Transnationale Familien in Rumänien

Die Situation von Kindern und Jugendlichen in Dorohoi, deren Eltern im Ausland arbeiten


Bachelorarbeit, 2013

72 Seiten, Note: 1,4


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1 Einleitung

2 Migration
2.1 Begriff der Migration
2.2 Globaler Kapitalismus als Ursache von (Arbeits-) Migration
2.3 Arbeitsmigration
2.3.1 Allgemeines zur Arbeitsmigration
2.3.2 Deutschland als Zielland von Arbeitsmigration
2.4 Migration von Frauen
2.5 Zum aktuellen Stand der Migrationsforschung

3 Transnationalität
3.1 Begriff der Transnationalität
3.2 Transnationale Familien
3.2.1 Eine neue Form von Familie? Diskussion und Definition ,
3.2.2 Stand der Forschung

4 Transnationale Familien in Rumänien
4.1 Rumänien - politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Di­mensionen
4.1.1 Von der Wende 1989/90 bis zur Jahrtausendwende , , ,
4.1.2 Von der Jahrtausendwende bis zur EU-Mitgliedschaft 2007
4.1.3 Rumänien von 2007 bis heute
4.2 Das Phänomen der rumänischen Arbeitsmigration
4.2.1 Daten und Fakten
4.2.2 Ursachen, Motive und Akteure
4.2.3 Initiativen, rechtliche Regelungen und institutioneile Rahmenbedingungen
4.3 Transnationale Familien in Dorohoi
4.3.1 Forschungsdesign und -durchführung
4.3.2 Quantitative Erhebung - Kinder und Jugendliche, deren Eltern sieh zur Arbeit im Ausland befinden
4.3.3 Qualitativer Befund - Chancen und Risiken

5 Fazit
5.1 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse
5.2 Perspektiven

Anhang
Tabellenverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Literaturverzeichnis
Internetseiten
Danksagung
Tabellenverzeichnis

Ce-fidórese eu fie, dulce Romanie, Tara mea de glórii, Rira mea de dor?[1]

Mihai Eminescu

Wir riefen Arbeitskräfte, es kamen Menschen.

Max Frisch

Vorwort

Die vorliegende Arbeit ist dreierlei: sie ist die Verarbeitung und das Festhalten persönlicher Erlebnisse und Eindrücke, sie ist der Versuch der wissenschaftli­chen Auseinandersetzung mit einer kaum greifbaren Thematik und sie ist die Dokumentation von Ergebnissen einer kleinen, vor Ort durchgeführten Studie.

Im Schuljahr 2006/07 habe ich als Freiwillige in einer Grundschule in der Klein­stadt Dorohoi (Rumänien) das Fach Musik unterrichtet. Dabei erlebte ich etwas, was mich auf das im Folgenden bearbeitete Thema stieß. In meinem Rundbrief an Freunde und Familie vom 24,02,2007 berichtete ich davon:

„|,,,| Am Mittwoch hatte ich die wöchentliche Flötenstunde mit Klas­se 1, Die kleine Aurora[2] sah sehr elend aus, sie hatte schlimme Kopf­schmerzen und fühlte sieh offensichtlich nicht gut, Nach der Stunde ging ich mit ihr ins Sekretariat, wo sie sieh erst einmal hinlegen konn­te, Sie sollte nach Hause, dachten wir alle und fragten sie nach ihren Angehörigen (man darf das Kind nur nach Hause schicken, wenn dort auch ein Erziehungsberechtigter auf es wartet), ,Wo ist denn deine Marna?’ ,In Italien,’ ,Dein Papa?’ ,In Italien,’ ,Deine großen Geschwister?’ ,In Portugal’

Konnte es möglich sein, dass ein Kind nicht bei seinen leiblichen Verwandten aufwächst? Wie und von wem wurde dieses Mädchen versorgt? Diese und weite­re Fragen stellten sieh mir. Ich sah ein Kind, was sieh nach meinem Verständnis in einer Notlage befand. Die Ursachen und Hintergründe der Migration seiner Angehörigen und die genauere familiäre Situation waren nicht Gegenstand mei­ner Fragen.

Am 30,07,2008 übertitelte ich dann einen weiteren meiner persönlichen Rund­briefe aus Rumänien mit „Wie im Krimi“, Im Rahmen einer weiteren Tätigkeit in diesem Land war ich mit der Situation einer jungen Frau konfrontiert worden, die überstürzt das Land verlassen wollte, Folgende Lage schilderte ich:

„|,,,| Sie hat ein kleines Kind und ihr Freund schlägt sie. Häusliche Gewalt ist in Rumänien weit verbreitet. Sie geriet in die Prostituier­tenszene, manchmal hatte das ihr Freund von ihr verlangt, manch­mal ging sie selber den Schritt - des Geldes wegen. Alle wissen es. Zuletzt war sie in Griechenland, um als Bardame ihr Geld zu ver­dienen und den Schlägen des Kerles zu entkommen. Jetzt wollte sie wieder dahin; allein, mit einer Plastiktüte, |,,,| für sie schien Grie­chenland der einzige Weg zu sein, es würde ihr gefallen, sie fühle sieh gut dabei |,,,|“.

Der Fall dieser jungen Frau birgt eine Reihe von Problematiken und Motivla­gen, wie zum Beispiel Armut, häusliche Gewalt, Migration und Prostitution, Dass sie Mutter ist, hält die Betroffene nicht von ihrem Wanderungsvorhaben ab. In reflexiver Perspektive verliert das Geschehen zwar etwas von seiner da­maligen Dramatik, der Konflikt Mutterschaft - Migration ist aber auch hier Lebensrealität.

Eine Forschungsperspektive auf die Problemstellung Familie/Gesellschaft - Migration lernte ich 2011 während eines ERASMUS-Aufenthaltes in Si­biu/Hermannstadt kennen. Im Rahmen eines Seminars zum Projektmanage­ment entwickelten wir für die Projektstudie „Zuwanderung von rumänischen Arbeitnehmerinnen nach Deutschland und Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt im Bereich von Haushaltsdienstleistungen und Pflegedienstleistungen“[3] auch Fragestellungen, die sieh damit befassten, was die Arbeitsmigration rumäni­scher Bürgerinnen für ihr Herkunftsland - dabei auch für ihre „Restfamilien“[4] - bedeutet.

Mit der vorgelegten Arbeit soll nun im Rahmen einer erziehungswissenschaft­lichen Reflexion ein vorläufiges und exemplarisches Ergebnis in Bezug auf die Lage von Kindern und Jugendlichen, deren Eltern im (europäischen) Ausland arbeiten, formuliert werden. Es kommen dabei auch politik-, sozial- und migra­tionswissenschaftliche Theorien zur Anwendung, wobei die Übergänge zwischen den Disziplinen fließend und Überschneidungen möglich sind.

