Rechts-Links-Phänomene des Menschen am Beispiel des Händefaltens


Forschungsarbeit, 2013
27 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Methodisches Vorgehen und Datenerfassung

3.. Statistische Auswertung der ermittelten Daten

4. Stammbaumanalysen zur Uberprufung der genetischen Disposition

5. Bedeutung der Handigkeit fur das Handefalten

6. Untersuchung geschlechtsspezifischer Besonderheiten

7. Festlegung des Handefaltens durch die Erziehung
7.1 Einfluss derKonfession
7.2 Auswirkungen der freien Erziehung

8. Korperwahrnehmung am Beispiel des Handefaltens

9. Kritische Reflexion der Ergebnisse

Literaturverzeichnis

Anhang

Anlage 1

Anlage 2

Anlage 3

Anlage 4

Anlage 5

Anlage 6

Anlage 7

Anlage 8

Jugend forscht

Rechts-Links-Phanomene des Menschen am Beispiel des Handefalten von Gerrit Altmeppen

1. Einleitung

Jeder kennt das: Ob zum Gebet, weil einem langweilig ist, um sich zuruckzulehnen: Man faltet seine Hande, manchmal bewusst, oft aber auch unbewusst. Wer genau hinsieht, dem fallt auf: Man faltet seine Hande eigentlich immer gleich, bei dem einen liegt der rechte Daumen oben, bei dem anderen der linke.

Daher sucht man nach dem Grund fur dieses Phanomen. Der erste Gedanke kommt einem naturlich sofort: Rechtshander legen den rechten Daumen nach oben, Linkshander den linken. Man kann aber noch weiter gehen, denn so einfach ist das Phanomen noch nicht geklart. Dann argumentiert man vielleicht: Okay, einige wurden aber auch zu Rechtshandern umerzogen. Doch selbst mit dieser Aussage lassen sich nicht alle Ergebnisse erklaren. Naturlich kann das Merkmal auch uber die Gene vererbt werden, genauer untersuchen musste man, ob nun uber die Autosomen oder Gonosomen und ob rezessive oder dominante Vererbung vorliegt. Und wenn es doch nicht uber Gene geregelt wird, dann kann es immer noch uber die Erziehung bestimmt werden.

Vielleicht legen Frauen auch ofter den linken Daumen nach oben als Manner, vielleicht legen Katholiken den rechten Daumen nach oben, weil es ihnen so „antrainiert“ wurde.

Man begegnet in der Offentlichkeit Menschen von unterschiedlichster Herkunft, von verschiedensten Eltern und Kulturen, man kann zehn, zwanzig, vielleicht sogar dreibig Menschen beobachten, wie sie ihre Hande falten, so einfach wird man keine Gemeinsamkeiten oder Regeln finden, es sieht alles ziemlich zufallig aus. Dabei muss man aber wieder bedenken, dass bei dem Einzelnen immer der gleiche Daumen oben liegt: Man konnte also auch annehmen, dass das Vorgehen beim Handefalten beijedem Menschen zufallig bestimmt wird.

Auberdem kann man Leute untersuchen, die noch nie ihre Hande gefaltet haben. Kinder bzw. Kleinkinder lernen erst mit der Zeit, wie man seine Hande faltet, meistens bekommen sie es von den Eltern oder Erziehern im Kindergarten beigebracht, doch selbst die ersten Versuche zeigen, vielleicht sogar noch viel deutlicher als bei Erwachsenen, wie man veranlagt ist. Dabei mussen die Finger noch nicht einmal verschrankt sein: Ein einfaches Uber- bzw. Aufeinanderlegen der Hande zeigt schon deutlich, in welche Richtung das jeweilige Kind tendiert. Dabei muss man dann herausfinden, ob sie sich das Verhalten von den Erziehern abschauen oder selbst einen Weg finden. Angelehnt an die mogliche Tatsache, dass das Handefalten durch Anlernen spezifiziert wird, kann man weiterhin untersuchen, wie Bestattungsinstitute ihre Verstorbenen herrichten, also untersuchen, wie die Bestatter mit den Handen der Verstorbenen umgehen und ob es einen Bezug nimmt zu den Bestattern selbst. Damit kann man schon einmal die Richtung Erwachsener-Heranwachsener beobachten. Eine weitere Moglichkeit ist es, Ergotherapeuten zu befragen, ob und wie sie mit ihren Handen umgehen, da diese meist eine besondere Feinfuhligkeit entwickelt haben.

