Das Parfum. Literarische Deskription und filmische Darstellung

Die Visualisierung des Unsichtbaren


Hausarbeit, 2013

17 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhalt

I. Vorwort

II. Einleitung

III. Der Protagonist Jean-Baptiste Grenouille im Roman und im Film
3.1. Süskinds Darstellung des Protagonisten
3.2. Tykwers Darstellung des Protagonisten

IV. Die Figur des Mirabellenmädchens
4.1. Die Ermordung des Mirabellenmädchens
4.2. Grenouille im Rausch des Duftes des namenlosen Mädchens

V. Fazit

VI. Abstract

VII. Bibliographie

I. Vorwort

Wie Proust an seine Madeleines erinnere ich mich lebhaft an den Duft des Parfums meiner Großmutter, Marie-Jeanne Chemarin - Hermès Rouge, ein Parfum, das im Jahre 2000 als Rouge Hermès neu interpretiert wurde. Und selbst an den modrigen Geruch von altem Gemäuer des Château d’If vor Marseille, der sich vor 20 Jahren schier in mein Gedächtnis brannte, erinnere ich mich, als wäre ich gestern das letzte Mal dort gewesen. Ein Duft mag flüchtig und vergänglich sein und doch vermag er in unseren Erinnerungen zu überdauern.

II. Einleitung

Patrick Süskinds Das Parfum gehört, ähnlich wie „Chanel No. 5“ mittlerweile längst nicht nur zu den Klassikern der deutschen Literatur, sondern es ist der erfolgreichste Roman aller Zeiten.1 Das Parfum hielt sich neun Jahre lang in den Bestsellerlisten, wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und in über 15 Millionen Exemplaren ver- kauft.2 Ein solcher Erfolg schrie geradezu nach einer Verfilmung und gerade auf- grund der immensen Beliebtheit der literarischen Vorlage wurde diese gespannt er- wartet. Doch ebenfalls der hohe Anspruch an die Realisation, der von vornherein an die Verfilmung gestellt wurde, sorgte dafür, dass die Ungeduld über die Erstaus- strahlung beträchtlich war.

Es gibt eine Überzeugungskraft des Duftes, die stärker ist als Worte, Augenschein, Ge- fühl und Wille. Die Überzeugungskraft des Duftes ist nicht abzuwehren, sie geht in uns hinein, wie Atemluft in unsere Lungen, sie erfüllt uns, füllt uns vollkommen aus, es gibt kein Mittel gegen sie.3

Das oben angeführte Zitat lässt die Problematik, die bei einer Verfilmung der Ro- manvorlage Das Parfum existiert, bereits deutlich werden. Vielleicht war genau diese Erkenntnis des Autors der Grund für seine lange Zurückhaltung die Filmrechte zu veräußern.4 Süskind selbst - der eben jene Wirkung der Düfte beschreibt - er- kennt, dass die Überzeugungskraft eines Duftes stärker sei als Worte, Augenschein, Gefühl und Wille. Dies lässt schon früh den Schluss zu, dass die Vielschichtigkeit der deskriptiven Leistung in dem betreffenden Roman stets präsent ist und hebt somit zeitgleich die Komplexität der Darstellung in einem Film hervor.

In der vorliegenden Arbeit werde ich bestimmte Punkte Tykwers Verfilmung mit der Romanvorlage vergleichen und auf ausgewählte Stilmittel beider Werke eingehen. Hierzu werde ich den Protagonisten Jean-Baptiste Grenouille in seiner filmischen und literarischen Darstellung aufgreifen. Ich werde außerdem auf die Identifikation des Lesers und des Zuschauers mit dem Protagonisten eingehen. Um diesem Ans- pruch in den folgenden Ausführungen gerecht zu werden, lege ich den Schwerpunkt auf die Schlüsselszene, die nicht nur im Roman, sondern auch im Film einen margi- nalen Stellenwert hat: die Ermordung des Mirabellenmädchens.

Ferner möchte ich anhand der ausgewählte Szene analysieren, wie das „Reich der Gerüche“5 sowohl literarisch als auch filmisch realisiert wurde. Zu diesem Zwecke werde ich anfänglich auf die deskriptive Leistung dieser Sinneswahrnehmung in Süskinds Werk eingehen und mich anschließend näher mit der Realisierung im Film befassen. Fernerhin möchte ich mich ebenfalls mit ausgewählten Stilmitteln im Film beschäftigen und deren Legitimität prüfen, indem ich diese mit jenen im Roman ab- gleiche.

