Probleme und Chancen des deutschen E-Publishing-Markts anhand ausgewählter Geschäftsmodelle


Bachelorarbeit, 2013
56 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung
1.1.Untersuchungsgegenstand und thematische Abgrenzung
1.2.Aktueller Forschungsstand

2.Die Marktsituation des E-Publishing-Sektors zum ersten Quartal 2013
2.1.Marktanteile und Umsätze des E-Publishing-Markts zu Beginn des ersten Quartals 2013
2.2.Schwierigkeiten des E-Publishing-Markts aus Kunden-, Buchhandels- und Verlagssicht

3.Analyse ausgewählter Geschäftsmodelle
3.1.libreka!
3.1.1.Die Anfänge als Volltextsuche online
3.1.2.Anpassungen des Geschäftsmodells
3.1.3.Schwierigkeiten der Plattform und Kritik an libreka!
3.1.4.Bewertung der Bedeutung für den E-Publishing-Markt
3.2. PaperC
3.2.1.Die Gründung
3.2.2. Das Geschäftsmodell
3.2.3. Erfolge und Schwierigkeiten
3.2.4. Bewertung der Bedeutung für den E-Publishing-Markt
3.3. Weitere E-Publishing-Geschäftsmodelle im Überblick

4. Zusammenfassung, Ausblick und Bewertung der Chancen und Probleme für neue Marktteilnehmer

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang

1. Einleitung

1.1. Untersuchungsgegenstand und thematische Abgrenzung

In den letzten zehn bis fünfzehn Jahren haben die Technologisierung und Digitalisierung des täglichen Lebens einen rasanten Fortschritt erlebt, nicht zuletzt aufgrund der vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten des Internets. Die Vernetzung und digitale Aufbereitung von Inhalten machen auch vor dem Buchmarkt nicht halt. Seit Verabschiedung des Epub-Vorläuferformats Open Ebook Publication Structure OEPBS durch Microsoft im Jahr 1999[1] wurde besonders in jüngster Zeit die Entwicklung des elektronischen Buchs zunehmend forciert. Die traditionell eher konservative deutsche Buchbranche sieht sich mit technischen Einflüssen konfrontiert, deren Umgang sie nicht gewohnt ist und deren Potenzial sie derzeit vorsichtig auslotet.

Diese Abschlussarbeit befasst sich mit den Problemen und Chancen eines gerade im Entstehen begriffenen E-Publishing-Markts in Deutschland anhand ausgewählter Geschäftsmodelle in diesem Segment. Der Begriff „E-Publishing“ bezeichnet hierbei den Handel mit und die Herstellung von elektronischen Büchern und Zeitschriften. Der Vertrieb von Produkten im Internet und das dazugehörige Marketing, weithin unter dem Begriff „E-Commerce“ bekannt, fallen nicht unter den Untersuchungsgegenstand. Nach der Darstellung des aktuellen Forschungsstands behandelt das zweite Kapitel die grundlegende Marktsituation des E-Publishing-Sektors zu Beginn des ersten Quartals 2013, indem neben Marktanteilen und Verbreitung von E-Books Ein- und Umstiegshürden auf das elektronische Buch Erwähnung finden. Sowohl aus Kunden- als auch aus Handels- und Verlagssicht werden Problemfelder aufgezeigt, deren ausstehende Bewältigung einer höheren Akzeptanz des Mediums „E-Book“ derzeit noch entgegenstehen. Im Anschluss stellt das dritte Kapitel libreka! und paperC als ausgewählte Geschäftsmodelle vor, die sich eines (oder mehrerer) der zuvor angeführten Probleme annehmen und diese zu lösen versuchen. Da die Herangehensweise der Unternehmen von Modell zu Modell erheblich abweichen kann, sollen eine Betrachtung der ursprünglichen Geschäftsidee, der Anpassung des Konzepts an die Marktveränderungen und eine Zusammenfassung des bisherigen positiven und negativen Erfolgs als gemeinsame Untersuchungsbasis dienen. Hierbei wird aufgezeigt, inwiefern die vorgestellten Unternehmen bzw. Projekte möglicherweise mit denselben Schwierigkeiten zu kämpfen haben und so allgemeine Probleme des E-Publishing-Markts identifiziert werden können, die über die des Einleitungskapitels hinausgehen. Weitere Geschäftsmodelle werden in einem kurzen Überblick angeführt. Die erworbenen Erkenntnisse dienen zugleich als Grundlage für einen abschließenden Ausblick und die Beurteilung, ob nach der ausführlichen Betrachtung der diskutierten E-Publishing-Modelle neuen Geschäftsideen in diesem Segment eine erfolgversprechende Zukunft zu bescheinigen ist und mit welchen Schwierigkeiten sich potenzielle neue Wettbewerber auseinandersetzen müssen.

