Um die Mitte des 16. Jahrhunderts entwickelte sich das neu organisierte Russische Reich unter Zar Iwan IV. dem Schrecklichen erstmals zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten des Osmanischen Reiches um die Macht in Ost- und Südosteuropa. Die Unterwerfung der Tatarenreiche Kasan und Astrachan im äußersten Osten Europas brachte den Russen nicht nur die Erweiterung ihres Reiches über die gesamte Länge der Wolga, sondern auch über die Wolgamündung einen Zugang zum Kaspischen Meer.
Die Türken befanden sich zu dieser Zeit ebenfalls noch in der Ausdehnungsphase ihres Reiches. Sie verfügten über Georgien und Aserbaidschan und somit vom Westufer aus über einen Zugang zum Kaspischen Meer. Die Nordküste des Schwarzen Meeres war zu dieser Zeit noch nicht von den Russen bedroht, eine Auseinandersetzung um diesen wichtigen Zugang, der zugleich den Zugang zum Mittelmeer bedeutet, war jedoch nur noch eine Frage der Zeit. Es war offensichtlich, dass es unter einem energischen und ehrgeizigen russischen Herrscher zu einem Krieg mit den Türken kommen würde. Peter, jüngster Sohn des 1676 verstorbenen Zaren Aleksej Michajlovic aus der Ehe mit Natalja Naryskina, war dieser Mann...
Inhaltsverzeichnis
- A. Einleitung:
- Russland und das Osmanische Reich im 16. und 17. Jahrhundert
- B. Hauptteil:
- 1. Die Konfrontation am Pruth
- 2. Der Friedensschluss
- 3. Nach dem Frieden
- C. Schluss:
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Dieser Text befasst sich mit den Beziehungen zwischen Russland und dem Osmanischen Reich im 16. und 17. Jahrhundert, insbesondere mit dem Pruthfeldzug von 1711 und seinen Folgen für die politische Landkarte Europas.
- Die Entstehung eines Konflikts zwischen Russland und dem Osmanischen Reich um die Vorherrschaft in Osteuropa
- Die militärische Konfrontation zwischen Russland und der Türkei am Pruth
- Der Pruthfrieden als ein Wendepunkt in der Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen
- Die Rolle des schwedischen Königs Karl XII. in den Ereignissen am Pruth
- Die Bedeutung des Pruthfeldzugs für die Entwicklung der russischen und der osmanischen Großmacht
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung
In der Einleitung wird die Entstehung des Konflikts zwischen Russland und dem Osmanischen Reich im 16. und 17. Jahrhundert beschrieben. Die Ausdehnung des Russischen Reiches unter Zar Iwan IV. führte zu einer Konfrontation mit dem Osmanischen Reich um die Vorherrschaft im Schwarzmeergebiet. Trotz einzelner kriegerischer Auseinandersetzungen blieb der Status Quo jedoch über einen längeren Zeitraum bestehen.
B. Hauptteil
1. Die Konfrontation am Pruth
Im Hauptteil wird der Pruthfeldzug von 1711, eine militärische Auseinandersetzung zwischen Russland und der Türkei, ausführlich geschildert. Der Zar Peter der Große hatte versucht, die Walachei zu erobern und damit sein Gebiet bis zur Donau auszuweiten. Doch aufgrund der mangelnden Unterstützung durch die Balkanchristen und der schwierigen Nachschubsituation sah sich die russische Armee in eine aussichtslose Lage verwickelt. Die türkische Armee unter dem Grosswesir Baltadschy gelang es, die Russen am Pruth zu umzingeln.
2. Der Friedensschluss
Peter der Große war gezwungen, Verhandlungen mit der Türkei zu führen, um die Befreiung seiner Armee aus der Umzingelung zu erreichen. Der Friedensschluss von 1711 brachte für Russland einen großen diplomatischen Erfolg, da es trotz der militärischen Niederlage seine wichtigsten Interessen schützen konnte. Der schwedische König Karl XII., der mit Hilfe der Türkei die Russen besiegen wollte, kam zu spät und verpasste die entscheidende Chance, den Verlauf des Konflikts zu beeinflussen.
3. Nach dem Frieden
Im dritten Teil werden die Folgen des Pruthfeldzugs für Russland und das Osmanische Reich beschrieben. Die Türkei hatte zwar einen militärischen Sieg errungen, doch Russland konnte seine Großmachtposition durch geschickte Diplomatie festigen. Die beiden vertraglichen Erfolge der Türken – die Rückgabe der Festung Azow und die Unterstützung der Saporoger Kosaken – wurden von Russland bald wieder rückgängig gemacht.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter und wichtigsten Themen dieses Texts umfassen die russisch-osmanischen Beziehungen, den Pruthfeldzug, Peter der Große, Karl XII., der Pruthfrieden, die europäische Machtpolitik im 18. Jahrhundert, und das Osmanische Reich als Großmacht.
Häufig gestellte Fragen
Was war der Pruthfeldzug von 1711?
Der Pruthfeldzug war eine militärische Auseinandersetzung zwischen dem Russischen Reich unter Peter dem Großen und dem Osmanischen Reich. Er endete mit einer russischen Niederlage und der Umzingelung der Armee am Fluss Pruth.
Warum kam es zum Krieg zwischen Peter dem Großen und den Türken?
Ursachen waren Peters Expansionsdrang zum Schwarzen Meer und die Einmischung des schwedischen Königs Karl XII., der nach seiner Niederlage bei Poltawa ins Osmanische Reich geflohen war und die Türken zum Krieg gegen Russland drängte.
Was beinhaltete der Frieden vom Pruth?
Russland musste die Festung Asow an die Osmanen zurückgeben, seine Flotte im Asowschen Meer zerstören und versprechen, sich nicht mehr in polnische Angelegenheiten einzumischen. Im Gegenzug durfte Peters Armee abziehen.
Welche Rolle spielte Karl XII. von Schweden beim Pruthfeldzug?
Karl XII. hoffte, mit türkischer Hilfe Russland entscheidend zu schwächen. Er war jedoch enttäuscht vom schnellen Friedensschluss des Großwesirs, da dieser Peter den Großen entkommen ließ, anstatt ihn gefangen zu nehmen.
Warum scheiterte Peters Plan in der Walachei?
Peter hatte auf einen massiven Aufstand der christlichen Bevölkerung auf dem Balkan gegen die Türken gehofft. Diese Unterstützung blieb jedoch weitgehend aus, was zu massiven Nachschubproblemen für die russische Armee führte.
Wie sicherte Russland trotz der Niederlage seine Großmachtposition?
Obwohl militärisch unterlegen, bewies Peter der Große diplomatisches Geschick. Viele Zugeständnisse an die Türken wurden in den Folgejahren durch geschickte Politik und neue Bündnisse wieder neutralisiert oder rückgängig gemacht.
- Arbeit zitieren
- Frank Oelmüller (Autor:in), 1993, Der Pruthfeldzug Peter des Großen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233331