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Wielands "Die Abenteuer des Don Sylvio von Rosalva": Anthropologie entlang metamorpher Fäden

Title: Wielands "Die Abenteuer des Don Sylvio von Rosalva": Anthropologie entlang metamorpher Fäden

Term Paper , 2013 , 28 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Frank Tichy (Author)

Cultural Studies - Miscellaneous
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Summary Excerpt Details

In der vorliegenden Hausarbeit zum Kurs "Literarische Anthropologie im 18.
Jahrhundert" wird im Roman "Der Sieg der Natur über die Schwärmerey oder die
Abentheuer des Don Sylvio von Rosalva, eine Geschichte worinn alles Wunderbare
natürlich zugeht" die Anthropologie untersucht, die mit Hilfe metamorphischer
kunstvoll im Text eingewebter Fäden entfaltet wird. Um mit diesem Thema ein
zusammenhängendes und darin umfassendes Bild zu erhalten, erscheint eine Vorgehensweise
im Sinn einer möglichst genauen Definition der Begriffe Metamorphose
und Anthropologie sinnvoll.
„Mit ihr [Metamorphose] werden bevorzugt Fragen der Identität, des Bezugs von
Vergangenem und Neuem […] behandelt.“ Vor diesem Hintergrund eignen sich
Metamorphosen für eine nähere Betrachtung im Kontext der literarischen Anthropologie
im 18. Jahrhundert, das in besonderem Maß von gravierenden Einschnitten
in den verschiedensten Lebensbereichen geprägt ist und somit - wenn nicht
realen - zumindest assoziativen Verbindungen zu wesenhaften Verwandlungen im
Menschen eine tragende Rolle zukommen lässt. Als Beispiel sei der Aufschwung
der Naturwissenschaften genannt, vor allem der Medizin. „Der Mensch ist weder
Körper, noch Seele allein; er ist die Harmonie von beyden […]“. Mit diesem Zitat
Ernst Platners (1744-1818) aus seinem Werk Anthropologie für Ärzte und
Weltweise (1772) wird einem Paradigmenwechsel der Weg geebnet: Erstmals
wird auch der Seelenzustand des Menschen als Objekt für empirische Studien betrachtet,
wodurch weitreichende Konsequenzen für den Stellenwert des Individuums
sowie für gesellschaftliche, politische, soziale und philosophische
Entwicklungen ausgelöst werden. Aber schon zuvor, in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, ergibt sich mit Einflüssen aus England und Frankreich eine eigentümliche
Stimmung, die von einer großen, Leib und Seele umfassenden Spanne
gekennzeichnet ist: [...] Ziel ist es, ausgehend von konzisen Begriffen Metamorphose und Anthropologie
zu untersuchen, worin konkret diese Hinwendung besteht. Inwieweit existiert ein
Wechselverhältnis zwischen Verwandlungen und mit der ganzheitlichen Betrachtung
des Menschen zu gewinnenden Veränderungen in Seele und Körper? Wie
werden zunächst baumelnde, flüchtige Verwandlungsfäden in einen anthropologischen
Zusammenhang gewebt? Wie werden Immanuel Kants (1724-1804) berühmte
Frage Was ist der Mensch? und die im Zuge der erst aufkeimenden
Anthropologie ergänzte Welch ein Mensch bin ich? beantwortet?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffe

2.1 Metamorphose

2.2 Anthropologie

3 Wielands Don Sylvio - Anthropologie entlang metamorphischer Fäden

3.1 Klotho: Leit-Metamorphose als Movens der Anthropologie

3.1.1 Lektüre als auslösendes Moment

3.1.2 Autobiographie als Ideengeberin - Mythos als Pate

3.2 Lachesis: Übergriff und Überfall - Zugriff und Zufall

3.2.1 Anthropologie als Netz aus Verwandlungsfäden

3.2.2 Zwei Gesichter der Erzeugungstechniken

3.3 Atropos: Wechsel der Perspektive

3.3.1 Vom Nicht-Ort zum Heil-Ort

3.3.2 Vernetzung der Anthropologie hinter Spiegelbildlichkeit

4 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht anhand von Christoph Martin Wielands Roman "Die Abenteuer des Don Sylvio von Rosalva", wie literarische Metamorphosen als gestalterisches Mittel dienen, um anthropologische Fragestellungen des 18. Jahrhunderts zu entfalten und das Verhältnis zwischen rationalistischer Vernunft und sinnlicher Wahrnehmung neu zu verhandeln.

  • Die literarische Anthropologie des 18. Jahrhunderts
  • Die Funktion von Metamorphosen in der Identitätsbildung
  • Wechselwirkung zwischen Fiktion, Imagination und Wirklichkeit
  • Die Rolle der Lektüre als Auslöser für psychologische Prozesse
  • Zusammenhang von Mythos, Zufall und Erzähltechnik

Auszug aus dem Buch

3.1.1 Lektüre als auslösendes Moment

In Don Sylvio ist zunächst eine vordergründige Ferne zu einem anthropologischen Diskurs festzustellen. Die an der Schwelle zwischen Frühaufklärung und Empfindsamkeit noch übliche Trennung von Vernunft und Sinnlichkeit scheint aufrecht erhalten zu sein, um moralische Ansprüche nicht zu gefährden. Ganz zu schweigen wäre danach von einem Spiel, das „das Phantastische im Realen“ platziert, wie es in Metamorphosen oft zum Ausdruck kommt. In der Tat werden Metamorphosen in weite Entfernung vom Autor, der sich nur als ein Herausgeber des Don Sylvio ausgibt und zudem vor einer Veröffentlichung die Fürsprache eines „angesehenen Geistlichen […] und […] eines der gelehrtesten und frömmsten Priester in unsrer ganzen Revier“ eingeholt hat, sowie von direkter Verknüpfung natürlicher und übernatürlicher, in weiterem Sinn somit auch vernünftiger und sinnlich zu erfahrender Ereignisse gesetzt.