Es ist nicht Ziel dieser Arbeit, neuen Marktteilnehmern konkrete Handlungsempfehlungen auf Basis der gewonnenen Untersuchungsergebnisse zu geben. Vielmehr sollen mögliche Chancen und Risiken aufgedeckt und eine Bewertung der angesprochenen Modelle vorgenommen werden. Ebenso sind empirische Untersuchungen zur aktuellen Marktlage des E-Books im Rahmen dieser Bachelorarbeit zeitlich nicht zu leisten.

Weiterführende Vergleiche zur Situation des E-Publishing-Markts in diesbezüglich bereits weiter fortgeschrittenen Ländern wie z.B. den USA stellten einen alternativen Forschungsansatz dar, der in einer separaten Arbeit aufzugreifen wäre. Aufgrund der speziellen Gegebenheiten des deutschen Buchmarkts durch die Buchpreisbindung und der daraus resultierenden Doppelrolle als Kulturvermittler und Wirtschaftszweig konzentriert sich diese Bachelorarbeit lediglich auf den E-Publishing-Markt in Deutschland. Ebenso sei darauf verwiesen, dass die Themenfelder rund um E-Books und E-Publishing wissenschaftlich noch kaum erschlossen sind und sich deshalb zumeist auf Branchenpresse gestützt werden muss.

1.2. Aktueller Forschungsstand

Die Buchbranche befindet sich im 21. Jahrhundert erneut in einer Umbruchphase, nachdem es bereits mit der Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg und der Leserevolution zu Beginn des 20. Jahrhunderts einschneidende Veränderungen auf dem Buchmarkt gegeben hatte.[2] Das elektronische Buch stellt eine neue Medienform dar, mit dessen Herstellung, Vertrieb und Benutzung erst in den letzten fünf bis sechs Jahren zunehmend Erfahrungen gesammelt wurden. Es handelt sich beim E-Publishing-Bereich dementsprechend um ein recht junges Marktsegment, was sich in der derzeitigen Forschungslage widerspiegelt.

Die Anfänge des E-Publishing-Markts liegen erst kurze Zeit zurück, während die technische Entwicklung rund um E-Books kontinuierliche Fortschritte verzeichnen kann. Erwartungsgemäß sind die technischen Aspekte der E-Book-Entwicklung verhältnismäßig gut dokumentiert, wogegen der deutsche E-Publishing-Markt an sich wissenschaftlich bisher nur fragmentarisch untersucht worden ist. Viele Informationen zu Marktlage und Entwicklungstendenzen finden sich nicht in themenspezifischen Publikationen, sondern in Monographien und Untersuchungsberichten zum deutschen Buchmarkt oder dem Medienwandel im Allgemeinen. Michel Clement, Eva Blömeke und Frank Sambeth nehmen in Ökonomie der Buchindustrie. Herausforderungen in der Buchbranche erfolgreich managen einen ausführlichen Vergleich zwischen traditionellen und neu geschaffenen Herausforderungen für Verlag und Buchhandel vor, die aus veränderten Kundenpräferenzen und Nutzungsgewohnheiten durch die Digitalisierung entstehen. Der Schwerpunkt liegt im E-Publishing-Bereich vor allem auf neuen Wertschöpfungsketten für Verlage, die neue Finanzierungsmodelle wie Crowdsourcing und User Generated Content monetarisieren, sodass die Inhalte anschließend sowohl elektronisch als auch als Printtitel veröffentlicht werden können.[3] Eine Marktanalyse wird nicht vorgenommen.

