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Der Wandel des städtischen Rechts durch das Aufkommen pragmatischer Schriftlichkeit

Title: Der Wandel des städtischen Rechts durch das Aufkommen pragmatischer Schriftlichkeit

Seminar Paper , 1999 , 47 Pages , Grade: 1

Autor:in: Andrea Dittert (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Summary Excerpt Details

[...] Der grundsätzliche Aufbau der Arbeit spiegelt die gewählte Vorgehensweise wider, die in einer
zunehmenden Verengung des Betrachtungsgebietes besteht. So wird im ersten Teil des zweiten Kapitels
zunächst allgemein auf die Frage der Auswirkungen der Mündlichkeit bzw. Schriftlichkeit auf eine Kultur
eingegangen, bevor im zweiten Teil dieses Kapitels der Übergang zum Mittelalter erfolgt. Anschließend
wird (in Kapitel 3) der Zusammenhang zwischen Schriftlichkeit, Mündlichkeit und Recht in den
Mittelpunkt der Untersuchung gestellt, alle anderen kulturellen Auswirkungen bleiben ausgeblendet. Im
letzten Kapitel findet eine Verengung auf den städtischen Bereich statt. Die Wahl und die Reihenfolge
der zu untersuchenden Aspekte muß zum einen der grundsätzlichen Vorgehensweise entsprechen, zum
anderen den darzustellenden Zusammenhängen und verwendeten Methoden gerecht werden.
So wird als Methode der Untersuchung für das 3. Kapitel der Analogieschluß gewählt, weil, wie im Kapitel
3.1.1 zum Ausdruck kommen soll, ein direkter Zugang zum ursprünglichen, mittelalterlichen Recht aus der
Quellenproblematik heraus schwierig ist. Um aber unzulässige interkulturelle Vergleiche und Analogieschlüsse
zu vermeiden, muß vorab eine Prüfung der Übereinstimmung der Vergleichsobjekte erfolgen.
Nachdem also im Kapitel 2.1 anhand modernerer Forschungen grundsätzliche Eigenschaften mündlich
geprägter, in ihrer Abweichung von schriftlich geprägten direkt (weil zeitgenössisch) zu untersuchender
Kulturen herausgearbeitet sind, muß notwendigerweise erst eine Einordnung des Mittelalters in die
Bereiche mündlich oder schriftlich geprägter Kulturen erfolgen (Kapitel 2.2.3), bevor die Erkenntnisse aus
dem Kapitel 2.1.2 auf das Mittelalter übertragen werden können. Zur Ermöglichung dieser Einordnung
dient eine ausführliche Beschäftigung mit den Fragen, wer im Mittelalter lesen und schreiben konnte
(Kapitel 2.2.1) und welche Rolle der Schrift zukam (Kapitel 2.2.2)
Da sich der Sachsenspiegel, als erste Verschriftlichung des geltenden Rechts in deutscher Sprache, als
möglicher Übergang vom Mündlichen zum Schriftlichen greifen läßt, soll ihm in dem Teil der Arbeit, der
sich dem Zusammenhang zwischen Schriftlichkeit und Recht zuwendet, besondere Aufmerksamkeit
geschenkt werden. Dabei soll zuerst geklärt werden, ob es sich bei ihm wirklich ‘nur’ um verschriftlichtes
Recht handelte und welche Beweggründe zu seiner Abfassung geführt haben könnten (Kapitel 3.2.3). [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Von der Mündlichkeit zur Schriftlichkeit

