Quantität und Qualität der Anglizismen in den Werbeanzeigen des Magazin Stern von 2012 und 1962


Hausarbeit, 2013

51 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Grundlegende Fachtermini
2.1. Fremdwort vs. Lehnwort
2.2. Anglizismen
2.3. Entlehnung

3. Quantität der Anglizismen
3.1. Stern 2012
3.2. Stern 1962

4. Qualität der Anglizismen
4.1. Stern 2012
4.2. Stern 1962
4.3. Komposita in den Werbeanzeigen

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

1. Einleitung

„Die Gewalt einer Sprache ist nicht, daß sie das Fremde abweist, sondern, daß sie es verschlingt.“ (Goethe, Maximen und Reflexion)

Die Tatsache, dass Sprache sich in einem stetigen Wandel befindet und sich nicht vor Einflüssen von außen verschließen kann erkannte also bereits Goethe. Damals war es vor allem das Französische, mit dem das Deutsche in engem Sprachkontakt stand. Wer das Französische beherrschte galt als gebildet und um dies zu zeigen verwendete man gerne und häufig französische Wörter und Ausdrücke oder sprach gar nur Französisch.[1]

Im Vergleich dazu ist das Englische in Deutschland heutzutage weit weniger dominant. Man spricht noch Deutsch und lehnt seine Muttersprache nicht ab weil sie als Sprache des Proletariats gilt. Jedoch wird das Englische von Kritikern seit Jahren als eine Bedrohung für die deutsche Sprache gesehen und dementsprechend präsent ist das Thema Anglizismen, nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch in den Medien. Landläufig ist man der Meinung es seien vor allem die neuen Medien, die sich des Englischen statt des Deutschen bedienen und so den Sprecher beeinflussen.[2] Wie diese Untersuchung zeigen wird, ist nicht abzustreiten, dass der Anteil von Anglizismen in der Werbung stetig steigt, allerdings bedeutet dies nicht, dass diese vom Sprecher auch sofort übernommen werden und Zugang zum allgemeinen Wortschatz finden.[3] Sie sind teilweise nur so etwas wie Moderescheinungen, die sich, wie die Produkte für die sie werben, entweder auf dem Markt behaupten oder aber genauso schnell wie sie aufgetaucht sind auch wieder verschwinden.

In der vorliegenden Arbeit wird die Quantität und Qualität der Anglizismen in den Werbeslogans von Werbeanzeigen aus jeweils 8 Stern Magazinen des Jahres 1962 und 2012 genauer untersucht. Die Untersuchung wird sich auf der Ebene der Lexik bewegen, sodass im ersten Teil der Arbeit einige grundlegende Fachtermini genauer erläutert werden. Im zweiten Teil erfolgt dann eine Auswertung des bearbeiteten Materials, hinsichtlich der zuvor definierten Begriffe. Aus Platzgründen ist es leider nicht möglich alle vorkommenden Anglizismen genauer zu erläutern, sodass nur einige Beispiele herausgegriffen wurden, die besonders interessant erschienen. Primär soll es nicht darum gehen, so wie es bisher das Ziel vieler wissenschaftlicher Untersuchungen war[4], die Gründe für die Verwendung der Anglizismen zu finden, sondern viel mehr um ihre Beschreibung. Also wie häufig sind Anglizismen anzutreffen und um welche Art der Entlehnung handelt es sich dabei.

2. Grundlegende Fachtermini

Zunächst ist es nötig, die verwendeten Fachtermini genauer zu betrachten und zu erläutern wie diese in der vorliegenden Arbeit verwendet werden und wie diese zu verstehen sind, da für viele der Begriffe keine allgemeingültige Definition vorliegt. Im Folgenden sollen die Begriffe Anglizismus, Entlehnung sowie die häufig schwierige Unterscheidung zwischen Fremdwort und Lehnwort genauer erläutert werden.

