BIP als Wohlstandsindikator. Realität oder Fiktion?


Hausarbeit, 2013

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition des und Berechnungsmethoden zum BIP
2.1. Das nominale und reale BIP und deren Berechnungsmöglichkeiten

3. BIP als Wohlstandsindikator - Eignung oder Fiktion?
3.1. Zentrale Kritikpunkte am Bruttoninlandsprodukt
3.2. Alternativen zum Bruttoinlandsprodukt

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

Tabelle 1: Berechnungsschema des nationalen Wohlfahrtsindex

1. Einleitung

Ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ein geeigneter Indikator, um den Wohlstand einer Volks- wirtschaft zu messen? Hierzu herrscht eine heterogene Meinung. Während Wirtschaftspoliti- ker immer wieder die Bedeutung ihrer politischen Maßnahmen für das Wirtschaftswachstum und somit letztlich für das Ansteigen des BIP anpreisen, gibt es viele Gegenstimmen, die das BIP für einen nicht geeigneten Indikator halten.1 Die Befürworter des BIP sehen vor allem in der seit Jahrzehnten vorhandenen Aussagekraft einen wesentlichen Vorteil in der Betrach- tung des BIP und sehen den Bedarf in einer stärkeren Konkretisierung der Leistung, die das BIP indizieren kann und welche eben nicht.2 Der ehemalige französische Präsident hat auf- grund dieser kontroversen Meinungen 2008 eine Kommission beauftragt, alternative Wohl- standsindikatoren zu erforschen.3 Anhand dieser wenigen Beispiele sieht man, dass es in der Literatur keine einheitliche Meinung zu diesem Thema gibt, daher beschäftigt sich die vorliegende Studienarbeit mit dem BIP und dessen Eignung zur Einschätzung des Wohl- stands eines Landes. Um zunächst ein einheitliches Verständnis bezüglich der Zusammen- setzung und Berechnung des BIP zu schaffen, werden in Kapitel 2 die theoretischen Grund- lagen ausgeführt. Anschließend erfolgt die kritische Diskussion des BIP in Kapitel 3. Ab- schließende Erkenntnisse aus der Bearbeitung dieser Thematik fasst Kapitel 4 zusammen.

2. Definition des und Berechnungsmethoden zum BIP

2.1. Das nominale und reale BIP und deren Berechnungsmöglichkeiten

Um zunächst einen theoretischen Überblick über die unterschiedlichen Berechnungsmöglichkeiten des BIP herzustellen, wird im Folgenden auf der Basis der Lehrbücher von Wildmann und Welfens das BIP definiert.4

Das BIP stellt die zentrale Größe zur Erfassung der makroökonomischen Aktivitäten, insbe- sondere des Wirtschaftswachstums, dar. Dabei werden alle innerhalb eines Jahres im Inland produzierten Güter addiert. Hierzu zählen u. a. die Leistungen der Unternehmen des Bauge- werbes, des produzierenden Gewerbes, des Handels und ebenso staatliche Leistungen durch Mitarbeiter des öffentlichen Sektors oder die Leistungen von Freiberuflern. Das BIP stellt zunächst den in Geldeinheiten erfassten Wert der produzierten Güter- und Dienstleis- tungen dar (Nominalgröße). Dabei setzt sich die Wertgröße als Produkt aus der jeweiligen Menge und dem Preis zusammen. Durch diese Bewertung ist es möglich, auch Produkti- onsmengen mit unterschiedlichen Maßeinheiten zu einer nominalen Gesamtgröße zusam- menzufassen. Durch die Vielzahl an zu addierenden Branchen ist diese Vorgehensweise notwendig, da es nur so möglich ist, z. B. die in Stück gezählte Anzahl produzierter Pkw mit der in Litern gemessenen Menge Wein zu einem gesamtwirtschaftlichen Gesamtwert zu addieren. Damit bei einer Betrachtung über mehrere Perioden Aussagen über die Entwicklung der wertmäßigen Ströme der Güter oder Mengen möglich ist, werden die Wertgrößen um Preissteigerungen bereinigt (Deflationierung).

