Düsseldorf als Residenzstadt des Hauses Pfalz-Neuburg (1614-1716)


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

18 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Inhalt

1. Gliederung

2. Düsseldorf als Residenzstadt vor der Herrschaft des Hauses Pfalz-Neuburg

3. Düsseldorf als Residenzstadt unter der Herrschaft des Hauses Pfalz-Neuburg
3.1 Düsseldorf unter Wolfgang Wilhelm (1614-1653)
3.2 Düsseldorf unter Philipp Wilhelm (1653-1679)
3.3 Düsseldorf als Residenz Johann Wilhelms (1679-1716)
3.4 Der Tod Johann Willhelms 1716 und die Folgen für Düsseldorf

4. Rezeption und Bedeutung Johann Wilhelms für Düsseldorf heute

Literaturverzeichnis

Internetquellen

1. Gliederung

Der Schwerpunkt dieser Arbeit soll auf der Herrschafts- und Residenzzeit des Hauses Pfalz-Neuburg in Düsseldorf liegen, mit besonderer Konzentration auf die Regierungszeit Johann Wilhelms als Höhepunkt der Entwicklung.

Zu Beginn sollen in einem kurzen Abriss die vorangegangenen Phasen der Stadtentwicklung beschrieben werden, v.a. die ersten Ansätze einer Residenzbildung im späten 14. Jahrhundert und die Residenzzeit unter den Herrschern des Hauses Jülich-Kleve-Berg Mitte des 16. Jahrhunderts. Anschließend soll zunächst die Entwicklung von Stadt und Residenz unter Wolfgang Wilhelm (1614-1653) und Philipp Wilhelm (1653-1679) untersucht werden. So können auch langfristige Entwicklungslinien analysiert und mit der Regierungszeit Johann Wilhelms (1679-1716) verknüpft werden. Zwei Schwerpunkte der Untersuchung sollen hierbei zum einen der Einfluss der Maßnahmen Johann Wilhelms auf die Stadtentwicklung und zum anderen die Wechselwirkung von Residenz und Stadtbevölkerung sein. Darüber hinaus sollen aber auch die Gründe für die Abwanderung des Hofes nach seinem Tod und die damit verbundene mangelnde Nachhaltigkeit der Entwicklung aufgezeigt werden. Abschließend soll in einem kurzen Exkurs auf die zeitgenössische Rezeption Johann Wilhelms in Düsseldorf und Umgebung eingegangen werden und so der untersuchte Zeitraum mit der Gegenwart verknüpft werden. Insgesamt scheint ein chronologischer Zugriff hierbei angebracht zu sein, da eine fortschreitende Entwicklung beschrieben werden soll.

Thematisch ist eine Konzentration auf die Entwicklung in Düsseldorf selbst – quasi auf die „innenpolitischen“ Aspekte – aufgrund des Umfangs der Arbeit sinnvoll. Auf eine Beschäftigung mit den außenpolitischen Ambitionen des Hauses Pfalz-Neuburg sowie Kriegen und Konflikten der Zeit allgemein soll somit größtenteils verzichtet werden.

Da es sich beim untersuchten Zeitraum um eine der „größten“ Epochen der Stadtgeschichte Düsseldorfs handelt, ist Sekundärliteratur in einer für ein derart lokales bzw. regionales Thema durchaus beachtlichen Menge vorhanden. Bei den Primärquellen – etwa bei Aufzeichnungen zu Bevölkerungsstruktur und -entwicklung – sind hingegen einige Lücken zu beobachten[1].

2. Düsseldorf als Residenzstadt vor der Herrschaft des Hauses Pfalz-Neuburg

Düsseldorf wurde nicht erst 1614 unter dem Herrscherhaus von Pfalz-Neuburg zur Residenzstadt. Bereits in den vorangegangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten hat die Stadt diese Funktion, wie auch die eines Verwaltungssitzes, bereits inne – wenn auch nicht durchgehend. Man kann hier also nicht von einem kontinuierlichen Prozess sprechen, im Gegenteil: Die Entwicklung der Stadt hat in der Zeit vor 1614 ihre Höhen und Tiefen und war meist maßgeblich abhängig von den Intentionen und Prioritäten des jeweiligen Herrschers.

