Ertuğrul Fırkateyni. Ein Schiffbruch, gesehen aus türkischer und japanischer Perspektive


Bachelorarbeit, 2008

43 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung

1. Der Widerhall in den Medien

2. Nationale und individuelle Aufnahme
2.1. Das kollektive Gedächtnis in der Türkei
2.2. Das lokale Gedächtnis in Japan
2.2.1. Die Heldentat des Jahrhunderts
2.2.2. Das Erdbeben in der Türkei

3. Das Konzept Asiens
3.1. Das Türkei-Bild Japans
3.2. Das Japan-Bild der Türkei
3.2.1. Der Westen und Russland
3.3. Das Motiv der Ertuğrul-Delegation
3.3.1. Konvertierte Japaner?

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Vorwort

Anfang dieses Jahres habe ich meine Projektmodulabschlussprüfung in Form einer Hausarbeit über das vor über 100 Jahren in der Nähe Japans untergegangene türkische Schiff Ertuğrul geschrieben. Das Geschehen wurde aus türkischer Sicht detailliert dargestellt und vorwiegend historisch behandelt. Das Ereignis an sich stand im Vordergrund.

Wann ist es passiert, wo ist es passiert, wie und wieso ist es passiert…? All diese Fragen habe ich in der Hausarbeit analysiert und beantwortet.

Nun jedoch habe ich mir genügend Kenntnisse aneignen können, um dieses Geschehen, den Schiffbruch des Ertuğrul Fırkateyni, sowohl aus türkischer als auch aus japanischer Sicht zu betrachten. Aber nicht nur dies allein. Da die Fakten als Basisgründung im vorläufigen Werk schon behandelt worden sind, werde ich mich nun auf die Nachwirkungen konzentrieren und vergleichend verschiedene Aspekte, die ich in der folgenden Einleitung aufzählen werde, analysieren.

Ganz wichtig hierbei ist es zu erwähnen, dass bis heute ein Werk zu diesem Thema, das „beide Seiten“ vergleicht und gegenüberstellt, noch nicht geschrieben wurde! Vorhanden sind immer nur die jeweiligen Perspektiven der Autoren, gelegentlich mit ein paar kurzen Zitaten von Angehörigen der Gegenseite.

Von daher ist es mir eine Ehre und eine sehr große Freude den ersten Schritt zu tun und zum ersten Mal in der Geschichte sowohl der türkischen, als auch der japanischen Perspektive den gleichen Stellenwert zu geben. Schon beim Lesen der vielen verschiedenen Werke konnte ich meine neu gewonnenen Erkenntnisse und die damit zusammenhängende Freude nicht unterdrücken. Somit wäre es nicht verkehrt, wenn dieses im Rahmen meines Bachelorabschlusses entstandene Werk als ein Meilenstein in der Literaturgeschichte zum Untergang des Ertuğrul Fırkateyni betrachtet werden würde.

Einleitung

Diese Arbeit wird mit einem detaillierten Einblick in die Literatur- und Mediengeschichte des Ertuğrul Fırkateyni beginnen und zuerst die türkischen und anschließend die japanischen Werke, die seit dem Schiffbruch entstanden sind, vergleichend vorstellen, um zu sehen, wie gleich oder unterschiedlich der Wiederhall in den jeweiligen Ländern sind.

Im Anschluss wird auf die Aufnahme dieser Reaktionen und Repräsentationen von den Türken und den Japanern in Verbindung mit der Gedächtnisproblematik eingegangen und die Situationen und ihr Verlauf bis heute sorgfältig dargestellt. In dieser Phase finden auch Nachwirkungen des Schiffbruchs Platz.

Danach wird das Thema des Asienkonzeptes angestrebt und die verschiedenen Bilder, sowohl gegenseitige als auch eigene, werden mit Rücksichtnahme auf den Schiffbruch verbildlicht und im Gesamtkontext erläutert. Währenddessen wird auf die Stellung der Türkei und Japans innerhalb Asiens eingegangen und ein kurzer Abstecher zur Religionsthematik gemacht, bevor das Ergebnis vorgestellt wird.

Die ganze Arbeit über werden beide Seiten, also die türkische und japanische, objektiv behandelt und gleichwertig dargestellt. Japanische Zitate werden original verwendet und die Übersetzungen als Fußnoten angefügt, während türkische Zitate von mir persönlich direkt übersetzt und in die Arbeit so übernommen werden.

