Die Fabel vom Löwenanteil in ihren hochdeutschen Fassungen des Mittelalters


Diplomarbeit, 2010
121 Seiten

Leseprobe

Inhalt

0. Einleitung

1. Die mittellateinischen Quellentexte
1.0. Romulus: Recensio vetus und Recensio gallicana
1.1. Anonymus Neveleti

2. Die mittelhochdeutschen Fassungen
2.0. Wiener Codex 2705
2.1. Boners Edelstein
2.2. Heinrich von Mügeln
2.3. Nürnberger Prosa-Äsop
2.4. Codex Karlsruhe 408
2.5. Heinrich Steinhöwels Esopus

3. Zusammenfassung

4. Ausblick: Die Fabel vom Löwenanteil in der Fassung vom gelehrigen Fuchs

5. Literaturverzeichnis

6. Anhänge
6.0. Tabellenverzeichnis

0. Einleitung

Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist die Untersuchung der formalen und inhaltlichen Aspekte der Fabel vom Löwenanteil in den hochdeutschen Fassungen des Mittelalters.

Vergleiche der Textgestalt werden sich auf Merkmale wie Länge beziehungsweise Kürze des Textes, gemessen am Vers- bzw. Zeilenumfang, sowie die Gliederung des Textes, gemessen an der Anzahl und Anordnung der Abschnitte, konzentrieren. Hierbei geht es bei der Textgattung Fabel vor allem um die Frage nach dem Verhältnis des Erzähl- und Ausdeutungsteiles, sowie die Anordnung des Ausdeutungsteiles im Text in Form von Pro- und Epimythien.

In der Untersuchung werden Einsatz und Variation der Erzählmomente und -figuren in den Fassungen beleuchtet. Die Handlung der Fabel umfasst wenige inhaltliche Aspekte und ein geringfügig variierendes Tierpersonal, davon abgesehen, dass es sich stets um den Löwen und seine Jagdgesellen handelt. Im für die heutige deutschsprachige Fabelforschung maßgeblichen Katalog von G. DICKE und K. GRUBMÜLLER findet sich die im Folgenden zu untersuchende Fabel unter der Nr. 402 als erste von zwei Versionen[1]. Ihr Inhalt wird dort folgenderweise wiedergegeben:

Nach gemeinsamer Jagd beansprucht der Löwe die gesamte Beute und lässt seine wehrlosen Jagdgesellen leer ausgehen.[2]

Die Charakterisierung des Löwen und der mit ihm jagenden Tiere wird untersucht. Attributeinsatz und die stets vorhandene direkte Rede des Löwen werden betrachtet.

Falls eine Fabellehre expliziert wird, sollen deren Inhalt, Form und Adressierung untersucht werden. Wenn im Auslegungsteil eine weitere Sinnebene einbezogen wird, soll untersucht werden, ob und wie mit sprachlichen Mitteln eine Verknüpfung zur Handlungsebene hergestellt wird.

Inwiefern sich die wichtigsten mittellateinischen Quellentexte, in der Recensio gallicana (Nr. 8 [I, 6])[3] und Recensio vetus (Nr. 8 [I, 6])[4] und im Anonymus Neveleti (Nr. 6)[5] unterscheiden, soll dann im Hauptteil zuerst untersucht werden. Gegenstand der Untersuchung ist auch die Beziehung zwischen den lateinischen Quellentexten und den mittelhochdeutschen Fassungen.

Im Bereich der deutschsprachigen Bearbeitungen des Mittelalters bis 1500 sollen, der historischen Reihung des Fabelkataloges folgend, die hochdeutschen Fabelbearbeitungen im Wiener Codex 2705 (Bl. 168rb-va; Nr. 30[6] ), jene des Ulrich Boner (Nr. 8)[7], Heinrichs von Mügeln (Nr. 63)[8], im Nürnberger Prosa-Äsop (Bl. 60va-61ra; Nr. 45)[9], in dem Karlsruher Codex 408 (Bl. 70rb-va; Nr. 45)[10] und im Esopus des Heinrich Steinhöwel (Nr. 6, 1. Teil)[11] untersucht werden.

Nicht berücksichtigt werden im Rahmen der vorliegenden Arbeit die niederdeutschen Fassungen, sowie die nicht editierten Versionen.

Aufgrund der gezogenen Epochengrenze wird zudem die Überlieferung des Fabelstoffes nach 1500 außer Acht gelassen.