1 Einleitung

Europa ist in Bewegung, So das Credo im aktuellen öffentlichen Diskurs, Er ist wie kaum zuvor angefüllt mit Meldungen über europäische Wanderungsbe­wegungen, Seit Beginn diesen Jahres berichten deutsche Leitmedien[5] verstärkt über Zuwandernde aus anderen EU-Staaten, Sie kämen aus Spanien, Portugal, Griechenland, aus Polen, Ungarn und Rumänien, Ihre Motive seien „|,,,| Frust über mangelnde Perspektiven zu Hause und |die, J,V,| Hoffnung, dass es an­derswo besser werden könnte |...|“,[6] wie es die ZEIT-Autorin Pinzier ausdrückt.

Die im Diskurs genannten Zahlen entstammen unter anderem einer Pressemel­dung des Statistischen Bundesamtes vom 7, Mai 2013, Demnach seien im Jahr 2012 insgesamt 1,081,000 Personen nach Deutschland zugezogen, was einem Wanderungsplus von 13 % gegenüber dem Vorjahr entspreche, Länder, die von der Finanz- und Wirtschaftskrise schwerer betroffen seien, sowie die neueren EU-Länder, stellten die Hauptherkunftsregionen der Xeuzuwandernden dar. Zu letztgenannten neueren EU-Ländern gehört (neben Bulgarien) auch Rumänien, Von dort seien im vergangenen Jahr 21,000 Personen nach Deutschland zuge­zogen, 23 % mehr als im Jahr 2011.[7]

Während sieh die Bundesregierung und Öffentlichkeit hierzulande mit Zuwan­dernden überwiegend hinsichtlich ihrer beruflichen Tauglich- und Integrierbar­keit in die deutsche Marktwirtschaft zu befassen scheinen - es sei auf die Dis­kussion um den sogenannten „Fachkräftemangel“ und das medial bemerkbare Umdenken verwiesen, was Neuankömmlinge als „Hilfe aus dem Ausland“[8] ver­stehen will - werden die Folgen für die Staaten, aus denen diese Menschen emi­grieren, weitestgehend ausgeklammert. Die Spanierin Fernandez, deutet diese Problematik im Rahmen eines Interviews mit der ZEIT an: „Vielleicht ist es ja ganz gut, wenn nicht alle in Deutschland durehstarten. Schließlich braucht man in Spanien ja auch noch ein paar gute Leute,“[9]

Die „guten Leute“ braucht man nicht nur in Spanien, sondern auch in Rumänien, Von dort allerdings wanderten ebenfalls die Bessergestellten, Gutausgebildeten und Aufstiegsorientierten aus, wie der Siidosteuropa-Experte Mappes-Xiediek am 7, Mai 2013 in der Vortragsreihe W-Forum der wissenschaftlichen Diens­te des Bundestages äußerte. Eine „|,,,| Bevölkerungsgruppe, die weit iiberpro- portional migriert |...|“[10] seien rumänische Ärzte, die in Großbritannien oder Deutschland ungefähr das Zehnfache ihres rumänischen Gehaltes verdienten, Rumänien sei das Land mit der geringsten Ärztedichte Europas, fügte er hin­zu.[11]

Die hier angesprochenen Zusammenhänge und Spannungen werden in der Wis­senschaft seit einigen Jahren mit dem Begriff des „brain drain“[12] gefasst.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sieh mit dem Land Rumänien, Es sollen Fra­gen nach denjenigen gestellt werden, die migrieren, und nach jenen, die (noch) nicht migrieren. Wenn - wie im Vorjahr - circa 0,1 % der rumänischen Bevöl­kerung allein nach Deutschland migriert ist, muss neben der Frage nach der Ankunfts- und Aufnahmesituation dieser Personen in Deutschland auch danach gefragt werden, welche Konsequenzen ihr (meist temporärer) Weggang für ihre Angehörigen hat. Eine bloße Kritik der Auswanderung greift aber zu kurz; sie fördert die Stigmatisierung der Migrierenden, trägt aber wenig zur Erhellung der komplexen Situation bei. Vielmehr werden die Bedingungsfaktoren von Mi­gration zu beleuchten sein, was im Rahmen dieser Arbeit auch zu historischen und politischen Erörterungen in Bezug auf Rumänien führen wird.

Über die sogenannten „Children left behind“[13] die Kinder und Jugendlichen, die im Heimatland (zurüek-)bleiben, wenn ihre Eltern sieh zu Arbeitszwecken in anderen Ländern aufhalten, sind in den letzten Jahren einige Untersuchungen angefertigt worden, Hondagneu-Sotelo und Avila haben 1997 mit ihrer Studie über transnationale Mutterschaft von Lateinamerikanerinnen eine der ersten Ar­beiten dieser Art vorgelegt[14], Parrehas führte 2005 qualitative Interviews mit erwachsenen Migrantenkindern auf den Philippinen10, Salah hat fiir UNICEF in einem größeren Forschungsprojekt 2008 die Facetten der moldawisehen Arbeits­migration herausgearbeitet[15] [16] und Walezak untersuchte 2011 soziale Ungleich­heiten, die durch elterliche Migration in Polen entstehen können,[17] '

Mit der dieser Arbeit zugrundeliegenden ethnografischen Feldforschung mit qua­litativen Interviews vor Ort soll, wenn auch in wesentlich geringerem Umfang, an diese Studien angeknüpft werden. Wie unter anderem Rohr und Rau bemer­ken, fehlen in der internationalen Migrationsforschung Untersuchungen über die zurückbleibenden Kinder und Familien[18], weshalb mit der Aufbereitung der in Rumänien erhobenen Daten auch die Hoffnung verbunden ist, einen kleinen Beitrag zur weiteren Schließung dieser Lücke leisten zu können.

Zunächst jedoch soll im 2, Kapitel mit dem Fokus auf Europa geklärt werden, was der Begriff der Migration beinhaltet. Dabei wird die Arbeitsmigration als eine besondere und besonders aktuelle Form der Wanderung näher beleuchtet. Die Tatsache, dass Migrierende nationale Grenzen zwar überschreiten, dies aber oft nicht dauerhaft und nicht einmalig tun, macht es außerdem erforderlich, in Kapitel 3 das Konzept der Transnationalität einzuführen und näher zu betrach­ten, Damit werden die Voraussetzungen geschaffen, um der migrationsbedingt entstehenden transnationalen Familie einige Überlegungen widmen zu können. Diese sind Ausgangspunkt für die Präsentation und Erläuterung der Untersu­chungsergebnisse im folgenden 4, Kapitel, wo in drei Schritten entfaltet werden soll, wie sieh die Situation von Familien mit migrierten Angehörigen in Dorohoi (Rumänien) darstellt.

Eine abschließende Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse soll in Ka­pitel 5 mit einigen Ausblicken die Untersuchung abrunden.

