Ökocontrolling und wertorientierte Unternehmensführung


Seminararbeit, 2012

26 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhalt:

Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einführung

2. Ökocontrolling im Rahmen wertorientierter Unternehmensführung
2.1 Drei Strategien zur Wahrung der Nachhaltigkeit
2.2 Entwicklung des gesetzlichen Rahmens
2.3 Der Shareholder-Value als Unternehmenswert

3. Ökocontrolling und seine Instrumente
3.1 Funktionsweise des Ökocontrollings
3.2 Das Controllingsystem als Regelkreislauf
3.3 Kategorisierung der Controlling-Instrumente

4. Die Ökobilanz als Instrument im Detail
4.1 Gegenüberstellung von Input und Output zur Stoffstromanalyse
4.2 Varianten der Ökobilanz
4.3 Der CO2-Footprint als Fallbeispiel der Ökobilanz

5. Die Umweltkennzahlensysteme als Instrument im Detail
5.1 Betrieblicher Rahmen der Umweltkennzahlen
5.2 Aufbau des Kennzahlensystems
5.3 Die Umweltkennzahlen bei Bosch als Fallbeispiel

6. Abschluss

Quellenverzeichnis:

Baumast, Annett und Pape, Jens, Betriebliches Umweltmanagement, 4.Aufl., Stuttgart 2009

BGBI, Teil I, Nr. 6, 1990

Bundesumweltministerium, Umweltcontrolling, München 1995

CONTROLLING, Zeitschrift für erfolgsorientierte Unternehmenssteuerung, 23. Jahrgang 2011, Ausgabe 8/9

Dyckhoff, Harald, Umweltmanagement, Berlin 2000

Gallert, Heike, Leitfaden Öko-Controlling, Düsseldorf 1996

Günther, Edeltraud, Ökologieorientiertes Controlling,München 1994

Günther, Edeltraud, Ökologieorientiertes Management, Stuttgart 2008

Janzen, Henrik, Ökologisches Controlling im Dienste von Umwelt - und Risikomanagement, Stuttgart 1996

Klüppel, Hans-Jürgen, Umweltmanagement für kleine und mittlere Unternehmen, Berlin 2006

Langerfeldt, Michael, Das novelierte Environmental Management and Audit Scheme (EMAS), Berlin 2007

Müller, Armin, Nachhaltigkeits-Controlling, Berlin 2011

Pape, Ullrich, Wertorientierte Unternehmensführung und Controlling, Berlin 1997

Pfriem, Reinhard, Öko-Controlling, Frankfurt am Main 1992

Rappaport, Alfred, Shareholder Value - Ein Handbuch für Manager und Investoren, 2.Aufl., Stuttgart 1999

Rück, Thomas, Öko-Controlling als Führungsinstrument, Wiesbaden 1993

Schneider, Gerhard, Ökologie und Shareholder Value, Zürich 2004

Stahlmann, Volker, Umweltverantwortliche Unternehmensführung, München 1994

Stoltenberg, Uwe und Funke, Michael, Betriebliches Ökocontrolling, Wiesbaden 1996

Sturm, Andreas, Öko-Effizienz durch Öko-Controlling, Stuttgart 1995

Abbildungsverzeichnis:

Abb. 1: Öko-Controlling-Regelkreislauf

(Entnommen aus www.pickwickers.eu/controllingkonzeption.html)

Abb. 2: Struktur einer Ökobilanz (Eigenerstelllung)

Abb. 3: CO2-Footprint der Energiegewinnung

(Entnommen aus Controlling, 23. Jahrgang, Ausgabe 8/9, S.422)

Abb. 4: Zusammenhang zwischen monetären und nicht monetären Kennzahlen

(Entnommen aus Günther, Edeltraut, Ökologieorientiertes Management, S.338)

1. Einführung

Das Thema Umweltschutz wird nach Ereignissen wie dem Atomunfall in Japan zum festen Bestandteil unseres täglichen Lebens. So denken viele nicht nur darüber nach, ein neues Heizsystem mit nachwachsenden Rohstoffen als Brenngut in die eigenen vier Wände einbauen zu lassen, sondern es geht auch in der Geschäftswelt immer häufiger um den bewussten Umgang mit den noch vorhandenen Ressourcen. Deshalb soll das Ziel dieser schriftlichen Ausarbeitung die Einführung in das Thema „Ökocontrolling vor dem Hintergrund einer wertorientierten Unternehmenssteuerung“ sein, vom Ausgangspunkt der Verwendung knapper Ressourcen bis zur umweltbewussten Steuerung von Unternehmen.