2.1 Kulturelle Aspekte der ‘Mündlichkeit - Schriftlichkeit’

2.1.1 Problematik der Unterscheidung zwischen mündlich und schriftlich geprägten Kulturen

2.1.2 Kulturelle Auswirkungen der Mündlich- bzw. Schriftlichkeit

2.2 Mündlichkeit und Schriftlichkeit im Mittelalter

2.2.1 Schriftkundige im Mittelalter

2.2.2 Rolle der Schrift im Mittelalter

2.2.3 Versuch der Einordnung der mittelalterlichen Kultur als mündlich oder schriftlich geprägt

3 Schriftlichkeit und Recht im Mittelalter

3.1 Recht in der mündlichen Tradition

3.1.1 Quellenproblematik

3.1.2 Rechtsverständnis und Rechtsfindung

3.2 Verschriftlichung des Rechts

3.2.1 Unterscheidung zwischen schriftlichem und verschriftlichtem Recht

3.2.2 Gründe und Auswirkungen der Verschriftlichung alten Rechts

3.2.3 Der Sachsenspiegel: Schriftliches oder verschriftlichtes Recht

4 Schriftlichkeit und Rechtssituation in den Städten

4.1 Pragmatische Schriftlichkeit und Rechtsbedürfnisse in der mittelalterlichen Stadt

4.1.1 Gründe für die entstehende pragmatische Schriftlichkeit in der Stadt

4.1.2 Die Bedeutung der Schrift für die Befriedigung städtischer Rechtsbedürfnisse

4.2 Adaptionen und Rechtssetzungen in mittelalterlichen Stadtrechten

4.2.1 Adaption des Sachsenspiegels in den Stadtrechten

4.2.2 Adaption des gelehrten römisch-kanonischen Rechts mittels des Sachsenspiegels

4.2.3 Rechtsschöpferische Leistungen der Städte

5 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel des Rechtsbewusstseins im mittelalterlichen städtischen Raum und geht der Frage nach, inwiefern die zunehmende pragmatische Schriftlichkeit als treibende Kraft für die rationalere Gestaltung des städtischen Rechts und die Loslösung von mündlich tradierter Gewohnheit fungierte.

  • Mentalitätsgeschichtliche Untersuchung des mittelalterlichen Rechtsbegriffs
  • Die Rolle der Mündlichkeit und die Bedeutung der Schriftlichkeit für den Rechtswandel
  • Pragmatische Schriftlichkeit in der städtischen Kaufmannskultur
  • Rezeption und Adaption des Sachsenspiegels in städtischen Rechtsordnungen
  • Entstehung rational gesetzten Rechts im städtischen Kontext

Auszug aus dem Buch

Die Bedeutung der Schrift für die Befriedigung städtischer Rechtsbedürfnisse

Bei der Untersuchung der städtischen Rechte muß man beachten, daß es auf deutschem Boden keine Kontinuität des Städtewesens von der Antike bis ins späte Mittelalter gab. Auch bei den Städten am Rhein, die sich in den Ruinen alter römischer Städte bildeten, handelte es sich um erneute Ansiedlungen. Denn die Städte des Mittelalters entstanden erst zu Beginn des Hochmittelalters in Folge des - im Kapitel 4.1.1 dargestellten - wirtschaftlichen Aufschwunges durch Zusammenschlüsse der Wiken mit Burgen oder als Neugründungen, die von Grundherren, die Anteil an der Einnahmequelle Handel haben wollten, iniziert wurden.

Sehr bald jedoch kam es zur Ausbildung von Unterschieden. Die einflußreicheren Stadtbewohner trotzten dem Territorialherren immer mehr Privilegien ab und begannen die Rechte in ihrem Sinne umzugestalten. Auf welche Weise den Städtern die Übernahme immer weitergehender Befugnisse gelang, soll in dieser Arbeit nicht betrachtet werden. Stattdessen sollen mentalitätsgeschichtliche Aspekte in den Vordergrund treten, und genauer untersucht werden, warum die Städter das Recht ändern wollen. „Grundlage für die Veränderung in der Rechtsstruktur ist das rechnende ökonomische Denken des Kaufmanns, der ein Recht braucht, das Grundlage sein kann für eine geplante wirtschaftliche Zukunftserwartung. Der Fernkaufmann vor allem muß die rechtliche Sicherheit haben, daß sich seine Investitionen von Kapital, Wagnis und Initiative berechenbar verwirklichen läßt. Das ist eine andere Grundlage der Lebenserwartung als die der bäuerlich-adligen Welt, die vor allem von natürlichem Gedeihen, von Erntesegen, Jagd- und Kriegsglück [...] abhängig ist.“

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Darstellung der Ausgangsfrage zur Rolle von Rechtssprichwörtern und dem Einfluss der Verschriftlichung auf das mittelalterliche Rechtsverständnis.

