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Zerfall oder Wandel der Familie?

Die Betrachtung struktureller und familiärer Veränderungen in Deutschland, unter den Aspekten der Individualisierungsthese

Titel: Zerfall oder Wandel der Familie?

Hausarbeit , 2010 , 22 Seiten , Note: 1,2

Autor:in: Laura Straka (Autor:in)

Soziologie - Beziehungen und Familie
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Seit Mitte der 80er Jahre ist in der einschlägigen soziologischen Literatur zunehmend
von der Entstehung einer Risikogesellschaft, dem Wandel familialer Strukturen und einer Pluralisierung der Lebensformen, die Rede. Gestiegene Scheidungsraten und
gesunkene Heiratszahlen, sowie eine tendenziell strukturelle Rücksichtslosigkeit
gegenüber Familien und das hohe Armutsrisiko alleinerziehender Mütter,
sind Teil jener gesellschaftlicher Veränderungen, die als Produkt einer fortschreitenden
Modernisierung betrachten werden. Dabei scheint besonders der
Arbeitsmarkt indirekt eine zweckrationale Haltung der Menschen zu fordern und
soll deshalb den Dreh- und Angelpunkt gesellschaftlicher Individualisierung darstellen. Nach Ulrich Beck haben sich im Laufe der Moderne
die Wahlmöglichkeiten und Chancen zur eigenen optimalen Lebensgestaltung
- unabhängig von sozialer Herkunft und Schichtzugehörigkeit - deutlich
erhöht. Diese Freiheit gestaltet sich jedoch ambivalent. Sie geht mit dem Verlust
der Sicherheit und Stabilität privater Beziehungen einher. Das vergesellschaftete
Individuum ist gezwungen die eigene Biographie aktiv so zu entwerfen,
dass sich sein Lebenslauf optimiert. Es entstehen sogenannte „Patchwork“- Biographien, die aus verschiedenen
Lebensphasen zusammengebastelt werden. Diese Sequenzen auf den Lebensrhythmus
eines anderen Menschen abzustimmen, wird bei zunehmender
Mobilitäts- und Aufwandserfordernis immer schwieriger, was nach Beck, in der
gegenwärtig postmodernen Gesellschaft zu einem Wandel privater Beziehungen
führt. Häufig wird der Zerfall der industriellen Kleinfamilie, also der stabilen
Beziehung zwischen den in einem Haushalt lebenden Ehepartnern und ihren
Kindern, proklamiert. Aber kann durch den Verlust von
Traditionen und Klassenbindungen wirklich eine generellen Bindungslosigkeit
und eine Instabilität privater Beziehungen entstehen, so dass der moderne
Mensch sein Leben tendenziell alleine verbringt? Oder produziert der fortschreitende
soziale Wandel lediglich neue Plurale Lebensformen, welche die Individuen
nach ihren eigenen subjektiven Bedürfnissen gestalten können?

Die Beantwortung dieser Fragen beginnt mit der Aufarbeitung historischer, gesamtgesellschaftlicher
Veränderungen in Deutschland, seit dem Zeitalter der
Industrialisierung (2.). Der strukturelle Aspekt behandelt die funktionale Ausdifferenzierung
des Systems und die damit verbundene Auflösung ständischer
Grenzen (2.1.),[...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Modernisierung und funktionale Differenzierung in ihren Anfängen

2.1. Der strukturelle Aspekt

2.2. Der kulturelle Aspekt

3. Individualisierung

3.1. Drei Dimensionen der Individualisierung nach Ulrich Beck

3.2. Die erste Individualisierungsphase der Bundesrepublik Deutschland

3.3. Die zweite Individualisierungsphase der Bundesrepublik Deutschland

4. Risiken einer postmodernen Gesellschaft und die veränderte Lage der Frau

5. Strukturelle Veränderungen der Familie

5.1. Heiratsentwicklung und Scheidungen

5.2. Die Entstehung neuer Lebensformen

6. Schluss

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht den sozialen Wandel der Familie in Deutschland seit der Industrialisierung vor dem Hintergrund der Individualisierungsthese von Ulrich Beck, um zu klären, ob von einem bloßen Zerfall der familialen Strukturen oder einer Transformation hin zu neuen, pluralen Lebensformen auszugehen ist.