Im Rahmen dieser Arbeit geht es um das Verstehen ungewöhnlicher biografi­scher Entwürfe, Dies impliziert - wie Hamburger/Hummrieh zu Recht fordern - das Anerkennen der Vielfalt möglicher Lebens-, Migrations- und Familienfor­men, „|,,,| um dann ihre produktiven und riskanten Aspekte analytisch fassen zu können |...|“[19].

2 Migration

Zu allen Zeiten der Weltgeschichte sind Menschen gewandert, Mobilität war seit jeher notwendig; sei es, um bessere Anbau- und Weideflächen zu finden, sei es, um beengten Lebensverhältnissen zu entkommen, Nicht zuletzt hat die Migra­tion ganzer Völker zur Besiedlung der Erde beigetragen. Im Laufe der Zeit - besonders jedoch ab der zweiten Hälfte des 20, Jahrhunderts[20] - haben sieh die weltweiten Wanderungsbewegungen nicht nur vervielfacht[21] sondern auch aus­differenziert.

Das im Folgenden untersuchte Feld, die Lebens weit Heranwachsender in Xordostrumänien, ist stark geprägt von Wanderungsbewegungen, weswegen an dieser Stelle zunächst ein allgemeiner Blick auf Migration und dann auch ein spezifischer auf Arbeitsmigration geworfen werden soll.

2.1 Begriff der Migration

„Migration“ ist nicht leicht zu definieren, Angesichts der unvollständigen Daten­lage über „|,,,| Ausmaß, Chronologie und Geographie aller relevanten Migrati­onsströme |,,,|“[22] problematisiert beispielsweise schon Münz die Definition des Migrationsbegriffes, Weiterhin spricht er unterschiedliche Selbstdefinitionen an - nicht jede(r) Wandernde verstehe sieh als Migrant oder Migrantin, Schließ­lich sei die Definition von Migration im Rahmen statistischer Erfassungen, be­ziehungsweise administrativer Regelungen von Land zu Land verschieden. Für die vorliegende erziehungswissenschaftliche Arbeit ist es notwendig, sozialwis­senschaftliche Definitionen von Migration heranzuziehen und gegebenenfalls zu erweitern.

Zunächst leitet sieh der Begriff der Migration ab vom lateinischen „migratio“ für „Wanderung“, „Auswanderung“ und „Umzug“,[23] Das Verb „migro“ oder „migra­re“ wird demnach übersetzt mit „(aus)wandern“, „aus-, wegziehen“ und „iiber- siedeln“,[24] [25] Migration ist Han zufolge eine Wanderung, die einen dauerhaften Wohnsitzwechsel impliziert,20 Dabei zeigt sieh, dass Dauerhaftigkeit eine dehn­bare Formel ist. Mit Migration beschreibe ich deshalb alle Wanderungsbewegun­gen, die einen Wohnortwechsel mit einer Dauer von mindestens einem Monat bedeuten.

Migration geschieht über nationalstaatliehe Grenzen hinweg. Da die die zu un­tersuchende Wanderung kennzeichnenden spezifischen Herausforderungen für die Migrierenden, aber auch spezielle Anforderungen an ihre Familien im Hei­matland überwiegend bei der Migration über Ländergrenzen hinweg auftreten, wird an dieser Stelle das Phänomen der Binnenmigration in Anlehnung an Han[26] vernachlässigt, Migration als vorrangig nationalstaatliehe Grenzen überschrei­tend zu verstehen, ergibt auch deshalb Sinn, da diese Form der Wanderung derzeit in großem Umfang auftritt, Lutz beispielsweise geht von einem welt­weiten Anteil von drei bis vier Prozent derjenigen aus, die sieh nicht in ihrem Heimatland aufhalten,[27] ' die also - in welcher Form auch immer - migriert sind.

Migration ist das Überschreiten von Grenzen, das Durchqueren von Landstri­chen, das Durchreisen durch Spraehräume und auch das Überschreiten kultu­reller Grenzen, Migration ist beides: Aufbruch und Ankunft, Migration basiert auf einer bewussten Entscheidung, kann aber vorher nicht bewusst gemachte Folgen haben, Migration ist immer auch ein Wagnis, ein Losgehen in unbe­kanntes Terrain, Wer wandert, tut dies in der Hoffnung auf Erfolg und erlebt währenddessen die Ambivalenz der Erreichbarkeit der gesetzten Ziele.

Eine Definition von Migration muss ihre Risiken mitdenken, darf gleichzeitig aber nicht den Blick für die emanzipatorisehen Implikationen des Migrations­prozesses verlieren. So ist es besonders Bojadzijew/Karakayali ein Anliegen, migratorisehes Verhalten auch als Strategie zu verstehen, mit der einerseits das Überleben gesichert werden soll, andererseits aber auch Protest an bestehenden Vergesellsehaftungsformen artikuliert wird,[28]

Anders nuanciert heben Hamburger/Hummrieh den Modernitätseharakter von Migration hervor: sie sei ein „Mechanismus der Modernisierung“,[29] Damit gren­zen sie sieh ebenfalls von vorschnellen Subsumptionen des Migrationsphänomens unter dem Belastungsdiskurs ab, Rosen bejuble ihnen zufolge Migrierende gar als „Avantgarde der postmodernen Gesellschaft“,[30]

Der Migration eigen ist Modernität nun in zweierlei Hinsicht: einerseits stellt Migration in ihren derzeitigen Ausmaßen ein Phänomen der Moderne dar,[31] be­ziehungsweise wird als Kennzeichen moderner Gesellschaften verstanden[32] (epo­chal), andererseits bedeutet sie für die Migrierenden und ihr Umfeld eine Mo­dernisierung im Sinne einer Neuerung oder Neugestaltung der Lebenssituation (sozial).

2.2 Globaler Kapitalismus als Ursache von (Arbeits-) Migration

Der Zusammenhang von globaler Wirtschaft und Politik und ihre Einflüsse auf Migrationsbewegungen werden im Folgenden dargestellt. Es zeigt sieh allgemein, dass zwar viele Autoren eine Verbindung hersteilen zwischen Globalisierung und Migration,[33] der Anteil, den speziell die kapitalistische Wirtschaftsweise an dieser Entwicklung hat, dabei aber übersehen zu werden droht.

Kößler diagnostiziert in seinem Aufsatz zu Globalisierung und internationaler Migration für den Zeitraum ab circa 1980 einen „Globalisierungsschub“.[34] Sei­ne Analyse des Globalisierungsprozesses ergibt drei Formen zunehmender in­ternationaler Verflechtungen: zunächst seien ländergrenzenüberschreitende Un­ternehmen, Kapitalströme und Kooperationen ein Merkmal der Globalisierung, Weiterhin hätten sieh auch persönliche Beziehungen zwischen Menschen interna­tionalisiert, Schließlich führt Kößler die elektronischen Medien30 an, mit denen kulturelle Muster[35] „|,,,| einheitlich und global |,,,| propagiert und weitervermittelt Iwürden, J,V,|“,[36]

Inwiefern sind nun global ausgetragene kapitalistische Bestrebungen ursächlich für Migration? Einen ersten allgemeinen Erklärungsansatz liefert ebenfalls Köß­ler, der die „|,,,| weltweit durchgesetzten Strategien der Deregulierung und oft radikal marktwirtschaftlichen Orientierungen |...|“ als unmittelbar mit dem Glo­balisierungsprozess verknüpft denkt[37] '; ihm zufolge führten diese Vorgehenswei­sen zur Marginalisierung ganzer Regionen.

