In Bezug auf den Titel werde ich mich zu Beginn dieser Hausarbeit den beiden Philosophen Karl Eugen Dühring und Friedrich Nietzsche widmen und Prägnantes zu ihrem Wirken ausführen. Eine besondere Beachtung werden dabei die Werke „Werth des Lebens“ von Dühring und „Zur Genealogie der Moral“ von Nietzsche erfahren.
Im Folgenden werde ich näher erläutern, warum diese beiden Philosophen überhaupt für eine Gegenüberstellung geeignet sind und wo es zu Anknüpfungspunkten oder Gegensätzen kommt. Wie kam es beispielsweise zur Begegnung zwischen Nietzsche und Dühring? Welche Rolle spielte dabei Schopenhauer und der Begriff des „Ressentiments“?
Daran anknüpfend werde ich mich im Hauptteil meiner Hausarbeit intensiv mit dem Begriff des „Ressentiments“ auseinandersetzen. Zunächst soll dabei geklärt werden, was der Begriff beinhaltet, wo der begriffliche Ursprung festgemacht werden kann und welche unterschiedlichen Konnotationen der Begriff durchlaufen hat. Außerdem wird kurz darauf hingewiesen, welche Rolle der Essay „Feigheit- Mutter der Grausamkeit“ von Montaigne dabei spielt. Des Weiteren werde ich klären, welche Bedeutung ihm vor seinem Aufkommen in den Werken von Dühring und Nietzsche zukam und womit Dühring und Nietzsche das „Ressentiment“ in Verbindung gebracht haben. In diesem Abschnitt wird es mir dann auch um die Annäherungen zwischen Nietzsche und Dühring und um die Kritik von Nietzsche an Dühring gehen.
Außerdem werde ich im Kontext der Auseinandersetzung mit dem „Ressentiment“ auch die Begriffe „Herren- und Sklavenmoral“, „Gerechtigkeit“ sowie „Stärke“ und „Schwäche“ näher erläutern. Dabei wird es mir ebenso stets um Annäherungen und Unterschiede zwischen Nietzsche und Dühring gehen.
Im Schlussteil werde ich die Leitgedanken dieser Hausarbeit zusammenfassen, die Annäherungs- und Ablehnungspunkte zwischen...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Wirken von Karl Eugen Dühring und Friedrich Nietzsche
2.1 Karl Eugen Dühring
2.2 Friedrich Nietzsche
2.3 Die Begegnung Nietzsches mit Dühring
3. Der Begriff „Ressentiment“ und seine Bedeutungen
3.1 Der Begriff Ressentiment vor Nietzsche und Dühring
3.2 Der Begriff „Ressentiment“ bei Nietzsche und Dühring
3.2.1 Annäherungen
3.2.2 Unterschiede
3.3 Herren- und Sklaven
3.4 Gerechtigkeit und Ressentiment
3.5 Stärke und Schwäche
4. Zusammenfassung
5. Anhang
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die philosophische Beziehung zwischen Karl Eugen Dühring und Friedrich Nietzsche, wobei der Fokus insbesondere auf der kritischen Auseinandersetzung Nietzsches mit Dührings Begriff des „Ressentiments“ liegt. Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und fundamentale Differenzen in der Begriffsverwendung sowie deren Auswirkungen auf die Konzepte von Gerechtigkeit, Herren- und Sklavenmoral sowie Stärke und Schwäche herauszuarbeiten.
- Wirkungsgeschichte und philosophische Profile von Dühring und Nietzsche
- Genese und Bedeutung des „Ressentiments“ in der Vorklassik und Moderne
- Kritische Analyse der Gerechtigkeitskonzepte beider Denker
- Kontrastierung von „Herren- und Sklavenmoral“
- Untersuchung der psychologischen Dynamiken von Stärke und Schwäche
Auszug aus dem Buch
3.2.2 Unterschiede
Die Moralkritik Nietzsches lässt sich ohne ein genaues Verständnis des Begriffs „Ressentiment“ nicht erklärbar machen. Ausgehend von der Verwendung des Begriffs „Ressentiment“ bei Montaigne kommt dem Begriff bei Nietzsche nach der Philosophiegeschichtsschreibung eine explizit philosophisch sinngebende Funktion zu. Dennoch bleibt eine umfassende Analyse dieser Art des Fühlens bei Nietzsche aus. Eingeführt wird diese Begrifflichkeit in seinem bedeutsamen Werk „Zur Genealogie der Moral“ und dessen 1. Abhandlung im Abschnitt 10. In diesem Werk nimmt er die bereits abgefasste begriffliche Differenzierung der Herren- und Sklavenmoral erneut auf und formuliert sie in eine Differenzierung von vornehmer Wertungsweise und Sklavenmoral um. Nietzsche hat sich jedoch bei seinen Ausführungen zum Begriff Ressentiment auf Dühring bezogen, der sich bereits vor Nietzsche mit der Begrifflichkeit in seinem Werk „Der Wert des Lebens“ auseinander setzte. Obwohl er Dühring feindlich gegenüber stand, las Nietzsche im Sommer 1875 seine Schrift und exzerpierte ihn beispielsweise wie folgt:
„Das Rechtsgefühl ist ein Ressentiment, gehört mit der Rache zusammen; auch die Vorstellung einer jenseitigen Gerechtigkeit geht auf das Rachegefühl zurück.“
Um die Kritik von Nietzsche an Dühring in seinem Werk „Zur Genealogie der Moral“ zu verstehen, ist es bedeutsam, zwischen Rache und Rachedurst zu unterscheiden. Nach Dühring hingegen sei das Rechtsgefühl „wesentlich ein Ressentiment, eine reactive Empfindung, es gehört mit der Rache in dieselbe Gefühlsgattung.“ Nach Dühring kann man ein Ressentiment haben, ohne sich rächen zu müssen. Er betont dabei, dass es keine Unterschiede zwischen Rache und Rachetriebe gibt und ordnet sie beide den Vergeltungstrieben zu. Diese Art von Vergeltungstrieb kann als eine mechanische Reaktion gesehen werden, in der das Leiden keine Rolle spielt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Fragestellung und das methodische Vorgehen dar, indem sie die Relevanz der Gegenüberstellung von Dühring und Nietzsche für die Analyse des Ressentimentbegriffs begründet.