Irgendwo wird es im menschlichen Korper festgelegt, welcher Daumen oben liegt. Mit meiner Arbeit will ich herauszufinden, wo und wie diese Information festgehalten wird, wie sie erstellt und moglicherweise weitergegeben wird.

In einigen Foren[1] geht man davon aus, dass die Handigkeit nicht durch „Indikatoren“ wie dem oberen Daumen beim Handefalten dargestellt wird, diese seien unabhangig voneinander, der Korper entscheidet selbst, was angenehmer fur ihn sei. Jedoch zeigen die meisten Beitrage, dass bei Linkshandern der rechte Daumen oben liegt, jedoch entgegengesetzt der angefugten Umfrage, bei der die meisten Linkshander den linken Daumen oben haben. Das Verhaltnis scheint 50:50 aufgeteilt zu sein. Weitere Anmerkungen in diesem Forum berichten von der Tatsache, dass ein anderes Handefalten unangenehm fur die jeweilige Person sei und die meisten ihr Leben lang den gleichen Daumen nach oben legen. Es scheint also festgelegt zu sein, welcher Daumen fur den Korper angenehmer ist, jedoch kann die Ursache nicht oder zumindest nicht allein bei der Handigkeit liegen.

Auf dem gleichen Stand befinden sich die Teilnehmer in einem anderen Frageforum[2], die meisten behaupten, dies hange mit der Handigkeit zusammen, jedoch werden keinerlei Beweise oder plausible Hypothesen genannt. Einige Ideen gehen von einer alten Angewohnung aus, die sich im Laufe der Zeit eingewohnt habe, jedoch fehlen auch hier die notwendigen Begrundungen und Belege.

Eine bereits vorhandene Statistik wird von einem weiteren Thread[3] angesprochen, diese habe jedoch zu keinen nennenswerten Ergebnissen gefuhrt, auBer, dass die Erziehung eine wichtige Rolle spiele und viele Kinder, die Hande so falten, wie es ihre Eltern ihnen beigebracht haben, sofern das der Fall war.

Auf einer weiteren Homepage[4] wird behauptet, dass das Handefalten eine Gewohnheitssache sei, was sich auch mit meinen Uberlegungen deckt; es wird ebenfalls der Gegentest angeboten, in dem man beschreiben soll, wie es sich anfuhlt, wenn man den anderen Daumen nach oben legt. Dasselbe lasst sich auf einer Arzte-Seite nachlesen[5]. Des weiteren berichtet auch Focus-Online daruber, dass das Handefalten eine Gewohnheitssache ist[6].

Es konnten noch zahlreiche weitere Literaturhinweise vorgebracht werden, jedoch lasst sich zusammenfassend immer sagen: Das Handefalten und vor allem die Vorgehensweise beim Handefalten sind fur jeden Menschen festgelegt und zur Gewohnheit geworden, sie lasst sich zwar umtrainieren, jedoch nur mit groBem Arbeitsaufwand. Letztendlich scheiden sich die Geister vor allem bei der Begrundung dieser Tatsache. Anders als bei der Handigkeit, scheint Vererbung nicht der Grund fur die Auspragung dieses Merkmals zu sein, die Konfession ebenso wenig.

Aus diesem Grund habe ich angefangen eine schulinterne Befragung durchzufuhren, bei der mehrere Eigenschaften der Probanden abgefragt wurden.

