Über Foucault hinausgehend will Butler nun zeigen, dass die Theorie der Macht und die Theorie der Psyche, die wir beim Referat zuvor vorgestellt bekommen haben, einander erhellen und befruchten können. Ihr zentraler Bezugspunkt bleibt dabei jedoch stets Foucault, an dessen Theorie der Subjektgenese sie eine psychoanalytisch begründete Kritik oder eine Korrektur vornimmt, da sich die Subjektivation - vor allem der Vorgang, bei dem das Subjekt zum "Prinzip seiner eigenen Unterwerfung" wird nur mit Hilfe einer psychoanalytischen Erklärung der "formativen und generativen Wirkungen von Restriktion" verstehen lasse. Ihre Ansatzpunkte dazu möchten wir nun vorstellen:
Kapitel 2: Zirkel des Schlechten Gewissens
Nietzsche und Freud
Für Nietzsche ist das Gewissen zu verstehen als geistige Aktivität, als notwendige Fiktion, die durch eine eigene schöpferische Art von Verinnerlichung geformt wird und ohne die das Subjekt nicht existieren kann. Nietzsche differenziert zwischen Gewissen und schlechtem Gewissen, wo der Wille sich auf sich selbst zurückwendet.
Gewissen schafft also das Subjekt und legt gewisse Schranken fest. Beim schlechten Gewissen richtet sich die psychische Gewalt gegen sich selbst.
Freud hingegen definiert Gewissen als Kraft eines Verlangens, zeitweise als Kraft einer Aggression und das Verbot stellt für ihn eine Operation des Begehrens dar, als leidenschaftliches Verhaftetsein, das die Rückwendung auf sich selbst annimmt.
Ich begehre das, was verboten ist.
Für Butler stellt sich nun die Frage wie wir diesen Willen und das Begehren, die sich auf sich selbst zurückwenden, zu verstehen haben. Diese Rückwendung gegen sich selbst könnte für sie als eine Art von Gewalt bezeichnet werden. Das würde jedoch ihrer Meinung nach bedeuten:
Inhaltsverzeichnis
Kapitel 2: Zirkel des Schlechten Gewissens
Nietzsche und Freud
Freud, der Narzissmus und die Reglementierung
Kapitel 3: Subjektivation, Widerstand, Bedeutungsverschiebung
Zwischen Freud und Foucault
Das Gewissen macht Subjekte aus uns allen
Subjektivation nach Althusser
Melancholisches Geschlecht/ Verweigerte Identifizierung
Freud, Trauer und Melancholie, Das Ich und das Es
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Judith Butlers Theorie der Macht und der Psyche, wobei der Fokus auf der Entstehung des Subjekts durch Unterwerfungsprozesse liegt. Die zentrale Forschungsfrage ist, wie Subjektivation, Widerstand und gesellschaftliche Machtverhältnisse ineinandergreifen, ohne dass das Subjekt dabei einen autonomen, festen Kern besitzt.
- Analyse der psychoanalytischen und philosophischen Grundlagen (Freud, Nietzsche, Foucault, Althusser)
- Untersuchung der Rolle des "schlechten Gewissens" bei der Subjektbildung
- Erörterung von Widerstandsmöglichkeiten innerhalb machtvoller Diskurse
- Kritik an der sozialen Reglementierung und dem Prozess der Interpellation
- Deutung von Geschlechtszugehörigkeit als melancholischer Prozess
Auszug aus dem Buch
Kapitel 2: Zirkel des Schlechten Gewissens
Für Nietzsche ist das Gewissen zu verstehen als geistige Aktivität, als notwendige Fiktion, die durch eine eigene schöpferische Art von Verinnerlichung geformt wird und ohne die das Subjekt nicht existieren kann. Nietzsche differenziert zwischen Gewissen und schlechtem Gewissen, wo der Wille sich auf sich selbst zurückwendet.
Gewissen schafft also das Subjekt und legt gewisse Schranken fest. Beim schlechten Gewissen richtet sich die psychische Gewalt gegen sich selbst.
Freud hingegen definiert Gewissen als Kraft eines Verlangens, zeitweise als Kraft einer Aggression und das Verbot stellt für ihn eine Operation des Begehrens dar, als leidenschaftliches Verhaftetsein, das die Rückwendung auf sich selbst annimmt.
