"Schneller als man denkt, kann man seine Miete nicht mehr zahlen, wird alkoholabhängig und landet auf der Straße. Petra Mann ist kein Einzelfall. Viele Frauen werden von ihrer Kindheit an vom Pech verfolgt und müssen gezwungenermaßen ein solches Leben führen, in dem es lediglich um das ÜBERleben geht. Es ist Aufgabe der Politiker, daran etwas zu ändern. Es ist unsere Aufgabe, nicht wegzusehen. Jeder Cent und jedes Lächeln kann den Menschen auf der Straße den Tag etwas angenehmer machen, der für sie genaugenommen nur eine Qual ist. In dem Obdachlosenheim in Halle, in dem wir Petra Mann interviewt haben, kann man eine Nacht schlafen für drei Euro. Statt sich selbst ein Eis mit drei Kugeln zu kaufen, könnte man damit jemandem für eine Nacht einen angenehmen Schlaf schenken. Ich möchte meine Hausarbeit nicht dafür nutzen, Menschen mit festem Wohnsitz ein schlechtes Gewissen einzureden. Das Interview mit der traurigen Frau hat mir lediglich gezeigt, dass die soziale Ungleichheit direkt vor meiner Tür passiert und diese Einsicht hat mich über einen längeren Zeitraum zum Nachdenken angeregt. Ich wünsche mir, dass mehr getan wird."
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Wohnungslosigkeit
2. Soziale Probleme
2.1. Was sind soziale Probleme?
2.2. Wohnungslosigkeit als soziales Problem
2.2.1. Armut
2.2.2. Psychische Erkrankungen
2.2.3. Alkoholismus
2.2.4. Kriminalität
3. Weibliche Wohnungslosigkeit
3. Wohnungslose Frauen und Männer im Vergleich
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die spezifischen Lebensumstände und Herausforderungen von Frauen in der Wohnungslosigkeit. Ziel ist es, die Unterschiede in den Biografien und sozialen Rahmenbedingungen zwischen wohnungslosen Frauen und Männern herauszuarbeiten und die gesellschaftliche Relevanz der Thematik zu verdeutlichen.
- Analyse von Wohnungslosigkeit als soziales Problem.
- Einflussfaktoren wie Armut, psychische Erkrankungen und Sucht.
- Die „Verschleierungstaktik“ weiblicher Wohnungslosigkeit.
- Biografische Fallbeispiele (Interview mit Petra Mann).
- Vergleich der Hilfssysteme und Geschlechtsstereotype.
Auszug aus dem Buch
3. Weibliche Wohnungslosigkeit
Die weibliche Wohnungslosigkeit ist noch nicht lange Thema in der Fachöffentlichkeit. Dies liegt daran, dass bislang unbekannt war, wie stark Frauen von der Obdachlosigkeit betroffen sind. Seit den 1980er Jahren gilt die weibliche Wohnungslosigkeit als eigenes Problemfeld. (Vgl. Rosenke) Die Frauen wenden meistens eine „Verschleierungstaktik“ an und täuschen dabei eine äußerliche Normalität vor. Sie sind nicht als Wohnungslose zu erkennen, weshalb statistische Zahlen deutlich unter dem wahren Wert liegen. Frauen meiden, wenn sie wohnungslos sind, vor allem die Orte, die als Treffpunkte von Wohnungslosen bekannt sind, sowie den Kontakt zu diesen. Das tun sie, um Auseinandersetzungen mit der Polizei zu vermeiden, aber auch um von Bürgern nicht als gesellschaftlicher Außenseiter behandelt zu werden. (van den Brink & Strasser, 2003)
Wohnungslosigkeit gilt als Männerphänomen. Diese alltägliche Wahrnehmung wird bestätigt durch Statistiken und zeigt sich auch in der Infrastruktur des Hilfesystems. Die obdachlosen Frauen leben schon lange vorher in ungesicherten Verhältnissen, wie auch Petra Mann. Sie lebte schon als Kind bei Bekannten und Großeltern, statt zu Hause, da ihre Mutter dies so für sie entschied. Auch als Erwachsene kam sie immer bei Freunden unter oder lebte in der Wohnung ihres Bruders, in der es keinen Strom gab. All die wohnungslosen Frauen haben irgendwann schon einmal Armut und Gewalt erfahren. Der Anteil der wohnungslosen Frauen ist in den letzten Jahren gestiegen. 2009 waren es schon 25% der gesamten Wohnungslosen, die weiblich waren. (BAG W, 2009) Die meisten von ihnen sind zwischen 30 und 45 Jahren alt, doch auch der Anteil der Jüngeren, der bis zu 29 jährigen, nimmt zu. Meistens sind die Gründe für die Wohnungslosigkeit der Frauen beziehungsorientiert durch das Scheitern einer Ehe oder Partnerschaft beziehungsweise dem Ausbruch aus gewaltgeprägten Lebenszusammenhängen. Auch ein durch die traditionelle Rollenverteilung erzeugte Abhängigkeit in einem Familienverbund, kann Auslöser dieses Problems sein.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik ein und stellt anhand eines Interviews mit einer Betroffenen die Dringlichkeit der Auseinandersetzung mit weiblicher Wohnungslosigkeit dar.