In der heutigen Zeit ist ein vorausschauender Umgang mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen immer wichtiger, weil bei einigen Rohstoffen ein Ende der Vorräte absehbar ist und eine Förderung immer aufwendiger und damit kostenintensiver wird. Auch die Schadstoffausstöße, welche in der Industrie produziert werden, sind bei der Steuerung von Unternehmen im Hinblick auf den Treibhauseffekt und den dafür verantwortlichen CO2 -Ausstoß immer mehr von Bedeutung. Um diese Abläufe in den einzelnen Unternehmen in einem festen Rahmen kontrollieren zu können, gibt es auch gesetzliche Richtlinien, die eine genaue Vorgehensweise in diesem Bereich vorschreiben. Die gesetzlichen Richtlinien als Rahmen für das Ökocontrolling sind der Einstieg in diese schriftliche Ausarbeitung.

Um diesen gesetzlichen Anforderungen entsprechen zu können, sind für das Ökocontrolling einige Instrumente entwickelt worden, welche die für die Erfüllung dieser Richtlinien notwendigen Ergebnisse erfassen und kontrollieren können. Nach einer Aufstellung der Grundsätze des Ökocontrollings in wertorientierten Unternehmen werden anschließend die bestehenden Instrumente aufgezählt und analysiert. Durch diesen Überblick über die einzelnen Instrumente soll die Funktionsweise und das Einzugsgebiet des Ökocontrollings genauer beschrieben werden, um dessen Arbeitsweise innerhalb eines wertorientierten Unternehmens aufzeigen zu können. Da eine detaillierte Analyse aller gängigen Instrumente den Umfang dieser Ausarbeitung überschreiten würde, werden lediglich zwei der wichtigsten Instrumente detaillierter ausgearbeitet.

Die monetäre Wertorientierung der Unternehmensteuerung steht auf den ersten Blick im Widerspruch zu einem ökologisch orientierten Ökocontrolling, da sich eine umweltbezogene Steuerung normalerweise nicht auf die Erhöhung des Shareholder Value bezieht. Durch eine Gegenüberstellung der Wirtschaftsziele Nachhaltigkeit und Unternehmenswertsteigerung, soll ein möglicher Zusammenhang erarbeitet werden, der auf einer ethischen Wertsteigerung basieren könnte.[1]

2. Ökocontrolling im Rahmen wertorientierter Unternehmensführung

2.1 Drei Strategien zur Wahrung der Nachhaltigkeit

Das Ökocontrolling basiert auf dem Grundbegriff der Nachhaltigkeit. Es soll das nachhaltige Handeln im Unternehmen fördern und kontrollieren. Mit dem Begriff der Nachhaltigkeit ist eine kurze bis mittelfristige Verwendung natürlicher Ressourcen gemeint, bei dem ein kritischer natürlicher Mindestbestand sowohl der erneuerbaren als auch der nicht erneuerbaren Rohstoffe nicht unterschritten werden darf. Die Einführung der Nachhaltigkeit als Handlungsgrundlage kann noch einmal in eine schwache und eine starke Umsetzung differenziert werden. Bei der schwachen Umsetzung werden fossile Energieträger mit dem Argument unverändert weiter verbraucht, dass der Energiebedarf späterer Generationen beispielsweise mit Solarenergie versorgt werden kann. Auch wenn diese alternative Energieversorgung zur Zeit noch nicht in dem notwendigen Maße ausgebaut ist, wird davon ausgegangen, dass das in Zukunft der Fall sein wird. Bei der starken Umsetzung wird hingegen strikt darauf geachtet, keine nicht wieder erneuerbaren Rohstoffe weiter zu verbrauchen und erneuerbare Rohstoffe nur in verträglichem Maße zu benutzen. Bei einer ökologisch nachhaltigen Verfahren wird in den Unternehmen folglich darauf geachtet, dass bei einem Verbrauch von natürlichen Rohstoffen ein bestimmter Mindestbestand in keinem Fall unterschritten wird. Mit Hilfe einer Definition von Brundtland (s. S.4) soll der Begriff der Nachhaltigkeit noch weiter vertieft werden:[2]

Eine Entwicklung ist nur dann nachhaltig, wenn sie die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.

