Angstfragebögen in Bezug auf Schulangst


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

42 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Definitionen
1.1 Angst
1.2 Schulangst

2 Was ist Angst?
2.1 Angststörungen
2.2 Panik

3 Entstehung von Angst

4 Entstehung von Schulangst

5 Schulangst und Lernerfolg

6 Körperliche Symptome und Verhaltensmuster

7 Lösungsvorschläge für das Problem der Schulangst

8 Was kann man gegen Schulangst tun?

9 Wie lässt sich Angst erfassen?

10 Anhang
10.1 Der Schulangstfragebogen für Kinder
10.2 Die Prüfungsskala für Kinder
10.3 Die allgemeine Angstskala für Kinder
10.4 Probleme bei der Anwendung der Skalen durch Lehrer
10.5 Der Angstfragebogen – Angststörungen selbst erkennen
10.5.1 Fragen zur Panikstörung
10.5.2 Fragen zur generalisierten Angststörung
10.5.3 Fragen zur Agoraphobie
10.5.4 Fragen zur sozialen Phobie
10.5.5 Fragen zur spezifischen Phobie

11 Literatur für Eltern und Lehrer / Infoadressen

12 Literaturverzeichnis

1 Definitionen

1.1 Angst

Angst ist ein sehr komplexes Phänomen, welches sich nicht nur anhand der vielen verschiedenen Möglichkeiten der Ursachen zeigt, sondern auch in den vielfältigen Definitionen. So findet sich selbst innerhalb der Psychologie keine einheitliche Begriffsbestimmung. Die Psychoanalyse nach FREUD beispielsweise definiert Angst als „Affektzustand, der aus einer Erregungssteigerung, aus Reaktionen zur Abfuhr dieser Erregung, aus der Wahrnehmung dieser Erregung und ihrer Abfuhr und aus einem, den Verlauf begleitenden Unlusterlebnis besteht “ (KROHNE 1981).

Eine weitere Definition, die eher kognitiv ausgerichtet ist, findet sich bei ESSER, wo Angst beschrieben wird „als ein emotionaler Zustand des Organismus, bestimmt durch einen als betont unangenehm erlebten Erregungsanstieg angesichts der Wahrnehmung einer komplexen und mehrdeutigen Gefahrensituation, in der eine adäquate Reaktion des Individuums nicht möglich erscheint “ (ESSER 1978).

Ebenso kann man Angst definieren als einen „Spannungszustand mit somatischen, psychischen und motorischen Reaktionen, der durch die Antizipation, die aktuelle Empfindung oder die Erinnerung gekennzeichnet ist“ (GRAEBE 1992).

Die wesentlichen Grundzüge der Angst sind nach GROSSMANN und WINKEL (1977) folgende:
- „Anthropologische“, dies bedeutet, dass Angst eine erlernte Verhaltensweise ist (da z.B. nicht alle Menschen in der gleichen Situation Angst haben) und daher vermeidbar.
- „Situative“, es sind immer Außenreize nötig, damit Angst ausgelöst wird.
- „Komplexe“, Angst ist ein komplexes Phänomen, d.h. nicht monokausal.
-„Neurotisierende“, Angst führt zu Verhaltensstörungen.
- „Konflikthafte“, es besteht ein Konflikt zwischen Ich und Über-Ich (Ich und Über-Ich sind aus dem Instanzenmodell nach FREUD entnommen).

Hier soll ein grober Überblick der verschiedenen Aspekte der Angst gegeben werden. Es sollen und können an dieser Stelle nicht alle Definitionen zum Thema Angst aufgezählt werden. Vielmehr soll versucht werden, eine gewisse Gemeinsamkeit in der Begriffsbildung zu finden. Dabei fällt auf, dass es eigentlich nur wenige Übereinstimmungen gibt, die sich darauf beziehen, dass Angst mit einer Erregungssteigerung verbunden ist und dass dieser Zustand äußerst unangenehm ist. Alle weiteren Komponenten der Begriffsbestimmungen sind gekennzeichnet durch die verschiedenen psychologischen Ansätze und dementsprechend unterschiedlich.