2. Methodisches Vorgehen und Datenerfassung

In dieser schulinternen Umfrage wurden rund 400 Bogen mit einer Ankreuz-Tabelle (siehe Anlage 1 fur das unausgefullte Formular und Anlage 2 fur ein ausgefulltes Beispielformular) verteilt. In dieser wurde zunachst einmal das Geschlecht abgefragt, um zu schauen, ob Frauen bzw. Manner vielleicht eher zu einer bestimmten Falthaltung neigen, vor allem im Zusammenhang mit der starken Prasenz der Rechtshander konnten einige Aspekte hieran untersucht werden. Als nachstes Merkmal wird die Handigkeit abgefragt, da diese in zahllosen Diskussionen als Begrundung fur die Falthaltung vorgegeben wird. Hieran soll also zunachst uberpruft werden, wie groB der prozentuale Anteil an Rechts- bzw. Linkshandern ist, die den linken bzw. rechten Daumen nach oben legen. Des weiteren kann man vielleicht Besonderheiten feststellen und diese genauer betrachten. Ein weiteres Kriterium ist das Vorhandensein eines umerzogenen Probanden, also eines Linkshanders, der zum Rechtshander umgeschult wurde. Diese Tatsache ist vor allem bei alteren Generationen wichtig, da die Gewohnheiten durch diese Umschulung stark verandert wurden und viele Leute ein neues Korperbewusstsein angenommen haben, auch zeigen sich Veranderungen gegenuber zuruckgeschulten Personen. Allein aus dem Kriterium Handigkeit konnte man ohne diese Frage keine handfesten Ergebnisse bekommen. Bei umgeschulten Personen wird auch die Gewohnheit verandert, liegen also auch die Daumen anders, man konnte annehmen, dass auffallige Besonderheiten vorkommen.

Das letzte Kriterium ist die Konfession, mit der vor allem im Zusammenhang mit den alteren Generationen betrachtet werden soil, ob in Kirchen oder Kirchenverbanden ein bestimmtes Verhalten antrainiert wurde, damit kann man das Verhalten der einzelnen Probanden besser analysieren und bewerten. AuBerdem erkennt man moglicherweise, inwiefem Religionsvorschriften ein bestimmtes Verhalten andern, also wie sehr der Mensch seine Gewohnheiten durch andere beeinflussen lasst.

Um einerseits die Anzahl der Befragten zu erhohen und andererseits um den Aspekt der Genetik zu untersuchen, wurden mehrere Zeilen in dieser Tabelle aufgefuhrt, in der der Schuler neben sich auch die Kriterien fur seine Verwandtschaft und weitere Personen eintragen konnte. Somit erhalt man Stammbaume mit den oben aufgefuhrten Kriterien und kann mogliche Zusammenhange und Korrelationen untersuchen. Anzumerken ist noch, dass eine Moglichkeit gegeben war, die Merkmale seiner UrgroBeltern zu sammeln, um so Stammbaume fur 4 Generationen aufstellen zu konnen. Letztendlich wurde noch ein Vermerk gemacht, dass die Probanden versuchen sollten, eine andere Falthaltung einzunehmen und ihr Gefuhl zu beschreiben.

Die technische Umsetzung ist pragmatisch gehalten worden: Neben einem kurzen Einfuhrungstext zum Thema, in dem auch die Bitte einer ehrlichen Antwort enthalten war und die wissenschaftliche Bedeutung dieses Themas geschildert wurde, enthielt der Fragebogen die oben beschriebene Tabelle. Die Felder sollten die Probanden selbst bzw. durch Nachfrage in der Verwandtschaft ausfullen, wobei die Konfession als freiwillige Angabe galt. Im unteren Teil wurden erganzende Erklarungen gegeben und gefragt, wie der Proband sich fuhle, wenn er bzw. sie die Hande anders faltet.

Von diesem Druck wurden fur die Jahrgange 5 bis 12 Kopien erstellt und uber die Lehrkrafte ausgegeben und zwei Wochen spater wieder eingesammelt. Diese Ergebnisse wurden dann in einer Datenbank zusammengefasst, jede Person erhielt einen Primarschlussel und wurde demjeweiligen Bogen zugeordnet, dann wurden die einzelnen Tabelleninhalte ubertragen, um im Folgenden Abfragen durchfuhren zu konnen.

