Der Mensch und Jesus Christus oder Jesus Christus und der Mensch?

Jesus in seiner Bedeutung für das Leben des Menschen in seiner Individualität


Fachbuch, 2013
250 Seiten

Leseprobe

Gliederung

Einleitung

Kapitel 1
Der Mensch, ein autonomes Individuum
Der Mensch – ein Individuum
Das Individuum in der Gesellschaft
Das Individuum in interkulturellen Vergleich
Das Leben eines Menschen
Individuation und Integration
Ich mache das was ich will, lasse mir keine Vorschriften machen
Kommentare aus dem Internet
Probleme in Verbindung mit dem persönlichen Internetverhalten
Persönliche Folgen benannt
Zwischenfazit
Ich lebe mein Leben und ich bestimme mein Leben
Drei Kräfte die unser Leben bestimmen und die möglichen Gefahren
Das Gelassenheitsposter
Das Motivationsposter
Das Problem der Kaufsucht
Ich tue was ich will

Kapitel 2
Wer war oder ist Jesus Christus?
Zur Person Jesus Christus?
Gründe, Beweise und mögliche Fragezeichen
Der ontologische Gottesbeweis
Argumentation
Der kosmologische Gottesbeweis
Thomas von Aquin
Sein Gottesbeweis
Der theologische Gottesbeweis bei Thomas von Aquin
Die sich überall bewegende Welt
Der Kausalitätsbeweis
Der Kontingenzbeweis
Die moderne Variante
Der Stufenbeweis
Der Finalitätsbeweis
Der Teleologische Gottesbeweis
Zum teleologischen Gottesbeweis
Rasterdaten zum Leben von Jesu Christus
Zusammenfassung der wichtigsten Daten
Zusammenfassende Kurzinformationen
Fazit
Steckbrief: Jesus von Nazareth
Kurzinformationen zum Steckbrief von Jesus Christus
Jesus von Nazareth
Christliche Quellen zum Leben Jesu
Jesus und sein Leben
Der Name Jesu

Kapitel 3
Die „Ich – bin – Worte“ im Johannesevangelium
Die sieben „Ich – bin – Worte“ im Johannesevangelium grafisch dargestellt
Einführende Gedanken
Übersicht über die „Ich – bin Worte“
Die Reihenfolge der „Ich – bin Worte“
Zur Reihenfolge der „Ich – bin Worte“
Durch welche Besonderheiten zeichen sich die „Ich – bin Worte“ aus?
Beobachtungen zu den „Ich – bin Worte“
Weiterführende, einleitende Gedanken
Zuordnung der Termini
Begriffsanalyse: Weg, Leben, Wahrheit
Wahrheit und Freiheit in der Bibel
Grundsatzgedanken zu den sieben „Ich – bin Worte“
Die Thora und das damit verbundene Auslegeverständnis
Jesus Christus, das „A“ und „O“ im menschlichen Leben
Jesus Christus, das Licht unserer Welt
Paulus sagt: Ihr seid das Licht der Welt
Jesus und das Gleichnis von Licht und Scheffel
Eine mögliche Interpretation des Gleichnisses

Kapitel 4
Jesus Christus – Leben und Glauben
Glaube und christliche – ethische Werte sind der Schlüssel zu einem erfüllten Leben
Ein Blick auf den Glauben – ein Blick auf Jesus Christus
Christlich – ethische Werte in unserer Religion
Biblische Werte in unserer Religion
Wo finde ich diese christlichen Werte?
Der Glaube verliert in unserer Zeit immer mehr an Bedeutung
Das Leben und der Glaube in unserer Zeit
Werte sind ein Wegweiser des Lebens
Ethik – was ist das?
Interpretation des Terminus „Ethik“
Ethik – Systeme
Sittliche Normen
Moralische Normen
Ziele der Ethik
Was genau sind christliche Werte
Ethische Grundbegriffe im Zusammenhang mit Hilfe einer Grafik dargestellt
Wie handle ich ethisch richtig?
Die Bibel als Grundlage aller christlichen Werte
Lernen Gott zu vertrauen
Vernunft und Gewissen
Sich verändern lassen
Werte die sich lohnen

Kapitel 5
Jesus Christus und die Sicht der Forschung
Leben und Glauben, eine unzertrennbare Einheit?
Exkurs über das Leben der Kirchenlehrerin Hildegard von Bingen
Jesus Christus und seine Bedeutung als Erlöser
Jesus Christus, der Weg zum Ewigen Leben!
Sein Kommen wird vorhergesagt
Jesus Christus – Ankündigungen im Alten Testament
Vorhersagen zum Zeitpunkt der Ankunft des Messias
Vorhersagen zur Familie und Herkunftsort des Messias
Vorhersagen über das öffentliche Leben des Messias
Jesaja kündigt die Wunder des Messias an
Sacharja sagt den Einzug des Retters in Jerusalem vorher
Vorhersagen im Bezug auf das Leiden und Sterben des Messias
Vorhersagen im Bezug auf die Auferstehung und Herrschaft des Messias
Sein (das) leere Grab
Die Auferweckung Jesu und das leere Grab Jesu
Jesus erscheint den Jüngern und in seiner Umwelt
Die Geburtsstunde der christlichen Kirchen
Das verwandelte Leben

Kapitel 6
Sich für Jesus entscheiden
Was muss ich tun?
Das dornenreiche Leben mit Jesus Christus auf dieser Erde, diesem Leben
Offenbarung als Gott der Sohn
Bibelstellen
Was würde Jesus an unserer Stelle tun?
Vielleicht Menschen enttäuschen?
Hinweis auf die Bergpredigt, Matthäusevangelium, Kapitel 5, Vers 21 – Vers
Jesus setzt neue Maßstäbe
Sich wieder Gegner machen?
WWJD – what should Jesus do?
Glaube und christliche Werte sind die Schlüssel zu einem erfüllten Leben
Hat die Entscheidung für Jesus Auswirkungen auf mein Leben
Schuld in ihren unterschiedlichen Formen angesprochen
Der normative und der psychologische Schuldbegriff
Die Bibel kennt den Begriff Vergebung
Vergebung und die unterschiedlichen Inhalte bei Vergebung
Hintergrund der Vergebung
Konsequenzen für mein Leben mit Jesus Christus
Bewusstwerdung von Schuld
Erkenntnisse für das eigene Leben
Jesus ist von den Toten auferstanden
Der zerstörende, rächende und zerstörende Gott
Die Heimsuchung Jerusalems – ein Beispiel der Bestrafung durch Gott
Die Sintflut – ein Beispiel der Bestrafung durch Gott
Vergebung heißt immer Umkehr und Sündenbekenntnis
Das neue Leben im Glauben bringt neue Lebensinhalte alte und neue Lebensinhalte grafisch dargestellt
Konsequenzen für ein Leben mit Jesus
Sein Leben und seine Botschaft führen zu Veränderungen
Veränderungen im persönlichen Leben
Nächstenliebe und das damit verbundene wichtigste Gebot
Versöhnung
Das neue Leben im Glauben bringt auch neue Lebensinhalte
Jesus persönlich kennen lernen
Die Bedeutung von Jesu Kreuz
Exkurs: Für uns gestorben!? Die Heilsbedeutung des Kreuzes – Todes Jesu Christi, ein Vortrag von Prof. Dr. Wilfried Härle
Vor deinem Kreuz
Glaube sprengt Grenzen!
Was andere über Jesus sagen

Fazit: Jesus setzt für unser Leben ganz neue Schwerpunkte
Die Erkenntnis führt zum Bekenntnis

Kreuzwegbilder einzeln mit Bibeltexten

Glossar

Bibelstellen chronologisch geordnet

Grafiken im Überblick

Bildnachweis

Literaturverzeichnis

Biografie

Einleitung

Verehrte Leserin, verehrter Leser,

Sie haben sich ein Buch gekauft, das sich in einer sehr schlichten aber doch in einer verständlichen Sprache mit der Person Jesu auseinandersetzt. Warum, so werden Sie sich vielleicht fragen, wurde dieses Buch denn überhaupt geschrieben? Es gibt doch schon so viele und auch gute Bücher über Jesus und sein Leben; die Antwort auf diese Frage ist ganz einfach: Es ist ein völlig anderes Buch, hat deutlich zu erkennende, andere Schwerpunkte, denn es geht in diesem Buch darum die Bedeutung von Jesus Christus, die ungeheuere Bedeutung seines Lebens, seines Sterbens und seiner Auferstehung für den einzelnen nach Gott und Jesus fragenden Menschen in der Gemeinde oder auch einfach in unserer Gesellschaft, also dem theologisch nicht „vorbelasteten“ Fragenden, dem Individuum in einer neuen Darstellungsweise verständlich und nachvollziehbar näher zu bringen; dadurch sollen auch mögliche offene Fragen eine Antwort bekommen und neue Gedankenanstöße gegeben werden.

Als dem Autor des Buches geht es mir um die Identifikation mit dem einzelnen Menschen, der Leserin, dem Leser, so sehr sie sich auch von ihren Mitmenschen unterscheiden mögen. Die theologischen Fachbegriffe treten dabei weitestgehend in den Hintergrund, sind dabei schon unbedeutend und nebensächlich, wenn aber auch nicht ganz vermeidbar und zu umgehen, unverständliche oder nur schwer nachvollziehbare Thesen und Meinungen treten ebenso in den Hintergrund, soweit sie für das Verständnis und den alltäglichen Glauben unvermeidbar sind, denn es geht mir primär darum, in einer einfachen Sprache und Form begreiflich zu machen, dass Jesus Christus auf unser aller Leben Einfluss hat, haben kann, haben möchte, gut für jeden Menschen ist und unbedingt in jegliches menschliches Leben, jede Lebensform hinein gehört.

Wie dieses hinein gehören aussieht oder auch aussehen kann, das wird an Hand von unterschiedlichen Schaubildern deutlich gemacht; wenn Sie nun dieses Buch lesen und dabei auch die Schaubilder betrachten, dann ist es sinnvoll, sich innerlich frei zu machen, offen zu sein und in aller Ruhe die aufgeworfenen Fragen und Gedanken für sich selbst in aller Stille, ein türkischer Freund sagte in diesem Zusammenhang zu mir „auf meiner inneren Seite“ zu überdenken, sie für das persönliche Verständnis nachzubearbeiten; es geht nicht darum eine imaginäre Vollkommenheit zu erreichen, sondern um die ganz schlichte Chance, die Wege zu erkennen und zu finden, die uns in unserem ganz persönlichen Leben weiterhelfen können und werden. Nur wer mit Jesus lebt, ihn in sein Leben einbezieht, kann auch seine Hilfe bekommen und sie damit auch deutlich für sich und das persönliche Leben spüren. Der Mensch, sein Leben uneingeschränkt Jesus übergibt, lebt in keiner Weise eingeschränkter, sondern ganz im Gegenteil, er lebt deutlich freier und befreiter.

Ausschließlich auf dieser Grundlage ist dieses Buch zu verstehen. Lassen Sie sich beim Lesen hinein nehmen in die Welt des Glaubens; begleiten Sie mich auf dem Weg der selbstkritischen Infragestellung, der Entdeckung von neuen Fakten und der neuen Erkenntnis von Glaubensgrundlagen; schöpfen Sie mit mir zusammen neue Kraft für Ihr Leben, das wir täglich neu Jesus Christus übergeben wollen.

Noch einen Gedanken zum Schluss: Es war und es ist nicht immer vermeidbar, dass manche Gedanken und Denkanstösse in einem einer Predigt ähnlicher Darstellung erscheinen. Lassen Sie sich davon nicht abschrecken, sondern lesen Sie auch diesen Text in dem Bewusstsein, dass mir auch diese gedanklichen Anregungen wichtig waren und auf diesem Wege verständlich und nachvollziehbar dargestellt werden sollten.

Von Herzen wünsche ich Ihnen nun liebe Leserin, lieber Leser die Kraft und den Segen des lebendigen Gottes beim Lesen und beim sich anvertrauen an unseren Bruder Jesus Christus, in dem sich die Liebe Gottes zu jedem von uns Menschen in allen Zeit widerspiegelt. Gott segne Sie und alle Ihre Lieben!

Günter – Manfred Pracher

Hanau, im September 2013

Kapitel 1 Der Mensch ein autonomes Individuum

Der Mensch – ein Individuum

Ein Individuum (lateinisch – individuum – Unteilbares, Einzelding) ist ein Ding, eine Entität oder einzelnes Seiendes, insofern er von Gegenständen klar unterschieden werden kann, also immer dann, wenn Identitätskriterien angegeben werden können.

Der Terminus „Individuum“ wird im Besonderen auf Menschen angewendet, um sie so als moralische Subjekte zu kennzeichnen; mit diesem Verständnis der Terminus „Individuum“ drückt aus, dass der Mensch als ein Träger von Rechten, Verantwortungen und Pflichten zu verstehen ist.

In diesem Verständnis wird deshalb auch oft von „Individuen“, also von „Personen“ gesprochen. Bei Personen findet sich jedoch eine Konkretisierung insofern, dass der Person darüber hinaus noch individuelle Eigenschaften, Interessen und Besonderheiten von der Bevölkerungsgruppe (Gemeinschaft, Gesellschaft, Kollektiv) der sie entstammen, abgegrenzt und als subjektive Elemente der Persönlichkeit der Individualität zugeordnet werden.

Das Individuum in der Gesellschaft

Mit dem Heraufkommen der besonderen Bedeutung eines jeden Individuums entstanden Begriffe wie Masse und Persönlichkeit. Individuen werden ohne soziale Einbindung zur einsamen Masse, wie der Soziologe David Riesman[1] es einmal bezeichnete. Als einen „Aufstand der Massen“ beschrieb der spanische Philosoph Ortega y Gasset[2] dieses Verständnis und diese Entwicklung, denn er entsteht aus der Vereinigung der zu Individuen Vereinzelten heraus.

Ein Individuum wird heute im Allgemeinen als eine Persönlichkeit definiert, der es offensichtlich gelungen ist, sich aus eben dieser Masse abzuheben. Daraus ergeben sich dann in der Folge an der Kritik am Individualismus zwei Möglichkeiten:

1. Das anonyme Aufgehen des Einzelnen in der Masse, das unter Umständen von kollektivistischen Bewegungen organisiert werden und dann geschichtsträchtig werden könnte.
2. Die andere Möglichkeit ist die Höherentwicklung des Individuums zu einer eigenständigen und emanzipierten Persönlichkeit.

Daraus ergeben sich dann zwei weitere Bewegungsrichtungen:

1. Eine optimistische unterstellt, dass sich die meisten Individuen zur Persönlichkeit weiterentwickeln können und der Individualismus daher ein Fortschritt auf dem Weg zu einer besseren Gesellschaft ist.
2. Die entgegen gesetzte pessimistische Bewegungsrichtung unterstellt, dass die Individuen das nicht schaffen, sondern als Masse lediglich zu einem Spielball einer Minderheit werden, beziehungsweise sind oder von Demagogen ausgenutzt werden, somit der Individualismus aus dieser Sichtweise eine Fehlentwicklung ist.

Das Individuum in den interkulturellen Vergleich

Das Individuum hat, wenn es unter einer religiös – göttlichen Gesichtspunkten betrachtete wird, eine völlig andere Bedeutung als in der Moderne unserer Gesellschaft. Es ist handelt sich auch hier zwar um den einzelnen Menschen der selig wird, aber das geschieht hier nicht so sehr im Blick und auf den Gegensatz zur Gesellschaft verstanden, sondern wird hier im Verhältnis zu Gott gesehen. Der Individualismus der Moderne setzt damit eine Säkularisierung der Gesellschaft schlicht voraus. Wo diese nicht umgesetzt ist, hat das Individuum nach wie vor eine sehr persönliche Bedeutung Gott gegenüber, nicht aber der Gesellschaft gegenüber. Deutlich zu erkennen ist das beispielsweise daran, dass im Mittelalter die unterschiedlichsten Künstler, die Kirchen mit ihrer Malerei ausschmückten, ihre Werke keineswegs individuell zeichneten. Zu einer Signatur eines Kunstwerkes kam erst ab dem Zeitpunkt, als das Individuum begann, eine gesellschaftliche Bedeutung zu erreichen.

