David L. Morgan schreibt im Jahr 1997 „Only a decade ago, focus groups were almost unknown to social scientists“, was uns zeigt, dass Focus-Groups als Methode der empirischen Sozialforschung eine ganz junge Forschungsmethode ist. Der Begriff der Focus-Groups wurde noch später in dem deutschen Sprachraum benutzt, weil man dort lange noch die Bezeichnung „Gruppendiskussionen“ dafür benutzt hat, bevor die englische Bezeichnung angenommen wurde (Flick, 2007). Heute wird es aber nach Flick in der Kategorie der Gruppenverfahren zwischen Gruppendiskussionnen, Gruppen-Interviews und Focus-Groups mit mehr oder weniger klare Grenzen unterschieden. Die Methode der Focus-Groups wird aber in der Markt- und Medienforschung seit längeren Zeiten sowie „cultural studies“ verwendet (Flick, Kardorff & Steinke, 2012, S.332). Sie gehört heute sogar nach Stewart und Shamdasani zu die häufigsten Forschungsmethoden, die von Sozialwissenschaftlern, Vermarkter, politische Analysten, Gesundheits- und soziale Dienste Fachleute, politische Berater und andere Wissenschaftler und Entscheidungsträger verwendet wird (2006, S.589).
Zu diesem sehr breiten Feld von Einsatzmöglichkeiten, kann man zur Begriffsbestimmung sagen, dass Focus-Group eine Forschungsmethode ist,
„bei der Diskussionsgruppen, die anhand bestimmter Kriterien zusammengestellt werden, durch einen Informationsinput zur Diskussion über einen bestimmtes Thema angeregt“ (Henseling, Hahn & Nolting, 2006, S.3 und nach Krueger, 2009 & Morgan, 1997)
und durch einen Moderator betreut werden.
Ein in der Literatur oft erwähntes Problem ist, dass Focus-Groups, Gruppeninterview und Gruppendiskussion nicht einheitlich systematisiert und definiert werden (Lamnek, 2005). Ein grober Unterschied zwischen Gruppen-Interviews und Gruppendiskussion wäre nach Flick, dass die Steuerung der Befragende bei Gruppen-Interviews etwas stärker als bei Gruppendiskussion ist (Flick, 2007). Lamnek bezeichnet im Jahr 2005 Focus-Groups als spezifische Form von Gruppeninterviews, während zum Beispiel Flick (1995) Focus-Groups und Gruppeninterview als zwei nebeneinander stehende Techniken von Gruppenverfahren unterscheidet. Es ist schon wichtig an dieser Stelle zu betonen, dass Focus-Groups und Gruppeninterviews anonym seien. Also weicht der andere zu dem anderen kein ein bisschen.
Im allgemein ermöglichen Gruppenverfahren wie Focus-Groups, Gruppeninterview und Gruppendiskussion, den Zugang zu Daten, die ohne den Austausch zwischen den Teilnehmern der G
Inhaltsverzeichnis
2. Einleitung
3. Entstehung und Verbreitung der Focus-Groups
4. Zielsetzungen und Einsatzmöglichkeiten von Focus-Groups
4.1 Focus-Groups als exploratives Design
5. Umsetzungsstrategien : traditionelle oder virtuelle Focus-Groups
6. Methodische Durchführung einer Focus-Group
6.1 Problemdefinition bzw. Formulierung von Forschungsfragen
6.2 Bestimmung der Gruppen
6.3 Auswahl und Ausbildung von Moderatoren
6.4 Produktion von Leitfaden und Input
6.5 Pre-Test
6.6 Rekrutierung der Teilnehmer
6.7 Durchführung der Diskussion
6.8 Datenanalyse und Interpretation
7. Fallbeispiel: die bedeutende Rolle der Moderation
8. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die methodischen Anforderungen und Einsatzmöglichkeiten von Focus-Groups in der empirischen Sozialforschung, mit dem Ziel zu klären, für welche Forschungsdesigns sich dieses Instrument besonders eignet.
- Historische Entwicklung und Verbreitung von Focus-Groups
- Abgrenzung und Definition der Methode im Kontext von Gruppenverfahren
- Systematische Darstellung der methodischen Durchführung einer Focus-Group
- Gegenüberstellung von traditionellen und virtuellen Umsetzungsstrategien
- Analyse der Moderationsrolle als kritischer Erfolgsfaktor in Konfliktsituationen
Auszug aus dem Buch
6.7 Durchführung der Diskussion
Focus-Groups sollen an neutralen Orten durchgeführt werden, in zum Beispiel einem abtrennbaren Restaurantsaal. Es geht darum Teilnehmer nicht zu beeinflussen. Die Umgebung spielt in dem Ergebnis der Daten eine sehr große Rolle; der Ort muss ruhig und ungestört sein, damit Teilnehmer sich problemlos konzentrieren können. In manchen Ländern wie in den USA besitzen manchen Marktforschungsinstitute speziellen eigenen Sitzungszimmern mit einer Spiegelwand, damit Teilnehmer nicht von Videokamera abgelenkt werden.
