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Zur Funktion der Metapher in Franz Kafkas "Ein Hungerkünstler" und "Die Brücke"

Title: Zur Funktion der Metapher in Franz Kafkas "Ein Hungerkünstler" und "Die Brücke"

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 24 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Kathleen Niebl (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Als zentrale Begriffe der Literaturkritik dienen die Metapher, die Allegorie, als
auch das Symbol der Kategorisierung und Verwaltung poetischer Bilder. Auch die
Analyse der Bildersprache Franz Kafkas versprach zahlreichen Interpreten ergiebige
Resultate.1 Während man sich relativ schnell darauf einigte, dass die ohnehin allzu
klar umrissenen Begriffe der Allegorie und des Symbols, angewendet auf die Prosa
Franz Kafkas, relativ schnell an Überzeugungskraft verloren, 2 verblieb einzig die
Metapher zur Klärung der ungewöhnlichen Bilderwelt des Autors. Doch ist man sich
bis heute auch über deren Erklärungspotential, die Bildstrukturen von Kafkas Prosa
betreffend, weitest gehend uneinig geblieben.
So erheben im Anschluss an Günther Anders eine Vielzahl an Kritikern, etwa
Henry Sussman oder Wilhelm Emrich3, die Metapher zum bestimmenden
Konstruktionsprinzip der Dichtung Kafkas, während man auf der anderen Seite, den
Forschungen Friedrich Beißners zum einsinnigen Erzählen Franz Kafkas folgend,4
seine Sprache als weitgehend unmetaphorisch bezeichnet. [...]
1 Vgl. etwa die umfangreiche Studie von Barbara Beutner: Die Bildersprache Franz Kafkas.
München: Wilhelm Fink Verlag 1973. Vgl. auch: Heinz Politzer: „Gibs auf!“ – Zum Problem der
Deutung von Kafkas Bildersprache. In: ders.: Franz Kafka, der Künstler. Frankfurt am Main: S.
Fischer Ve rlag 1965. S. 19-44.
2 Bereits 1951 ließ Günther Anders in seiner einflussreichen Analyse des Erzählstils Franz Kafkas nur
den Begriff der Metapher für dessen Bildersprache gelten, Vgl.:Günther Anders: Nicht Symbole,
sondern Metaphern. In: ders.: Kafka. Pro und Contra. Die Prozeß-Unterlagen. München: C.H. Beck
41972. S. 39-51. Allegorische Deutungen finden sich eher selten. So sieht etwa James Rolleston den
„Hungerkünstler“ als Allegorie der Moderne, Vgl. James Rolleston: Purification unto Death: “A
Hunger Artist” as Allegory of Modernism. In: Approaches to teaching Kafka’s short fiction. Hg. v.
Richard T. Gray. New York: The Modern Language Association of America 1995. S. 135-142.
3 Vgl.: Henry Sussmann: Franz Kafka. Geometrician of Metaphor. Madison: Coda Press 1979,
Wilhelm Emrich: Die Bilderwelt Franz Kafkas. In: Franz Kafka. Hg. v. Heinz Politzer. Darmstadt:
Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1973. S. 286-308.
4 Friedrich Beißner: Der Erzähler Franz Kafka. In: ders.: Der Erzähler Franz Kafka und andere
Vorträge. Mit einer Einführung von Werner Keller. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1983. S. 21-50.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Metapher, Allegorie oder Symbol?

2. Die Leistung der Metapher in Franz Kafkas „Ein Hungerkünstler“

2.1 Kunst oder Natur? - Das Hungern des Hungerkünstlers

2.2 Die „heranwälzende Menge“ – Das Publikum im „Hungerkünstler“

2.3 Ein Leben in „scheinbarem Glanz“ – Lichtmetaphorik im „Hungerkünstler“

2.4 Vorherrschaft des Metaphorischen – Die Funktion des Panthers im „Hungerkünstler“

2.5 Ergebnis

3. Die realisierte Metapher – Franz Kafkas „Die Brücke“

4. Schlussbemerkungen

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Funktion und Leistung der Metapher in den Werken „Ein Hungerkünstler“ und „Die Brücke“ von Franz Kafka, um die komplexen Bildstrukturen und deren Bedeutung für das literarische Gesamtwerk zu analysieren.

  • Analyse der metaphorischen Konstruktionsprinzipien in Kafkas Prosa.
  • Untersuchung des Verhältnisses von Kunst, Natur und Künstlertum.
  • Betrachtung der Rolle des Publikums und seiner Rezeption von Kunst.
  • Deutung der Lichtmetaphorik und ihrer Funktion innerhalb der Erzählungen.
  • Kritische Auseinandersetzung mit existierenden Forschungspositionen zur Metapherntheorie bei Kafka.

Auszug aus dem Buch

Die Leistung der Metapher in Franz Kafkas „Ein Hungerkünstler“

Neben der „Verwandlung“ und dem „Landarzt“ gehört der „Hungerkünstler“ zu den meist diskutierten Erzählungen Franz Kafkas. Vor allem die Natur und Bedeutung des Hungers für den Protagonisten und sein Publikum, stehen dabei im Mittelpunkt der Betrachtungen. Einig ist man sich diesbezüglich allerdings nur darüber, dass in der Erzählung die Vorstellung von einer besonderen Art des Hungers, jenseits von gewöhnlichem Fasten evoziert wird.