1. Der Widerhall in den Medien

Das Ertuğrul Fırkateyni ist im Jahre 1890 untergegangen, vor über 100 Jahren. Richten wir unseren Blick zuerst auf die Türkei, dann sehen wir, dass der durch das Umkommen von über 500 Türken erfahrene große Schock im damaligen Osmanischen Reich nicht unverarbeitet geblieben ist. Es entstanden sehr viele Werke, vor allem schriftliche. Auffällig dabei ist die sich verlagernde Tendenz. Bis in die letzten Jahre hinein sind nur akademische Arbeiten zum Ertuğrul Fırkateyni und historische Wiedergaben entstanden, die allererste vom Zeitzeugen Süleyman Nutku (1854-1924). Sein 1911 erschienenes Buch heisst “Ertuğrul Fırkateyni Faciası ( Die Ertuğrul Fırkateyni-Katastrophe)” und ist auf der damals gesprochenen Sprache Osmanisch verfasst, somit für die meisten Türken der Gegenwart unlesbar. Erst im Jahr 1991 wurde dieses Buch in die moderne türkische Sprache übersetzt und von Erol Mütercimler und Mim Kemal Öke unter dem Titel “Ertuğrul Fırkateyni Faciası ve Türk- Japon ilişkisinin başlangıcı (Die Ertuğrul Fırkateyni-Katastrophe und der Beginn der türkisch-japanischen Beziehungen)” mit ergänzenden Informationen herausgebracht. Nutku gibt die Geschichte des Ertuğrul Schiffes sehr emotional und ohne Quellenangaben wieder. Auffällig sind die Anschuldigungen, die er permanent Sultan Abdülhamid II. und dem Marineminister Hasan Hüsnü Paşa macht, welche seiner Meinung nach „500 wertvolle Seemänner absichtlich mit einem verrotteten Schiff in das Verderben gestürzt haben. Dies ist der dunkelste und schaurigste Mord in der Sultan Abdülhamid-Phase.“[1]

Diesem Vorreiter in der Literaturgeschichte des Ertuğrul Fırkateyni folgt 1937 das kurze und kompakte Werk “Türk-Nippon dostluğunun sonrasız hatırası ERTUĞRUL (ERTUĞRUL, die ewige Erinnerung an die Türkei-Nippon Freundschaft)” vom ehemaligen türkischen Botschafter in Tōkyō, Hüsrev Gerede (1886-1962), welcher von 1936 bis 1939 tätig war. Er gibt seinen Freudschafts- und Dankbarkeitsgefühlen den Vorrang. Vom emotionalen Wut Nutkus ist nichts zu vernehmen.

Drei Jahre später jedoch bringt Süleyman Kâni Irtem (1874-1945) das Buch „Ertuğrul Faciası-Boğazlar Meselesi (Die Ertuğrul- Katastrophe und die Frage der Meerengen)“ heraus, welches an Nutkus Emotionen erinnert und die damaligen Gefühle erneut aufflammen lässt. Allein die Benennungen der Werke zeigen die emotionalen Motivationen. Nutku und Irtem bezeichnen den Schiffbruch als eine Katastrophe und irren immer noch in der Vergangenheit umher, indem sie die Verantwortlichen dafür suchen und verurteilen wollen. Gerede hingegen ist sich der Konsequenz des Schiffbruchs, der aufblühenden freundschaftlichen Beziehung beider Länder, bewusst und macht dies deutlich.

Bis in die 90er Jahre hinein bleibt die Behandlung des Ertuğrul Themas sehr gering. Es sind kaum nennenswerte Werke in der Zeit entstanden. Meistens wurde das Thema in anderen Arbeiten kurz angesprochen oder erwähnt und immer als die Verbindung zwischen der Türkei und Japan beschrieben.

