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Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Ein Rechtsextremismus der Mitte und seine Ursachen

Titel: Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Ein Rechtsextremismus der Mitte und seine Ursachen

Hausarbeit , 2012 , 17 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Marius Kolloch (Autor:in)

Sozialwissenschaften allgemein
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Rechtsextremismusforschung ist im Hinblick auf die neusten Ereignisse und Entwicklungen in der Bundesrepublik Deutschland ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt. Inzwischen gibt es Unmengen an Datenmaterial aus Umfragen und Studien zu diesem Thema, das, je nach politischer Couleur und Strategie, mal als bedrohlich und mal als harmlos und nicht stichhaltig gelesen wird. Die Komplexität des Themas beginnt aber nicht erst bei den sehr unterschiedlichen Erklärungsansätzen des Phänomens, sie lässt sich bereits in der Definitionsproblematik des Begriffs „Rechtsextremismus“ verorten.

Allein der Streit um die Ursachen rechtsextremer Einstellungen hat dazu geführt, dass einige Autoren inzwischen den Erkenntnisstand einer desolaten Forschungslage praktisch als Null bezeichnen. Doch ist es andererseits überhaupt möglich, eine Erhebung zu diesem Thema auszuwerten und Schlussfolgerungen in Form von Handlungsempfehlungen zu ziehen, ohne die möglichen, wenn auch nicht gesicherten Ursachen zu diskutieren?

In dieser Arbeit sollen die grundlegenden Erklärungskonzepte für sogenannte rechtsextreme Einstellungen vorgestellt und diskutiert werden. Im Mittelpunkt stehen dabei die Ergebnisse aus der Langzeitstudie „Deutsche Zustände“ 2002-2012 des Soziologen Wilhelm Heitmeyer und seines Forschungsteams und auszugsweise auch andere Erhebungen. Insbesondere bei Heitmeyer sind nicht extremistische Gruppierungen und Ideologien von Interesse, sondern die sogenannte „Mitte“ der Gesellschaft und deren Reaktion auf ein „entsichertes Jahrzehnt“ (Heitmeyer). Ausgangspunkt der Arbeit ist die These, dass menschenfeindliche Mentalitäten als Folge von Krisen und der Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse in der Mitte der Gesellschaft zunehmen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zum Begriff des Rechtsextremismus und des Syndroms „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“

2.1 Ausmaß und Verlauf der rechtsextremen Einstellungen und menschenfeindlichen Mentalitäten in der Mitte der Gesellschaft

3. Ursachenkonzeptionen

3.1 Desintegration als Bedrohung und die Abwehr durch menschenfeindliche Einstellungen

3.1.1. Orientierungslosigkeit in Krisenzeiten

3.2 Massenflucht in die Sicherheit – das Konzept der autoritären Reaktion

4. Diskussion der Erklärungsansätze

5. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Phänomen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit in der Mitte der Gesellschaft, um zu klären, wie gesellschaftliche Krisen und individuelle Verunsicherung rechtsextreme Einstellungen begünstigen. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, ob und wie soziale Desintegration sowie autoritäre Reaktionen dazu führen, dass Teile der Bevölkerung anfällig für abwertende Ideologien werden.

  • Rechtsextremismus in der Mitte der Gesellschaft
  • Konzept der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit (GMF)
  • Soziale Desintegration als Ursache für Abwertung
  • Die autoritäre Reaktion als Schutzmechanismus in Krisenzeiten
  • Einfluss sozioökonomischer Faktoren auf Einstellungen

Auszug aus dem Buch

3.2 Massenflucht in die Sicherheit – das Konzept der autoritären Reaktion

Einen sehr aufschlussreichen Ansatz zur Erklärung von zunehmender Menschenfeindlichkeit und rechtsextremistischen Tendenzen in Krisenzeiten entwirft Detlef Oesterreich. Sein Ausgangspunkt ist die Kant'sche Fragestellung: Warum unterwerfen sich Menschen freiwillig einer (autoritären) Herrschaft? Unter Rückgriff auf die Massenpsychologie Le Bons und Freuds entwickelt er das „Konzept der autoritären Reaktion“: „Es gibt eine Orientierung an Autorität, die unabhängig vom Vorhandensein autoritärer Persönlichkeitsmerkmale ist, die vielmehr situationsspezifisch erzeugt wird.“ (Oesterreicher 2001: 281). Ist der Einzelne mit seiner Situation überfordert und im Zuge dessen stark verunsichert, dann flüchtet er sich in den Schutz von Sicherheit bietenden Instanzen, klammert sich an sie und ordnet sich ihnen unter.

