Heute sehen die meisten Menschen Justitia als Tugend der Juristerei. Gerechtigkeit sei demnach eine Tugend, derer sich die Juristen vor Gericht bedienen sollten, die der Staat seinen Bürgern verspricht und im Rahmen der Einhaltung der Gesetze auch von ihnen einfordert. Gerechtigkeit erscheint damit an Gesetze gebunden. Justitia kommt erst zum Tragen, wenn Recht gebrochen wurde und Unrecht geschehen ist.
Ein Blick in die Geschichte zeigt jedoch schnell, dass sich dieses Bild nicht auf andere Epochen übertragen lässt, dass es das Ergebnis jüngerer Entwicklungen ist. Das Beispiel der Stadt Lemgo während der Frühen Neuzeit offenbart, dass der Gedanke, der mit Justitia verbunden wurde, deutlich vielfältiger und allgemeingültiger war, als sich es die Menschen heute vorstellen würden.
Mit der Zeit hat ein Wandel, gar ein Bruch in der Wahrnehmung stattgefunden. Kaum einer wür-de Justitia heute als Tugend der Kaufleute betrachten. Aber als solche zeigt sich die Allegorie der Gerechtigkeit in Lemgo der Frühen Neuzeit. Darüber hinaus erscheint sie als eine Tugend, die alle Lebensbereiche durchdrang, alle Menschen umfasste und weit mehr war, als bloßes Schmuckwerk oder Mittel der Demonstration gerichtlicher Privilegien oder Ansprüche. Sie war nicht nur eine Tugend der Juristen, sondern aller Menschen.
Inhalt
Einleitung: Die Sprache der Bilder
1. Die Geschichte der Justitia
2. Lemgoer Stadtgeschichte
3. Justitia in Lemgo
Fazit: Iustitia est humanum bonum
Abbildungen
Siglen und Abkürzungen
Quellenverzeichnis
Institutionen und öffentliche Quellen
Archivalische Quellen
Gedruckte Quellen
Literaturverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet der Titel „Iustitia est humanum bonum“?
Der lateinische Titel bedeutet „Gerechtigkeit ist ein menschliches Gut“ und verweist darauf, dass Gerechtigkeit historisch als Tugend für alle Menschen galt, nicht nur für Juristen.
Wie wurde Justitia in der Frühen Neuzeit in Lemgo wahrgenommen?
In Lemgo diente Justitia als Allegorie der Gerechtigkeit, die auch als Tugend der Kaufleute und als allgemeines Lebensprinzip verstanden wurde.
Warum hat sich unser Bild der Justitia gewandelt?
Heute wird Justitia primär als juristische Tugend im Kontext von Gesetzen und Gerichten gesehen. Früher war sie eine Tugend, die alle Lebensbereiche durchdrang.
Was ist das Besondere an der Lemgoer Stadtgeschichte bezüglich Justitia?
Die Stadtgeschichte zeigt, dass Gerechtigkeit weit mehr war als bloßer Schmuck an Gebäuden; sie war ein Mittel zur Demonstration von Privilegien und moralischen Ansprüchen der Bürger.
Galt Justitia früher auch für Kaufleute?
Ja, die Arbeit zeigt auf, dass Gerechtigkeit gerade für den ehrbaren Kaufmann der Frühen Neuzeit eine zentrale Tugend im Wirtschaftsleben darstellte.
- Quote paper
- Dr. Christina Niemann (Author), 2013, Iustitia est humanum bonum, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233424