Die Mengen werden in sog. Warenkörben erfasst, dabei gehen die Preissteigerungen auf unterschiedliche Mengenzusammensetzungen zurück, weswegen unterschiedliche Preisin- dizes zu Grunde gelegt werden. Der bekannteste Preisindex ist der Lebenshaltungskosten- index, der als lange Zeitreihe vorliegt. Die Angaben in konstanten Preisen ergeben sich durch die Bereinigung der Wertentwicklung der gesamtwirtschaftlichen Größen um die Preis- steigerungen in der Betrachtungsperiode - diese werden auch als „Realgrößen“ bezeichnet. Das reale Bruttoinlandsprodukt ergibt sich durch die Bereinigung des Produktionswerts des nominalen Bruttoinlandsprodukts mit einem speziell ermittelten Preisindex (BIP-Deflator). Erhöht sich diese preisbereinigte Größe von Periode zu Periode, so wurden zusätzliche Gü- termengen erzeugt, da Preissteigerungen aufgrund der dargestellten Preisbereinigung nicht mehr in den Nominalwerten enthalten sind. Die Wachstumsrate der preisbereinigten Wert- größe wird als Wachstumsrate des realen Bruttoinlandsprodukts bezeichnet.

Man unterscheidet drei Berechnungsmöglichkeiten - aber unabhängig von der Art der Berechnung führen sämtliche Wege zum selben Ergebnis:

die Entstehungsrechnung (was wird in welcher Menge, zu welchem Wert produziert?) die Verwendungsrechnung (wie werden die produzierten Güter verwendet?) die Verteilungsrechnung (wie verteilen sich die Gütermengen und die daraus resultierenden Einkommen?)

In der Praxis lässt sich die Verteilungsrechnung jedoch nicht durchführen, da hierzu die Gewinne der Unternehmen bekannt sein müssten. Diese lassen sich jedoch nur indirekt über die Entstehungs- und Verwendungsrechnung berechnen. Sämtliche Rechnungen beziehen sich auf die nominalen Größen und ergeben damit das nominale Bruttoinlandsprodukt - nach der Preisbereinigung ergibt sich das reale Bruttoinlandsprodukt. Im Folgenden werden die drei Berechnungsmöglichkeiten kurz dargestellt.

Entstehungsrechnung

Die Entstehungsrechnung zeigt auf, in welchem Umfang die einzelnen Wirtschaftsbereiche zur gesamtwirtschaftlichen Produktion beigetragen haben. Über die Vorleistungen sind die einzelnen Unternehmen miteinander verflochten - so ist z. B. der Autozulieferer mit dem Fahrzeughersteller und dieser wiederum mit dem Kfz-Handel verbunden.

Als Ausgangspunkt der Berechnung wird der Bruttoproduktionswert aller Güter einer Volkswirtschaft herangezogen, der zu Herstellungspreisen, d. h. ohne Belastung durch indirekte Steuern (Gütersteuern wie Mehrwertsteuer, Mineralöl-, Branntwein-, Tabaksteuer etc.) und ohne Entlastung durch Subventionen, ausgewiesen wird. Er ergibt sich rechnerisch als die Summe der Verkäufe der verschiedenen Verarbeitungsstufen. Nach Abzug der Vorleistungen errechnet sich die (nominale) Bruttowertschöpfung einer Volkswirtschaft. Wird sie um Nettogütersteuern ergänzt, ergibt sich das zu Marktpreisen bewertete (nominale) Bruttoinlandsprodukt. Wie auch bei der Bruttowertschöpfung ist das Bruttoinlandsprodukt noch um Abschreibungen zu vermindern, um die Nettowertschöpfung zu Marktpreisen (d. h. einschl. Nettogütersteuern) einer Volkswirtschaft zu erhalten.

Verwendungsrechnung

In der Verwendungsrechnung wird aufgezeigt, in welchem Umfang die einzelnen produzierten Güter unterschiedlichen Verwendungszwecken zugeführt werden, dabei werden der private und staatliche Konsum, die privaten und staatlichen Bruttoinvestitionen und der Außenbeitrag unterschieden.

Den höchsten Anteil in Deutschland nimmt der private Konsum ein - hierzu zählen alle Käufe der privaten Haushalte und der privaten Organisationen. Dabei werden auch langlebige Wirt- schaftsgüter (z. B. Pkw) dem privaten Konsum zugerechnet. Ebenso werden fiktive Transak- tionen wie z. B. eine kalkulatorische Miete für selbst genutztes Wohneigentum berücksichtigt. Die Konsumausgaben des Staates werden anhand der unentgeltlich bereit gestellten öffent- lichen Dienstleistungen, die entweder selbst vom Staat produziert werden oder als Vorleis- tung aus der Privatwirtschaft bezogen werden, gebildet. Die Bruttoinvestitionen bestehen aus den Bruttoanlageinvestitionen und den Vorratsänderungen. Vorratsänderungen können frei- willig erfolgen oder Ausdruck der Erwartungsfehler der Wirtschaftsteilnehmer sein (unfreiwil- lige Lagerveränderungen). Dabei werden die Investitionen stets vor Abschreibungen erfasst. Zu den Bruttoanlageinvestitionen werden alle Güter gerechnet, deren Nutzungsdauer länger als ein Jahr ist. Als letzte Verwendungskomponente wird der Außenbeitrag (Saldo Ex- und Importe) erfasst, dadurch wird sichergestellt, dass in der Betrachtung nur im Inland produ- zierte Waren berücksichtigt werden.

