Städte in der globalen Ökonomie

Globalisierung. Global Cities. World City Network


Hausarbeit, 2013
21 Seiten, Note: 1
Sander Kebnier (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Globalisierung
2.1 Die Facetten der Globalisierung
2.2 Der Globalisierungsprozess
2.3 Das Gefüge und seine institutionelle Struktur
2.4 (Stand-)Orte der Globalisierung

3. Global Cities
3.1 Definition und Forschungsgeschichte
3.2 Die innere Gliederung nach Sir P. Hall (2001: 73f.)

4. Die (Un-)Gleichheit zwischen den Städten
4.1 Primate urban systems
4.2 Balanced urban systems
4.3 Städtewachstum und Städtesysteme

5. Eine Stadt in der globalen Ökonomie – Beispiel Frankfurt am Main

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Soziologie bezog sich in ihrer Analyse der Städte lange Zeit ausschließlich auf die ökologische Seite der urbanen Gestalt beziehungsweise auf die räumliche Anordnung und Verteilung der Bevölkerung. Dabei konzentrierte sie sich auf die ökonomischen und institutionellen Zentren und folglich auf die soziologischen und sozioökonomischen Faktoren, wie die Menschen, die sozialen Gruppen, aber auch auf die Urbanisierung und die komplexen Problemfelder im Zusammenhang mit der Stadt. Doch jener Ansatz ist nicht mehr ausreichend, bildet eine Leerstelle innerhalb der Stadtsoziologie (vgl. Sassen 1997: 9). Seit den 1980er Jahren, in denen die Prozesse der Globalisierung ihren Höhepunkt erreichten, haben sich folglich auch die Vorstellungen der weltwirtschaftlichen Geographie und der soziologischen Komponenten gewandelt (vgl. Parnreiter 2006). Die wirtschaftliche, politische und soziale Wirklichkeit der transnationalen Regionen und Städte hat sich grundlegend geändert. Saskia Sassen (1997) betrachtet die Stadt als »den« Schauplatz der globalen Prozesse. Ursprünglich selbstständige und voneinander unabhängig mächtige Staaten der globalen Entwicklung traten ihre Bedeutung im Laufe der Zeit immer weiter an große Städte ab. Die Herausbildung und Steuerung der globalen Flüsse an Gütern, Kapital, Dienstleistungen, aber auch der Migration werden immer stärker von jenen globalen Zentren und Städten übernommen (vgl. Parnreiter 2006).

Die folgende Ausarbeitung wird sich genau mit jener Leerstelle der Stadtsoziologie beschäftigen. Es stellt sich folglich die Frage, inwiefern die wirtschaftliche Globalisierung die urbanen Räume und ihre Anordnung beeinflusst beziehungsweise umstrukturiert. Die zwei zentralen Veränderungen der Weltwirtschaft der letzten Jahrzehnte sind dabei die Verlagerung der Industrie in die »dritte Welt«, also das Aufkommen eines »weltweiten Fließbandes«, und die folglich beträchtliche Ausweitung der globalen Transaktionen hin zu internationalisierten Finanzmärkten. Dieser globale Finanzmarkt, eröffnet durch die Liberalisierung der Kapitalmärkte, zeichnet sich durch zahlreiche Verflechtungen aus, beispielsweise durch die Entstehung von Städtesystemen, folglich der miteinander verwobenen Beziehungen der Städte untereinander, und Städtenetzen, der informellen Kooperation der Städte, zur Überwindung zukünftiger Anforderungen der regionalen und transnationalen Raumordnung (Parnreiter 2006). Der Themenschwerpunkt liegt daher auf der Globalisierung und den daraus resultierenden Auswirkungen auf die Geographie und die Zusammensetzung jenes globalen Gefüges und den Folgen für das institutionelle Geflecht. Dabei wird folglich auch auf die strategischen Orte, an denen es zur Konzentration der Finanz- und Dienstleistungsmechanismen und –aufgaben kommt, und die Struktur der Städtesysteme eingegangen. Dieser theoretische Komplex wird abschließend anhand des Beispiels Frankfurt am Main ergänzt.

2. Globalisierung

Die Globalisierung ist augenscheinlich das globale Phänomen, welches die Welt in den letzten Jahrzehnten am stärksten verändert hat. Dieser Prozess hängt im höchsten Maße von ökonomischen Veränderungen ab und führt zu diversen, räumlichen Konsequenzen für die Geographie der (Welt-)Wirtschaft. Somit stehen sowohl die Ursachen als auch die Analysen der räumlichen Erscheinungsformen im Mittelpunkt der Untersuchung (vgl. Braun/Schulz 2012: 167f). Was bedeutet Globalisierung? Welche Gründe beziehungsweise Ursachen lösen sie aus und treiben sie voran? Welche räumlichen Folgen sind zu erwarten?

