Allein der Glaube. Erlösung im Amida-Buddhismus am Beispiel Shinrans und im Protestantismus nach Luther


Hausarbeit, 2010

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Amida-Buddhismus
2.1 Überblick und Entstehung
2.2 Erlösung bei Shinran

3. Protestantismus lutherischer Prägung
3.1 Überblick und Entstehung
3.2 Erlösung bei Luther und seine Rechtfertigungslehre

4. Vergleich

5. Fazit

Anhang
6.1 Abkürzungsverzeichnis
6.2 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Haben Buddhismus und Christentum Gemeinsamkeiten? Aufgrund der westlichen (populären) Buddhismusrezeption, welche hauptsächlich auf Zen-Buddhismus, Meditation, Yoga oder den durch den Dalai Lama bekannten tibetischen Buddhismus, fokussiert ist, scheint ein Vergleich kaum angebracht, fehlen doch schon grundlegendste Gemeinsamkeiten.

Diese Arbeit bezieht sich auf den in Japan weit verbreiteten Amida-Buddhismus, vorrangig in der Schulrichtung des Shin-Buddhismus einerseits, und auf die protestantische Prägung des Christentums, genauer auf die Lehren Martin Luthers, andererseits. Dabei sollen diese beiden Ansätze nicht querschnitthaft zueinander in Beziehung gesetzt werden. Vielmehr soll die jeweilige Lehre von der Erlösung/des Heils untersucht und diese miteinander verglichen werden. Die Basis dafür ist gegeben, da in beiden „Konfessionen“ die Erlösung durch den Glauben postuliert wird1, weshalb auch schon von mehreren Theologen und ReligionswissenschaftlerInnen ein derartiger Vergleich angestellt wurde2.

Ziel dieser Untersuchung ist nicht eine Wertung vorzunehmen, wie dies beispielsweise Hans Haas mit der Aussage „... der Buddhismus hat keineswegs Aussichten, die Weltreligion der Zukunft zu werden, weil die Grundanschauungen, die ihn beherrschen, denen des Christentums keineswegs ebenbürtig sind“3 vollzieht. Noch soll eine Dialogschrift vorgelegt werden. Auf letztere Intention kann man bei genauer Lektüre von Langer-Kaneko schließen.4

Der Autorin dieser Arbeit ist bewusst, dass auch sie kein rein objektives Subjekt ist, die nicht von bestimmten Begriffen und (kulturellen) Vorannahmen geprägt wäre, dennoch soll zumindest die Intention der Untersuchung ein möglichst neutraler Vergleich bleiben. Zu diesem Zweck werden auch Fachbegriffe der jeweiligen Richtung übernommen, da schon mit Anwendung der Sprache Interpretationen vorgenommen werden können. Ebenso soll versucht werden, den jeweiligen Ansätzen innerhalb ihres eigenen Systems gerecht zu werden und nicht etwa den buddhistischen Teil in ein christlich-westliches Korsett zu zwingen.5

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in drei Teile. Nach jeweils getrennten Darstellungen des Amida-Buddhismus, sowie des Protestantismus in lutherischer Prägung, soll ein Vergleich angestellt werden. Die Darstellungen sind wiederum jede für sich in zwei Teile untergliedert. Sie beginnen mit einer allgemeinen Einführung in die jeweilige Lehre, die auch kurz die Entstehungsgeschichte anreißen soll, worauf ein intensiverer Blick auf den Inhalt unter Berücksichtigung meiner Fragestellung (Erlösungslehre) folgt. Aufgrund des geringen Umfanges dieser Arbeit und des eher skizzenhaften Charakters musste von Anfang an eine Auswahl, sowohl der Themen, als auch der genutzten Quellen, getroffen werden. So ist die Einführung zum Amida-Buddhismus so gestaltet, dass sie bewusst auf Shinran zuläuft, auf welchen sich der weitere Teil explizit bezieht, d.h. Gegenstand dieser Arbeit ist genau genommen nicht der gesamte Amida-Buddhismus, sondern die Shin Schule. Ähnlich verhält es sich mit der Betrachtung des Christentums. Eine allgemein christliche Erlösungslehre, die alle Konfessionen teilen würden ist schwer fassbar.6 Vielmehr muss auch hier konkretisiert werden, in diesem Fall fällt der Blick auf die lutherische Rechtfertigungslehre, weshalb auch im Einführungsteil auf die Person Luthers und die Anfänge der Reformation Bezug genommen wird. Die Darstellung des Luthertums fällt aufgrund der größeren Bekanntheit kürzer aus. Der direkte Vergleich soll dann auch nur einige ausgewählte Quellen berücksichtigen und weitere Themen und Problemfelder exemplarisch nennen.

