Autobiographisches und kollektives Gedächtnis in Uwe Timms „Am Beispiel meines Bruders“


Seminararbeit, 2011
14 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitionsansätze: Autobiographisches und Kollektives Gedächtnis
2.1 Kollektives und Individuelles Gedächtnis nach Maurice Halbwachs
2.2 Das autobiographische Gedächtnis

3. Medien und Gedächtnis

4. Der Autor Uwe Timm in Auseinandersetzung mit Erinnerung und Familie

5. Die Untersuchung des Erinnerungsprozesses und der Erinnerungsart in „Am Beispiel meines Bruders“
5.1 Inhalt und Aufbau
5.2 Der Zusammenhang zwischen autobiographischem und kollektivem Gedächtnis
5.3 Die Erinnerung im Wandel

6. Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Erinnerungen prägen das menschliche individuelle Leben. Sie sind jedoch nicht nur dem Individuum eigen und gänzlich persönlich, sondern werden von der Gesellschaft mitkonstruiert und beeinflusst. Wie genau jedoch funktioniert dieses Wechselspiel zwischen persönlichen und gesellschaftlichen Erinnerungen? Inwieweit sind unter diesen Umständen Erinnerungen veränder- und wandelbar?

Dies sind nur einige Fragen, mit denen ich mich im Zuge dieser Hausarbeit, die im Verlaufe des Seminars „ ‚Die DDR im Rücken‘ – Erinnern in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche“ bei Frau Hanna Haag im Sommersemester 2011 entstand, auseinandersetze. Das größte Augenmerk wird in dieser Arbeit auf die Untersuchung des Zusammenhanges von autobiographischem und kollektivem Gedächtnis gelegt, sowie der Frage, wie veränder- und wandelbar Erinnerungen sind. Anhand Uwe Timms autobiographischem Roman „Am Beispiel meines Bruders“, in dem er sich auf die Suche nach der Wahrheit über seinen im 2. Weltkrieg gefallenen Bruder macht, soll dies untersucht werden.

Hinsichtlich der zu spezifizierenden Aspekte werden zunächst die Begriffe des autobiographischen sowie des kollektiven Gedächtnisses aus der soziologischen Perspektive heraus erläutert. Daraufhin wird auf die Bedeutung der Medien für das Erinnern übergeleitet, um anschließend die Hintergründe und Motive des Autors für das Schreiben dieses Buches aufzuführen und dessen Intentionen deutlich zu machen.

Darauf folgend wird der Inhalt sowie der spezifische Aufbau des Werkes explizit vorgestellt und untersucht. Einerseits, inwieweit die Theorie des Zusammenhangs von autobiographischem und kollektivem Gedächtnis anhand dieser Lektüre in die Realität umsetzbar ist und andererseits welche Auswirkung diese Verknüpfung letztlich auf die Wandelbarkeit von Erinnerungen haben könnten.

Um die Untersuchung abzurunden erfolgt abschließend ein Fazit, in dem die gemachten Beobachtungen nochmals zusammengefasst werden.

2. Definitionsansätze: Autobiographisches und Kollektives Gedächtnis

In diesem Abschnitt gilt es zunächst, eine theoretische Grundlage für die weitere Untersuchung zu schaffen. Diese besteht hauptsächlich aus der Definition des Soziologen Maurice Halbwachs, der die Thematik Gedächtnis und Erinnerung aus soziologischer Perspektive maßgeblich prägte. Im Mittelpunkt steht dabei die Definition von kollektivem und individuellem Gedächtnis, die als Ausgangspunkt für die weitere Untersuchung hinsichtlich des autobiographischen Gedächtnisses dient.

2.1 Kollektives und Individuelles Gedächtnis nach Maurice Halbwachs

Unter dem Begriff der Erinnerung versteht man in der Alltagssprache die Begebenheit, etwas früher Erlebtes oder Erfahrenes, also etwas in der Vergangenheit stattgefundenes, mental wieder zu erleben. „Aufbewahrt werden diese Erinnerungen im Gedächtnis“ (Gudehus/ Eichenberg/ Welzer [Hrsg.] 2010: 75), das sich nach der Theorie des französischen Soziologen Maurice Halbwachs (1877 – 1945) in das individuelle und das kollektive Gedächtnis unterteilt.