Literatur und Digitalisierung, herausgegeben von Christine Grond-Rigler und Wolfgang Straub, bietet einen umfassenden Überblick über alle Bereiche des Buch- und Verlagswesens, die durch Digitalisierung einem Wandel unterworfen sind. Das Werk eröffnet mit einer Betrachtung der Debatte über den Werteverfall des Kulturguts Buch aufgrund der Einführung von E-Books und digitalen Inhalten und beschäftigt sich im weiteren Verlauf unter anderem mit den Folgen für Literaturkritik, Autorenschaft und Urheberrecht, den veränderten Lesegewohnheiten sowie mit der Digitalisierung in Literaturarchiven. Für den E-Publishing-Markt von besonderem Interesse ist der Beitrag Die deutschsprachige Verlagsbranche und die digitalen Bücher von Wolfgang Straub, der sich mit dem Konflikt der Verlage zwischen der Notwendigkeit von Investitionen in neue Technologien zur E-Book-Produktion und andererseits der Zurückhaltung vor einem in seiner weiteren Entwicklung noch ungewissen Zukunftsmarkt auseinandersetzt. Anhand von Interviews mit Vertretern beider Positionen wird ein zunehmendes Verwischen der Grenzen zwischen E-Book und Printausgabe dargestellt, das einerseits ein Umdenken erforderlich macht, andererseits aber auch die traditionellen Werte der Buchproduktion nicht vernachlässigen darf.[4]

Anke Vogel verfolgt in Der Buchmarkt als Kommunikationsraum. Eine kritische Analyse aus medienwissenschaftlicher Perspektive einen kommunikationswissenschaftlichen Ansatz. Die Wertschöpfungsketten von Verlagen, Zwischenbuchhandel und Buchhandel werden unter dem Aspekt verschiedener Kommunikationsmodelle und -funktionen, z.B. der Bedürfnisbefriedigung durch das Medium Buch, neu betrachtet und bewertet. Ein inhaltlicher Schwerpunkt zum E-Publishing-Markt lässt sich in der Publikation nicht finden. Allerdings behandelt die Autorin im Kapitel Neue Intermediäre im Kommunikationsprozess die Rolle neuer Wettbewerbsteilnehmer im digitalen Buchmarkt, zu denen unter anderem der Onlinehändler Amazon, der Hardwarehersteller Apple und der Suchmaschinenanbieter Google zählen. Alle drei Unternehmen haben durch eigene Projekte zu Volltextsuche in und zum Publizieren von E-Books einen wesentlichen Anteil zur steigenden Verbreitung von elektronischen Büchern auf dem deutschen Buchmarkt geleistet, sodass dieser Abschnitt als Grundlagenlektüre für diesen Wettbewerbsbereich gelten kann.[5]

Weitere Berichte und Untersuchungen zur Lage des E-Publishing-Markts finden sich in Branchenpresse wie dem Börsenblatt des deutschen Buchhandels, Buchmarkt oder Buchreport, auf die im weiteren Verlauf dieser Arbeit häufig zurückgegriffen werden wird. Die Schnelllebigkeit des digitalen Markts erfordert für die Berichterstattung ebenso Medienformen mit kurzen Vorlaufzeiten. Dementsprechend häufig berichten die Onlineableger genannter Branchenzeitschriften von den Entwicklungen rund um das elektronische Buch.

Zahlen zum E-Publishing-Markt werden indes jährlich in Form von Buch und Buchhandel in Zahlen von der mvb (Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH) veröffentlicht, einer Tochtergesellschaft des Börsenvereins. Die zugrunde liegenden Kennziffern und Umsätze basieren auf den monatlichen und jährlichen Erhebungen im Branchenmonitor Buch, die Gegenstand des nachfolgenden Abschnitts sind.