In den 90er Jahren nahm dann durch den Anlass des 100. Jahrestages die Anzahl der “Ertuğrul-Bücher” zu, jedoch so ähnlich verfasst wie Nutkus emotionale Auffassung. Die meisten der Werke tragen im Titel wieder das Wort “Facia”, also Katastrophe, gehen immer wieder auf Nutkus Werk ein, doch auch die freudschaftlichen Beziehungen zu Japan gewinnen immer mehr an Vorderhand. 2005 jedoch erscheint solch ein Buch, das alle anderen kritisiert und die Ertuğrul-Geschichte “aufklären” will: “Uzakdoğu Elçisi Ertuğrul Fırkateyni (Der Fernost-Gesandte Ertuğrul Fırkateyni)” von Erdoğan Şimşek. Im Vorwort beschreibt er sein Entsetzen über die “falschen und einseitigen Informationen, die dem türkischen Leser vermittelt werden”.[2] Şimşek sieht sein Werk als das objektivste an und bestreitet es den Untergang des Ertuğrul Fırkateyni als eine Katastrophe anzusehen. Er bezeichnet ihn als einen “Meeres-Unfall”. Dieses Werk ist genau wegen diesem der bis dahin verbreiteten und geläufigen Meinung wiedersprechenden und protestierenden Aspekt sehr wichtig und ist somit die erste Arbeit dieser Art.

Während bis in die 90er Jahre hinein vorwiegend akademische Arbeiten zu diesem Thema entstanden, lenken die seit ein paar Jahren herauskommenden Romane die Aufmerksamkeit auf sich. Das erste wurde von Erdal Güven, einem in Tokyo lebenden Journalisten, 2002 verfasst und trägt den Titel “Hoşçakal Mayumi (Auf Wiedersehen Mayumi)”. Die Geschichte handelt von einem türkischen Offizier des Ertuğrul Schiffes , der sich in Japan in eine Geisha verliebt und ihr vorschlägt gemeinsam in Istanbul zu leben. Diese willigt unter der Voraussetzung, ein Jahr später erst einmal die Stadt und die Menschen kennenzulernen, ein und die schwere Trennung wird zu einer ewigen: Das Schiff geht unter. Hier hört die Geschichte auf und behandelt somit nur die Fahrt und den Aufenthalt in Japan.

Güven erklärt im Vorwort seinen Beschluss einen Roman zu schreiben unter dem Aspekt, dass er nach seinem Besuch in Kushimoto, wo sich das Denkmal befindet, durch sein gesteigertes Interesse an diesem Vorfall recherchiert hat und nur auf historisch akademische Arbeiten gestoßen ist. Diese Enttäuschung habe ihn auf die Idee gebracht, einen Roman vor dem historisch realen Hintergrund zu schreiben.[3] Da die Nachfrage sehr groß war hat Güven dieses Jahr seinen zweiten Roman unter dem Namen “Abdülhamid'in Hüzün Gemisi (Das Trauerschiff Abdülhamids)” herausgebracht.[4]

Zur selben Zeit veröffentlichte auch Şimşek einen Roman unter dem Namen „Ertuğrul-Vuslata Beş Kala...Gidip de Dönmeyenler (Ertuğrul-Kurz vor der Vereinigung...Die, die nicht zurückgekehrt sind)”.[5] Da beide Romane relativ neu sind, hatte ich leider noch nicht die Gelegenheit sie zu lesen. Aber ich warte schon sehr gespannt darauf und bin mir sicher, dass beide weiterhin einen großen Erfolg in der Türkei erzielen werden. Schließlich sind es die ersten auf ihrem Gebiet und es scheint eine große Lücke in der Verarbeitung der Ertuğrul-Geschichte gefüllt zu werden.

Trotz der Tatsache, dass das Ertuğrul Fırkateyni türkeiweit bekannt ist und in schriftlicher Form verarbeitet wird, existieren sehr wenige Verfilmungen vom Geschehen. Eine Folge von einem Programm namens “Efsane Gemiler (Legendäre Schiffe)” auf dem Staatssender TRT in den 90er Jahren, ein im Jahr 2004 gedrehter Dokumentarfilm namens “Güneş, Ay, Yıldız (Sonne, Mond, Stern)“[6], ausgestrahlt auf CNN Türk, und der unter anderem den Untergang des Ertuğrul Schiffes behandelnde Spielfilm “Derin Su (Tiefes Wasser)” aus dem Jahr 2006.

Lenken wir nun den Blick nach Japan, dann stellen wir etwas Erstunliches fest: Sowohl die Verarbeitung dieser Thematik in Romanen hat schon viel früher begonnen, als auch die im Verhältnis zu den schriftlichen Werken vielen Verfilmungen lassen die türkischen verblassen.