Zusatzlich zu dieser statistischen Auswertung wurde eine Kindertagesstatte besucht und die Daten von insgesamt 11 Kindern aufgenommen, zusatzlich wurden Fotos (siehe Anlage 3) gemacht, dabei wurde einerseits untersucht, ob die Kinder Rechts- oder Linkshander sind und welchen Daumen sie beim Handefalten nach oben legen bzw. wie sie ihre Hande falten. Ein Gesprach mit den Erziehern sollte dann zeigen, ob und wie diese am Lernfortschritt der Kinder bezuglich des Handefaltens beteiligt sind und ob sie den Kindern aktiv beibringen, welchen Daumen sie nach oben zu legen haben.

AuBerdem wurde Kontakt mit verschiedenen Bestattungsinstituten aufgenommen, um in Erfahrung zu bringen, wie diese die Verstorbenen herrichten, da in den meisten Fallen die Verstorbenen in der Aufbahrung die Hande falten. In den Gesprachen wurde ebenfalls nach Handigkeit und dem obenliegenden Daumen gefragt und dann, wie die Bestatter die Hande der Verstorbenen falten und ob sie darauf achten, in welcher Weise sie dies tun.

Des weiteren wurde ein Ergotherapeut befragt, da diese meist ein sehr gut geschultes Korperbewusstsein besitzen und moglicherweise eine andere Erklarungsmoglichkeit fur das Handefalten kennen, unter anderem auch durch Patienten. Es ist interessant, herauszufinden, wie ein Ergotherapeut uber dieses Thema nachsinnt und ob ihm bestimmte Merkmale oder andere Besonderheiten bei seiner Arbeit aufgefallen sind.

Das Thema und die Fragestellung ,,Wodurch wird das Handefalten des Menschen bedingt?“ kann somit unter den Aspekten Vererbung, Erziehung, Umgewohnung, Handigkeit und Geschlecht betrachtet und untersucht werden.

3. Statistische Auswertung der ermittelten Daten

Bei der Umfrage erhielt man eine Resonanz von 323 Formularen und eine Ansammlung von insgesamt I960 Datensatzen, wobeijeder Datensatz eine Person reprasentiert.

Eines der resultierenden Probleme ist, wie auch in der abschliefienden Diskussion betrachtet wird, dass einige Datensatze nicht vollstandig sind, also nicht alle Attribute ausgefullt wurden. Deshalb kommt man beim absoluten Addieren aller Angaben nicht auf 100 %. Wie genau dieses Problem die Auswertung beeinflusst, wird ebenfalls in der Diskussion untersucht.

Es wurden 1005 weibliche Personen und 895 mannliche Personen gezahlt. Letztendlich fehlt die Angabe des Geschlechts bei 60 Personen. 1787 Rechtshander und 145 Linkshander wurden dabei mit in die Umfrage aufgenommen, 28 Personen haben ihre Handigkeit nicht angegeben. 876 Personen legen ihren rechten Daumen nach oben und 1028 den linken Daumen, dabei haben 56 Personen keine Angabe gemacht. Insgesamt haben 1285 romisch-katholische Personen und 220 evangelisch-lutherische Personen an der Umfrage teilgenommen. 7 Personen haben fur ihre Religion „christlich“ angegeben und eine Person ist neuapostolisch. Letztendlich haben 447 Personen ihre Religionszugehorigkeit nicht angegeben.

79 Personen haben angegeben, sie seien vom Linkshander zum Rechtshander umerzogen worden, 1881 sind nicht umgeschult worden. Aufierdem wurden 7 Urgrofieltern angegeben.

Hierzu betrachte man die drei Diagramme in Anlage 4, welche die wichtigsten Informationen, auch bezuglich der folgenden Themen, noch einmal grafisch darstellen.