2. Die Marktsituation des E-Publishing-Sektors zum ersten Quartal 2013

2.1. Marktanteile und Umsätze des E-Publishing-Markts zu Beginn des ersten Quartals 2013

Betrachtet man die Entwicklung des E-Publishing-Markts während der letzten drei Jahre, so lässt sich ein eindeutiger Trend erkennen: Der Umsatz, der durch E-Books erwirtschaftet wird, steigt kontinuierlich an, während das stationäre Sortiment zunehmend Einbußen einfährt. Der Börsenverein führt jährlich in Zusammenarbeit mit der vormals aus zwei separaten Unternehmen bestehenden und inzwischen zusammengeführten Media Control Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) Befragungen von Sortimentern und Verlegern durch, deren Ergebnisse in Form von Wirtschaftskennziffern unter dem Namen Branchenmonitor Buch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Diese Wirtschaftszahlen für 2011 zeigen eine Verdopplung des durch E-Book-Umsatzes im Vergleich zum Vorjahr von 0,5 auf 1 Prozent. Der Anteil von E-Books am Gesamtumsatz lag im stationären Sortiment lediglich bei 0,5 Prozent des Gesamtumsatzes. Dies lässt darauf schließen, dass ein Großteil der E-Book-Verkäufe an Endkunden über Geschäftsmodelle außerhalb des stationären Buchhandels abgewickelt wird. Entsprechend prognostizieren die Verlage im Jahr 2011 einen möglichen E-Book-Umsatzanteil in ihren Programmen für das Jahr 2015 von ca. 17 Prozent. Der stationäre Handel erfuhr im Jahr 2011 dagegen ein Minus von 3,0 Prozent.[6] 2012 war das dritte Jahr in Folge, in dem das stationäre Sortiment Umsatzeinbußen verzeichnen musste, dieses Mal in Höhe von 3,7 Prozent und somit 0,7 Prozent mehr als noch im Vorjahr.[7] Der halbjährliche Media Control E-Book-Report dokumentiert dagegen bereits im Herbst 2012 eine Verdopplung des E-Book-Umsatzanteils von 1,0 auf 2,0 Prozent in den ersten sechs Monaten des Jahres.[8] Der komplette Jahresbericht 2012 vom Februar 2013 zeigt außerdem, dass neben der Verdopplung die Anzahl abgesetzter E-Books mit 12,3 Millionen Exemplaren zweieinhalb Mal so hoch ist wie im Jahr 2011. Zusätzlich konnten die E-Book-Verkäufe die sinkenden Absätze von Hardcover und Taschenbuch auffangen und dem gesamten Buchhandel so insgesamt zu einem Plus von 0,3 Prozent verhelfen, während der durchschnittliche Preis eines E-Books gleichzeitig von 9,56 € auf 8,61 € gefallen ist.[9]

Anhand dieser Kennziffern lassen sich zwei wesentliche Tendenzen feststellen: Zum einen birgt der E-Publishing-Markt ein großes wirtschaftliches Potenzial. Er ist das einzige Marktsegment, das in den letzten drei Jahren ein exponentielles Wachstum verzeichnen konnte, während der traditionelle Printmarkt sowohl im Hardcover- als auch im Taschenbuchsegment kontinuierlich sinkende Verkaufszahlen zu verbuchen hatte. Zum anderen findet neben dem Wachstum eine stückweise Umverteilung des Umsatzes weg vom Printmedium hin zum elektronischen Buch statt. Um eine zusätzliche Perspektive zum E-Book-Verkauf aus dem stationären Sortiment zu erhalten, wurde ein Interview mit Mario Max geführt, Verlagsvertreter beim Diogenes Verlag für stationäre Buchhandlungen in Südbayern. Außendienstmitarbeitern von Verlagen bietet sich aufgrund der hohen Anzahl der von ihnen betreuten Sortimenter ein breiter Einblick in die Verkaufssituation des stationären Buchhandels, und sie verfügen zusätzlich über eine Verlagsperspektive. So betont Max, dass Diogenes im vergangenen Jahr einen zurückgehenden Taschenbuchumsatz bei gleichzeitig steigendem E-Book-Umsatz habe feststellen können. Ebenso kauften Buchhändler zunehmend zurückhaltender ein, da sie durch das neue Medium „E-Book“ verunsichert seien, was die möglichen Absätze der Printausgabe in ihrem Geschäft anbelange.[10] Auch Robert Stöppel, Inhaber der Buchhandlung Stöppel in Weilheim und in der Buchbranche bekannt als E-Book-Experte, der den Vertrieb elektronischer Bücher in seiner Buchhandlung forciert, erklärt in einem Interview mit dem Branchenblatt Buchreport, er sei sich sicher,

„(…) dass das E-Book einen Teil des gedruckten Buches verdrängen wird. Wie hoch der Anteil in den nächsten Jahren liegen wird, weiß keiner genau, aber ich befürchte, dass dieser Anteil eher höher als niedriger liegen wird. Der Wandel wird nicht aufzuhalten sein. Die Buchhandlungen, die sich jetzt aktuell aktiv und offensiv mit E-Books beschäftigen und ihre Kompetenz zeigen, werden in Zukunft ihren Anteil an dem Geschäft haben und nach den Anfangsinvestitionen auch Geld damit verdienen.“[11]

Stöppel bestätigt damit nicht nur die Tendenz, die sich in den Umsatzentwicklungen des Buchmarkts abzeichnet. Er führt zugleich an, dass der Buchhandel sich neuen Herausforderungen und Schwierigkeiten gegenüber sehe, die es nun zu bewältigen gelte.