2.1. Fremdwort vs. Lehnwort

Schon 1965 bezeichnet Carstensen die Problematik der Unterscheidung zwischen Fremdwort und Lehnwort als alt[5] und bis heute wurden keine eindeutigen Unterscheidungskriterien festgelegt.[6] Die am häufigsten anzutreffende Unterscheidung ist diese nach dem Grad der Integration des Wortes. Das Metzler Lexikon Sprache verweist unter dem Artikel Fremdwort direkt auf den Artikel Entlehnung und beschreibt ein Fremdwort als eine „Lexikali. Entlehnung aus einer fremden Spr., die nicht oder nur sehr gering in das phonolog., morpholog. und graphemat. System der Nehmersprache intergriert ist.“[7]

Folgt man nun dem Hinweis des Metzler Lexikon Sprache und schlägt den Artikel Entlehnung nach findet man dort eine direkte Gegenüberstellung der Begriffe Fremdwort und Lehnwort. Nach dieser Definition, die auch dieser Arbeit zugrunde liegen soll, spricht man von Lehnwort, wenn das Wort „weitestgehend in das phonolog., graphemat. und morphol. System der Nehmersprache integriert“[8] ist. Bis zu welchem Integrationsgrad eine Wort fremd bleibt und wann es entlehnt ist, bleibt allerdings auch hier offen, sodass es nötig ist, bei jedem Wort abzuwägen inwieweit es als integriert betrachte werden kann. Hierbei kann die Unterscheidung von Fremd- und Lehnwort Eisenbergs hilfreich sein. Für ihn sind auch Fremdwörter ein Teil des Deutschen. Er plädiert dafür, dass Fremdwörter, Wörter des Deutschen sind, auch „wenn sie ganz oder teilweise aus anderen Sprachen übernommen sind.“[9]. Er weist aber auch darauf hin, dass Fremdwörter ein besonderer Teil des deutschen Wortschatzes sind und nicht zum Kernwortschatz zu zählen sind.[10] Somit zählt er solche Wörter als Lehnwörter, die bereits ganz oder teilweise in den Kernwortschatz integriert wurden, die übrigen hingegen als Fremdwörter. Er schreibt:

„Ein Wort ist im Gegenwärtigen Deutschen fremd, wenn es Eigenschaften hat, die es von den Wörtern des Kernwortschatzes unterscheidet.“[11]

Auch Carstensen vertritt diese Ansicht. Bereits 1975 schreibt er, dass bei Fremdwörtern Schreibung und Aussprache unverändert bleiben (sie werden nicht assimiliert), Lehnwörter sich im Gegensatz dazu aber dem Deutschen angleichen.[12]

Ein Fremdwort besitzt also viele fremde Eigenschaften und steht so außerhalb des Kernwortschatzes. Es wurde nicht assimiliert. Ein Lehnwort hingegen besitzt Eigenschaften, die es dem Kernwortschatz angeglichen haben und wurde somit ganz oder teilweise assimiliert. Fremdwörter und Lehnwörter werden zusammen als Lehngut bezeichnet. Lehngut benennt somit die Gesamtheit jeglicher Art „der Beeinflussung einer Spr. durch eine andere auf den verschiedenen Ebenen: […]“[13] Graphematik, Phonetik, Morphologie, Syntax, Lexik. Wie Eingangs bereits erwähnt, untersucht die vorliegende Arbeit, das in den Werbeanzeigen auftretende Lehngut, speziell die Anglizismen, auf der Ebene der Lexik. Die übrigen Bereiche werden nur im Einzelfall, sofern sie dem Erkenntnisgewinn dienen, Erwähnung finden.

2.2. Anglizismen

Da sich die vorliegende Arbeit mit der Quantität und Qualität von Anglizismen in Werbeanzeigen beschäftigt, spielt der Begriff Anglizismus eine zentrale Rolle.

Ein als Anglizismus bezeichnetes Wort, ist nach Eisenberg nicht sogleich ein englisches Wort, sondern der Begriff Anglizismus zeigt lediglich an, dass dieses Wort, entweder im Ganzen oder in Teilen aus dem Englischen stammt.[14] Wie sich herausstellen wird, und wie auch im Metzler Lexikon zugleich angegeben, ist ein Anglizismus nicht gleich ein Fremdwort. Wesentlich häufiger treten Anglizismen in Form von Entlehnungen auf. Die vielfältigen Formen der Entlehnung werden im folgenden Kapitel genauer erläutert. Ebenfalls kann es vorkommen, dass ein Wort fälschlicherweise als englisches Fremdwort identifiziert wird, aber tatsächlich so nicht im Englischen existiert. Diese Wörter werden als Pseudoanglizismen bezeichnet, sind im Grunde aber auch nur eine Form der Entlehnung, da das Deutsche das englische Morphemmaterial nutzt um ein neues Wort zu formen. Es handelt sich also um eine Scheinentlehnung. Carstensen unterscheidet noch zwischen der lexikalischen und der semantischen Scheinentlehnung.[15] Jedoch ist es häufig schwierig, dies genau zu bestimmen.