Neben einschlägiger Sekundärliteratur wurde auf Shinrans Hauptwerk Kyogoshinsho sowie Yuishinshomon ’ i zurückgegriffen. Für die Betrachtung des Protestantismus wurde außer Schriften Luthers auch die Confessio Augustana genutzt. Es mag ungewöhnlich erscheinen, dass hier ein Werk verwendet wird, welches nicht selbst von Luther, sondern vor allem von Phillip Melanchton geschrieben ist. Da sich die lutherische Richtung des Protestantismus aber nicht ausschließlich auf die Person und das Werk Martin Luthers bezieht, die Confessio Augustana vielmehr als eine der wichtigsten Bekenntnisschriften der Evangelisch Rahmen für buddhistische Einsprengsel verwendet, was bei folgender Synopse von Zeilen aus dem Lied „eine feste Burg ist unser Gott (1)“ (aus: EG, Nr. 362, S. 702.) und seiner Amida-Buddhismusbeschreibung (2) (Hans Haas, Die japanische Umgestaltung des Buddhismus, zitiert nach: Langer-Kaneko, Land, S. 11f.) ersichtlich wird:

(1) „Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind (2) „Mit unserer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald gar bald verloren; es streit’ für uns der rechte verloren. Soll uns geholfen werden, so muß schon - anders Mann, den Gott hat selbst erkoren. ist’s nicht möglich - eine andere Macht für uns eintreten Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ[...]“ [...] Fragst du, wer der ist- Er heißt: Amida Nyorai.“

Lutherischen Kirche im Konkordienbuch zu finden ist, an welcher Luther „nichts dran zu bessern noch endern“7 wusste, sehe ich diese Auswahl als gerechtfertigt an. Um dennoch ein wenig in die Tiefe gehen zu können wird das Ziel und die Bedeutung der Erlösung, d.h. was konkret „Reines Land“ bedeutet und worauf der oder die protestantische ChristIn hofft, ausgespart zugunsten der Frage, wodurch die Erlösung erlangt wird.

2. Amida-Buddhismus

2.1 Überblick und Entstehung

Der Amida-Buddhismus, als die in Japan größte buddhistische Strömung8, ist eine Form des Mahanaya- Buddhismus (auch „großes Fahrzeug“). Im Gegensatz zum Frühen Buddhismus, bei dem sich das religiöse Leben vor allem auf die Mönche und das Klosterleben konzentrierte, kann hier eher von einer Laienreligion gesprochen werden. Durch die Lehre von den Boddhisattvas, welche auf dem Weg selbst Buddhaschaft zu erlangen freiwillig auf das Nirvana verzichteten, um anderen zur Erlösung zu verhelfen, ist es grundsätzlich jedem Menschen möglich heilsgeschichtlich zu partizipieren, ohne alles Weltliche aufgeben zu müssen - die allgemeine Erlösung steht im Vordergrund.9

Die Bezeichnung Amida-Buddhismus leitet sich aus einer Passage im Großen Sukhavativyuha-Sutra ab. Darin findet sich, dass der Bodhisattva Dharmakara gelobte ein Reich zu gründen, in welchem alle Wesen Buddhaschaft erlangen können, sofern sie sich danach sehnen. In den 4810 Gelübden (Pranidhana) spiegelt sich der Wunsch, eine in jeder Hinsicht vollkommene Welt zu schaffen. Dieser Dharmakara wurde nun zum Buddha Amithaba (jap. Amida), auf den sich der Reine-Land-Buddhismus bezieht.11

