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Europäische Staatsschuldenkrise: Der Einfluss der Rating-Agenturen auf die Finanzmarktstabilität

Titel: Europäische Staatsschuldenkrise: Der Einfluss der Rating-Agenturen auf die Finanzmarktstabilität

Magisterarbeit , 2013 , 95 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Sascha Lankers (Autor:in)

VWL - Finanzwissenschaft
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Nach Ansicht einer breiten öffentlichen Meinung, befinden sich die europäischen Staaten, so wie viele andere kapitalistisch demokratische Staaten, in einer Schuldenkrise. Es werden hierzu vor allem zwei Ursachen diskutiert, die in ihrer Addition die aktuelle Staatsschuldenkrise ausmachen:
Ein häufig genannter Grund für die prekären Haushaltslagen der Länder in der Europäischen Union (EU) ist die, zu wenig Sparsamkeit motivierende Länge der Legislaturperioden in den kapitalistisch-demokratischen Staaten. Nur wenige ihrer Regierungen neigen zur Umsetzung der wirtschaftswissenschaftlichen Lehrmeinung der
antizyklischen Fiskalpolitik (Keynesianismus). Dieses eher langzeitlich anzusehende Phänomen des „schlechten Haushaltens“ stellt die Basis einer langsam steigenden Verschuldung der Staaten dar. Diese oft genannte Ursache der hohen Verschuldung der europäischen Länder ist jedoch nicht Gegenstand der vorliegenden Arbeit.
Abgesehen von dieser langfristigen Entwicklung der Verschuldung gab es in den letzten Jahren besondere Ereignisse an den internationalen Finanzmärkten, die den Staaten enorme zusätzliche finanzielle Belastungen auferlegt haben und die Verschuldung so dramatisch schnell anwachsen ließen. Ausgangspunkt hierbei war die deutliche Überbewertung des US-amerikanischen Immobilienmarktes. Viele große Finanzinstitute wurden im Zuge ihrer hohen Verluste nach dem Platzen der Blase an
diesem Markt und ihrer drohenden Insolvenz mit staatlichen Mitteln gerettet. Die Höhe der geschnürten Rettungspakete brachte einzelne Staaten selbst an den Rand des Ruins. Mit den direkten Folgen der sprunghaft gestiegenen Verschuldung der europäischen Staaten wird noch für einige Zeit zu kämpfen sein.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Rolle der Rating-Agenturen in der Europäischen Staatsschuldenkrise. Das Ziel ist es, darzustellen, welchen Einfluss die Agenturen innerhalb der Finanzmärkte ausüben und wie ihr Verhalten auf die bestehende Krise wirkt. Haben die Agenturen die jetzige Situation mit herbeigeführt? Wenn ja, wie konnte dies geschehen? Welche Ziele verfolgen die „Big Three“? Dienen sie in ihren
Handlungen den langfristigen Interessen der Staaten des westlich geprägten Kapitalismus oder nur einer kleinen Gruppe von Organisationen mit ausgeprägter kapitalistischer Motivation? Sind die Agenturen grundsätzlich an einer Entschuldung und Gesundung der Staatsfinanzen interessiert? Wer profitiert von der Überschuldung Europas, und wer nicht?[...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der historisch-politische Kontext der Rating-Agenturen: “A Century of Market Leadership”