  • Historische Entwicklung der Modernisierung und funktionalen Differenzierung
  • Analyse der Individualisierungsprozesse nach Ulrich Beck
  • Einfluss gesellschaftlicher Risiken und veränderte Erwerbslage von Frauen
  • Strukturelle Dynamiken in Bezug auf Heirats- und Scheidungsverhalten
  • Pluralisierung privater Lebensformen in der postmodernen Gesellschaft

Auszug aus dem Buch

3.1. Drei Dimensionen der Individualisierung nach Ulrich Beck

Die Individualisierung von Menschen und ihren Lebenslagen beginnt mit der Freisetzung aus traditionalen Bindungen und historisch vorgegebenen Sozialformen. Damit wird ein Transformationsprozess in Gang gesetzt, der die kulturelle Lebenswelt des Menschen, welche die erfahrbare Lebensrealität, sowie den Lebenslauf des Einzelnen bedingt, verändert und eine Pluralisierung von Lebensformen begünstigt (Beck 1986,S.206). Die zweite Dimension beschreibt Beck als eine unmittelbare Folge der Freisetzung. Das Individuum gewinnt nicht nur die Freiheit, sein Leben ohne Vorgaben selbst gestalten zu können, es verliert gleichzeitig an Handlungssicherheiten, die ihm durch traditionale Werte und Normen vorgegeben waren, ohne das eine reflexive Eigenleistung notwendig gewesen wäre. Orientierungslosigkeit und Stabilitätsverlust, sowie der zunehmende äußere Druck durch die Anforderungen der Moderne stellen das Individuum vor neue Risiken (Beck/Beck- Gernsheim 1994, S.12). Die Lücke, welche die Abkehr von vielen Traditionen hinterlässt, wird - in der dritten Dimension - durch die Entstehung sekundärer, moderner Institutionen, wie den Massenkonsum, Massenwohlstand, Bürokratie, soziale Absicherung etc. gefüllt. Diese neuen sozialen Gebilde reintegrierten den Menschen zwar zurück in die Gesellschaft und bieten ihm mehr Sicherheit, sie maximieren jedoch auch seine Abhängigkeit zum System und zwingen ihn zur permanenten Teilnahme an einer aktiven Lebensgestaltung (Scherger 2007, S.30f; Beck/Gernsheim 1994,S.35). Individualisierung verändert deshalb nicht nur die objektiven Lebenslagen der Menschen und mit ihnen die soziale Ordnung, sie bedingt außerdem das Bewusstsein jedes Einzelnen, so dass sich neben Bedürfnissen und Erwartungen auch das soziale Verhalten und Alltagsroutinen verändern (Beck 1986,S. 207).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die soziologische Debatte um die Risikogesellschaft und den Wandel familialer Strukturen ein, wobei die zentrale Frage nach dem Zerfall oder der Neuformierung privater Beziehungen gestellt wird.

2. Modernisierung und funktionale Differenzierung in ihren Anfängen: Dieses Kapitel erläutert die historischen strukturellen und kulturellen Veränderungen seit der industriellen Revolution, die zur Ablösung ständischer Grenzen und zur Etablierung des Normallebenslaufs führten.

3. Individualisierung: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Individualisierungsthese nach Ulrich Beck dargelegt und die zwei Phasen der Individualisierung in der Bundesrepublik differenziert.

4. Risiken einer postmodernen Gesellschaft und die veränderte Lage der Frau: Der Abschnitt thematisiert den Übergang zur Risikogesellschaft nach 1973 und die damit einhergehenden Veränderungen in der Erwerbsbiographie und sozialen Lage von Frauen.