In den monotheistischen Religionen wie, zum Beispiel dem Judentum, dem Christentum und dem Islam, sieht sich das Individuum absolut in der Verantwortung seines Schöpfers gegenüber. In den heiligen Schriften dieser Religionen, wie der Thora, der Bibel oder dem Koran wird das Individuum gezielt angesprochen, gleichzeitig aber auch seine Bedeutung für die Gesell – schaft deutlich hervorgehoben, da die Handlungen jeder Einzelperson eben nicht nur auf das eigene Wohlergehen, sondern immer auch auf das Wohl der Gesamtheit der Menschen ausgerichtet werden sollte. Allem selbstlosen und egoistischem Handeln wird der absolute Vorzug eingeräumt, da dieses Tun als Hilfeleistung zum Guten im Diesseits gewertet und verstanden wurde, das dann dem Handelnden durch die Belohnung im Jenseits vergolten werden sollte. Die Selbsterziehung, weg vom Egoismus, ist also primär darin begründet, dass nach den Vorstellungen dieser genannten Religionen das wahre, beziehungsweise ewige Leben nach der Wiederauferstehung mehr Wert besitzt als das diesseitige, jetzt gelebte Leben.

Das vor allem aus indischen Einflüssen bestimmte asiatische Denken sieht in dem Individuum ebenfalls einen deutlich geringeren Wert. Die antiwestlichen Strömungen werden also auch daraus genährt. Es gibt zwar auch im asiatischen Denken den einzelnen Menschen, aber im Wesentlichen an keiner Stelle in der starken Betonung wie in der westlichen Moderne geschieht. Das Individuum ist dort viel stärker in den ewigen Kreislauf eingebunden, beziehungsweise in die Tradition der Familie, wie das ganz besonders in China deutlich wird.

Das Leben eines Menschen

Grundsätzlich gesehen ist jedes materielle System als ein Individuum anzusehen, da es über Eigenschaften (das heißt Systemeigenschaften) verfügt, die keines seiner Elemente losgelöst von den anderen Elementen des Systems besitzt und darüber auch in dieser spezifischen Ausprägung infolge seiner Herausbildung in dieser konkreten spezifischen Umwelt auch kein anderes System verfügt.

Als Individuum grenzt sich jedes lebende System (lebendes System) raumzeitlich und qualitativ von seiner Umwelt ab, mit der es in Wechselwirkung steht, sodass von einer dialektischen Wechselwirkung gesprochen werden kann, welches spezifische Bedingungen für das Individuum schafft.

Daraus ergibt sich die relative Selbständigkeit des Individuums, die Fähigkeit zu eigener Entwicklung aufgrund innewohnender Triebkräfte, zu ihm eigentümlichen Bewegungen und Reaktionen auf Einwirkungen aus der Umwelt.

Individuation und Integration

Der Grad der relativen Selbständigkeit, Besonderheit und Eigentümlichkeit (Individuation) wird auch der Grad der Individualität bezeichnet. Der Grad der Individualität jedes Systems ist abhängig von dem des übergeordneten umfassenden Systems und dem seiner eigenen Elemente abhängig und daher auch unterschiedlich.

Grundsätzlich gilt aber, dass bei den Integrationsprozessen der Grad der Individualität in der Regel von Systemen zunimmt und der Grad ihrer Elemente ab (Integration – Philosophie). Die Verabsolutierung der Indivi –dualität, besonders des einzelnen Menschen, wird als Individualismus bezeichnet.

Im Sinne der oben genannten Auffassung vom Individuum kann man jedoch auch andere Verabsolutierungen der Individualität (zum Beispiel einer territorialen Einheit, einer Berufsgruppe, eines Volkes, einer Nation, der menschlichen Zivilisation auf der Erde) als verschiedene Formen des Individualismus auffassen. Daraus ergibt sich dann auch die uns bekannte Staatsräson.

Ich mache das, was ich will, lasse mir keine Vorschriften machen

Ein Gedanke aus dem Internet:

„Wenn ich hier im Internet lese, was ein Mann alles machen muss oder nicht machen muss um ein echter Kerl zu sein, dann sage ich mir schon, dass es für die Vorschriften Mann von Frau duldet Grenzen gibt. Wenn ich Tai Chi[3] mache oder mir vornehme für den Eigenbedarf zum Abschalten vom Alltagsstress Klavierstunden zu nehmen ist das mein Bier meine Damen. Und wenn ich mir neben das Klavier einen Boxsack hänge um mich täglich richtig abzureagieren ist das auch mein Bier Wenn ich gerne Koche und ich deshalb für meine Partnerin kein echter Mann bin, kann sie ja gerne außer Haus essen oder sich selbst was zubereiten. Ist es nicht besser die Frauen einfach mal reden zu lassen und das zu tun was Mann für richtig hält und ihm Spaß macht?“

„Alle Männer, die ich kenne, machen „ihr Ding“ – mit etwas gegenseitiger Rücksichtnahme gegenüber anderen Menschen wie zum Beispiel Vermieter (Motorrad im Wohnzimmer?), Nachbarn (Trompete üben gegen 23 Uhr?), Arbeitgeber (Bankangestellter mit schickem Wangen – Tatoo?) und wahrscheinlich auch einer Partnerin.“

Weitere Kommentare aus dem Internet

„Wenn Du mit Deinen persönlichen Eigenheiten keine Frau findest, ist das Dein Problem – dann bist Du wohl nicht wirklich attraktiv (bei tollen Kerlen tolerieren die Damen viel) oder Deine Hobbys sind gar zu seltsam“.

„Was Du nicht tun solltest, wäre, in vorauseilender Anpassung nur noch todlangweiligen Kram zu unternehmen. Wenn Du es nicht wagen würdest Skifahren zu lernen, weil Du eine Dame damit verschrecken könntest, wärst Du schon ziemlich schräg unterwegs“.

„Um ein angenehmes Lebensklima zu schaffen, muss gegenseitige Rücksicht der Tenor sein, wie schon bei anderen Beiträgen sehr anschaulich erklärt. Diese Regel gilt für alle Bereiche des Lebens und die meisten Männer akzeptieren das auch problemlos, nur, wenn es um das angenehme zusammenleben mit der eigenen Partnerin geht, werden zahlreiche Männer plötzlich zum trotzigen und in ihrem Verhalten fast zu einem 3 – jährigen Kind“.

„Ein Mann lässt sich keine Vorschriften machen. Er geht freiwillig auf die wünsche und Bedürfnisse seiner Frau/Freundin ein – wenn diese natürlich nicht überzogen sind –, er tut das gerne, weil er sie liebt und es macht ihm Freude, ihr eine Freude zu machen. Sie macht das alles für ihn auch“.

„Es geht um das zusammen, nicht um das gegeneinander. Die Frau ist nicht dein Feind. Du hast ein solides Brett vor dem Kopf, mein Lieber – mit dieser Einstellung bekommst Du im Leben keine vernünftige Frau. Die lässt sich nämlich Dein herablassendes Getue auf keinen Fall bieten, sondern sucht sich einen Mann, der weiss, was er will und eine vernünftige Einstellung zur Partnerschaft hat“.

„Solche Männer gibt es in jedem Alter – mein Partner gehört dazu, und auch in Deinem Alter gibt es garantiert genug Konkurrenz. Ein richtiger Mann denkt überhaupt nicht darüber nach, dass eine Frau ihm Vorschriften machen könnte – er hat seine Interessen und Verpflichtungen, stimmt sich ab, findet Kompromisse und gut“.

„Das Internet hat mein Leben zerstört

Früher war alles besser, heute ist alles Besserwisserei. Das Internet hat mein Leben zerstört“.

„Ich kann keine Entscheidungen mehr treffen

Brauche einen neuen Kopfhörer, vielleicht den, den Max auch hat. Aber lieber erstmal Gadget – Blogs[4] checken: Treffer! Gleich rüber zum Shop. Doch halt … die Shop – Community ist nicht begeistert – die Verarbeitung lässt zu wünschen übrig. Ah! Der hier ist zwar etwas teurer, hat aber mehr Bewertungspunkte … Mist, nicht lieferbar. Vielleicht in einem anderen Online – Store … da fällt mir ein, dass die Backup – Festplatte randvoll ist, mal sehen, wo derzeit ein Terabyte preislich liegt … okay … das geht ja. Ist die netzwerkfähig? Keine Angabe. Dann wohl nicht. Obwohl … die Hersteller – Website sagt: ja. Ich frag mal lieber in einem Forum nach.

Sauber! Nächste Woche kommt das neue Modell des Kopfhörers raus, den ich ursprünglich kaufen wollte, soll viel besser verarbeitet sein! Dann warte ich besser noch. Obwohl das Modell der anderen Marke ja auch …

Was? Schon 15 Uhr?“

„Meine Ideen gehen verloren

Habe die Recherche für ein tolles Thema bei Google angefangen. Bin nach vier Stunden beim dritten Link, über den ich einen Experten gefunden habe, mit dem ich ein Telefon – Interview vereinbaren will, finde aber seine E – Mail – Adresse auf der Seite nicht, in seiner Linkliste verweist er dafür auf ein völlig irres Forum, Wahnsinn, habe es sofort den anderen Autoren gemailt, wir beschließen eine ganze Artikel – Serie, das gibt Stoff für drei Wochen! Erstmal muss ich aber den anderen Artikel weitertippen, den ich angefangen habe. Wo hatte ich den gespeichert?“

„Ich kann mich nicht mehr konzentrieren

Ich sollte mir eine To – Do – Liste zulegen, kann man doch prima auf dem Rechner erledigen, gleich mit Erinnerungsfunktion. Wäre cool, wenn man so eine Liste auch mobil immer dabei hätte, sollte ja mit iPhone kein Problem sein. Tatsächlich: 15 verschiedene Listenprogramme zeigt der AppStore, gleich[5] Mal testen. Ok … dieses hier lässt sich nicht mit dem Desktop – Rechner synchronisieren, aber jenes schon, man muss sich nur kurz auf der dazugehörigen Website registrieren, kein Problem, schon erledigt. Nur noch auf die Bestätigungsmail warten. Währenddessen teste ich mal noch eine weitere Liste, die auch viel netter gestaltet ist. Jau, so macht das Arbeiten Spaß! Die benutze ich ab jetzt … ach Mist, die lässt sich ja wieder nicht synchronisieren.

Die Bestätigungsmail ist noch immer nicht da … aber ein alter Schulfreund hat meinen kürzlich zu Recherchezwecken reaktivierten MySpace – Account gefunden (habe nach drei Stunden mit dem „Designer – Tool” ein ganz passables Ergebnis hinbekommen), wie sage ich dem jetzt möglichst nett, dass ich den Account gar nicht wirklich nutze, wollte doch nur mal probieren … ich sollte den Account einfach löschen. Wo geht das? Hier! Mein Passwort? Mist. Welches Passwort hatte ich denn da genommen …?“

„Ich kann mir nichts mehr merken

Wie hieß doch gleich dieser Autor dieses einen Buches, das ich unbedingt lesen wollte? Ich hatte den Namen doch neulich noch getwittert … Und wie war noch mal die Adresse von dem Augenarzt, der mir gestern empfohlen wurde? War in der Nähe vom Büro, glaube ich, mal Google Maps (Karten) checken, vielleicht ist er dort eingetragen … was? Der kleine nette Laden hier an der Ecke ist nicht auf Google Maps? Das muss ich gleich mal ändern.

Wie war denn bloß nochmal der Name von dem To – Do – Listen – Programm, in dem ich mir alles eintragen wollte, vielleicht hatte die Adresse des Augenarztes ja da reingeschrieben …? Wie hieß das Ding? Ich finde es nicht mehr …“.

„Ich gehe nicht mehr aus

Neulich wollte ich mich mit jemandem zum Bier verabreden, aber dann haben wir uns bei der gemeinsamen Qype[6] – Recherche nach der richtigen Kneipe via Jabber festgequatscht. Egal, die Kneipe wäre dann sowieso geschlossen gewesen“.

„Ich freue mich auf nichts mehr

Monate bevor Dark Knight und Wall – E in den deutschen Kinos anlaufen, habe ich schon alle Friends (ich habe keine Freunde mehr) auf Grundlage einer verwackelten, im Kinosaal mitgefilmten, Pre – Release – Version vor dem Besuch gewarnt und Obama wird sicherlich auch per Mogulus übertragen und getwittert und außerdem gibt es später auf YouTube die auf 10 Minuten komprimierte Version zu sehen und Live – Konzerte kosten viel zu viel Geld, die spinnen doch. Gibt es im Internet alles umsonst!“

„Ich traue niemandem mehr

Mein Nachbar hat neulich einer Frau mit Kopftuch ziemlich verächtlich hinterher geschaut. … Im Job kuschen und dann abends schön „anonym” den eigenen Frust in rassistischen Blog – Kommentaren ablassen, kennt man ja. Und der Typ neulich im Café, der mich etwas zu lange angesehen hat? Das war bestimmt dieser Stalker, der diese merkwürdigen E – Mails schreibt, weil er in den Kommentaren gesperrt ist. Der hat vor ein paar Tagen angedeutet, dass er wüsste, wo ich wohne. Scary!“

„Kürzlich hat sich eine Praktikantin beworben. Über die war nichts bei Google zu finden, kein bisschen. Abgelehnt“.

„Ich weiß nichts mehr

Ich weiß nur noch, wo es steht. Und wenn es da nicht steht, frage ich auf Twitter nach. Vielleicht weiß es ja da jemand. Und wenn nicht, war’s wohl auch nicht so wichtig. Worum ging es überhaupt?“

„Ich interessiere mich nicht mehr für Künstler

Ich will den Content. Den Song. Das Video. Von allen. Habe ich auch, bekomme ich immer. Sofort. Übers Netz. Heute schon fünf neue Alben gesaugt, die neue Radiohead hatte ich auch schon ein halbes Jahr vor allen anderen. Muss ich mir mal anhören, irgendwann“.

„Ich habe jeglichen Realitätsbezug verloren

Ich bin Blogger und neulich war im Spiegel etwas über deutsche Blogs, das wohl nicht so begeistert klang. Ich schaue nicht mehr auf den Sinn. Ich kann nichts mehr wegwerfen“.

Ein Zwischenfazit an dieser Stelle:

So viele „Vorschriften“ wie nötig – so wenige wie möglich.

„Für eine Beziehung braucht man auch Anpassungsfähigkeit, Kompromiss –bereitschaft und Toleranz. Aber wenn es „zuviel“ wird, oder unausgewogen, dann hat man vielleicht die falsche Partner/in?“

„Keiner muss alles mögen, oder etwa mitmachen, aber sollte zumindest den/die Partner/in und dessen Vorlieben schlicht respektieren“.

„Ich lasse mir längst nicht alles gefallen. Weder in der Beziehung, noch im Beruf, oder privat. Da habe ich meine Grenzen und teilweise auch Prinzipien. Wem das nicht passt, und keine Einigung zu finden – dann halt ohne mich“.

„Schon meine Großeltern und meine Eltern ließen sich zuviel von ihren Ehepartnern gefallen oder gar vorschreiben. Eine (frühere) Scheidung wäre besser gewesen, anstatt sich sein Leben so verschlechtern zu lassen. Ich würde mir nicht so viel gefallen lassen. Schon aus reinem Selbstschutz. So viel Schlechtes ist eine Beziehung nicht wert“.