Umso erstaunlicher ist es daher, dass andere, der Angst sehr ähnliche Konstrukte, wie z.B. Furcht oder Phobie, in der Literatur relativ eindeutig dargestellt sind. So lässt sich die Furcht dadurch beschreiben, dass sie auf konkrete Objekte bezogen und nicht, wie die Angst, sehr unbestimmt ist. Daher sind die Reaktionsmöglichkeiten bei Furcht auch wesentlich bewusster und angepasster, wohingegen sie bei der Angst oft wahllos und unangemessen erscheinen. Angst ist häufig dadurch gekennzeichnet, dass die Stimuluskonfiguration mehrdeutig ist, d.h. die Art, Intensität oder der Auftretenszeitpunkt der Gefahr können nicht eindeutig bestimmt werden oder die Informationen über die Situation sind zwar eindeutig, aber eine angemessene Reaktion ist in diesem Moment nicht möglich (KROHNE 1981; SCHLUNG 1987).

Dies lässt sich besser an einem Beispiel verdeutlichen: Wenn ich kurz vor einer sehr wichtigen Prüfung stehe, weiß ich meist noch nicht, welche Anforderungen bezüglich der Aufgabeninhalte und -schwierigkeiten an mich gestellt werden, d.h. die Situation ist für mich sehr unklar. Ebenso ist keine angemessene Reaktion möglich, da ein Ausweichen mit Sicherheit negativere Konsequenzen nach sich ziehen würde, als sich der Situation auszusetzen. In diesem Moment empfinde ich dann keine Furcht, sondern Angst. Wenn ich aber beispielsweise auf der Straße einem Hund begegne, der nicht angeleint ist und auf mich zugerannt kommt, dann empfinde ich eher Furcht als Angst, da ich für mich mittlerweile angemessene Reaktionsweisen gefunden habe, um die Situation zu entschärfen, indem ich dem Hund sehr selbstbewusst gegenübertrete.

Neben Furcht und Angst wird auch der Begriff der Phobie häufig in der Literatur zur Angstforschung erwähnt. Er stammt aus der Psychoanalyse und beschreibt eine „übertriebene, unrealistische Angst vor Dingen der Umgebung“ (SCHLUNG 1987). Diese Dinge sind Objekte, Orte oder Personen, die normalerweise nicht mit Ängsten in Verbindung gebracht werden. Dies ist dadurch zu erklären, dass bei einer Phobie ungelöste innere Konflikte auf bestimmte Objekte übertragen werden (SCHLUNG 1987). So sind die Ängste vor bestimmten Tieren, wie z.B. Mäusen, die ja vollkommen harmlos sind und daher die Angst objektiv nicht zu erklären ist, eher als Phobien zu bezeichnen.

1.2 Schulangst

Als Schulangst werden diejenigen Angstreaktionen bezeichnet, die im Zusammenhang mit der Schule auftreten. Diese können sich in vielfältiger Form – speziell durch psychosomatische Störungen - äußern. Ihr Ursprung liegt im Wesentlichen in der schulischen Sozialisation. In den immer stärker zunehmenden leistungsorientierten Anforderungen liegt eine der Hauptursachen der Schulangst. Mit dem daraus resultierenden Druck können vor allem die leistungsschwächeren Schüler nicht umgehen. Auch die Geschlechtszugehörigkeit und das soziale / familiäre Umfeld spielen in Bezug auf Schulangst eine tragende Rolle. Die Ängstlichkeit der Schüler hängt von den jeweiligen Schultypen ab.

2 Was ist Angst?

"Wovor hast du denn Angst", ist wohl die häufigste Frage, die Betroffenen von Unwissenden gestellt wird. Dass Angst eine Krankheit sein kann, hat sich in unserer Gesellschaft noch nicht allzu sehr herumgesprochen, da viele Betroffene buchstäblich Angst haben darüber zu reden, Angst haben, für verrückt gehalten zu werden, Angst haben, in eine geschlossene Anstalt gesperrt zu werden. Und noch vor kurzem zählte man Angstpatienten in der Schulmedizin zu den Depressiven. Leider werden auch heute noch viele von ihnen lange Zeit falsch diagnostiziert.

Angst ist ein Gefühl, das wohl jedem Menschen bekannt ist. Grundsätzlich kann sie wohl als ein unangenehm empfundenes Gefühl von Bedrohung beschrieben werden. In diesem Rahmen hat Angst durchaus auch eine nützliche Funktion, da sie ein Alarmsignal ist, das Aktivitäten zur Beseitigung einer Gefahr auslösen kann. Nach Beseitigung dieser Bedrohung sollte auch die Angst verschwinden.

Angst ist eine der häufigsten psychischen Störungen. Bei etwa 10% der Allgemeinbevölkerung findet sich Angst in einem behandlungsbedürftigen Ausmaß.