Ging man bei Erinnerungen allgemeinhin hauptsächlich von etwas subjektiv, persönlichem aus, da es sich um etwas selbsterlebtes handelt und Erinnerungen somit dem Individuum eigen waren, also dem individuellen Gedächtnis zuzuordnen ist, ist Halbwachs hingegen der Auffassung, dass das vom Individuum erlebte, „selbst dann, wenn es sich um Ereignisse handelt, die allein wir durchlebt […] haben“ nicht vom Kollektiv losgelöst betrachtet werden kann, beziehungsweise dass „Erinnerungen kollektiv bleiben. Das bedeutet, dass wir in Wirklichkeit niemals allein sind.“ (Halbwachs 1967: 2). Somit begründet sich Halbwachs‘ Theorie des kollektiven Gedächtnisses aus einer entstehenden Wechselwirkung zwischen dem Individuum und der Gruppe. Durch diese Wechselwirkung konstituiert sich das kollektive Gedächtnis. Signifikant ist, dass das individuelle Gedächtnis „nicht vollkommen isoliert und in sich abgeschlossen“ ist, sondern dass „ein Mensch oft Erinnerungen anderer zu Rate ziehen (muss), um seine eigene Vergangenheit wachzurufen.“ (Halbwachs 1967: 35).

2.2 Das autobiographische Gedächtnis

Die im vorherigen Abschnitt erläuterten Begriffe des individuellen und kollektiven Gedächtnisses nach Maurice Halbwachs bilden den Ausgangspunkt für ein großes Geflecht an Gedächtnisformen, dessen Darstellung jedoch in seiner Komplexität und Vollständigkeit den Rahmen dieser Hausarbeit überschreiten würde.

Aus diesem Grund wird für die vorliegende Untersuchung das autobiographische Gedächtnis in den Mittelpunkt gerückt, da es als die „komplexeste und am höchsten entwickelte Form des Gedächtnisses betrachtet“ wird (Welzer 2002: 169) und zudem für das gewählte Untersuchungsthema neben dem kollektiven Gedächtnis die größte Relevanz einnimmt.

Der Begriff des autobiographischen Gedächtnisses wurde bereits von Halbwachs verwendet. Auf der Grundlage seiner Überlegung hinsichtlich des individuellen und kollektiven Gedächtnisses schrieb er:

„Es bestünde also die Veranlassung, tatsächlich zweierlei Gedächtnisse zu unterscheiden, deren eines man […] innerlich oder intern und deren anderes man äußerlich nennen würde, oder auch persönliches Gedächtnis und soziales Gedächtnis. Noch genauer würden wir sagen: autobiographisches und historisches Gedächtnis.“ (Halbwachs 1967: 36)

Das Autobiographische nimmt das historische Gedächtnis zur Hilfe, „da schließlich die Geschichte unseres Lebens zur Geschichte allgemein gehört.“ (Halbwachs 1967: 36). Wesentlich ist, wie das Wort „autobiographisch“ erkennen lässt, dass die „hervorstechenden Merkmale des autobiographischen Gedächtnisses […] demgemäß seine Selbstbezogenheit […] und seine emotionale Indexierung (sind); selbstbezogene Gedächtnisinhalte sind nicht neutral, sondern immer emotional konnotiert.“ (Welzer 2002: 169). Harald Welzer stellt fest, dass „diese beiden zentralen Merkmale autobiographischen Erinnerns – Reflexivität und Emotionalität […] anderen Formen von Erinnerung nicht eigen“ sind (Welzer 2002: 169) und darüber hinaus nur menschliche Lebewesen über ein autobiographisches Gedächtnis, „und damit über ein autobiographisches Ich, das Subjekt ebendieses Gedächtnisses“ verfügten (Welzer 2002: 169).

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Autobiographisches und kollektives Gedächtnis in Uwe Timms „Am Beispiel meines Bruders“
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
"Die DDR im Rücken" - Erinnern in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V233611
ISBN (eBook)
9783656502111
ISBN (Buch)
9783656504030
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Uwe Timm, autobiographisches Gedächtnis, kollektives Gedächtnis
Arbeit zitieren
Katharina Jakob (Autor), 2011, Autobiographisches und kollektives Gedächtnis in Uwe Timms „Am Beispiel meines Bruders“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233611

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