Was ist unter dem Ausdruck „Instrumentalisierung der Geschichte“ zu verstehen? Welche Position nimmt sie in der großräumigen Kommunalpolitik ein? Wie wird diese Methodik der Geschichtsinstrumentalisierung im Rahmen des Stadtmarketings angewendet und durchgeführt? Welche Ziele werden hierbei verfolgt?
Nach Beendigung genannter Analysen im aufgestellten Theorienrahmen sollen diese anschließend in den substanziellen Kern der vorliegenden Forschung einfließen und die kommunalpolitischen Tätigkeiten der japanischen Stadt Kushimoto im Hinblick auf das historische Ereignis des im Jahr 1890 untergegangenen türkischen Schiffes Ertuğrul intensiv durchforschen.
Instrumentalisiert Kushimoto dieses Geschehen in der kommunalpolitischen Szene, um sich selbst sowohl national als auch international zu vermarkten? Falls ja, welche Methoden und Taktiken werden hierbei angewendet und vor allem welches Ziel wird angestrebt?
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Einleitung
1. Kommunalpolitik
1.1. Kommunalpolitik in Japan
1.2. Kommunalpolitik in Kushimoto
1.3. Kommunale Geschichtspolitik
2. Stadtmarketing
2.1. Der Stadtmarketingprozess
2.2. Kommunales Tourismusmarketing
2.3. City Branding - Markenbildung einer Stadt
3. Analyse: Die Instrumentalisierung der Geschichte in Kushimoto
3.1. Historische Entwicklung
3.2. Zielbestimmung und Ressourcen
3.3. Umsetzung der Geschichtsinstrumentalisierung
3.3.1. Historische Relikte
3.3.1.1. Der Leuchtturm
3.3.1.2. Das Denkmal
3.3.1.3. Das Schiffswrack
3.3.2. Einrichtungen und Neubauten
3.3.2.1. Das Museum
3.3.2.2. Das Atatürk-Denkmal
3.3.2.3. Souvenirgeschäfte
3.3.3. Gedenkplaketten
3.3.4. Veranstaltungen
3.3.4.1. Gedenkfeier
3.3.4.2. Symposium
3.3.5. Kommunikation
3.3.5.1. Internetauftritt
3.3.5.2. Broschüren
3.3.5.3. Reklamen
3.4. Markenbildung in Kushimoto
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit die japanische Stadt Kushimoto ihre lokale Geschichte rund um den Untergang des türkischen Schiffes Ertuğrul im Jahr 1890 instrumentalisiert, um sich als touristisches Ziel zu positionieren und ein markantes Profil im Rahmen des Stadtmarketings zu entwickeln.
- Kommunalpolitische Strukturen in Japan und Kushimoto
- Theoretische Grundlagen von Geschichtspolitik und Stadtmarketing
- Instrumentalisierung historischer Ereignisse (Museum, Denkmal, Gedenkfeiern)
- Kommunikationsstrategien im Kontext des Tourismus (Internet, Broschüren, Reklame)
- Rolle der Identitätsstiftung und Markenbildung (City Branding)
Auszug aus dem Buch
3.3.2.1. Das Museum
Das Türkische Museum auf Ōshima trägt den Namen toruko kinenkan und wurde im Jahr 1974, in der zweiten Periode Kushimotos, während eine starke Tourismus-Orientierung festzustellen ist, vom Tourismusförderungsamt des Fremdenverkehrsbüros in der Nähe vom Denkmal erbaut.
Allein schon bei der Betrachtung des Baujahres fällt auf, dass Kushimoto sehr großen Wert auf die Errichtung dieses Museums gelegt hat, da sowohl der Leuchtturm, als auch das Denkmal viel später in Angriff genommen wurden, obwohl sie von der vorherigen Rangierung her einen höheren Instrumentalisierungswert innehaben. Das heißt, dass Kushimoto hier aus dem aufgebauten Theorienrahmen springt und die eigens gesetzten Prioritäten verfolgt. Andererseits passt dieses Vorgehen jedoch sehr gut zum Schema der Museen und Denkmale als die stärksten Segmente der Geschichtsinstrumentalisierung. Innerhalb dieses Konzeptes hat Kushimoto insofern 1974 eine Gewichtung auf das Museum gelegt, gefolgt vom Denkmal im Jahr 1990 und vom Leuchtturm im Jahr 2002.
