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Gestaltung und Funktion der Wächterfigur in ausgewählten Tageliedern des 13. Jahrhunderts

Titel: Gestaltung und Funktion der Wächterfigur in ausgewählten Tageliedern des 13. Jahrhunderts

Bachelorarbeit , 2013 , 38 Seiten

Autor:in: Jacqueline Peter (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Gestaltung und Funktion der Wächterfigur anhand des Tageliedes im 13. Jahrhundert, das während des Mittelalters ein bedeutender Liedtyp war und auch darüber hinaus Anklang fand. Der klassische Wächter stellt im tageliet oft eine wichtige Komponente dar, die durch dieses Zitat gut zum Ausdruck gebracht wird:
Von der zinnen
wil ich gên, in tagewîse
sanc verbern.
die sich minnen
tougenlîche, und obe si prîse
ir minne wern [...] (1,1-6).

Es beinhaltet die tagewîse, de morgendliche Weckruf des Wächters, der das heimliche Liebespaar weckt und somit auch vor der Entdeckung schützt. Die Tageliedsituation zeichnet sich unter anderem durch Erotik aus, welche im Minnesang sonst selten so explizit geschildert wird. Es ist bezeichnend für die Bedeutung des Wächters, dass die Gattung mit dem Namen des Weckrufs versehen wurde, denn ursprünglich war mit tageliet oder tagewîse lediglich der Morgengesang des Wächters gemeint. Erst später dienten die Begriffe als Gattungsbezeichnung. Die Wächterfigur ist von so großer Bedeutung, dass sie sogar zum "kennzeichnenden Element des Tageliedes" wird: das Wächterlied.
Zur Analyse dieser Figur werden vier ausgewählte Lieder der Dichter Wolfram von Eschenbach, Burggraf von Lienz, Ulrich von Lichtenstein und Steinmar eingehend betrachtet. Zusätzlich werden Querverweise auf weiter Tagelieder verwendet, um das Blickfeld auf die Wächterrolle noch auszuweiten. Mithilfe der Forschungsliteratur werden Fragen geklärt, die mit der Analyse eingergehen: Wo liegt der Ursprung der Wächterfigur, welche Beziehung besteht zum heimlichen Liebespaar und weckt er sie aus eigennützigen oder uneigennützgen Gründen? Gibt es Kritikpunkte bezüglich der Fiktionalität dieser Figur und welche Folgen haben diese? Es werden Variationen und Veränderungen des Wächters aufgezeigt und überlegt, was geschieht, wenn es überhaupt keinen mehr gibt. Ist er ein so fester Bestandteil, dass ein Tagelied ohne ihn kein Tagelied mehr ist? Diese Fragestellungen werden im Laufe dieser Arbeit beantwortet und anschließend ein zusammenfassendes Bild der Wächterfigur angefertigt.[...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriff des mittelhochdeutschen Tagelieds

3. Ursprung der Wächterfigur

4. Auswahl der Tagelieder

5. Wolfram von Eschenbachs Von der zinnen

5.1. Der Dichter und sein Werk

5.2. Von der zinnen – Inhalt und Aufbau

5.3. Die klassische Wächterfigur in Von der zinnen

6. Burggraf von Lienz´ Ez gienc ein juncfrou minneclîch und Ulrich von Lichtensteins Ein schoeniu maget

6.1. Burggraf von Lienz - Der Dichter und sein Werk

6.2. Ulrich von Lichtenstein - Der Dichter und sein Werk

6.3. Ez gienc ein juncfrou minneclîch und Ein schoeniu maget – Inhalt und Aufbau

6.4. Ulrichs Kritik an der Wächterfigur im Vrouwen dienest

6.5. Die Wächterfigur und die Zofe in Ez gienc ein juncfrou minneclîch und Ein schoeniu maget

7. Steinmars Swer tougenliche minne hât

7.1. Der Dichter und sein Werk

7.2. Swer tougenliche minne hât – Inhalt und Aufbau

7.3. Die Wächterkritik und der staete friunt in Swer tougenliche minne hât

8. Der Wächter – ein fester Bestandteil des Tagelieds?

9. Die Fiktionalität der Wächterfigur im Tagelied

10. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Rolle und die funktionale Gestaltung der Wächterfigur im deutschen Tagelied des 13. Jahrhunderts. Ziel ist es, den Ursprung dieser Figur zu beleuchten, ihre Entwicklung in den Werken bedeutender Dichter nachzuvollziehen und kritisch zu hinterfragen, inwieweit die Wächterfigur ein unverzichtbarer Bestandteil der Gattung ist oder im Laufe der Zeit durch alternative Konzepte wie die Zofe oder den Vertrauten abgelöst wurde.

  • Analyse des Wächter-Typs bei Wolfram von Eschenbach
  • Vergleichende Untersuchung der Figurenkonstellationen bei Burggraf von Lienz und Ulrich von Lichtenstein
  • Kritische Reflexion der Wächterrolle durch Steinmar
  • Untersuchung von Gattungsvariationen und dem Einfluss des sozialen Kontextes
  • Diskussion über Fiktionalität vs. Realitätsbezug im mittelalterlichen Tagelied

Auszug aus dem Buch

5.3. Die klassische Wächterfigur in 'Von der zinnen'

"Das Lied gehört dem Wächter." So drückt es P. Wapnewski in seiner Analyse aus. Die ersten beiden der insgesamt drei Strophen des Tagelieds Von der zinnen sind Wächterstrophen. Der Wächter beginnt mit der Verkündung seiner Absicht, alsbald von den Zinnen zu steigen und das Tagelied zu singen:

Von der zinnen wil ich gên, in tagewîse sanc verbern(1,1-3).