„Ich verstehe Dich. Du hast leider, leider Recht. Aber die meisten Frauen kapieren es nicht und werden es auch nicht kapieren. Frauen haben Recht, wenn sie sich beschweren, dass Männer nicht zuhören können (so wie sie sich das vorstellen), aber ansonsten kann man es ihnen nicht Recht machen“.

„Morgens soll es links sein, abends rechts. Am nächsten Tag soll es aber morgens rechts sein und abends links. Und da können wir Männer noch so oft rational sagen: mein lieber Schatz 1 + 1 = 2. Die Frau sagt dann: ja, mein Lieber, ich weiß, dass 1 + 1 = 2 ist, aber es fühlt sich an wie eine 3. Und was am Ende zählt bei den Frauen ist das Gefühl. Das ist nicht „rational“.

„Aber die Frauen sind von der Venus und die Männer vom Mars. Wir sind verschieden gebaut. Nicht nur in der Lendengegend, auch im Hirn und der Art und Weise zu denken, zu fühlen. Die meisten Frauen können uns Männer und unsere Denke nicht verstehen und umgekehrt. Daher rühren ein ganz großer Teil der Schwierigkeiten“.

„Ich glaube, diese gesamte Irrationalität der Frauen, spüren sie selbst. Und sie sind damit selbst unzufrieden, aber sie können nicht anders und besser. Wir Männer sind willkommenes Opfer zur Abbildung dieser Unzufriedenheit und das findest Du in den Threads hier und im Real – Life ohne Ende wieder. Männer – Bashing überall. Umgekehrt, dürfen wir es uns nicht leisten. Heute Abend, habe ich mal umgekehrt meine Unzufriedenheit raus gelassen, da war aber jemand tief getroffen“.

„Wenn Du mal im Feminismus hinhörst, dann findest Du da unglaublich viel Gerede, was alles passieren muss. Natürlich sind fast immer die Männer Schuld an allem. Aber etwas Anderes ist viel interessanter: Wer redet da überhaupt? Reden da irgendwo Männer mit? Nein. Es sind die Frauen. Die Frauen machen nicht nur uns Männern vorschriften. Die machen auch sich selbst Vorschriften! Da gibt es die Frauenfraktion A, B, C, ... A sagt, dass die Frauen B sich viel zu sehr den Männern unterwerfen und viel zu sehr „Heimchen“ am Herd spielen. B sagt, dass A ihre natürliche Programmierung vernachlässigen und ... C ist der Teil der Frauen, die aus dem Schema fallen. Es sind ja immer diejenigen, die am wenigsten schnallen, die am lautesten Schreien. C schreit am wenigsten und schnallt wahrscheinlich am meisten. Wie die Anteile zwischen den Buchstaben verteilt sind: keine Ahnung“.

„Aber es sind nicht die Männer, die zu A oder B gehören. Es sind nicht die Männer die unzufrieden sind und die Scheidungsstatistiken anführen. Es sind die Frauen! Es sind die Frauen, die am lautesten schreien und das seit jeher. Es ist kein Zufall, dass Frauen immer wieder als hysterisch in Geschichten wie Filmen und Büchern dargestellt werden, weil es einen großen Teil der Realität abbildet“.

„Finde Dich damit ab, Du wirst es durch beklagen nicht ändern. Vielleicht findest Du ja eine Frau in Deinem Leben nach Kategorie C?“

„Oh ja. So manche Lebenskrise hat ihre Ursache darin, dass die Denkschemata von Mann und Frau im entscheidenden Moment nicht ineinander greifen“.

„Ich will das mal an einem einfachen Beispiel erläutern: Frau hält ein paar kleinere Gegenstände in den Händen und sagt zum Mann: „Ich brauche einen Karton“. Der Mann reicht ihr einen in der passenden Größe und wird sogleich angegiftet, was das denn soll. Erstens sei der viel zu klein für den Skianzug, und zweitens habe das ja auch noch Zeit, bis sie mit Aufräumen fertig sei“.

„Was ist passiert? Die Frau ist während des Aufräumens gedanklich bereits beim Verpacken des Skianzugs, und als ihr der Mann über den Weg läuft, spricht sie ihn aus diesem Gedanken heraus an. Der Mann wiederum schlussfolgert aus dem, was er visuell wahrnimmt, denn in ihren Kopf hineinsehen kann er nicht. Und schon ist das Missverständnis komplett. Wer ist nun schuld, die Frau die sich (aus der Sicht des Mannes) nicht klar ausdrückt, oder der Mann der (aus der Sicht der Frau) handelt ohne zu fragen, wofür der Karton denn gedacht sei?“

„Diese Art Missverständnisse zwischen Mann und Frau ziehen sich durch alle Lebensbereiche, und es sind auch schon viel versprechende Beziehungen an solchen falschen kognitiven Ergänzungen gescheitert“.

„Und zwar deshalb, weil sie die Schlussfolgerung des Mannes nicht verstehen, ja noch nicht einmal wissen, dass sie überhaupt stattfindet, siehe Karton – Beispiel“.

„Sie erzählen heute eine Geschichte, morgen verhalten sie sich entsprechend dazu, der Mann erkennt den vermeintlichen Zusammenhang, in Wirklichkeit hat das eine mit dem anderen nichts zu tun. Ich hatte das mal mit einer Frau, die mich bat, nicht weiter zu gehen, sie würde sich sonst untreu fühlen. Ein paar Tage später bot sie mir Sex an. Mir ging das total gegen den Strich, und sie zog sich – obwohl deshalb auch nichts geschah – enttäuscht zurück. Ich weiß bis heute nicht, ob sie versucht hatte, ihr Untreuegefühl hinunter –zuschlucken, oder ob es sich via Schlussmachen erledigt hatte. Eines von beiden war wohl die Botschaft gewesen, aber ich konnte diese Botschaft rational nicht entziffern, und so verstand sie auch mein Verhalten nicht“.

„Mit Verlaub! Ich lasse mir auch grundsätzlich keine Vorschriften machen. Sollte dies der Fall sein, bin ich schnell weg!“

„Jedoch benutze ich meinen Verstand um keine Konflikte entstehen zu lassen, wo keine sein müssen. Mit anderen Worten ich kann zurück stecken, auch mal zum Wohle eines gedeihlichen Zusammenlebens“.

Das waren Stimmen aus dem Internet zur Frage der möglichen Vorschriften!

Ich lebe mein Leben und ich bestimme mein Leben

Ich möchte mich André Gide anschließen, der einmal sagte:
„So ist das Leben:
Wenn sich eine Tür schließt,
öffnet sich eine andere.
Die Tragik liegt darin,
dass wir nach der geschlossenen Tür blicken,
nicht nach der geöffneten“.

Sucht und Suchtverhalten führen zu derartig problematischen Aussagen.

Die 3 Kräfte, die unser Leben bestimmen und mögliche Gefahren

Ein Veröffentlichung, von Ralf Senftleben[7], die ich an dieser Stelle wörtlich übernehme!

„Es gibt 3 große, mächtige und einflussreiche Kräfte in unserem Leben. Diese Kräfte bestimmen nach meiner Erfahrung, ob Sie ein gutes, schönes und erfülltes Leben führen oder eher nicht.

Bei diesen 3 großen Kräfte handelt es sich um

- unsere Gewohnheiten,
- die Entscheidungen, die wir treffen,
- und unser Umfeld.

Wenn Sie lernen, diese 3 Kräfte zu Ihren Gunsten zu beeinflussen, wird sich die Qualität Ihres Lebens wahrscheinlich stark verbessern.

Kraft 1: Unsere Gewohnheiten

Fangen wir mit der ersten großen Kraft an: Mit unseren Gewohnheiten. Eine Gewohnheit ist das, was wir wieder und wieder ganz automatisch tun, ohne dass wir groß darüber nachdenken.

Jede Gewohnheit hinterlässt tiefe Spuren in unserem Leben. Unsere Gesundheit, wie gut wir mit anderen Menschen auskommen, ob wir erreichen, was wir uns vorgenommen haben … all das ist eine Frage unserer Automatismen und Gewohnheiten. Gute Gewohnheiten erhöhen unsere Lebensqualität und ungünstige Gewohnheiten verringern sie.

Wenn Sie jeden Tag Ihrer Frau gewohnheitsmäßig geduldig und aufmerksam zuhören, dann ist das gut für Ihre Ehe. Wenn Sie gewohnheitsmäßig die Treppe nehmen statt den Aufzug, werden Sie schlank bleiben. Wenn Sie jeden Tag 15 Minuten Ihre Wohnung aufräumen, dann werden Sie dauerhaft Ordnung, Klarheit und Sauberkeit erleben. Oder wenn Sie jeden Tag 30 Minuten an Ihrem Buch schreiben, dann werden Sie irgendwann ein Buch fertig haben.

Aber auch wenn Sie jeden Tag eine Schachtel Zigaretten rauchen, gewohnheitsmäßig jede Bewegung vermeiden, täglich 4 Stunden vor dem Fernseher sitzen, gewohnheitsmäßig Ihre Kinder anmaulen oder jeden Abend eine Flasche Wein trinken, dann wird das auf Dauer wahrscheinlich Konsequenzen und unerwünschte Nebenwirkungen haben.

Ob Sie ein schönes oder ein weniger schönes Leben haben, hängt sehr stark davon ab, ob Sie gute und Zielführende Gewohnheiten und Automatismen haben oder nicht. Jede einzelne Gewohnheit ist eigentlich nur eine Kleinigkeit. Aber in der Summe bestimmen Ihre Gewohnheiten Ihr Leben.

Sie können Ihre Gewohnheiten natürlich ändern, auch wenn das einiges an Kraftanstrengung erfordert. Gewohnheiten ändert man nicht durch einen Neujahrs – Vorsatz. Das geht nur durch eine kraftvolle, ernstgemeine Entscheidung und gezieltes, systematisches Training.

Trainieren Sie neue, gute Gewohnheiten, denn dadurch ändern Sie Ihr Leben zum Positiven hin.

Kraft 2: Unsere Entscheidungen

Die zweite große Kraft in unserem Leben sind unsere Entscheidungen:

- Strenge ich mich in der Schule richtig an oder hänge ich lieber mit meinen Kumpels rum?
- Gehe ich aufs Gymnasium oder suche ich mir nach der 10. Klasse eine Lehrstelle?
- Studiere ich Betriebswirtschaft oder Kunstgeschichte?
- Soll ich diese Frau heiraten oder nicht?
- Will ich jetzt ein Kind oder nicht?
- Versuche ich es mit meinem Mann noch mal oder bleib ich lieber alleine?
- Kündige ich meinen ungeliebten Job oder bleibe ich wegen der Sicherheit?
- Bleibe ich angestellt oder mache ich mich selbstständig?

Auch wie Sie sich an diesen Weggabelungen des Lebens entscheiden, bestimmt die Qualität Ihres Lebens nachhaltig.

Natürlich weiß man im Vorfeld nie, ob eine Entscheidung auch wirklich gut ist. Aber man kann vorher doch einiges tun, um die wirklich schlechten Entscheidungen herauszufiltern.

Die meisten von uns treffen größere Entscheidungen leider eher unbewusst und aus dem Bauch heraus. Oder wir verzögern eine Entscheidung unbewusst, bis es zu spät ist und man keine Wahlmöglichkeiten mehr hat. Was beides meistens nicht gut ist.

Denn bei unbewussten und intuitiven Entscheidungen lauern viele Gefahren: (Etwas anderes: Haben Sie sich schon einmal unseren Projekt: Tagebuch angeschaut? Für alle, die ein Tagebuch auf die richtige Art führen wollen).

Gefahr 1:

Wir entscheiden uns für etwas, nur weil uns gerade zufällig die Möglichkeit geboten wird (zum Beispiel ein Job). Wir tun es, weil wir es können. Die meisten Menschen wählen nicht gezielt oder bewusst aus, sondern tun das, was andere ihnen vorschlagen oder worüber sie zufällig stolpern. Das ist nicht grundsätzlich schlecht. Nur dass viele der Möglichkeiten, die uns über den Weg laufen, gar nicht gut für uns sind, egal ob es Jobs oder mögliche Liebespartner sind.

Gefahr 2:

Wir entscheiden uns für etwas, weil eine Bezugs – oder Autoritätsperson direkt oder indirekt Druck auf uns ausübt. Wir entscheiden uns also für eine Sache, um keinen Stress mit einem anderen Menschen zu haben, und das, ohne es bewusst zu merken.

Gefahr 3:

Wir entscheiden uns vorschnell für etwas, weil wir aus unserer bestehenden Situation flüchten wollen. Alles ist besser als das, was jetzt so unangenehm ist. Und so verschlimmern wir unsere Situation dann oft noch.

Gefahr 4:

Wir haben unrealistische und romantische Vorstellungen von der Sache, für die wir uns entscheiden, weil wir uns nicht genug neutrale Informationen eingeholt haben. Und hinterher sind wir dann fürchterlich enttäuscht.

Gefahr 5:

Wir entscheiden uns für etwas, weil es alle anderen auch so machen. Und das, obwohl die Sache, für die wir uns entschieden haben, vielleicht gar nicht zu uns passt.

Gefahr 6:

Wir überstürzen eine Entscheidung, weil es Zeitdruck gibt und weil wir Angst haben, etwas zu verpassen.

Es gibt noch viele, viele andere Stolperfallen, über die wir bei unseren Entscheidungen stolpern können. Ich will damit sagen: Es nicht ganz einfach, eine gute Entscheidung zu treffen. Aber die folgenden Tipps helfen Ihnen vielleicht dabei:

- Entscheiden Sie sich bewusst und gezielt und nicht nur, weil Ihnen irgendjemand eine Möglichkeit bietet. Wägen Sie Vor – und Nachteile bewusst ab. Schauen Sie nicht nur auf Ihr Gefühl, sondern auch auf die Fakten. Und reden Sie sich nichts schön.
- Versuchen Sie immer das Wasser zu testen, bevor Sie kopfüber hineinspringen und sich verbindlich entscheiden.
- Entscheiden Sie sich nie unter Druck, sondern lassen Sie sich immer ausreichend Zeit für eine Entscheidung. Lassen Sie sich auch nicht davon unter Druck setzen, wenn Sie im Augenblick in einer schmerzhaften Situation sind. Schmerz ist selten ein guter Ratgeber.
- Schauen Sie immer in Ihre Vergangenheit, ob Sie vielleicht schon eine ähnliche Entscheidung getroffen haben, und überlegen Sie, welche Folgen Ihre vergangene Entscheidung hatte. Und seien Sie dabei unbedingt ehrlich mit sich. Wir Menschen neigen dazu, unsere Fehler zu wiederholen und die Chancen sind eher sehr gering, dass es diesmal anders wird.
- Lernen Sie sich selbst immer besser kennen, insbesondere Ihre Werte, Ihre Stärken, Schwächen und Ihre Ängste. Je besser Sie sich selbst kennen, desto bessere Entscheidungen können Sie treffen.
- Lernen Sie zwischen Wünschen und Bedürfnissen zu unterscheiden. Diese Fähigkeit ist für gute Entscheidungen so essenziell wichtig, dass das gleich die erste Lektion in unserem Kompass – Kurs ist. Wir finden eine Sache normalerweise attraktiv, weil wir uns davon versprechen, dass sie ein bestimmtes Bedürfnis erfüllt. Hinter dem Wunsch nach einem neuen Auto steckt vielleicht das Bedürfnis nach Mobilität, Anerkennung und Unabhängigkeit. Oft wünschen wir uns aber Dinge, die gar nicht dazu geeignet sind, unsere Bedürfnisse zu erfüllen. Das ist eine riesige Falle, in die die meisten Menschen früher oder später tappen. Je besser Sie Ihre Wünsche und Bedürfnisse auseinander halten lernen, desto bessere Entscheidungen treffen Sie.
- Andere Menschen kennen einen oft besser als man selbst und wissen, was gut für einen wäre. Fragen Sie aber niemanden, der Vorteile oder Nachteile davon hat, wenn Sie sich für die eine oder andere Richtung entscheiden. Fragen Sie nur Menschen, die es gut mit Ihnen meinen und die Sie nicht klein halten wollen.
- Nutzen Sie Ihre Intuition und Ihr Bauchgefühl in erster Linie, um Entscheidungsmöglichkeiten abzuwählen. Fragen Sie sich aber immer, ob ein schlechtes Bauchgefühl nicht nur die ganz normale Angst vor Unsicherheit ist, die bei jeder größeren Entscheidung entsteht.
- Fragen Sie sich: Wird mich diese Entscheidungsmöglichkeit glücklicher und zufriedener machen? Passt diese Entscheidungs – möglichkeit zu mir, meinen Stärken und dem, was mir wichtig ist?

