität und Nutzbarkeit.
2.5 Landes- und Regionalgeschichte: Die Darstellung landesgeschichtlicher Themen im Internet wird auf ihre wissenschaftliche Relevanz im Kontrast zu heimatkundlichen Interessen geprüft.
2.6 Bibliotheken: Es wird analysiert, wie Bibliotheken die Brücke zwischen klassischem Bestand und digitaler Fachinformationsinfrastruktur schlagen.
2.7 Archive: Dieser Teil beleuchtet die Herausforderungen bei der Digitalisierung von Archivalien sowie die Bedeutung der langfristigen Informationssicherung.
3.1 Verlässlichkeit von Informationen aus dem Internet: Ein kritischer Diskurs über die Informationsflut im Netz und die Herausforderung, Qualität und Seriosität von Online-Quellen zu bewerten.
3.2 Beispiel für ein Internet-Portal - Die Virtual Library Geschichte -: Die Bedeutung der Virtual Library als eines der ältesten und anerkanntesten wissenschaftlichen Portale wird hervorgehoben.
4. Schluss: Das Fazit fasst die Rolle des Internets als unverzichtbares, aber kritisch zu hinterfragendes Werkzeug für Historiker des 21. Jahrhunderts zusammen.
Schlüsselwörter
Geschichtswissenschaft, Internet, Mittelalter, Mediävistik, Digitalisierung, Online-Quellen, Bibliothek, Archiv, Virtual Library, Quellenkritik, Forschungsdaten, Informationssicherheit, Digitale Medien, Wissenschaftskommunikation, Forschungsgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den Stellenwert des Internets als neues Arbeitsmedium in den Geschichtswissenschaften und untersucht, wie dieses die Forschungspraxis und den Zugang zu Quellen verändert hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die digitale Erschließung von historischen Quellen, die Auswirkungen auf Bibliotheken und Archive sowie die Frage der wissenschaftlichen Verlässlichkeit von Internetinhalten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel besteht darin, den Mehrwert des Internets für die geschichtswissenschaftliche Arbeit aufzuzeigen und gleichzeitig zu verdeutlichen, dass eine kritische Quellenbewertung im digitalen Zeitalter essenziell bleibt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse der fachspezifischen Literatur und kombiniert diese mit einer kommentierenden Praxisprüfung ausgewählter Fachportale.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung der PC-Nutzung, die spezielle Anwendung in der Mediävistik, die Rolle wissenschaftlicher Institutionen sowie eine Analyse zur Verlässlichkeit digitaler Informationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Geschichtswissenschaft, Internet, Mittelalter, Quellenkritik, Digitalisierung, Bibliotheken, Archive und die Virtual Library.
Warum wird gerade der Bereich Mittelalter als Schwerpunkt gewählt?
Da Mittelalterhistoriker aufgrund der Begrenztheit und oft schwierigen Verfügbarkeit von Primärquellen besonders früh den Nutzen digitaler Sammlungen und Editionsreihen erkannt haben.
Wie bewertet der Autor die Seriosität von Internetseiten?
Der Autor argumentiert, dass das bloße äußere Erscheinungsbild oder der Name eines Verlags nicht ausreichen; stattdessen ist eine kontinuierliche kritische Reflexion und der Rückgriff auf fachwissenschaftlich geprüfte Portale erforderlich.
- Citation du texte
- Timo Mauelshagen (Auteur), 2003, Geschichte im Internet: Geschichtswissenschaften Schwerpunkt: Mittelalter - mit zwei Beispielen für Internetseiten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23244