Im Rahmen dieser Arbeit werden die charakteristischen Wesenszüge der Figuren Rorschach, Ozymandias und Dr. Manhattan erarbeitet. Dabei wird auch die Figurenentwicklung, falls vorhanden, nachgezeichnet und unter kausalen Bedingungen nachvollzogen und begründet.
Inhaltsverzeichnis
1. Comics – ein Medium für Kinder?
2. Rorschach – Weltanschauung in Schwarz-Weiß
2.1. Rorschachs Kindheit und sozialer Hintergrund
2.2. Die symbolhafte Namensgebung
2.3. Rorschach und Nite Owl – Der Ansatz einer sozialen Bindung
3. Ozymandias
3.1. Ozymandias frühe Ideologie
3.2. Ozymandias – Hülle für Genie und Wahnsinn
4. Dr. Manhattan
4.1. Dr. Manhattans Leben als Mensch
4.2. Vom Menschen zum Gott
5. Flache und runde Charaktere
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die tiefgründigen Charaktere der Graphic Novel „Watchmen“ anhand psychoanalytischer Gesichtspunkte wissenschaftlich zu ergründen, deren Entwicklung nachzuzeichnen und kausal zu begründen, um die Komplexität des Mediums jenseits trivialer Klischees aufzuzeigen.
- Psychoanalytische Charakterstudie der Hauptfiguren Rorschach, Ozymandias und Dr. Manhattan.
- Analyse der Figurenentwicklung und ihrer jeweiligen Weltanschauungen.
- Untersuchung sozialer Hintergründe und symbolhafter Bedeutungsebenen.
- Differenzierung zwischen „flachen“ und „runden“ Charakteren innerhalb des Werkes.
- Einordnung der Graphic Novel in den Kontext anspruchsvoller Literatur.
Auszug aus dem Buch
3.2. Ozymandias – Hülle für Genie und Wahnsinn
Das Bild, das der Rezipient von Ozymandias hat, ändert sich in den letzten Kapiteln auf dramatische Weise. Erst auf subtile Weise, durch Ozymandias eigene Ausführungen aber immer stärker bestätigt, entblößt er seinen Größenwahn. Nach eigenen Angaben fühlt er sich mit Alexander dem Großen geistig „verwandt“, da ihn nach seiner Ansicht sein „Intellekt […] von anderen [abhob].“ Neben den militärischen Erfolgen bewundert er an Alexander vor allem das Ziel einer geeinten und zivilisierten Welt. Dabei deutet er bereits an, dass auch bei Alexander menschliche Opfer dafür gebracht werden mussten. In diesem Zusammenhang verlässt Ozymandias den schmalen Pfad der Genie von Wahnsinn trennt. Ihm schwebt eine perfekte Welt vor Augen, eine utopische Gesellschaft die er zu erschaffen sucht. Als Antrieb dient ihm dazu das Messen mit seinem Vorbild Alexander. Betrachtet man den historischen Kontext, so ist hier eine Parallele zu dem Makedonen-König und späteren Herrscher des Großteils der bekannten Welt zu ziehen. Auch Alexander wurde von seinem pothos, „ein[em] grenzenlose[n], oft rational nicht mehr fassbare[n] innere[n] Antrieb“ geleitet, stets von dem Wunsch beseelt sich mit seinen eigenen mythischen Vorbilder wie Herakles, Kyros oder Semiramis zu messen oder diese zu übertreffen. Genau wie Ozymandias kam es bei Alexander zu einem zunehmenden Realitätsverlust und Größenwahn, der sich unter anderem auch auf das veränderte Selbstverständnis begründet, da er nach Eroberung des persischen Reiches die Stellung des Gottkönigs der Perser einnahm und nach der Befreiung Ägyptens zum Pharao ausgerufen wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Comics – ein Medium für Kinder?: Einleitung in die Thematik, die das Klischee von Comics als Kinderlektüre aufbricht und die Graphic Novel „Watchmen“ als tiefgründiges, interpretationswürdiges Werk einführt.
2. Rorschach – Weltanschauung in Schwarz-Weiß: Analyse der Figur Rorschach, beleuchtet seine traumatische Kindheit, die Symbolik hinter seinem Namen und sein starres, kompromissloses Wertesystem.
3. Ozymandias: Untersucht die Entwicklung von Ozymandias, dessen anfänglich unscheinbares Auftreten durch eine zunehmend größenwahnsinnige, utopische Ideologie und skrupelloses Handeln abgelöst wird.
4. Dr. Manhattan: Betrachtet die Transformation von Jonathan Osterman zu Dr. Manhattan und die damit einhergehende Entmenschlichung sowie das Aufgehen in einer analytisch-rationalen, gottähnlichen Existenz.
5. Flache und runde Charaktere: Theoretische Einordnung der Figuren in das Konzept der flachen und runden Charaktere, wobei Rorschach als flacher und Ozymandias sowie Dr. Manhattan als runde Charaktere charakterisiert werden.
Schlüsselwörter
Watchmen, Rorschach, Ozymandias, Dr. Manhattan, Graphic Novel, Charakterstudie, Psychoanalyse, Figurenentwicklung, Weltanschauung, Superhelden, Sozialverhalten, Identität, Wahnsinn, Entmenschlichung, Literaturanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit einer tiefgehenden Charakteranalyse der drei zentralen Figuren Rorschach, Ozymandias und Dr. Manhattan aus Alan Moores Graphic Novel „Watchmen“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die psychologischen Wesenszüge der Figuren, ihre jeweiligen sozialen Hintergründe, ihre Entwicklung im Laufe der Geschichte sowie ihre individuellen Weltanschauungen und moralischen Entscheidungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Komplexität der Charaktere auf wissenschaftlicher Basis zu ergründen und aufzuzeigen, wie das Medium Comic durch vielschichtige Charakterkonzeptionen über eine reine Kinderunterhaltung hinausgeht.
Welche wissenschaftliche Methode wird für die Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt psychoanalytische Gesichtspunkte, um das Verhalten und die Entwicklung der Figuren unter kausalen Bedingungen zu beleuchten und zu begründen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der drei genannten Protagonisten, gefolgt von einer theoretischen Einordnung nach der Unterscheidung zwischen flachen und runden Charakteren.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Identität, Entmenschlichung, Weltanschauung, psychoanalytische Deutung und die Differenzierung zwischen flachen und runden Charakteren.
Wie unterscheidet sich die Entwicklung von Rorschach von der von Ozymandias?
Während Rorschach von Anfang bis Ende an seinen Prinzipien festhält und als flacher Charakter stagniert, durchläuft Ozymandias einen starken Wandel von einem vermeintlich positiven Akteur hin zu einem skrupellosen Visionär, was ihn als runden Charakter kennzeichnet.
Inwiefern beeinflusst der Forschungsunfall die Figur Dr. Manhattan?
Der Unfall führt zu einer vehementen Veränderung seines Wesens: Er vollzieht eine Entmenschlichung, wird von reiner Ratio geleitet und entwickelt ein gottähnliches Selbstverständnis, durch das ihm menschliches Leben zunehmend bedeutungslos erscheint.
- Arbeit zitieren
- Eymen Behrend (Autor:in), 2010, Watchmen. Versuch einer Charakterstudie zu den Figuren Rorschach, Ozymandias und Dr. Manhattan, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233212