Verteilungsrechnung

Sowohl bei der Entstehungs- als auch bei der Verwendungsrechnung liegt der Betrach- tungswinkel auf der Produktion im Inland. Die Verteilungsrechnung hingegen orientiert sich an der Einkommensentstehung der Inländer einer Volkswirtschaft - Inländer ist hier an Wohnsitz und nicht Staatsangehörigkeit geknüpft. Die Erfassung der erstellten Güter- und Dienstleistungen nach dem Inländerkonzept wird auch Bruttonationaleinkommen genannt. Das Bruttonationaleinkommen ist somit als ein Indikator für die wirtschaftliche Leistungsfä- higkeit der Inländer anzusehen. Der Übergang vom Bruttoinlandsprodukt zum Bruttonatio- naleinkommen wird durch Einbeziehung des Saldos der Primäreinkommen mit der übrigen Welt hergestellt. Dieser umfasst als Hauptelemente den Nettostrom der Arbeitseinkommen der Pendler, bei denen Arbeits- und Wohnstätte in verschiedenen Ländern liegen, und den Saldo der Kapitaleinkommen. Der Saldo der Arbeitseinkommen der Pendler ergibt sich aus dem Einkommen der Pendler, die im Inland wohnen und im Ausland arbeiten, abzüglich des Einkommens der Menschen, die im Inland arbeiten und im Ausland wohnen. Der Saldo der Kapitaleinkommen ermittelt sich analog. Wird der gesamte Primärsaldo zum Bruttoinlands- produkt hinzugezählt, ergibt sich das Bruttonationaleinkommen. Aus diesem lässt sich wie- derum das Volkseinkommen (Abzug von Abschreibungen und Nettoproduktions- und Import- abgaben) berechnen. Die Verteilung des Volkseinkommens auf Arbeitnehmerentgelte, Ver- mögens- und Unternehmenseinkommen, wird als funktionale oder Primärverteilung bezeich- net. Gleichzeitig werden noch die personelle und sekundäre Verteilung unterschieden - die- se werden aber aufgrund des begrenzten Umfangs der Studienarbeit nicht weiter ausgeführt.

Nachdem die theoretischen Grundlagen mit der Definition und dem Aufzeigen der Berech- nungsmöglichkeiten geschaffen wurden, wird nun im Folgenden der Forschungsfrage nach- gegangen, ob das Bruttoinlandsprodukt ein geeigneter Indikator zur Wohlstandsmessung ist.

3. BIP als Wohlstandsindikator - Eignung oder Fiktion?

3.1. Zentrale Kritikpunkte am Bruttoinlandsprodukt

Innerhalb der Literatur wird die Eignung des Bruttoinlandsprodukts zur Messung des Wohlstands einer Volkswirtschaft sehr kontrovers diskutiert. Während z. B. Kroker die Aussagekraft des Bruttoinlandsprodukts nach wie vor als gegeben sieht,5 führt Erber in seinem Artikel aus, dass weitere Indikatoren notwendig sind, um die Aussagekraft des Bruttoinlandsprodukts sinnvoll zu ergänzen.6

[...]


1 Vgl. Buhlmann/Carstensen 2013, S. 35; Winkhaus 2013, Wirtschaftsbeilage.

2 Vgl. Kroker 2011, S. 3; Riedel 2013, S. 12.

3 Vgl. Stiglitz/Sen/Fitoussi 2009, S. 4 ff.

4 Vgl. zum folgenden Kapitel Wildmann 2010, S. 31 ff.; Welfens 2007, S. 130 ff.; https://www.destatis.de/DE/Meta/AbisZ/BIP.html.; Abruf: 20.05.2013; Tomann 2005, S. 161 ff.; Engelkamp 2013, S. 187 ff.

5 Vgl. Kroker 2011, S. 3 ff.

6 Vgl. Erber 2010, S. 839.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
BIP als Wohlstandsindikator. Realität oder Fiktion?
Hochschule
Privatuniversität Schloss Seeburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V232483
ISBN (eBook)
9783656489108
ISBN (Buch)
9783656492337
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
BIP
Arbeit zitieren
Jürgen Weimann (Autor), 2013, BIP als Wohlstandsindikator. Realität oder Fiktion?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232483

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