2. Das Wirken von Karl Eugen Dühring und Friedrich Nietzsche: Dieses Kapitel liefert eine biographische und philosophische Kontextualisierung beider Autoren, beleuchtet ihre gegenseitige Begegnung und verdeutlicht die Ausgangsbasis für Nietzsches spätere Kritik.
3. Der Begriff „Ressentiment“ und seine Bedeutungen: Hier wird der begriffliche Ursprung des Ressentiments von der Vorklassik bis zu Nietzsche und Dühring detailliert analysiert und die spezifischen Annäherungen sowie die theoretischen Differenzen aufgezeigt.
4. Zusammenfassung: Der Schlussteil rekapituliert die zentralen Erkenntnisse der Untersuchung und untermauert die Bedeutung der kritischen Aufarbeitung von Dührings Thesen durch Nietzsche.
5. Anhang: Dieses Kapitel enthält das vollständige Literaturverzeichnis der in der Arbeit zitierten Quellen.
Schlüsselwörter
Nietzsche, Dühring, Ressentiment, Moral, Gerechtigkeit, Rache, Herrenmoral, Sklavenmoral, Wille zur Macht, Philosophie, Wirkungsgeschichte, Ethik, Existenzphilosophie, Werte, Gerechtigkeitsmoralität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der vergleichenden Analyse der Philosophie von Friedrich Nietzsche und Karl Eugen Dühring, wobei der Schwerpunkt auf ihrer jeweiligen Deutung des Begriffs „Ressentiment“ liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Entstehung von Moral, die Konzepte von Recht und Gerechtigkeit sowie die psychologische Dynamik von Stärke und Schwäche im Kontext der beiden Philosophen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu klären, inwiefern Nietzsche Anknüpfungspunkte bei Dühring fand, wo er sich von dessen Antisemitismus und Moralverständnis abgrenzte und wie er den Begriff des Ressentiments für seine eigene Moralkritik transformierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philosophische Quellenanalyse und komparative Studie, die sich primär auf die Werke „Werth des Lebens“ von Dühring und „Zur Genealogie der Moral“ von Nietzsche stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung des Ressentimentbegriffs, eine Abgrenzung von Herren- und Sklavenmoral sowie eine Analyse der unterschiedlichen Herleitungen von Gerechtigkeit und Macht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Nietzsche, Dühring, Ressentiment, Moral, Gerechtigkeit und Wille zur Macht charakterisieren.
Wie unterscheidet sich Nietzsches Verständnis von Gerechtigkeit von dem Dührings?
Während Dühring Gerechtigkeit als natürliche Folge eines Rachetriebs betrachtet, leitet Nietzsche sie aus Tauschverhältnissen unter Gleichstarken ab und sieht sie als einen aktiven Prozess an, der den unmittelbaren Racheimpuls aufhebt.
Welche Bedeutung kommt der „Herren- und Sklavenmoral“ in diesem Zusammenhang zu?
Nietzsche konstruiert diese Typologie, um die Entstehung moralischer Wertsysteme zu erklären, wobei die Sklavenmoral dem Ressentiment entspringt, um ein Ohnmachtsgefühl in eine imaginäre Rache zu transformieren.
Warum bezieht sich Nietzsche trotz seiner Ablehnung auf Dühring?
Nietzsche setzt sich mit Dühring auseinander, weil er ihn als einen „Vater“ des Ressentimentbegriffs erkennt und seine eigenen Positionen durch die scharfe Abgrenzung von Dührings lebensfeindlichen Gleichheitsprinzipien schärft.
- Arbeit zitieren
- Dana Michaelis (Autor:in), 2011, Nähe und Distanz von Dührings und Nietzsches Begriffen des Ressentiments, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233484