Judith Butlers "Die Macht der Geschlechternormen und die Grenzen des Menschen" unter Einbeziehung früherer Werke


Referat (Ausarbeitung), 2011
20 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Hauptteil
Input zu Judith Butler
2.1 Butlers Geschlechtertheorie
2.2 Das Geschlecht als diskursiver Effekt
Die Macht der Geschlechternormen und die Grenzen des Menschlichen:
2.3 Gender-Regulierung
2.4 Butlers Vorstellung von Intelligibilität des Subjekts
2.5 symbolische Positionen und soziale Normen
2.6 Normen und das Problem der Abstraktion

3. Zusammenfassung

4. Literaturverzeichnis

Referatsverschriftlichung

Judith Butler: „Die Macht der Geschlechternormen und die Grenzen des Menschen“ unter Einbeziehung ihrer vorherigen Werke „Das Unbehagen der Geschlechter“, „Körper von Gewicht“ und „Hass spricht. Zur Politik des Pervormativen“.

1. Einleitung:

Judith Butler hat wie kaum eine andere Autorin in der gegenwärtigen feministischen Theorie für Furore gesorgt und ist bezüglich ihrer Geschlechtertheorie wie kaum eine andere Theoretikerin derartig umstritten. Sie wird als Begründerin der „Queer Theory“ gesehen und wird als typisch „postmoderne Autorin“ deklariert.

Im Jahre 1991 erschien ihr erstes deutschsprachiges Buch „Das Unbehagen der Geschlechter“ und sorgte sowohl für Unruhe in der Frauen- und Geschlechterforschung als auch in der politischen Philosophie sowie bei der weiblichen Leserschaft. In diesem Buch stellte Butler die These auf, dass die Geschlechtsidentität das Produkt sprachlicher, sozialer und kultureller Konstituierung sei und somit nichts durch die Natur Gegebenes.

Im Jahre 1997 erschien ihr Werk „Körper von Gewicht“, worin sie ihre Ansätze vertieft und die Differenzierung von sozialem und biologischem Geschlecht, beziehungsweise „gender“ und „sex“, vornimmt und es ebenfalls als kulturell konstituiert deklariert.

Sowohl die zwei vorgenannten Werke als auch das Buch „Hass spricht. Zur Politik des Pervormativen“, welches 1998 veröffentlich wurde, ließen scheinbar feststehende Genres wie Körper, Kultur und Natur ins Wanken geraten. Ebenso die zuvor unbestrittene Kategorisierung von Weiblichkeit und Männlichkeit wurde von Butler streitig gemacht. In ihrem Werk „Körper von Gewicht“ wirft sie die Frage nach den subtilen Machtmechanismen auf, die die Grundlage vorgenannter Kategorien bilden.

Butler wurde nach Veröffentlichung ihres ersten Werkes im Jahre 1991 mehrfach rezipiert, unter anderem aber auch fehl interpretiert, was die Diskussionen über die Begriffe wie „gender“, „sex“, „Geschlechtsidentität“ und „Konstruktion“ zur Folge hatten.

Im Hauptteil meiner Referatsverschriftlichung werde ich näher auf ihre Essay-Sammlung „Die Macht der Geschlechternormen und die Grenzen des Menschlichen“ eingehen.

Für das bessere Verständnis werde ich darüber hinaus in meiner Arbeit ihre Geschlechtertheorie kurz erläutern und wichtige Begrifflichkeiten wie „Subjekt“, „Performativität“, „Konstruktion“, „Geschlechtsidentität“, „Intelligiblität“, „Subversion“ und „Handlungsmacht“ mittels ausgesuchter Textpassagen darlegen und klären.

2. Hauptteil:

Input zu Judith Butler:

2.1 Butlers Geschlechtertheorie

Setzt man sich mit den Begrifflichkeiten des Poststrukturalismus und der Dekonstruktion im feministischen Sinne auseinander, wird im deutschen Umkreis umgehend auf die Thematik zur Dekonstruktion des Geschlechts geschlossen, welches auf die Philosophie Butlers schließen lässt. Mit der Veröffentlichung ihres ersten deutschsprachigen Werkes 1991 „Das Unbehagen der Geschlechter“ wurden Butlers Thesen stark diskutiert und kritisiert. Bei der Befassung mit der Thematik Geschlechtsidentität fällt der Name „Judith Butler“ gerade zu unablässig. In Hinblick auf diese Thematik kam es zu vielerlei Diskussionen bezüglich Butlers These, dass das biologische Geschlecht durch kulturelle Denkweisen konstituiert würde und diskursiv hervorgerufen würde.[1]