Ich begehre das, was verboten ist.
Für Butler stellt sich nun die Frage wie wir diesen Willen und das Begehren, die sich auf sich selbst zurückwenden, zu verstehen haben. Diese Rückwendung gegen sich selbst könnte für sie als eine Art von Gewalt bezeichnet werden. Das würde jedoch ihrer Meinung nach bedeuten:
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 2: Zirkel des Schlechten Gewissens: Dieses Kapitel untersucht, wie Gewissen und schlechtes Gewissen bei Nietzsche und Freud zur inneren Unterwerfung des Subjekts beitragen. Dabei wird die Rückwendung des Begehrens gegen sich selbst als wesentliches Element der psychischen Gewalt identifiziert.
Freud, der Narzissmus und die Reglementierung: Hier wird die Rolle der sozialen Reglementierung und deren Einfluss auf die Psyche analysiert, wobei das libidinöse Verhaftetsein an das Verbot im Zentrum steht. Es wird dargelegt, wie die Lust am Verbot selbst zum Instrument der Unterwerfung wird.
Kapitel 3: Subjektivation, Widerstand, Bedeutungsverschiebung: Dieses Kapitel widmet sich der kritischen Auseinandersetzung Butlers mit Foucaults Machttheorie. Dabei wird die These entwickelt, dass Widerstand nicht außerhalb, sondern als Teil der Macht in der Subjektivation selbst entstehen muss.
Das Gewissen macht Subjekte aus uns allen: Die Analyse von Althussers Theorie der Anrufung verdeutlicht, wie das Individuum durch soziale Rituale zum Subjekt wird. Hierbei wird die Bereitschaft zur Annahme von Schuld als Bedingung für Identität hervorgehoben.
Melancholisches Geschlecht/ Verweigerte Identifizierung: Abschließend wird Geschlechtszugehörigkeit als Ausdruck von Melancholie interpretiert. Der Fokus liegt darauf, wie Identität durch performative Wiederholungen und den Verlust von Objekten konstituiert wird.
Schlüsselwörter
Subjektivation, Macht, Psyche, Gewissen, Widerstand, Unterwerfung, Freud, Foucault, Althusser, Interpellation, Melancholie, Geschlechtszugehörigkeit, Begehren, Performativität, Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit Judith Butlers philosophischer Untersuchung der Entstehung des Subjekts durch Machtverhältnisse, insbesondere im Kontext der Psychoanalyse.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den Prozessen der Subjektwerdung, der Rolle der Sprache und des Gesetzes sowie der psychoanalytischen Deutung von Widerstand und Geschlechtsidentität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu erklären, wie das Subjekt durch die Verinnerlichung von Macht und Verboten entsteht, ohne dabei die psychische Komplexität des Unbewussten zu negieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine kritische hermeneutische Methode, indem sie die Theorien von Denkern wie Foucault, Freud, Nietzsche und Althusser in den Dialog mit Butler bringt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Mechanismen der Subjektivation, das Konzept der Anrufung, die Funktion des schlechten Gewissens und die Performativität von Identität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Subjektivation, Macht, psychische Gewalt, Interpellation und Melancholie.
Wie unterscheidet sich Butlers Verständnis von Widerstand zu dem von Foucault?
Während Foucault den Widerstand primär als Effekt der Macht sieht, betont Butler stärker die Rolle der Psyche und die Unvereinbarkeit zwischen ihr und den sozialen Anforderungen als Ort des Widerstands.
Was bedeutet der Begriff "Zirkel" im Zusammenhang mit dem schlechten Gewissen?
Er beschreibt die leidenschaftliche Rückwendung des Begehrens gegen sich selbst: Ohne das gewaltsame Verbot würde das Subjekt nicht existieren, doch durch das Verbot wird das Subjekt erst zur Unterwerfung gezwungen.
Inwiefern ist Geschlecht bei Butler als Melancholie zu verstehen?
Butler argumentiert, dass geschlechtliche Identität durch den Verlust (die Absage) an bestimmte homosexuelle Bindungen entsteht, was zu einer melancholischen Struktur des Subjekts führt.
- Arbeit zitieren
- Dana Michaelis (Autor:in), 2010, Judith Butlers Psyche der Macht. Das Subjekt der Unterwerfung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233512