Mit tagewîse ist hierbei einerseits der morgendliche Weckruf für das heimliche Liebespaar gemeint, andererseits aber auch die Gattung Tagelied. Der Terminus wird in keinem anderen Lied Wolframs verwendet.

Die typischen Merkmale, die auch in den anderen Tageliedern Wolframs vorhanden sind, sind auch hier gegeben. Das heimliche Paar darf nach der gemeinsam verbrachten Nacht in der Kemenate der Dame nicht entdeckt werden und der Ritter schützt seine Geliebte, indem er sie verlässt und übernimmt für beide die Verantwortung.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in das Thema der Wächterfigur im Tagelied des 13. Jahrhunderts und die Vorstellung der untersuchten Autoren.

2. Begriff des mittelhochdeutschen Tagelieds: Definition und Gattungsmerkmale des Tagelieds, eingebettet in den Kontext des Minnesangs.

3. Ursprung der Wächterfigur: Diskussion über die Herkunft der Wächterfigur und deren Etablierung in der deutschen Literatur.

4. Auswahl der Tagelieder: Begründung der Auswahl der analysierten Dichter (Wolfram von Eschenbach, Burggraf von Lienz, Ulrich von Lichtenstein, Steinmar).

5. Wolfram von Eschenbachs Von der zinnen: Detaillierte Analyse des Werkes von Wolfram von Eschenbach, insbesondere der dominierenden Rolle des Wächters.

6. Burggraf von Lienz´ Ez gienc ein juncfrou minneclîch und Ulrich von Lichtensteins Ein schoeniu maget: Untersuchung der Neuerungen durch die Einbindung der Zofe als neue Figur.

7. Steinmars Swer tougenliche minne hât: Analyse von Steinmars kritischer Reflexion des Wächter-Typs und dessen Ersatz durch den staeten friunt.

8. Der Wächter – ein fester Bestandteil des Tagelieds?: Untersuchung zur Notwendigkeit der Wächterfigur für die Gattungsbestimmung.

9. Die Fiktionalität der Wächterfigur im Tagelied: Reflexion über den fiktionalen Charakter des Tagelieds und den Wandel hin zu realistischeren Darstellungen.

10. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse zur Funktion und Transformation der Wächterfigur.

Schlüsselwörter

Tagelied, Wächterfigur, Minnesang, Wolfram von Eschenbach, Mittelalter, Literaturgattung, Fiktionalität, Ulrich von Lichtenstein, Burggraf von Lienz, Steinmar, Gattungsgeschichte, Minne, Liebeslyrik, Zofe, ständische Kritik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Funktion, Entwicklung und kritische Hinterfragung der Wächterfigur in ausgewählten Tageliedern des 13. Jahrhunderts.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Gattungskonstitution des Tagelieds, die Rolle des Wächters als Beschützer des Liebespaares sowie die Variationen dieser Figur durch verschiedene Minnesänger.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Es wird erforscht, wie Dichter die klassische Wächterfigur durch neue Figuren wie die Zofe oder den Vertrauten ersetzten und damit auf gesellschaftliche Veränderungen sowie interne Gattungskritik reagierten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, kombiniert mit komparatistischen Vergleichen zwischen verschiedenen Tageliedern und Rückgriffen auf einschlägige Forschungsliteratur.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in Einzelanalysen zu Werken von Wolfram von Eschenbach, Burggraf von Lienz, Ulrich von Lichtenstein und Steinmar, wobei der Fokus jeweils auf der individuellen Ausgestaltung der Wächterrolle liegt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Tagelied, Wächterfigur, Minnesang, Fiktionalität und Gattungsvariation charakterisiert.

Welche Bedeutung hat die Figur der Zofe bei Ulrich von Lichtenstein?

Die Zofe ersetzt den Wächter als standesgemäße und vertrauenswürdigere Geheimniswahrerin, was dem Wunsch nach einer höheren Plausibilität und Diskretion im fiktiven Rahmen entspricht.

Warum stellt Steinmar die Wächterrolle infrage?

Steinmar kritisiert die Treuebindung des Wächters zum Geliebten und den damit verbundenen Verrat gegenüber dem Ehemann der Dame, was er als gesellschaftlich problematisch betrachtet.

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Gestaltung und Funktion der Wächterfigur in ausgewählten Tageliedern des 13. Jahrhunderts
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Autor
Jacqueline Peter (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2013
Seiten
38
Katalognummer
V232724
ISBN (eBook)
9783656502715
ISBN (Buch)
9783656504177
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gestaltung funktion wächterfigur tageliedern jahrhunderts
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Jacqueline Peter (Autor:in), 2013, Gestaltung und Funktion der Wächterfigur in ausgewählten Tageliedern des 13. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232724
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Leseprobe aus  38  Seiten
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