4. Stammbaumanalysen zur Uberprufung der genetischen Disposition

Zunachst wird der Aspekt der Genetik genauer betrachtet[7]. In jeder Zelle des menschlichen Korpers befinden sich Chromosomen, auf diesen wiederum Informationen fur Merkmale, auch Gene genannt. Entsprechend der vorliegenden Gene werden bestimmte Merkmale ausgepragt. Allerdings wird nicht jede gespeicherte Information ausgepragt, einerseits, weil in bestimmten Zellen bestimmte Gene deaktiviert werden, zum anderen weil einige Gene dominant, anderejedoch rezessiv sind. Nun zur Bedeutung dieser beiden Begriffe: In den menschlichen Zellen (aufier den Geschlechtszellen und wahrend der Mitose) befindet sich immer ein doppelter Chromosomensatz, dass heifit, jedes Chromosom besitzt genau einen Partner, dabei stammt das eine Chromosom vom Vater, das andere von der Mutter. Neben 22 Autosomen-Paaren gibt es noch ein Gonosomen-Paar, das das Geschlecht bestimmt.

Wenn ein bestimmtes Gen (z.B. das einer Erbkrankheit) dominant ist und in einem Chromosomen- paar einmal, d.h. als ein Gen auftritt, das Partner-Chromosom jedoch nicht das fur die Krankheit verantwortliche Gen tragt, dann bildet sich das Merkmal, in diesem Fall die Erbkrankheit aus. Ebenso bricht diese aus, wenn in dem Chromosomen-Paar beide Chromosomen das betreffende Gen tragen. D.h., dass schon das Vorhandensein eines dominanten Genes ausreicht, damit sich das entsprechende Merkmal auspragt. Man spricht in diesem Fall auch von „Allelen“, also von bestimmten Ausfuhrungen eines Gens.

Im Falle eines rezessiv vererbten Merkmals pragt sich das Merkmal nur dann aus, wenn beide Chromosomen das rezessive Gen tragen. Sollte ein Allel das komplementare dominante Gen sein, fuhrt dies zur Merkmalsauspragung. Bei einer rezessiven Vererbung ist es moglich, dass das Merkmal eine Generation uberspringt, dass heifit, dass alle Personen dieser Generation das entsprechende Gen tragen, jedoch keine Merkmalsauspragung besitzen.

Hierbei kann man dann zwischen einer autosomalen und einer gonosomalen Vererbung unterscheiden, ersteres bedeutet, dass das entsprechende Gen auf den Autosomen liegt, beim letzteren wird das Gen uber die Geschlechtschromosomen vererbt.

Eine weitere Vererbungsmoglichkeit ist die intermediare Vererbung. Bei dieser gibt es nicht nur die beiden Zustande: ,,Merkmal pragt sich aus“ und ,,Merkmal pragt sich nicht aus“, sondern auch Mischformen, zum Beispiel bei den Blutgruppen des Menschen: Wenn ein Mensch der Blutgruppe A und ein Mensch der Blutgruppe B Kinder bekommen, konnen diese entweder die Blutgruppe A, B, AB oder sogar 0 bekommen. Die Blutgruppe des Menschen wird durch verschiedene Antikorper und Glykoproteine auf der Oberflache der roten Blutkorperchen bestimmt, bzw. durch ein bestimmtes Gen. Die zufallige Genverteilung bei der Befruchtung fuhrt dann zu verschiedenen, zufalligen Blutgruppen.

Die intermediare Vererbung kann ausgeschlossen werden, da in der Umfrage lediglich eine Person angegeben hat, sie konne sowohl den linken, als auch den rechten Daumen oben haben, ohne Unterschiede zu merken. Daher gibt es bei diesem Merkmal scheinbar keine Mischformen, sondern nur zwei Zustande.

Fur die gonsomale[8] Vererbung wird uberpruft, ob ,,linker Daumen“ oder ,,rechter Daumen“ gonosomal-dominant vererbt wird. In der Anlage 5 finden sich dazu zwei Stammbaume, wobei jeder Fall separat betrachtet wird.

Die beiden X-Chromosomen befinden sich in den Zellen der Frau (Kreis), das X- und Y- Chromosom befinden sich in den Zellen des Mannes (Viereck). Da das Y-Chromosom so gut wie keine Informationen tragt, gibt es sehr wenige Merkmale, die uber dieses vererbt werden. Es wird daher angenommen, dass das Merkmal „Daumen“ uber die X-Chromosomen vererbt wird. Wenn der Vater den rechten Daumen nach oben legt, dann muss die Tochter ebenfalls den rechten Daumen nach oben legen, bzw. im anderen Fall den linken. Dies ist so, weil das einzige X-Chromosom des Vaters vererbt wird und wenn auf diesem das dominante Gen liegt, wird sich das Merkmal auch bei der Tochter auspragen.