Gliek Schiller, Basch und Blanc, die im gleichen Band nach Gründen transna­tionaler Migration suchen, problematisieren - ebenfalls dem Marginalisierungs- diskurs folgend - die im Zuge weltweiter Umsetzung kapitalistischer Akkumu­lationsziele entstehenden Ungleichheiten:

„|,,,| Capitalism from its beginnings has been a system of producti­on dependent on global interconnections between the people of the world. Today we are facing a reconstitution of the structure of ac­cumulation so that not only are profits accumulated globally, but all parts of the world have been incorporated into a single system of production, investment, communication, coordination, staffing |,,,| and distribution (Sassen 1994) |,,,|

Capital is booing ohannolod into koy sootors and rogions whilo tho in- frastruoturo of transportation, odnoation, hoalth sorvioos[38] aro strip- pod away from thoso countrios, and sections of countries and cities, defined as superflues to the newly defined circuits of wealth and power|,,,|[39]

Dem Ungleichheitsdiskurs folgend spricht auch Specht (im speziellen Fall weib­licher Arbeitsmigration und im Bewusstsein der Vielfalt an Migrationsmotiven) von großen ökonomischen und sozialen Ungleichheiten als allgemeiner Haupt­ursache von Migration,[40]

Diese Ungleichheiten werden durch eine Art „Heuschreckenkapitalismus“[41] ver­ursacht, Er führt aufgrund radikaler Produktionskostenminimierungsstrategien zur Schließung von Produktionsstätten und damit zum Ausschluss ganzer Regio­nen vom Weltmarkt, Investitionen wirtschaftlicher und infrastruktureller Art, aber auch Exportmöglichkeiten fehlen den betroffenen Regionen fortan,[42] All­gemeine Folge „heuschreckenkapitalistischen“ Vorgehens ist die Arbeitslosigkeit der dort ansässigen Bevölkerung, Diese führt nicht selten auch zu ihrer Verar­mung.

„|,,,| Entweder man verdämmert in seinem verödeten Landstrich oder man wan­dert aus |,,,|“, bringt Mappes-Xiediek pointiert die Alternativen der von Ar­beitslosigkeit in diesen Regionen Betroffenen zum Ausdruck,[43] Munk spricht (im speziellen Fall weiblicher Migration) auch von (feminisierter) Armut als Aus­loser von Wanderungsbewegungen.[44] Migration kann so zu einer Überlebens­oder Ausweiehstrategie werden, wie sie etwa - untersehiedlieh konnotiert - von Bojadzijev/Karakayali[45] und Kößler[46] besehrieben wird. Munk zeigt auf, dass (Arbeits-)Migration aueh als Flueht aus Arbeitslosigkeit verstanden wer­den kann.[47] ' Kapitalistisehe Wirtsehaftsweise seheint also über den Faktor Ar­beitslosigkeit mit Migration zusammenzuhängen.

Bojadzijev/Karakayali zufolge greift diese Ansicht - die „|,,,| Vorstellung, nach der Menschen sieh auf den Weg in die Migration machen, weil sie arbeitslos sind und woanders in Arbeit kommen wollen |,,,|“[48] - allerdings zu kurz. Dieser Vorstellung halten sie ihr Konzept der „Autonomie der Migration“[49] entgegen. Demnach reagierten Menschen eigensinnig auf Lebensbedingungen, mit denen sie sieh nicht abfinden wollen. Enttäuschte Hoffnungen in Bezug auf Arbeits­bedingungen oder Entlohnung, auf Lebensstandard und Zukunftschancen ver- anlassten Menschen dazu, aktiv eine Veränderung der Situation anzustreben.[50] Migration könne eine Form dieser eigensinnigen[51] Reaktion sein, sie sei aber nicht einfache Folge von Arbeitslosigkeit.[52]

Xaeh meinem Ermessen besteht dabei allerdings die Gefahr, im Zuge einer „Ro- mantisierung“[53] der autonomen Migrationsentscheidung auszuklammern, dass bei aller Selbständigkeit der Entscheidung zur Wanderung es doch eine beding­te Entscheidung ist; und ihr Hauptbedingungsfaktor ist Arbeitslosigkeit, das Fehlen von Arbeitsplätzen oder der Mangel an ausreichend bezahlter Arbeit.

2.3 Arbeitsmigration

Da das Phänomen der Arbeitsmigration, was - wie gezeigt - hauptsächlich durch große ökonomische und soziale Ungleichheiten verursacht sein dürfte,[54] einen Kernaspekt derzeitiger Migrationsbewegungen und -formen ausmacht, da selbiges außerdem für das zu untersuchende Feld in Dorohoi eine zentrale Rolle spielt, wird es im Folgenden einer Analyse unterzogen.

2.3.1 Allgemeines zur Arbeitsmigration

Arbeitsmigration ist ein historisches Phänomen, was an der Bruchlinie von Ge­sellschaften mit stark wachsendem Wirtschaftsvolumen aber kaum vorhandenen Arbeitskräften, und Gesellschaften mit kaum vorhandener Wirtschaftsentwick­lung, aber vielen (teils ungelernten) potentiellen Arbeitskräften, entsteht. Be­dingung für Arbeitsmigration ist also einerseits die ökonomische Situation eines Landes, die es dazu veranlasst, mit politischen Mitteln Arbeitskräfte zu rekrutie­ren - im Ausland findet sieh dabei ein erweitertes, potentielles Arbeitnehmerre­pertoire. Andererseits wird Arbeitsmigration dadurch bedingt, dass Länder ein überakkumuliertes „Humankapital“ besitzen und Strategien wahrnehmen, die Arbeitssuche ihrer Bevölkerung im Ausland zu fördern, mindestens jedoch die Ausreise nicht restringieren.

Wie sieh bei eingehender Betrachtung zeigt, ist die Globalität, beziehungsweise Transnationalität von Arbeitsmigration - trotz Hans Diagnose der heute statt­findenden „Globalisierung der Migration“[55] - keineswegs ein neues Phänomen. Potts versteht bereits die Kolonisation Amerikas und Afrikas als Anlässe, die zur Rekrutierung von Arbeitsmigranten führten.'[56] Han, der ebenfalls zwischen frei­williger und erzwungener Arbeitsmigration unterscheidet,'[57] ' wertet im Gegen­satz zu Potts den Sklavenhandel zu Kolonialzeiten nicht als Arbeitsmigration im engeren Sinne. Im System der „Vertragsarbeiter“ sieht er jedoch ein Xaeh- folgemodell der Sklaverei, mittels dessen indische Arbeitskräfte im 19. und 20. Jahrhundert nach Nordamerika, in die Karibik und nach Siidostasien gebracht wurden.'[58] Es zeigt sieh, dass Arbeitsmigration historische Bedeutung hat.

