"Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Roman von Süskind und Tykwers
Film Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders. Zunächst wird analysiert, wie die Figur des Jean-Baptiste Grenouille in beiden Medien dargestellt wird. Anschließend wird die Darbietung der Ermordung des Mirabellenmädchens näher erläutert und auf bestimmte Diskrepanzen zwischen Film und Romanvorlage eingegangen. In einem darauf folgenden Schritt wird der Rausch der Gerüche, dem Grenouille im Zusammenhang mit dem Mirabellenmädchen erliegt, analysiert und die verwendeten Stilmittel beider Medien herausgearbeitet. Fernerhin wird die Legitimität der verwendeten Stilmittel geprüft und auf die Identifikation mit der Hauptfigur eingegangen."
Inhaltsverzeichnis
I. Vorwort
II. Einleitung
III. Der Protagonist Jean-Baptiste Grenouille im Roman und im Film
3.1. Süskinds Darstellung des Protagonisten
3.2. Tykwers Darstellung des Protagonisten
IV. Die Figur des Mirabellenmädchens
4.1. Die Ermordung des Mirabellenmädchens
4.2. Grenouille im Rausch des Duftes des namenlosen Mädchens
V. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der filmischen Umsetzung von Patrick Süskinds Roman „Das Parfum“ durch den Regisseur Tom Tykwer auseinander. Das Hauptziel besteht darin, die Transformation der literarischen Deskription des „Reichs der Gerüche“ in visuelle Stilmittel zu untersuchen und zu bewerten, inwiefern diese neue Interpretation dem Medium Film gerecht wird.
- Literarische Vorlage vs. filmische Adaption
- Charakterisierung des Protagonisten Jean-Baptiste Grenouille
- Visualisierung olfaktorischer Sinneseindrücke
- Analyse der Schlüsselszene der Ermordung des Mirabellenmädchens
- Identifikation des Rezipienten mit dem Protagonisten
Auszug aus dem Buch
Die Figur des Mirabellenmädchens
Der Mord an dem Mirabellenmädchen ist im Verlauf der Geschichte ein zentraler und ausschlaggebender Augenblick. Dieser entscheidet über die weiteren Handlungen des Protagonisten. Von nun an werden seine Handlungen von der Gier nach dem Bewahren des „Prinzip[s] ihres Dufts“ getragen. Jedoch erfährt der Moment der Tötung des Mirabellenmädchens im Film eine zusätzliche narrative Auswirkung als in Süskinds Roman: In Tykwers Werk entsteht eine unerfüllte Liebesgeschichte zu dem namenlosen Mädchen. Hinzukommend wird der Mord an dem Mirabellenmädchen als Unfall dargestellt oder gar als „Verschleierungstat eines Ungeschickten, der Angst vor der Entdeckung durch Passanten hat, geschildert […]“. Innerhalb der filmischen Narration bereut er später diese Tat zutiefst.
In Süskinds Roman wird dieses Ereignis indessen folgendermaßen dargestellt: „Sie war so starr vor Schreck, als sie ihn sah, daß er viel Zeit hatte, ihr seine Hände um den Hals zu legen. Sie versuchte keinen Schrei, rührte sich nicht, tat keine abwehrende Bewegung. […] [Er] hatte nur eine Sorge, von ihrem Duft nicht das geringste zu verlieren. […] Er wollte nichts von ihrem Duft verschütten. Er musste erst die innern Schotten dicht verschließen.“
Dieser Abschnitt zeigt deutlich einen auffälligen Bruch in der filmischen Realisierung mit der Vorlage. Im weiteren Verlauf der filmischen Narration wird dieser Moment als eine Art Auftakt einer Liebesgeschichte inszeniert. Die Figur des Mirabellenmädchens erscheint ihm in Träumen und Erinnerung wieder. In Süskinds Buch heißt es jedoch: „An das Bild des Mädchens aus der Rue des Marais, an ihr Gesicht, an ihren Körper konnte er sich schon nicht mehr erinnern. Er hatte das Beste von ihr aufbewahrt und sich zu eigen gemacht: das Prinzip ihres Dufts.“
Zusammenfassung der Kapitel
I. Vorwort: Die Autorin reflektiert die subjektive Bedeutung von Düften und deren Fähigkeit, Erinnerungen über Jahrzehnte hinweg lebendig zu halten.