2.1 Die Facetten der Globalisierung

Der Begriff der Globalisierung ist, aufgrund seiner vielen Dimensionen und gar medialen, inflationären Verwendung, ein schwer zu definierender Terminus (vgl. Bronger 2004: 143/Dar 2011: 203). Aufgrund dessen ist jener Begriff im wissenschaftlichen Sinne nur sehr schwer zu definieren. Unter Globalisierung wird grundsätzlich die „raum-zeitliche Ausdehnung [und Internationalisierung] ökonomischer, sozialer und kultureller [Aktivitäten] über staatliche Grenzen“ (Braun/Schulz 2012: 168) hinweg verstanden. Die Globalisierung kann dabei in fünf verschiedene Aspekte differenziert werden. Die ökologische Globalisierung (1) beschreibt dabei die über die Nationalstaaten hinausgehenden Umweltrisiken und Probleme. Die kulturelle Globalisierung (2) hingegen bezieht sich nicht nur auf die Fusion globaler, kultureller Handlungen, sondern auch auf die Integration verschiedener Kulturen in alltägliche Bereiche des Lebens, wie den Fernsehempfang über staatliche Grenzen hinweg. Hierzu ordnet sich außerdem die kommunikationstechnische Globalisierung (3), folglich die Möglichkeit in globalen Netzwerken weltweit Informationen und Wissen auszutauschen. Die arbeitstechnische Globalisierung (4) entledigt sich damit der Notwendigkeit, an einem konkreten Ort zusammenzuarbeiten – das Konzept der »Global City« scheint dem jedoch augenscheinlich zu widersprechen (siehe Kapitel 3) – und schafft beziehungsweise zerstört gleichsam die internationalen Arbeitsplätze. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht somit die ökonomische Globalisierung (vgl. Bronger 2004: 143).

2.2 Der Globalisierungsprozess

Im 19. Jahrhundert beschränkte sich die Weltwirtschaft größtenteils auf Handelsbeziehungen (vgl. Sassen 1997: 28). Die dabei zentralen und relevanten Standorte waren folglich abhängig von der Geographie ihrer selbst. Somit waren Plantagen, Häfen, Fabriken und Minen die entscheidenden Schauplätze der Weltwirtschaft und Rohstoffe, landwirtschaftliche Erzeugnisse und Bergbauprodukte die ausschlaggebenden Ressourcen. Historisch lag somit der Schwerpunkt auf Regionen wie Afrika, Lateinamerika und der Karibik (vgl. Sassen 1997: 30f.). Schon damals fungierten die Städte als Zentren von Steuerung und Management (vgl. Heineberg 2006: 344). Jene standen jedoch auf gewisse Art und Weise in einer Symbiose mit Handelsgesellschaften, siedelten sich folglich an großen Hafenplätzen an (vgl. Abrahamson 2004: 4f.). Die einsetzende Industrialisierung in Europa und Nordamerika, die geographische Reduktion der ursprünglich langen Verkehrswege, ausgelöst durch das Anlegen von Kanalbauwerken, und die innovativen Entwicklungen im Bereich der Verkehrs- und Transportmöglichkeiten, wie beispielsweise durch den Einsatz von Dampfmaschinen im Land- und Seeverkehr, führten zu einem rapiden Wachstum des Handels auf globaler Ebene. Ausgelöst durch die zwei Weltkriege kam es folglich zum großen Einbruch des globalen Handels. Erst nach dem zweiten Weltkrieg folgte ein erneutes Wachstum des Handelsvolumens (vgl. Braun/Schulz 2012: 170). In den fünfziger Jahren standen im Mittelpunkt des Welthandels somit nach wie vor die Rohstoffe, folglich die Grundstoffe und somit auch die Zwischenprodukte (vgl. Sassen 1997: 32). Heute sind die Handelsbeziehungen abermals ein wichtiger Bestandteil des internationalen Geflechts, büßen aber dennoch, im Vergleich mit den neuen Finanz- und Kapitalströmen, seien es Anleihen, Devisen oder Wertpapiere, stark an ökonomischer Gewichtung ein (vgl. Sassen 1997: 28). Mitte der siebziger Jahre beschleunigte sich schließlich das Wachstum des Handelsvolumens im erheblichen Maße (vgl. Braun/Schulz 2012: 170 / Dar 2011: 203). In den achtziger Jahren entwickelten sich schließlich die Finanz- und höchst spezialisierten beziehungsweise zentralisierten Dienstleistungsgeschäfte heraus. Trotz der Tatsache, dass es in diesem Untersuchungssegment Probleme im Bereich der Maßstabssetzung gibt, sind die Veränderungen und Aktivitäten im Finanz- und Dienstleistungsbereich so prägnant, dass diese wiederum über jeden Zweifel erhaben sind.