In der vorliegenden Arbeit werden Informationen zu den Werken, in welchen die Fassungen der Fabel vom Löwenanteil vorliegen, geboten. Sofern der Verfasser bekannt ist, werden seine biographischen Daten gegeben. Da von dem Fall auszugehen ist, dass die zu untersuchenden Texte keinen Titel aufweisen bzw. die Titel erst eine Zutat in späterer Überlieferung bzw. Edition darstellen, wird von der Verfasserin durchgängig der Titel Löwenanteil angewendet. Falls ein anderer Titel in der Überlieferung bekannt ist, der auf den Fabelverfasser rekurriert, wird darauf hingewiesen.

Sämtliche im Rahmen dieser Arbeit berücksichtigten Texte werden in den Anhang gestellt.

1. Die mittellateinischen Quellentexte

1.0. Romulus: Recensio vetus und Recensio gallicana

Den Grundstock der Fabeln, die im Mittelalter erstaunlich verbreitet waren, schuf (neben Babrios) ein klassischer lateinischer Dichter namens Phaedrus. Wie Babrios’ Fabeln, treten Phaedrus’ metrische Fabeln jedoch nicht selbst im Mittelalter in Erscheinung[12], denn diese sind in ihrer originalen Gestalt erst 1596 in Troyes durch Pierre Pithou unter dem Titel Fabulae Aesopiae ediert worden. Bis dahin waren sie nämlich nur als Prosaauflösungen in Romulus - Versionen bekannt[13].

„Mit dem fiktiven Verfassernamen Romulus verbindet sich die einzige erhaltene lateinische Prosa-Sammlung aesopischer Fabeln. Diese 98 Stücke umfassende Sammlung entstand in der Spätantike, wahrscheinlich am Ende des 4. Jh. oder zu Beginn des 5. Jh. n. Chr., und ist in verschiedenen […] Rezensionen überliefert. […] Als unbestritten kann […] gelten, daß es sich bei dem größten Teil der Stücke um Prosaparaphrasen der Versfabeln des Phaedrus handelt, die der anonyme Verfasser entweder selbst anfertigte oder aber aus einer hypothetischen Zwischenquelle übernahm und bearbeitete. Dieser Grundbestand der Sammlung wurde um weitere Stoffe aus anderen Sammlungen […] erweitert[…]“.[14]

In den Redaktionen sind den Fabeln jeweils zwei Vorreden in Briefform vorausgeschickt: ein Widmungsschreiben Äsops an einen Rufus und das Schreiben eines Romulus, der sich als Übersetzer der Fabeln aus dem Griechischen ausgibt, an seinen Sohn Tiberinus.[15] Auch letzterer muss heute als eine literarische Fälschung gelten. [16]

Die beiden Hauptredaktionen, die Recensio vetus und die Recensio gallicana [17], werden früh in der Überlieferung entstanden sein.[18] Die mehr verbreitete Fassung hat Thiele nach ihrem vermutlich gallischen Ursprung als Recensio gallicana bezeichnet, die andere, von der nur drei Handschriften bekannt sind[19], als Recensio vetus. [20]

Nach Thiele kann die Fabel vom Löwenanteil (VIII) unter die Fabeln, die „aus Phädrus fast unverändert übernommen“ sind, gerechnet werden. Sie weiche lediglich in ihrem Ausdruck, der „sehr vulgarisiert“ sei, von der antiken lateinischen Fabelversion ab.[21]

Die Fassung, wie sie in den beiden Textredaktionen vorliegt, besitzt ein Pro- und Epimythion. Die Erzählteile dieser Fassungen umfassen jeweils sechs Sätze oder rund zwölf bzw. vierzehn Zeilen. Der Erzählteil in der Fassung der Recensio vetus fällt somit etwas länger aus. Das Promythion beträgt jeweils zwei Sätze, oder erstreckt sich über fünf bzw. vier Zeilen. Die vorangestellte Lehre ist somit in der Bearbeitung der Recensio gallicana, wenn auch nur geringfügig, länger. Gemeinsam mit dem Epimythion beträgt der Lehrumfang je drei Sätze oder rund sieben bzw. sechs Zeilen. Das Verhältnis Lehrteil zu Erzählteil liegt in etwa bei 1:2; der Anteil der Lehre an der Fassung beträgt gemessen am Satzumfang jeweils 33% und gemessen am Zeilenumfang 37% in der R. g. bzw. 30% in der R. v.