2.3. Entlehnung

Der in den vorangegangenen Kapiteln bereits mehrfach erwähnte Begriff der Entlehnung soll nun genauer erläutert werden. Unter Entlehnung versteht man die „Übernahme eines Wortes, eines Morphems oder einer syntakt., manchmal graphemat. Struktur aus einer Sprache in eine andere.“[16] Auch die Lehn- und Fremdwörter, welche in 2.1. unter dem Begriff Lehngut zusammengefasst wurden, sind auf diese Weise, bedingt durch Mehrsprachigkeit und Sprachkontakt, in das Deutsche gekommen und wurden mal mehr, mal weniger assimiliert. Gründe weshalb ein Wort seinen Weg in den deutschen Sprachgebrauch fand gibt es viele.

Spricht man von Lehngut, kann man dieses zunächst in Lehnwörter, auf welche oben schon genauer eingegangen wurde, und in Lehnprägungen unterteilen. Der Begriff Lehnprägung fasst die Begriffe Lehnbildung und Lehnbedeutung zusammen. Liegt eine Lehnbedeutung vor, hat ein heimisches Wort neben seiner geläufigen Bedeutung eine weitere Bedeutung angenommen, die auf fremdsprachigen Einfluss zurückzuführen ist.[17] Lehnbedeutungen spielen also auf der semantischen Ebene der Lexik eine Rolle.

Lehnbildung dient als Überbegriff für die Phänomene der Lehnübersetzung, Lehnübertragung und der Lehnschöpfung. Lehnübersetzung meint die wörtliche Übersetzung eines Worts aus der Gebersprache in die Nehmersprache.[18] Also eine Glied-für-Glied Übersetzung des fremden Worts in die Nehmersprache.[19]

Die Lehenübertragung ist der Lehnübersetzung sehr ähnlich, doch wird hier das Wort der Gebersprache nicht Glied-für-Glied und vollständig übersetz, sondern es handelt sich um eine Teilübersetzung. Zumeist wird ein Teil wörtlich übersetz und der andere Teil frei. Das meistgenannte Beispiel ist das des Worts „Wolkenkratzer“, englisch „skyscraper“. Der erste Teil wurde frei übersetzt, der zweite Teil wörtlich.

Nun sei noch der Begriff der Lehnschöpfung genannt. Hierbei handelt es sich um eine „relativ freie semant. Nachbildung eines fremdsprachigen Audrucks“[20] Es wird also ein deutsches Wort nach fremdsprachigem Vorbild gebildet. Diese sind zumeist erst auf den zweiten Blick zu erkenne, das sie meist keinerlei fremde Elemente aufweisen und vollständig in den Kernwortschatz integriert sind.

3. Quantität der Anglizismen in den Werbeanzeigen

3.1. Stern 2012

Aus den acht untersuchten Magazinen des Jahres 2012 wurden insgesamt 141 Werbeanzeigen und ihres Slogans untersucht. Dabei wurden lediglich ganzseitige Anzeigen berücksichtigt.[21] Es wurden insgesamt 126 Anglizismen gezählt, wobei englischsprachige Slogans, die keine deutschen Lexeme aufwiesen als ein einziger Anglizismus gezählt wurden. Nimmt man diese aus der Zählung heraus, sind es allerdings immer noch 116 Anglizismen in 141 Anzeigen.[22]