Anhand unterschiedlichster Faktoren und Veränderungen lässt sich dieser Wechsel beziehungsweise Wandel in der Weltwirtschaft genauer beleuchten. Beispielsweise verdreifachte sich der weltweite Bestand der Auslandsdirektinvestitionen zwischen 1984 und 1987 und stieg bis 1989 erneut um 20 Prozent an. Im Jahre 1990 summierte sich somit der ADI-Bestand auf ca. eineinhalb Billionen US-Dollar und erreichte sogar zwei Jahre später die zwei Billionen Grenze (vgl. Sassen 1997: 32f.). »Foreign Direct Investments« sind Kapitalinvestitionen in Betriebsstätten beziehungsweise Tochterunternehmen auf transnationaler, grenzüberschreitender Ebene (vgl. Braun/Schulz 2012: 173). Ein weiterer Faktor ist dabei auch der rasche Zuwachs und die zunehmende wirtschaftliche Relevanz der »transnationalen Konzerne«. Diese sind zentrale Akteure und Initiatoren der Globalisierung und charakterisieren sich durch internationalisierte Arbeitsteilung. Außerdem sind jene nicht ausschließlich für die Mehrzahl des Warenhandels und der Auslandsdirektinvestition verantwortlich, sondern steuern zudem die transnationale Vernetzung neuer Konzepte der Produktion, Technologie und des Marketings. Des Weiteren besitzen sie die Opportunität sich auf direkte, in Form von Lobbyarbeit, oder auf indirekte Weise in das politische Geschehen einzubinden, indem sie ihre (regional-)wirtschaftliche Relevanz und Macht, gesteuert durch ihre Investitionsentscheidungen, aufbringen, um Regierungen, sowohl auf nationaler als auch auf lokaler Ebene, zu ihren Gunsten zu beeinflussen (vgl. Braun/Schulz 2012: 183). Folgen hierbei sind beispielsweise Reformationen im Handel, Deregulierungen der Finanz- und Kapitalmärkte, subventionspolitische Ansätze, restriktive Arbeitsmärkte und Ausbau der Telekomunikations- und Verkehrsinfrastrukturen (vgl. Knox/Taylor 1995: 7).

Zusammenfassend sind unter »transnationalen Konzernen« jene Konzerne zu verstehen, die über Zweigniederlassungen, Tochtergesellschaften und kooperative Abkommen über die Staatsgrenzen ihres Ursprungslandes hinaus verfügen. Die somit äußerst relevante Rolle dieser »transnationalen Konzerne« lässt sich beispielsweise anhand der Tatsache erkennen, dass in den achtziger Jahren 80 Prozent des Außenhandels der Vereinigten Staaten von Amerika auf die dort beheimatenden »transnationalen Konzerne« zurückgingen. Außerdem verbuchen folglich die »transnationalen Konzerne« den weitaus größten Teil der Auslandsdirektinvestitionen (vgl. Sassen 1997: 33).

2.3 Das Gefüge und seine institutionelle Struktur

Die Organisation der modernen, transnationalen Weltwirtschaft basiert dabei im großen Maße auf den Tätigkeiten der »transnationalen Konzerne«. Die Weltwirtschaft, die nicht als evident angesehen werden darf, fundiert jedoch nicht ausschließlich auf den internationalen Transaktionen. Die Eröffnungen beziehungsweise die Erweiterungen globaler Märkte, folglich ein Teil des Fundaments der Weltwirtschaft, sind wichtige Komponenten des institutionellen Gefüges (vgl. Sassen 1997: 34).

Laut Saskia Sassen (1997: 34f.) haben die »transnationalen Konzerne« große Teile der Aufgaben der Banken übernommen. Die in den achtziger Jahren explosiv angewachsenen Finanzmärkte deckten dabei nicht nur in großem Ausmaße die finanziellen Defizite vieler Staaten, sondern auch den Bedarf der »transnationalen Konzerne«. Zu jener Zeit kam es zudem zu Kooperationen der transnationalen Konzerne mit den Pendants in den Entwicklungsländern, beispielsweise in unmittelbarer Form, seien es die Auslandsdirektinvestitionen, oder mittelbar durch die darauf folgenden Investitionen und Finanzströme. Erst mit dem Einsetzen der Verschuldungskrise im Jahre 1982 wendete sich die Richtung der Kapitalflüsse zurück, hin zum Export des Kapitals. Die »transnationalen Konzerne« üben damit einen stetigen, nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Weltwirtschaft aus.

[...]

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Details

Titel
Städte in der globalen Ökonomie
Untertitel
Globalisierung. Global Cities. World City Network
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Geographie)
Veranstaltung
Seminar zur Anthropogeographie A: Stadtgeographie
Note
1
Autoren
Jahr
2013
Seiten
21
Katalognummer
V232504
ISBN (eBook)
9783656489665
ISBN (Buch)
9783656490470
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Städte, in, der, globalen, Ökonomie, Global, City, World, Network, transnational, Unternehmen, Auslandsdirektinvestitionen, Globalisierung, Stadt, Geographie, Anthropogeographie
Arbeit zitieren
Sander Kebnier (Autor)Skadi Jasker (Autor), 2013, Städte in der globalen Ökonomie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232504

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