In der Fassung der Recensio gallicana und in jener der Recensio vetus steht jeweils promythisch ein Erfahrungssatz. “Erfahrungssätze zielen auf Verallgemeinerungen, sie können knapp, oft in sprichwortartiger Verkürzung formuliert [...] werden. Die Proportionen verschieben sich zugunsten des Bildteils, der die Beweislast zu tragen hat.”[22]

Es handelt sich hierbei um Kennzeichen nicht nur der vorliegenden Fabelbearbeitungen, sondern um jene des “Aufbautyp[s] [...]den die äsopische Fabel in ihren herkömmlichen mittelalterlichen Fassungen vertritt”[23].

dicitur <in proverbio> nunquam fidelem esse potentis divisionem <cum paupere>. <de isto> videamus quid haec fabula narret <cunctis hominibus>. (R.g.)

pauper et dives nunquam beneconveniunt. - dicitur iniqua esse fidelis divisio cum potente, sicut subiecta fabula refert. (R. v.)

Die Aufmerksamkeit wird hier zu Beginn jeweils auf Eigenschaften gelenkt, die nicht nur sozial relevant sind, also im Umgang der Menschen miteinander, sondern die man sich institutionalisiert vorstellen kann innerhalb des Aufbaus der Gesellschaft.[24]

Diese Eigenschaften sind gegensetzlich. Mächtige und Ohnmächtige stehen in den beiden Textstellen der Recensio gallicana und vetus als Antithese.[25] Gleichzeitig liegt hier ein Lehrsatz, in dem auf eine unsichere und im Falle der Fassung der Recensio vetus ungerechte Teilung mit dem Mächtigen hingewiesen ist[26], vor. Er könnte als Begründung für die Warnung vor der Gesellschaft der Mächtigen, wie sie im Epimythion jeweils vorliegt, gesehen werden.[27]

Nach einer Überleitung zum narrativen Teil werden vier Fabeltiere vorgestellt:

vacca et capella atque ovis sodales fuerunt leonis simul. (R. g.)

Die Fassung der Recensio vetus weicht hier nur unmerklich ab:

vacca et capella atque ovis sodales fuere leonis. (R.v.)

Einen wesentlichen Handlungsschritt finden wir in dieser Textstelle noch vor: die drei erstgenannten und der Löwe werden Genossen. In der Fassung der Recensio gallicana steht hier der Hinweis, dass dies sogleich geschieht. Die Vereinigung der Tiere wird in der Untersuchung im Folgenden als Bündnis apostrophiert.

Der Leser erfährt nun, dass die Tiere jagen und auch wo sie dies tun.

qui cum in saltibus venarent[ur] [...](R.g. Satz 2)

In der Fassung der Recensio vetus wird zusätzlich die Verabredung zur Jagd benannt:

inierunt autem consilium, ut venationem simul exercerent. (R. v., Satz 2)

Die nächste Stelle lautet einmal:

[...]et caperent cervum, factis partibus leo sic ait. (R.g., Satz 2)

Dann wiederum:

tunc cervum cum cepissent, in dividendo sic fatur leo. (R. v., Satz 3)

In der Fassung der Recensio vetus steht stellvertretend für den Ablativus Absolutus eine Gerundivbildung: in dividendo, was aber sinngemäß keine Abweichung darstellt. sic fatur rührt – wie dem Kommentar zur Fabeledition entnommen werden kann- von fari, welches wiederum für dicere stehen kann.[28] Folglich erzählen die Fassungen hier beide davon, dass die Tiere einen Hirsch fingen, dieser geteilt wurde[29], und der Löwe sprach.

Für die nun folgende direkte Rede des Löwen beträgt der prozentuelle Anteil am Erzählteil in den vorliegenden Fassungen jeweils 50%.

In seiner Rede bringt er nacheinander vier Gründe vor, das heißt je Beuteanteil einen Grund bzw. Vorwand dafür, weshalb er Anspruch auf diesen habe. Die Argumente werden durch ihre Ränge markiert. Ihre Anzahl und die Aufzählungsform, sind jedoch nicht nur in den mittellateinischen Prosafassungen belegt, sondern sind kennzeichnend für die Fabel vom Löwenanteil: zumindest gilt das für alle Fassungen, die im Rahmen dieser Untersuchung berücksichtigt sind.

Zwar wird in der Regel neben den Rängen auf das Beuteviertel wörtlich Bezug genommen (vgl. teil), in den beiden nun zu besprechenden Prosafassungen steht allerdings nur beim zweiten Teil ein Substantiv pars für das Beuteviertel. Für den ersten, dritten und vierten Teil genügt eine knappe Anspielung durch Rangzahl. In der Fassung der Recensio gallicana lautet das Erzählelement Rede des Löwen:

ego primus tollo ut leo, secunda pars mea est, eo quod sum fortior vobis.

tertiam vero mihi defendo, quia plus vobis cucurri.

quartam autem qui tetigerit, inimicum me habebit. (Satz 3-5, Z. 10-15)

Es ist somit sein Stand innerhalb der Tiergesellschaft, den der Löwe hier zur Rechfertigung seines ersten Teilanspruches benennt. Hierauf beruft er sich auf seine physische Stärke, in der er, wie er den angesprochenen Tieren gegenüber angibt, ihnen überlegen sei. Es wird somit im Rahmen des zweiten Anspruches vom Löwen eine relative Unterscheidung getroffen. Eine komparative Form wird auch bei der Erhebung des dritten Anspruches verwendet. Irmscher übersetzt für plus: mehr.[30] Es kann aber in der bezeichneten Passage statt auf das größere Ausmaß des Laufens auch auf die Intensität, d. h. die Geschwindigkeit des Laufens angespielt werden.[31] Ein weiterer Aspekt im Kontext der zweiten und dritten Teilerhebung ist die direkte Anrede, die als Plural markiert, sich nicht an das einzelne, sondern an alle drei Tiere gleichzeitig richtet. Die Formulierung, die dem Redenden dann den vierten Teil garantieren soll, stellt einen Konditionalsatz dar. Die Botschaft lautet, dass der, der den in Rede stehenden Teil auch nur berührte, auf seine Feindschaft rechnen muss.

Die direkte Rede in der Fassung der Recensio vetus stimmt mit jener in der Bearbeitung der Recensio gallicana überein, nur innerhalb des zweiten Anspruches steht zusätzlich der Ausdruck iure:

[...]nam et secunda pars iure mea est eo, quod sum fortior vobis. (Satz 4)

Ob hier auf ein geltendes Gesellschaftrecht oder auf ein von dem Redner für seinen eigenen Vorteil festgelegtes Recht angespielt werden soll, ist unklar. Auch das Vorliegen einer Bekräftigungsformel ist möglich. Unklar ist ebenso der Effekt auf die Rezeption: Neben der gegenseitigen Verstärkung der beiden Aspekte, die man in den Ausdrücken iure und fortior sehen kann, ist noch eine weitere Rezeptionswirkung denkbar: Die Begründung scheint nämlich weniger gewichtig. So erscheint das fortis- Motiv gegenüber der Fassung der Recensio gallicana hier abgeschwächt.

Andererseits ist die Tendenz zu Paraphrasierungen in der Fassung der Recensio vetus auch im dritten und vierten Anspruch zu beobachten. Was nach Thiele nur geschieht, um “matte, mehrfach getadelte Wendung[en] zu verstärken”.[32]

Nach der direkten Rede wird erzählt, wie die Aufteilung der Beute mit dem Löwen ausgeht. Dafür reicht in beiden Versionen ein Haupsatz:

sic totam praedam illam solus improbitate sustulit. (R. g., Satz 6)

In der Fassung der Recensio vetus tritt sua ergänzend nach improbitate hinzu. Die Anspielung auf den Löwen und in der Folge auf den Mächtigen scheint dadurch verstärkt. Den Ausdruck improbitate übersetzt Irmscher mit dank seiner Unverschämtheit.[33] Im Esopus von Steinhöwel lautet die korrespondierende Textstelle: vom untrüw leo. In der Übersetzung Perrys wird improbitas in der Fabelversion I,5 in Phädrus (Löwenanteil) mit dem Ausdruck ruthlessness wiedergegeben.[34] Für die Stelle, wie sie in den Fassungen der Recensio gallicana und vetus vorliegt, kann jedenfalls angenommen werden, dass der Ausdruck improbitas eine negative Qualifizierung des Handelns des Löwen darstellt.

Die Epimythionformel zur Verbindung von Fabel und Lehre lautet jeweils:

cunctos monet haec fabula [...] (Satz 6). Die Adressierung cunctos sticht gegenüber Verbindungsformeln anderer Fabeln in der Recensio gallicana und Recensio vetus ab.[35]

Die abschließende Lehre stimmt wiederum in beiden Fassungen überein. Sie fällt kurz aus, indem sie sich auf eine allgemeingehaltene Mahnung beläuft. Darin wird noch einmal der strukturell lokalisierbare Gegner genannt, jedoch diesmal im Plural: non sociari potentibus. Dieses Epimythion würde, wenn man der Ansicht Thieles an dieser Stelle folgen wollte, lediglich eine Wiederholung der Eingangssentenz darstellen[36]. Abgesehen von dem erwähnten unterschiedlichen Numerus der Substantivobjekte, lässt sich aber eine weitere Abweichung zwischen Pro – und Epimythien nachweisen, die sich kaum bagattellisieren lässt: Anstelle einer Warnung vor divisionem, die im Satz nunquam fidelem esse [...] (R. g.)[37] erschlossen werden kann, wird im abschließenden fabula docet nicht nur vor einer Teilung mit potentibus, sondern generell vor einer societas mit diesen gewarnt.

1.1. Anonymus Neveleti

Im 12. Jahrhundert entstand in England die mittellateinische Fabelsammlung des sogenannten Anonymus Neveleti.[38] Die „Identität“ des Autors kann trotz zahlloser Versuche „immer noch nicht [als] befriedigend geklärt“ gelten. „Auch die von Hervieux […] vorgeschlagene und häufig übernommene […] Identifizierung des in der Überlieferung ein einziges Mal […] als Waltherus, in einer späteren Inkunabel (Lyon 1490) außerdem als Galterus Anglicus bezeichneten Verfassers mit Walther von England, dem Hofkaplan Heinrichs II. von England und späteren Erzbischof von Palermo, ruht auf schwachen Fundamenten.“[39]

Es wird deshalb heute die Sammlung nach Isaac Nevelet, der den Text 1610 in Mythologia Aesopica, S. 486-530 unter dem Titel „Anonymi Fabulae Aesopeae“ herausgab, benannt. Bei dem Werk handelt es sich um eine Umschreibung der ersten drei Bücher des alten Romulus-Corpus mit geringfügigen Ergänzungen und Auslassungen in Verse.[40] Es hatte großen Erfolg, wobei es vor allem im Schulunterricht Einzug hielt[41] ; bezeichnenderweise ist es zu den „verbreiteten Textzusammenstellungen der auctores octo“ im 14. und 15. Jh. zu rechnen.[42] Der Siegeszug dieses Äsops zeigt sich auch an der großen Anzahl der Handschriften, die bei mehr als 105 liegt.[43] Mit dem angestrengten Stil der Versfabeln und ihrer Erklärungs– und Kommentierungsbedürftigkeit in Verbindung steht die Publikation des Esopus moralisatus cum bono commento. Für diese „Schulbuchcharakter annehmende[n] Bearbeitungen“, die Kommentare in Form von lateinischen Interlinearglossen aufweisen, liegen bis 1500 34 Ausgaben im Wiegendruck vor.[44]

Wie alle 60 Fabeln des Anonymus Neveleti ist die hier zu untersuchende Fassung der Fabel vom Löwenanteil im Distichon verfasst[45] ; gleichzeitig findet hier der für das Mittelalter typische leoninische Vers[46] Anwendung.

Der Text der Fabel vom Löwenanteil (Nr. 6) des Anonymus Neveleti lässt sich in zwei Teile gliedern: In die Erzählung, die acht Verse umfasst und in das Epimythion, welches zwei Verse beträgt. Das Verhältnis Lehr- zu Erzählteil fällt mit einem Prozentsatz von 20 für die Lehre noch eindeutiger aus als in den zuvor in die Untersuchung einbezogenen lateinischen Prosafassungen: Der Akzent der vorliegenden Fassung der Fabel vom Löwenanteil liegt in der narratio.

Die Fabelerzählung beginnt hier mit dem Element Bündnis. In Abweichung zu den Fassungen der Recensio gallicana und Recensio vetus wird hier eine Teilungsabsicht apostrophiert.