Die zwei wichtigsten Meister bzw. Gründer des Amidabuddhismus in Japan, Honen und Shinran, konnten auf eine lange Tradition zurückblicken. So stellen die Ideen der sieben Patriarchen eine Entwicklungslinie dar, auf welche auch gern zurückgegriffen wurde.12 Shinran selbst bezeichnete Nagarjunar (zw. 150-250 n.u.Z) als den ersten Patriarchen des Reinen Landes. Dieser sagte, dass es zur Erlösung einen schwierigen Weg mittels Bemühungen oder einen einfachen Weg durch Vertrauen gebe.13 Dies sei abhängig von der jeweiligen Einstellung.14 Der zweite Patriarch Vasubandhu sprach von der Erlösung durch Meditation, in welcher Amida und sein Land visualisiert wurden.15 Nach diesen indischen Wurzeln findet sich der dritte Patriarch T ’ an-luan in China. Durch die Forderung, dass man den Glauben an die eigene Großartigkeit loslassen müsse, schuf er die Grundlage zur Philosophie des Reinen Landes.16 Die Lehre von eigener Kraft (jiriki) und fremder beziehungsweise anderer Kraft (tariki) sollte später mehrfach rezipiert werden.17 Der vierte Patriarch Tao-ch ’ o stellte eine Synthese der Lehren von T ’ an-luan und Nagarjunar auf. Fortan war nur noch der leichte Pfad möglich.18 Der fünfte und letzte chinesische Patriarch Shan-tao sah nun in der Meditation zur Visulisierung Buddhas und der Rezitation seines Namens (Namu Amida Butsu) den Weg zur Erlösung. Von neun Übungen seien acht mit eigenen Anstrengungen zu bewältigen, die letzte allerdings mittels einer ganz anderen Kraft, der Gelübdekraft Amidhabuddhas.19 Seit dem sechsten Patriarchen Genshin kann man von einer breiteren Bewegung des Amidhabuddhismus in Japan sprechen.20 Durch Honen (1133- 1212), den Lehrer Shinrans, auf den sich diese Arbeit im Folgenden hauptsächlich beziehen wird, entstand nun eine Massenbewegung. Einige wichtige Kerngedanken Honens sind, dass jeder Mensch die Buddhanatur in sich trägt und dass nembutsu, als richtige Praxis für alle Menschen, nicht Verdienste für den Staat darstelle, sondern zur individuellen Erlösung eines jeden Einzelnen beitrage.21

Sein Schüler Shinran (1173-1262) gilt als der Meister (nicht Patriarch) mit der größten Anhängerschaft in Japan. Mit neun Jahren ging er in ein Kloster, lernte im Laufe der Zeit viele Schulrichtungen kennen, war aber doch unzufrieden mit dem herkömmlichen Weg und fand in Honen schließlich seinen Meister. Aufgrund seiner Lehren, in denen er diejenigen Honens weiterdachte, beispielsweise indem er sich völlig gegen eigene Leistungen in Bezug auf die Erlösung aussprach, änderte er auch die Praxis22, was sich exemplarisch daran zeigen lässt, dass er verheiratet war (allerdings lebte auch Honen nach Überlieferungen gemäß den mönchischen Regeln, weil er dies als für sich den einfacheren Weg betrachtete).23

[...]


1 Die in der Literatur häufig verwendete Bezeichnung „Gnadenreligionen“ wird hier aus religionswissenschaftlichem Interesse abgelehnt. Der Begriff scheint stark von chr. Exklusivitäts- und Superioritätsdenken geprägt, wonach mithilfe der Gegenüberstellung Werkgerechtigkeit-Gnade/Glaube auf die ausschließliche Erlösung in Christus angespielt wird und anderen Religionen, die sich selbst auch über die Gnade eines extra nos definieren, eben dies abgesprochen wird.

2 Z.B. Rudolph Otto, Hans Haas, Karl Barth, Horst Butschkus, Takeo Ahizu, Tatsuo Oguro, Christiane Langer- Kaneko.

3 Hans Haas, Japans Zukunftsreligion, S. 58, zitiert nach: Langer Karneko, Das Reine Land. Zur Begegnung von Amida-Buddhismus und Christentum, Leiden 1986 (Beihefte der ZRGG Bd. 29), S. 115.