Nutzen Sie Ihren Verstand bei Entscheidungen und achten Sie auf die typischen Stolperfallen. Und wenn Sie dann noch die obigen Entscheidungs – strategien anwenden, werden Sie deutlich bessere Entscheidungen treffen. Und mit der Qualität Ihrer Entscheidungen wird auch Ihr Leben stabiler, besser und schöner.

Kraft 3: Unser Umfeld

Seien wir ehrlich. Wir haben nicht alle die gleichen Startbedingungen. Denn die eigene Herkunftsfamilie, das Viertel, die Schule und das Land, in dem wir aufwachsen, prägen unsere Denkweise, unsere Gewohnheiten und beeinflussen unsere Entscheidungen.

Es gibt natürlich viele Menschen, die es trotz schwierigster Startbedingungen im Leben zu etwas bringen. Aber das ist leider nicht der Normalfall. Denn dazu ist es meistens notwendig, das eigene Umfeld zu verlassen. Und es braucht Menschen, die an einen glauben, die einen unterstützen oder die einem eine Chance geben.

Es ist aber nicht nur unser Herkunfts – Umfeld, das uns beeinflusst. Das Gleiche gilt für unsere jetzige Umgebung, also unsere jetzige Familie, die Freunde, unseren augenblicklichen Wohnort oder unseren Arbeitgeber.

Unser Umfeld kann uns stärker machen und uns dabei helfen, das Beste aus uns herauszuholen. Oder es kann uns schwächen, zurückhalten, uns zu Dummheiten verführen und unsere dunkle Seite zum Vorschein bringen. Wir Menschen sind soziale Tiere und wir können uns kaum gegen die Einflüsse unserer Umgebung wehren.

Was wir aber machen können, ist unser Umfeld zu wechseln. Das ist ein großer und oft auch schmerzhafter Schritt. Denn das bedeutet, sich von der eigenen Familie zu lösen und sich oft auch neue Freunde suchen zu müssen. Oder es bedeutet, den Job zu wechseln.

Wir haben dann vielleicht Schuldgefühle, weil wir unsere alten Leute im Stich gelassen haben. Und wir müssen neue Regeln und Gepflogenheiten lernen, damit wir in unserem neuen Umfeld zurechtkommen. Aber sich ein neues, besseres Umfeld zu suchen ist ein großer und manchmal eben notwendiger Schritt, wenn wir ein besseres Leben führen wollen.

Fragen Sie sich:

- Bietet mir mein jetziges Umfeld die Chancen und Möglichkeiten, die ich mir wünsche?
- Hilft mir meine Umgebung, meine Träume zu verwirklichen, oder hält sie mich davon ab?
- Werden meine Wünsche, Träume und Ziele von meiner Umgebung respektiert oder werde ich deswegen ausgelacht?
- Macht mich meine Umgebung stärker oder hält sie mich zurück?
- Unterstützt mich meine Umgebung, als Mensch zu wachsen und mich zu entwickeln?

Wenn Sie diese Fragen mit Ja beantworten können, dann haben Sie eine tolle Familie, tolle Freunde, eine tolle Gemeinschaft oder einen tollen Beruf. Und wenn nicht, dann steht vielleicht eine Entscheidung an.

Das sind die 3 großen Kräfte, die unser Leben im besten Fall schön und erfüllend oder im weniger guten Fall leer, schlimm und anstrengend machen:

Unsere Gewohnheiten,

unsere Entscheidungen und

unser Umfeld.

Verbessern Sie Ihre Gewohnheiten, die Qualität Ihrer Entscheidungen und Ihr Umfeld, dann werden Sie auch die Qualität Ihres Lebens verbessern. Dieser Weg ist natürlich wie jede Art von Veränderung nicht einfach. Aber wenn Sie in Ihrem augenblicklichen Leben nicht zufrieden sind, dann kennen Sie jetzt eine Richtung, in die Sie sich bewegen können.

Grafik 1

Gelassenheitsposter

Original von Ralf Senftleben (nachempfunden)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[8]

Grafik 2

Motivations – Poster

Original von Ralf Senftleben (nachempfunden)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[9]

Ich will und werde das schaffen, weil:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ob wir ein Ziel erreichen oder einen Vorsatz verwirklichen können, das ist oft eine Frage der Motivation.Dummerweise ist Motivation nichts, was man einfach ein – oder ausknipsen kann. Nein, so einfach ist es nicht“.

Ich tue was ich will – das Problem der Kaufsucht

Die folgenden Gedanken zur Problematik der Kaufsucht sind ganz eng an die Ausführungen von Frau Dr. Doris Wolf, Psychotherapeutin angebunden, über viele Teile hinweg wörtlich übernommen:

„Wie hinter jeder Sucht steckt auch hinter der Kaufsucht eine Sehnsucht – die Sehnsucht nach Anerkennung und Bestätigung, der Wunsch, positive Gefühle zu verspüren und die Betäubung negativer Gefühle wie einer inneren Leere. Der Betroffene kommt in einen Teufelskreis: Der Drang nach Anerkennung und Bestätigung oder Gefühle wie Ärger und Stress verführen zum Kaufen. Das Kaufen führt nach kurzer Zeit zu Schuldgefühlen und Depressionen. Diese unangenehmen Gefühle versuchen Betroffene dann wieder mit Konsum zu betäuben.

Die Wurzeln für das Suchtverhalten liegen in der Kindheit: Mangel an Zuwendung und Anerkennung, Mangel an Liebe und Geborgenheit. Betroffene mussten sich die Zuwendung der Eltern verdienen, durften Gefühle nicht frei äußern. Sie haben erlebt, dass sie als Person nicht wichtig sind. Als Entschädigung gab es vielleicht Spielzeug.

Als Erwachsene haben sie nicht gelernt, sich selbst ein gesundes Selbstwertgefühl zu verschaffen. Der Konsum ist für Kaufsüchtige der vergebliche Versuch, Minderwertigkeitsgefühle zu betäuben.

Untersuchungen zeigen: Je geringer das Selbstwertgefühl, desto eher lassen sich Menschen zum Kaufen verführen.

Das hat etwas damit zu tun, dass das Kaufen das Belohnungssystem aktiviert und wir durch das Kaufen mit guten Gefühlen belohnt werden. Manche Menschen haben als Kind auch unter materieller Entbehrung gelitten und werden aus diesem Mangelempfinden heraus kaufsüchtig. Der Kauf bedeutet einen Ersatz an Zuwendung.

Kaufsuchtkranke haben auch nicht gelernt, sich mit Konflikten auseinanderzusetzen. Probleme in der Familie, Sorgen um den Arbeitsplatz, eine quälende innere Leere, Frustrationen oder Einsamkeit werden mit Konsum verdrängt. Besonders Frauen wollen mit dem Kaufen von Kleidung, Make – up und Schmuck ihre Unzufriedenheit mit ihrem Äußern bekämpfen – Männer häufen eher technische Geräte, wie Kameras und Computer, an.

Auch gesellschaftliche Bedingungen spielen eine Rolle: Das Kaufen ist gesellschaftlich akzeptiert und wird gefördert. Kreditkarten erleichtern das Geldausgeben ebenso wie die Möglichkeit, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche Bestellungen über das Internet zu tätigen.

Wie merkt man, dass man eigentlich, dass man kaufsüchtig ist?

Eine Kaufsucht äußert sich in vielerlei Denk – und Handlungsweisen. Der Psychotest Kaufsucht gibt Ihnen erste Hinweise, ob Sie an einer Kaufsucht erkrankt sind oder kaufsuchtgefährdet sind.

Wer ist davon denn betroffen?

60 Prozent sind Frauen, vor allem jüngere Frauen zwischen 20 und 30 Jahren. Die Sucht geht durch alle Schichten. Nach einer Untersuchung der Universität Hohenheim sind 9 Prozent der Bundesbürger kaufsüchtig, und 23 Prozent stark kaufsuchtgefährdet. Betroffene haben ein schwaches Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen und neigen zu Depressionen.

Worin besteht der eigentliche Kick beim Kaufen und damit im Suchtverhalten?

Die Formel heißt: Ich kaufe, also bin ich wer. Kaufen vermittelt das Gefühl, sich etwas Gutes zu tun. Kaufen wird zum Erlebnis. Beim Kaufen erlebt der Betroffene, beachtet und umworben zu werden. Er fühlt sich kurzfristig aufgewertet, sein Selbstwertgefühl steigt.

Die Stimmung hellt sich wie bei der Einnahme einer Droge kurzfristig auf, weil durch das Kaufen das Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert wird. Oder das Kaufen wirkt als Beruhigung bei unguten Gefühlen. Das Selbstwertgefühl wird gestärkt. Es entsteht der Eindruck, Kontrolle über das Leben zu haben.

Sind Kaufsucht, zwanghaftes Geldausgeben und Verschwendungssucht dasselbe?

Die Grenze zwischen Kaufrausch und dem Zwang zum Kaufen sind fließend. Viele Menschen gehen ab und zu zum Einkaufen, um sich zu trösten, kaufen aus Lust, Unzufriedenheit (Frustkäufe) oder Langeweile. Solange dies nur anfallsweise auftritt, handelt es sich um ein normales Kaufverhalten und es besteht keine Kaufsucht. Es ist eher ein Kaufrausch oder eine Kauflust, die unter Kontrolle sind.

Wie versuchen Kaufsüchtige ihre Kaufsucht häufig zu begründen und damit zu verschleiern?

Vor sich und anderen begründen Betroffene ihren Konsum mit Worten wie: Es sind nur Sonderangebote. Ich habe viel Geld gespart. Das Geld ist selbstverdient. Ich lasse mir keine Vorschriften machen, wofür ich mein Geld ausgebe. Schulden mache ich keine. Ich habe die Kontrolle über meine Käufe. Ich wollte nur mal bummeln und schauen gehen. Dafür spare ich jetzt in nächster Zeit.

Viele Kaufsüchtige verstecken ihre Einkäufe aus Schuldgefühlen, Scham oder Angst, für ihr ungezügeltes Konsumverhalten kritisiert zu werden oder verschenken das Gekaufte.

Neigen Kaufsüchtige auch zu anderen Süchten?

Ja, wenn man Kaufsüchtigen die Möglichkeit nimmt, einkaufen zu gehen und die Ursachen (siehe oben) nicht beseitigt, werden sie sich ein anderes Suchtverhalten zulegen.

Was kann man tun, wenn man persönlich unter/an der Kaufsucht leidet?

Wer kaufsüchtig ist, schafft es in der Regel nicht, aus eigenen Kräften davon loszukommen. Dem Kaufzwang zu widerstehen erleben die meisten Betroffenen als zu schwer. Deshalb sind eine psychotherapeutische Unter – stützung und/oder der Besuch einer Selbsthilfegruppe meist die einzige Möglichkeit, eine Kaufsucht zu überwinden.

Der Kaufzwang verschwindet, wenn die Ursachen – frustrierende Arbeits – bedingungen, schwierige Beziehung, Konflikte mit den Eltern, vor allem aber das negative Selbstwertgefühl – in einer Therapie beseitigt werden.

Die Leitfrage lautet dabei: Was brauche ich wirklich? Was fehlt mir? Zuwendung, Bestätigung, Selbstbewusstsein, eine sinnvolle Aufgabe? Wie kann ich mich mehr befriedigt und ausgefüllt fühlen, ohne zu shoppen und Geld auszugeben?

Auf jeden Fall muss man sich zuerst eingestehen, dass man süchtig ist und mit seiner Sucht etwas kompensieren will. Erst dann ist der Weg frei für eine Heilung.

Betroffene sollten ihre Kredit – und Kundenkarten abschaffen, nur mit Einkaufszettel und Bargeld einkaufen, Spontankäufe vermeiden, den Dispositionskredit herabsetzen, nur in Begleitung des Partners einkaufen.

Hilfreich ist es auch, Konsumgüter für einige Stunden oder einen Tag zurücklegen zu lassen und die Kaufentscheidung nochmals zu überschlafen.
Wie bei jedem Suchtverhalten ist der Weg zweigleisig:

1. Unterbrechen des Suchtverhaltens

2. Die Ursachen des Suchtverhaltens beseitigen; zum Beispiel durch:

- Erarbeitung eines gesunden Selbstwertgefühls
- Erlernen von Konfliktlösestrategien
- Aufbau von befriedigenden Freizeitaktivitäten
- Erlernen von Selbstbehauptungsstrategien

Soweit die Gedanken und Ausführungen von Frau Dr. Doris Wolf. Sie ist seit mehr als 30 Jahren psychologische Psychotherapeutin tätig. Meine therapeutischen Ausbildungen umfassen die Gesprächstherapie, Verhaltens – therapie und Rational – Emotive Therapie. 1981 vervollständigte sie ihre therapeutische Qualifikation in einem halbjährigen USA – Aufenthalt. 1988 promovierte sie dann an der Universität Heidelberg.

Kapitel 2
Wer war oder ist Jesus Christus?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Jesus als Guter Hirte, frühchristliche Deckenmalerei in der Calixtus – Katakombe in Rom, um 250

Wer war Jesus Christus?

Zur Person Jesus Christus

Gründe, Beweise und mögliche Fragezeichen

Es gibt natürlich unendlich viele Gründe dafür, auch objektive Gründe, die für viele Menschen, die bereits an Jesus glauben, und aus diesem Grund auch als so zwingend und überzeugend empfunden werden, dass sie mit diesen „vermeintlichen Beweisen“ so gerne die ganze Welt überzeugen möchten:

Jesus ist Gott, er hat Wunder getan, er ist auferstanden und lebt. Wer außer ihm hat so etwas jemals vollbracht?

Allerdings gibt es ganz offensichtlich trotz der vielen Argumente in dieser Richtung und trotz der vielen Christen in aller Welt, die auch diesen Beweisen überzeugt sind, keinen so schlagenden und wissenschaftlichen Beweis dafür, dass die bekannten Berichte auch den tatsächlichen Ereignissen entsprechen. Um es allerdings sofort in aller gebotenen Deutlichkeit zu sagen und klarzustellen: Es gibt auch keine Beweise, die wissenschaftlich fundiert dagegen sprechen.

Jesus Christus ist der Mensch, an dem sich unsere weltweite Zeitrechnung orientiert. Er ist aber auch seit 2000 Jahren gleichzeitig eine der umstrit – tensten, dennoch aber gleichzeitig verehrtesten und beliebtesten Persönlich – keiten der Geschichte. Es erscheint also, als könnte ihm niemand wirklich neutral gegenüberstehen.

Die Gottesbeweise lassen sich grundsätzlich in apriorische und aposteriorische Beweise einteilen. Als klassischer apriorischer Gottesbeweis gilt der ontologische Gottesbeweis des Anselm von Canterbury[10], da er die Existenz Gottes aus dessen Begriff zu beweisen versucht. Die sogenannten „fünf Wege“ (quinque viae) in der Tradition des Thomas von Aquin dagegen sind aposteriorische Gottesbeweise.

Die Unterscheidung von ontologischem, kosmologischem, teleologischem und moralischem Gottesbeweis geht auf den Philosophen Kant[11] zurück[12].

