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Das Mikrokreditwesen in Brasilien. Ausgestaltung und Entwicklung mit dem Beispiel "Crediamigo"

Titel: Das Mikrokreditwesen in Brasilien. Ausgestaltung und Entwicklung mit dem Beispiel "Crediamigo"

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2013 , 21 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Harry Körner (Autor:in)

Soziologie - Wirtschaft und Industrie
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Mikrokredite werden von einer breiten, oftmals fachfremden Öffentlichkeit in der Regel als soziale Maßnahme gesehen, welche den Ärmsten der Armen zugute kommt und klar wohlfahrtliche Effekte mit sich bringt und somit überwiegend positiv in ihren Auswirkungen ist. Auch aus der Branche der Mikrofinanz selbst wird diese Ansicht wenig überraschenderweise vertreten, und die anfänglichen Intentionen im Bangladesch der 1970er Jahre waren wohl auch dergestalt.1 Allerdings gibt es ebenfalls viele Stimmen, welche behaupten, durch Mikrokredite würden vergleichsweise ärmere Staaten mit weniger stark ausgebildeten Sozialstaatsstrukturen – im Folgenden Entwicklungsländer genannt – verleitet, sich noch weiter aus dieser Verantwortung zu ziehen und den Mikrofinanzinstituten das Feld bei der Gestaltung allzu produktiver Wohlfahrtstaatsmuster zu überlassen; sowie negative Auswüchse im Gebaren jener Institute anprangern, die durch die Mikrokreditvergabe eigentlich Linderung herstellen sollten.2 Brasilien als mit seinen über 190 Millionen Einwohnern weitaus größtes lateinamerikanisches Land ist in den Sozialwissenschaften seit jeher ob seiner potenziellen Reichtümer, sei es an Menschen, Fläche oder natürlichen Ressourcen, einerseits und seiner paradoxen grassierenden sozialen Ungleichheit andererseits ein Forschungsobjekt von großem Interesse gewesen. Was seine Sozialpolitik angeht, so handelt es sich laut der indisch-US-amerikanischen Politologin Nita Rudra um einen dualen Wohlfahrtsstaat aus einer Mixtur kommodifizierender als auch dekommodifizierender Elemente, wobei Letztere überwiegen, was den schwachen dualen Charakter des brasilianischen Wohlfahrtsregimes konstituiere.3 In dieser Studie untersucht Rudra, wie Brasiliens Sozialpolitik im Zuge des Globalisierungsdrucks reformiert wurde, wobei sie feststellt, dass zwar sowohl partielle Einschnitte in protektiven Schemata stattgefunden haben als auch teilweise verstärkt in produktive investiert worden ist, jedoch wesentliche Eigenheiten des dualen Wohlfahrtssystems prinzipiell unverändert blieben: „Trotzdem bestehen wichtige Elemente institutioneller Kontinuität fort, was das Versagen, höhere Bildung zu verbessern, angeht und die fortgesetzte Priorisierung protektiver Wohlfahrtsschemata, die signifikante Schichtungseffekte haben. Somit sind die hauptsächlichen Problemfelder die folgenden: ...

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der brasilianische schwache duale Wohlfahrtsstaat: Ein Überblick

3 Das brasilianische Mikrokreditwesen

3.1 Politisch-rechtliche Implementierung

3.2 Der wichtigste Akteur im brasilianischen Mikrokreditsektor - Crediamigo

3.2.1 Allgemeines und Ausgestaltung

3.2.2 Die Kreditnehmer

3.2.3 Zugang zum Finanzsektor

4 Fazit

5 Glossar

6 Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Mikrokreditwesen in Brasilien, insbesondere dessen Einbettung in den dualen Wohlfahrtsstaat und die Rolle staatlicher bzw. halbstaatlicher Institutionen bei der Förderung von Kleinkrediten, unter besonderer Berücksichtigung des Programms Crediamigo.

  • Analyse des brasilianischen Wohlfahrtsregimes unter Berücksichtigung von Nita Rudras Konzept des dualen Wohlfahrtsstaats.
  • Untersuchung der politisch-rechtlichen Rahmenbedingungen für Mikrofinanz in Brasilien seit den 1990er Jahren.
  • Betrachtung des Programms Crediamigo als exemplarische Institution zur Finanzierung des informellen Sektors.
  • Diskussion über die Auswirkungen von Mikrokrediten auf die ökonomische Situation und den Zugang zum Finanzsektor im Nordosten Brasiliens.
  • Bewertung der Effizienz und Zielgruppenorientierung brasilianischer Mikrofinanzprogramme.