Im ersten Teil der Erzählung wird über die sogenannte „Glanzzeit“ des Hungerkünstlers berichtet, die sich allerdings nur rein äußerlich als eine solche darstellt. Denn nur „der Mode halber“, begibt man sich zum Käfig des Hungerkünstlers, die vermeintliche Bewunderung, die ihm dadurch zuteil wird, stellt ihn nicht zufrieden, da sie nicht auf dem Verständnis seiner Kunst beruht. In einer Vielzahl an Aufsätzen wird gerade diese scheinbar überhebliche „Künstlereitelkeit“ dem Hungernden vorgeworfen. So beschuldigt etwa Walter H. Sokel den Hungerkünstler, er gebe „einen eingeborenen Mangel als ganz große Kunstleistung“ aus, mache „aus dem Minus ein Plus“ und wolle „für das, was er nicht kann, Bewunderung und Anerkennung der Menschheit bekommen.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Metapher, Allegorie oder Symbol?: Dieses Kapitel führt in die literaturwissenschaftliche Debatte über Kafkas Bildersprache ein und beleuchtet die Uneinigkeit der Forschung hinsichtlich der Anwendung traditioneller Begriffe wie Metapher, Allegorie oder Symbol.

2. Die Leistung der Metapher in Franz Kafkas „Ein Hungerkünstler“: Untersuchung der metaphorischen Struktur der Erzählung, wobei insbesondere das Verhältnis von Kunst, Natur und der Rolle des Künstlers im Fokus steht.

2.1 Kunst oder Natur? - Das Hungern des Hungerkünstlers: Analyse der tierischen Metaphorik und der Bedeutung des Hungers als existentielles Bedürfnis im Gegensatz zum künstlerischen Anspruch.

2.2 Die „heranwälzende Menge“ – Das Publikum im „Hungerkünstler“: Untersuchung der animalischen Metaphorik zur Charakterisierung des Publikums und dessen kommerzorientierter Haltung.

2.3 Ein Leben in „scheinbarem Glanz“ – Lichtmetaphorik im „Hungerkünstler“: Analyse der Licht- und Beleuchtungssymbolik und deren Widerlegung als Metapher der Wahrheit im Kontext des Kunstbetriebs.

2.4 Vorherrschaft des Metaphorischen – Die Funktion des Panthers im „Hungerkünstler“: Deutung der Panther-Figur als Kontrastfigur und metaphorische Antwort auf das Scheitern des Hungerkünstlers.

2.5 Ergebnis: Zusammenfassung der Erkenntnisse, die zeigen, dass die Metapher bei Kafka über die bloße Darstellungsfunktion hinausgeht und integraler Bestandteil des Erzählinhaltes wird.

3. Die realisierte Metapher – Franz Kafkas „Die Brücke“: Analyse der Brücken-Metapher als lebendig gewordenes, bewusstseinsfähiges Gebilde und deren Scheitern im Kontakt mit dem Wanderer.

4. Schlussbemerkungen: Synthese der Analyseergebnisse, welche die Komplexität und Vielschichtigkeit der metaphorischen Erzählstruktur bei Kafka unterstreicht.

Schlüsselwörter

Franz Kafka, Ein Hungerkünstler, Die Brücke, Metapherntheorie, Bildersprache, Literaturkritik, Kunst, Natur, Symbolik, Allegorie, Erzählstruktur, Lichtmetaphorik, Rezeptionsästhetik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Funktion und den Stellenwert von Metaphern in zwei spezifischen Erzähltexten von Franz Kafka, um herauszufinden, wie Kafka sprachliche Bilder zur Gestaltung seines Erzählgeschehens einsetzt.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Kunst und Natur, die Rolle des Künstlers in der Gesellschaft sowie die kritische Reflexion über die Möglichkeiten und Grenzen der Sprache selbst.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die Metapher bei Kafka weit über ein bloßes rhetorisches Schmuckelement hinausgeht und eine zentrale, strukturgebende Rolle für die inhaltliche Aussage der Texte spielt.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, die auf einer kritischen Auseinandersetzung mit bestehender Forschungsliteratur und einer detaillierten stilistischen Untersuchung der Primärtexte basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der Erzählung „Ein Hungerkünstler“ und der Skizze „Die Brücke“, wobei einzelne Metaphernfelder – wie Licht, Tiere und die Interaktion mit dem Publikum – genau beleuchtet werden.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Metapherntheorie, Kafkas Bildersprache, das Verhältnis von Künstler zu Publikum und die Reflexion über Sprachnot und künstlerische Ausdrucksmöglichkeiten charakterisieren.

Warum wird der Panther im „Hungerkünstler“ als so wichtig erachtet?

Der Panther wird als metaphorisches Gegenstück zum Hungerkünstler gedeutet, das durch seine natürliche Vitalität und die Dichte der metaphorischen Beschreibung den absoluten Lebenswillen darstellt und somit das Scheitern des Künstlers kontrastierend beleuchtet.

Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin in Bezug auf die „Brücke“?

Die Autorin folgert, dass die Brücke eine lebendig gewordene Metapher ist, deren Scheitern durch das Unverständnis des Wanderers provoziert wird, was die Unzuverlässigkeit metaphorischer Übertragungsvorgänge innerhalb der Fiktion verdeutlicht.

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Details

Title
Zur Funktion der Metapher in Franz Kafkas "Ein Hungerkünstler" und "Die Brücke"
College
http://www.uni-jena.de/  (Germanistische Literaturwissenschaft)
Course
Metapherntheorie
Grade
1,0
Author
Kathleen Niebl (Author)
Publication Year
2003
Pages
24
Catalog Number
V23336
ISBN (eBook)
9783638264778
Language
German
Tags
Funktion Metapher Franz Kafkas Hungerkünstler Brücke Metapherntheorie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Kathleen Niebl (Author), 2003, Zur Funktion der Metapher in Franz Kafkas "Ein Hungerkünstler" und "Die Brücke", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23336
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