Welt ohne Geld

Ausmaße, Motivation und Realisierbarkeit der Idee


Seminararbeit, 2012

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Welt ohne Geld
2.1 Problematik des Geldes und Gegenüberstellung mit bestehenden Alternativen
2.1.1 Dialektik des Fortschrittdrangs
2.1.2 Inselstaat Vanuata mit bargeldlosem Finanzsystem
2.1.3 Individuelle Belastung durch Geld
2.1.4 Geldloses Selbstverwirklichungsmodell in der Konsumgesellschaft
2.1.5 Grund für Abschaffung des Geldes
2.2 Voraussetzungen zur Entstehung einer „Welt ohne Geld“
2.2.1 Bewusstseinsänderung der Menschheit
2.2.2 Abschaffung bestehender Systeme und Ordnungen
2.3 Organisation des neuen globalen Modells
2.3.1 Demokratie als politische Basis
2.3.2 Teilen als wirtschaftliches Prinzip
2.3.3 Arbeit als freiwilliger Beitrag und Möglichkeit der Selbstverwirklichung
2.4 Mögliche Probleme
2.4.1 Ablehnende Haltung der Menschen
2.4.2 Falsche Motivation
2.4.3 Ausfall von Berufsfelder und Stillstand der Entwicklung
2.4.4 Globales geldloses System problematisch
2.5 Lösungsvorschläge
2.5.1 Notwendigkeit von Aufklärung
2.5.2 Technischer Fortschritt durch Motivation

3 Realisierbarkeit und Fazit

4 Quellenverzeichnis
4.1 Internetquellen
4.2 Interviews
4.3 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Ich bin zufrieden, ich habe genug Geld.“ ─ selten hört man in unserer Gesellschaft so einen Satz. Subjektiv betrachtet, besitzt ein jeder von uns „zu wenig Geld“. Dabei handelt es sich bei dem Medium Geld nur um Papier- und Metallstücke, die nicht mehr wert sind, als das Material an sich. Wodurch gleich noch ein sehr relevanter Begriff verwendet wird, der „Wert“. Der Mensch ordnet allem einen bestimmten Wert zu, eine Wichtigkeit, einen Rang in einer gedachten Liste aller Waren und Dienstleistungen die auch Empfindungen wie Liebe, Toleranz und Respekt mit einschließt, welche dieser Liste die letzte Transparenz rauben. Doch letztlich kann niemand tatsächlich urteilen und Dingen ihren Status zu- oder aberkennen. Dennoch erfand der Mensch das Papiergeld, um sich selbst damit zu organisieren. Doch dieses Geld verursacht soziale Unterschiede, Streit und folglich Krieg und Leid, denn wer Geld hat, der hat Macht. Der Mensch ist gierig und verlangt stetig nach mehr, bis schließlich alles im Chaos endet. Im Werk „Faust 2“ von Johann Wolfgang von Goethe bemerkt dieser bereits 1832: „Krieg, Handel und Piraterie, dreieinig sind sie, nicht zu trennen.“1 Hierbei kann Handel als allgemeine Wirtschaft verstanden werden, und diese basiert wiederum auf Geld, obwohl diesem kein realer Wert zugeordnet werden kann. Doch alle akzeptieren es als Zahlmittel, wodurch das System funktioniert. Nun sollte der Mensch nicht als Maschine, die einzig nach Geld strebt, dargestellt werden. Wäre dies der Fall, gäbe es weder Solidarität und Freundschaft noch Kunst. Im Zeitalter, in dem es scheint, mehr zu zählen was man hat, als was man ist, suchen sich die Menschen einen Ausweg, eine Ablenkung. Dies finden wir in den schönen Dingen, die nicht mit Geld bezahlbar sind. Goethe schrieb ebenso durch den Ausspruch des Protagonisten Faust:„Die Tat ist alles, nichts der Ruhm.“2. Laut dieser Aussage ist der Ruhm, also die Bezahlung durch Geld, weniger Wert als die Tat selbst. Befürwortet man dies, stellt sich die Frage, weshalb Geld unser Leben trotzdem so maßgeblich beeinflusst. Was ist dem Menschen in unserer konsumorientierten Gesellschaft Geld „wert“? Wie groß ist die Steuerungsfunktion des Geldes auf unsere Gesellschaft? Folglich dieser Betrachtungen entsteht ein neuer Gedankengang: Ist es möglich, ohne Geld miteinander zu leben? Welche Vorteile, aber auch welche Probleme entstehen und wie realisierbar ist eine „Welt ohne Geld“?