„Butler zielt darauf, die sex/gender-Unterscheidung in gender aufzulösen: »sex« selber sieht sie als gender-Konstrukt, hervorgebracht durch Diskurse. Auch die Körperlichkeit ist hier demnach nichts, was Männer und Frauen materiell unterscheidet, sondern die »Fiktion« materieller Substanzen komme erst durch den bedeutungskonstituierenden, diskursiv gesteuerten und steuernden Blick in die Welt.“[2]

Nach Butler handelt es sich um ein performatives Modell von Geschlecht, in welchem die Kategorisierung in männlich und weiblich als Effekt wiederholender Handlungen gesehen werden kann und somit keineswegs ein Produkt der naturgemäßen Materialisierung darstellt. Vor Butlers Ansätzen hat man das biologische Geschlecht und das kulturelle Geschlecht als identisch gesehen. Bei Butler hingegen erscheint das biologische Geschlecht, „sex“, ebenso wie das soziale Geschlecht, „gender“, als ein kulturelles Produkt und als nichts natürlich Gegebenes.[3]

Jene These machte aus Butler eine populäre Persönlichkeit, was wiederum Kritik seitens ihrer Vorläufer zur Folge hatte, weil die These nach Ansicht ihrer Kritiker nicht so neu sei und sie die selbe Aufmerksamkeit für sich forderten.

Im Vergleich zu ihren Vorläufern wird man jedoch schnell feststellen, dass Butler diese These in solcher Radikalität formuliert, wie es bislang nicht vorgekommen ist. Der Ausgangspunkt dieser radikalen Ansätze findet sich in ihren poststrukturalistischen theoretischen Gesichtspunkten.

In ihren Ausführungen des performativen Modells von Geschlecht bedient sie sich unterschiedlicher Theorien und Forschungsansätze von Michael Foucault (1926-1984), Sigmund Freud (1856-1939), Jacques Derrida (1930-2004), Louis Althusser (1918-1990) und Jacques Lacan (1901-1981).

Die Materialisierung der Körper ist nach Butler, in Anlehnung an Derrida und Foucault, an eine kulturspezifische Wahrnehmung gebunden und schließt somit ein natürliches Geschlecht im metaphysischen Sinne aus. Diese These Butlers widerspricht moderner erkenntnistheoretischer Grundlagen. Die Kategorie „Frau“ als Subjekt des Feminismus wird nach Butler in Frage gestellt, weil es für sie keine natürlich biologischen Grundlagen enthält und in Folge dessen als machtvoll produzierte Kategorie gesehen werden muss.[4]

Mit ihrem Werk „Das Unbehagen der Geschlechter“ erreichte Butler viel Aufmerksamkeit, weil sie auf die europäische Debatte und nicht ausschließlich auf die amerikanische Debatte Bezug genommen hat. In den USA wurde nämlich schon zeitiger eine Zweigeschlechtlichkeit des Menschen angezweifelt. Die Suche nach dritten Geschlechtern hatte dementsprechend in den USA schon begonnen. Mit ihrem Buch „Das Unbehagen der Geschlechter“ schlägt sie eine allgemeine Richtung des Feminismus ein, welche eine Differenzierung von Frau zu Frau und innerhalb der einzelnen Frau vornimmt und wo der Frau sowohl weibliche als auch männliche Eigenschaften zugeschrieben werden können.

Butler genoss außerdem viel Aufmerksamkeit, weil sie in dem Streit zwischen Differenzfeminismus und Gleichheitsfeminismus nicht mitwirkte. Butler hat sich weder für die Unterscheidung von Frau und Mann mit ihren speziellen Eigenschaften eingesetzt, noch für die Gleichsetzung des Mannes mit der Frau. Sie widerstrebt beidem und setzt sich für die „Dekonstruktion“ von Mann und Frau ein.

Die „Dekonstruktion von Geschlecht als Provokation“ ist unbedingt mit dem Namen Judith Butler in Verbindung zu betrachten.[5]

Butler geht sogar noch einen Schritt weiter und übt Kritik daran, dass die feministische Forschung Frauen als Gruppe mit gleichen Eigenschaften und Vorlieben festlegt und somit kulturelle, klassenspezifische und ethnische Unterschiede unter den Frauen ausklammert.

Die feministische Forschung hat nach Butler hier eine falsche Auffassung von einem binären („zweiteiligem“) System der Geschlechtlichkeit, worin der Mann oder die Frau mittels ihrer Geschlechtsrolle, Geschlechtsidentität und anhand ihrer sexuellen Orientierung kategorisiert werden. Dieses System sagt aus, dass Heterosexualität als soziale Norm gilt und sich jeder Mensch heterosexuell entwickelt. Diese Thematik wird uns im Folgenden auch noch näher in Ihrer Essay-Sammlung „Die Macht der Geschlechternormen und die Grenzen des Menschlichen“ beschäftigen. Die Betonung der Differenzierung unter den beiden Geschlechtern ist jedoch als Gegensatz gegenüber der feministischen Forderung nach Gleichheit zu betrachten.

„Die feministische Kritik muss einerseits die totalisierenden Ansprüche einer maskulinen Bedeutungs-Ökonomie untersuchen, aber andererseits gegenüber den totalisierenden Gesten des Feminismus selbstkritisch bleiben. Der Versuch, den Feind in einer einzigen Gestalt zu identifizieren, ist nur ein Umkehr-Diskurs, der unkritisch die Strategie des Unterdrückers nachahmt, statt eine andere Begrifflichkeit bereitzustellen.“[6]

Butler wirft der feministischen Forschung somit vor, dass sie es unterlässt, neue Identitäten zu entwickeln und stattdessen gegenwärtige Geschlechtsrealitäten zusätzlich erschwert.

Butlers Kritik richtet sich des Weiteren auch gegen die Angleichung der Frau an den Mann, die sogenannte Gleichheitsposition. In ihrem Werk „Das Unbehagen der Geschlechter“ befasst sich Butler diesbezüglich mit der Französin Simone de Beauvoir (1908-1986), die als Begründerin der Gleichheitsposition gilt. Butlers Ansichten wurden stark durch die Theorien Simone de Beauvoirs beeinflusst. Doch auch weitere französische Autoren und Philosophen wie Jacques Derrida, Luce Irigaray (geboren 1930), Julia Kristeva (geboren 1941), Monique Wittig (1935-2003) und hauptsächlich Michael Foucault prägten Butlers Werke. Der Dekonstruktivismus erfährt in der gegenwärtig poststrukturalistischen Umgebung einen Aufschwung. Diese Theorieströmungen radikalisierten Ende der 60er Jahre den Strukturalismus und führten zu dessen Fortgang. Butler ist der Auffassung, dass sich die Gesellschaft des Westens durch ihre sprachliche, machtförmige Strukturierung entwickelt hat.

[...]


[1] Vgl. Hilge Landweer/ Mechthild Rumpf; Kritik der Kategorie Geschlecht, Feministische Studien 1993, S. 4.

[2] Hilge Landweer/ Mechthild Rumpf; Kritik der Kategorie Geschlecht, Feministische Studien 1993, Einleitung.

[3] Vgl. Degele, Nina: Gender/ Oueer Studies: Eine Einführung. Paderborn: Wilhelm Fink Verlag 2008. S. 66 f.

[4] Vgl. Paulus, Stanislawa: Identität außer Kontrolle, S. 56-58.

[5] Vgl.: Degele, Nina: Gender/ Oueer Studies: Eine Einführung. Paderborn: Wilhelm Fink Verlag 2008. S. 104.

[6] Butler, Judith: Das Unbehagen der Geschlechter, S. 33.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Judith Butlers "Die Macht der Geschlechternormen und die Grenzen des Menschen" unter Einbeziehung früherer Werke
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Philosophisches Institut)
Veranstaltung
Hauptseminar: Feministische politische Philosophie
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
20
Katalognummer
V233488
ISBN (eBook)
9783656504566
ISBN (Buch)
9783656504290
Dateigröße
578 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Referatsverschriftlichung zu Judith Butlers „Die Macht der Geschlechternormen und die Grenzen des Menschen“ unter Einbeziehung ihrer vorherigen Werke „Das Unbehagen der Geschlechter“, „Körper von Gewicht“ und „Hass spricht. Zur Politik des Pervormativen“.
Schlagworte
judith, butlers, macht, geschlechternormen, grenzen, menschen, einbeziehung, werke
Arbeit zitieren
Dana Michaelis (Autor), 2011, Judith Butlers "Die Macht der Geschlechternormen und die Grenzen des Menschen" unter Einbeziehung früherer Werke, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233488

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