Aber wann ist diese Angst nun krankhaft? Wenn einzelne oder alle Symptome völlig unbegründet oder ohne erkennbaren Grund auftreten.

Angsterkrankungen unterteilt man in "Angststörungen" und "Panik".

Bei Angststörungen kommt der Auslöser einer Panikattacke von außen. Beispiel: Ein Mann möchte einkaufen gehen. Um das Geschäft zu erreichen muss er einen großen Marktplatz überqueren. Der Anblick dieses weiten Platzes löst bei ihm eine Panikattacke aus à weiter Platz = äußerer Auslöser.

Bei Panik kommt der Auslöser einer Panikattacke von innen. Beispiel: Eine Frau sitzt mit Freunden in einem Biergarten. Weder der Anblick des großen Gartens noch die vielen Menschen lösen eine Panikattacke bei ihr aus. Plötzlich verspürt sie Beklemmungsgefühle auf der Brust, die eine Panikattacke auslösen à Beklemmungsgefühl = innerer Auslöser.

2.1 Angststörungen

"Angststörung" ist der Sammelbegriff, der viele Formen der Angst beinhaltet: Höhenangst, Phobien (z. B. Spinnenphobie), Platzangst, soziale Angst und generalisierte Angst.

Höhenangst:

Hierzu zählt man die Angst auf hohe Türme zu steigen oder auf einen Balkon im 10. Stock zu gehen. Angst den Boden unter den Füßen zu verlieren.

Phobien:

Den Begriff Spinnenphobie kennen sicher alle Menschen. Es ist eine extreme, überspitzte Angst vor Spinnen. Allgemein ist die Angst vor Spinnen ganz natürlich, geht man davon aus, dass es giftige Spinnen gibt, deren Biss sogar tödlich wirken kann. Bei der Spinnenphobie reagieren die Betroffen mit Symptomen der Angst. Diese Angstsymptome treten auch dann auf, wenn es sich um eine nachweislich nicht giftige Spinne handelt. Diese Angst ist eigentlich völlig grundlos.

Platzangst:

Die Platzangst unterteilt man in "Agoraphobie" und "Klaustrophobie".

Bei der Agoraphobie handelt es sich um Angst vor großen Räumen und weiten Plätzen. Die Betroffenen meiden weite, unübersichtliche Orte wo es unter anderem zu Orientierungs-schwächen kommen kann.

Bei der Klaustrophobie ist es die Angst vor ge- oder verschlossenen Räumen. Die Betroffenen fühlen sich eingeengt, bekommen keine Luft mehr. Sie fürchten, keine Fluchtmöglichkeiten zu haben. Aber auch das Warten in einer Schlange vor der Kasse oder im Stau und das Fahren in einem Aufzug zählt ebenfalls zur Klaustrophobie.

soziale Angst:

Diese Form der Angst bezieht sich auf den direkten Umgang mit Menschen. Angst vor anderen Menschen zu reden. Angst im Mittelpunkt zu stehen oder einen Fremden auf der Straße nach dem Weg zu fragen.

generalisierte Angst:

Die Betroffenen dieser Form der Angst fürchten sich vor Allem und Jedem. Sie haben eigentlich ganz normale, gesunde Ängste in die sie sich aber krankhaft hineinsteigern. Da kann eine Panikattacke ausbrechen, weil der Briefträger wie gewohnt an der Tür läutet, denn es könnte ja auch ein Fremder sein. Da kann bei dem Gedanken mit dem Auto fahren zu müssen eine Panikattacke ausbrechen, denn man könnte ja einen Unfall haben.

Bei all den bisher aufgezählten Formen der Angst ist genau genommen kein Grund für die Angst gegeben. Warum sollte man in einem geschlossenen Raum Angst haben, den man doch jederzeit wieder verlassen kann? Warum sollte man vor einem hohen Turm Angst haben, den schon Tausende vor einem bestiegen haben und sicher wieder herunter kamen? Warum sollte man Angst haben, einen anderen Menschen nach dem Weg zu fragen? Warum sollte man vor einer Spinne Angst haben, wenn sie doch nachweislich ungiftig ist?

Auch wenn die Auslöser dieser Ängste für gesunde Menschen nicht nachvollziehbar sind, so können die Betroffenen sie doch klar definieren.