Durch diesen Mechanismus werden diese Instanzen (Individuen, soziale Gruppen oder auch Ideen) für das Individuum zu Autoritäten. Damit entsteht „Autorität“ nach Oesterreichs Ansatz im Individuum selbst und ist das „… Ergebnis einer Attribution, deren motivationale Grundlage Angst und Verunsicherung sind.“ (ebd.: 282). Damit grenzt er Autorität zum einen von einem sozial oder gesellschaftlich definierbaren Tatbestand wie z.B. sozialer Schicht oder sozialem Status ab. Sie ist aber auch keine individuelle Eigenschaft, kein spezifisches Vermögen, über andere Herrschaft auszuüben, wie es Le Bon mit seinem „Nimbus“-Konzept beschrieben hat. Die „autoritäre Reaktion“ ist für Oesterreich eine im Sozialisationsprozess verankerte „Basisreaktion menschlichen Verhaltens“ (vgl. ebd.). Im Kindesalter sind die Schutz und Abbau von Angst bietenden Instanzen die Eltern, die dadurch zu einer absoluten Autorität werden, da Kinder aufgrund mangelnder kognitiver Strukturierung ihre Umwelt noch nicht selbst bewältigen können.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Rechtsextremismusforschung ein und stellt die zentrale These auf, dass menschenfeindliche Mentalitäten in der Mitte der Gesellschaft infolge von Krisen zunehmen.

2. Zum Begriff des Rechtsextremismus und des Syndroms „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Begrifflichkeiten und das Konzept der GMF als ein Syndrom, das verschiedene Formen der Ungleichwertigkeit umfasst.

2.1 Ausmaß und Verlauf der rechtsextremen Einstellungen und menschenfeindlichen Mentalitäten in der Mitte der Gesellschaft: Der Abschnitt analysiert empirisch, wie sich feindselige Einstellungen in der politischen Mitte über verschiedene Jahre hinweg entwickelt haben.

3. Ursachenkonzeptionen: Hier werden zentrale theoretische Modelle vorgestellt, die die Entstehung von Vorurteilen und die Abwertung von Fremdgruppen erklären.

3.1 Desintegration als Bedrohung und die Abwehr durch menschenfeindliche Einstellungen: Dieses Kapitel behandelt den Zusammenhang zwischen sozialem Anerkennungsverlust und der daraus resultierenden Abwehrhaltung gegenüber anderen.

3.1.1. Orientierungslosigkeit in Krisenzeiten: Hier wird der Zustand der gesellschaftlichen Anomie und die daraus folgende individuelle Handlungsunsicherheit als Treiber für Abwertungsprozesse untersucht.

3.2 Massenflucht in die Sicherheit – das Konzept der autoritären Reaktion: Das Kapitel erklärt, warum Menschen in Krisenzeiten verstärkt dazu neigen, sich autoritären Strukturen zu unterwerfen, um Sicherheit zu gewinnen.

4. Diskussion der Erklärungsansätze: Dieser Teil reflektiert die vorgestellten Theorien vor dem Hintergrund des aktuellen gesellschaftlichen Wandels und der ökonomischen Krisensituation.

5. Schluss: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und fordert eine Rückbesinnung auf das Individuum sowie einen Bewusstseinswandel hin zu einer integrierten Gesellschaft.

Schlüsselwörter

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Rechtsextremismus, Mitte der Gesellschaft, Desintegration, Anomie, Autoritäre Reaktion, Soziale Anerkennung, Vorurteile, Fremdenfeindlichkeit, Statusverlust, Ideologie der Ungleichwertigkeit, Gesellschaftlicher Wandel, Sozialisation, Prekarisierung, Krisen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht das Erstarken von rechtsextremen und menschenfeindlichen Einstellungen innerhalb der sogenannten Mitte der Gesellschaft unter Berücksichtigung soziologischer Erklärungsmodelle.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?

Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der „Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“, den Auswirkungen sozialer Desintegration und dem Phänomen der autoritären Reaktion in Krisenzeiten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Ursachen für die Zunahme menschenfeindlicher Mentalitäten zu identifizieren und zu diskutieren, wie diese mit der Prekarisierung von Lebensverhältnissen korrespondieren.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?

Die Arbeit basiert primär auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung repräsentativer Langzeitstudien, insbesondere der Reihe „Deutsche Zustände“ von Wilhelm Heitmeyer.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsklärung, die Darstellung von Ursachenkonzeptionen wie Desintegration und autoritärer Reaktion sowie eine kritische Diskussion dieser Ansätze.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF), soziale Anomie, Desintegration, autoritäre Reaktion und die Mitte der Gesellschaft.

Inwiefern spielt der Begriff der „Anomie“ für die Argumentation eine Rolle?

Die Anomie beschreibt den Verlust an gesellschaftlicher Orientierung. Die Arbeit zeigt auf, dass diese Orientierungslosigkeit als psychologische Reaktion auf raschen sozialen Wandel die Anfälligkeit für Abwertungsprozesse erhöht.

Warum ist der Begriff der „Mitte der Gesellschaft“ in dieser Untersuchung so bedeutsam?

Die Arbeit betont, dass rechtsextreme Einstellungen kein reines Randphänomen sind, sondern tief in der Mitte der Gesellschaft verwurzelt sein können, was die Bedrohung für eine demokratische Grundordnung besonders gravierend macht.

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Details

Titel
Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Ein Rechtsextremismus der Mitte und seine Ursachen
Hochschule
Alice-Salomon Hochschule Berlin
Note
1,7
Autor
Marius Kolloch (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
17
Katalognummer
V233064
ISBN (eBook)
9783668320314
ISBN (Buch)
9783668320321
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gruppenbezogene menschenfeindlichkeit rechtsextremismus mitte ursachen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Marius Kolloch (Autor:in), 2012, Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Ein Rechtsextremismus der Mitte und seine Ursachen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233064
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Leseprobe aus  17  Seiten
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