Diese Definition beinhaltet wesentliche Aussagen, die sich wie folgt zusammenfassen lassen: Kernaussage ist, dass die Lösung für die Durchführung nachhaltiger Entwicklungsprozesse in der Berücksichtigung der menschlichen Bedürfnisse liegt, sowohl der jetzigen Gesellschaft als auch der Bevölkerung von morgen. Parallel bedeutet das die Notwendigkeit einer wechselseitigen Anpassung der Industrie- und Entwicklungsländer. Das Ergebnis ist eine Verbindung von ökonomischen, sozialen und ökologischen Erneuerungen, die als eine Einheit zu sehen sind. Ein nachhaltiges Management muss sich also mit drei Grundbegriffen auseinandersetzen. Es geht dabei um die Regeneration, in der erneuerbare Rohstoffe nur im Rahmen ihrer Regenerationsfähigkeit genutzt werden dürfen. Weiter bedeutet es eine begrenzte Nutzung von nicht-erneuerbaren Rohstoffen in dem Maße, in dem diese durch andere Energieressourcen ausgetauscht werden können. Abschließend darf der Ausstoß von Schadstoffen nicht größer sein als die Regenerationsfähigkeit der Ökosysteme.

Um diese Grundbegriffe im Management und damit auch im Rahmen des Ökocontrollings umsetzen zu können, wurden drei grundsätzliche Strategien entwickelt:

Die bekannteste dieser Strategien ist die Effizienz-Strategie. Sie beschreibt die Möglichkeit der Reduzierung von übermäßigem, die Umwelt belastenden Stoff- und Energieverbrauch. Außerdem geht es insgesamt darum, die Ressourcenproduktivität zu steigern. Das bedeutet die Verwendung der kleinsten Menge an Rohstoffen und Energie in allen Gliedern der Wertschöpfungskette, um eine nachhaltige Produktion zu generieren.

Eine weitere Strategie ist die Suffizienz-Strategie. Sie beschreibt die Forderung nach einem genügsamen Konsumverhalten der Gesellschaft, und somit eine Änderung des Lebensstils der Industrienationen. Diese Strategie lässt sich allerdings nur schwer umsetzen, weil sie mit dem genannten Konsumverzicht nicht mit den allgemein gebräuchlichen wirtschaftlichen Zielen zusammenläuft. Es bedarf hierfür demnach eine Änderung des Bewusstseins der heutigen Gesellschaft, welche sich nur langsam und schrittweise durchsetzen wird.

Die letzte Strategie nennt sich Konsistenz-Strategie. Sie bezieht im Gegensatz zu den ersten beiden Strategien die qualitativen Merkmale der verwendeten Rohstoffe mit ein. Dabei geht es nicht nur um die allgemeine Senkung des Verbrauchs der erneuerbaren und nicht-erneuerbaren Rohstoffe und die damit verbundene Festlegung von Verbrauchsgrenzen, sondern auch um die Berücksichtigung von natürlichen Stoffkreisläufen. Wenn diese Stoffkreisläufe mit berücksichtigt werden, können auch Energiegewinnungsprozesse verwendet werden, die sehr materialintensiv sind. Trotz dieses hohen Materialverbrauches sind diese Prozesse für die Umwelt wegen der Stoffkreisläufe eher unbedenklich.[3]

Die Schwierigkeit besteht letztendlich darin diese drei Strategien bei der Umsetzung gleichzeitig zu berücksichtigen. Denn eine Umsetzung nur einer dieser drei Strategien führt nicht zum nachhaltigen Handeln in der Unternehmenssteuerung. Das ist erst der Fall, wenn sich die Unternehmensführung auf alle drei Strategien konzentriert und diese gleichzeitig berücksichtigt und durchsetzt. Das Bild, welches sich dem umweltbewusst denkenden Betrachter in den industrialisierten Ländern bietet, lässt noch einen ziemlich großes Handlungsbedarf erkennen. Die erneuerbaren Energien werden täglich in viel zu großem Maße genutzt. Gleiches gilt für die nicht-erneuerbaren Rohstoffe. Auch die Belastung der Luft durch Schadstoffe ist durch die globale Erwärmung immer noch deutlich zu hoch. Auch die Qualität des Bodens nimmt stetig ab, was einer Überbenutzung durch die industrielle Landwirtschaft zuzuschreiben ist, und es werden immer größere Gebiete durch immer größere bebaute Flächen versiegelt. Es besteht also weiterhin großer Handlungsbedarf, dem durch gezieltes Umweltmanagement und Ökocontrolling entsprochen werden kann.[4]