4 Vgl. Langer-Kaneko, Land, besonders S. 131, 165. Desweiteren sei der positivistische Wahrheitsbegriff angemerkt, von welchem Langer-Karneko auf gleichen Seiten spricht.

5 Ein besonders prägnantes Beispiel hierfür ist wiederum Hans Haas, der bei seinem Vorhaben der Amida- Buddhismus wiederzugeben aus seinem protestantischen Selbstverständnis heraus so erfreut über die Parallelen zu sein scheint, dass er eigentlich nicht den Amida-Buddhismus referiert, sondern vielmehr „das Lutherlied“ als

6 Vgl. Langer-Kaneko, Land. Wenn auch Langer-Karneko in Ihrer Eigenexegese der Bibel meint den Glaubensbegriff „des christlichen Denkens“ (S. 140) bzw. „die biblische Tradition“ (S. 137) mittels einer Aneinanderreihung von Schriftzitaten aus dem NT (S. 137ff.) wiederzugeben, so bezieht sie sich doch in der Tat auf die lutherische Lesart Pauli (andere Möglichkeiten etwa zum Begriff der Gesetzeswerke oder der Wendung pistis Christou (Glaube an oder des Christus) siehe die New Perspective on Paul bei z.B. Sanders, Stendahl und Dunn).

7 Martin Luther in einem Brief an Kurfürst Johann vom 15. Mai 1530, WA.B 5,319,5-8. Wie der folgende Kommentar des Leisetretens zu werten ist, ist in der Lutherforschung umstritten. Siehe dazu: Gunther Wenz, Theologie der Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche, Bd.1, Berlin/New York 1996, S.499ff.

8 Paul Williams, Mahanaya Buddhism. The doctrinal foundations, London/New York 132007, S. 251.

9 Helwig Schmidt-Glintzer, Der Buddhismus, München 2005, S. 67-69.

10 46 Gelübde in der Sanskrit Übersetzung. Williams, Buddhism, S. 253.

11 Volker Zotz, Der Buddha im Reinen Land. Shin-Buddhismus in Japan, München 1991, S. 33f.

12 Christian Steineck, Quellentexte des japanischen Amida-Buddhismus, Wiesbaden 1997 (SOR Bd. 39), S. 33. 4

13 Zotz, Buddha, S. 43ff.

14 Ebd., S. 49.

15 Ebd., S. 51ff.

16 Ebd., S. 64ff.

17 Langer-Kaneko, Land, S. 9.

18 Zotz, Der Buddha, S. 73ff.

19 Ebd., S. 76ff.

20 Ebd., S. 87ff.

21 Ebd, S. 103ff; Langer-Kaneko, Land, S. 13.

22 Wie im Folgenden zu sehen sein wird, entstand die Lehre wiederum aus lebenspraktischen Erfahrungen.

23 Zotz, Buddha, S. 89ff.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Allein der Glaube. Erlösung im Amida-Buddhismus am Beispiel Shinrans und im Protestantismus nach Luther
Hochschule
Universität Bayreuth  (Kulturwissenschaftliche Fakultät, Lehrstuhl für Religionswissenschaft II)
Veranstaltung
Proseminar Buddhismus
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V233399
ISBN (eBook)
9783656499039
ISBN (Buch)
9783656499527
Dateigröße
674 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit stellt einen Vergleich zwischen dem in Japan weit verbreiteten Amida-Buddhismus und dem Protestantismus lutherischer Prägung in Bezug auf die jeweilige Erlösungslehre an. Die Basis dafür ist gegeben, da in beiden „Konfessionen“ die Erlösung durch den Glauben postuliert wird. Von mehreren Theologen und ReligionswissenschaftlerInnen wurde ein derartiger Vergleich angestellt. Mittels eines intensiven Quellenstudiums relativiert die vorliegende Untersuchung bisherige Studien, die den Amida Buddhismus und den Protestantismus leichtfertig vereinheitlichten. Die Autorin kommt vielmehr zu
Schlagworte
allein, glaube, erlösung, amida-buddhismus, beispiel, shinrans, protestantismus, luther
Arbeit zitieren
M.Phil Lydia Einenkel (Autor), 2010, Allein der Glaube. Erlösung im Amida-Buddhismus am Beispiel Shinrans und im Protestantismus nach Luther, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233399

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