2.2 Panik

Im Unterschied zu den Angststörungen können bei der Panik die Auslöser einer Attacke von den Betroffenen nicht genau definiert werden. Bei Angststörungen können die Betroffenen klar definieren "große, weite Plätze machen mir Angst - geschlossene Räume machen mir Angst - usw." auch wenn sie es oftmals selber albern finden. Bei einem Panikpatienten ist das völlig anders. Die Symptome der Angst treten bei den unterschiedlichsten Situationen auf; mal im geschlossenen Raum und dann wieder nicht - mal auf einem hohen Balkon und dann wieder nicht. Die auslösenden Faktoren sind von keiner Situation bestimmt, die Symptome kommen aus heiterem Himmel ohne einen erkennbaren Grund. Genau genommen haben Betroffene der Panikerkrankung gar keine Angst sondern "nur" die Symptome der Angst. Das macht es den Betroffenen ziemlich schwer, Ärzten gegenüber zu erklären wo ihre Ängste eigentlich genau liegen.

Noch viel schwieriger ist es für die Ärzte bei der Panikerkrankung die richtige Diagnose zu stellen. Die Patienten klagen nicht über Angst vor weiten Plätzen, sondern über Herzrasen oder Stechen in der Brust oder ständige Schwindelgefühle oder permanente Übelkeit im Magen oder, dass sie wie aus einem Zwang heraus, begleitet durch starke Atemnot, immer öfter den Drang nach Flucht verspüren ohne sagen zu können, wovor sie eigentlich flüchten. So erklärt sich sicher auch, warum viele Paniker erst alle möglichen Herz-, Kreislauf- und Magenspezialisten konsultieren, völlig nutzlose Medikamente schlucken, bis dann endlich die Hilfe bringende Diagnose "Panik" erfolgt.

3 Entstehung von Angst

Selten liegt der Erkrankungsbeginn nach dem 45. Lebensjahr. Normalerweise verfügt jeder Mensch über die Bereitschaft angst zu erleben. Ob und wann diese Bereitschaft aber auch zu richtiger Angst wird, hängt dagegen aber von der Person ab. Einige Personen verkraften auch Extremsituationen, z.B. lebensgefährliche Unfälle, Entführungen, Vergewaltigungen oder Misshandlungen, ohne anschließend unter vermehrter Angst zu leiden. Andere dagegen trauen sich nicht mehr unter Menschen, nachdem sie sich durch eine Bemerkung einer Person, die für andere sogar banal wirkte, gekränkt oder angegriffen fühlen. Eventuell liegt das persönliche Ausmaß an „Angstbereitschaft“ zum Teil schon bei der Geburt fest, was man unter dem Begriff „Temperament“ verstehen könnte. Ob sich die Angstbereitschaft vergrößert, gleich bleibt oder abnimmt, hängt im Wesentlichen davon ab, wie die wichtigsten Bezugpersonen des Kindes mit eigenen und fremden Ängsten umgeht. Die Bezugspersonen sollten versuchen, dem Kind Vertrauen in sein eigenes gutes Funktionieren und das Funktionieren der Welt zu vermitteln. Wenn ihnen das gelingt, wird das Kind möglicherweise zu einem überwiegend mutigen, gelasseneren Menschen heranwachsen. Im Gegenzug wird das Kind aber auch von dem Verhalten der Bezugspersonen geprägt, die selbst mit großer Unsicherheit und Angst auf Neues reagieren. Heutiger Ansicht nach erlernen Kinder bereits in den ersten Tagen und Monaten ihres Lebens „Kompetenz im Umgang mit Gefühlsregungen“. Wenn es den Bezugspersonen gelingt ein ängstliches (erregtes) Kind zu beruhigen, spürt es, dass sich Erregungszustände regulieren lassen. Ohne eine solche (wiederholte) Erfahrung bleibt es körperlichen Erregungen (Symptomen) möglicherweise sein Leben lang ausgeliefert. Denn später reichen oftmals kleine Anlässe, um das sowieso schon hohe Erregungsniveau so weit zu steigern, dass es in massive Angst umschlägt. Dies muss von Ärzten und Therapeuten durch „beruhigendes Einwirken“ auf die Betroffenen gewissermaßen „nachgeschult“ werden. In den Familien Angsterkrankter lässt sich oftmals eine regelrechte Angst-Tradition nachweisen, die sich über mehrere Generationen hinweg erstreckt.