2.2 Entwicklung des Bewusstseins für Nachhaltigkeit und gesetzlicher Rahmen

Das Bewusstsein für die notwendige Umsetzung der Nachhaltigkeit in bestimmte Managementstrategien entwickelte sich gegen Ende des letzten Jahrhunderts. Mit dem Beginn der 70er Jahre ist die globale Dimension der Umweltbelastung im Bewusstsein der Gesellschaft angekommen. Die Vereinten Nationen organisierten 1972 die erste Weltumweltkonferenz in Stockholm, mit der ein Grundstein für ein nachhaltiges Wirtschaften gelegt wurde. Im gleichen Jahr wurde ein Bericht veröffentlicht, in dem klar gezeigt wurde, dass die Rohstoffreserven der Erde endlich sind. Einige Jahre später veröffentlichte eine Weltkommission für Umwelt und Entwicklung unter der Leitung des Ministerpräsidenten Gro Harlem Brundtland einen Abschlussbericht, der einige Ansatzpunkte für mehr Nachhaltigkeit enthielt.[5]

Internationale politische Vereinbarungen wurden dann auf dem zweiten Umweltgipfel der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro 1992 festgelegt. Ergebnis war ein Aktionsprogramm, welches von allen teilnehmenden Staaten unter dem Namen „Agenda 21“ unterzeichnet wurde. Dieses Aktionsprogramm steckte den Rahmen für nachhaltige politische Entscheidungen ab, welche in den 90er Jahren auch in Deutschland bis zum nächsten Umweltgipfel in landeseigenen Aktionsprogrammen umgesetzt wurden. Gegen Ende des letzten Jahrhunderts wurden demnach die Weichen für eine nachhaltig orientierte Gesetzgebung geschaffen. Daraus entstanden sowohl auf europäischer als auch auf internationaler Ebene einige Richtlinien, welche als Zertifizierung und als Kontrollmöglichkeiten genutzt werden.

Weltweit wurde eine ISO-Norm eingeführt, mit der Organisationen, die als Gesellschaft, Körperschaft, Betrieb, Unternehmen, Behörde, oder Institution bezeichnet werden können, definiert werden. Die „Familie“ der DIN ISO 14001 enthält weitreichende Vorschriften für ein nachhaltig orientiertes Managementsystem. Weltweit haben sich inzwischen über 130.000 Organisationen ihr Umweltmanagement nach diesen Anforderungen ausgerichtet und sind dementsprechend zertifiziert worden. Über die ISO-Norm werden alle Abläufe im Unternehmen durch bestimmte Vorschriften genau geregelt und regelmäßig kontrolliert. In den Vorgaben sind allgemeine Grundsätze und spezielle Eigenschaften eines Umweltmanagementsystem hinterlegt. Außerdem werden in sogenannten Audits die Umsetzung dieser Richtlinien regelmäßig überprüft. Ein dritter Bestandteil der ISO-Norm ist die Kennzeichnung von Produkten, sodass auch Informationen des Umweltmanagements an Dritte weitergegeben werden können. Mit Hilfe der Richtlinien kann also jede Organisation ihr Managementsystem nach den gültigen Vorschriften für ein nachhaltiges Umweltmanagement ausrichten und sich durch die Zertifizierung auszeichnen lassen.[6]

