"Lord of War - Händler des Todes". Das Geschäft mit dem Krieg


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

22 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kriegsdarstellungen im Film

3. Das Geschäft mit dem Krieg Eine Analyse am Beispiel des Films Lord of War
3.1 Filmbeschreibung und Analyse
3.2 Das Geschäft mit dem Krieg
3.3 Musik
3.4 Film und Realität
3.5 Die Bürgerkriege in Liberia und Sierra Leone

4. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

"Es befinden sich weltweit über 550 Millionen Schusswaffen im Umlauf. Das heißt, auf diesem Planeten hat jeder zwölfte Mensch eine Schusswaffe. Das führt zu der einen Frage - wie bewaffnet man die anderen elf?"[1]

Mit diesen Worten beginnt der Film Lord of War – Händler des Todes, während der Protagonist Yuri Orlov – Waffenhändler und somit der namensstiftende „Händler des Todes“ – inmitten von abertausenden leeren Patronenhülsen steht und den Weg einer Patrone, von der Herstellung in einer maroden sowjetischen Fabrik, über die Verschiffung nach Afrika, bis hin zum Schuss in den Kopf eines afrikanischen Jungen kommentiert. Das Zitat des fiktiven, jedoch an reale Personen angelehnten Waffenhändlers Orlov, verdeutlicht einerseits die erschreckend hohe Zahl von bewaffneten Menschen auf diesem Planeten, andererseits aber auch die Abgebrühtheit der Waffenhändler bei dieser Zahl nicht zu erschrecken, sondern lediglich zu überlegen, wie man noch mehr Waffen verkaufen könne. Krieg ist schließlich eines: ein sehr lukratives Geschäft. Genau auf diesen ökonomischen Aspekt von Krieg, den Waffenhandel als Geschäft mit dem Leiden anderer Menschen, wird die hier vorliegende Hausarbeit anhand der Analyse des Films Lord of War – Händler des Todes genauer eingehen. Doch nicht nur Waffenschieber und Hehler machen mit Kriegen ihren Gewinn. Spielfilme und Fernsehserien, welche fiktive oder authentische Kriegshandlungen zeigen, sind auch eine Form des Geschäfts mit dem Krieg. Wie kein anderes Genre verbindet der Film Realität und Fiktion und verschafft einerseits brisanten oder unliebsamen Themen ein Publikum und ungehörten Menschen ein Sprachrohr. Andererseits sind jedoch Filmemacher auch nur kommerziell- und erfolgsorientiert denkende Menschen, die sich mit dem „Dauerbrenner“ Krieg ein breiteres Publikum erhoffen. Im Verlauf dieser Hausarbeit wird die Definition dessen, was einen Film zum Kriegsfilm macht herausgearbeitet werden, um am Ende die Frage beantworten zu können, ob der Film Lord of War tatsächlich als solcher eingestuft werden kann. Die vorherige Analyse des Filmes wird sich primär auf die Darstellung des Geschäfts mit dem Krieg, den legalen und illegalen Waffenhandel und die Waffenhändler fokussieren, um den Aspekt „Krieg als Geschäft“ genauer zu beleuchten.

Schließlich ist Lord of War „eine filmische Besichtigungstour […] hinter die Kulissen des illegalen Waffenhandels.“[2]

2. Kriegsdarstellungen im Film

Sind Filme, welche kriegerische Handlungen zeigen und thematisieren automatisch auch Kriegsfilme? Um diese Frage zu beantworten und im weiteren Verlauf der Hausarbeit zu beurteilen, ob Lord of War als Kriegsfilm eingestuft werden kann, muss zunächst die Definition dessen, was einen „Kriegsfilm“ ausmacht, genauer beleuchtet werden.