Obwohl bereits seit Jahrhunderten Menschen im Gebiet der Mündung der Düssel in den Rhein lebten, wurde die Siedlung erst 1288 von Adolf V. von Berg zur Stadt erhoben. Dieser hatte im Limburger Erbfolgekrieg auf der richtigen Seite gestanden und versuchte nun seinen Machtzuwachs mit der Errichtung einer Festung zu konsolidieren und abzusichern. Die Erhebung geschah also vorrangig aus militärisch-strategischen Gründen, nicht etwa aus primär wirtschaftlichem Interesse. Die Lage der Stadt im dicht besiedelten Rheinland war – trotz der verkehrstechnisch günstigen Position – nicht optimal für die ökonomische Entwicklung, da die Konkurrenz der Nachbarstädte bereits sehr groß war[2]. Nach dem Tod des Fürsten 1296 richtete sich die Aufmerksamkeit seiner Nachfolger dann auch auf andere Orte[3], so dass Düsseldorf für beinahe ein Jahrhundert „dahindämmerte“[4].

Erst Ende des 14. Jahrhunderts ergaben sich wieder bedeutende Veränderungen[5]: 1377 gelang die Errichtung einer Rheinzollstätte in Düsseldorf[6], was für die ökonomische Entwicklung Düsseldorfs zweifellos von enormer Bedeutung war. Wenig später, 1380, wurde Graf Wilhelm zum Herzog erhoben. Die Standeserhöhung brachte natürlich auch höhere Repräsentationspflichten mit sich und die dadurch entstehenden Kosten konnten u.a. durch die kurz zuvor errichtete, lukrative Zollstätte gedeckt werden. So kann man sagen, dass gerade die Kombination dieser Ereignisse für die Entwicklung Düsseldorfs von großer Bedeutung war, wurde die Stadt doch nun unter Herzog Wilhelm zum ersten Mal zur Residenzstadt.

Hatte er sich als Graf vor 1380 noch abwechselnd in verschiedenen Burgen aufgehalten[7], zeigen „die umfangreichen Maßnahmen zur Vergrößerung und Ausschmückung der Stadt [...] deutlich an, dass der bergische Reichsfürst die Schaffung einer Residenz im Auge hatte, die den repräsentativen Rahmen für den Hof abgeben sollte“[8]. Dennoch kann man hier noch nicht von einer festen Residenz frühneuzeitlicher Prägung sprechen, da der Fürst gezwungen war, eine „traditionelle Reiseherrschaft“[9] beizubehalten, um die Stabilität in seinem Herrschaftsbereich zu garantieren. Obwohl Wilhelm oft als „zweiter Gründer der Stadt“ bezeichnet wird[10], zeigt es sich, dass er in der verhältnismäßig kurzen Phase seiner Regierungszeit[11] zwar einerseits wichtige Impulse für die Stadtentwicklung geben konnte. Andererseits genügten diese jedoch nicht, um Düsseldorf als Residenzstadt des Hauses Jülich-Berg dauerhaft zu etablieren. Bereits sein Sohn Adolf residierte, ebenso wie dessen beiden Nachfolger, nicht – oder zumindest nicht dauerhaft – in Düsseldorf.

Die frühzeitigen Ansätze der bergischen Residenzbildung in Düsseldorf sind gescheitert, weil unverzichtbare Voraussetzungen wie eine vom Landesherren unabhängig agierende Zentralverwaltung nicht gegeben waren. Die Folgen der Schlacht von Kleverham[12] verhinderten die Residenzbildung, weil der innerdynastische Konflikt zwischen dem Vater [Wilhelm] und den Söhnen die Kräfte des Herzogtums vollständig absorbierte[13].

