In den vergangenen Jahrzehnten ist die Weltgemeinschaft stetig zusammengewachsen: Die weltweite Industrialisierung und die damit verbundene Ausweitung des Weltmarktes haben die Beziehungen der Nationalstaaten immer enger miteinander verknüpft. So wie Gesellschaft und Wirtschaft immer weiter über den nationalen Rahmen hinaus gewachsen sind, haben ebenso die Umweltprobleme an Ausmaß zugenommen – das Ozonloch, die Verschmutzung der Ozeane oder die Zerstörung der Urwälder sind nur wenige Beispiele. Neu an diesen globalen Umweltproblemen ist, dass der einzelne Staat als autonom handelnde Einheit diese Gefahren nicht beseitigen kann und zudem nicht in der Lage ist, sich von den globalen Interpendenzen zu befreien (Rittberger/Zangl 2003:81). Denn der Trend der Globalisierung verbunden mit einer gesellschaftlichen Denationalisierung hat auch dazu geführt, dass die Kapazität von Nationalstaaten, bestimmte Regierungsleistungen zu gewährleisten, zunehmend begrenzt wird (Beisheim 2004:291). Nationale Politiken sind immer weniger in der Lage, die angestrebten Zustände zu erreichen; der Staat verliert an Steuerungskapazität, zentrale Steuerungsressourcen sind außerhalb der nationalen Grenzen verteilt. Dies gilt auch für den Umweltbereich, da globale Umweltprobleme die Steuerungsfähigkeit einzelner Regierungen überfordern, und es noch an ausreichend effektiven internationalen Regelwerken mangelt (Beisheim 2004:291). Ein zentraler Trend der vergangenen Jahrzehnte ist die wachsende Institutionalisierung der zwischenstaatlichen Politik zum Schutz der Umwelt – im Rahmen einer entstehenden „Weltumweltordnung“ regeln heute nahezu 900 multi- und bilaterale Verträge das Verhalten der Staaten (Biermann 2003:270). Die meisten Verträge sehen jedoch nur schwache Sanktionierungen vor, enthalten oft nur schwer überprüfbare Pflichten oder schreiben Standards vor, die die meisten Staaten ohne besondere Anstrengungen erfüllen können. Andererseits funktionieren viele globale Umweltverträge auch ohne spektakuläre Sanktionen, etwa durch nichtrechtliche Prozesse (Biermann
2003:270). So konzentrierten sich die Akteure in vielen Bereichen des
grenzüberschreitenden Umweltschutzes auf die Gründung von internationalen
Regimen, das heißt sie vereinbaren, sich an gewisse Prinzipien, Normen und
Regeln sowie Entscheidungsprozeduren zu halten.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Internationale Umweltregime
1.1 Beispiele für internationale Umweltregime
1.1.1 Internationales Regime zum Schutz des Klimas (UNFCCC) (1992)
1.1.2 Regime über die biologische Vielfalt (CBD) (1992)
1.1.3 Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) (1973)
1.2 Institutionen
1.3 Prozesse & Strukturen
1.4 Relevante Akteure
1.4.1 Globale Institutionen
1.4.2 Nationalstaaten
1.4.3 Interessenverbände
1.5 Leitende Interessen
1.6 Ressourcen
2. Strukturmerkmale transnationaler Umweltproblematiken
2.1 Policy-Problem
2.2 Umfang
2.3 Komplexität (Strukturelle Wirkungszusammenhänge)
2.4 Betroffenheit
3. Bewertung der Leistungsfähigkeit von globalen Umweltregimen
3.1 Qualität von Entscheidungen
3.1.1 Grad der Verrechtlichung
3.2.1 Gerechtigkeit
3.2 Qualität der Umsetzung
3.2.1 Einhaltung
3.3 Wirkungsfähigkeit
3.3.1 Verhaltenswirksamkeit
3.4 Zusammenfassung: Bewertung der Leistungsfähigkeit
4. Fazit & Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit bewertet die Leistungsfähigkeit globaler Umweltregime, indem sie analysiert, inwieweit die Qualität ihrer Entscheidungen, die Umsetzung dieser Vorgaben und ihre tatsächliche Wirkungsfähigkeit zur Lösung globaler Umweltprobleme beitragen.