Betrachten wir die Medien aber zuerst in historischer Reihenfolge:

Die allerersten japanischen Werke, die einen Bezug zum Ertuğrul Fırkateyni herstellen, sind drei Tagebücher von den Seemännern der japanischen Schiffe Hiei und Kongō, die 1890 die Überlebenden des Schiffbruches nach Istanbul gebracht haben:

- 「土耳其航海記事」[7] von Ōyama Takanosuke
- 「軍艦金剛土耳其国航海報告」[8] von Fujito Nagatsuna und Isobe Kenjirō
- 「軍艦比叡土耳其国航海報告」[9] von Ogura Motokichi und Matsumura Tatsuo[10]

Die vor über 100 Jahren während der Schifffahrt und des Aufenthaltes in Istanbul entstandenen “Reisetagebücher” sind die ersten japanischen Werke, die Istanbul und die Türken beschreiben und sind hauptsächlich als Reiseratgeber gedacht.[11]

Das zweite ähnliche Werk stammt von Yamada Torajirō (1866-1957), dem berühmten Japaner, der über 20 Jahre lang in Istanbul gelebt, den Türken Japanisch beigebracht und den Handel zwischen beiden Ländern begonnen hat. In dieser Arbeit wird er später noch ausführlicher behandelt, deswegen erwähne ich hier nur kurz sein Werk 「土耳古画観」[12] aus dem Jahr 1910.

Nach diesen Reiseberichten, die nicht das Ertuğrul Fırkateyni, sondern dadurch die Türkei, vor allem Istanbul an sich, behandeln, entstanden zwei akademische Werke von dem Historiker Naito Chishū (1886-1984), welcher als Botschafter in der Türkei, später auch im Iran und in Arabien tätig war. Sein erstes Buch aus dem Jahr 1930 trägt den Titel 「土耳古使節オスマンパシャ来朝の使命」[13] und behandelt das Ertuğrul-Thema auf eine direkte Art und Weise. Das ein Jahr später veröffentlichte Buch 「 日土交渉史」[14] hingegen wird öfter als das erste zitiert und als Referenz in Anspruch genommen. Da beide Bücher schon älter sind, konnte ich sie leider nicht ausfindig machen und dadurch bedauerlicherweise nicht lesen. Aber der hohe Stellenwert ist nicht zu übersehen.

Wir sehen von diesem Standpunkt aus, dass in Japan kein Buch über den Schiffbruch geschrieben wurde wie in der Türkei. Nur durch den Schiffbruch hervor geführte Reiseberichte und die historischen Werke von Chishū, der durch seine Tätigkeit in der Türkei, genauso wie Gerede auch, einen direkten Bezug zum Geschehen hatte.

Interessant ist es festzustellen, dass nach Chishū lange Jahre keine Arbeiten in dieser Richtung entstanden sind. Erst knapp 40 Jahre später wurde das Thema nochmal aufgegriffen, aber mit einer ganz anderen Intention. 1969 bis 1972 wurde ein sechs-Bändiger Roman von dem berühmten Schriftsteller Shiba Ryōtaro unter dem Namen「坂の上の雲」[15] herausgebracht. Die Geschichte spielt in der Meiji-Zeit und auch das Osmanische Reich wird oft erwähnt.[16] Für uns ist es nun von Bedeutung zu wissen, das einer der Hauptfiguren des Romans, Saneyuki, bei der Delegation der türkischen Überlebenden nach Istanbul dabei ist. Er befindet sich auf einem der beiden Schiffe und verbringt seine Zeit mit den Türken.[17]

Die Ertuğrul-Geschichte bietet Shiba eine ausergewöhnliche Kulisse und er findet es lohnenswert eine seiner Figuren, wenn auch nicht lange, Teil dieser Begebenheit werden zu lassen. Interessant im Vergleich mit dem ersten türkischen Roman, welcher gerade erst vor sechs Jahren geschrieben wurde. Shibas Roman handelt zwar nicht nur von Ertuğrul, aber dafür, dass es schon fast 40 Jahre her ist, hat diese kurze Sequenz einen hohen Stellenwert in meinen Augen. Beide Autoren nehmen dieselbe Geschichte, erfinden Charaktere, die in der Zeit leben. Güven wählt die Zeit bis zum Untergang aus, Shiba die Zeit danach. Auch wenn Güven den ganzen fast 240 Seiten umfassenden Roman Ertuğrul widmet, Shiba kam ihm schon 33 Jahre zuvor.