4 Entstehung von Schulangst

Bereits Kinder sind häufig von Angsterkrankungen betroffen. In vielen Fällen handelt es sich hierbei um Schulangst. Der Pädagoge Spielberger ist der Meinung, dass bei Schülern Angst entsteht, wenn eine Situation als bedrohend empfunden wird. Bereits die Schulanfänger sind vielen Belastungen ausgesetzt. Die erste Hürde, welche vom Schulanfänger gemeistert werden muss, ist der Schulweg. Des Weiteren wird das Kind in der Schule einem Leistungsdruck ausgesetzt, welcher ihm bisher unbekannt war. Auch Hänseleien von Mitschülern tragen zur Schulangst bei. Das Kind kann Versagensängste, Angst vor Ausgrenzung oder Demütigung entwickeln, welche die Situation verstärken. Im Zusammenhang mit Schulangst findet man ebenfalls Trennungserlebnisse, d.h. Angst des

Kindes vor dem Verlassenwerden und panische Trennungsangst, welche auf eine übermäßige Bindung an die Mutter zurückzuführen ist. Diese Faktoren machen einen Schulbesuch für das Kind oder den Jugendlichen nahezu unmöglich. Die Angst kann beim Kind bereits auftreten, wenn es die elterliche Wohnung verlassen soll. Elterliche Strenge, gutes Zureden oder Beruhigung helfen meist nicht.

Das „schulphobische“ Kind ist dadurch charakterisiert, dass es außerordentlich starke Angst durchmacht, wenn es zur Schule gehen muss, dass es nur mit ungewöhnlichen Maßnahmen dazu gebracht werden kann, dahin zu gehen und zu bleiben. Meistens ist das offensichtlichste Kennzeichen dieser Art von Angst die Unfähigkeit des Kindes, sich von seinen Eltern zu trennen. Weniger offensichtlich, aber doch auffallend ist die Entfaltung von Abhängigkeit und Feindseligkeit auf Seiten des Kindes gegenüber dem Elternteil, der es dazu zu bringen versucht, zur Schule zu gehen und dort zu bleiben. In Falle des schulphobischen Kindes, das die Schule zum erstenmal betritt und buchstäblich keine Erfahrung in der Schule hat, fragt man sich, ob es angebracht ist, von einer Schulphobie zu sprechen. Es ist eher der Vorgang der Trennung als die Vorstellung von Schule, die der Reaktion unmittelbar vorausgehen. Man kann vermuten, dass die Geschichte der Angst eines solchen Kindes verbunden war mit Trennungserfahrungen und dass der Schulbeginn lediglich eine neue Gelegenheit darstellt, einen Konflikt zwischen Eltern und Kind hervorzurufen.

Bei der Schulphobie sind also die Ursachen sowohl im familiären Umfeld, als auch auf Probleme in der Schule zurückzuführen. Bei der Schulangst kommt es zu einer Ausweichung des Kindes oder Jugendlichen vor Schulsituationen aus Angst vor Kränkung. Das Kind entwickelt ein schulverweigerndes Verhalten, wie z.B. Schuleschwänzen. Sofern dieses Verhalten ein bestimmtes Maß überschreitet, liegt bei diesen Kindern und Jugendlichen oft eine mangelnde Gewissensausprägung vor. Bei diesem Ausweichverhalten (eine Anpassungsstörung) wird eine gewollte angenehme Verhaltensweise, wie Fußball oder ins Kino gehen, einer schulischen Leistungssituation vorgezogen. Das betroffene Kind merkt zunächst durch sein Verweigerungsverhalten eine gefühlsmäßige Erleichterung, da die angstauslösenden Situationen wegfallen. Später können aber Schuldgefühle auftreten, da die Erwartungshaltung der Eltern nicht mehr erfüllt werden kann. Wenn ein Schüler erst einmal in den Regelkreis (Circulus vitiosus) der Angst hineingekommen ist, gibt es kaum mehr Möglichkeiten daraus zu entkommen.

Kinder, die unter Schulangst leiden, fürchten sich vor Demütigungen, Ausgrenzungen und Diskriminierungen. Zu den verständlichen Gründen gehören z.B. Leistungs- und/oder körperliche Defizite und/oder chronische Erkrankungen. Diese Kinder fürchten sich also vor realen Dingen - oft leiden sie zusätzlich unter Schuldgefühlen, da sie möglicherweise den Erwartungen der Eltern nicht entsprechen.

Phobien hingegen sind stärkste Angstzustände vor bestimmten Objekten oder Situationen. Die Schulphobie ist eine Sonderform, bei der die Kinder in panischer Furcht den Schulbesuch vermeiden. Der Grund dafür liegt häufig in Trennungserlebnissen und panische Trennungsangst, die einen Schulbesuch für das Kind oder den Jugendlichen nahezu unmöglich machen. Die Ursachen sind also, im Gegensatz zur Schulangst, im familiären Umfeld zu suchen. Durch Probleme in der Schule wie Versagensängste oder Diskriminierungen durch andere Schüler kann die Situation noch verstärkt werden.