2 Von der Mündlichkeit zur Schriftlichkeit: Grundlegende Analyse der kulturellen Auswirkungen des Übergangs vom mündlichen zum schriftlichen Medium.

3 Schriftlichkeit und Recht im Mittelalter: Untersuchung des Zusammenspiels von mündlicher Rechtstradition und der ersten Verschriftlichungsversuche wie der Lex Salica und dem Sachsenspiegel.

4 Schriftlichkeit und Rechtssituation in den Städten: Analyse der städtischen Bedürfnisse nach Rechtssicherheit und der daraus resultierenden pragmatischen Nutzung der Schrift zur Rechtssetzung.

5 Fazit: Kritische Reflexion der Ergebnisse und der methodischen Herangehensweise hinsichtlich der Rolle der Schriftlichkeit für den Rechtswandel im städtischen Raum.

Schlüsselwörter

Mittelalter, Recht, Schriftlichkeit, Mündlichkeit, Sachsenspiegel, Stadt, Kaufmann, Rechtsgewohnheit, Rechtsbewusstsein, Pragmatische Schriftlichkeit, Rechtssetzung, Rationalität, Rechtsgeschichte, Rechtssicherheit, Urkundenwesen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, welchen Einfluss die zunehmende Verbreitung der Schriftlichkeit auf das Rechtsverständnis und die Rechtsentwicklung im mittelalterlichen städtischen Raum hatte.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Felder sind die Mentalitätsgeschichte des Rechts, der Übergang von mündlich orientierten Gesellschaftsstrukturen zu schriftgestützten Verfahren sowie die Entwicklung des städtischen Rechtswesens.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Es wird untersucht, ob der Wandel des städtischen Rechts durch das Aufkommen einer pragmatischen Schriftlichkeit erklärt werden kann und wie sich dieser Prozess vollzog.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt schwerpunktmäßig den Analogieschluss sowie eine mentalitätsgeschichtliche Analyse, um die mittelalterlichen Vorstellungen vom Recht aus der Quellenlage zu rekonstruieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Quellenproblematik, die Rolle der Mündlichkeit, die Funktion des Sachsenspiegels als Kodifikation und die spezifischen städtischen Rechtsbedürfnisse.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Schriftlichkeit, Rechtsbewusstsein, mittelalterliche Stadt, Sachsenspiegel, Kaufmannsrecht und Rechtsgewohnheit charakterisieren.

Welche Bedeutung kommt dem Sachsenspiegel in dieser Untersuchung zu?

Der Sachsenspiegel dient als zentrales Beispiel für eine frühe Verschriftlichung geltenden Rechts und zeigt den Spannungsfeld zwischen traditioneller Gewohnheit und dem Wunsch nach Rechtskodifikation.

Wie unterschieden sich Stadt und Land bezüglich des Rechts?

Während der ländliche Raum primär mündlich und durch althergebrachtes Gewohnheitsrecht geprägt war, entwickelte sich in der Stadt aufgrund des ökonomischen Denkens ein Bedürfnis nach rationalem, schriftlich fixiertem Recht.

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Details

Title
Der Wandel des städtischen Rechts durch das Aufkommen pragmatischer Schriftlichkeit
College
University of Osnabrück  (Geschichte)
Grade
1
Author
Andrea Dittert (Author)
Publication Year
1999
Pages
47
Catalog Number
V23330
ISBN (eBook)
9783638264723
Language
German
Tags
Wandel Rechts Aufkommen Schriftlichkeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andrea Dittert (Author), 1999, Der Wandel des städtischen Rechts durch das Aufkommen pragmatischer Schriftlichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23330
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