III. Der Protagonist Jean-Baptiste Grenouille im Roman und Film

3.1. Süskinds Darstellung des Protagonisten

Bereits der Name des Protagonisten gibt einen gewissen Eindruck darüber, was Leser und Zuschauer zu erwarten haben. Mit dem Namen Jean-Baptiste und dessen deutscher Entsprechung (Johannes der Täufer) kann man annehmen, dass der Autor bewusst die Schlussszene aufgreift, als er plötzlich von der aufgebrachten Masse bei seiner geplanten Hinrichtung als Engel wahrgenommen wird. Dieses Moment ist durchaus mit der religiösen Taufe vergleichbar - einer Taufe mit einem menschlichen Geruch durch das selbst kreierte Parfum anstelle heiligen Weihwassers. Nicht zuletzt bekommt der Protagonist gerade aus diesem Grund den Namen dieses Heiligen mit der Taufe im Kloster von Saint-Merri6.

Der Nachname Grenouille (zu Deutsch: Frosch) bildet hier indes einen starken und unübersehbaren Kontrast zum Vornamen. Hier erwartet der Rezipient ein schleimi- ges und hässliches Wesen. Beachtenswert an dieser Stelle ist, dass der Zuname Grenouille im Roman von Anfang an sehr viel häufiger als der Vorname Jean- Baptiste genannt wird. Selbstverständlich lässt sich hierzu mit der Übernahme des mütterlic+9hen Zunamens argumentieren, jedoch wird so ebenfalls die Distanz zwischen Mutter und Kind verdeutlicht sowie ex aequo eine Fremdheit zwischen der Hauptfigur und dem Rezipienten geschaffen. Schließlich muss man sich an dieser Stelle vor Augen führen, wie befremdlich es wirkt, einen Säugling lediglich mit dem Nachnamen zu benennen. Ferner dient gerade dieses Mittel gleichsam als schrittwei- ses Heranführen des Lesers an die dargelegte Biografie des „negativen Messias“7. Die vorab als „eklige Geburt“ und „blutige[s] Fleisch“8 bezeichnete Figur - die vor- erst lediglich als eine Art Abstraktum begreifbar ist - wird im späteren Verlauf einer progressiven Charakterisierung und Konkretisierung unterzogen.

Dieser progressiven Approximation steht kohärent und parallel den Handlungswei- sen des Protagonisten gegenüber, wie sich an folgender Textstelle erkennen lässt:

Und bald schon konnte er beginnen, die ersten planvollen Geruchsgebäude aufzurichten: Häuser, Mauern, Stufen, Türme, Keller, Zimmer, geheime Gemächer […] [Eine] innere Festung der herrlichsten Duftkompositionen.9

[...]


1 Vgl. Kissler, Alexander. Leimbach, Carsten S: Alles über Patrik Süskinds das Parfum. Der Film, Das Buch, Der Autor. Wilhellm Heyne Verlag. München. 2006. S. 11.

2 Vgl. Delseit, Wolfgang. Fricke, Hannes: Das Parfum (Patrick Süskind - Tom Tykwer). Positiver Held und unbegreifliches Genie. Über die Schwierigkeiten, der (eigenen) Filmsprache zu vertrauen. In: Literaturverfilmungen (Hgg. Anne Bohnenkamp). Reclam. Ditzingen 2012. S. 351.

3 Süskind, Patrick: Das Parfum. Die Geschichte eines Möders. Diogenes. Zürich 1985. S. 106.

4 Delseit, Fricke. 2012. S. 351.

5 Süskind. 1985. S. 5.

6 Süskind. 1985. S. 10.

7 Kissler, Leimbach. 2006. S.105.

8 Süskind. 1985. S. 8f.

9 Süskind. 1985. S. 57.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Das Parfum. Literarische Deskription und filmische Darstellung
Untertitel
Die Visualisierung des Unsichtbaren
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für deutsche Philologie)
Veranstaltung
Literatur verfilmt und ver-filmt
Note
3,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
17
Katalognummer
V233373
ISBN (eBook)
9783656496793
ISBN (Buch)
9783656497578
Dateigröße
585 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Filmwissenschaften, Literaturverfilmung, Süskind, Das Parfum, Tykwer, Filmische Darstellung, Romanverfilmung, Parfum, Verfilmung, Mirabellen-Mädchen, Mirabellenmädchen, Rausch, Wahn
Arbeit zitieren
Clotilde Bry-Chemarin (Autor), 2013, Das Parfum. Literarische Deskription und filmische Darstellung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233373

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