Am häufigsten anzutreffen sind Nomen. Sie bilden mit 56,7% die größte Gruppe. Besonders häufig treten Anglizismen in Produktnamen auf (17,3%), auch Verben und Adjektive sind ungefähr gleichhäufig vertreten. Auffällig ist hierbei, dass es sich sehr oft um Lehnwörter handelt, die nur sehr gering in das deutsche Sprachsystem integriert sind. Zumeist wurden die Nomen nur durch die Großschreibung assimiliert und die Verben durch die deutsche Flexionsendung. Ein großer Teil der Anglizismen bildete ein Teil eines Kompositums oder diente als Präfix. Hierbei trat am häufigsten das Präfix „All-“[23] auf. Auf die genauere Bedeutung wird in Kapitel 4.1. eingegangen werden. Unter dem Lehngut waren sehr viele Lehnwörter zu finden, sodass nur je zwei Lehnübertragungen bzw. Lehnübersetzungen gefunden wurden, wobei nicht immer eindeutig zu entscheiden war, ob es sich um eine Lehnübertragung oder Lehnübersetzung handelt. Dieses Problem wird ebenfalls in Kapitel 4.1. an einem Beispiel erläutert werden. Lehnbedeutungen wurden vier gefunden und lediglich ein möglicher Pseudoanglizismus.

Insgesamt enthielten 75 von 141 Anzeigen, also 53,2%, etwas mehr als die Hälfte, Anglizismen. Auffällig war dabei, dass in diesen Anzeigen zumeist nicht nur ein Anglizismus anzutreffen war, sondern gleich mehrere, oder sogar die ganze Anzeige in englischer Sprache war oder zumindest der Firmenslogan (8,7% der gezählten Anglizismen waren rein englische Sätze). Wie zum Beispiel bei BRAX.[24] Hier trat immer der Slogan „FEEL GOOD“ auf und darunter ein deutscher Satz, ebenso bei Lufthansa[25] („nonstop you“).

3.2. Stern 1962

In den Werbeanzeigen der Magazine von 1962 waren in nur 72 Anzeigen von insgesamt 267 bearbeiteten Anzeigen Anglizismen zu finden, also in ca. 27%. Auch hier waren es wieder die Nomen mit etwa 26,4%, die die größte Gruppe bildeten. Hingegen trat aber nur ein einziges Präfix („anti-“) auf, welches aber auch nicht unbedingt als Anglizismus gezählt werden kann, da es griechischen Ursprungs ist. Allerdings kam es wahrscheinlich durch englischen Einfluss zu einer Frequenzsteigerung in der Verwendung von „anti-“, sodass es im AWb verzeichnet ist und aus diesem Grund mitgezählt wurde.[26]

Die Zahl der Anglizismen in den Produktnamen bewegt sich ungefähr auf dem gleichen Niveau und ist mit 19,8% nur geringfügig höher. Die größte Differenz weisen die Anzeigen bei den Verben und rein englischen Slogans auf. In den Magazinen von 1962 war nur das Verb „mixen“ entlehnt von Englisch „to mix“ zu finden.[27] Wohingegen 2012 schon 11 Verben gezählt wurden. Ebenso verhält es sich mit Slogans in rein englischer Sprache. Lediglich der Slogan von Black &White Scotch Whisky „WHISKY AT ITS BEST“[28] konnte als englischsprachiger Satz gefunden werden.

4. Qualität der Anglizismen in den Werbeanzeigen

4.1. Stern 2012

Nachdem nun einige Aussagen über die Quantität der Anglizismen gemacht wurden, soll nun auch genauer untersucht werden um welche Art von Anglizismen es sich handelt, auf welchem Weg sie ins Deutsche gekommen sind und weshalb sie in den Werbeanzeigen verwendet werden. Es werden an dieser Stelle, wie zu Beginn schon angedeutet, nur einige Beispiele herausgegriffen, da es aus Platzgründen nicht möglich ist jeden Anglizismus genau zu beschreiben.

Zunächst ein Beispiel für eine Lehnübertragung. In einer Anzeige des Autoherstellers BMW heißt es: „VERKEHRSINFORMATION IN ECHTZEIT. REAL-TIME TRAFFIC INFORMATION.“[29] (steht in der Anzeige in gleicher Schriftgröße direkt untereinander.)