Zusammengefasst ist sehr wichtig eine entspannte, aber auch konzentrierte Atmosphäre zu schaffen. Der Erfolg einer Focus-Group ist letztlich die Diskussionsleitung des Moderators, das heißt, dass der Moderator eine reine extrem wichtigen Rolle bei der Durchführung einer solchen Verfahren. Wenn der Moderator versagt, dann besteht die Möglichkeit, dass das Projekt selbst zugrunde geht. Die Rolle und die Handlungsmöglichkeiten des Moderators im Fall von Konfliktsituation wird in dem nächsten Kapitel anhand eines Fallbeispiels näher erklärt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung verortet Focus-Groups als junge Forschungsmethode innerhalb der empirischen Sozialforschung und diskutiert definitorische Abgrenzungen zu Gruppendiskussionen und Gruppeninterviews.
Entstehung und Verbreitung der Focus-Groups: Dieses Kapitel zeichnet die methodische Historie von den Anfängen in der sozialpsychologischen Forschung bis zum heutigen Boom im deutschsprachigen Raum nach.
Zielsetzungen und Einsatzmöglichkeiten von Focus-Groups: Hier werden die vielfältigen Anwendungsbereiche und die explorative Rolle von Focus-Groups in verschiedenen Forschungsphasen analysiert.
Umsetzungsstrategien : traditionelle oder virtuelle Focus-Groups: Das Kapitel vergleicht die Vorteile und Implementierungshürden von klassischen Vor-Ort-Verfahren gegenüber modernen, technologiegestützten virtuellen Diskussionsformaten.
Methodische Durchführung einer Focus-Group: Dieser Abschnitt beschreibt systematisch den Ablauf einer Focus-Group von der Problemformulierung über die Rekrutierung bis zur Datenauswertung.
Fallbeispiel: die bedeutende Rolle der Moderation: Anhand eines Forschungsprojekts zur Energieeffizienz werden Konfliktszenarien analysiert und Strategien für Moderatoren abgeleitet, um die Qualität der Ergebnisse zu sichern.
Fazit: Das Fazit fasst die Effizienz der Methode für die Exploration unbekannter Themen zusammen und betont die Notwendigkeit einer präzisen Planung und Moderationskompetenz für valide Ergebnisse.
Schlüsselwörter
Focus-Groups, Qualitative Sozialforschung, Gruppendynamik, Moderation, Exploratives Design, Datenerhebung, Markt- und Meinungsforschung, Virtuelle Focus-Groups, Emische Daten, Etische Daten, Transkription, Inhaltsanalyse, Forschungsmethodik, Konfliktmanagement, Validität
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema der Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung von Focus-Groups als qualitative Forschungsmethode und beleuchtet deren Rolle innerhalb verschiedener Forschungsdesigns.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentral sind die historische Entstehung, die methodische Durchführung, der Vergleich von virtuellen und traditionellen Formaten sowie die Bedeutung der Moderation.
Was ist das primäre Ziel dieser Untersuchung?
Es soll geklärt werden, für welche Forschungsdesigns Focus-Groups als Instrument der Datenerhebung besonders geeignet sind und welche Anforderungen an ihre Durchführung gestellt werden.
Welche wissenschaftliche Methodik wird für die Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der Auswertung bestehender Forschungsansätze zur Anwendung und Qualitätssicherung von Focus-Groups.
Welche Inhalte umfasst der Hauptteil?
Der Hauptteil behandelt die methodische Systematik, Umsetzungsstrategien, die Analyse von Datenerhebungsinstrumenten und die Moderationspraxis bei Konflikten.
Welche Keywords charakterisieren diese Arbeit am besten?
Neben dem Hauptbegriff Focus-Groups sind Begriffe wie Exploratives Design, Gruppendynamik, Moderation und Qualitative Sozialforschung zentral.
Warum ist die Wahl zwischen traditionellen und virtuellen Focus-Groups kritisch?
Die Entscheidung beeinflusst Faktoren wie die Teilnehmerreichweite, die Anonymität, aber auch die Qualität der nonverbalen Kommunikation und damit die Validität der Ergebnisse.
Wie wichtig ist die Rolle des Moderators für den Erfolg einer Sitzung?
Der Moderator ist entscheidend, da er eine offene Diskussionsatmosphäre schaffen, Konflikte steuern und die Gruppe auf den inhaltlichen Fokus konzentrieren muss, ohne die Ergebnisse durch eigene Meinungen zu beeinflussen.
- Arbeit zitieren
- Rodrigue Bienvenue Nanfack (Autor:in), 2013, Forschungsdesign mit Focus-Groups, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232858