Der ontologische Gottesbeweis

Die erste bekannte Version des ontologischen Gottesbeweises findet sich bei Anselm von Canterbury (1033 – 1109) im Proslogion[13]. Der Name des Beweises gründet auf der Tatsache, dass der darin vorgenommenen Schluss von der logisch – begrifflichen Ebene zur Ebene des Seins (griechisch to on, Genitiv ontos) gründet.

Die Argumentation

Der Ausgangspunkt des ontologischen Gottesbeweises geht bei Anselm von Canterbury von einem durch das Verstehen suchenden Glauben („fides quaerens intellectum“) im Bezug auf den gefundenen Begriff Gottes als denjenigen, „worüber hinaus nichts Größeres (Vollkommeneres) gedacht werden kann“ („quo nihil maius cogitari potest“) aus.

Dieser „Begriff“ ist nach dem Verständnis von Anselm von Canterbury gedanklich nur dann widerspruchsfrei nachzuvollziehen, wenn Gott aber auch wirklich existiert. Seine Argumentation zeigt deshalb nach Edgar Morscher[14] folgende Struktur gekürzt wiedergegeben auf[15]:

Was sind Gottesbeweise und was sollen die Gottesbeweise? Bemerkungen zu Anselms von Canterbury Gottesbeweis(en), in: Friedo Ricken[16] Herausgeber, Klassische Gottesbeweise in der Sicht der gegenwärtigen Logik und Wissenschaftstheorie, Seite 64 f. :

1. Annahme des Gegenteils: Das, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann (das ist Gott), existiert nicht in Wirklichkeit, sondern nur im Verstand.
2. Wenn man davon ausgeht, dass der Ansatz 1 richtig ist, dann kann etwas gedacht werden, das größer ist als das, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann (nämlich ebendieses, jedoch mit der zusätzlichen Qualität, dass es auch in Wirklichkeit existiert, was dann größer ist als das lediglich Gedachte ohne dass dieses in Wirklichkeit existiert).
3. Wenn etwas gedacht werden kann, das größer ist als das, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann, dann ist das, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann, etwas, worüber hinaus Größeres gedacht werden kann.
4. Das, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann, ist etwas, worüber hinaus Größeres gedacht werden kann und ergibt sich aus den Ansätzen 1, 2 und 3 durch die zweimalige Anwendung des Modus ponens.
5. Ist der Ansatz 4 widersprüchlich und daher Ansatz 1 falsch, dann hat das zur Folge, dass das, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann (das ist Gott), in Wirklichkeit existiert und nicht nur im Verstand aus, beziehungsweise mit den Gedankenansätzen aus 1 – 4 werden die Aussagen widerlegt, dadurch geführt.

Der kosmologische Gottesbeweis

Die antiken und mittelalterlichen Varianten des kosmologischen Beweises gehen alle in irgendeiner Form davon aus, dass das Universum eindeutig eine Ursache außerhalb seiner selbst haben muss. Die Welt und ihre Existenz werden dabei als durchaus fraglich und fragwürdig betrachtet. Die klassische Formulierung dieses kosmologischen Gottesbeweises findet sich bei Thomas von Aquin in der Summa theologica[17], der dabei seinerseits auf Gedankengänge von Platon[18] und Aristoteles[19].

Es bieten sich die Vergleiche mit Platon, Phaidros[20] 245 c ff., Nomoi[21] 891 b ff. an, auf die er zurückgriff.

Thomas von Aquin: Quinque viae ad deum

In den „quinque viae“, also den fünf Wegen des Thomas von Aquin enthalten die vier ersten Wege Varianten des kosmologischen Gottesbeweises. Der fünfte Weg stellt den teleologischen Gottesbeweis dar. Thomas von Aquin unterscheidet den Aufweis Gottes aus der Bewegung (ex parte motus), aus der Wirkursache (ex ratione causae efficientis), aus dem Möglichen und Notwendigen (ex possibili et necessario), aus den Graden der Vollkommenheit (ex gradibus) und aus der Teleologie (ex gubernatione rerum). Jeder dieser Wege geht von Erfahrungstatsachen aus, das heißt, dass er empirische Prämissen enthält. Diese können in der Argumentation Thomas’ nicht zugleich wahr und ihre Konklusion, die Existenz Gottes, auch falsch sein.[22]

Jeder seiner „5 Wege“ hat den gleichen syllogistischen Aufbau:

- der Obersatz = die 1. Prämisse (lateinisch praemittere – „voraussetzen“) eine empirisch nachprüfbare Tatsache (ein Faktum der anorganischen oder organischen Welt)
- der Untersatz = die 2. Prämisse eine metaphysische Feststellung, das heißt eine Behauptung, die zwar nicht empirisch beweisbar ist, deren Annahme aber zumindest nicht unlogisch oder unsinnig ist. Solche Sätze nennt man Axiome, zum Beispiel, dass alles Existierende einen hinreichenden Grund für sein entsprechendes Sein haben muss (physisches und metaphysisches Kausalitätsprinzip) oder dass zwischen dem absoluten und dem erschaffenen (kontingenten) Sein eine Entsprechung (analogia entis) besteht, so dass vom Kontingenzen (Philosophie) aus sinnvolle und richtige Aussagen über das Absolute gemacht werden können. Wer die Gültigkeit von Axiomen abstreitet, kommt zu abwegigen Schlussfolgerungen; ihre Wahrheit ist also gegeben, aber unbeweisbar; diesen Wahrheitsgrad nennt man Evidenz (vom lateinischen evideri – „herausscheinen“ abgeleitet).

Der Schlusssatz (lateinisch conclusio) = er enthält den Nachweis der Existenz Gottes. Da für Thomas von Aquin die Gültigkeit metaphysischer Axiome außer Zweifel stand, hielt er seine Gottesbeweise für zwingend (stringent), und seine Anhänger in der Neuzeit, die Neuscholastiker, verfechten ihre Beweiskraft bis zum heutigen Tag[23].

Im Folgenden werden die einzelnen „Wege“ des Thomas von Aquin etwas näher betrachtet:

Sein Gottesbeweis

Der erste Weg, ex parte motus, auf dem Thomas das Dasein Gottes beweisen will, geht von der empirisch feststellbaren Tatsache der Bewegung in der Welt aus (deshalb auch „kinesiologischer“ Gottesbeweis genannt).

„Bewegung“ versteht Thomas dabei nicht nur physikalisch als Ortsveränderung, sondern im weiteren (philosophisch – aristotelischen) Sinn als „Übergang von der Möglichkeit in die Wirklichkeit“ (also auch in der Bedeutung von „einem Werden“, „einer Veränderung“, „einer Entwicklung“).

Von der Möglichkeit in die Wirklichkeit übergeführt werden kann etwas – nach dem Kausalitätsprinzip beziehungsweise dem Satz vom zureichenden Grund – aber nur durch etwas, das selbst in Wirklichkeit ist. Alles, was in Bewegung ist, muss also durch etwas anderes – eine wirkende Ursache – bewegt worden sein. Die Möglichkeit, dass sich etwas „von selbst“ bewegen kann, schließt Thomas von Aquin durch den „Satz vom Widerspruch“ schlicht aus, nach dem es unmöglich ist, dass etwas zugleich und in derselben Hinsicht in Möglichkeit und in Wirklichkeit existiert.

Aus seiner Sicht ist es deshalb auch unmöglich, dass etwas zugleich und in derselben Hinsicht bewegend und bewegt, also Ursache und Wirkung in einem, ist. Jede Bewegung (Wirkung) ist also selbst wieder durch etwas anderes bewegt (bewirkt beziehungsweise verursacht), diese wiederum durch eine andere und so weiter. In dieser Weise lässt sich jedoch nicht bis ins Unendliche zurückgehen, da sonst die gesamte Kette von Bewegendem (Ursachen) und Bewegtem (Wirkungen) – und damit auch die von uns zweifellos feststellbare Bewegung in der Welt – gar nicht in Gang gekommen wäre. Also muss – nach Thomas von Aquin – notwendigerweise ein „erstes unbewegtes Bewegendes“ („primum movens, quod a nullo movetur“) vorausgesetzt werden, das die Kausalkette des Werdens in Gang gesetzt hat, ohne selbst Teil dieser Kausalkette zu sein. „Und dieses“, behauptet Thomas von Aquin, „erkennen alle als Gott“.

Der teleologische Gottesbeweis bei Thomas von Aquin

Der Begriff Teleologie bezieht sich traditionell, etwa bei Thomas von Aquin, auf eine planvolle Einrichtung der Welt, durch welche die Dinge eine höhere Vollkommenheit erreichen[24],[25],[26]. Die Teleologie geht also über die ursprüng – liche Vollkommenheit der Dinge hinaus, bezieht sich auf eine offene Naturkausalität[27],[28] und bedarf einer äußeren Ursache. Diese ist aufgrund einer intentionalen Ordnung notwendigerweise intelligent[29].

Die sich überall bewegende Welt

Alles Bewegte wird von einem anderen bewegt, das heißt nichts kann sich selbst die erste Bewegung geben.

Also:

Die bewegte Welt setzt einen von ihr verschiedenen Beweger voraus.

Eine unendliche Reihe von Bewegern, die ihre Bewegung jeweils von außen haben, erklärt nicht, woher die Bewegung erstmals ihren Ausgang nahm. Wenn eine endliche Reihe von Bewegtem sich die Bewegung nicht selbst geben kann, dann kann es auch eine unendliche Reihe nicht. Deshalb lehnt Thomas von Aquin in seinen „5 Wegen“ den „Rückgriff auf das Unendliche“ (regressus in infinitum) grundsätzlich ab. Stattdessen sagt er: Es ist notwendig, anzunehmen, dass es eine erste Bewegungskraft (primum movens) gibt, die selbst von niemand anderem die Bewegung erhalten hat und insofern als „unbewegt“ (lateinisch immotum „von niemandem in Bewegung gesetzt“) bezeichnet werden kann. Das primum movens immotum nennen wir Gott[30].

Der Kausalitätsbeweis

Der kausale Gottesbeweis („ex ratione causae efficientis“) geht davon aus, dass alles, was in dieser Welt existiert, auf eine Ursache zurückzuführen sei. Da man die Reihe der Ursachen nicht unendlich fortsetzen könne, müsse eine erste nicht kontingente Ursache (causa prima) existieren, die selbst auf keine andere Ursache zurückführbar sei. Schon Aristoteles postulierte eine solche erste Ursache, die selbst unverursacht sei, und nannte sie „das erste unbewegte Bewegende“ (πρῶτον κινοῦν ἀκίνητον) oder den „unbewegten Beweger“.

Viele mittelalterliche Denker, auch Thomas von Aquin, identifizierten diesen mit Gott. Die Argumentation des Aristoteles liegt auch dem „kosmologischen Gottesbeweis“ zugrunde und wird von manchen zu einem „Kontingenzbeweis“ verallgemeinert. Die Zweite Prämisse ist der Satz vom zureichenden Grund.

In der Welt gibt es überall Ursachen (actio) und Wirkungen (reactio), die miteinander in Verbindung stehen.

Jede Wirkung setzt eine hinreichende Ursache voraus.

Wegen der Unmöglichkeit des regressus in infinitum bleibt nur der Schluss,

dass

die Welt eine prima causa efficiens (eine zeitlich erste Wirkursache) hat, welche selber incausata (unverursacht) ist.

Diese erste, unverursachte Wirkursache (prima causa incausata) wird nun Gott genannt. Gott ist sich selbst die Ursache seines Seins; er ist das Sein selbst in seiner ganzen Fülle.

Der Kontingenzbeweis

Der Kontingenzbeweis („ex possibili et necessario“ – Thomas von Aquin) gilt als radikale Gestalt des kosmologischen Beweises[31]. Sein Gedankengang ist folgender: Es gibt nichtnotwendig Seiendes (das Zufällige, Kontingente). Dieses nichtnotwendig Seiende könnte genauso gut nicht sein. Dass es aber ist, ist nur damit erklärbar, dass es seine Existenz einem anderen Sein verdankt. Diese Abhängigkeitskette lässt sich nur dann überhaupt stabil erklären, wenn es ein aus sich heraus Seiendes (ens a se) gibt, von dem alles kontingent Seiende abhängig ist. Dieses absolut Seiende (Absolute) wird mit Gott identifiziert.

Die Welt ist kontingent (= nicht notwendig existierend: Alles Empirische entsteht und vergeht wieder, ist also entbehrlich).

Da das Kontingente sich nicht selbst das Sein geben kann und da der regressus in infinitum ausgeschlossen ist, setzt das Vorhandensein eines kontingenten Kosmos die Existenz eines absoluten Wesens (ens necessarium) voraus: von diesem notwendig existierenden Wesen empfängt jedes kontingente Wesen das Sein:

Also

setzt die kontingente Welt zur Erklärung ihrer Entstehung die Existenz eines notwendig existierenden Wesens voraus; dieses Wesen wird Gott genannt

Argumentationen nach diesem Muster sehen sich verschiedenen Einwänden ausgesetzt: die Argumentation ist nur unter bestimmten Voraussetzungen schlüssig, die nicht von jeder Ontologie geteilt werden. Dazu zählen: die Prämisse, dass es überhaupt eine objektive Unterscheidung von kontingent und notwendig in einem für solche Argumente relevanten Sinne gibt; dass Fragen nach dem Warum der Existenz eines Objekts stets die Erwähnung eines anderen Objekts in der Antwort verlangen; dass trotzdem der Ausnahmefall überhaupt sinnvoll ist, dass es auch etwas („erstes“) gibt, wofür ebendies nicht gilt; dass dieses mit Gott (insbesondere dem Gott einer spezifischen Religion) identifiziert werden kann.

Eine Variante dazu stammt von Leibniz, der annahm, es müsse einen letzten Grund der Dinge geben, der außerhalb der Welt und damit bei Gott liegt. Gott sei der zureichende Grund der Welt.

Die moderne Varianten

des kosmologischen Gottesbeweises argumentieren wie folgt: Die physikalischen Naturkonstanten seien so aufeinander abgestimmt, dass Leben, wie wir es kennen, möglich ist – was sich bei Abweichung um wenige Promille ändern würde. Diese Abstimmung sei nur erklärbar als planvolle Wahl – durch einen Schöpfergott. (Näheres dazu im Artikel Feinabstimmung der Naturkonstanten.)

Dieser Argumentation steht das so genannte anthropische Prinzip gegenüber: „Weil es Beobachter des Universums gibt, muss es Eigenschaften besitzen, die die Existenz von Beobachtern zulassen“. Wenn dieses Prinzip bereits teleologisch verstanden wird (das Universum besitzt Eigenschaften zweckhafter Art), wird die Argumentation Kritikern zufolge zirkulär. Wird umgekehrt das anthropische Prinzip nicht – teleologisch verstanden, also die scheinbare Zweckhaftigkeit naturwissenschaftlich erklärt, wird die Argumentation des „kosmologischen Gottesbeweises“ Kritikern zufolge unschlüssig.

Der Stufenbeweis, auch ex gradibus rerum.

In der Welt gibt es mehr oder weniger gute, wahre und schöne Dinge, das heißt die Werte sind abgestuft:

Also

Es muss ein Optimum (beziehungsweise Verissimum, Nobilissimum) geben, das für alles innerweltliche Sein die Ursache seines Gut –, Wahr – und Edelseins ist. Dieses höchste Gute, Wahre und Edle nennen wir Gott.

Der Finalitätsbeweis – „teleologischer Beweis“ – ex gubernatione rerum.

In der Welt gibt es Ordnung und Zweckmäßigkeit (die physikalischen, chemischen und biologischen Naturgesetze).

Ordnung, Zielstrebigkeit und Sinnhaftigkeit setzen einen denkenden Geist als Ordner voraus (aliquid intellegens), andernfalls müsste man wieder einen regressus in infinitum vollziehen:

Also

braucht die Welt zur Erklärung ihrer Ordnung einen ordnenden Geist, und den nennen wir Gott.