1. Wohnungslosigkeit: Dieses Kapitel definiert Wohnungslosigkeit als weitgehende Problematik, die über den reinen Wohnraummangel hinausgeht und soziale Isolation umfasst.
2. Soziale Probleme: Hier wird der soziologische Begriff des sozialen Problems theoretisch hergeleitet und als Herausforderung an die Sozialpolitik identifiziert.
2.1. Was sind soziale Probleme?: Dieses Unterkapitel erörtert Definitionen und Kriterien, die soziale Probleme charakterisieren.
2.2. Wohnungslosigkeit als soziales Problem: Es wird analysiert, wie Armut, Krankheit und Gewalt bei Wohnungslosen in Wechselwirkung stehen.
2.2.1. Armut: Fokus auf Ressourcenknappheit und Arbeitsmarktintegration als zentrale Ursachen.
2.2.2. Psychische Erkrankungen: Untersuchung der überproportionalen Belastung von Wohnungslosen durch psychische Traumata.
2.2.3. Alkoholismus: Analyse von Alkohol als Bewältigungsstrategie und Ausdruck sozialer Not.
2.2.4. Kriminalität: Darstellung der Wohnungslosen als Opfer statt als Täter von Kriminalität.
3. Weibliche Wohnungslosigkeit: Behandlung der spezifischen Strategien und Ursachen für Obdachlosigkeit bei Frauen.
3. Wohnungslose Frauen und Männer im Vergleich: Gegenüberstellung der unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten und Rollenbilder der Geschlechter.
4. Zusammenfassung: Fazit zur Notwendigkeit politischer Lösungsansätze und persönlicher Reflektion der Autorin.
Schlüsselwörter
Wohnungslosigkeit, soziale Probleme, weibliche Obdachlosigkeit, Armut, soziale Isolation, Traumatisierung, Geschlechterrollen, Arbeitsmarkt, Hilfesysteme, Diskriminierung, soziale Ungleichheit, Prävention, Lebensweise, Wohnungsprostitution, Biografieforschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Hintergründen, Erscheinungsformen und speziellen Problemlagen von Frauen, die von Wohnungslosigkeit betroffen sind.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind soziologische Definitionen sozialer Probleme, die Auswirkungen von Armut, psychische Erkrankungen, Sucht sowie der geschlechtsspezifische Vergleich von Lebensumständen auf der Straße.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist die Analyse, warum Frauen von Wohnungslosigkeit betroffen sind und inwiefern sich ihre Situation von der männlicher Betroffener unterscheidet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Kombination aus theoretischer Literaturanalyse und einer qualitativen Fallstudie, basierend auf einem persönlichen Interview mit einer betroffenen Frau.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die soziologische Einordnung des Problems, die Untersuchung von Risikofaktoren wie Armut und Krankheit sowie die spezifische Betrachtung der Lebenssituation von wohnungslosen Frauen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird vor allem durch Begriffe wie soziale Ungleichheit, weibliche Obdachlosigkeit, Traumata und Geschlechterstereotype charakterisiert.
Warum ist das Thema der „Verschleierung“ bei Frauen so wichtig?
Frauen versuchen aus Scham und Sicherheitsgründen oft, ihre Obdachlosigkeit durch äußerliche Normalität zu verbergen, was dazu führt, dass sie in offiziellen Statistiken unterrepräsentiert sind.
Welche Rolle spielt das Interview mit Petra Mann für die Arbeit?
Das Interview dient als Fallbeispiel, um die theoretischen Aspekte der Arbeit mit der Realität zu verknüpfen und das Schicksal hinter den statistischen Zahlen sichtbar zu machen.
Welchen Einfluss haben soziale Netzwerke auf Frauen in der Wohnungslosigkeit?
Laut der Arbeit verfügen Frauen häufiger als Männer über soziale Netzwerke, die ihnen kurzfristig ermöglichen, das Leben auf der Straße hinauszuzögern, bevor sie ihre Wohnung verlieren.
- Arbeit zitieren
- Juliane Brettmann (Autor:in), 2013, Wohnungslosigkeit als soziales Problem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233581