In dieser Anzeige stehen deutscher und der englischer Begriff gleichwertig untereinander, sodass der englische Fachausdruck für den deutschen Kunden übersetzt wird. Der deutsche Begriff scheint somit eine Lehnübersetzung oder eher eine Lehnübertragung zu sein, da der englische Wortlaut nicht Glied-für-Glied in das Deutsche übernommen werden konnte. Der Hersteller möchte also womöglich den englischen Ausdruck für die in seinem Produkt vorhandene neue Technologie einführen, aber auch sichergehen, dass der Kunde versteht worum es sich dabei handelt.

Der gleiche Fall liegt bei einer Anzeige von Volkswagen vor. Hier heißt es: „Der Golf. Das Auto. Mit Spurhalteassistent „Lane Assist“.“[30] Auch hier steht der englische Begriff zusammen mit einer Lehnübertragung.

Als Beispiel einer eindeutigen Lehnübersetzung kann das Wort „Lautsprecher“[31] genannt werden, welches vom englischen Wort „loud speaker“ entlehnt wurde, das Glied-für Glied ins Deutsche übersetzt wurde oder auch „weltweit“[32] von englisch „world wide“.

Die Wörter „Generation“, „Netz“ und „surfen“ erhielten durch englischen Einfluss und neue Technologien neben ihrer ursprünglichen Bedeutung eine weitere Bedeutung hinzu, welche aus dem Englischen entlehnt wurde. Können somit also als Lehnbedeutung bezeichnet werden. Als Lehnbedeutung wird „Generation“ im folgendem Slogan verwendet: „Energie der nächsten Generation“[33].

„Generation“ kam ursprünglich aus dem Lateinischen ins Deutsche und bezog sich auf Lebewesen und besonders den Menschen. Mit dem technischen Fortschritt wurde seine Bedeutung unter dem Einfluss des englischen Worts „generation“ auf Sachen erweitert. Und so kann es in diesem Fall aufgrund der Lehnbedeutung eine nächste Generation der Energie geben, die sich durch technischen Fortschritt von der vorherigen abhebt.[34]

Ebenso verhält es sich mit „Netz“ und „surfen“. „Net“ von englisch „net“, deutsch „Netz“, dient als Kurzform für Internet. Beide Begriffe waren in den Werbeanzeigen vertreten. Durch englischen Einfluss kam es zu einer Bedeutungserweiterung des deutschen Worts „Netz“. Sodass es neben seiner ursprünglichen Bedeutung noch eine weitere erhielt. Auch bei dem Wort „surfen“, welches bereits früher von englisch „to surf“ entlehnt worden war und in seiner Flexion an das deutsche Sprachsystem angepasst worden war, kam es durch die Verbreitung des Internets zu einer Bedeutungserweiterung. Sodass surfen nicht mehr nur „Wellenreiten“ bedeutete, sondern auch „durch das Internet surfen“[35]. So handelt es sich auch hier um eine Bedeutungserweiterung durch Lehnbedeutung.

4.2. Stern 1962

Wie bereits in Kapitel 3.2. festgestellt enthalten die Werbeanzeigen des Jahres 1962 wesentlich weniger Anglizismen. Auffällig ist hierbei aber, dass häufig englische Graphen an die Stelle der deutschen Entsprechung treten. Das Wort „Zigaretten“ wurde in allen Anzeigen der Tabakindustrie mit > Z < statt mit > C < geschrieben.[36]

Als mögliche Lehnübersetzungen können „Eiskrem“[37] von englisch „ ice cream“ und womöglich auch „Waschmaschine“[38] von englisch „washing maschine“ gesehen werden. Allerdings findet sich dazu in keinem der verwendeten Nachschlagewerke ein Eintrag. Dort findet sich unter dem Eintrag „Eis“ lediglich eine Bemerkung zu „Speiseeis“, jedoch keinerlei Hinweise bezüglich „Eiskrem“.

Interessant ist allerdings, dass auf den ersten Blick nicht als Anglizismus wahrgenommene Wort „Weinbrand“. Hierbei handelt es sich um eine Lehnschöpfung des Deutschen, die ihre Wurzel in der Politik hat. Aufgrund des Versailler Vertrags von 1919, war es den deutschen Weinbrennern nicht mehr erlaubt das Wort „Kognak“, welches auf das englische Wort „Cognac“ zurückgeht, für ihre Erzeugnisse zu verwenden.[39] Somit hieß Kognak seit 1921 amtlich Weinbrand.