2.2. Schwierigkeiten des E-Publishing-Markts aus Kunden-, Buchhandels- und Verlagssicht

Trotz des enormen wirtschaftlichen Potenzials des E-Publishing-Markts beträgt der Anteil des Umsatzes durch E-Books wie zuvor erwähnt lediglich 2,0 Prozent des Gesamtumsatzes der Buchbranche. Für ein Marktsegment, dessen Wachstumsrate augenscheinlich in den nächsten Jahren noch zunehmen wird, ist dies bisher erstaunlich wenig. Sowohl aus Sicht der Konsumenten als auch der Produzenten von E-Books existiert eine Reihe von Hürden für die Herstellung, den Vertrieb und die Benutzung von elektronischen Büchern. Auf die kulturpolitische Debatte zum Stellenwert des gedruckten Buchs soll an dieser Stelle verzichtet werden, da sie von den meisten Teilnehmern nicht rational, sondern emotional geführt wird. Stattdessen empfiehlt es sich, einen Blick auf die unmittelbar mit der Medienform verbundenen Schwierigkeiten zu werfen.

Die wesentliche Problematik bei der Benutzung von E-Books aus Kundensicht ist das Digital Rights Management (DRM), ein Kopierschutz, der E-Books vor unerlaubter Weitergabe und Vervielfältigung schützen soll. Es lassen sich zwei verschiedene Arten von DRM unterscheiden: das sogenannte „harte“ DRM und das „weiche“ oder auch „psychologische“ DRM. Ein Kunde, der ein E-Book in einem Shop erwirbt, muss sich bei einem Buch mit hartem DRM anschließend bei der Firma Adobe registrieren, da die Rechteverwaltung über die Software „Adobe Digital Editions“ abläuft, für deren Benutzung ein Adobe-Konto zwingend erforderlich ist. Rechteverwaltung beschreibt in diesem Zusammenhang die Kontrolle über die Anzahl der Geräte, auf denen das erworbene E-Book gelesen werden kann. Möchte der Kunde das erworbene Produkt auf mehr als der zulässigen Anzahl an Geräten lesen, so muss er über Digital Editions ein anderes Gerät zunächst deaktivieren, bevor er ein neues Gerät an seinem Account anmelden und diesem somit eine „Leseberechtigung“ für das E-Book erteilen kann. Das Verwalten mehrerer Konten bei unterschiedlichen Onlineshops und Adobe, das Installieren zusätzlicher Software sowie das ständige Überprüfen der bereits angemeldeten Geräte bei Adobe Digital Editions bedeutet für viele Kunden, die technisch wenig versiert sind, eine schwer zu bewältigende Nutzungshürde mit verhältnismäßig hohem Aufwand. Gleichzeitig werden Käufer in ihren Nutzungsmöglichkeiten eingeschränkt, da durch hartes DRM das Buch weder verliehen noch gebraucht weiterverkauft oder einzelne Passagen aus ihm herauskopiert werden können. Bei weichem DRM sind diese Einschränkungen nicht vorhanden. Ein Kunde kann das erstandene E-Book kopieren, verleihen und weiterverkaufen.[12] Allerdings lässt sich der ursprüngliche Käufer im Falle einer illegalen Weitergabe stets zurückverfolgen, da sein Name sowie persönliche Daten an mehreren Stellen im Buch unsichtbar codiert hinterlegt werden, was in etwa vergleichbar mit einem „digitalen Wasserzeichen“ ist. Es wird also durch psychologischen Druck an die Ehrlichkeit des Kunden appelliert. Die meisten Verlage versehen ihre E-Books jedoch mit hartem DRM, sodass die angeführten Barrieren die Nutzerfreundlichkeit erheblich einschränken. Befragt man Buchhändler und Kunden zum Thema DRM, so unterstreichen deren eigene Erfahrungen diese Thesen, wie auf vielen Blogs und in Hilfeforen zu lesen ist.[13] [14] [15]