2 Welt ohne Geld

2.1 Problematik des Geldes und Gegenüberstellung mit bestehenden Alternativen

2.1.1 Dialektik des Fortschrittdrangs

Um das eigentliche Thema dieser Arbeit zu erfassen, nämlich der Auseinandersetzung mit der Idee einer geldlosen Welt, gilt es zuvor zu klären, welche Problematik durch Geld heutzutage besteht. Im Zuge der Globalisierung ist das Ziel der großen Industrienationen und Wirtschaftsmächte der wirtschaftliche und technische Fortschritt. Die positiven Seiten dieses Strebens sind offensichtlich: Expansion von Wirtschaft bedeutet finanzielle Sicherung der Industrie und des Staates und verspricht somit „Wohlstand für alle [im eigenen Staat]“3. Primärziel ist also die Anhäufung von Gütern und Diensten zum größtmöglichen Profit und die Bereitstellung einer allgemeinen Sicherheit. Dies ist an sich positiv zu bewerten, doch der Fortschritt heutzutage ist widersprüchlich: Einerseits profitiert die Wirtschaftsnation, andererseits entsteht Fortschritt und Entwicklung oft auf Kosten anderer, weniger stark entwickelter Nationen. Von „gerechtem Wohlstand“ ist dort wenig zu spüren. Dies machen allgegenwärtige Probleme, wie beispielsweise die Massenproduktion und die damit verbundene Arbeiterausbeutung, deutlich. Die Angleichung von Staaten an das globale System des Kapitalismus trägt somit entscheidend zur sozialen Ungleichheit bei.4

Fortschritt in diesem Ausmaß ist nur durch Geldwirtschaft möglich, so nach Creutz:

„Das zähl- und haltbare Geld dagegen, das leicht aufhebbar und transportierfähig war und das die Preise auf einfache Art vergleichbar machte, brachte den Durchbruch zu einer Wirtschaftsentwicklung, ohne die unsere heutige Zivilisation undenkbar ist.“5

Geld ist also Ursache für Fortschritt und Entwicklung, gleichzeitig aber auch die Grundlage für internationale Konkurrenz und Ungerechtigkeit.

2.1.2 Inselstaat Vanuata mit bargeldlosem Finanzsystem

Als utopisch erscheinendes Modell zur vorhergehenden Analyse der globalen Ökonomie wirkt das Wirtschafts- und Finanzsystem des in der Südsee liegenden Inselstaates Vanuatu. Dessen Lebensgemeinschaft basiert auf dem Tauschhandel ohne Geld, bei dem ein großes selbstgezüchtetes Schwein ebenso viel wert sein kann, wie eine schöne Muschel, die der Besitzer kurz zuvor am Strand gefunden hat. Andreas Stummer berichtet in einem Artikel über dieses Phänomen. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass laut einer britischen Studie über die Zufriedenheit der Bevölkerung in einem Land genau dieser Staat global am besten abschnitt.6 Trotz des geringen Fortschritts und der traditionellen Lebensweise, oder gerade aufgrund derer, sind die Menschen glücklich und zufrieden. Industriemächte wie USA, Deutschland oder China lagen im Durchschnitt auf den letzten Plätzen. Die Schlussfolgerung daraus lautet: „Je weniger materiell eine Gesellschaft ist, desto zufriedener ist auch die Bevölkerung.“7 Denn auf Vanuata gibt es aufgrund des Nichtvorhandenseins des Geldes keinen Grund zur Anhäufung von materiellem Besitz und somit keine Konkurrenz und keinen Diebstahl. Vielmehr stehen die gegenseitige Unterstützung und die Zusammenarbeit zum Funktionieren des Stammes im Vordergrund. Das Leben ohne Geld ist also nicht sofort mit physischer oder psychischer Armut gleichzusetzen, und ebenso kann Geld im Volk Unzufriedenheit hervorrufen.

2.1.3 Individuelle Belastung durch Geld

Nicht nur in der Gesamtwirtschaft führt der Faktor Geld zu Problemen, sondern auch die Privatperson ist zur ständigen Auseinandersetzung damit gezwungen. Die oft einhergehende Belastung entsteht in der Marktwirtschaft durch gegenseitigen Konkurrenzkampf, der den ständigen Leistungsdruck steigert. Die Angst vor der Arbeitslosigkeit, und somit der Armut, führt zu Versagensängsten, die bis hin zu ernsthaften Erkrankungen wie Depressionen reichen. Aber nicht nur Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen leiden unter dem selbst auferlegten Druck, auch Spitzenverdiener gehen körperlich wie emotional oft an ihre Belastungsgrenze. Eine Umfrage aus dem Jahr 2009 der Techniker Krankenkasse bestätigt, dass die Sorge um Geld gleich nach Beruf, Studium und Schule der größte Stressfaktor des Bürgers ist.8

