Interpretation der Textstelle Ovid, Met. 8, 183-235 (Dädalus und Ikarus)
Beim Übersetzen wendet man meistens eine Mischung der behandelten vier Satz- bzw. Texterschließungsmethoden an, denn ich finde, es gibt keine Sätze, die nur auf eine einzige Methode zugeschnitten sind. Ich persönlich kann mich allerdings mit der Drei- Schritt-Methode von Dieter Lohmann nicht so richtig anfreunden, und beim Übersetzen würde ich am ehesten auf sie verzichten. Denn ich fasse nämlich anders als er das Prädikat nicht als ambivalent auf.
Deshalb rät Lohmann, jedes Satzglied der Reihe nach zu übersetzen, weil so der Verstehensprozess entlang des Satzfadens sichergestellt würde. Die Information, die das Prädikat beinhaltet, erübrigt sich deshalb für Lohmann nahezu, weil der Inhalt des Satzes schon so gut wie klar sei.
Inhaltsverzeichnis
Aufgabe 1: Satz- und Texterschließungsmethoden bei Ovid
1.1 Beschreibung der Vorgehensweisen an einem Textabschnitt
1.2 Beschreibung der Verse 195-205
Aufgabe 2: Übersetzung und Reflexion
2.1 Übersetzung V. 208-216, V.223-230
Aufgabe 3: Interpretation
3.1 Kontextbezug zur Perdix-Episode
3.2 Gattungsbestimmung und Lehre
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Textstelle Ovid, Metamorphosen 8, 183-235 (Dädalus und Ikarus) hinsichtlich fachdidaktischer Erschließungsmethoden, der sprachlichen Gestaltung und einer inhaltlichen Interpretation der mythologischen Hybris-Thematik.
- Anwendung und kritische Reflexion von Satzerschließungsmethoden (Lohmann, Konstruieren und Analysieren).
- Strukturelle Analyse der Tempora und Konnektoren im lateinischen Text.
- Interpretation des Dädalus-Mythos als Strafe für Hybris und Mord.
- Einordnung der Metamorphosen als Gattungsmischung zwischen Epos und Lehrgedicht.
Auszug aus dem Buch
Interpretation der Textstelle Ovid, Met. 8, 183-235 (Dädalus und Ikarus)
Dafür, dass ein Vater einen Sohn verlieren muss, finden sich in der Mythologie noch zahlreiche Beispiele (z.B. Priamos, Euander). Das ist nicht das Thema der Geschichte, denn Ikaros` Tod steht erst am Ende der Erzählung. Er ist jedoch eng mit dem eigentlichen Thema der Geschichte verknüpft: Sein Tod steht als Konsequenz für die Hybris seines Vaters Dädalus. Hybris bedeutet frevelhafter Übermut, Selbstüberhebung und Vermessenheit. Ihr folgt oft die Nemesis, d.h. eine ausgleichende, strafende und vergeltende Gerechtigkeit. Die Hybris ist verantwortlich für den Fall vieler Helden in der griechischen Tragödie.
Worin besteht nun Daedalus` Hybris? Er hat herausragende künstlerische Fähigkeiten. Das ist auch schon in seinem Namen ausgedrückt, welcher von griech. daidallein - kunstvoll arbeiten, stammt. Minos ließ von ihm das Labyrinth für den Minotaurus bauen. Im Text werden sie und Daedalus mit folgenden Worten beschrieben: ignotas artes (V.188), naturam novare (V.189), mirabile opus (V.199f.), damnosas artes (V.214), devovere suas artes (V.234). Die negative Belegung dieser Begriffe kommt gegen Ende auf. Doch diese Fähigkeiten allein sind noch keine Hybris. Ins Schlechte verkehrt sich Daedalus` Begabung erst dann, als er den Luftraum erobern will. Diese Sphäre ist sonst nur den Göttern vorbehalten (...credidit esse deos, V.220) Er maßt sich an, wie die Vögel und die Götter fliegen können zu wollen. Somit verlässt er das den Menschen zugewiesene Terrain, und das wird eben bestraft, womit man den Vater am härtesten trifft: mit dem Tod seines Sohnes.
Zusammenfassung der Kapitel
Aufgabe 1: Satz- und Texterschließungsmethoden bei Ovid: Kritische Auseinandersetzung mit der Methode von Dieter Lohmann und Vorstellung eines alternativen Vorgehens zur Satzanalyse anhand von Versbeispielen.
Aufgabe 2: Übersetzung und Reflexion: Präsentation einer eigenen Übersetzung der Verse 208-216 sowie 223-230, ergänzt durch sprachliche Beobachtungen zu Satzbau und Metrik.
Aufgabe 3: Interpretation: Analyse der mythologischen Hintergründe, insbesondere der Hybris des Dädalus, der Perdix-Episode als Vorgeschichte und der literarischen Gattungsmerkmale des Werks.
Schlüsselwörter
Ovid, Metamorphosen, Dädalus, Ikarus, Hybris, Satzerschließung, Didaktik, Latein, Übersetzungsmethoden, Mythologie, Hexameter, Perdix, Nemesis, Stilistik, Lehrgedicht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse und Interpretation des Dädalus- und Ikarus-Mythos aus Ovids Metamorphosen unter fachdidaktischen und literaturwissenschaftlichen Gesichtspunkten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die methodische Erschließung lateinischer Satzstrukturen, die stilistische Analyse der Textpassage sowie die moralische Einordnung der Hybris-Problematik im Mythos.
Welches Ziel verfolgt die Autorin mit dieser Ausarbeitung?
Ziel ist es, die Eignung verschiedener Satzerschließungsmethoden für den Unterricht zu prüfen und den Mythos in einen breiteren literarischen sowie kontextuellen Rahmen einzubetten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Arbeit nutzt philologische Textanalyse, vergleichende Methodenkritik zur Satzerschließung sowie eine motivgeschichtliche Interpretation der mythologischen Quellen.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die praktische Anwendung von Erschließungsmethoden, eine kommentierte Übersetzung relevanter Textabschnitte und eine tiefgehende Deutung der Hybris-Motivik.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Ovids Metamorphosen, Dädalus und Ikarus, Satzerschließungsmethoden, Hybris, Nemesis und die Gattung des Lehrgedichts.
Warum lehnt die Autorin die Drei-Schritt-Methode von Dieter Lohmann teilweise ab?
Die Autorin argumentiert, dass die Lohmann-Methode bei komplexeren Satzgefügen mit eingeschobenen Relativsätzen und der spezifischen Wortstellung des Lateinischen oft nicht die besten Ergebnisse liefert.
Welche Bedeutung kommt der Perdix-Episode für das Verständnis der Erzählung zu?
Die Perdix-Episode liefert eine zusätzliche Erklärung für den Tod des Ikarus, indem sie diesen als göttliche Strafe (Nemesis) für den vorangegangenen Mord von Dädalus an seinem Neffen Perdix darstellt.
Wie wird das Wesen der Hybris bei Dädalus definiert?
Die Hybris wird als die menschliche Überschreitung der durch die Götter vorgegebenen Grenzen definiert, konkret durch den Versuch von Dädalus, den Luftraum als sein Terrain zu erobern.
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- Heike Dilger (Author), 2004, Interpretation der Textstelle Ovid, Met. 8, 183-235, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233520