II. Einleitung: Es wird die Problemstellung der Verfilmung von Süskinds Roman skizziert, wobei die Schwierigkeit betont wird, die deskriptive Kraft von Gerüchen visuell zu übersetzen.
III. Der Protagonist Jean-Baptiste Grenouille im Roman und im Film: Hier wird die unterschiedliche Charakterzeichnung des Protagonisten analysiert, insbesondere der Kontrast zwischen seiner literarischen Abstraktion und der filmischen, oft dämonisierten Darstellung.
IV. Die Figur des Mirabellenmädchens: Dieses Kapitel untersucht die zentrale Schlüsselszene und zeigt auf, wie Tykwer den Mord im Vergleich zum Roman als eine Art unerfüllte Liebesgeschichte umdeutet.
V. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass Tykwer eine eigenständige und ästhetisch legitime Interpretation geschaffen hat, auch wenn die Identifikation des Zuschauers mit der Hauptfigur gegenüber der Vorlage kritisch zu bewerten ist.
Schlüsselwörter
Das Parfum, Patrick Süskind, Tom Tykwer, Jean-Baptiste Grenouille, Literaturverfilmung, Mirabellenmädchen, Geruchssinn, Filmische Adaptation, Visuelle Darstellung, Identifikation, Deskription, Duftrausch, Romanvorlage, Medienvergleich, Inszenierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die filmische Adaption des Romans „Das Parfum“ durch Tom Tykwer und vergleicht diese mit der literarischen Vorlage von Patrick Süskind, insbesondere hinsichtlich der visuellen Darstellung von Gerüchen.
Welche zentralen Themenfelder werden untersucht?
Zentrale Themen sind die Charakterentwicklung von Jean-Baptiste Grenouille, die filmische Umsetzung des „Reichs der Gerüche“ sowie die dramaturgische Veränderung der Schlüsselszene rund um das Mirabellenmädchen.
Was ist die Forschungsfrage oder das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu prüfen, wie die komplexe literarische Deskription des Geruchssinns in das Medium Film übertragen wurde und ob die vorgenommenen filmischen Änderungen als legitim und künstlerisch sinnvoll betrachtet werden können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Die Arbeit verwendet eine vergleichende Literatur- und Filmanalyse, bei der gezielt Stilmittel, Kameraeinstellungen und narrative Brüche zwischen beiden Werken gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Protagonisten-Darstellung in Buch und Film sowie in die detaillierte Betrachtung des Mordes am Mirabellenmädchen und des daraus resultierenden „Duftrausches“ bei Grenouille.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören insbesondere „Literaturverfilmung“, „Duftrausch“, „mediale Transformation“ und die „Identifikation des Rezipienten“.
Wie unterscheidet sich die Darstellung von Grenouille im Film von der im Roman?
Im Roman wird Grenouille als eine Art „negativer Messias“ und als abstraktes Wesen aufgebaut, während der Film ihn durch eine düstere Bildsprache und die Besetzung mit einem attraktiven Hauptdarsteller stärker visuell und emotional zugänglich macht.
Warum wird die Darstellung des Mirabellenmädchens als zentraler Kritikpunkt angeführt?
Die Autorin kritisiert, dass der Film den Tötungsakt durch eine romantisch-traurige Inszenierung verfremdet, was dem Zuschauer eine andere emotionale Identifikation aufzwingt, als sie die Romanvorlage intendiert hat.
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- Clotilde Bry-Chemarin (Author), 2013, Das Parfum. Literarische Deskription und filmische Darstellung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233373