Um Arbeitsmigration als die hier näher untersuchte Migrationsform klarer zu fassen, ist die Abgrenzung zu weiteren Formen der Wanderung hilfreich. So spricht Han für die Zeit ab dem Zweiten Weltkrieg von einer „Diversifizierung der Migrationsformen“[59] und unterscheidet folgende Arten von Migration: „|,,,| Ar­beitsmigration, Familienzusammenführung, Flüchtlinge, Migration von Studie­renden, Migration ethnischer Minderheiten |und, J,V,| illegale Migration[60] Dem ist hinzuzufügen, dass auch Mischformen auftreten können, wie im Fall derjenigen Studierenden, die im Gastland auch einer Beschäftigung nachgehen, oder derjenigen moldawischen Arbeiterinnen, die in Italien Illegalisierte[61] sind.

Arbeitsmigration findet weltweit statt; innerhalb von Ländern, innerhalb von Kontinenten, aber auch über Kontinentgrenzen hinweg.

2.3.2 Deutschland als Zielland von Arbeitsmigration

Arbeitsmigration nach Deutschland findet nicht erst seit einigen Jahrzehnten statt. Wie etwa Han und Potts[62] zeigen, hat die deutsche Wirtschaft seit dem 19. Jahrhundert - also seit Industrialisierung und beginnender kapitalistischer Wirtschaftsweise - von ausländischen Arbeitskräften profitiert.[63] Han nennt et­wa „|,,,| russische und polnische ,Wanderarbeiter; in der Großlandwirtschaft der ostelbischen Junker |...|“[64], österreichisch-ungarische Zuwanderer im spä­ten Kaiserreich oder „Fremdarbeiter“, die zuzeiten des Dritten Reiches in der Kriegswirtschaft eingesetzt waren.[65]

Erstmals als „Arbeitsmigration“ bezeichnet wurde die Zuwanderung nach Deutschland von Anfang der 60er bis Mitte der 70er Jahre des vorigen Jahr­hunderts. In dieser Phase wurden ausländische Arbeitnehmer im Rahmen des Anwerbeabkommens der Bundesregierung für Tätigkeiten in der Schwerindus­trie und anderen männerdominierten Berufsfeldern angeworben. Diese ersten Arbeitsmigranten kamen aus dem ehemaligen Jogoslawien, aus Italien, Spa­nien, Portugal und Griechenland; später kamen türkische, marokkanische und tunesische Arbeitskräfte hinzu.[66] Wie Münz bemerkt, waren in den 70er Jahren die Mehrheit der in Deutschland lebenden Ausländer Arbeitsmigranten.[67] ' Nach dem Anwerbestopp 1973 war Deutschland zunächst nicht mehr Zielland von Arbeitsmigration.[68]

Im letzten Jahrzehnt hat die Zahl derjenigen, die nach Deutschland einreisen, um einer Beschäftigung nachzugehen, wieder stärker zugenommen. Politisch eingeleitet wurde diese neue Wanderungsphase, die sieh in globalen Ausmaßen vollzieht, mit der Einführung der Green Card für IT-Experten im Jahre 2000.[69] Die eingangs bereits angesprochene öffentliche Bewusstseinsbildung darüber, dass die Bundesrepublik auf ausländische Fachkräfte zunehmend angewiesen sein wird, ist politisch gewollt. Angesichts einer rapide alternden Gesellschaft und des desaströsen Bildungsniveaus einer großen Zahl junger Menschen hier­zulande wird gut (aus-)gebildetes Personal mittlerweile europaweit gesucht.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wanderten im Vorjahr insgesamt 1,081,000 Personen neu zu.'[70] Da die genaue Zahl der Arbeitsmigranten und - migrantinnen unter ihnen statistisch nicht erfassbar ist, kann hier nur mit einem Näherungswert gearbeitet werden, Angesichts der zuletzt ermittelten Arbeits­losenquote unter Ausländern von 16,4 %[71] lässt sieh der Anteil erwerbstätiger Migranten auf 83,6 % beziffern. Demzufolge dürften ea. 900.000 der in 2012 Zugewanderten Arbeitsmigranten und Arbeitsmigrantinnen sein.

Die hier skizzierte neue Zuwanderungsphase ist deshalb mit derjenigen der 60er und 70er Jahre vergleichbar, da ihre Akteure und Akteurinnen zum Teil aus denselben (europäischen) Ländern zuwandern. So kommen die neuen Arbeits­migranten und -migrantinnen aus Portugal, Spanien, Italien und Griechenland, Im Vergleich zur Gastarbeiterphase neue Herkunftsländer sind vormals sowje­tisch regierte Staaten wie Ungarn, Bulgarien, Rumänien und Polen,[72]

Jedoch bleibt kritisch zu fragen, inwiefern für heutige Zuwandernde die Rede von „Arbeitsmigranten und -migratinnen“ nicht zu kurz greift; ob dies nicht ein reduktionistiseher Begriff ist, der die Hoffnungen, Ambitionen und Motiva­tionen der Zuwandernden verkennt, indem er sie auf die Kategorie ihrer wirt­schaftlichen Verwertbarkeit reduziert. Sind die Zuwandernden nicht auch Ge­sellschaftsmigranten, Kulturmigrantinnen und Bildungsmigranten, beziehungs­weise -migrantinnen?

2.4 Migration von Frauen

„Immer mehr Frauen suchen weltweit fern ab der Heimat Arbeit |,,,| die Zahl der migrierenden Frauen steigt |...|“[73], behauptet Munk, Ähnliches ist von Schottes und Treibei zu hören: „|,,,| Weltweit migrieren mehr Frauen als Männer [74] Weil weibliche Migration - wie diese Aussagen zeigen - zunehmend eine Rolle spielt, werden dieser speziellen Form der (Arbeits-)Migration im Folgenden ei­nige Gedanken gewidmet.

Franck und Spellar legen Zahlen vor, wonach gut die Hälfte der Migration welt­weit weiblich ist.'[75] Für den Untersuchungsgegenstand ist die Tatsache bedeut­sam, dass nicht wenige Migrantinnen auch Mütter sind, [76] für die sieh die Dop­pelbelastung Werktätigkeit - Reproduktionsarbeit unter dem Faktor Migrationzu einer Dreifachbelastung zu entwickeln scheint.[77]

[...]


[1] „Was soll ich dir wünschen, süßes Rumänien, mein Land des Ruhmes, mein Land der Sehnsucht?" (Übersetzung aus dem Rumänischen hier und an allen weiteren Stellen durch die Autorin).