Neben DRM, das Buchhändler ebenso wie ihre Kunden vor Probleme stellt, ist aus Sicht der Sortimenter die zunehmende Verlagerung des E-Book-Verkaufs auf wenige große Marktteilnehmer zu nennen. Der größte Konkurrent zum stationären Sortiment ist Amazon mit dem Lesegerät Kindle und dem zugehörigen Kindle-Shop im Internet. Es handelt sich hierbei um ein geschlossenes System. Kunden können E-Books lediglich bei Amazon für den Kindle erwerben. Sämtliche andere Händler und somit auch das stationäre Sortiment bleiben außen vor, da Amazon für Kindle E-Books auf ein proprietäres Format namens „Mobipocket“ setzt, das ausschließlich auf diesem Gerät lesbar ist. Der Branchenstandard „Epub“ wird nicht unterstützt und lässt sich ohne spezielle Konvertierung in das Mobipocket-Format auf dem Kindle nicht öffnen. Die Konvertierung selbst wird wiederum oft durch hartes DRM verhindert. Als Konkurrenz zu Amazon veröffentlichten Thalia, Hugendubel, Weltbild, Club Bertelsmann und die deutsche Telekom mit Tolino Anfang des Jahres einen eigenen E-Reader, der aber ebenso nur in den Filialen der beteiligten Unternehmen erworben werden kann.[16] In diesem Fall bietet sich den übrigen Buchhändlern aber zumindest eine Möglichkeit, an einem Teil der E-Book-Verkäufe teilzunehmen, da der Tolino Epubs von sämtlichen Verkaufsplattformen lesen kann. Ob sich der Reader jedoch langfristig durchsetzen wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abzusehen.

Die Verteilung der E-Book-Verkäufe auf mehrere Unternehmen mit großer Marktmacht und unterschiedlichen technischen Voraussetzungen bedeutet für folglich ebenfalls einen erhöhten Aufwand. E-Books müssen in mehreren unterschiedlichen Formaten hergestellt, ausgeliefert und getestet werden. Die Distributionskosten sind dementsprechend hoch, da im Gegensatz zur Auslieferung eines klassischen Printtitels oft mehrere Dienstleister nötig sind, um ein E-Book auf allen wesentlichen Plattformen anbieten zu können. Es mangelt an einer branchenübergreifenden offenen E-Book-Plattform, deren Verbreitungsgrad konkurrenzfähig mit Amazon ist und an die – ähnlich einem Barsortiment – die meisten Buchhandlungen in Deutschland angeschlossen sind.

Für Unternehmen, die in den E-Publishing-Markt einsteigen möchten, bietet sich also auf der einen Seite ein großes wirtschaftliches Potenzial in einem noch weitgehend unerschlossenen Marktsegment. Auf der anderen Seite gilt es aber, restriktive Nutzungsbedingungen, die konzeptionellen und technischen Eigenheiten einzelner Marktteilnehmer und das Fehlen einer übergreifenden Distributions- und Verkaufslösung zu beachten und damit umzugehen. Im weiteren Verlauf werden nun Geschäftsmodelle eingehend untersucht, die sich in diesem schwierigen Marktsegment zu positionieren und einige der geschilderten Probleme in ihren Geschäftsmodellen zu lösen versuchen.

3. Analyse ausgewählter Geschäftsmodelle

Der E-Publishing-Markt bietet fraglos Raum für Geschäftsmodelle verschiedenster Art, von Self-Publishing-Services für E-Books über Vertriebsplattformen bis hin zu Dienstleistungsunternehmen für Verlage und Print-on-Demand-Angebote. Ein Bezug zu allen drei Teilen der Buchbranche lässt sich am ehesten bei Vertriebsplattformen finden, die sich mit der Distribution von E-Books und der Bereitstellung von Informationen beschäftigen. libreka! nimmt als Verbandslösung des Börsenvereins eine Sonderstellung ein, deren Erfolg oder Misserfolg sich maßgeblich auf alle Wettbewerbsteilnehmer auswirken kann. Getragen von der mvb verfügt die Plattform über erhebliche finanzielle Mittel. Demgegenüber steht PaperC als junges Startup, das sein Augenmerk auf neue Vertriebsmöglichkeiten für E-Books legt und den freien Zugang zu Wissen fördern möchte. Beide Unternehmen agieren als neue Aggregatoren und Problemlöser in der Buchbranche mit unterschiedlichem Erfolg. Eine Betrachtung des jeweiligen Geschäftskonzepts soll helfen, die Rolle der Firmen für den E-Publishing-Markt und dessen Probleme zu erörtern, bevor anschließend weitere Geschäftsmodelle in einem kurzen Überblick vorgestellt werden.

3.1. libreka!

libreka! wurde ursprünglich als eigene Volltextsuche für Bücher von der mvb ins Leben gerufen. Heute bietet libreka! neben den Suchmechanismen verschiedene Services für Verlage und Buchhändler wie die Digitalisierung von Titeln und Distribution von E-Books über einen proprietären Shop an. Die Anfänge der Plattform finden sich jedoch bereits in der Mitte des letzten Jahrzehnts.