Sollte nun eine Tochter ein anderes Merkmal als der Vater aufweisen, ist belegt, dass dieses Merkmal nicht gonosomal-dominant vererbt wird.

Es besteht jedoch auch die Moglichkeit, dass das Merkmal gonosomal-rezessiv vererbt wird. Dann mussten erheblich mehr Manner als Frauen dieses Merkmal vorweisen, da beim Mann die Wahrscheinlichkeit grofier ist, ein rezessives Allel zu bekommen, das schon ausreicht, um das Merkmal auszupragen. Bei der Frau mussten beide X-Chromosomen das rezessive Gen tragen, die Wahrscheinlichkeit hierfur ist jedoch geringer.

In der Umfrage wurden 1005 Frauen und 895 Manner gezahlt. 44,6% der Manner legen den rechten Daumen nach oben, 45,6% der Frauen legen den rechten Daumen nach oben. Damit kann das Merkmal ,,rechter Daumen oben“ schon einmal nicht gonosomal-rezessiv vererbt werden.

51,7% der Manner legen den linken Daumen nach oben, 52,3% der Frauen legen den linken Daumen nach oben. Somit wird auch das Merkmal ,,linker Daumen oben“ nicht gonosomal-rezessiv vererbt.

Neben der gonosomalen Vererbung kann das Merkmal auch autosomal vererbt werden, dies ist die haufigere Form der Vererbung. Auch hier kann das Merkmal sowohl rezessiv als auch dominant vererbt werden.

Sollte das Merkmal ,,linker Daumen oben“ oder ,,rechter Daumen oben“ autosomal-rezessiv vererbt werden, dann waren die Stammbaume der Anlage 6 ein typisches Beispiel.

In der Darstellung stellen die Kreise wieder Frauen und die Vierecke Manner dar. Es werden immer die beiden theoretisch betroffenen Allele dargestellt. Wenn beide Eltern das rezessiv vererbte Merkmal besitzen, dann mussen die beiden Chromosomen jeweils das rezessive Gen tragen, alle Kinder mussen demnach auch die rezessiven Gene tragen und das gleiche Merkmal wie die Eltern ausbilden. Sollten Eltern, die beide den rechten bzw. den linken Daumen oben liegen haben, Kinder haben, die denjeweils anderen Daumen oben liegen haben, dann ist diese Theorie widerlegt und das Merkmal wird nicht autosomal-rezessiv vererbt.

In Anlage 7 befinden sich zwei Stammbaume, die verdeutlichen, inwiefern die oben genannten Theorien stimmen bzw. nicht stimmen.

Anhand der GroBeltem bzw. der Eltem im Stammbaum 1 bzw. den Eltem im Stammbaum 2 kann man erkennen, dass weder das Merkmal „linker Daumen oben“ noch das Merkmal „rechter Daumen oben“ autosomal-rezessiv vererbt wird. Selbst wenn beide Eltern das gleiche Merkmal zeigen, zeigen die Kinder injedem dieser Falle auch das andere Merkmal.

Aber auch die Theorie der gonosomal-dominanten Vererbung wird hierdurch widerlegt, denn die Vater mit dem Merkmal „linker Daumen oben“ bzw. „rechter Daumen oben“ (siehe dazu Stammbaum 3 in Anlage 8) haben Tochter, die das jeweils andere Merkmal haben, damit konnen beide Merkmalsformen nicht dominant vererbt werden.