Der teleologische Gottesbeweis geht dabei traditionell von der Weltenlenkung aus (gubernatio rerum)[32]. Es sei feststellbar, dass es in den Dingen dauerhafte oder angehäufte Verbesserungen gibt. Diese bedürften notwendigerweise einer Weltenlenkung[33]. Unvernünftige Dinge seien nicht in der Lage, ein Ziel zu verfolgen und bedürfen anderer Dinge, die sie zum Ziel bestimmen[34]. An oberster Stelle müsse ein intelligentes Wesen stehen, das eben in der Lage ist, ein Ziel vorzugeben[35].

Zum teleologischen Gottesbeweis

Viele Kritiker haben sich vor allem mit dem teleologischen Gottesbeweis auseinandergesetzt. Ein früher Kritiker des teleologischen Gottesbeweises ist David Hume in seinen Dialogues Concerning Natural Religion[36]. Immanuel Kant behandelt teleologische Gottesbeweise unter dem Schlagwort der Physikotheologie. Er spricht diesen Beweisen zwar zu, dass sie die Idee Gottes wahrscheinlicher wirken lassen, es handele sich aber nicht um zwingende Beweise: Die Ordnung der Natur wäre nur ein Hinweis auf einen Demiurgen, der die Materie in eine Ordnung bringt, nicht aber auf einen Schöpfergott, der aus dem Nichts erschaffen kann, was er will. Ein physikotheologischer Beweis täusche also nur vor, einen empirischen Beleg für die Existenz eines Gottes im christlichen Verständnis zu liefern, insbesondere kann das Haben einer Gottesvorstellung also nicht auf die Naturerfahrung zurückgeführt werden, sondern muss ein Produkt des spekulativen Vernunftgebrauchs sein[37].

In jüngerer Zeit hat das teleologische Argument durch die Intelligent – Design – Bewegung in den USA eine Neuauflage erhalten, die die Evolution leugnet und versucht, in den Schullehrplänen den Kreationismus als Lerninhalt durchzusetzen. Kritiken des teleologischen Beweises setzen meist an einer der beiden Fragen an: „Bestehen Ordnung, Schönheit und Zweckmäßigkeit wirklich?“ und „Wenn Zweckmäßigkeit wirklich besteht, muss deswegen eine Instanz existieren, die diese geschaffen hat?“

Die zweite Frage wird oft mit dem Hinweis verneint, dass „Zweckmäßigkeit“ problemlos durch die Evolutionstheorie erklärbar sei[38]. Dem Argument, dass Schönheit ein Ausdruck der Schöpfung ist, wird entgegengesetzt, dass dies eine rein subjektive Empfindung ist. Ein grundlegendes Verständnis für Natürliche Selektion offenbart, dass sich unsere Augen an die Farben der Natur angepasst haben und nicht anders herum[39].

Rasterdaten zum Leben von Jesus Christus

Vor ungefähr 2000 Jahren wurde Jesus Christus geboren. Er wurde von Gott gezeugt und von einer Jungfrau geboren. Dieses Ereignis war die Erfüllung zahlreicher Prophezeiungen (beispielsweise: 5.Buch Mose, Kapitel 18, Vers 15, 18, 19; Psalm 40, Vers 7 – 10, Jesaja, Kapitel 7, Vers 14; und Micha, Kapitel 5, Vers 1), die Gott zuvor durch die verschiedensten Menschen verkündigen ließ und heute in geschriebener und wahrheitsgetreuer Form im „Alten Testament“ der Bibel wieder zu finden sind.

Der Sohn Gottes wurde Mensch. Seine außergewöhnliche Geburt ist im „Neuen Testamen“ der Bibel nachzulesen (Matthäusevangelium, Kapitel 1, Vers 18 – 25 und Lukasevangelium, Kapitel 1, Vers 1 bis Kapitel 2, Vers 7).

Zusammenfassung der wichtigsten Daten

Aber durch die Bibel erfahren wir noch mehr von ihm. So haben wir seine wichtigsten Daten in einem Steckbrief zusammengefasst:

- Name: Jesus von Nazareth (genannt Christus) Matthäusevangelium, Kapitel 1, Vers 16
- Bedeutung: Jesus – „Der Herr ist Heil (Rettung)!“ Christus – „Der Gesalbte“; „Der Messias“
- geboren: etwa 7 – 4 vor Christus (Verschiebung durch die nachträgliche Rückdatierung)
- gestorben: An einem Freitag wurde er mit 33/34 an einem Kreuz auf dem Berg Golgatha (in der Nähe von Jerusalem) hingerichtet
- auferstanden: Am 3. Tag nach seinem Tod (Sonntag) ist er auferstanden. Er erschien 40 Tage lang den verschiedensten Personen und einmal sahen ihn über 500 gleichzeitig. Dann fuhr er in den Himmel auf und sitzt nun zur Rechten Gottes (Brief an die Hebräer, Kapitel 10, Vers12)
- Staatsangehörigkeit: jüdisch
- Geburtsort: Bethlehem (in Judäa)
- Wohnort: Aufgewachsen ist Jesus in Nazareth und wohnte schließlich zur Miete in Kapernaum (im Gebiet von Zabulon und Nephtalim) (Matthäusevangelium, Kapitel 2, Vers 23 – Kapitel 4, Vers13)
- Beruf: Zimmermann (Markusevangelium, Kapitel 6, Vers 3)
- Adoptivvater: Josef (Zimmermann) (Matthäusevangelium, Kapitel 1, Vers 24 – 25)
- Leihmutter: Maria (Hausfrau)
- Stiefgeschwister: Jesus hatte mindestens 6 jüngere Stiefgeschwister (4 Jungen und mehrere Schwestern). Lediglich die Namen seiner Stiefbrüder sind uns überliefert, als da wären: Jakobus, Joses, Judas und Simon. (Markusevangelium, Kapitel 6, Vers 3 – 4)
- Beginn seines Wirkens: Mit ungefähr 30 Jahren
- Sein Auftrag: Den Willen seines Vaters (Gottes) zu tun, indem er den Menschen zeigte, wie sehr Gott sie liebt: Er starb für DICH! (Johannesevangelium, Kapitel 3, Vers 16)

„Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, auf dass er die Welt richte, sondern auf dass die Welt durch ihn errettet werde“. (Johannesevangelium, Kapitel 3, Vers 17)

Hier hatte ich meine größten Probleme. Ich wollte nicht den Glauben an Christus lassen. War er doch mein Lebensgrund.

Zusammenfassende Kurzinformationen

Auf Grund meiner Bibelsicht konnte ich ja auch nicht an die Wunder glauben. Sie waren für mich Mythos, die Jesu Göttlichkeit unterstreichen sollten; antike Übertreibung eben, die aber durchaus einen bestimmten Aussagewert haben. Ebenso die Legende von der Jungfrauengeburt.

Nur an die Auferstehung, daran wollte ich unbedingt festhalten. Sie ist fundamental für den christlichen Glauben. Also konnte ich gar nicht davon lassen. Schließlich war mein Glaubensleben doch kein Irrtum?! Oder doch?!

Immer dann, wenn ich spüre, dass ich wieder einmal auf „Abwegen“ mit meinen Fragen und Unsicherheiten bin, dann tröstet mich eine Aussage aus dem Buch der Offenbarung, Kapitel 21, Vers 4: Gott wird die Täter, die Sünder, richten. Er wird den Notleidenden, den Geschundenen und Zerbrochenen die Tränen persönlich trocknen. Diese sind es, die den Himmel offen sehen werden.

Gott liebt mich. Er ist mein Herr. Er hält Gutes für mich bereit. Es sind Schätze, die ich niemanden beschreiben kann, die aber jeder bekommen kann.

„Ich glaube an Gott...
und an Jesus Christus...
geboren von der Jungfrau Maria...
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinab gestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;“

(ein Abschnitt aus dem Apostolischen Glaubensbekenntnis)

Ich sprach mit einem Freund aus der Gemeinde. Naturgemäß hatte er natürlich Einwände gegen Evolution und meine Sicht der Bibel. Allerdings hatte ich nicht den Eindruck, dass hier eine Trennung bevorstand. Zu denken gab mir ein Hinweis. Wenn ich diese kritisch – historische Bibelsicht habe und nur glauben kann, was belegbar ist und damit die Wunder als Tatsache ablehne: „Mir ist ja noch niemals ein von den Toten Auferstandener begegnet!“, also könne ich logischerweise ja auch nicht an das größte aller Wunder glauben!

Alea iacta est: Nach ein paar Tagen des Nachdenkens war mir klar: Mein Christ sein ist nicht mehr. Denn ich glaubte der Bibel nicht mehr und konnte tatsächlich nicht an den auferstandenen Christus glauben. Und merkte, dass ich mir zumindest die letzten zwei Jahre etwas vorgemacht hatte, weil ja nicht sein kann, was nicht sein kann.

Dazu unter anderem ein persönliches Fazit von H. D. Hüsch:

„Und dann kommen auch die großen Tröster

Mit den neusten Plänen in der Hand
Dann wird diskutiert
Und dann wird reflektiert
Und danach konstatiert
Dass man dich angeschmiert“.

(H. D. Hüsch; Den möcht ich sehn..., Heyne – Verlag)

Manfred Oppdehipt drückt das für sich so aus:

Alles in allem fühlte ich mich nicht unbedingt verarscht; ich glaube, ich habe mir all die Jahre selbst etwas vorgemacht. Kein Blick zurück im Zorn; nein, die frommen Menschen, die mir begegnet sind, glauben alle aufrichtig. Soweit ich das beurteilen kann. Und sie bemühen sich, ihr Leben entsprechend auszurichten.

Ich habe meinen Glaubensweg mit wenigen Worten nachgezeichnet, meinen Weg zum Glauben und wieder weg. Damit möchte ich nur in etwa meinen Denkprozess deutlich machen. Es ist keine theologische Abhandlung.

Manche Christen werden behaupten, ich war ja nur ein Scheinchrist gewesen. Dass ich die Gnade nie wirklich erfahren habe. Dem ist aber nicht so. Ich habe lange Jahre an Jesus Christus geglaubt und mich selbst dabei verleugnet. Nun, da ich wirklich frei bin, sehe ich das so.

Ein neues Leben, als Mensch, der sich der Verantwortung des Lebens stellt und diese nicht mehr an einen imaginären Gottessohn abgibt. Ich fühle mich frei, glücklich und freue mich auf das, was noch kommt. (Manfred Oppdehipt, Moers, im Januar 2001)

Mein Wunsch:

Gott gebe dir

Für jeden Sturm

einen Regenbogen,

für jede Träne

ein Lachen,

für jede Sorge

eine Aussicht,

eine Hilfe

in jeder Not, und eine

Antwort auf jedes Gebet.[40]

Herr, wie Du willst, soll mir geschehn,

und wie Du willst, so will ich gehn,

hilf Deinen Willen nur verstehn!

Herr, wenn Du willst, dann ist es Zeit,

und wann Du willst, bin ich bereit,

heut und in alle Ewigkeit.

Herr, was Du willst, das nehm ich hin,

und was Du willst, ist mir Gewinn;

genug, dass ich Dein Eigen bin.

Herr, weil Du’s willst, drum ist es gut,

und weil Du’s willst, drum hab ich Mut,

mein Herz in Deinen Händen ruht.

Amen.[41]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[42]

Grafik 3

Steckbrief: Jesus Christus

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kurzinformation:

- Vor zirka 2.000 Jahren wurde Jesus Christus geboren.
- Er wurde von Gott gezeugt und von einer Jungfrau geboren.
- Dieses Ereignis war die Erfüllung zahlreicher Prophezeiungen (Bibelzitate aus dem Alten Testament: 5. Buch Mose, Kapitel 18, Vers 15, 18, 19; Psalm 40, Vers 7 – 10, Jesaja, Kapitel 7, Vers 14; Kapitel 9, Vers 6 und Micha, Kapitel 5, Vers 1), die Gott zuvor durch die verschiedensten Menschen verkündigen ließ.
- Der Sohn Gottes wurde Mensch. Seine außergewöhnliche Geburt ist im „Neuen Testament“ der Bibel nachzulesen (Matthäusevangelium, Kapitel 1, Vers 18 – 25 und im Lukasevangelium, Kapitel 1, Vers 1 – Kapitel 2, Vers 7).
- Aber durch die Bibel erfahren wir noch mehr von ihm.

Die wichtigsten Daten in einem Steckbrief mit Stellenangaben zusammengefasst:

- Name: Jesus von Nazareth, auch Christus genannt, Matthäusevangelium, Kapitel 1, Vers 16.
- Bedeutung: Jesus gleichzusetzen mit „Der Herr ist Heil (Rettung)!“
Christus = „Der Gesalbte“ oder „Der Messias“.
- Geboren: 7 – 4 vor Christus (Verschiebung durch die nachträgliche Rückdatierung).
- Gestorben: An einem Freitag wurde er mit 33/34 Jahren an einem Kreuz auf dem Berg Golgatha (in der Nähe von Jerusalem) hingerichtet.
- Auferstanden: Am 3. Tag nach seinem Tod (Sonntag) ist er auferstanden. Er erschien 40 Tage lang den verschiedensten Personen und einmal sahen ihn über 500 gleichzeitig. Dann fuhr er in den Himmel auf und sitzt nun zur Rechten Gottes (Hebräerbrief, Kapitel 10, Vers12).
- Staatsangehörigkeit: Jude.
- Geburtsort: Bethlehem in Judäa.
- Wohnort: Aufgewachsen ist Jesus in Nazareth und wohnte schließlich zur Miete in Kapernaum (im Gebiet von Zabulon und Nephtalim) siehe dazu: Matthäusevangelium, Kapitel 2, Vers 23 – Kapitel 4, Vers 13.
- Beruf: Zimmermann, Markusevangelium, Kapitel 6, Vers 3
- Adoptivvater: Joseph, Zimmermann, Matthäusevangelium, Kapitel 1, Vers 24 – 25.
- Leihmutter: Maria, Hausfrau.
- Stiefgeschwister: Jesus hatte mindestens 6 jüngere Stiefgeschwister (4 Jungen und mehrere Schwestern); lediglich die Namen seiner Stiefbrüder sind uns überliefert, als da wären: Jakobus, Joses, Judas und Simon; Markusevangelium, Kapitel 6, Vers 3 – 4.
- Beginn seines Wirkens: mit etwa 30 Jahren.
- Sein Auftrag: Den Willen seines Vaters (Gottes) zu tun, indem er den Menschen zeigte, wie sehr Gott sie liebt: Er starb für DICH! Johannesevangelium, Kapitel 3, Vers 16.

„Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, auf dass er die Welt richte, sondern auf das die Welt durch ihn errettet werde“. (Johannes – evangelium, Kapitel 3, Vers 17)

Jesus von Nazareth

Jesus von Nazaret (aramäisch ישוע Jeschua oder Jeschu`, gräzisiert Ἰησοῦς; geboren wahrscheinlich vor 4 vor Christus in Nazaret; † 30 oder 31 in Jerusalem) war ein jüdischer Wanderprediger. Etwa ab dem Jahr 28 trat er öffentlich in Galiläa und Judäa auf. Zwei bis drei Jahre später wurde er auf Befehl des römischen Präfekten Pontius Pilatus von römischen Soldaten gekreuzigt.

Das Neue Testament (Neues Testament) ist als Glaubensdokument der Urchristen zugleich die wichtigste Quelle der historischen Jesusforschung. Danach hat Jesus Nachfolger berufen, den Juden seiner Zeit das nahe Reich Gottes verkündet und sein Volk darum zur Umkehr aufgerufen. Seine Anhänger verkündeten ihn nach seinem Tod als Jesus Christus, den Messias und Sohn Gottes. Daraus entstand eine neue Weltreligion, das Christentum. Auch außerhalb des Christentums wurde Jesus bedeutsam.