Obwohl die wirtschaftliche Entwicklung Düsseldorfs im 15. Jahrhundert trotz mehrerer Pestepidemien durchaus positiv verlief, wird die Stadt erst etwa ein Jahrhundert nach dem Tod Herzog Wilhelms wieder ständige Residenzstadt.

Erst Wilhelm von Jülich-Berg[14] weilte wieder „weit häufiger und für längere Zeit in Düsseldorf“[15], unter seinem Nachfolger und Schwiegersohn Johann wurde die Stadt dann seit 1511 zunehmend zum Verwaltungszentrum eines wachsenden Herrschaftsgebietes. 1521 erbte Johann nach dem Tod seines Vaters auch die Besitzungen Kleve und Mark, so dass Düsseldorf nun auch geographisch weiter ins Zentrum rückte. Für die Stadt „war die Bildung eines großen Mittelstaates im deutschen Westen gleichbedeutend mit dem Aufstieg zur Residenz[16] und Hauptstadt am Niederrhein“[17]. Zudem blieb Düsseldorf und Jülich-Kleve-Berg insgesamt von Kriegen wie dem aufkeimenden Unabhängigkeitskrieg in den Niederlanden bis zum Ende des 16. Jahrhunderts weitgehend verschont[18], so dass das Land und damit seine Hauptstadt eine längere „Blütezeit“[19] erlebte. Der Nachfolger Johanns, Wilhelm III., sorgte um die Jahrhundertmitte für einen „erheblichen Bevölkerungszuwachs“, als er die jülisch-bergischen Zentralbehörden nach Düsseldorf verlegen ließ[20]. Auch die Gründung eines Gymnasiums 1545, die Erlassung einer Marktordnung 1546 oder der Bau eines eigenen Rathauses ab 1570 verdeutlichen beispielhaft die steigende Bedeutung der Stadt[21].

Spätestens in den 1580er Jahren verschlechterten sich die Verhältnisse allerdings wieder. Vier Pestepidemien zwischen 1577 und 1584 und der Truchseßsche Krieg von 1582-86, der zwar Düsseldorf selbst verschonte, aber das Umland stark in Mitleidenschaft zog, sorgten für ein Ende dieser positiven Phase der Stadtentwicklung[22]. Auch die gern als Höhepunkt des Hoflebens in der Düsseldorfer Residenz zitierte Hochzeit von Erbprinz Johann Wilhelm im Jahr 1585[23] täuschte nicht über die missliche Lage hinweg: Herzog Wilhelm wurde zunehmend regierungsunfähig, auch sein Sohn, der 1592 seinem Vater nachfolgte, war bereits zu Beginn seiner Herrschaft geisteskrank. Die wirtschaftliche Lage verschlechterte sich durch die erwähnten kriegerischen Auseinandersetzungen und die hohe Verschuldung durch die Prunkhochzeit ebenfalls enorm[24].

Es verwundert nicht, dass unter diesen Umständen keine Impulse zur Entwicklung Düsseldorfs oder zum Ausbau der Residenz mehr gegeben wurden. Als Johann Wilhelm 1609 kinderlos starb, war das Erbe ungeklärt. Erst nach dem Ende des Jülisch-Klevischen Erbstreits 1614 sollten sich die Verhältnisse in Düsseldorf unter den Herrschern des Hauses Pfalz-Neuburg wieder zum Besseren wenden.

[...]


[1] Vgl. Müller, Klaus: Unter pfalz-neuburgischer und pfalz-bayerischer Herrschaft (1614-1806), in: Weidenhaupt, Hugo (Hg.), Düsseldorf - Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert, Band 2, Düsseldorf 1988, S.138; vgl. außerdem Anmerkung 68.

2 Im Gebiet um Düsseldorf existierten bereits zahlreiche, zum Teil deutlich größere, wirtschaftlich potentere Städte wie etwa Köln, Duisburg, Neuss, Kaiserwerth oder das – wie Düsseldorf – zum Herrschaftsbereich Adolfs V. gehörende Ratingen; vgl. Spohr, Edmund: Düsseldorf - Stadt und Festung, Düsseldorf 1978, S.19; Kolodziej, Axel: Herzog Wilhelm I. von Berg (1380-1408), in: Herdepe, Klaus, Stohlmann, Jürgen (Hg.): Bergische Forschungen - Quellen und Forschungen zur bergischen Geschichte, Kunst und Literatur, Band 29, Neustadt an der Aisch 2005, S.69/70.