3.1.1. Die Anfänge als Volltextsuche online

Im Jahr 2003 veröffentlichte Amazon mit der Suchfunktion Search Inside! eine Online-Volltextsuche für Bücher[17], Google zog wenige Monate später mit dem eigenen Projekt Google Bücher (zu Beginn Google Print) nach.[18] Urheberrechtliche Bedenken veranlassten die mvb dazu, eine Arbeitsgruppe „Volltextsuche Online“ (VTO) zu gründen, die ein eigenes branchenübergreifendes Pendant unter Wahrung der Urheberrechte zu Googles und Amazons Projekten erarbeiten und mit einem Onlineshop kombinieren sollte.[19] Nach anfänglichen technischen Schwierigkeiten wurde das Projekt 2007 in libreka! umbenannt und Ronald Schild als Geschäftsführer der mvb zugleich als Geschäftsführer für libreka! eingesetzt.[20] Der Begriff libreka! setzt sich aus dem lateinischen liber (Buch) und dem griechischen Heureka! („Ich hab’s gefunden“) zusammen.[21] Am 10.10.2007 ging libreka! pünktlich zur Frankfurter Buchmesse in einer Betaversion online. Das Startangebot zur Volltextsuche umfasste ca. 8000 Titel von etwa 350 Verlagen. Daneben offerierte die mvb ein in der Anfangsphase kostenloses Digitalisierungsverfahren für Verlage, bei dem deren Titel eingescannt und durchsuchbar gemacht werden sollten.[22] Laut Schild stieg während der kostenlosen Phase die Titelanzahl innerhalb eines Monats auf 25000 Titel an.[23] Aufgrund von Differenzen zur Weiterentwicklung der Plattform trennte sich die mvb im Frühjahr 2008 von hgv publishing services, einem Unternehmen der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, als technischem Dienstleister und nahm stattdessen Bureau van Dijk Electronic Publishing (BvDEP) unter Vertrag.[24] Für die Zukunft plante libreka! mit dem neuen Partner eine stärkere Einbindung des stationären Sortiments sowie eine Ausweitung des Unternehmenskonzepts in neue Bereiche.

[...]


[1] Paving the Way for Books of the Future (21.09.1999). Online unter http://www.microsoft.com/en-us/news/features/1999/09-21ebooks.aspx, zuletzt aufgerufen 21.04.2013.

[2] Vgl. dazu Wittmann, Reinhard: Geschichte des deutschen Buchhandels. 2. Auflage. München: Beck, 1999.

[3] Blömeke, Eva, Clement, Michel, Sambeth, Frank (Hrsg.): Ökonomie der Buchindustrie. Herausforderungen in der Buchbranche erfolgreich managen. Wiesbaden: Gabler Verlag 2009, S. 273 – 288.

[4] Straub, Wolfgang: Die deutschsprachige Verlagsbranche und die digitalen Bücher. In: Grond-Rigler, Christine, Straub, Wolfgang (Hrsg.): Literatur und Digitalisierung. Berlin/Boston: De Gruyter 2012, S. 143 - 161.

[5] Vogel, Anke: Der Buchmarkt als Kommunikationsraum. Eine kritische Analyse aus medienwissenschaftlicher Perspektive. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaft 2011, S. 335 – 354.

[6] Wirtschaftszahlen – Börsenverein des deutschen Buchhandels (o.D.). Online unter http://www.boersenverein.de/de/158446/Wirtschaftszahlen/158286, zuletzt aufgerufen 09.05.2013.

[7] Schulte, Christina: Branchen-Monitor Buch: 2012 (1): Die Schere geht auf (17.01.2013). Online unter http://www.boersenblatt.net/590559/, zuletzt aufgerufen 09.05.2013.

[8] Deutscher E-Book-Markt mit großen Zuwächsen (11.09.2012). Online unter http://www.media-control.de/deutscher-e-book-markt-mit-grossen-zuwaechsen.html, zuletzt aufgerufen 09.05.2013.

[9] Dank 12,3 Millionen E-Book-Käufern: Deutscher Buchmarkt 2012 im Plus (08.02.2013). Online unter http://www.media-control.de/dank-123-millionen-e-book-kaeufen-deutscher-buchmarkt-2012-im-plus.html, zuletzt aufgerufen 09.05.2013.

[10] Vgl. Interview mit Mario Max, Diogenes Verlag, vom 15.03.2013. Siehe Anhang S. 48 – 52.

