Der Umbau des Berliner Stadtschlosses zur barocken Residenz unter Friedrich III./ I. und seinem Baumeister Andreas Schlüter


Seminararbeit, 2004

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Der Zustand des Stadtschlosses im Jahr 1688

3. Der Umbau des Schlosses unter Kurfürst Friedrich III (1688-1701)
3.1. Die Arbeiten bis zur Berufung Schlüters (1688-1698)
3.2. Das Wirken Andreas Schlüters am Berliner Schloss (1698-1706)
3.2.1. Zur Biographie Schlüters
3.2.2. Der Schlossbaumeister Schlüter (1699-1707)
3.2.2.1. Der Münzturm

4. Resümee

5. Literaturangabe

1. Einleitung

Das Berliner Stadtschloss galt bis zu seiner Vernichtung im Jahre 1951 als der bedeutendste Barockbau Nordeuropas. Dieses Attribut hatte es hauptsächlich dem Wirken Friedrichs I., dem ersten König aus dem Geschlecht der Hohenzollern, zu danken, der zusammen mit seinem Baumeister Andreas Schlüter begann, die kurfürstliche Residenz auf der Spreeinsel zwischen den Städten Cölln und Berlin, zu einem Königsschloß auszubauen.

Dieses Werk steht in untrennbarem Zusammenhang zur Selbstkrönung Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg zum König Friedrich I. in Preußen am 18. Januar 1701 in der Schlosskirche zu Königsberg. Es soll meine Aufgabe in dieser Arbeit sein, den speziellen Anteil Andreas Schlüters an der Umgestaltung des Schlosses herauszustellen. Dabei soll geprüft werden, welche eventuellen Vorbilder den Baumeister des Königs zu seinen Planungen inspirierten. Es soll ein Bild entworfen werden, das die Bemühungen Friedrichs I., seinen Hof an das barocke Europa anzuschließen, illustriert und eine Rechtfertigung für die Bauten gibt, die mehr asiatischem Prunk, als europäischer Würde entsprachen[1] ? Ich werde in meiner Arbeit lediglich auf die Außenarchitektur eingehen, da eine Darstellung der Innenarchitektur den Rahmen dieser Aufgabe sprengen würde und dieses Gebiet ohnehin viel zu wenig erforscht ist. Weiterhin werde ich keinen allgemeinen Abriss der Baugeschichte des Berliner Schlosses geben, sondern erst bei Kurfürst Friedrich Wilhelm I. mit meinen Schilderungen beginnen. Die von Cornelius Gurlitt 1889 aufgeworfene Frage ob die Umgestaltung des Schlosses ab 1698 unter Umständen nicht Schlüter allein, sondern noch einem, bisher unbekannten, vorhergehenden Architekten zuzurechnen ist, den man eine Zeitlang in Francesco Borromini entdeckt zu haben glaubte, bleibt hier ebenfalls undiskutiert. Trotzdem man sich vorstellen kann, dass diese Theorie den Wiederaufbauplänen für das Stadtschloss neue Energie geben könnte, so denn gesichert wäre, dass in Berlin ein Architekt wirkte, der im Dienste der Päpste großen Anteil daran hatte, das brocke Rom zu erschaffen.

2. Der Zustand des Stadtschlosses im Jahr 1688

Nachdem das verwahrloste Schloss[2] in den ersten Jahren der Regierung Kurfürst Friedrich Wilhelm I. hinreichend in Ordnung gebracht worden war und kleinere Umbauten, wie die Einrichtung einer Kapelle für die Kurfürstin Luise-Henriette, die in den Kapellenhof hinein gebaut wurde, initiiert worden waren, widmete sich der Kurfürst vielmehr dem Ausbau der Residenzlandschaft um Berlin und kehrte erst im Jahr 1679[3] zum Schloss in Berlin zurück.

Der Alabastersaal, den man nach dem Bau der kurfürstlichen Wohnung im Spreeflügel in Angriff nahm, wurde nun zum ersten größeren Schritt auf dem Weg des Schlosses zu einer barocken Residenz. Gebaut 1680-85 in Verlängerung des „Quergebäudes“ zwischen dem äußeren und inneren Schloßhof[4], trug er in Größe und Proportion den Anforderungen an einen repräsentativen Raum im Schloss Rechung. Seinen etwas irreführenden Namen erhielt er von den Marmorfiguren der zwölf hohenzollernschen Kurfürsten und vierer Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, die an den Wänden Positur bezogen hatten.