Mit der Verordnung der Europäischen Union zum Umweltmanagement- und Öko-Audit-System, kurz EMAS, im Rahmen der DIN ISO Zertifizierung wurde zusätzlich noch eine Vorschrift auf europäischer Ebene geschaffen.[7] Der Inhalt der EMAS verfolgt eine völlig neue politische Strategie, indem in ihr die Regulierung von Managementmethoden beschrieben wird. In den einzelnen Modulen dieser Vorschriften werden ökologische Schwachstellen analysiert und operationale Ziele festgelegt. Weiter sind Vorschriften über die Handhabung von Daten, die Erstellung von Plänen und die Steuerung und Kontrolle von Aktivitäten enthalten. Diese Zustände und Entwicklungen werden abschließend regelmäßig in Umwelterklärungen kommuniziert. Für die Auszeichnung durch die EMAS wird ein standardisierter Ablauf bei jedem Unternehmen, welches sich auszeichen lassen möchte, verwendet. Zu Beginn wird das betreffende Unternehmen überprüft, um alle eventuellen Schwachstellen zu analysieren. Auf der Basis dieser Ergebnisse wird das Umweltmanagement überarbeitet und mit im Vergleich zu der ISO-Norm etwas höheren Anforderungen neu aufgesetzt. Danach wird ein wiederholtes Audit durchgeführt, um alle Veränderungen auf ihre korrekte Durchführung noch einmal zu überprüfen. Wenn alle Ergebnisse mit den Anforderungen übereinstimmen, muss eine Umwelterklärung veröffentlicht werden. Danach wird das Unternehmen in ein Verzeichnis aufgenommen und mit dem EMAS-Zeichen ausgezeichnet.[8]

2.3 Der Shareholder-Value als Unternehmenswert

In diesem gesetzlichen Rahmen wird nun das Öko-Controlling als Bestandteil des standardmäßigen Controllings ausgeführt. Es soll die Einhaltung der Formal- und Sachziele der Unternehmensführung unterstützen. Als Formalziel kann hier bedeuten, dass Umweltschutz- und Nachhaltigkeitsziele ins unternehmerische Zielsystem eingebunden werden. Das Sachziel kann sich im engeren Sinn auf die umweltgerechte Produktion von Waren und im weiteren Sinn auf die gesamten betriebsinternen Abläufe beziehen. Das Öko-Controlling dient dazu, alle Abläufe im Unternehmen zu kontrollieren und zu steuern. Es trägt damit dazu bei, dass in den Unternehmen die Richtlinien einer nachhaltigen Unternehmenssteuerung eingehalten werden können.[9]

In der heutigen Zeit ist diese Unternehmensteuerung in vielen Unternehmen nicht mehr nach einer reinen Bilanzberechnung geprägt, sondern es wird immer häufiger der Unternehmenswert als Bewertungsgröße verwendet. Diese Wertorientierung hat den Vorteil, dass sich das Unternehmen am Markt als Ganzes mit anderen Unternehmen anhand des Gesamtwertes vergleichen lässt. Dieser Gesamtwert des Unternehmens teilt sich in Fremdkapital und Eigenkapital, auch als Sharehoulder-Value bezeichnet, auf. Der Unternehmenswert beinhaltet dabei drei Hauptgrößen, welche zur Bewertung bestimmt werden müssen: Den Hauptteil macht der Gegenwartswert des betrieblichen Cash-flow während der Prognoseperiode aus. Zu diesem kommt noch der Residualwert eines Geschäftes für den Zeitraum nach der Prognoseperiode hinzu. Der dritte Bestandteil ist der Gegenwartswert der Wertpapiere, die sich verkaufen lassen. Als Cash-flow wird hier die Differenz zwischen den firmeninternen Einzahlungen und Auszahlungen bezeichnet. Diese Differenz stellt also die verfügbaren Geldmittel eines Unternehmens dar, deshalb wird sie auch als freier Cash-flow bezeichnet. Der Unternehmenswert mit seinem Informationsinhalt bietet folglich die Möglichkeit, alle monetär darstellbaren Fragen der Beteiligten zu beantworten. Ein Unternehmen mit einem hohen monetären Unternehmenswert wird grundsätzlich als erfolgreich eingestuft.[10]

Im Gegensatz zu den Kennzahlen eines finanziellen Rechnungswesens, wie zum Beispiel der Gewinn oder der Umsatz, ist die Bewertung eines Unternehmens über den Shareholder Value und das Fremdkapital zukunftsorientiert und auf eine langfristige Wertsteigerung des Unternehmens ausgerichtet. Das ist ein wesentlicher Vorteil für das Umweltmanagement, weil auch zukünftige ökologieorientierte Veränderungen im unternehmerischen Tätigkeitsfeld mit einbezogen werden können. Eine Kombination der wertorientierten Unternehmenssteuerung und des Öko-Controllings kann langfristig zu einer Steigerung des Unternehmenswertes bei gleichzeitiger Einhaltung von ökologischen Richtlinien führen. Die Werttreiber des Shareholder Value müssen dabei nicht beeinträchtigt werden, da sie bei einer Einbeziehung sogar unterstützt werden können.[11]