3 Wie etwa die Zollstätten Duisburg und Kaiserwerth, die sich zeitweilig im Besitz der Grafen von Berg befanden; vgl. Kolodziej 71.

[4] Kolodziej 71.

[5] Wisplinghoff spricht von einer „Wende“ in der zweiten Hälfte der Regierungszeit Wilhelms II. von Berg; vgl. Wisplinghoff, Erich: Mittelalter und frühe Neuzeit – Von den ersten schriftlichen Nachrichten bis zum Ende des Jülisch-Klevischen Erbstreits (ca. 700-1614), in: Weidenhaupt, Hugo (Hg.): Düsseldorf - Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert, Band 1, Düsseldorf 1988, S.198.

[6] Die bereits seit 1373 angestrebt wurde; vgl. Spohr 20; Kolodziej 74. Weidenhaupt spricht hingegen von der „Errichtung“ einer Zollstätte 1373; vgl. Weidenhaupt, Hugo: Düsseldorfs Landesherren – Ein Beitrag zum Stadtjubiläum 1963, in: von Looz-Corswarem, Clemens (Hg.): Aus Düsseldorfs Vergangenheit - Aufsätze aus vier Jahrzehnten, Düsseldorf 1988, S.99.

[7] Z.B. in Bensberg, Altenberg und im Stammsitz Burg an der Wupper; vgl. Spohr 20; Kolodziej 76.

[8] Kolodziej 75.

[9] Kolodziej 75.

[10] Vgl. Weidenhaupt, Landesherren 99; Kolodziej 77.

[11] Zwar regierte Wilhelm von 1360 bis 1408, entscheidenden Einfluss auf die Stadtentwicklung konnte er aber nur zwischen 1377 bzw. 1380 (d.h. mit der Erlangung von Zollstätte und Herzogswürde) und 1397 (Ausbruch des offenen innerfamiliären Machtkampfs) nehmen.

[12] In der Schlacht von Kleverham 1397 wurde Herzog Wilhelm im Machtkampf mit seinem Sohn Adolf und seinen klevischen Neffen geschlagen und gefangen genommen und in der Folge in einen jahrelangen Machtkampf verwickelt; vgl. Spohr 23; Wisplinghoff 199/200.

[13] Kolodziej 81.

[14] Der von 1475 bis 1511 herrschte.

[15] Wisplinghoff 201/2.

[16] Oder dem Wieder aufstieg nach der „Residenzzeit“ von 1380 bis 1408 unter Wilhelm II. von Berg, je nach Definition von „Residenz“ („ständig“ contra „überwiegend“).

[17] Spohr 25.

[18] Vgl. Spohr 28; Wisplinghoff 204.

[19] Wisplinghoff 204.

[20] Spohr 27.

[21] Vgl. Weidenhaupt, Landesherren 102; Spohr 27/28.

[22] Vgl. Spohr 28/29.

[23] Weidenhaupt spricht vom „glanzvollsten Fest der Stadtgeschichte“ (Landesherren 102); vgl. Wisplinghoff 205 und Spohr 29.

[24] Vgl. Spohr 29 und Wisplinghoff 205.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Düsseldorf als Residenzstadt des Hauses Pfalz-Neuburg (1614-1716)
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Residenzstädte in der Frühen Neuzeit
Note
2,5
Autor
Jahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V233346
ISBN (eBook)
9783656500254
ISBN (Buch)
9783656501435
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
düsseldorf, residenzstadt, hauses, pfalz-neuburg
Arbeit zitieren
Philipp Schmitz (Autor), 2010, Düsseldorf als Residenzstadt des Hauses Pfalz-Neuburg (1614-1716), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233346

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