4.3. Komposita in den Werbeanzeigen

Häufig treten die Anglizismen auch als Teil eines Kompositums auf, sodass ein einziges Lexem deutsches und englisches Mophemmaterial enthält.

„Testsieger“ zum Beispiel enthält den Anglizismus „test“ von englisch „to test“. „Sieger“ aber ist deutsch.[40] Somit handelt es sich hier um ein englisch - deutsches Kompositum. Ein weiteres Beispiel, das auch gleichzeitig noch einmal zeigt, dass die Bestimmung, um welche Art von Anglizismus es sich bei einem Wort handelt, nicht immer ganz einfach ist, wäre „Allradsystem“.

Fink sowie Viereck vermuten hier eine Teillehnübersetzung des englischen „all wheel (drive )“ und berufen sich auf Carstensen und Galinsky die „all-“ als Präfix auflisten, das sowohl im Englischen als auch im Deutschen auftritt, hier aber im Gegensatz zum Englischen nur eine Bedeutung trägt.[41] Das AWb merkt allerdings an, dass sich diese Behauptung nicht aufrechterhalten lässt, da in englischen Wörterbüchern lediglich der Eintrag „four-wheel-drive“ in dieser Bedeutung zu finden sei.[42] Somit können wir hier also nicht von einer Teillehnübersetzung sprechen, sondern lediglich von einem Kompositum bestehend aus deutschem und englischem Morphemmaterial.

5. Fazit

Die gemachten Beobachtungen zeigen eindeutig, dass der Anteil an Anglizismen in Werbeanzeige sich mehr als verdoppelt hat und Anglizismen auch nicht mehr nur vereinzelt auftreten, sondern ganze englische Sätze verwendet werden, die der Kunde nur verstehen kann wenn er der englischen Sprache mächtig ist.

Die Gründe für diese Entwicklungen sind vielfältig. Zunächst einmal fällt auf, dass 1962 Anglizismen vor allem bei Produkten verwendet wurden die in irgendeiner Form eine technische Neuerung darstellten oder ein Produkt bewarben, welches aus dem englischen Sprachraum kam[43]. Somit dienten die Anglizismen also hauptsächlich dazu neuen Dinge oder Sachverhalte zu benennen für die es im Deutschen noch keinen Ausdruck gab. Statt ein neues deutsches Wort zu formen, entlehnte man das englische Wort.

In den Anzeigen von 2012 sind es vor allem die Firmenslogans, die in englischer Sprache sind. Dies liegt vor allem daran, dass heute die meisten Firmen international tätig sind und das Englische bereits den Status einer Lingua Franca besitzt. Sodass die Firmen davon ausgehen können, dass dieser eine Slogan nahezu überall auf der Welt verstanden wird oder wenn nicht, doch sofort mit ihrem Produkt assoziiert wird. Auch beherrschen heute weit mehr Menschen das Englische oder können es zumindest verstehen, als es vor 50 Jahren der Fall war.

Weiterhin hat sich der Sprachkontakt zwischen den Sprechern beider Sprachen wesentlich verändert. Nicht nur auf politischer Ebene kam es in den vergangenen Jahrzehnten zu einer immer intensiveren Zusammenarbeit, sondern auch die wirtschaftlichen Beziehungen wurden ausgebaut. Diese Sprachkontakte, sowie auch der private Sprachkontakt zwischen den Sprechern der beiden Sprachen, wurden durch das Internet ganz entscheidend beeinflusst. Für die Sprecher war es nun wesentlich leichter miteinander in Kontakt zu treten und sich auszutauschen. Dadurch wurde der Sprachkontakt intensiviert und folglich fand auch mehr Sprachmaterial seinen Weg von der einen Sprache in die andere.

[...]


[1] Vgl. Kupper, Sabine: Anglizismen in deutschen Werbeanzeigen. Frankfurt am Main 2007, S. 36.

[2] Vgl. ebd. S. 63f..