[2] Name aus Datenschutzgründen geändert.

[3] Vgl. Sibylle Wollenschläger: Zuwanderung von rumänischen Arbeitnehmerinnen nach Deutschland und Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt im Bereich von Haushaltsdienstleistungen und Pllegedienst- leist ungen, unveröffentlichte Projektstudie, 2011, url: http : / / www . f hws - fas . de / images / professoren/ wollenschlaeger/dokumente/publik_wollenschlaeger_012001 .pdf (letzter Zugriíl am 27.06.2013).

[4] Vgl. ebd.

[5] Exemlarisch sei auf jüngste Artikel im SPIEGEL und der ZEIT hingewiesen, vgl. Sven Becker: Der deut- sehe Traum, in: DER SPIEGEL 9 (2013), S. 30 40 und l'etra Pinzler: Arme, junge, kluge Einwanderer, in: DIE ZEIT 19 (2013), 241.

[6] Ebd., S.24

[7] Vgl. Martin Conrad: Weiter hohe Zuwanderung nach Deutschland im Jahr 2012, Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes, 2013, uhl: https :/ /www . destai is . de /DE/ PresseService / Presse / Pressemitteilimgen/2013/05/PD13_ 156_ 12711pdf . pdf ?__blob=publicationFile (letzter Zugriíl am 27.06.2013).

[8] Becker: Der deutsche Traum (wie Anm. 5), S. 31.

[9] Pinzler: Arme, junge, kluge Einwanderer (wie Anm. 5), S. 25.

[10] Norbert Mappes-Niediek: Die Situation der Roma in Südosteuropa als gesamteuropäische Herausforde­rung. Vortragsreihe W-Forum der wissenschaftlichen Dienste des Bundestages, 2013, uhl: http://www. bundestag.de/dokumente/textarchiv/2013/44560881_kwl9_wforum_roma/index.html.

[11] Vgl. ebd. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass immer mehr medizinische Einrichtungen in Deutschland den rumänischen Arbeitsmarkt entdecken, was sich beispielsweise an ihrem Anzeigeverhalten in der in Rumänien erscheinenden „Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien“ ablesen lässt; vgl. u.a. Allgemeine Deutsche Zeitung eüh Rumänien: Aus Altersgründen suche ich für meine gut gehende Zahnarzt praxis mit einem weit überdurchschnittlichen Privatumsatz eine/-n Nachfolger (m/w) mit Berufs­erfahrung und guten, deutschen Sprachkenntnissen, Anzeige, 2013, dies.; Welcher Zahnarzt hat Lust sich in Deutschland niederzulassen?, Anzeige, 2013 und dies.; Wir sind eine langjährig etablierte Großpraxis für Radiologie und Nuklearmedizin in Südwestdeutschland (Großraum Stuttgart - Ulm). Zum nächstmög­lichen Zeitpunkt ist bei uns eine Stelle als Facharzt/Fachärztin für Nuklearmedizin zu besetzen, Anzeige, 2013.

[12] Üblicherweise wird er verwendet, um den Prozess der Migration von (höher) gebildeten Bevölkerungs­teilen aus Entwicklungs- in Industriestaaten und die Auswirkungen dieser Wanderungsbewegung in den Herkunftsstaaten zu beschreiben, vgl. Taghi Ramin: The brain drain from developing countries to deve­loped countries, in: International Advances in Economic Research 1.1 (1995), S. 82, uhl: http://dx.doi. org/10.1007/BF02295863 (letzter Zugrilf am 31.05.2013). Er illustriert seine Definition ebenfalls mit dem Beispiel (aus-)wandernder Arzte. Zum „brain drain“ vgl. auch Lydia Potts: Weltmarkt für Arbeitskraft. Von der Kolonisation Amerikas bis zu den Migrationen der Gegenwart, 1. Aull., Hamburg: .Junius Verlag GmbH, 1988, S. 16 19, 241 269, hier S. 18.

[13] Vgl. u.a. Rosalia Cortés: Children and Women Left Behind in Labour Sending Countries: An Appraisal of Social Rises, Working Paper von UNICEF, New York, 2008, uhl: http ://www. childmigration. net/ files/Rosalia_Cortes_07.pdf, 1111' (letzter ZugrilT am 27.06.2013).

[14] Pierrette HoNDAGNEU-SoTELo/Ernestine Avila: „I’m here, but I’m there“. The Meanings of Latina Trans­national Motherhood, in: Gender and Society 11.5 (1997), S. 548 571, uhl: http://gas.sagepub.com/ content/11/5/548 (letzter Zugriff am 21.05.2013).

[15] Stanford/ California: Stanford University Cross, 2005.

[16] http : / /www. Unicef . org/The_ Impacts.of _Migration_on_Children_in_Moldova(l) .pdf (letzter Zugriff am 07.03.2013).

[17] Barttomiej Walczak: Economic, class and gender inequalities in parental migration, in: Marek Nowak/ Michal NowosiELSKi (Hrsg.): (Post)transformational Migration. Inequalities, Welfare State and Horizontal Mobility, Frankfurt am Main: Peter Lang Internationaler Verlag der Wissenschaften, 2011.

[18] Vgl. u.a. Elisabeth Rohr: Vorwort, in: Beatrice Kustor-Hüttl (Hrsg.): Weibliche Strategien in der Resilienz. Bildungserfolg in der Migration, 1. Aull., Frankfurt am Main: Brandes & Apsel Verlag, 2011, S. 248, ebenfalls dazu vgl. Barreñas: Children of Global Migration (wie Anm. 15), 93f und Cätälin Luca: Manual pentru professioniçtii care lucreazä cu copiii ramaçi singuri acasä ca urmare a plecärii pärinfilor la muncä in sträinätate, Editura Terra Nostra, laçi, 2009, S. 7.

[19] Familie, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2007, S. 112 134, uhl: http://dx.doi.org/10. 1007/978-3-531-90675-1_7, hier S. 128 (letzter Zugriff am 30.05.2013).

[20] Vgl. u.a. Veronica Munk: Migration und Sexarbeit. Dilemmata der Illegalität, in: Osteuropa: Mythos Europa: Prostitution, Migration, Frauenhandel 56 (2006), S. 55 66, hier S. 55.

[21] Vgl. u.a. Ludger Pries: Neue Migration im transnationalen Raum, in: ders. (Hrsg.): Transnationale Migration, 1. Aull., Bd. 12 (Soziale Welt), Badenmaden: NOMOS Verlagsgesellschaft, 1997, S. 15.

[22] Rainer Münz: Woher - wohin? Massenmigration im Europa des 20. Jahrhunderts, in: Ludger Pries (Hrsg.): Transnationale Migration, 1. Auü., Bd. 12 (Soziale Welt), Badenmaden: NOMOS Verlagsgesell­schaft, 1997, S. 222.

