"Der 35. Mai" von Erich Kästner, einem der bedeutendsten Kinderbuchautoren Deutschlands, wurde schon vor 80 Jahren veröffentlicht. Und doch sind seine Kinderromane, wie "Emil und die Detektive" oder "Das Doppelte Lottchen", noch heute beliebt.
Die phantastische Geschichte von Konrad, der mit seinem Onkel Ringelhuth in die Südsee reitet, ist dagegen eher unbekannt. Trifft das Buch trotzdem das Interesse der Kinder, sodass es im Unterricht in der Grundschule behandelt werden kann? Was kann Kinder, besonders die eher weniger lesemotivierten Jungen, am 35. Mai begeistern?
Zur Klärung dieser Fragen werden wir uns intensiv mit dem Werk beschäftigen, es analysieren und die Ergebnisse auf die didaktischen Möglichkeiten beziehen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Sachanalyse
2.1 Inhalt
2.2 Werk- und Wirkungsgeschichte
2.2.1 Informationen zu Erich Kästner
2.2.2 Illustrationen
2.2.3 Mediale Adaptionen
2.3 Genreeinordnung
2.4 Sachstruktur
2.5 Sinnpotential
3 Methodisch-Didaktische Überlegungen
3.1 Alters- und geschlechtsspezifische Aspekte
3.2 Bedeutung des Textes im kindlichen Interessenspektrum
3.3 Konkrete didaktische Vorschläge
4 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial von Erich Kästners Werk „Der 35. Mai“ als Einstieg in die phantastische Kinderliteratur im Grundschulunterricht, mit einem besonderen Fokus auf die Lesemotivation bei Jungen.
- Analyse der inhaltlichen und strukturellen Merkmale des Romans.
- Untersuchung der gesellschaftskritischen Aspekte und des Sinnpotentials.
- Evaluierung der alters- und geschlechtsspezifischen Relevanz für Grundschüler.
- Entwicklung konkreter didaktischer Szenarien für den Literaturunterricht.
- Reflexion über die Förderung von Lesefreude durch phantastische Abenteuer.
Auszug aus dem Buch
2.3 Genreeinordnung
Schon der Titel „Der 35. Mai oder Konrad reitet in die Südsee“ lässt Phantastisches erahnen. So handelt es sich bei der Gattung der phantastischen Kinder- und Jugendliteratur im engeren Sinn um ein Zwei-Welten-Modell, mit dem der Leser konfrontiert wird. Das Vorhandensein einer primären Welt, auch Alltagswelt genannt und einer sekundären Welt, des „Wunderbaren“ und „phantastisch-märchenhaften Geschehens“, zählt für Maria Nikolajeva zu den wesentlichen Merkmalen dieser Gattung. So beginnt der 35. Mai in der real-fiktiven Welt, in der Konrad und sein Onkel leben und die der unserer Welt, mit Gesetzmäßigkeiten und Ordnungen ähnelt.
Die Sekundärwelt zeichnet sich durch das Reisemotiv und die fünf in sich geschlossenen Welten aus. So weist die phantastische Kinder- und Jugendliteratur, nach Nikolajeva, drei grundlegende Merkmale auf: „Anwesenheit von Magie, die Verletzung von Naturgesetzen und das Gespür für das unerklärliche Wunder“. Magie ist schon notwendig um überhaupt die Reise zur Südsee antreten zu können und zurück zu gelangen. Wobei hier das sprechende Pferd schon allein empirische Gesetzmäßigkeiten außer Kraft setzt und die Reise einleitet. Trotz allem bleibt diese Reise unerklärlich, denn auch Beweisstücke, wie der Lendenschurz aus der Südsee, verschwinden wieder.