[3] Vgl. ebd. S. 64..

[4] Siehe Janich, Nina (Hrsg.): Handbuch Werbekommunikation. Tübingen 2012; sowie Kupper.

[5] Carstensen, Broder: Englische Einflüsse auf die deutsche Sprache nach 1945. Heidelberg 1965, S. 89.

[6] „Die Problematik der Grenzziehung konnte nicht beseitigt werden […]“: Götzeler, Christian: Anglizismen in der Pressesprache. Bremen 2008, S. 149.

[7] Metzler

[8] Metzler: Entlehnung

[9] Eisenberg, Peter: Das Fremdwort im Deutschen. Berlin/New York 2011, S. 1.

[10] Vgl. ebd..

[11] Ebd. S. 29.

[12] Siehe Carstensen, Broder: Amerikanismen in der deutschen Gegenwartssprache. Heidelberg 1975, S. 20.

[13] Metzler: Lehngut

[14] Vgl. Eisenberg: S. 2.

[15] Vgl. Störiko, Ute: „Wir legen Word auf gutes Deutsch“. Marburg an der Lahn 1995, S. 80.

[16] Metzler: Entlehnung

[17] Vgl. Bsp. bei Carstensen 1975: „lieben“ nun auch „gerne mögen“ von to love, S. 23f..

[18] Vgl. Metzler: Lehnübersetzung. Sowie Carstensen 1975, S. 22.

[19] Vgl. Störiko: S. 65.

[20] Metzler: Lehnschöpfung

[21] Medienwerbung in eigener Sache des Magazins oder von Fernsehsendern oder anderen Zeitschriften wurde ebenfalls nicht berücksichtigt, da diese kaum über Slogans verfügen, sondern hauptsächlich aus Bildmaterial bestehen.

[22] Wenn ein Anglizismus mehrmals auftrat, wurde er jedes Mal mitgezählt.

[23] Sechs mal. Am häufigsten in der Verbindung „Allrad“.

[24] Siehe Anhang u.a. S. 5, Nr. 13/2012 (S. 45).

[25] Siehe Anhang u.a. S. 6, Nr. 14/2012 (S. 8).

[26] Siehe AWb: Anti-.

[27] Siehe Anhang S. 35, Nr. 50/1962 (S.75).

[28] Siehe Anhang S. 22, Nr. 13/1962 (S. 99).

[29] Siehe Anhang S. 1, Nr. 1/2012 (S. 16).

[30] Siehe Anhang S. 11, Nr. 50/2012 (S. 12).

[31] Siehe Anhang S. 13, Nr. 50/2012 (S. 119).

[32] Siehe Anhang S. 5, Nr. 13/2012 (S. 31).

[33] Siehe Anhang S. 12, Nr. 50/2012 (S. 67).

[34] Vgl. AWb: Generation.

[35] Vgl. DF: surfen.

[36] Vgl. Anhang Werbeanzeigen Spiegel 1962.

[37] Siehe Anhang S. 20, Nr. 13/1962 (S. 24).

[38] Siehe Anhang S. 21, Nr. 13/1962 (S. 59).

[39] Siehe Kluge: Weinbrand.

[40] Siehe Anhang S. 1, Nr. 01/2012 (S. 4).

[41] Vgl. AWb: Allrad-. Sowie Carstensen, Broder: 1965, S.48.

[42] Vgl. AWb: Allrad-.

[43] z.B. Kosmetikprodukte (Haarspray; Deodorant), siehe Anhang.

Ende der Leseprobe aus 51 Seiten

Details

Titel
Quantität und Qualität der Anglizismen in den Werbeanzeigen des Magazin Stern von 2012 und 1962
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Germanistisches Seminar)
Veranstaltung
Mehrsprachigkeitsforschung synchron und diachron
Note
2,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
51
Katalognummer
V232571
ISBN (eBook)
9783656493952
ISBN (Buch)
9783656493082
Dateigröße
594 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
quantität, qualität, anglizismen, werbeanzeigen, magazin, stern
Arbeit zitieren
Laura Moser (Autor), 2013, Quantität und Qualität der Anglizismen in den Werbeanzeigen des Magazin Stern von 2012 und 1962, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232571

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