[11] Es herrscht ein ungesunder Fatalismus: Interview mit Robert Stöppel (o.D.). Online unter http://www.buchreport.de/analysen/perspektiven_von_e_books/robert_stoeppel_buchhandlung_stoeppel_weilheim.htm, zuletzt aufgerufen 09.05.2013.

[12] Die rechtliche Lage zum Gebrauchtverkauf von E-Books ist noch nicht endgültig geklärt. Technisch ist ein Weiterverkauf bei weichem DRM aber zumindest möglich. Zuletzt hat das Landgericht Bielefeld eine Klage der Verbraucherzentrale zum gebrauchten Weiterverkauf abgewiesen, wobei die Verbraucherzentrale in Revision gehen kann. Vergleiche dazu: Klage von Verbraucherzentrale abgewiesen: E-Books dürfen nicht „gebraucht“ verkauft werden (19.04.2013). Online unter http://www.boersenblatt.net/604386/, zuletzt aufgerufen 17.05.2013.

[13] [Anonym] Probleme mit Adobe ID (05.11.2012). Online unter http://userforum.onleihe.de/index.php?page=Thread&threadID=247, zuletzt aufgerufen 17.05.2013.

[14] Roesler-Graichen, Michael: E-Books: „Alles andere als kundenfreundlich.“ – Interview mit Jürgen Rink (13.03.2009). Online unter http://www.boersenblatt.net/311219/, zuletzt aufgerufen 17.05.2013.

[15] Stellungnahme: Sortimenter-Ausschuss fordert „barrierefreien Kauf von E-Books“ (29.04.2010). Online unter http://www.boersenblatt.net/380918/, zuletzt aufgerufen 17.05.2013.

[16] Führende deutsche Buchhändler und Telekom setzen künftig gemeinsam auf die Zukunft des digitalen Lesens (01.03.2013). Online unter http://www.weltbild.com/presse/pressemitteilung/Fuehrende-deutsche-Buchhaendler-und-Telekom-setzen-kuenftig-gemeinsam-auf-die-Zukunft-des-digitalen-Lesens-/544/, zuletzt aufgerufen 17.05.2013.

[17] Mit Amazon.com Bücher durchsuchen (24.10.2003). Online unter http://www.heise.de/newsticker/meldung/Mit-Amazon-com-Buecher-durchsuchen-87353.html, zuletzt aufgerufen 25.05.2013.

[18] Google startet Buch-Suche (06.10.2004). Online unter http://www.heise.de/newsticker/meldung/Google-startet-Buch-Suche-107237.html, zuletzt aufgerufen 25.05.2013.

[19] Neue Arbeitsgruppe „Volltextsuche online“ (23.05.2005). Online unter http://www.boersenblatt.net/85691/, zuletzt aufgerufen 06.05.2013.

[20] Digitalisierungsprojekt des Buchhandels heißt jetzt „libreka“ (10.10.2007). Online unter http://www.heise.de/newsticker/meldung/Digitalisierungsprojekt-des-Buchhandels-heisst-jetzt-libreka-183735.html, zuletzt aufgerufen 13.05.2013.

[21] Glossar - Börsenverein des deutschen Buchhandels (o.D.). Online unter http://www.boersenverein.de/de/portal/glossar/157963?glossar=L&wort=199690, zuletzt aufgerufen 25.05.2013.

[22] www.libreka.de ist freigeschaltet (10.10.2007). Online unter http://www.boersenblatt.net/169099/, zuletzt aufgerufen 25.05.2013.

[23] libreka!: Angebot zeigt Wirkung (07.11.2007). Online unter http://www.boersenblatt.net/172439/, zuletzt aufgerufen 25.05.2013.

[24] Volltextsuche: libreka! mit neuem technischen Dienstleister (11.03.2008). Online unter http://www.boersenblatt.net/183111/, zuletzt aufgerufen 25.05.2013.

Ende der Leseprobe aus 56 Seiten

Details

Titel
Probleme und Chancen des deutschen E-Publishing-Markts anhand ausgewählter Geschäftsmodelle
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Deutsche Philologie)
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
56
Katalognummer
V233643
ISBN (eBook)
9783668632745
Dateigröße
658 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
E-Publishing, E-Book, libreka, PaperC, Börsenverein, Buchbranche, GfK, Media Control
Arbeit zitieren
Daniel Seebacher (Autor), 2013, Probleme und Chancen des deutschen E-Publishing-Markts anhand ausgewählter Geschäftsmodelle, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233643

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