2.1.4 Geldloses Selbstverwirklichungsmodell in der Konsumgesellschaft

Da das leistungsorientierte Denken in der

Konsumgesellschaft den Menschen immer mehr als „Arbeitsmaschine“ und nicht mehr als Individuum mit freiem Willen betrachtet, entsagen bereits heute einige Menschen dieser Entwicklung und setzen auf ein geldloses und dafür selbstbestimmtes Leben. Als Protagonistin dieses Aussteigermodells kann Heidemarie Schwermer angeführt werden, die auf nebenstehendem Portrait9 abgebildet ist. Sie hat vor Jahren ihren renommierten, gut bezahlten Beruf als Lehrerin und Therapeutin aufgegeben, ihr Hab und Gut verschenkt und lebt seit 1996 ohne Geld in Deutschland. Ihr Leben bedeutet heute nicht Mittellosigkeit, vielmehr beschreibt sie es als eine neue Lebensmöglichkeit abseits des Konsums, in dem sich ihre Lebensqualität erhöht habe und das Abenteuer ein wichtiger Punkt in ihrem Alltag geworden sei.10 Ihre spirituelle Philosophie lautet, was für sie wichtig sei, komme auch zu ihr.11 Ihr Überleben sichert sie durch Teilen. Die notwendige Nahrung sowie den warmen Schlafplatz erhält sie durch andere „Quellen“ als der des Bezahlens. Beispielsweise hilft sie im Haushalt einer Familie aus, welche ihr hingegen für einige Tage einen Schlafplatz bietet. Schwermer hat Tauschbörsen ins Leben gerufen, die sie „Gib- und Nimm“ nennt, um weitere Menschen gegen den Konsumzwang und die Wegwerfmentalität unserer Gesellschaft zu mobilisieren.12 Auf die Frage, ob sie das Geld als Indikator für die wachsende Unzufriedenheit der Menschen sieht, antwortet sie in einem schriftlich geführten Interview:

„Die "Geldlogik", das was hinter dem Tun fürs Geld steht, ist das Verderbliche in der heutigen Zeit. Könnten wir aufhören, danach zu fragen, was unser Lohn für unser Tun ist, könnten wir einfach Dinge tun, die Freude bereiten, um das zu empfangen, was wir brauchen, aber nicht mehr, wäre das schon ein großer Schritt in eine neue Zeit.“13

Sie bereue ihren krassen Lebenswandel nicht und sieht eine Welt, in der Geld nicht als Primärziel gilt, in der Geld möglicherweise gar keine Rolle mehr spielt, als durchaus denkbar.14

2.1.5 Grund für Abschaffung des Geldes

Geld an sich ist jedoch nichts Verwerfliches. Die Grundaufgabe dessen liegt darin, Tauschvorgänge zu vereinfachen und dem einzelnen Beteiligten die Sicherheit zu geben, dass er einen festgelegten Wertersatz für seine Ware oder Dienstleistung bekommt.

[...]


1 Goethe, Johann Wolfgang von: „Faust, Der Tragödie Zweiter Teil“, Stuttgart 1832, S. 163, Vers 11187 f.

2 ebd., S. 192, Vers 10188

3 Erhard, Ludwig: Wohlstand für alle, Düsseldorf 1957

4 Vgl. Machnig, Matthias: Welchen Fortschritt wollen wir?, Internetquelle1 (Stand: 19.10.2012)

5 Creutz, Helmut: Das Geldsyndrom, Internetquelle2 (Stand: 19.10.2012)

6 Vgl. Stummer, Andreas: „Fast bargeldlos, aber glücklich“, Internetquelle3 (Stand: 19.10.2012)

7 ebd.

8 Vgl. Gangl, Karin/Birkner, Guido: Kundenkompass Stress, Internetquelle4 (Stand: 19.10.2012)

9 O.V.Internetquelle5 (Stand: 19.10.2012)

10 Vgl. Schwermer, Heidemarie: Interview am 29.02.2012

11 ebd.

12 Vgl. Zöch, Irene: Heidemarie Schwermer: Ein Leben ohne Geld, Internetquelle6, Stand: 19.10.2012

13 Schwermer, Heidemarie: Interview am 29.02.2012

14 Vgl. ebd.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Welt ohne Geld
Untertitel
Ausmaße, Motivation und Realisierbarkeit der Idee
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
19
Katalognummer
V232883
ISBN (eBook)
9783656582588
ISBN (Buch)
9783656694076
Dateigröße
585 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
welt, geld, ausmaße, motivation, realisierbarkeit, idee
Arbeit zitieren
Anne Gradl (Autor), 2012, Welt ohne Geld, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232883

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Welt ohne Geld



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden