Eine wissenschaftliche Seminararbeit zur Frage, wie die Risikoeinstellung von Individuen auf dem Finanzmarkt gemessen werden kann. Dabei liegt der Fokus auf der Frage, wie absolute und relative Risikoaversion gemessen werden kann, und welche Formen bei Individuen vorliegen. Daraus werden, entsprechend der Risikoeinstellung, Anlageempfehlungen abgeleitet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Absolute und Relative Risikoaversion
2.1 Grundlagen zu Nutzenfunktionen
2.2 Die Arrow-Pratt-Maße
3 Empirische Untersuchungen zu ARA und RRA
3.1 Der Versuch von Holt & Laury
3.2 Der Versuch von Levy
4 Diskussion
4.1 Vergleich und Analyse der Experimente
4.2 Auswirkungen auf Anlageempfehlungen
4.3 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das menschliche Risikoverhalten und die theoretische Modellierung von Risikoaversion mittels Nutzenfunktionen. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, wie sich die Konzepte der absoluten und relativen Risikoaversion (ARA und RRA) theoretisch definieren lassen und inwieweit diese durch empirische Experimente gestützt werden können, um fundierte Anlageempfehlungen abzuleiten.
- Theoretische Grundlagen der Nutzenfunktionen und Arrow-Pratt-Maße
- Analyse der Hypothesen zu DARA (abnehmende absolute Risikoaversion) und IRRA (steigende relative Risikoaversion)
- Empirische Untersuchung des Experiments von Holt & Laury
- Empirische Untersuchung des Finanzmarkt-Experiments von Haim Levy
- Kritische Diskussion der methodischen Ansätze und Generalisierbarkeit
- Implikationen für die praktische Anlageberatung
Auszug aus dem Buch
3.1 Der Versuch von Holt & Laury
In ihrem Artikel „Risk Aversion and Incentive Effects“ stellen Charles A. Holt und Susan K. Laury ein Experiment vor, das zwei hauptsächliche Zielsetzungen verfolgt: zum einen zu vergleichen, inwieweit hypothetische im Gegensatz zu realen Entscheidungen verschiedene Risikoeinstellungen indizieren, und zum anderen, Risikoeinstellungen zu messen für unterschiedlich hohe Beträge, die auf dem Spiel stehen. Die Unterschiede zwischen hypothetischen und realen Entscheidungen sollen hier nicht im Vordergrund stehen, vielmehr ist von Interesse, was dieser Versuch über die Beschaffenheit von Risikoaversion (bei realen Entscheidungen) aussagen kann.
Das Vorgehen war in diesem Versuch folgendes: Den Probanden wurden zwei Lotterien präsentiert, Option A, welche entweder $2,00 oder $1,60 auszahlt, und die risikoreichere Option B, welche $3,85 oder $0,10 auszahlt. In zehn Runden sollten die Probanden jeweils zwischen den Optionen wählen, wobei in jeder Runde unterschiedliche Wahrscheinlichkeiten für die Beträge vorlagen. In Runde 1 war die Wahrscheinlichkeit für den jeweils höheren Betrag 1/10, für den niedrigeren 9/10; in Runde 2 waren es 2/10 für den höheren und 8/10 für den niedrigeren usw. bis schließlich in Runde 10 der höhere Betrag mit Wahrscheinlichkeit 10/10 = 1 ausgezahlt werden würde. Nach den Entscheidungen wurde für jeden Probanden aus den zehn gewählten Lotterien eine gezogen und gespielt. Im realen Fall wurde der erzielte Betrag dann ausgezahlt, im hypothetischen nicht. In unterschiedlichen Gruppen wurde dieses Experiment mit steigenden Beträgen gespielt, mit dem 20-, 50- und schließlich dem 90fachen (sowohl real als auch hypothetisch).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema Risikoaversion ein, skizziert die wissenschaftliche Relevanz und stellt die methodische Zielsetzung der Arbeit dar.
2 Absolute und Relative Risikoaversion: Dieses Kapitel formalisiert die theoretischen Konzepte der Risikoaversion mithilfe von Nutzenfunktionen und den Arrow-Pratt-Maßen.
3 Empirische Untersuchungen zu ARA und RRA: Hier werden die zentralen empirischen Studien von Holt & Laury sowie von Haim Levy vorgestellt, um die theoretischen Hypothesen DARA und IRRA zu prüfen.
4 Diskussion: Das abschließende Kapitel reflektiert die Experimente kritisch, bewertet deren Ergebnisse hinsichtlich der Anlageempfehlungen und zieht ein Fazit zur praktischen Anwendbarkeit der Modelle.
Schlüsselwörter
Risikoaversion, Nutzenfunktion, Absolute Risikoaversion, Relative Risikoaversion, DARA, IRRA, Anlageempfehlungen, Holt & Laury, Levy, Entscheidungstheorie, Erwartungsnutzen, Finanzmarkt, Behavioral Finance, Portfolioauswahl, Risikopräferenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung der menschlichen Risikoeinstellung und wie diese bei Anlageentscheidungen theoretisch und empirisch erfasst werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die mathematische Formalisierung von Nutzenfunktionen, die Arrow-Pratt-Maße sowie die empirische Überprüfung von Risikoeinstellungen in verschiedenen Experimenten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Hypothesen zur fallenden absoluten Risikoaversion (DARA) und steigenden relativen Risikoaversion (IRRA) theoretisch zu hinterfragen und anhand empirischer Versuche auf ihre Relevanz für die Anlageberatung zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor verwendet eine Literaturanalyse zur theoretischen Herleitung sowie eine vergleichende Analyse bekannter ökonomischer Experimente.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen (Nutzenfunktionen) erarbeitet, gefolgt von einer detaillierten Vorstellung und Analyse der Experimente von Holt & Laury sowie Levy.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Risikoaversion, Nutzenfunktion, DARA, IRRA, Anlageempfehlungen und Behavioral Finance.
Warum spielt die Nutzenfunktion eine so wichtige Rolle?
Die Nutzenfunktion ist das mathematische Instrument, mit dem die Risikoeinstellung eines Individuums objektiv ablesbar und in Modellen darstellbar gemacht werden kann.
Wie bewertet der Autor die Hypothese der steigenden relativen Risikoaversion (IRRA)?
Die Hypothese IRRA wird als sehr umstritten eingestuft; während Holt & Laury sie stützen könnten, lehnt Levy diese Hypothese aufgrund seiner Experimente ab.
Inwiefern unterscheiden sich die Versuche von Holt & Laury und Levy?
Holt & Laury konzentrieren sich auf Lotterien und modellieren durchschnittliche Entscheidungen, während Levy ein Finanzmarkt-Szenario nutzt, in dem Anleger ihr Portfolio über mehrere Perioden aktiv verwalten können.
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- Christopher Zaage (Author), 2012, Bestimmung der Risikoeinstellung und Anlageempfehlung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232983