Auszug aus dem Buch

3.2.1 Allgemeines und Ausgestaltung

Zur BNB, einer IMPO innerhalb des PNMPO, ist zu sagen, dass sie Lateinamerikas größte regionale Entwicklungsbank ist, die zur Gründungsmission die nachhaltige Entwicklung des im nationalen Vergleich ökonomisch zurückstehenden Nordostens nicht nur kleiner und mittlerer Unternehmen, sondern aller Wirtschaftsbereiche hatte. Auch ist Crediamigo nicht das einzige je von ihr verantwortete Mikrokreditprogramm. Sehr wohl jedoch richtet sich Letzteres großenteils speziell an den informellen Sektor. 1997/1998 gestartet, hatte es bis Dezember 2010 ein Volumen von insgesamt 8,1 Mrd. R$ in über 7,9 Mio. Kreditvergaben erreicht. Der Werdegang des Programms kann grob in vier Zyklen gegliedert werden: 1. Gründung und Ausgestaltung des Programms (bis 1999); 2. Phase starken Wachstums und daraus resultierender Probleme mit bislang höchster Rückzahlungsausfallrate von 2,35 % (bis 2002); 3. die Zusammenarbeit mit dem Nordost-Institut für Staatsbürgerschaft (INEC), einer von BNB-Mitarbeitern ins Leben gerufenen Organisation der Zivilgesellschaft von öffentlichem Interesse, die nach bereits erwähntem Lei das Oscips entstanden ist und somit dem durch eben jenes Gesetz an Bedeutung gewinnenden „Dritten Sektor“ zuzurechnen ist; das INEC übernahm die Verantwortung in entscheidenden administrativen Bereichen des Programms (bis 2003); und 4. weitere langfristige Konsolidierung und Expansion des Programms mit verstärkter Fokussierung auf Produkte und Formalisierung der Aktivitäten im Sinne eines tatsächlichen Bankwesens (ab 2004).

Was die rechtlich-institutionelle Implementierung ins brasilianische Mikrokreditwesen von Crediamigo anbetrifft, so ist also wieder das PNMPO zu nennen, was eine sicherere Abwicklung auf diesem Sektor möglich machte:

„[…] die operativen Finanzinstitutionen wie etwa Bundesinstitutionen haben Zugang zu den Mitteln des FAT; und die öffentlichen und privaten Banken haben Zugang zu den aus den Sichteinlagen zugeteilten Mitteln. Solche Mittel werden den Institutionen des produktiven hilfegestützten Mikrokredits zugewiesen, etwa den OSCIPs, Förderagenturen, Kreditgesellschaften für Kleinunternehmer und Kreditgenossenschaften. Folglich […] wurden alle Operationen von Crediamigo über das PNMPO abgewickelt und somit die Verfügbarkeit von Mitteln auf dem Finanzmarkt erhöht, und dabei seine Kreditoperationen bei relativ geringen Risikokosten abgesichert.“

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die ambivalente Wahrnehmung von Mikrokrediten als soziale Maßnahme und ordnet das brasilianische Wohlfahrtsregime nach Nita Rudra als schwachen, dualen Wohlfahrtsstaat ein.

2 Der brasilianische schwache duale Wohlfahrtsstaat: Ein Überblick: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die historischen Kommodifizierungs- und Dekommodifizierungsmaßnahmen in Brasilien, insbesondere seit der Ära Vargas, und diskutiert die Rolle nationaler Institutionen.

3 Das brasilianische Mikrokreditwesen: Hier werden Definitionen des Mikrokredits erörtert und die spezifisch „betriebliche“ Ausrichtung des brasilianischen Modells im Vergleich zum klassischen Grameen-Modell herausgearbeitet.

3.1 Politisch-rechtliche Implementierung: Dieses Kapitel analysiert die gesetzlichen Rahmenbedingungen für das brasilianische Mikrokreditwesen, angefangen bei den frühen Resolutionen in den 1990er Jahren bis hin zur Etablierung des zentralen Programms PNMPO unter Präsident Lula.