Somit bleibt nur noch die Moglichkeit ubrig, dass eines dieser beiden Merkmale autosomal- dominant vererbt wird. Jedoch muss die Tatsache ausgeschlossen werden, da keines der beiden Formen rezessiv vererbt wird. Wenn das eine Gen nicht rezessiv vererbt wird, kann das andere nicht dominant vererbt werden, man kann sagen, bei einer rezessiven Vererbung tritt gleichzeitig ein dominantes Gen auf und umgekehrt. Eine Vererbung, die auf einem einzigen Gen basiert, kann damit ausgeschlossen werden. Aber in diesen Stammbaumanalysen wurde nicht die Tatsache berucksichtigt, dass auch mehrere Gene an der Auspragung eines Merkmals beteiligt sein konnen. In so einem Fall gabe es Genwirkketten, die durch das Vorhandensein bzw. Fehlen bestimmter Gene gesteuert werden und damit an der Merkmalsauspragung indirekt beteiligt sind[9].

5. Bedeutung der Handigkeit fur das Handefalten

Durch Korrelations-Untersuchungen mit den Daten der Umfrage lasst sich recht einfach beantworten, ob und wie Rechtshandigkeit und Linkshandigkeit mit dem Merkmal ,,Daumen oben“ zusammenhangen.

7,3% der Befragten sind Linkshander, 91,2% sind Rechtshander. Es ist ublich, dass die menschliche Spezies eher rechtslastig handelt als anders herum, deshalb kann man auch in allen Bevolkerungsgruppen eine Rechtsdominanz bzw. Rechtshanderdominanz feststellen[10]. Auch bei sog. Beidhandern zeigt sich oft eine eher rechtslastige Arbeitsweise. Dementsprechend ist die Gesellschaft nach Rechtshandern ausgepragt, Linkshander mussen oft umdenken, von der „richtigen“ Hand zur „falschen“, Turen mussten mit links geoffnet werden, doch fallt es vielen Linkshandern leichter, wenn sie dafur die rechte Hand nutzen. Auch gibt es viele umgeschulte und ruckgeschulte Linkshander, was in der Diskussion noch genauer beleuchtet wird[11].

Erstaunlich ist, dass trotz dieser groBen Differenzen die Rechter-Daumen-Linker-Daumen- Verteilung nahezu gleich ist. Auf den ersten Blick scheint Handigkeit keine Ursache fur das Phanomen „Daumen oben“ zu sein. Doch erst einmal eine Hypothese: Das Links-Rechtsdenken des Menschen beruht auf Vererbung und auf der Aktivitat des Gehirns[7]. Dafur ist zunachst die Aufteilung in die beiden Gehirnhalften zu betrachten. Dabei kreuzen sich die motorisch-neuronalen Wege beider Halften so, dass die linke Gehirnhalfte die rechte Korperseite kontrolliert und die rechte Gehirnhalfte die linke Korperseite. Entsprechend den Veranlagungen eines Menschen kann eine hohere Aktivitat in der rechten Gehirnhalfte vorliegen, solche Menschen sind meist kreativ und emotional veranlagt. Anders herum steuert die linke Gehirnhalfte eher logische und rationale Vorgange. Dabei muss die Verteilung der Aktivitat im Gehirn nicht unbedingt vererbt werden, oft ist es Zufall, wie sich die Merkmale eines Menschen diesbezuglich auspragen. Von einigen Anthropologen wird behauptet, dass Rechtshander zwangslaufig rationaler denken als Linkshander, jedoch ist der relative Anteil an kreativen bzw. emotionalen Menschen deutlich hoher als der Anteil von Linkshandern. Somit kann ausgeschlossen werden, dass man von der Handigkeit direkt auf die Hirnaktivitat schlieBen kann[12].

[...]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Rechts-Links-Phänomene des Menschen am Beispiel des Händefaltens
Veranstaltung
Wettbewerb Jugend Forscht
Autor
Jahr
2013
Seiten
27
Katalognummer
V232718
ISBN (eBook)
9783656495444
ISBN (Buch)
9783656495680
Dateigröße
4166 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Fachbereich Biologie
Schlagworte
rechts-links-phänomene, menschen, beispiel, händefaltens
Arbeit zitieren
Gerrit Altmeppen (Autor), 2013, Rechts-Links-Phänomene des Menschen am Beispiel des Händefaltens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232718

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