Christliche Quellen zum Leben Jesu

Informationen über Jesus werden großenteils den vier kanonischen Evangelien, manche auch den Paulusbriefen, einigen Apokryphen und außerhalb davon überlieferten Einzelworten (Agrapha) entnommen. Diese Texte stammen von Urchristen jüdischer Herkunft, die an die Auferstehung Jesu Christi glaubten (Markusevangelium, Kapitel 16, Vers 6; Apostelgeschichte, Kapitel 2, Vers 32) und ihre Erinnerungen an Jesus mit biblischen, legendarischen und symbolischen Elementen verbanden[43]. Damit wollten sie Jesus als den verheißenen Messias für ihre Gegenwart verkündigen, nicht biografisches Wissen über ihn festhalten und vermitteln. Gleichwohl enthalten diese Glaubensdokumente auch historische Angaben.

Die zwischen 50 und 64 entstandenen Paulusbriefe nennen kaum biografische Daten Jesu, zitieren aber einige seiner Worte und Aussagen aus der Jerusalemer Urgemeinde über ihn, die entsprechende Evangelienangaben bestätigen. Auch der Jakobusbrief spielt öfter auf Eigenaussagen Jesu an und gilt manchen Exegeten als mögliche Quelle dafür, falls er von Jesu Bruder stammt[44].

Falls Stellen wie Markusevangelium, Kapitel 13, Vers 2; Matthäusevangelium, Kapitel 22, Vers 7; Lukasevangelium, Kapitel 19, Vers 4f. auf die Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jahr 70 anspielen, wurden die drei synoptischen Evangelien danach vollendet. Eine frühere Abfassung um etwa 64 halten einige Forscher nur beim Markusevangelium für möglich. Demnach gehörten die Autoren nicht zu Jesu ersten Nachfolgern, können aber Augenzeugen Jesu gekannt und Jesusüberlieferung von diesen erhalten haben[45].

Den Autoren des Matthäus – und Lukasevangeliums lag nach der weithin akzeptierten Zweiquellentheorie das Markusevangelium oder eine Vorform davon vor. Sie übernahmen dessen meiste Texte und Komposition und veränderten diese gemäß ihren eigenen theologischen Absichten. Ihre sonstigen gemeinsamen Stoffe werden einer hypothetischen Logienquelle mit gesammelten Reden und Sprüchen Jesu zugewiesen, deren Verschriftung auf 40 bis 70 datiert wird[46]. Ähnliche Spruchsammlungen wurden auch im vermutlich in Syrien entstandenen Thomasevangelium fixiert. Ihre frühesten, zuvor jahrelang mündlich überlieferten Bestandteile (Lukasevangelium, Kapitel 1, Vers 2) werden auf die ersten Anhänger Jesu zurückgeführt, die originale Jesusworte bewahrt haben können. Auch ihr jeweiliges Sondergut und das um 100 entstandene Johannesevangelium können unabhängig überlieferte historische Daten zu Jesus enthalten.

Da die Evangelisten ihre Quellen auf je eigene Weise für ihre Missions – und Lehrabsichten überarbeiteten, lassen ihre Gemeinsamkeiten umso mehr auf einen historischen Kern schließen. So erzählen sie die Ereignisse vom Einzug Jesu in Jerusalem bis zu seiner Grablegung in fast derselben Reihenfolge.

Diese Texte werden auf einen Passionsbericht aus der Urgemeinde zurückgeführt, der frühe Credoformeln narrativ entfaltete. Der Autor des Markusevangeliums verknüpfte diese Vorlage mit Jesusüberlieferung aus Galiläa und erweiterte sie; seinen Aufriss übernahmen die übrigen Evangelisten[47].

Dabei veränderten sie manche der hier besonders häufigen Orts –, Zeit –, Personen – und Situationsangaben, so dass deren Historizität stark umstritten ist. Galten früher nur die von außerchristlichen Notizen bestätigte Kreuzigung Jesu durch Römer, seine Festnahme und ein Hinrichtungsbefehl des Statthalters als unstrittig historisch[48], so nehmen heute viele Forscher an, dass die Jerusalemer Urchristen einige der zu Jesu Tod führenden Ereignisse zutreffend überlieferten: Besonders in Textpassagen, deren Details auch das Johannesevangelium enthält und die gemäß jüdischen und römischen Quellen rechts – und sozialhistorisch plausibel wirken[49].

Jesus Christus – sein Leben!

Der Name Jesus

Jesus ist ein männlicher Vorname biblischer Herkunft. Sein bekanntester Träger ist Jesus von Nazaret, den Christen als Jesus Christus, Muslime als Isa ibn Maryam verehren. Meist von diesem Namensträger abgeleitet, wird Jesus in vielen Sprachen verwendet und findet sich auch als Familienname und Bezeichnung von Orten, Filmen, Musik – und Kunstwerken, anderen Gegenständen sowie in Redewendungen.

Jesus ist die lateinisierte Form des altgriechisch flektierten Ἰησοῦς mit dem Genitiv „Ἰησοῦ/Jesu“. Damit wurde die aramäische Kurzform Jeschua (oder Jeschu) des hebräischen männlichen Vornamens Jehoschua übersetzt. Dieser setzt sich aus der Kurzform Jeho – des Gottesnamens JHWH und einer Form des hebräischen Verbs jascha („helfen, retten“) zusammen[50]. Demgemäß deuten Matthäusevangelium, Kapitel 1, Vers 21 und Apostelgeschichte, Kapitel 4, Vers 12 den Namen als Aussage: „Gott ist die Rettung“ oder „der Herr hilft“. Auch die gräzisierte Form blieb im damaligen Judentum geläufig und wurde nicht wie sonst üblich mit einem griechischen oder lateinischen Doppelnamen ergänzt oder von ähnlich klingenden Neunamen ersetzt[51].

Einige Stellen setzen dem Vornamen „Josefs Sohn“ (Lukasevangelium, Kapitel 3, Vers 23; Lukasevangelium, Kapitel 4, Vers 22; Johannesevangelium, Kapitel 1, Vers 45) oder „Sohn der Maria“ (Markusevangelium, Kapitel 6, Vers 3; Matthäusevangelium, Kapitel 13, Vers 55), meist jedoch Nazarenos oder Nazoraios hinzu, um seine Herkunft aus Nazaret anzugeben (Markusevangelium, Kapitel 1, Vers 9). Matthäusevangelium, Kapitel 2, Vers 23 Einheitsübersetzung erklärt das so: „(Josef) ließ sich in einer Stadt namens Nazaret nieder. Denn es sollte sich erfüllen, was durch die Propheten gesagt worden ist: Er wird Nazoräer genannt werden.“

Diese Weissagung kommt wörtlich im Tanach nicht vor, kann aber auf den Ausdruck nēṣer (נֵצֶר, „Spross“) in Jesaja, Kapitel 11, Vers 1 für den Messias als Davidnachfolger anspielen. Eventuell deuteten die Evangelisten damit eine herabsetzende (Johannesevangelium, Kapitel 1, Vers 46) Fremdbezeichnung Jesu um (Matthäusevangelium, Kapitel 26, Vers 71; Johannesevangelium, Kapitel 19, Vers 19), die auch für Christen im syrischen Raum üblich war (nasraja) und in den Talmud als noṣri einging.

Der Name Christus bedeutet: Der Gesalbte – auf hebräisch Maschiah = Messias. Mit dem Messias – Begriff verbanden die Juden damals die Vorstellung eines machtvollen Friedenskönigs nach der Art des David oder Salomo, der das politisch schwache und in zwei Teile zerfallene Israel eint und die Feinde aus dem Land drängt. In der alttestamentlichen Verheißung findet sich jedoch genauso das Bild vom leidenden Gottesknecht. Erst im Bild auf Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu Christi wird die Bedeutung dieses doppelten Bildes deutlich, das sich mit dem Wort Messias verbindet: Friedenskönig und leidender Gottesknecht zugleich.

Kapitel 3
Die „Ich – bin – Worte“ im Johannesevangelium

Grafik 4:

„Ich – bin –Worte“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Jesus sagt: „Ich bin das Licht“ (Johannesevangelium, Kapitel 8, Vers 12. Hierzu gibt es eine wunderbare Zusammenfassung, die ich auf der CD von Halleluja Paul „Halleluja Paul Zeit für ein Lied“, bei Telam, am 12.07.2013 gefunden/gehört habe: „Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg. Er setzt sich, und seine Jünger traten zu ihm. Dann begann er zu reden und lehrte sie. Er lehrte sie, friedfertig zu sein, gerecht, barmherzig und geduldig. Das eigene Schicksal anzunehmen und auf die Kraft zu vertrauen, die Gott uns geschenkt hat.

Jesus sagte: Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt. Man zündet nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den Leuchter. Dann leuchtet es allen im Haus. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen – Halleluja!“

Warum auch Christen sagen können:

„IN VINO VERITAS“ („IM WEIN liegt WAHRHEIT“).

Martin Rheinländer

Einführende Gedanken zu den Ich – bin – Worten Jesu Christi insbesondere zu

„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“.

Übersicht über

die sieben 7 „Ich – bin – Worte“ im Johannes Evangelium:

Ich = die Tür.

(Johannesevangelium, Kapitel 10, Vers 9)

Ich = die Auferstehung das Leben.

(Johannesevangelium, Kapitel 11, Vers 25)

Ich = der gute Hirte.

(Johannesevangelium, Kapite10, Vers 11 – 14)

Ich = das Licht der Welt.

(Johannesevangelium, Kapitel 8 Vers 12)

Ich = das Brot des Lebens.

(Johannesevangelium, Kapitel 6, Vers 35)

Ich = der (wahre) Weinstock.

(Johannesevangelium, Kapitel 15, Vers 1 und Vers 5)

Mein Vater = der Weingärtner, ihr = die Reben

Ich = der Weg und die Wahrheit und das Leben.

(Johannesevangelium, Kapitel 14, Vers 6)

Die Reihenfolge der „ich – bin – Worte“

Die Anordnung der „Ich – bin – Worte“ erscheint nicht zufällig zu sein, sondern ganz im Gegenteil einer gewissen Struktur zu unterliegen. Ein direkter Vergleich mit dem Aufbau eines Musikstücks lässt ganz deutliche Parallelen erkennen. Schon mit dem ersten „Ich – bin – Wort“ „Ich bin das Brot des Lebens“ stellt Jesus das (sein) Thema vor, das in den darauf folgenden drei „Ich – bin – Worten“ immer wieder variiert wird. Dabei bleibt die Sprache aber weiterhin sehr anschaulich und bildhaft. Zwar ist Licht als physikalisches Phänomen nur schwer zu fassen, wenn wir das Licht aber lediglich im Sinne einer Lichtquelle für uns verstehen, wie zum Beispiel im Verständnis der Sonne oder eine Lampe, dann wird auch das entsprechende „Ich – bin – Wort“ sehr konkret.

Mit dem fünften ‚Ich – bin – Wort’ „Ich bin die Auferstehung und das Leben“ beginnt die Reprise, die Wiederaufnahme des Themas, nun aber in einer anderen Tonart. Die Sprache wechselt ihren Charakter. Die gegenständlicher Anschaulichkeit der ersten vier „Ich – bin – Worte“ weicht dem Rückgriff auf abstrakte Begriffe, wie Auferstehung, Leben und vor allem Wahrheit, deren facettenreiche Bedeutung durch Bilder nicht, beziehungsweise höchstens sehr unzureichend dargestellt werden kann. Jesus bringt seinen Auftrag direkt, unverhohlen und unmissverständlich auf den(Höhe)Punkt. Spätestens der fulminante Dreiklang des sechsten „Ich – bin – Wortes“ (Weg und Wahrheit und Leben) lässt keinen Zweifel mehr zu, weshalb er als Messias in die Welt gekommen ist. Mit dem siebten „Ich – bin – Wort“ vom wahren Weinstock bricht die Coda, also der Schlussteil, an. Auch wenn die Sprache zu ihrer Bildhaftigkeit zurückgekehrt ist, so unterscheidet sich das letzte „Ich – bin – Wort“ doch thematisch von den ersten vier. Hier spielt Jesus weniger auf seine Hingabe und Opferbereitschaft an, als auf sein Verhältnis zum Vater und den ihm nachfolgenden Menschen. Das „Ich – bin – Wort“ vom Weinstock wirkt wie eine abschließende Umklammerung, mit der der Zyklus der „Ich – bin – Worte“ endet.

Die Ich – bin – Worte“ lassen sich nach zwei weiteren Aspekten gruppieren:

- In welcher Situation und zu welchen direkten Adressaten spricht Jesus Christus die sieben „Ich – bin – Worte“ aus?
- Welche Verheißungen sind an die „Ich – bin – Worte“ gekoppelt?

Im Vergleich dazu „Ich – bin – Worte“ bedeutender Persönlichkeiten in der Profangeschichte:

Sonnenkönig Ludwig XIV:

Ich bin der Staat (L‘etat, c‘ est moi).

Friederich der Große:

Ich bin der erste Diener des Staates.

Descartes:

Ich denke, also bin ich(Cogito ergo sum).

Da stellt sich nun die Frage, durch welche Besonderheiten sich im Allgemeinen die „Ich – bin – Worte“ auszeichnen?

- Ihre Ausdrucksweise:

zugespitzt, pointiert und provokativ, erregen Aufmerksamkeit (Werbestrategie).

- Die stilistischen Parallelen zu den Gleichnissen: („Ich – bin – Worte“ = Gleichnisse zur Person Jesu)

Bildhafte Sprache, knappe (verdichtete) Formulierung,

starke Aussagekraft

unterschiedlich nuancierte Interpretationsmöglichkeiten.

- Eine Gegenüberstellung erinnert an eine mathematische Gleichung wie E = mc

Ich (Jesus) = Begriff der Alltagssprache (gegenständlich oder abstrakt)

- Eine mögliche Absicht: Keine (Selbst –) Verherrlichung Jesu Christi.
- Vielmehr Verkündigung seiner Mission.
- Anknüpfung „Ich - bin – Wort“ des Alten Testamentes (Name Gottes): Gott sprach zu Mose:„Ich bin, der ich bin“. (Exodus, Kapitel 3, Vers 14)

Beobachtungen zu den „Ich – bin – Worten“

Ihre Bedeutung für Christen ist in den Kernaussagen des Neuen Testamentes, verhaftet und findet sich dann bei den „Kleinoden“ biblischer Zitate zu finden. Ein weiterer Schwerpunkt bei einer erfolgreiche Suche nach den „Ich – bin – Worte“ und ihrer Bedeutung zeigt sich in der häufigen Verwendung bei Jahreslosungen, in der zahlreichen Verwendung von Konfirmationssprüchen, so wie diese Worte auf Grund ihrer Bedeutung und auch Wertschätzung der Christen im gesamten Bereich aller weiteren kirchlichen Amtshandlungen auffallend häufig zu finden sind.

Die „Ich – bin – Worte“ sind aber auch als ein Nachweise für die außergewöhnliche Redegabe und Legitimation im Bezug auf Jesu Christus zu verstehen, die aber keineswegs nur Christen betreffen; es gilt hier festzuhalten, dass sie darüber hinaus einerseits auch sehr unterschiedliche Auswirkungen auf die Christen haben, aber andererseits auch immer wieder zu beobachtende Wirkung auf die Nicht – Christen auch in unserem Umfeld haben. Diese Erfahrung im Bereich der Auswirkung der Worte Jesu lassen sich schlagwortartig so darstellen:

„Ich – bin – Worte“ können

- Kritik auslösend,
- unverständlich,
- verwirrend,
- anmaßend,
- vermessen oder auch als
- intolerant angesehen und verstanden werden.