Zu den Bestandteilen des Shareholder Value gehören Größen wie Investition ins Anlagevermögen, Investition ins Umlaufvermögen, Umsatzwachstum, Gewinnmarge, Dauer der Wertsteigerung und Kapitalkosten. Durch eine gezielte Umsetzung des Umweltmanagements und eine gute Kontrolle durch ein effektives Öko-Controlling ist es ohne weiteres möglich, diese für den Shareholder Value und damit für den Unternehmenswert wichtigen Treiber zu unterstützen. Ein Beispiel für die problemlose Erreichung von wertorientierten und zugleich ökologischen Zielen ist die Einführung von materialflussmindernden Maßnahmen. Je weniger Material in der Wertschöpfungskette eingebunden ist, desto mehr freies Kapital steht zur Verfügung und desto weniger Abfall oder Schadstoffe können entstehen. In der Kontrolle dieser Kombinationen von wertorientierten und ökologischen Zielen liegt die Herausforderung des Öko-Controllings.

[...]


[1] Vgl.: Müller, Armin, Nachhaltiges Wirtschaften und Nachhaltige Unternehmensführung, in: Nachhaltigkeits-Controlling, Berlin 2011, S.29

[2] Vgl.: Baumast, Annett und Pape, Jens (Hrsg.), Bedeutung des Nachhaltigkeitsleitbildes, in: Betriebliches Umweltmanagement, 4.Aufl., Stuttgart 2009, S.22

[3] Vgl.: Baumast, Annett und Pape, Jens (Hrsg.), Bedeutung des Nachhaltigkeitsleitbildes, in: Betriebliches Umweltmanagement, 4.Aufl., Stuttgart 2009, S.23

[4] Vgl.: Stahlmann, Volker, Strukturierung und Charakterisierung des Umweltproblems, in: Umweltverantwortliche Unternehmensführung, München 1994, S.9

[5] Vgl.: Baumast, Annett und Pape, Jens (Hrsg.), Bedeutung des Nachhaltigkeitsleitbildes, in: Betriebliches Umweltmanagement, 4.Aufl., Stuttgart 2009, S.18

[6] Vgl.: Klüppel, Hans-Jürgen, Warum die DIN EN 14001 häufiger angewendet werden sollte, in: Umweltmanagement für kleine und mittlere Unternehmen, Berlin 2006, S.45

[7] Vgl.: Sturm, Andreas, Rahmenbedingungen des Umweltmagemnts, in: Öko-Effizienz durch Öko-Controlling, Stuttgart 1995, S.5

[8] Vgl.: Langerfeldt, Michael, EMAS-Überwachungsinstrumente, in: Das novelierte Environmental Management and Audit Scheme (EMAS), Berlin 2007, S.245

[9] Vgl.: Baumast, Annett und Pape, Jens (Hrsg.), Der Ablauf der EMAS-Verordnung, in: Betriebliches Umweltmanagement, 4.Aufl., Stuttgart 2009, S.53

[10] Vgl.: Rappaport, Alfred, Der Shareholder-Value-Ansatz, in: Shareholder Value-Ein Handbuch für Manager und Investoren, 2.Aufl., Stuttgart 1999, S.41

[11] Vgl.: Schneider, Gerhard, Shareholder Value als Maßgröße zur Beurteilung der ökonomischen Wirkung des betrieblichen Umweltmanagements, in: Ökologie und Shareholder Value, Zürich 2004, S.17

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Ökocontrolling und wertorientierte Unternehmensführung
Hochschule
Hochschule Esslingen
Note
2,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
26
Katalognummer
V233420
ISBN (eBook)
9783656501138
ISBN (Buch)
9783656501572
Dateigröße
1720 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ökocontrolling, unternehmensführung
Arbeit zitieren
Kephas Kühn (Autor), 2012, Ökocontrolling und wertorientierte Unternehmensführung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233420

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