5. Strukturelle Veränderungen der Familie: Dieses Kapitel analysiert den Rückgang traditioneller Heiratsmuster, den Anstieg der Scheidungsraten sowie die wachsende Bedeutung neuer Lebensformen wie Alleinlebende und Nichteheliche Lebensgemeinschaften.

6. Schluss: Das Fazit resümiert, dass die Familie als Institution zwar einem Wandel unterliegt, jedoch nicht verschwindet, sondern sich zu einer zweckrationaleren Lebensform entwickelt.

Schlüsselwörter

Individualisierung, Risikogesellschaft, Familie, Modernisierung, Strukturwandel, Lebensformen, Scheidung, Patchwork-Biographien, Postmoderne, Ehe, soziale Identität, Erwerbsbiographie, Pluralisierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den soziologischen Strukturwandel der Familie in Deutschland und hinterfragt, ob die beobachteten Veränderungen einen Zerfall der Institution oder einen Wandel zu neuen Lebensformen darstellen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Individualisierungstheorie nach Ulrich Beck, die Transformation familialer Rollen, der Einfluss des Arbeitsmarktes auf die Lebensplanung sowie der Anstieg alternativer Wohn- und Lebensmodelle.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob der soziale Wandel in eine generelle Bindungslosigkeit führt oder ob er lediglich neue, pluralistische Lebensformen hervorbringt, die den Bedürfnissen der Individuen entsprechen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse soziologischer Standardwerke und empirischer Berichte, um die Individualisierungsthese theoretisch aufzuarbeiten und anhand soziologischer Daten zu verifizieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entwicklung der Modernisierung, die theoretische Herleitung der Individualisierung nach Beck, die Analyse der Risikogesellschaft sowie die Auswertung statistischer Trends zu Heirat und Scheidung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Individualisierung, Risikogesellschaft, Strukturwandel, Patchwork-Biographien und die Pluralisierung von Lebensformen bestimmt.

Wie verändert sich laut Autorin die Rolle der Frau in diesem Kontext?

Die Autorin beschreibt den Übergang von der abhängigen Hausfrauenrolle zur erwerbstätigen Frau, die jedoch mit einer "Risikobiographie" und der Doppelbelastung durch Beruf und Familie konfrontiert ist.

Was bedeutet die "Bastelbiographie" nach Ulrich Beck in diesem Kontext?

Der Begriff beschreibt den Zwang des Individuums, den eigenen Lebenslauf angesichts wegfallender traditioneller Vorgaben aktiv und unter ständiger Reflexion selbst konstruieren und organisieren zu müssen.

Warum steigen laut der Arbeit die Scheidungszahlen?

Scheidungen werden als Folge der verringerten ökonomischen Abhängigkeit der Frau und eines Wertewandels gesehen, bei dem die Ehe nicht mehr als notwendige Konsequenz, sondern als kündbarer Vertrag betrachtet wird.

Wird die Familie in der Arbeit als "tot" erklärt?

Nein, die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der Großteil der Bevölkerung weiterhin in familiären Strukturen lebt, diese jedoch flexibler und weniger starr als in der Vergangenheit gestaltet sind.

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Details

Titel
Zerfall oder Wandel der Familie?
Untertitel
Die Betrachtung struktureller und familiärer Veränderungen in Deutschland, unter den Aspekten der Individualisierungsthese
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Veranstaltung
Seminar
Note
1,2
Autor
Laura Straka (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
22
Katalognummer
V232996
ISBN (eBook)
9783656499176
ISBN (Buch)
9783656499862
Sprache
Deutsch
Schlagworte
zerfall wandel familie betrachtung veränderungen deutschland aspekten individualisierungsthese
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Laura Straka (Autor:in), 2010, Zerfall oder Wandel der Familie?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232996
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Leseprobe aus  22  Seiten
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