Regelkreis: Angst à schlechte Schulleistungen à mehr Angst à noch schlechtere Schulleistungen.

Von der Schulphobie wird allgemein angenommen, sie sei anderen Phobien der Kindheit ähnlich, indem die Angst des Kindes oder seine pathologische Furcht von einer tieferliegenden Konfliktquelle auf die Schule verschoben wurde.

5 Schulangst und Lernerfolg

Das Problem der Schulangst ist, dass sie meistens negative Auswirkungen auf den Lernerfolg hat. Positive Auswirkungen auf den Lernerfolg sind eher selten. In der Waldorfpädagogik tritt Schulangst eher selten auf, da kaum Leistungsdruck entsteht. Das Gedächtnis spielt hier auch eine Rolle, da sich die Angst dort einprägt. Beim Lernen im ersten Schuljahr entsteht meistens keine Schulangst, da hier noch spielerisch gelernt wird (siehe auch Lernen durch Spielen).

Negative Auswirkungen auf den Lernerfolg

Bei einem Experiment von Spence und Taylor zur Lernleistung hoch- und niedrigängstlicher Kinder durch den Test der Lerngeschwindigkeit verschiedener Gruppen stellte sich heraus, dass Ängstliche wohl schneller lernen als Niedrigängstliche und damit bei leichten Aufgaben mehr Lernerfolg haben, aber dafür bei schwereren Aufgaben im Nachteil sind.

Es ist auch herausgefunden worden, dass ängstliche Kinder kaum in der Lage sind, sich auf Testanforderungen vorzubereiten. Daher erzielen sie bei der Leistungskontrolle durch den Lehrer bessere Erfolge als bei schriftlichen Tests.

Positive Auswirkungen auf den Lernerfolg

Schulangst kann auch positive Auswirkungen auf den Lernerfolg haben. Wenn das Gehirn die Angst nämlich als Signal interpretiert, dass Gefahr droht, setzt zur Bannung der Gefahr eine Leistungssteigerung ein.

Die Methodik des unbewussten und ungezwungenen Lernens wird sich gezielt zu Nutzen gemacht, wie z.B. in der Unterrichtsgestaltung der Waldorfschulen sowie teilweise und mit abnehmender Tendenz in der Unterrichtsgestaltung des ersten Schuljahres in allgemeinen Grundschulen. Folgender Abschnitt beschäftigt sich mit dem speziellen Aspekt des Lernens, der das Verhältnis zwischen Lernen und Spielen darstellt. Dieses Thema beschäftigt sich mit den Möglichkeiten des Lernens. Das Spiel, das mehr oder weniger unbewusst, sowohl Kenntnisse wie Fertigkeiten als auch Verhaltensweisen vermittelt, muss aber, um als Lernmöglichkeit in Frage zu kommen, zuvor erst einmal erlernt werden. So kann man nochmals unterteilen in die Bereiche: "Das Spielen-Lernen" und das "Lernen im Spiel". Das eigentliche Lernen im Spiel ist wesentlich komplizierter und komplexer als das Spielen-Lernen, denn es beschäftigt sich mit dem, was man unbewusst aus dem Spiel lernt. Dieses hängt von zahlreichen Komponenten ab, wie z.B. von dem Niveau, auf dem sich das Spiel befindet (unter oder über dem Wissens- oder Leistungsniveau), oder wie begabt das Kind zur Aufnahme des zu erfassenden Materials ist. Einer der Vorteile dieser Art des Lernens ist, dass auf diese Art und Weise keinerlei Lernangst entstehen kann, was wahrscheinlich auch der Grund ihrer Popularität in den oben genannten Bereichen erklärt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 42 Seiten

Details

Titel
Angstfragebögen in Bezug auf Schulangst
Hochschule
Pädagogische Hochschule Karlsruhe  (Abteilung Pädagogische Psychologie)
Veranstaltung
Begabungsdiagnostik
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
42
Katalognummer
V23286
ISBN (eBook)
9783638264327
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ausführliche, weit ausholende Arbeit (Kommentar Dozent)
Schlagworte
Angstfragebögen, Bezug, Schulangst, Begabungsdiagnostik
Arbeit zitieren
Julia Gerstberger (Autor), 2003, Angstfragebögen in Bezug auf Schulangst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23286

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