[23] Rita Hau: PONS Wörterbuch für Schule und Studium Latein - Deutsch, 3. Aufl., Köln: Ernst Klett Sprachen, 2003, S. 544.

[24] Ebd.

[25] Petrus Han: Soziologie der Migration. Erklärungsmodelle - Fakten - Politische Konsequenzen - Perspek­tiven, 2. Auü., Stuttgart: Lucius & Lucius, 2005, S. 8.

[26] Vgl. Han: Soziologie der Migration (wie Anm. 25).

[27] Vgl. Helma Lutz: Gender Mobil? Geschlecht und Migration in transnationalen Räumen, in: dies. (Hrsg.): Gender Mobil? Geschlecht und Migration in transnationalen Räumen, 1. Aull., Münster: Verlag Westfäli­sches Dampfboot, 2009, S. 8 26, hier S. 10.

[28] Vgl. Manuela BojADZUEw/Serhat Karakayali: Autonomie der Migration. 10 Thesen zu einer Methode, in: Transit Migration Forsciiungsgruppe (Hrsg.): Turbulente Ränder, Bielefeld: Transcript Verlag, 2007, S. 203 210, hier S. 204, 209.

[29] Hamburger/Hummrich: Familie und Migration (wie Anm. 19), S. 115.

[30] Vgl. ebd., S. 117.

[31] Vgl. u.a. Pries: Neue Migration im transnationalen Raum (wie Anm. 21), S. 15.

[32] Vgl. Münz: Woher - Wohin? (Wie Anm. 22), S. 222.

[33] Vgl. u.a. Nina Click ScHiLLER/Linda BASCH/Cristina Szanton Blanc: From Immigrant to Transmigrant: Theorizing Transnational Migration, in: Ludgor Pries (Hrsg.): Transnationale Migration, 1. Aulì., Bd. 12 (Soziale Welt), Badenmaden: NOMOS Verlagsgesellschaft, 1997.

[34] Reinhart Kössler: Globalisierung, internationale Migration und Begrenzungen ziviler Solidarität. Versuch über aktuelle Handlungsformen von Nationalstaaten, in: Ludger Pries (Hrsg.): Transnationale Migration, 1. Aull., Bd. 12 (Soziale Welt), Badenmaden: NOMOS Verlagsgesellschaft, 1997, S. 331, 337, 341.

[35] Vgl. dazu auch Pries: Neue Migration im transnationalen Raum (wie Anm. 21), S. 16.

[36] Kössler: Globalisierung, internationale Migration und Begrenzung ziviler Solidarität (wie Anm. 34).

[37] Ebd.,S.330

[38] Zur Vernachlässigung sozialer Aspekte wie Gesundheit und Bildung durch die Liberalisierung und Ent­grenzung von Finanz-, Güter- und Dienstleistungsmärkten siehe u.a. auch Munk: Migration und Sexarbeit (wie Anm. 20), S. 55.

[39] Schiller/Basch/Blanc: From Immigrant to Transmigrant (wie Anm. 33), S. 123. Die Autorinnen be­schreiben ein Nebeneinander („while“) von infrastruktureller Demontage und Investitionsströmen in soge­nannte „Zentren der Macht“, ziehen aber eine Abhängigkeit dieser beiden Phänomene nicht in Betracht.

[40] Vgl. Barbara Specht; Foreword, in; Women’s labour migration in the context of globalisation, Brussels; WIDE, 2010, S. 3 4, hier S. 3.

[41] Der Vergleich kapitalistischen Vorgehens mit Heuschreckenschwärmen stammt ursprünglich von Müntefe­ring, der damit in einem Interview die Vorgehensweise mancher Finanzinvestoren bezeichnete. Diese ver­schwendeten keine Gedanken an die Menschen, deren Arbeitsplätze sie vernichteten, sie fielen wie Heuschre­cken über Unternehmen her, grasten sie ab und zögen weiter, vgl. u.a. Frank Stocker: Wie die Heuschre­cken über uns kamen, in: DIE WELT 2010, uhl: http ://www. weit. de/f inanzen/article7225622/Wie- die-Heuschrecken-ueber-uns-kamen.html (letzter Zugriff am 26.06.2013).

Kritiker sehen darin allerdings eine „verkürzte Kapitalismuskritik“ (Fabian Alexander Georgi: Inwiefern ist Kapitalismus ursächlich für Migration?, Inwiefern ist Kapitalismus ursächlich für Migration?, Gespräch am 27.05.2013), die im Zuge einer Pauschalisierung akkumulatorischer Vorgänge und einer Reduzierung auf die heuschreckenartigen (Finanz-)lnvestoren die Komplexität weltweiter Strategien zur Kapitalver­mehrung ausblende. Außerdem sei ein Vergleich mit Ungeziefer historisch kritisch zu sehen, könne er doch als faschistoid aufgefasst werden. Es erscheint deshalb der Verweis wichtig, dass der Heuschreckenbegrilf hier lediglich zur Illustration der IVandenmi/sbewegung von Investoren und Produktionsstätten verwendet wird.

[42] Werk geschlossen worden war, hatte der Mobilfunkgerätehersteller seine Produktionsstätte ins rumäni­sche Gluj Napoca verlegt. Nach drei Jahren wurde auch dort die Produktion eingestellt, zugunsten einer Produktionsstätte in Asien, vgl. u.a. Andreas Wyputta: Und sie ziehen weiter. Nokia verlässt Werk im rumänischen Gluj, in: taz. Die Tageszeitung 2011, uhl: http ://www. taz. de/! 79191/ (letzter Zugriff am 27.06.2013).

[43] Mappes-Niediek: Die Situation der Roma in Südosteuropa als gesamteuropäische Herausforderung (wie Anm. 10) Er nennt die Alternative zwar im Hinblick auf die Wende in Rumänien, jedoch gilt sie für alle Regionen weltweit, die mit derartigen Entwicklungen konfrontiert sind.

[44] Vgl. Munk: Migration und Sexarbeit (wie Anm. 20), S. 55.

[45] Vgl. Bojadzijew/Karakayali: Autonomie der Migration (wie Anm. 28), S. 204.

[46] Vgl. Kössler: Globalisierung, internationale Migration und Begrenzung ziviler Solidarität (wie Anm. 34), s. 333.

[47] Vgl. u.a. Munk: Migration und Sexarbeit (wie Anm. 20), S. 55.

[48] Bojadzijew/Karakayali: Autonomie der Migration (wie Anm. 28), S. 204.

[49] Vgl. ebd.

[50] Vgl. Georgi: Inwiefern ist Kapitalismus ursächlich für Migration? (Wie Anm. 41).

[51] Bojadzijev et al. verstehen damit auch: nicht steuerbar, vgl. Bojadzijew/Karakayali: Autonomie der Migration (wie Anm. 28), 204f.