Horst Schäfer definiert den Kriegsfilm in seinem Buch Kinder, Krieg und Kino – Filme über Kinder und Jugendliche in Krisensituationen wie folgt:

„Als Kriegsfilm werden alle Filme angesehen, die von Kriegen handeln, die zu Zeiten der Geschichte des Films – also beginnend mit dem ersten Weltkrieg – geführt, vom Medium Film reflektiert wurden und über das Kino ihre Öffentlichkeit erreichten. Filme über historische Schlachten vor dieser Zeit […] werden anderen Genres […] zugeordnet.“[3]

Diese sehr allgemein gehaltene Definition von Kriegsfilmen untergliedert Bernhard Chiari in seinem Buch Krieg und Militär im Film des 20. Jahrhunderts weiter in fünf Untergruppen:

1. Wochenschauen und Newsreels
2. Zeitgenössische Dokumentarfilme
3. Retrospektive Dokumentarfilme (Post-war Dokumentationen)
4. Zeitgenössische Spielfilme
5. Retrospektive Spielfilme (Post-war Spielfilme)[4]

Diese fünf Untergruppen lassen sich inhaltlich grob in zwei Rubriken zusammenfassen: Fiktionale und nichtfiktionale Filme.

Dokumentationen, sowie Wochenschauen und Newsreels behandeln authentische, real existente Konflikte bzw. Geschehnisse (wenn auch z.T. in propagandistisch verfälschter Art und Weise).

Spielfilme hingegen haben keinerlei Wahrheitsanspruch, sie können sowohl fiktive, als auch reale Ereignisse darstellen, sowie eine Mischung aus beidem, z.B. indem fiktive Personen vor einem authentischen, historischen Hintergrund agieren. Da der in dieser Hausarbeit thematisierte Film Lord of War definitiv unter die Rubrik „Zeitgenössischer Spielfilm“ einzuordnen ist, werden sich die weiteren Betrachtungen auf den Bereich des zeitgenössischen Kriegsspielfilms beschränken.

Was macht den zeitgenössischen Kriegsfilm aus und welche Merkmale weist er auf?

Der wohl offensichtlichste Aspekt ist die bereits angesprochene Darstellung von Gewalthandlungen, Konflikten und/oder kriegerischen Auseinandersetzungen unter Einsatz von Waffengewalt. In Spielfilmen wird heute ein großes Augenmerk auf den Einsatz von Spezialeffekten und schneller Action gelegt, welche „durch das Erzeugen eines Eindrucks von Authentizität“[5] den Zuschauer in ihren Bann ziehen, und die „Evidenz des Filmes vergrößern“[6] sollen. Auch wenn Kriegsspielfilme oftmals eine fiktive Handlung verfolgen, so suggerieren sie dem Zuschauer gerne das Gefühl der Echtheit und Authentizität.

„Es geht im wahrsten Sinne um Leben oder Tod und immer um das gewaltsame Austragen von Konflikten. Hier zeigen sich die Guten und die Bösen durch Bewährung und Versagen.“[7] Dieses Zitat zeigt deutlich ein weiteres wichtiges Merkmal von Kriegsfilmen: Der Kampf „Gut“ gegen „Böse“.

„[…] die eigene Position wird mit den „Guten“ gleichgesetzt, während die gegnerische Position als das „Böse“ schlechthin dargestellt wird.“[8]

Oftmals liefert der Film klar umrissene Feindbilder[9] - die „Personifizierung negativer Eigenschaften, die dem Gegner zugeschrieben, oder angedichtet werden“[10] – und fördert somit eine schwarz-weiß Moral, welche oftmals kaum Grautöne zulässt: „In der Mehrheit der Kriegsfilme gibt es ein deutliches Gut-Böse-Gefälle. Die feindlichen Soldaten erscheinen meist gesichtslos und stereotyp.“[11]

Diese klaren Feindbilder verwischen jedoch im Untergenre des Kriegsfilms, dem Antikriegsfilm. Dieser hat es sich zur Aufgabe gemacht, über die negativen Auswirkungen des Krieges auf die Menschen auf beiden Seiten der Front zu berichten und weist daher oftmals auch keine klaren Feindbilder oder Abgrenzungen auf. In seiner Intention „über die negativen, verabscheuungswürdigen Seiten des Krieges zu informieren“[12] und „die Sinnlosigkeit des Krieges zum Ausdruck [zu] bringen“[13] ergreift diese Art von Film selten Partei für eine Seite. Es sollen „die Folgen des Krieges für Soldaten und Zivilbevölkerung realistisch in Szene gesetzt“[14] und die „Folgen und Wirkungen des Krieges für die betroffenen Soldaten“[15] dargestellt werden.