Vt racione pari fortune munera sumant,

Sumunt fedus ouis capra iuuenca leo. (V. 1-2)

Das Ziel des Vertrages zwischen den Fabeltieren bzw. ihrer Verabredung zum Bündnis steht an der Spitze der Fabelfassung (vgl. V. 1); hierbei scheint einerseits auf eine erhoffte Beute angespielt zu werden, andererseits steht hier die Absicht einer gleichmäßigen Teilung.[47] Mit fortune munera kann freilich nicht nur der günstige oder erfolgreiche Ausgang der Jagd bezeichnet sein, dass etwas erbeutet wird, sondern auch der ungünstige Fall, dass der Jagderfolg ausbleibt. Paola Busdraghi übersetzt dementsprechend fortuna nicht mit Glück, sondern Schicksal; doni della sorte sind dann die Gaben des Schicksals und nicht die Gaben des Glücks:

Per godere in parti uguali dei doni della sorte, (6 La pecora, la capra, la giovenca e il leone,S. 57.,V. 1)

Danach wird im zweiten Vers der Schluss des Bündnisses in Sumunt fedus markiert.

Hierauf werden die verbündeten Tiere vorgestellt. In der Apostrophe der Fabeltiere ist iuuenca anstelle von vacca getreten. capra muss wohl capella substituieren. Die übrigen Tiernennungen stimmen mit den Ausdrücken in den Fassungen der Recensio gallicana und Recensio vetus überein. Es sind somit ihrer Artzugehörigkeit nach die gleichen Tiere wie in den beiden anderen lateinischen Texten, die im Rahmen dieser Untersuchung einbezogen werden. Die Nennung der drei Gefährten des Löwen erfolgt vor der Nennung des Löwen. Dessen Benennung an vierter Stelle stimmt mit den beiden Prosafassungen überein, ansonsten weicht die Reihenfolge, in der die Tiere in der Fassung des Anonymus Neveleti vorgestellt werden, aber von diesen ab, sofern man von der wiederholten Nennung der Ziege an zweiter Stelle absieht. Die konjunktionslose Aneinanderreihung der Tiere substituiert die in den Fassungen der Recensio gallicana und Recensio vetus anzutreffenden et- Verknüpfungen. Wo dort aber zwischen den drei ersten Tiernamen und der Bennennung des Löwen noch jeweils eine Prädikatgruppe (sodales fuerunt, R.g. ; sodales fuere [..], R. v. )steht, geschieht hier die Nennung des Löwen unmittelbar im Anschluss an die vorhergehende Tiernennung.

Die Reihenfolge der nun folgenden Handlungskernelemente entspricht jenen in den anderen mittellateinischen Textfassungen der Fabel vom Löwenanteil. Von diesen fällt die Schilderung der Jagd in der Bearbeitung im Anonymus Neveleti kürzer aus: Ceruus adest. ceruum rapiunt. Sie beschränkt sich darauf, das Hinzukommen des Hirsches und die Tatsache, dass die Tiere den Hirsch fangen, zu erwähnen. Die direkte Rede des Löwen wird wieder markiert wie in den beiden anderen lateinischen Fassungen der Fabel vom Löwenanteil: leo sic ait (V. 3).

Die vorliegende Rede nimmt wiederum die Hälfte der narratio ein. Ihre Verssätze weisen untereinander jeweils einen unterschiedlichen Einsatz des Prädikates auf; diese Variationsform lässt sich ähnlich auch in den beiden anderen lateinischen Fassungen belegen, nicht so aber eine andere: Die Benennung des Beuteteiles erfolgt nämlich jeweils an unterschiedlicher Position des Verssatzes, anders als noch in den Fassungen der Recensio gallicana und vetus, wo die Anspielungen wiederholt am Satzanfang - an Position des ersten oder, im Fall des ersten Teilanspruches, des zweiten Satzglieds - stehen. Im Gegensatz zu den Bearbeitungen der Recensio gallicana und vetus ist zudem ein parataktischer Stil für die Textpassage in der mittellateinischen Versfassung kennzeichnend, der Redeteil lautet in letzterer:

Prime partis ero. nam michi primus honor.

Et michi defendit partem uis prima secundam,

Et michi dat maior tercia iura labor.