3.2 Der wichtigste Akteur im brasilianischen Mikrokreditsektor - Crediamigo: Dieser Abschnitt führt das Programm Crediamigo als exemplarische Institution der Banco do Nordeste do Brasil ein, um die Praxis der Mikrofinanzierung in Brasilien greifbar zu machen.

3.2.1 Allgemeines und Ausgestaltung: Hier werden die Entwicklung, der institutionelle Aufbau und die vier Zyklen des Crediamigo-Programms sowie dessen Anbindung an das PNMPO detailliert beschrieben.

3.2.2 Die Kreditnehmer: Dieses Kapitel untersucht die sozioökonomische Situation der informellen Mikrounternehmer im Nordosten Brasiliens vor und während der Programmphase, einschließlich Einkommensverhältnissen und Bildungsstand.

3.2.3 Zugang zum Finanzsektor: Hier wird anhand statistischer Daten der Zugang der Bevölkerung im Nordosten zu verschiedenen Finanzdienstleistungen im Vergleich zum Rest Brasiliens analysiert.

4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, betont den Erfolg von Crediamigo beim Ausbau des Kreditzugangs im Nordosten, weist aber auf den Mangel an weiterführenden strukturellen Verbesserungen und die Dominanz des Konsumzwecks der Kredite hin.

Schlüsselwörter

Mikrokredit, Brasilien, Crediamigo, Wohlfahrtsstaat, duales Wohlfahrtsregime, PNMPO, informeller Sektor, Mikrofinanz, Armutsbekämpfung, Nordosten Brasiliens, soziale Ungleichheit, Bankwesen, Kreditgenossenschaften, ökonomische Entwicklung, Finanzdienstleistungen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Seminararbeit analysiert die Ausgestaltung und Entwicklung des brasilianischen Mikrokreditwesens, wobei sie insbesondere die Einbettung in das duale brasilianische Wohlfahrtssystem und die Rolle spezifischer Institutionen untersucht.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zu den zentralen Themen gehören das brasilianische Wohlfahrtsregime, der rechtliche Rahmen für Mikrofinanz, die Rolle von Akteuren wie der Banco do Nordeste und das Programm Crediamigo sowie die sozioökonomischen Realitäten der Kreditnehmer.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, das öffentlich geförderte Mikrokreditwesen, die dahinterstehenden politischen Absichten und die Zugangsbedingungen für die Zielgruppen im Kontext des dualen brasilianischen Wohlfahrtsstaats zu beleuchten und kritisch zu bewerten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Auswertung empirischer Daten, insbesondere am Beispiel des Programms Crediamigo, um das brasilianische Mikrokreditmodell zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil behandelt die historische und rechtliche Implementierung des Mikrokredits in Brasilien, stellt den Akteur Crediamigo ausführlich vor, analysiert die Zielgruppen im informellen Sektor und untersucht den Zugang zum Finanzsektor mittels statistischer Daten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Mikrokredit, Brasilien, Crediamigo, Wohlfahrtsstaat, Mikrofinanz, informeller Sektor und soziale Ungleichheit charakterisiert.

Inwiefern unterscheidet sich das Crediamigo-Programm vom „Originalmodell“ nach Yunus?

Im Gegensatz zum Originalmodell der Grameen-Bank, das primär auf Armutsbekämpfung durch Einkommensgenerierung bei absolut Armen setzt, verfolgt Crediamigo einen „betrieblichen“ Ansatz, der bestehendes Kleingewerbe finanziell unterstützt.

Warum wird im Fazit kritisiert, dass Crediamigo-Kredite vornehmlich für den Konsum genutzt werden?

Die Nutzung für den Konsum statt für nachhaltige Investitionen in das Gewerbe schränkt die langfristige ökonomische Wirkung ein, da der Aufbau einer stabilen, produktiven Existenzgrundlage dadurch weniger effektiv gefördert wird.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Das Mikrokreditwesen in Brasilien. Ausgestaltung und Entwicklung mit dem Beispiel "Crediamigo"
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1,0
Autor
Harry Körner (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2013
Seiten
21
Katalognummer
V232760
ISBN (eBook)
9783656495963
ISBN (Buch)
9783656498018
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mikrokreditwesen brasilien ausgestaltung entwicklung beispiel crediamigo
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Harry Körner (Autor:in), 2013, Das Mikrokreditwesen in Brasilien. Ausgestaltung und Entwicklung mit dem Beispiel "Crediamigo", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232760
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  21  Seiten
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