2.1 Von der Entstehung bis zu ersten staatlichen Funktionen

2.1.1 Der Beginn und die Etablierung an den Finanzmärkten

2.1.2 Staatliche Unterstützung

2.2 Ausweitung der Einflussnahme in den USA seit den späten 1960er Jahren

2.2.1 Gegenseitige Abhängigkeiten

2.2.2 Ein neuer Status im Finanzsystem

2.2.3 Liberalisierung und (De-)Regulierung der (Finanz-)Wirtschaft

3 Rating-Agenturen heute

3.1 Der Rating-Prozess: Arbeitsweise und Bewertungskriterien

3.1.1 Ratings privater Emittenten und Produkte

3.1.2 Sovereign Ratings - Die Bewertung von Staaten

3.2 Die globale Verflechtung der Finanzmarktakteure

3.2.1 Eigentümerstruktur und Handlungsmotivation der Agenturen

3.2.2 Rating-Agenturen in der europäischen Finanzmarktregulierung

4 Finanzmarkstabilität – Ein Definitionsversuch

5 Die US-Immobilienkrise

5.1 Entstehung und Verlauf

5.2 Die Rolle der Agenturen

5.3 Direkte Konsequenzen

6 Die Europäische Staatsschuldenkrise und der Einfluss der Rating-Agenturen

6.1 Die Finanzkrise führt zur Staatsschuldenkrise in Europa

6.1.1 Ausgewählte Rettungsmaßnahmen zur Stabilisierung der Finanzmärkte

6.1.2 Die außerordentlichen Belastungen führen zur Überschuldung

6.2 Der Einfluss der Agenturen auf die europäische Finanzmarktstabilität

6.2.1 Die Bedeutung der Meinungen von S&P, Moody’s und Fitch

6.2.2 Rating-Agenturen und Finanzmarktstabilität

6.2.3 Eingeschränkter Einfluss

7 Zusammenfassung, Aktuelles und Ausblick

7.1 Zusammenfassung

7.2 Aktuelles und Ausblick

8 Anhang

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Einfluss von privaten Rating-Agenturen auf die Finanzmarktstabilität im Kontext der europäischen Staatsschuldenkrise. Dabei wird analysiert, inwieweit das Verhalten dieser Agenturen – geprägt durch Interessenkonflikte und eine enge regulatorische Einbindung – zur Entstehung und Verschärfung der Krise beigetragen hat.

  • Historische Entwicklung und politischer Einfluss der Rating-Agenturen
  • Methodik des Rating-Prozesses bei Unternehmen und Staaten
  • Rolle der Agenturen bei der US-Immobilienkrise als Katalysator
  • Empirische Analyse des Einflusses auf europäische Staatsanleihen
  • Kritische Diskussion von Interessenkonflikten und Marktmacht

Auszug aus dem Buch

3.2.1 Eigentümerstruktur und Handlungsmotivation der Agenturen

Ich möchte an einem einfachen Beispiel die mit der Eigentümerstruktur verbundenen Interessenkonflikte veranschaulichen:

Stellen wir uns das globale Finanzsystem einmal als private Grundschule vor. In dieser imaginären Schule besitzen einige wenige der Schüler das Lehrerkollegium. Die von ihnen angestellten Lehrer werden von ihnen bezahlt. Mehr noch, die Lehrer dürfen und können die Schule nicht verlassen, weil sie nie etwas anderes gelernt haben und dies die einzige Grundschule der Welt ist. Im Grunde gehören sie selbst den Schülern, sind deren Eigentum. Somit besitzen und bezahlen die Schüler ihre eigenen Lehrer. Die Schüler haben alle zusammen das gemeinsame Interesse an guten Noten und darüber hinaus an einer Empfehlung für das Gymnasium. Die Lehrer wissen das. Eigentlich (und nach außen hin tun die Lehrer genau das) sind sie dem Allgemeinwohl verpflichtet, indem sie nur solche Schüler auf das Gymnasium schicken, die entsprechende Leistungen erbringen. Jedoch haben die Schüler zusätzlich die Wahl zwischen verschiedenen Lehrern, die sie gemeinsam besitzen. Natürlich sind die abschließenden Empfehlungen der Lehrer nur Meinungen und selbst wenn viele der von ihnen gut benoteten Schüler kurz darauf sitzenbleiben und ganze Klassen in ihrer Leistungsfähigkeit herunterziehen, liegt das natürlich nicht an den Grundschullehrern. Sie haben schließlich nur unverbindliche Meinungen über die Leistungsfähigkeit der Schüler in Form von Noten geäußert, die allerdings durch die beschriebenen Umstände eine faktische Verbindlichkeit erhalten. Liegt es in diesem Beispiel nicht nahe, dass Interessenkonflikte bestehen?

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage und der Relevanz der Rolle von Rating-Agenturen bei der Entstehung der Staatsschuldenkrise.

2 Der historisch-politische Kontext der Rating-Agenturen: “A Century of Market Leadership”: Detaillierte Darstellung der historischen Entwicklung und der staatlich geförderten Machtposition der Agenturen in den USA.