In Japan dauerte die Erstellung der ersten, das Thema weit umfassenden akademischen Arbeit sehr lange. Zum 100. Jahrestag des Schiffbruches wurde 1989 ein Buch von Kaori Komatsu geschrieben und unter dem Namen「エルトゥールル号事件とオスマン帝国」[18] herausgebracht.[19] Drei Jahre später wurde es in die türkische Sprache übersetzt und gelangte mit dem Namen “100üncü yildönümü münasebetiyle ´ ERTUĞRUL FIRKATEYNI´ Faciasi” in die Türkei. Jetzt gucken wir uns die Titelgebung des ein und selben Buches mal genauer an. Der japanische Titel lautet übersetzt “Der Ertuğrul-Vorfall und das Osmanische Reich“, eine sehr objektive und neutrale Beschreibung. Die Übersetzung ins Türkische jedoch zeigt deutliche Differenzen und Emotionen: „Die Ertuğrul-Katastrophe durch den Anlass des 100. Jahrestages”. Wir bemerken erneut das Wort “Katastrophe” und denken sofort zurück an Nutku und die durch ihn verbereiteten negativen Emotionen, die heute immer noch im Umlauf sind, aber auch den Anlass Komatsus, dieses Buch zu schreiben, finden wir im Titel wieder. Komatsu selbst hat darauf verzichtet und sich für eine objektive Version des Titels entschieden. Hier bemerken wir starke emotionale Unterschiede zwischen beiden Nationen, auf die ich im Laufe der Arbeit genauer eingehen werde.

Durch Komatsus “Aktualisierung” des Ertuğrul-Themas in Japan kamen anschließend weitere akademische Werke zustande.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2003 wurde ein Buch herausgebracht, das zum ersten Mal den Vorfall auf eine sehr lyrische Art und Weise schilderte, was eine akademische Einstufung verhindert. Es heisst「救出-日本・トルコ友情のドラマ」und stammt von Kogure Masao.[20] Es ist als ein Band der Serie人と“こころ”のシリーズ anzusehen. Das mit vielen Zeichnungen von Aizawa Mitsuko bereicherte Buch schildert ganz genau die Situation ab dem Schiffbruch und beginnt damit, wie ein verletzter Türke hilfesuchend in den Leuchtturm eindringt. Man könnte dieses Buch auf Grund der Erzählart zu der Romankategorie zählen.

Drei Jahre später, im Jahr 2006, kam schließlich ein sehr bedeutendes akademische Werk zum Vorschein:「1890エルトゥールル号事件」[21], beauftragt von der japanischen Regierung im Auftrag der Katastrophenbewältigung. Das sehr ausführliche und mit zahlreichen zusätzlichen Informationen bereicherte Werk richtet den Schwerpunkt auf den “Unfall”, also den Schiffbruch, und die anschließenden Rettungs- und Hilfsmaßnahmen. Zahlreiche Abbildungen, Diagramme und Karten leisten Hilfestellung dabei.

Der Fakt jedoch, dass das Ertuğrul Fırkateyni als ein Beispiel für die Katastrophenbewältigung genommen wird, lässt uns die Frage stellen, wodurch die Aufmerksamkeit in Japan auf diese 120 Jahre alte Geschichte gelenkt worden sein könnte. Es ist zu bezweifeln, dass es allein als Komatsus Verdienst anzusehen ist, schließlich hat sie ihr Buch 1989 geschrieben. Bis zum eigentlichen Ausbruch der Ertuğrul-Welle vergingen über zehn Jahre. Das eigentliche Ereignis in Japan, das diese über 100 Jahre alte Geschichte erneut aufleben ließ, war die Bergungsaktion “Ertuğrul Fırkateyni: Japonya'da Bir Türk Gemisi (Ertuğrul Fırkateyni: Ein türkisches Schiff in Japan)", die seit 2005 von beiden Ländern gleichermaßen unterstützt wird. Denn genau in diesen Jahren, vor allem ab 2005, brach eine im Vergleich zur Türkei zwar kleine, aber effektive Welle aus. Zuvor gucken wir uns aber noch die übrigen Werke an.