Eine interessante Alternativübersetzung findet sich im Bezug auf die Frage des Moses (Exodus – 2. Buch Mose, Kapitel 3, Vers 14) nach dem Namen Gottes:

„Ich werde sein, der ich sein werde.“ (revidierter Luthertext von 1984), „Ich bin, der ich sein werde.“, „Ich bin derjenige, der ist.“, „Ich werde sein, der ich bin.“, „Ich bin der Seiende“.

Weiterführende und einleitende Gedanken zu den „Ich – bin – Worten“

Zu den bekanntesten Aussprüchen von Jesus Christus zählen zweifellos die „Ich – bin – Worte“, die sich in dieser dargestellten und beschriebenen Form sind ausschließlich im Johannesevangelium zu finden; dabei handelt es sich im eigentlichen Sinn jedoch fast immer um Gleichnisse, die Jesus über sich und seine Person selbst erzählt. Sie liefern in einer gleichungsartigen Kürze – durchaus einer mathematischen Formel ähnlich und damit auch mit ihr vergleichbar – eine sehr prägnante Charakterisierung seiner Person.

Dabei muss an dieser Stelle auch ganz klar an die Kritiker des christlichen Glaubens und damit der Person Jesu deutlich gesagt werden, dass Jesus es bei dieser sehr prägnante Charakterisierung seiner Person jedoch in keiner Weise um eine anmaßende, überhebliche oder auch glorifizierende Selbstdarstellung geht; das wird schon daran besonders deutlich, dass er sich weder als mächtiger Herrscher über Leben und Tod präsentiert, noch sich als strahlender Sieger über das Böse darstellt oder „charakterisiert“. Das krasse Gegenteil ist der Fall, denn er beschreibt den Sinn seiner göttlichen Mission durch bildhafte und vertraute Ausdrücke und Formulierungen, und bringt auf diese Weise sein Tun auf den Punkt.

- Brot ist jedem bekannt und in seinen Verständnis klar: Es gibt Brot, damit es gegessen wird;
- ein Hirte hat die unbestrittene Aufgabe, Schafe zu hüten
- und eine Tür erfüllt ihren Zweck nur, wenn jemand durch sie hindurch tritt.

Daraus ergibt sich als Folgerung, dass Jesus also nicht wie ein Held verehrt und glorifiziert werden möchte, sondern im Sinne der „Ich – bin – Worte“ von den Menschen angenommen verstanden werden will. In diesem Selbstverständnis liegt die Tatsache begründet, dass er deshalb auch keine Bewunderer sondern Nachfolger (Jünger) sucht. Trotz dieser vielleicht missverständlichen „Ich – Zentrierung“ wendet sich Jesus mit den „Ich – bin – Worten“ den (dem) Menschen zu und setzt sich in keiner Weise von ihnen ab; ganz im Gegenteil, denn er schließt seine Nachfolger im letzten „Ich – bin –Wort“ sogar eindeutig mit ein, bildet so eine unmissverständliche eine Gemeinschaft mit den (dem) Menschen, in dem er sagt: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“.

Es ist dabei völlig unerheblich, auf welche Weise die „Ich – bin – Worte“ die Hingabe Jesu zur Rettung der Menschheit zum Ausdruck bringen, denn sie enthalten immer einen nicht weg zu diskutierenden klaren und unmissverständlichen Anspruch im Hinblick auf den Heilsweg, dem Zentrum seiner Verkündigung und seines Tuns, den Jesus Christus damit ausdrücklich und zugleich auch sehr eindrücklich verkündet.

Es ist doch recht unwahrscheinlich, dass in der Profangeschichte ein weltlicher Herrscher jemals in seinem Gedankengut darauf kam (und wird wohl in Zukunft wohl kaum einer auf die Idee kommen), sich mit einem Laib Brot zu identifizieren, dessen Zweck allein im Verzehr besteht. Dabei gerät der Gedanke daran, dass ohne Brot, also ohne Nahrung, schlichtweg ein Leben nicht möglich ist, völlig auf dem Fokus unserer Überlegungen und Sichtweisen geraten.

[...]


[1] David Riesman , * 22. September 1909 in Philadelphia; † 10. Mai 2002 in Binghamton (New York

[2] José Ortega y Gasset, * 9. Mai 1883 in Madrid; † 18. Oktober 1955 in Madrid

[3] Tai Chi Chuan ist eine über sechshundert Jahre alte Bewegungskunst aus dem chinesischen Kulturkreis. Es basiert auf Übungen, die nach bestimmten Prinzipien in einer festgelegten Reihenfolge, der sogenannten Form, ausgeführt werden.

[4] Gadget – Blogs führen in die Welt der technischen Helfer ein

[5] Myspace Klassiker, ein Pionier im Bereich Social Media, setzt den Standard für andere Websites

[6] Qype, Webdienst, entdecken, empfehlen, Berlin

[7] Ralf Senftleben, * in Berlin, Lichtenrade, 400 Meter von der ehemaligen Mauer, 44 Jahre, Herausgeber von „Zeit zu leben”, Unternehmer, Geschäftsführer, Autor, Selbstlernkurs – Entwickler, Informatiker.

[8] Gelassenheitsposter von Ralf Senftleben

[9] Motivations – Poster von Ralf Senftleben

[10] Anselm von Canterbury, * um 1033 in Aosta; † 21. April 1109 in Canterbury; auch Anselm von Aosta (Geburtsort) oder Anselm von Bec, seinem Kloster.

[11] Immanuel Kant, * 22. April 1724 in Königsberg; † 12. Februar 1804 in Königsberg, war ein deutscher Philosoph der Aufklärung. Er zählt zu den bedeutenden Vertretern der abendländischen Philosophie. Sein Werk Kritik der reinen Vernunft kennzeichnet einen Wendepunkt in der Philosophiegeschichte und den Beginn der modernen Philosophie.

[12] Hans Küng: Existiert Gott? Antwort auf die Gottesfrage der Neuzeit, dtv 1628, München 1981, Seite 585

[13] Kapitel II – IV formuliert, danach nicht zuletzt von René Descartes (1596 – 1650)

[14] Edgar Morscher, * 1941, ist ein österreichischer Philosoph und lehrt derzeit am Fachbereich für Philosophie der Kultur – und Gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Salzburg. Seine Schwerpunkte in Forschung und Lehre sind Ethik, Ontologie, philosophische Logik und die Philosophie des 19. und 20. Jahrhunderts

[15] gekürzt wiedergegeben nach Edgar Morscher

[16] Friedo Ricken, * 1934 in Rheine, ist ein deutscher Jesuit und Philosoph. Friedo Ricken war bis zu seiner Emeritierung Ordinarius für Geschichte der Philosophie und Ethik an der Philosophischen Hochschule der Jesuiten in München.

[17] eines der Hauptwerke von Thomas von Aquin aus der Zeit von 1265 (oder 1266) bis 1273

[18] Platon, * 428/427 vor Christus in Athen oder Aigina; † 348/347 vor Christus in Athen, war ein antiker griechischer Philosoph. I 5, q. 2, a. 3

[19] Aristoteles – altgriechisch: Ἀριστοτέλης (Betonung lateinisch und deutsch: Aris'toteles), * 384 vor Christus in Stageira auf der Halbinsel Chalkidike; † 322 vor Christus in Chalkis auf der Insel Euboia, gehört zu den bekanntesten und einflussreichsten Philosophen der Geschichte.

[20] Der Phaidros ist ein Dialog Platons. Geschildert wird ein Gespräch zwischen Sokrates und Phaidros. Der Dialog entstand um 370 vor Christus oder 360 vor Christus und gehört zusammen mit den Dialogen Parmenides, Philebos und dem Symposion zur dritten Tetralogie der platonischen Werke. Wichtig für ein Verständnis des Werkes ist das Wissen um die Verwobenheit der mündlichen Überlieferung von philosophischen Gesprächen der historischen Figur des Sokrates, der es selbst abgelehnt hatte, seine Philosophie aufzuschreiben, mit den philosophischen Werken seines Schülers Platon. Die genaue zeitliche Einordnung des Werkes ist umstritten.

[21] Die Nomoi (griechisch Νόμοι „Gesetze“) sind das letzte vom griechischen Philosophen Platon wahrscheinlich vor 347 vor Christus verfasste Werk. Es enthält den ausführlichen Entwurf eines, auf einem religiösen Fundament basierten Gesetzbuches für eine neu zu gründende Stadt, die in Kreta lokalisiert wird. Die „Nomoi“ sollen einen technokratischen Erziehungsstaat schaffen, der die Prinzipien der Freiheit, Einheit und Weisheit verfolgt und somit dem Einzelnen die eudaimonia, die „Glückseligkeit“ ermöglicht. Während die Politeia dem Philosophen aufzeigt, was er beim Verlassen der „Höhle“ beachten muss, stellen die Nomoi eine Anleitung für die Umsetzung der politischen Konzepte in der Höhle dar.

[22] Thomas von Aquin, * um 1225 auf Schloss Roccasecca bei Aquino in Italien; † 7. März 1274 in Fossanova; auch Thomas Aquinas oder der Aquinat; it. Tommaso d'Aquino, war Dominikaner und einer der einflussreichsten Philosophen und Theologen der Geschichte. Er gehört zu den bedeutendsten der 35 katholischen Kirchenlehrer

[23] Aristoteles [23], Physik VII – VIII; Metaphysik XII

[24] De ente et essentia 4: „Non autem potest esse quod ipsum esse sit causatum ab ipsa forma uel quiditate rei, dico sicut a causa efficiente, quia sic aliqua res esset sui ipsius causa et aliqua res se ipsam in esse produceret: quod est impossibile“.

[25] I 3 4: „Si igitur esse rei sit aliud ab ejus essentia, necesse est, quod esse illius rei vel sit causatum ab aliquo exteriori, vel a principiis essentialibus ejusdem rei. IMPOSSIBILE est autem, quod esse sit causatum tantum ex principiis essentialibus rei, quia NULLA res sufficit, quod sit sibi causa essendi, si habeat esse causatum. Oportet ergo, quod illud cujus esse est aliud ab essentia sua, habeat esse causatum ab ALIO“.

[26] ST I-II q 1 a 2 „Prima autem inter omnes causas est causa finalis. Cujus ratio est, quia materia non consequitur formam, nisi secundum quod movetur ab agente: nihil enim reducit se de potentia ad actum.“

[27] ST I 103 a 1 resp „Ultima autem perfectio uniuscujusque est in consecutione finis. Unde ad divinam bonitatem pertinet, ut sicut produxit res in esse, ita etiam eas ad finem PERDUCAT; quod EST gubernare“.

[28] ST I 103 a 1 resp „Cum enim optimi sit optima producere, non convenit summae Dei bonitati quod res productas ad perfectum non perducat“.

[29] ST I-II q 1 a 2 „Illa quae rationem habent, seipsa movent ad finem, quia habent dominium suum actuum per liberum arbitrium, quod est facultas voluntatis et rationis; illa vero quae ratione carent, tendunt in finem propter naturalem inclinationem, quasi ab alio mota, non autem a seipsis, cum non cognoscant rationem finis; et ideo nihil in finem ordinari possunt, sed solum in finem ab alio ordinantur.“ Aristoteles Phys. lib. II, text. 49.

[30] mindpicnic.de Zu Thomas von Aquins quinque viae ad deum

[31] Hans Waldenfels: Kontextuelle Fundamentaltheologie, Schöningh, Paderborn, 1985, Seite 134 f

[32] ST q 2 a 3 resp

[33] Videmus enim in rebus naturalibus provenire quod melius est, aut semper, aut in pluribus; quod NON CONTINGERET, nisi per aliquam providentiam res naturales dirigerentur ad finem boni, quod EST gubernare. ST I q 103 a 1 resp.

[34] ST I q 2 a 3 resp „Ea autem quae non habent cognitionem, non tendunt in finem, nisi directa ab aliquo cognoscente et intelligente, sicut sagitta a sagittante.“ An oberster Stelle müsse ein intelligentes Wesen stehen, das eben in der Lage ist, ein Ziel vorzugeben

[35] ST I q 2 a 3 resp „Ergo est aliquid intelligens, a quo omnes res naturales ordinantur ad finem;

[36] Norbert Hoerster: Die Frage nach Gott, Beck, München 2005, Seite 27 – 32

[37] Eintrag Physikotheologischer Gottesbeweis im Kant – Lexikon von Rudolf Eisler (1930)

[38] Richard Dawkins: Und es entsprang ein Fluss in Eden. Das Uhrwerk der Evolution, Goldmann Science masters, München 1998, Seite 73 ff. („Heimlicher Nutzen“)

[39] Christopher Hitchens, God Is Not Great, Hachette Book Group, New York, 2007, Seite 2; Der Herr ist kein Hirte, Karl Blessing Verlag, München

[40] Irischer Segenswunsch

[41] Pater Rupert Mayer SJ betete: Rupert Mayer (* 23. Januar 1876 in Stuttgart; † 1. November 1945 in München) war Mitglied des Jesuitenordens und Präses der Marianischen Männerkongregation. In der Zeit des Nationalsozialismus gehörte er zum katholischen Widerstand. 1987 erfolgte seine Seligsprechung.

[Stand: 24.10.2009 - http://de.wikipedia.org/wiki/Rupert_Mayer]

[42] Textheft der CD „Halleluja Paul Zeit für ein Lied“, bei Telam, am 12.07.2013 erschienen entnommen

[43] Bibelstellen werden nachfolgend nach der Einheitsübersetzung zitiert

[44] James H. Charlesworth: The Historical Jesus, An Essential Guide. Nashville 2008, Seite 41

[45] Richard Bauckham: Jesus and the Eyewitnesses. The Gospels as Eyewitness Testimony, William B. Eerdmans, 2006

[46] Gerd Theißen, Annette Merz: Der historische Jesus. Ein Lehrbuch. Göttingen 2001, Seite 44 f

[47] Ludger Schenke: Der gekreuzigte Christus. Versuch einer literarkritischen und traditionsgeschichtlichen Bestimmung der vormarkinischen Passionsgeschichte. Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 1974; Joachim Gnilka: Das Evangelium nach Markus (Markusevangelium, Kapitel 8, Vers 27 – Kapitel 16, Vers 20), EKK Teil II/2, Seite 217

[48] Hans Conzelmann: Historie und Theologie in den synoptischen Passionsberichten. In: F. Viering (Herausgeber): Zur Bedeutung des Todes Jesu Gütersloh 1967, Seite 37 f.

[49] Gerd Theißen, Annette Merz: Der historische Jesus. Ein Lehrbuch. Göttingen 2001, Seite 394; Wolfgang Reinbold: Der Prozess Jesu, Göttingen 2006, Seite 49; Wolfgang Stegemann: Jesus und seine Zeit, Stuttgart 2010, Seite 362

[50] Werner Foerster, Art. Ἰησοῦς, in: ThWNT III, Stuttgart/Berlin/Köln, 1990, Seite 290

[51] Martin Karrer: Jesus Christus im Neuen Testament. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1998, Seite 46 f.

Ende der Leseprobe aus 250 Seiten

Details

Titel
Der Mensch und Jesus Christus oder Jesus Christus und der Mensch?
Untertitel
Jesus in seiner Bedeutung für das Leben des Menschen in seiner Individualität
Autor
Jahr
2013
Seiten
250
Katalognummer
V233143
ISBN (eBook)
9783656496670
ISBN (Buch)
9783656497202
Dateigröße
12518 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Leben Jesu, Ich-bin-Worte, Kreuz, Sinn des Kreuzes-Sinn Kreuzweg, Bedeutung Jesu, Christ sein ohne Jesus?, neue Lebesninhalte, Veränderungen im persönlichen Leben, Glaube-Bibel-Jesus
Arbeit zitieren
Religionspädagoge Günter-Manfred Pracher (Autor), 2013, Der Mensch und Jesus Christus oder Jesus Christus und der Mensch?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233143

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