3 Rating-Agenturen heute: Analyse der Arbeitsprozesse, der Bewertungskriterien und der globalen Verflechtungen der Agenturen mit Finanzmarktakteuren.

4 Finanzmarkstabilität – Ein Definitionsversuch: Auseinandersetzung mit verschiedenen Begriffsverständnissen von Finanzmarktstabilität und deren Problematik.

5 Die US-Immobilienkrise: Untersuchung des Versagens der Agenturen während der Subprime-Krise und der direkten Konsequenzen für den globalen Finanzsektor.

6 Die Europäische Staatsschuldenkrise und der Einfluss der Rating-Agenturen: Empirische Untersuchung des Einflusses der Agenturen auf die Finanzierungskosten europäischer Staaten sowie der Problematik der Sonderbehandlung bestimmter Länder.

7 Zusammenfassung, Aktuelles und Ausblick: Synthese der Ergebnisse sowie Diskussion neuer regulatorischer Ansätze aus dem Jahr 2013.

8 Anhang: Grafische Darstellungen der Rating-Historien der sogenannten PIGS-Staaten.

Schlüsselwörter

Rating-Agenturen, Finanzmarktstabilität, Staatsschuldenkrise, US-Immobilienkrise, Subprime-Krise, NRSRO, Interessenskonflikte, Bonitätsbewertung, Staatsanleihen, PIIGS-Staaten, Finanzmarktregulierung, Kapitalmärkte, Risikoaufschläge, Basel II.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den Einfluss der drei großen Rating-Agenturen auf die Stabilität der Finanzmärkte, insbesondere im Zusammenhang mit der europäischen Staatsschuldenkrise.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Machtkonzentration der Agenturen, ihren Interessenkonflikten durch die Eigentümerstruktur, ihrer Rolle in der Immobilienkrise und ihrem Einfluss auf die Zinskosten für Staatsanleihen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, darzustellen, wie Rating-Agenturen innerhalb der Finanzmärkte agieren, ob ihr Verhalten die aktuelle Krise beeinflusst hat und welche Interessen sie dabei verfolgen.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse des historisch-politischen Kontexts, die Auswertung von Statistiken sowie die Einbeziehung empirischer Studien, etwa zur Quantifizierung des Einflusses von Meinungen der Agenturen auf Zinsspreads.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Entwicklung der Agenturen in den USA, deren Methoden der Bonitätsbewertung, das Versagen bei der US-Immobilienkrise und die anschließende Untersuchung der Situation in Europa.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse?

Zentrale Begriffe sind Rating-Agenturen, Finanzmarktstabilität, PIGS-Staaten, Interessenkonflikte, Subprime-Krise und Finanzmarktregulierung.

Wie bewertet der Autor die Rolle der Rating-Agenturen in der Immobilienkrise?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Agenturen durch ihre unzutreffenden Bewertungen hochriskante strukturierte Finanzprodukte als sicher eingestuft und somit die Immobilienblase als Katalysator massiv unterstützt haben.

Was sagt die Arbeit über die politische Relevanz von Ratings in Europa aus?

Es wird aufgezeigt, dass Rating-Agenturen faktisch quasi-staatliche Regulierungsfunktionen übernommen haben, die den Handlungsspielraum von Regierungen durch erhöhte Zinslasten bei Herabstufungen stark einschränken können.

Ende der Leseprobe aus 95 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Europäische Staatsschuldenkrise: Der Einfluss der Rating-Agenturen auf die Finanzmarktstabilität
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Institut für Politische Wissenschaft)
Veranstaltung
Internationale Politische Ökonomie
Note
1,7
Autor
Sascha Lankers (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2013
Seiten
95
Katalognummer
V233215
ISBN (eBook)
9783656494850
ISBN (Buch)
9783656495192
Sprache
Deutsch
Schlagworte
europäische staatsschuldenkrise einfluss rating agenturen finanzmarktstabilität
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sascha Lankers (Autor:in), 2013, Europäische Staatsschuldenkrise: Der Einfluss der Rating-Agenturen auf die Finanzmarktstabilität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233215
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Leseprobe aus  95  Seiten
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