[52] Damit soll auch dem Anliegen Rechnung getragen werden, Migranten und Migrantinnen nicht als (passive) Objekte in einem linear gedachten Kausalzusammenhang zu sehen.

[53] Sunny Omwenyeke: Keine Romantisierung, bitte. „Autonomie der Migration“ im Streitgespräch, Kara­wane, 2004, url: http://thecaravan.org/node/19 (letzter Zugrilf am 11.06.2013).

[54] Vgl. Anja K. FRANCK/Andrea Spehar: Women’s labour migration in the context of globalisation, Brussels: WIDE, 2010, url: http ://www . ilo . org/public / libdoc / jobcrisis/download/Womens\"/,201abour \ "/,20migration,Y/.20WIDE,Y/.200ctV/,202010.pdf, S. 5 (letzter Zugriff am 30.05.2013).

[55] Han: Soziologie der Migration (wie Anm. 25), S. 85.

[56] Vgl. Potts; Weltmarkt für Arbeitskraft (wie Anm. 12), S. 244.

[57] Vgl. Han; Soziologie der Migration (wie Anm. 25), S. 86.

[58] Vgl. ebd., S. 87.

[59] Ebd., S. 85.

[60] Ebd., 85f.

[61] Vgl. dazu Ed MOSCHITZ: Mama illegal, Dokumentarfilm, 2011

[62] Vgl. Potts: Weltmarkt für Arbeitskraft (wie Anm. 12), S. 247.

[63] Diese Tatsache deutet ebenfalls daraufhin, dass zwischen Kapitalismus und Arbeitsmigration ein Zusam­menhang besteht.

[64] Han; Soziologie der Migration (wie Anm. 25), S. 87.

[65] Vgl. ebd., S. 88.

[66] Vgl Münz: Woher - Wohin? (Wie Anm. 22), S. 233.

[67] Vgl. ebd., S. 230. Potts legt ähnliche Zahlen vor: so habe der Anteil der Arbeitsmigranten an der Ge­samtzahl der Beschäftigten im Jahr 1974 bei 10,9 % gelegen, vgl. Potts: Weltmarkt für Arbeitskraft (wie Anm. 12), S. 268.

[68] Dennoch stieg die Zahl der Zuwandernden weiter an, was Han mit ,,[...] der anhaltenden Zuwanderung der Familienangehörigen von Arbeitsmigranten, deutschstämmigen Aussiedlern und Asylsuchenden begründet (Han: Soziologie der Migration (wie Anm. 25), S. 2). Die in den 80er und 90er Jahren zuzie­henden „Ost-West-Migranten“ gehörten, so Münz (vgl. Münz: Woher Wohin? (Wie Anm. 22), S. 226), überwiegend ethnischen oder religiösen Minderheiten an. So gestattete etwa die damalige Volksrepublik Rumänien Angehörigen der ethnischen Minderheit der Siebenbürger Sachsen die Ausreise in die BRD ge­gen ein festgesetztes Entgeld seitens der deutschen Bundesregierung. Diese Trends setzten sich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs zunächst fort.

[69] Vgl. Becker: Der deutsche Traum (wie Anm. 5), S. 35.

[70] Vgl. Conrad: Weiter hohe Zuwanderung nach Deutschland im Jahr 2012 (wie Anm. 7), vgl. S. 1 dieser Arbeit.

[71] Vgl. Bundesregierung: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke, Herbert Behrens, Sevim Dagdelen, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIB LINKE. Haltung der Bundesregierung zum Umgang mit EU-Bürgerinnen und EU-Bürgern aus Rumänien und Bulgarien, Drucksache 17/13322, Deutscher Bundestag. 17. Wahlperiode, 2013, S. 8.

[72] Vgl. Becker: Der deutsche Traum (wie Anm. 5), S. 32.

[73] Munk: Migration und Sexarbeit (wie Anm. 20), S. 55.

[74] Martina ScHÖTTEs/Annette Treibel: Frauen - Flucht - Migration. Wanderungsmotive von Frauen und Aufnahmesituation in Deutschland, in: Ludger Pries (Hrsg.): Transnationale Migration, 1. Auü., Bd. 12 (Soziale Welt), Baden-Baden: NOMOS Verlagsgesellschaft, 1997, S. 85.

[75] Vgl. Franck/Spehar: Women’s labour migration in the context of globalisation (wie Anm. 54), S. 11; vgl. dazu auch Roim: Vorwort (wie Anm. 18), S. 12.

[76] Vgl. u.a. Hondagneu-Sotelo/Avila: „Pm here, but I’m there“ (wie Anm. 14).

[77] Lydia Potts spricht in ihrer Studie zum Weltmarkt für Arbeitskraft in ähnlicher Weise von einer Doppelebe- lastung für Frauen: diese komme durch Ausbeutung im Produktionsprozess und im Reproduktionsbereich zustande, vgl. Potts: Weltmarkt für Arbeitskraft (wie Anm. 12), S. 18.

Ende der Leseprobe aus 72 Seiten

Details

Titel
Transnationale Familien in Rumänien
Untertitel
Die Situation von Kindern und Jugendlichen in Dorohoi, deren Eltern im Ausland arbeiten
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Institut für Erziehungswissenschaften)
Note
1,4
Autor
Jahr
2013
Seiten
72
Katalognummer
V232488
ISBN (eBook)
9783656487821
ISBN (Buch)
9783656493518
Dateigröße
5506 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit basiert auf in Dorohoi (Rumänien) erhobenen Daten. Dazu wurde ein Methodenmix aus quantitativen und qualitativen Erhebungsmethoden verwendet. In drei Experteninterviews wurden Fragen nach Chancen und Risiken jener Transmigration, die zum Entstehen transnationaler Familien führt, gestellt. Um die Situation von Kindern und Jugendlichen aus transnationalen Familien in der nordostrumänischen Kleinstadt Dorohoi umfassend darzustellen, wurde vor Ort erhobenes quantitatives Datenmaterial verwendet. Im Anhang sind Fotomaterial und Tabellen zu finden.
Schlagworte
Transnationalität, Familie, Kinder, Jugendliche, Dorohoi, Nordostrumänien, Ausland, Eltern, Migration, Kapitalismus, Arbeitsmigration, Deutschland, Frauen, Frauenmigration, Migrationsforschung, Forschung, Wende, 1989, 1990, Jahrtausendwende, EU-Mitgliedschaft, Europäische Union, 2007, EU, Europa, Erziehungswissenschaft, erziehungswissenschaftlich, Politikwissenschaft, Sozialwissenschaft, Migrationswissenschaft, Moldau, Familien, Rumänien, Südosteuropa, Globalisierung, Transnationalitätsforschung, Wirtschaftskrise, Finanzkrise, Pädagogik, Gesellschaft, Transnationale Familie
Arbeit zitieren
Janka Vogel (Autor), 2013, Transnationale Familien in Rumänien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232488

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