Primär- und Sekundärwelt können in drei unterschiedlichen Beziehungen zueinander stehen. Neben der „geschlossenen“ und „implizierten“ Welt, gibt es noch die „offene Welt“. Bei diesem Modell „handelt es sich um eine ausformulierte, räumlich-zeitlich abgetrennte Sekundärwelt, die Kontakt zu Primärwelt hat.“ In Kästners Roman haben der Onkel und Konrad, als Vertreter der primären Welt, Kontakt zur sekundären Welt, die durch den Schrank voneinander getrennt sind. Bei der Form der offenen sekundären Welt fällt der „phantastische Schwelle“ eine besondere Wichtigkeit zu. Sie fungiert als Übergangs- oder Umsteigepunkt zwischen primärer zu sekundärer Welt, wie der Schrank Ringelhuths.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung stellt das fast vergessene Werk Erich Kästners vor und wirft die Frage auf, ob das Buch als Unterrichtsgegenstand in der Grundschule geeignet ist, um besonders Jungen zum Lesen zu motivieren.
2 Sachanalyse: Dieses Kapitel bietet eine detaillierte inhaltliche Zusammenfassung, beleuchtet die Biografie Kästners, die Illustrationen und Adaptionen, ordnet das Werk gattungsspezifisch ein und analysiert die Struktur sowie das gesellschaftskritische Sinnpotenzial.
3 Methodisch-Didaktische Überlegungen: Die Überlegungen befassen sich mit der Eignung des Buches für die Klassenstufen 3 und 4, untersuchen die Identifikationsmöglichkeiten für Kinder und bieten praktische, schülerzentrierte Unterrichtsvorschläge an.
4 Fazit: Das Fazit bestätigt die Eignung des Werkes für den Unterricht, hebt dessen Motivationspotenzial hervor und betont, dass die Begeisterung der Lehrkraft ein Schlüsselfaktor für den Erfolg im Unterricht ist.
Schlüsselwörter
Erich Kästner, Der 35. Mai, phantastische Kinderliteratur, Lesemotivation, Grundschule, Literaturunterricht, Zwei-Welten-Modell, Gesellschaftskritik, Onkel Ringelhuth, Didaktik, Südsee, Jungenförderung, Schlaraffenland, Literaturanalyse, Lesefreude.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht das Kinderbuch „Der 35. Mai“ von Erich Kästner hinsichtlich seiner Eignung für den Einsatz im Literaturunterricht der Grundschule.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören die phantastische Kinderliteratur, die gesellschaftskritischen Aspekte im Roman, die Analyse von Geschlechterpräferenzen beim Lesen und die didaktische Aufbereitung des Stoffes.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie das Buch als Motivationsquelle für die Leseförderung, insbesondere bei eher lesemotivationsschwachen Jungen, eingesetzt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche und didaktische Analyse, die auf Fachliteratur zur Lesemotivation und zur Gattungsbestimmung phantastischer Literatur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Sachanalyse (Inhalt, Struktur, Gattung, Kritik) und in methodisch-didaktische Reflexionen, die konkret auf die Altersstufen und das Interesse der Schüler eingehen.
Welche Schlüsselwörter beschreiben die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Erich Kästner, Lesemotivation, Grundschule, phantastische Literatur und Gesellschaftskritik.
Warum wird gerade der 35. Mai für Jungen als besonders geeignet erachtet?
Laut Arbeit bieten die männlichen Protagonisten, das Abenteuer-Genre und die humorvolle, teils ironische Erzählweise gute Anknüpfungspunkte, die den Interessen vieler Jungen entgegenkommen.
Welche Rolle spielt der Schrank im Roman aus didaktischer Sicht?
Der Schrank dient als Schwellenmotiv zwischen der Realität und der Phantasiewelt und wird im Unterricht als Einstiegspunkt genutzt, um das „Zwei-Welten-Modell“ der phantastischen Literatur anschaulich zu vermitteln.
Ab welcher Klassenstufe empfiehlt die Arbeit den Einsatz des Buches?
Aufgrund der vielschichtigen Gesellschaftskritik und der notwendigen literarischen Rezeptionskompetenz wird das Buch frühestens ab der 3. Klasse, idealerweise jedoch in der 4. Klasse empfohlen.
- Arbeit zitieren
- Tatjana Wolf (Autor:in), 2012, "Der 35. Mai" von Erich Kästner als Heranführung an die Phantastische Literatur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232662