Im Museum werden neben den geborgenen Utensilien zahlreiche Sachen u. A. auch Gaben von der türkischen Regierung ausgestellt. Es fällt hierbei stark auf, dass nicht nur Materialien ausgestellt werden, die einen Bezug zum Ertuğrul Fırkateyni haben, sondern im Allgemeinen zur Türkei, was auf eine kommunalpolitische Ausweitung des Themenfeldes hindeutet. Von diesem Aspekt her kann die Analyse des Museums im Vergleich zu den vorherigen Bauten simpler durchgeführt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Kommunalpolitik: Das Kapitel bietet einen Vergleich zwischen der kommunalen Ebene in Deutschland und Japan, um die administrativen Strukturen und die Einbettung von Kushimoto in den Landkreis Higashimuro zu verorten.
2. Stadtmarketing: Es erfolgt eine theoretische Fundierung des Begriffs Stadtmarketing und dessen Anwendung auf kommunale Bereiche, wobei besonders die Verknüpfung mit Geschichtskultur und Markenbildung hervorgehoben wird.
3. Analyse: Die Instrumentalisierung der Geschichte in Kushimoto: Der Hauptteil der Arbeit untersucht die konkreten Maßnahmen der Stadt, angefangen bei historischen Stätten über Veranstaltungen bis hin zur aktiven Kommunikation, um das Ereignis des Schiffbruchs für Marketingzwecke zu nutzen.
4. Fazit: Die Schlussbetrachtung fasst zusammen, dass Kushimoto eine erfolgreiche, wenn auch stellenweise noch optimierbare Instrumentalisierung der Geschichte betreibt, die durch eine geschickte Markenbildung international zur Geltung kommt.
Schlüsselwörter
Kushimoto, Ertuğrul Fırkateyni, Stadtmarketing, Geschichtspolitik, Kommunalpolitik, Japan, Tourismusmarketing, Markenbildung, City Branding, Erinnerungskultur, Viktimisierung, Kulturpolitik, regionale Entwicklung, internationale Beziehungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die kommunalpolitische Instrumentalisierung der Geschichte am Beispiel der kleinen japanischen Küstenstadt Kushimoto und deren Umgang mit dem historischen Untergang eines türkischen Schiffes.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf kommunaler Verwaltung, der theoretischen Einordnung von Stadtmarketing, der gezielten Nutzung historischer Ereignisse zur Identitätsstiftung sowie der modernen Markenbildung (City Branding).
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Es soll geklärt werden, ob und wie Kushimoto das Ertuğrul-Geschehen instrumentalisiert, um sich national und international als Marke zu positionieren und touristische Potenziale auszuschöpfen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Studie nutzt einen strukturierten analytischen Ansatz, der theoretische Rahmenbedingungen des Stadtmarketings mit einer detaillierten Feldforschung und Fallanalyse (einschließlich Beobachtungen vor Ort) kombiniert.
Was steht im Hauptteil der Untersuchung?
Der Hauptteil analysiert spezifische Ressourcen wie historische Relikte (Leuchtturm, Denkmal, Schiffswrack), neue Einrichtungen (Museum, Atatürk-Denkmal), Gedenkveranstaltungen sowie die verschiedenen Kommunikationskanäle der Stadt.
Welche Schlagworte charakterisieren das Werk?
Die Kernbegriffe sind Kommunale Geschichtspolitik, Stadtmarketing, Markenbildung, internationale Beziehungen zwischen Japan und der Türkei sowie regionale Identität.
Welche Rolle spielen das Museum und das Denkmal in der Strategie der Stadt?
Das Museum dient als zentrales Sammelbecken für die Türkei-Thematik, während das Denkmal als emotionaler Ankerpunkt und Symbol der japanisch-türkischen Freundschaft fungiert, um die Markenbildung der Stadt zu stützen.
Warum wird Kushimotos Vorgehen als "Viktimisierung" bezeichnet?
Der Autor ordnet das Gedenken an die Opfer der Naturkatastrophe (Schiffbruch) in der Erinnerungskultur als "Viktimisierung" ein, da diese Rolle der Verunglückten als emotionales Bindeglied für die Stadt wahrgenommen wird.
- Quote paper
- Cigdem Gedik (Author), 2011, Kommunalpolitische Instrumentalisierung der Geschichte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233149