- Charakterisierung internationaler Umweltregime und deren Akteure
- Strukturmerkmale transnationaler Umweltproblematiken
- Analyse der Entscheidungsqualität und Verrechtlichung
- Evaluierung der Umsetzungsqualität und Einhaltungsmechanismen
- Diskussion der Wirkungsfähigkeit in Bezug auf Verhaltensänderungen
Auszug aus dem Buch
1. Internationale Umweltregime
Internationale Regime können grundsätzlich als soziale Institutionen definiert werden, die sich in einem Umfeld, das von Anarchie geprägt ist – also keine zentrale öffentliche Autorität kennt –, spezifischer problemfeldbezogener Fragestellungen annehmen (Bürgler 2009:46). Es handelt sich um politikfeldspezifische Institutionen ohne Akteursqualität, die sich darauf beschränken, das Verhalten internationaler Akteure allein mit Hilfe ihres normativen Apparats in geordnete Bahnen zu lenken (Hasenclever/Mayer 2007:14). Sie erlauben keine gegen die Einzelinteressen der Mitgliedstaaten gerichtete internationale Umweltpolitik, sondern stellen zur Förderung der gemeinsamen Interessen der beteiligten Akteure einen regimespezifischen Entscheidungsapparat zur Verfügung (Gehring/Oberthür 1997:17).
Obwohl eine globale Interdependenz von Umweltproblemen besteht, hat die ungleiche Konzentration der Probleme eine zunächst stark regionale Entwicklung von Umweltregimen hervorgerufen – in der globalen Umweltpolitik überwiegen daher regionale gegenüber internationalen Abkommen (Bürgler 2009:45-46). Internationale Umweltregime etablieren sich üblicherweise aufgrund von zwei Entwicklungen: Entweder durch eine Bewegung von unten durch das Zusammenwachsen verschiedener regionaler und bereichsspezifischer Regime oder durch einen Prozess von oben durch die gemeinsame Anerkennung international verabschiedeter Prinzipien und Normen (Müller 1993:91).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Internationale Umweltregime: Definition von Regimen als soziale Institutionen, Vorstellung spezifischer Beispiele wie UNFCCC, CBD und CITES sowie Analyse der beteiligten Akteure und Ressourcen.
2. Strukturmerkmale transnationaler Umweltproblematiken: Untersuchung globaler Trends und Herausforderungen, die grenzüberschreitende Umweltprobleme prägen und deren Komplexität definieren.
3. Bewertung der Leistungsfähigkeit von globalen Umweltregimen: Kritische Analyse der Entscheidungsqualität, Umsetzungseffektivität und tatsächlichen Wirkungsfähigkeit auf das Verhalten staatlicher und nichtstaatlicher Akteure.
4. Fazit & Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der institutionellen Arrangements im internationalen Umweltschutz sowie Perspektiven für eine effektivere globale Umweltpolitik.
Schlüsselwörter
Globale Umweltregime, Weltumweltpolitik, Internationale Organisationen, Nachhaltigkeit, Treibhausgasemissionen, Biodiversität, CITES, UN, Umweltzerstörung, Verhaltenswirksamkeit, Global Governance, Institutionelle Arrangements, Nationalstaaten, Klimaschutz, Politikfelder.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert die Leistungsfähigkeit internationaler Umweltregime bei der Bewältigung globaler Umweltkrisen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Themen umfassen die Definition internationaler Regime, die Analyse ihrer Strukturen, die Rolle verschiedener Akteure sowie die Bewertung ihrer Entscheidungs- und Umsetzungsprozesse.
Welche Forschungsfrage steht im Zentrum?
Wie leistungsfähig sind globale Umweltregime gemessen an der Qualität ihrer Entscheidungen, deren praktischer Umsetzung und ihrer tatsächlichen Wirksamkeit bei der Lösung globaler Umweltprobleme?
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Es handelt sich um eine analytische Auswertung bestehender regime- und politikwissenschaftlicher Literatur und institutioneller Rahmenwerke.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Regime, die Analyse ihrer strukturellen Umweltproblematiken und die systematische Bewertung ihrer Leistungsfähigkeit.
Welche Schlüsselwörter beschreiben diese Arbeit am besten?
Globale Umweltregime, Weltumweltpolitik, Institutionen, Nachhaltigkeit und Global Governance.
Warum sind internationale Umweltregime oft in ihrer Durchsetzung begrenzt?
Es fehlt an zentralen Sanktionsmechanismen und einer übergeordneten Durchsetzungsautorität, zudem steht oft der Konsens der Nationalstaaten über die Wirksamkeit.
Welche Rolle spielen NGOs in diesen Prozessen?
NGOs fungieren als Watchdogs, liefern Fachwissen und versuchen durch öffentliche Lobbyarbeit den internationalen Entscheidungsprozess zu beeinflussen.
Ist das aktuelle System der Weltumweltpolitik zukunftsfähig?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass das aktuelle System durch Zergliederung geprägt ist und eine institutionelle Reform hin zu einer stärkeren, koordinierten Organisation notwendig ist.
- Arbeit zitieren
- Michaela Sankowsky (Autor:in), 2013, Die Leistungsfähigkeit globaler Umweltregime in der Weltumweltpolitik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233327