Globalisierung und die Rolle Europas

Produktionsverlagerungen und Rückverlagerungen


Hausarbeit, 2013

26 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Summary

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hintergründe von Unternehmensverlagerungen während der 90er-Jahre

3. Aktuelle Lage der Produktionsverlagerungen/ -rückverlagerungen in Deutschland
3.1 Zielregionen
3.2 Gründe für die Produktionsverlagerungen/ -rückverlagerungen

4. Analyse einer Rückverlagerung: Stihl (2010)
4.1 Ursachen für die Produktionsverlagerung nach Brasilien
4.2 Ursachen für die Rückverlagerung nach Deutschland
4.2.1 Wechselkursproblematik
4.2.2 Logistische Weiterentwirklung und Technik
4.2.3 Steuern, Zoll und Auslastungsprobleme am Stammsitz
4.3 Zwischenfazit

5. Fazit und Ausblick

6. Literaturverzeichnis

Summary

Unternehmen verlagern aus den verschiedensten Gründen ihre Produktion ins Ausland; meistens versuchen sie dadurch ihre Kosten zu senken. Diese Beweggründe verändern sich jedoch im Laufe der Zeit. In dieser Hausarbeit werden die Gründe für Produktionsverlagerungen in den 90-er Jahren und aus heutiger Sicht dargestellt. Die meisten Gründe basieren darauf, dass die Unternehmen oftmals nur so ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern können (vgl. Specht und Lutz, 2007).

Heutzutage kommt es immer wieder zu Rückverlagerungen. In diesen Fällen wurde sich nicht selten im Voraus nicht ausreichend intensiv und exakt mit dem Thema der optimalen Standortwahl auseinander gesetzt. Oft zeigt sich, nur aufgrund der günstigeren Lohnkosten die Produktion zu verlagern, ein fataler Fehler war. Aber auch andere wichtige Gründe stehen wegen des sich schnell veränderten Marktes auf der Liste für die Rückverlagerung.

In dieser Hausarbeit werden die Motive für die Produktionsverlagerungen und deren Rückverlagerungen erarbeitet und dies an einem Fallbeispiel exemplarisch dargestellt. Es wird deutlich, dass sich die Beweggründe für Verlagerungen ins Ausland heutzutage, nach der Wirtschaftskrise von 2008, anders darstellen als noch in den 90-er Jahren und das viele Unternehmen ihre Entscheidung über die Produktionsverlagerung wieder revidieren.

Tabellenverzeichnis

Tabelle 4.1: Gegenüberstellung der strategischen Faktoren einer Produktionsverlagerung zwischen der konkreten Situation der Stihl AG im Jahre 1973 und der Offshore-Normstrategie der 90er- Jahre

Abbildungsverzeichnis

Abb. 3.1: Produktionsverlagerungen und Rückverlagerungen im Zeitvergleich

Abb. 3.2: Herkunftsregionen von Rückverlagerungen und Zielregionen von Verlagerungen

Abb. 3.3: Gründe für Produktionsverlagerungen

Abb. 3.4: Gründe für Rückverlagerungen

Abb. 4.1 Wechselkurs des brasilianischen Real gegen den Euro

Abb. 4.2 Wechselkurs-Chart zwischen Real und Yuán

1. Einleitung

Im Zuge der so genannten Globalisierungswelle ab 1990 verlagerten zahlreiche Unternehmen ihre Produktionsstandorte ins Ausland; dieser Trend galt für die meisten so genannten Hochlohnländer der westlichen Welt, und er betraf zahlreiche unterschiedliche Branchen. Die Gründe für die Unternehmensverlagerungen waren meistens wirtschaftlicher Art mit dem Fokus auf eine strategische Kostensenkung, vor allem im Hinblick auf die Lohnkosten, aber auch auf steuerliche Aspekte (Hentschel 2008, 68). Durch diesen Trend, der zusätzlich durch bestimmte währungspolitische Aspekte befördert wurde, entwickelten viele auch deutsche Unternehmen eine transnationale Struktur, die über die gewachsenen transnationalen Strukturen sehr großer Unternehmen hinausging und weit in den mittelständischen Bereich hinein wirksam wurde.

Die genannten Ursachen für Produktionsverlagerungen blieben aber als Einflussfaktoren auf die Kostenstruktur der transnationalen Unternehmen über die Jahre bis heute keinesfalls konstant; aufgrund der wirtschaftlichen Veränderungen und der teils sprunghaften Vorwärtsbewegungen der so genannten Schwellenländer fielen an zahlreichen Stellen die ursprünglichen Kostenvorteile weg und die Frage nach Rückverlagerungen stand im Raum (vgl. Wannenwetsch, 2009). An diesen Aspekt der Entwicklung im Rahmen der so genannten Globalisierung knüpft die Themenstellung der vorliegenden Arbeit an: Ihr Fokus liegt auf einer Darstellung möglicher Motivationen für Unternehmen, Produktionsstandorte ins Stammland zurückzuverlegen sowie auf einer Analyse der einschlägigen Hintergründe und relevanten Trends.

Die Themenstellung wird in einem Kapitel an dem Fallbeispiel der Stihl AG[1], mit Gründen für die Produktionsverlagerung und anschließender Rückverlagerung, exemplarisch aufgezeigt.

Zum Aufbau der vorliegenden Arbeit ist zu sagen, dass diese nach der Einleitung (Kapitel 1) einen Übersichtsabschnitt zu den generellen Hintergründen von Unternehmensverlagerungen aus so genannten Hochlohnländern während der 90er- Jahre bringt (Kapitel 2). Im nächsten Kapitel wird die aktuelle Lage genauer betrachtet. Kapitel 3 erläutert wie viele Unternehmen in den letzten zwei Jahren ihre Produktion verlagert oder rückverlagert haben. Anschließend werden die beliebtesten Zielregionen dargestellt (Kapitel 3.1). Das Kapitel schließt mit den Bewegründen, die Unternehmen zur Zeit zu einer Produktionsverlagerung oder –rück-verlagerung antreibt (Kapitel 3.2). Im fünften Kapitel wird ein Fallbeispiel vorgestellt; Beginnend mit einer Analyse der Beweggründe der Stihl AG, Teile ihrer Produktion nach Brasilien auszulagern, die dann im darauffolgenden Abschnitt geleistet wird (Kapitel 4.1). In weiterer Folge sollen dann, differenziert nach drei Kategorien, die möglichen Beweggründe des Unternehmens für die erfolgte Rückverlagerung im Jahr 2010 aufgearbeitet werden (Kapitel 4.2). Das Kapitel endet mit einem Zwischenfazit, welches die gewonnen Erkenntnisse zu den Beweggründen der Stihl AG für eine Rückverlagerung vertiefen und in einen Zusammenhang mit den Positionen der aktuellen Fachliteratur bringen sollen (Kapitel 4.3). Die vorliegende Arbeit schließt mit einem kurzen Fazit (Kapitel 5).

2. Hintergründe von Unternehmensverlagerungen während der 90er- Jahre

Die Weltwirtschaft erfuhr durch die revolutionären technischen Entwicklungen im Bereich der Mikroelektronik und der Kommunikation, sowie aufgrund der Tatsache, dass zahlreiche so genannte Schwellenländer sich für soziale und wirtschaftliche Modernisierungen öffneten, nach 1990 einen Dynamisierungsschub. Dieser Dynamisierungsschub war bereits in den Jahren zuvor durch die beginnenden Bestrebungen etwa von der Volksrepublik China und anderer asiatischer Akteure eingeleitet worden, westliche ökonomische Systeme in die eigenen Ordnungen zu übernehmen. Da die Alternative eines kommunistischen Wirtschaftsmodells durch den Zerfall des Ostblock dramatisch an Attraktivität verloren hatte, bildeten sich auf diese Weise in zahlreichen Ländern mit verhältnismäßig geringer Produktivität, aber auch sehr niedrigen Lohnkosten, Expansionsräume für das westliche Investitionskapital und mögliche Standorte für zahlreiche westliche Produktionsbetriebe (vgl. Müller 2002).

Im Verlauf der 70er- und 80er- Jahre war es zudem zu einem Missverhältnis zwischen den Produktionskosten der Unternehmen und den Lohnstückkosten in zahlreichen westlichen Ländern gekommen; die zunehmende Automatisierung verringerte den Bedarf an hochqualifizierten Arbeitnehmern und die Anforderungen an die Bereitstellung von Arbeitskraft insgesamt im modernen Produktionsprozess. Der Kampf gegen den Kommunismus, der in den westlichen Ländern (vor allem in Europa) über den Aufbau kostspieliger sozialer Sicherungssysteme geführt worden war, hatte ebenso zu dieser im internationalen Vergleich zunehmend problematischer werdenden Schieflage bei den Lohnstückkosten beigetragen (vgl. Töpfer, 2007).

Weiter ist zu sagen, dass die neue Unternehmensfinanzierung, die seit den 80er- Jahren zunehmend über die Börsen oder über verbriefte Finanzierungsformen abgewickelt wurde, neue strategische Notwendigkeiten in der Unternehmensführung hervorbrachte (kapitalmarktorientierte Unternehmensführung). Die steigende Verzinsung des Risikokapitals und die dominierende Rechtsform der Aktiengesellschaft zwang viele Unternehmen dazu, den Profit zu steigern, auch wenn dies mit sehr schwerwiegenden Umstrukturierungen verbunden war. Da die Senkung der Kostenstruktur im Bereich der Mitarbeiter nicht überall durch Personalausdünnung, Qualifikation und Kapazitätserweiterungen möglich erschien, wurde die Alternative der Produktionsverlagerung ins Ausland zum Standard, wie das Beispiel auch so genannter Schlüsselindustrien wie der deutschen Autoindustrie zeigt (vgl. Kinkel und Zanker, 2009).

Typisch an diesem Trend der 90er- Jahre und der darauffolgenden Jahre war, dass nunmehr auch kleinere Unternehmen strategische Möglichkeiten fanden, Standorte im Ausland als Produktionsstandorte zu nutzen. Dieser Umstand ergab sich einerseits aus den verbesserten Möglichkeiten der Kommunikation und des Transportwesens bzw. der internationalen Infrastruktur, andererseits auch aus dem politischen Willen der Zielländer, derartige Bestrebungen systematisch zu unterstützen (Töpfer, 2007).

In der Folge wurde die Produktionsverlagerung ins Ausland und nach Übersee (meist nach Asien, so genanntes „Offshore“) zu einer gängigen Unternehmensstrategie, auch für deutsche Unternehmen. Diese Strategie war mit enormen Kosten verbunden, die alle Stakeholder der betreffenden Unternehmen mit einbezog. Einerseits waren die Eigentümer davon betroffen, weil die Produktionsverlagerung ins Ausland bis heute ein nicht zu unterschätzendes strategisches Risiko darstellt und im Fall des Scheiterns die Absichten der Kostensenkung in ihr Gegenteil verkehren kann; andererseits waren die Staaten, die als Produktionsstandorte verlasen wurden, von schwerwiegenden Steuerausfällen betroffen bzw. von anderen sozialen Kosten, die insbesondere mit der häufigen Arbeitslosigkeit jener Mitarbeiter verbunden waren, deren zu hohe Lohnstückkosten eingespart werden sollten (Müller, 2002).

Durch hohe Anstrengungen der Zielländer, ihre Infrastruktur zu verbessern und Bildungsprogramme zu implementieren, wurde das Offshore und andere Strategien der Produktionsverlagerung hinsichtlich einer Reihe von Risikofaktoren tendenziell risikoärmer. Allerdings musste diese Risikominderung mit einem Rückgang der Kostenvorteile bezahlt werden, insbesondere mit einem Anstieg der Löhne in den Zielländern, teilweise auch mit steigenden Steuerbelastungen (vgl. Wannenwetsch, 2009).

Andere Risiken der Unternehmensverlagerung konnten von den Zielländern bis heute trotz großer Anstrengungen nicht behoben werden und sind teilweise dem wirtschaftlichen Aufwärtstrend der Zielländer immanent. Zu nennen sind hier vor allem Währungsrisiken, aber auch Kaufkraftrisiken, die durch den raschen wirtschaftlichen Aufstieg der Zielländer verursacht worden sind. Schließlich sind politische Risiken zu nennen, die in den betreffenden Schwellenländern oft eine große Rolle spielen.

Alle diese Faktoren konnten in den letzten Jahren eine Vielzahl von Unternehmen dazu motivieren, Rückverlagerungen anzustreben und durchzuführen. Teils waren dafür „verbrauchte“ Kostenvorteile der Zielländer verantwortlich (realisierte Risiken), teils drohende strategische Risiken, deren Realisation mittel- oder langfristig ins Haus stand.

3. Aktuelle Lage der Produktionsverlagerungen/ Rückverlagerungen

Dieses Kapitel orientiert sich an der aktuellen Studie „Globale Produktion von einer starken Heimatbasis aus“ die vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) im März 2013 veröffentlicht wurde. Die Daten wurden in dem Zeitraum von 2010 bis Mitte 2012 erhoben. Diese Studie stützt sich auf Daten auf dem verarbeitenden Gewerbe; entsprechendes gilt für dieses Kapitel.

„Die Quote der Unternehmen, die Produktionskapazitäten ins Ausland verlagern, ist abermals rückläufig und liegt nunmehr bei 8 Prozent.“ (Zanker, Kinkel und Maloca, Fraunhofer ISI 2013, S.1) Damit sind die Produktionsverlagerungen auf dem tiefsten Stand seit Mitte der Neunzigerjahre.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3.1: Produktionsverlagerungen und Rückverlagerungen im Zeitvergleich

(Quelle: http://isi.fraunhofer.de/isi-media/docs/i/de/pi-mitteilungen/PI-63.pdf?WSESSIONID=59aef8a04a016448e5f676f4303e95ba, S. 6)

Die Rückverlagerungen haben sich seit 2006 hingegen kaum verändert. In der Studie von 2009 erhöhte sich die Rückverlagerung um einen Prozentpunkt, dieser verringerte sich bei dieser Studie jedoch wieder auf zwei Prozentpunkte. Somit kommt auch weiterhin auf jede vierte Produktionsverlagerung eine Rückverlagerung.

3.1 Zielregionen

Über die Hälfte der deutschen Unternehmen bevorzugten in den Jahren 2010 bis Mitte 2012 eine Produktionsverlagerung in die 12 neuen EU-Länder. Die Produktionsverlagerung innerhalb der EU scheint nach der Kiese wieder an Bedeutung zu gewinnen, denn gegenüber der letzten Studie von 2009 haben die 12 neuen EU-Länder 15 Prozentpunkte zugelegt. Auch die asiatischen Länder, insbesondere China (welches in der Abbildung gesondert ausgewiesen wird), wurden bei den deutschen Unternehmen immer beliebter als Zielregionen. Am deutlichsten abgenommen hat hingegen die Attraktivität in die osteuropäischen Länder, die nicht in der EU liegen, die Produktion zu verlagern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3.2: Herkunftsregionen von Rückverlagerungen und Zielregionen von Verlagerungen

(Quelle: http://isi.fraunhofer.de/isi-media/docs/i/de/pi-mitteilungen/PI-63.pdf?WSESSIONID=59aef8a04a016448e5f676f4303e95ba, S. 8)

Wie bei den Verlagerungen kamen auch die Rückverlagerungen hauptsächlich aus den 12 neuen EU-Ländern. Diese haben jedoch bereits mit zwei Prozentpunkten auf 49 Prozent gegenüber der letzten Studie angenommen. Auch die Rückverlagerungen aus den asiatischen Ländern und China sind mit 27 Prozent bzw. 14 Prozent sehr bedeutungsvoll. Die asiatischen Länder scheinen mit den Rückverlagerungen zu kämpfen zu haben, denn in der Studie von 2009 lag die Rückverlagerung bei lediglich 7 Prozent.

[...]


[1] Bezeichnung Firmenbuch: „ANDREAS STIHL AG & Co. KG“, Sitz Waiblingen.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Globalisierung und die Rolle Europas
Untertitel
Produktionsverlagerungen und Rückverlagerungen
Hochschule
Europäische Fernhochschule Hamburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
26
Katalognummer
V232742
ISBN (eBook)
9783656495970
Dateigröße
876 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
globalisierung, rolle, europas, produktionsverlagerungen, rückverlagerungen
Arbeit zitieren
Jennifer Dwilies (Autor), 2013, Globalisierung und die Rolle Europas, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232742

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