Wieland findet dennoch einen Weg, Metamorphosen in einer die Wirklichkeit der erzählten Welt insistierenden Weise in den literarischen Text einzubringen. Blickt man nämlich hinter die Romanwelt des schönen Scheins, so ist schnell eine zentrale Verwandlung auszumachen, die als solche kaum wahrzunehmen ist, weil die verwandelte Figur an der Oberfläche, das heißt im Kontext des als real erscheinenden Fiktiven, unverändert bleibt, aber in den tieferen Schichten an Kontur gewinnt. Es handelt sich dabei um die Verwandlung des Don Sylvio in eine Grenzgestalt, in ein être mixte, das in seiner Wirklichkeit genauso wie in einer Märchenwelt oder in der mit Vernunft gewonnenen Erkenntnis genauso wie in der Erfahrung über die Sinne beheimatet ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Fragestellung nach der Funktion der Metamorphosen in Wielands Roman im Kontext der literarischen Anthropologie des 18. Jahrhunderts vor.

2 Begriffe: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen der Begriffe Metamorphose und Anthropologie definiert, um sie für die Analyse des Romans nutzbar zu machen.

3 Wielands Don Sylvio - Anthropologie entlang metamorphischer Fäden: Das Hauptkapitel analysiert, wie Wieland durch die zentrale Metamorphose Don Sylvios eine kritische Auseinandersetzung mit dem cartesianischen Rationalismus führt und die Sinnlichkeit aufwertet.

4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und zeigt auf, dass der Roman eine imaginäre Anthropologie entwirft, die durch die Verknüpfung von Fiktion und Wirklichkeit die Grenzen der menschlichen Erkenntnis auslotet.

Schlüsselwörter

Literarische Anthropologie, Metamorphose, Don Sylvio, Christoph Martin Wieland, 18. Jahrhundert, Vernunft, Sinnlichkeit, Imagination, Fiktion, Identität, Erzähltechnik, Spiegelbildlichkeit, Aufklärung, Empfindsamkeit, Grenzgestalt.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Roman "Die Abenteuer des Don Sylvio von Rosalva" von Christoph Martin Wieland unter dem Aspekt der literarischen Anthropologie und analysiert, wie Metamorphosen genutzt werden, um das Menschenbild dieser Zeit darzustellen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind das Spannungsfeld zwischen Vernunft und Sinnlichkeit, die Rolle von Imagination und Fiktion sowie die Bedeutung von Verwandlungsprozessen für die menschliche Identität.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie Wieland durch das Metapherngewebe des Romans eine "imaginäre Anthropologie" konstruiert, die den einseitigen rationalistischen Blick seiner Zeit hinterfragt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die Begriffe aus der Metamorphose-Theorie sowie anthropologische Ansätze des 18. Jahrhunderts in einem hermeneutischen Diskurs verknüpft.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die drei Schicksalsgöttinnen-Metaphern (Klotho, Lachesis, Atropos), um die Entstehung, Vernetzung und den Perspektivwechsel der anthropologischen Betrachtung im Roman systematisch zu durchleuchten.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie literarische Anthropologie, Metamorphose, Grenzgestalt, Sinnlichkeit und Wirklichkeitskonstruktion charakterisieren.

Inwiefern spielt der Zufall eine Rolle in Don Sylvios Geschichte?

Der Zufall dient als Werkzeug, um die starre rationalistische Ordnung zu unterwandern und Don Sylvio sowie dem Leser neue Perspektiven auf eine kontingente Wirklichkeit zu eröffnen.

Warum wird die Geschichte des Prinzen Biribinker als Vergleich herangezogen?

Die Binnengeschichte des Prinzen Biribinker dient als Spiegelbild, um durch Parallelitäten und Gegensätze zu Don Sylvios Geschichte die Funktionsweise der Imagination und die "Entstehung von Innenwelten" zu verdeutlichen.

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Details

Title
Wielands "Die Abenteuer des Don Sylvio von Rosalva": Anthropologie entlang metamorpher Fäden
College
University of Hagen  (Institut für neuere deutsche und europäische Literatur)
Course
Literarische Anthropologie
Grade
1,0
Author
Frank Tichy (Author)
Publication Year
2013
Pages
28
Catalog Number
V232652
ISBN (eBook)
9783656493785
ISBN (Book)
9783656493709
Language
German
Tags
wielands abenteuer sylvio rosalva anthropologie fäden
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Frank Tichy (Author), 2013, Wielands "Die Abenteuer des Don Sylvio von Rosalva": Anthropologie entlang metamorpher Fäden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232652
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