Jedoch schilderte auch dieser Bau nur die allgemeine Konzeptlosigkeit in dieser Phase des Schlossbaus. Der Alabastersaal war architektonisch wenig systematisch gelegen[5], da er weder zu den Paradesuiten noch zu einem Haupttreppenhaus in Beziehung stand[6]. Dieses offensichtliche Fehlen einer übergreifenden Struktur für den Ausbau des Schlosses lässt darauf schließen, dass bis dato noch keinerlei architektonische Planidee für diesen wichtigsten Bau des Kurfürstentums Brandenburg existierte.

Weiteres Zeugnis für eine Konzeption des Stadtschlosses die in eklatantem Kontrast zu den symmetrischen Anlagen der sonstigen Jagd- und Lustschlösser, wie zum Beispiel Potsdam, stand, stellte der so genannte Bibliotheksflügel im Lustgarten dar. Kurfürst Friedrich Wilhelm beauftragte den Baumeister Michael Matthias Smids (sic!) im April 1687[7] mit der Ausführung eines Baus, der in Verlängerung der Hofapotheke an der Spree entlang in den Lustgarten reichen sollte.

Dieser Bau, von 140 Metern Länge[8], sollte im oberen Geschoß ein neues großes Staatsappartement aufnehmen, welches die wichtigste Funktion des Schlosses- die Repräsentation- erfüllen sollte. Das untere Stockwerk war als Bibliothek angedacht- daher auch der Name. Bemerkenswert dabei ist, dass man sich offensichtlich nicht mit dem Gedanken beschäftigte, dem Schloss das Erscheinungsbild eines homogenen Baukörpers zu geben, indem man es konsequent um den späteren großen Schlosshof gruppierte, der auch damals schon durch kleinere Bauten gebildet wurde. Überdies wurde durch eine bauliche Entwicklung des Hauptschlosses entlang der Spree, den dezentral liegen Gebäudeteilen, wie nicht zuletzt dem Alabastersaal, eine deutlich geringere Rolle zugedacht, da sie sich aufgrund ihrer Lage nur sehr schlecht in das barocke Staatszeremoniell einbeziehen ließen, das sich hautsächlich im neuen Flügel vollzogen hätte.

So entsprach das Berliner Schloss zum Zeitpunkt des Todes des Großen Kurfürsten 1688 keineswegs den Ansprüchen einer barocken Hofhaltung, wie sie in Europa bereits zum Standard geworden war. Das Vorhandene konnte daher auch kaum den schwedischen Architekten Nicodemus Tessin beeindrucken, der, noch mit den Eindrücken Italiens im Kopf, Berlin zu einer Station seiner Rückreise nach Stockholm wählte und feststellen musste: „In Berlin siehet man von gebeüden nicht das geringste artiges, wie sehr auch sich der Sehl. Churfürst darumb hat bemühet.“[9]

[...]


[1] Ritter, Albert (Hrsg.): Friedrich der Große, Werke und Schriften, Augsburg 1998, S. 725.

[2] Peschken, Goerd: Das königliche Schloß zu Berlin, Band 1: Die Baugeschichte von 1688- 1701 mit Nachträgen zur Baugeschichte des Schlosses seit 1442, München 1992, S. 95.

[3] Vgl. Peschken, G., Klünner, H.-W.: Das Berliner Schloß, Berlin 1998, S. 46.

[4] Peschken, G., Klünner, H.-W.: a. a. O., S. 46.

[5] Peschken, Goerd: a. a. O., S. 95.

[6] Vgl. Peschken, Goerd: a. a. O., S. 95.

[7] Vgl. Hinterkeuser, Guido: Das Berliner Schloss, Der Umbau durch Andreas Schlüter, Berlin 2003, S. 397.

[8] Vgl. Peschken, Goerd: a. a. O., S. 97.

[9] Hinterkeuser, Guido: Blick nach Europa, Die Architektur in Berlin im Zeitalter Friedrichs III./I., in: Preussen 1701- Eine europäische Geschichte, Band 2- Essays, Berlin 2001. S. 254.

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Details

Titel
Der Umbau des Berliner Stadtschlosses zur barocken Residenz unter Friedrich III./ I. und seinem Baumeister Andreas Schlüter
Hochschule
Universität Potsdam  (Historisches Institut)
Veranstaltung
PS Von der Burg zur Residenz
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
15
Katalognummer
V23332
ISBN (eBook)
9783638264747
ISBN (Buch)
9783638747691
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Umbau, Berliner, Stadtschlosses, Residenz, Friedrich, Baumeister, Andreas, Schlüter, Burg, Residenz
Arbeit zitieren
Andreas Hoffmann (Autor), 2004, Der Umbau des Berliner Stadtschlosses zur barocken Residenz unter Friedrich III./ I. und seinem Baumeister Andreas Schlüter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23332

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