Letztes Jahr schließlich kam das erste, in meinen Augen mit den türkischen akademischen Werken gleichgestellte Buch 「東の太陽、西の新月-日本・トルコ友好秘話「エルトゥールル号」事件」[22] von Yamada Kuniki und Sakamoto Toshio heraus. Es gibt neben dem ausführlichen Einblick in das Geschehen, Fragestellungen und Problembehandlungen an. Es werden vor allem durch diese endlich versammelten Themenbereiche neue Ergebnisse entdeckt. Die Autoren erklären im Vorwort ihre Motivation in dem Sinne, dass es die Bewohner Kushimotos, das einfache japanische Volk, gewesen sei, welches zwei Länder miteinander verbunden habe (In den Augen der Türken ist es das Schiff!) und die verbreitete Unkenntnis über diesen Vorfall in Japan ein Ende nehmen müsse, während die Türken das doch alle wüssten.[23] Deswegen solle dieses Buch eine Art “Wachrüttel-Funktion” innehaben.

Im Laufe der Arbeit werde ich noch auf den Inhalt dieses Buches zu Sprechen kommen, aber ich will jetzt schon sagen, dass dieses Werk meiner Meinung nach die große Lücke in der japanischen Literaturgeschichte zum Ertuğrul Fırkateyni ausgiebig füllt.

[...]


[1] Mütercimler, Erol & Öke, Mim Kemal (1991). Ertuğrul Fırkateyni Faciası ve Türk- Japon ilişkisinin başlangıcı, Istanbul: Türk Dünyası Araştırmaları Vakfı, S. 26.

[2] Şimşek, Erdoğan (2005). Uzakdoğu Elçisi Ertuğrul Fırkateyni, İstanbul: IQ Kültür Sanat Yayıncılık, S. 9.

[3] Güven, Erdal (2002). Hoşçakal Mayumi, İstanbul: Remzi Kitabevi, S. 6.

[4] http://kitap.antoloji.com/abdulhamid-in-huzun-gemisi-kitabi

[5] http://www.tulumba.com.tr/storeitem.asp

[6] Eine Szene davon zu sehen unter „www.sufilm.net/katalog/katalog“ (Türkisch mit englischem Untertitel)

[7]Der Seefahrtsbericht in die Türkei“

[8] „Der Seefahrtsbericht vom Schlachtschiff Kongō in die Türkei“

[9] „Der Seefahrtsbericht vom Schlachtschiff Hiei in die Türkei“

[10] Esenbel, Selçuk & Chiharu, Inaba (2003). The Rising Sun and the Turkish Crescent-New Perspectives on the History of Japanese Turkish Relations, Istanbul: Boğaziçi University Press, S. 65.

[11] Esenbel & Chiharu (2003). The Rising Sun and the Turkish Crescent-New Perspectives on the History of Japanese Turkish Relations, S. 66.

[12]Türkei-Ansichten

[13]Die Japanbesuchsmission des türkischen Gesandten Osman Pa şa“

[14]Die Geschichte der Japan-Türkei-Beziehungen“

[15]Die Wolken über dem Hügel“

[16] Erkin, Hüseyin Can (2004). Geçmişten günümüze Japonya’dan Türkiye’ye bakış, Ankara: Vadi Yayınları, S. 123.

[17] Erkin (2004). Geçmişten günümüze Japonya’dan Türkiye’ye bakış, S. 126.

[18]Der Ertuğrul-Vorfall und das Osmanische Reich“

[19] http://ci.nii.ac.jp/naid/110004854171/

[20] 木暮正夫「救出-日本・トルコ友情のドラマ、人と“こころ”のシリーズ4」。東京:株式会社アリス館、2003.

[21] „Der Ertuğrul-Vorfall 1890“

[22]Die Sonne des Ostens, der Halbmond des Westens- ´Der Ertuğrul-Vorfall´, die geheime Geschichte der Freundschaft zwischen Japan und der Türkei“

[23] 山田邦紀、坂本俊夫「東の太陽、西の新月-日本・トルコ友好秘話「エルトゥールル号」事件」。東京:現代書館, 2007, S. 1/2.

Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
Ertuğrul Fırkateyni. Ein Schiffbruch, gesehen aus türkischer und japanischer Perspektive
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Modernes Japan)
Note
1,5
Autor
Jahr
2008
Seiten
43
Katalognummer
V233151
ISBN (eBook)
9783656502821
ISBN (Buch)
9783656503965
Dateigröße
1216 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ertuğrul, fırkateyni, schiffbruch, perspektive
Arbeit zitieren
M.A. Cigdem Gedik (Autor), 2008, Ertuğrul Fırkateyni. Ein Schiffbruch, gesehen aus türkischer und japanischer Perspektive, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233151

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