Der letzte wichtige Punkt, der bei zeitgenössischen Kriegsspielfilmen zu beachten ist, ist der kommerzielle Aspekt. Filme wollen und sollen unterhalten - auch wenn es paradox erscheint, dienen moderne Kriegsfilme der Unterhaltung der zahlenden Zuschauer. Die Macher der Filme wollen durch eine möglichst realitätsnahe Darstellung eine möglichst breite Öffentlichkeit erreichen. „In einer Zeit, in der immer weniger Menschen als Soldaten physisch in kriegerische Auseinandersetzungen involviert sind, jedoch immer mehr Menschen durch die modernen Bildmedien am Kriegsgeschehen beteiligt werden […]“[16], soll sich der Zuschauer durch „emotional-affektive Erfahrungen“[17] in das Geschehen hineinversetzen können und das Gezeigte selbst erleben.

[...]


[1] Lord of War – Händler des Todes, Andrew Niccol, Entertainment Manufacturing Company,

Ascendant Pictures, Saturn Films, 2005.

[2] Greiner, Rasmus: Die neuen Kriege im Film, Marburg, 2012, S.181.

[3] Schäfer, Horst: Kinder, Krieg und Kino– Filme über Kinder und Jugendliche in Kriegssituationen und Krisengebieten, Konstanz, 2008, S.15.

[4] Chiari, Bernhard: Krieg und Militär im Film des 20. Jahrhunderts, München, 2003, S.6.

[5] Greiner, Rasmus: Die neuen Kriege im Film, Marburg, 2012, S.43.

[6] Greiner, Rasmus: Die neuen Kriege im Film, Marburg, 2012, S.43.

[7] Machura, Stefan (Hrsg.): Krieg im Film, Münster, 2005, S.9.

[8] Machura, Stefan (Hrsg.): Krieg im Film, Münster, 2005, S.33.

[9] Machura, Stefan (Hrsg.): Krieg und Film, Münster, 2005, S.33.

[10] Machura, Stefan (Hrsg.): Krieg und Film, Münster, 2005, S.33.

[11] Greiner, Rasmus: Die neuen Kriege im Film, Marburg, 2012, S.40.

[12] Greiner, Rasmus: Die neuen Kriege im Film, Marburg, 2012, S.111.

[13] Machura, Stefan (Hrsg.): Krieg im Film, Münster, 2005, S.45.

[14] Grimm, Petra/Capurro, Rafael (Hrsg.): Krieg und Medien, Stuttgart, 2004, S.79.

[15] Machura, Stefan (Hrsg.): Krieg im Film, Münster, 2005, S. 13.

[16] Grimm, Petra/Capurro, Rafael (Hrsg.): Krieg und Medien, Stuttgart,2004, S.5.

[17] Grimm, Petra/Capurro, Rafael (Hrsg.): Krieg und Medien, Stuttgart, 2004, S.92.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
"Lord of War - Händler des Todes". Das Geschäft mit dem Krieg
Hochschule
Universität Paderborn  (Historisches Institut Neuste Geschichte)
Veranstaltung
Krieg und Kriegserfahrung im 20. Jahrhundert
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
22
Katalognummer
V233120
ISBN (eBook)
9783656494324
ISBN (Buch)
9783656494102
Dateigröße
566 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Analyse des Films 'Lord of War - Händler des Todes', sowie der in ihm gezeigten bewaffneten Konflikte und Kriege. Besondere Berücksichtigung erfahren dabei die Bürgerkriege in Sierra Leone und Liberia.
Schlagworte
lord, händler, todes, geschäft, krieg, Filmanalyse, Bürgerkriege, Afrika
Arbeit zitieren
Selina Schuster (Autor:in), 2013, "Lord of War - Händler des Todes". Das Geschäft mit dem Krieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233120

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