Et pars quarta meum, nisi sit mea, rumpet amorem. (V. 4-7)

Innerhalb der Anspruchstellungen ist nicht nur ein unterschiedlicher Einsatz der Wörter gegenüber den zwei berücksichtigten lateinischen Prosaversionen nachzuweisen, sondern es ergeben sich auch Abweichungen im Sinngehalt. In primus honor wiederholt sich zweifellos das Standesargument. Der Ausdruck wird somit für Würde durch Geburtsadel, und nicht für den ethischen Aspekt von honor stehen.[48] Die Paraphrase erscheint gegenüber den anderen lateinischen Fassungen allgemeiner. Die vorliegende Rede soll deshalb in Hinblick auf die im Textvergleich noch heranzuziehenden Bearbeitungen zu der Gruppe mit relativ größerer Anonymität bzw. Allgemeinheit in der Benennung von Gesellschaftsfunktionsträgern bzw. Standesvertretern gezählt werden.[49] Das Attribut im Superlativ tritt in den ersten beiden Ansprüchen hinzu, um die Überlegenheit in dem jeweiligen Argument zu markieren. Das Argument der physischen Stärke fällt in Übereinstimmung mit den anderen beiden Romulusfassungen im zweiten Teilanspruch. Anstelle von quia plus vobis cucurri tritt hier aber ein anderer Aspekt. Das maior labor kann wohl auf die Jagd bezogen werden. So wird bereits von Górski die dritte Forderung des Löwen als Anspielung auf “seine Verdienste bei der Jagd” verstanden.[50] Die Verwendung des Komparativs lässt sich wiederum auch in den Fassungen der Recensio gallicana und Recensio vetus an dieser Stelle nachweisen. iura scheint pars zu substituieren, eine gleichzeitige Anspielung auf ein geltendes Gesellschaftsrecht wird eher mit geringerer Wahrscheinlichkeit darin zu sehen sein, zumal weitere Anhaltspunkte im Text fehlen. Dementsprechend gibt auch in der Übersetzung ins Italienische Busdraghi V. 6 der mittellateinischen Versfabel wieder:

a me la terza parte il mio maggiore impegno.[51]

Formale Paralellen weisen die vierten Teilansprüche untereinander auf: Bei der Forderung auf den letzten Beuteteil wird jeweils auf die Konditionalform zurückgegriffen. Der vierte Teilanspruch entspricht in der vorliegenden Versfassung zudem dem Element Drohung, das sich bereits in den anderen lateinischen Fabelerzählungen an dieser Stelle vorfinden ließ. Nach Ansicht Górskis könnte hier die “Gefahr eines Kampfes mit ihm [dem redenden Löwen; Anm.]” herausgelesen werden.[52] Diese Deutung scheint aber etwas zu weit hergeholt, jedenfalls stellt das rumpet amorem zweifellos eine, wenn auch allgemeiner formulierte, Paraphrase der jeweiligen Textstelle in der Fassung der Romulus gallicana und vetus dar, wo es heißt: [...]inimicum me habebit. (Z. 5; Z.6). Aus der Perspektive Górskis könnte man im vorliegenden Vers auch eine Ironie erkennen[53], bzw. ließe sich der Wortlaut hier als milder charakterisieren.

Das Ende des Erzählteils ist in Übereinstimmung mit den beiden anderen mittellateinischen Bearbeitungen, die in diese Untersuchung einbezogen werden, knapp gehalten:

Publica solus habet forcior, ima premens. (V. 8)

sic totam praedam illam solus improbitate sustulit. (R. g., Satz 6)

sic totam praedam illam solus improbitate sua abstulit.. (R. v., Satz 7)

Der Ausgang der narratio ist hier gleich wie in den Fassungen der Recensio gallicana und vetus. Im vorliegenden Vers wird wieder auf die Jagdbeute angespielt und gleichzeitig erzählt wie die Teilung mit dem Stärkeren ausgeht. Es wird auf die Güter verwiesen, die gegen eine gemeinsame Vereinbarung im Vorfeld (vgl. V. 1) von diesem nun nicht geteilt werden. Die Wortwahl in der Fassung des Anonymus Neveleti ist unter den drei Belegstellen möglicherweise noch die allgemeiner Gehaltenere. Während in den mittellateinischen Prosafassungen jeweils in der 3. Person Sg. noch der Löwe apostrophiert zu werden scheint, steht hier ein Typus einer offenen Eigenschaft, nämlich forcior. Gleichzeitig steht hier am Ende der Fabelerzählung – was in den mittellateinischen Prosafassungen nicht der Fall ist - die Gegenseite zum forcior in der Bezeichnung ima: Dieses Wort könnte eine Unterschicht – im Sinne einer Soziologie -bezeichnen[54] oder doch auf eine offene Eigenschaft, nämlich Schwäche, bezogen werden, hiervon geht jedenfalls Busdraghi aus, wenn ihre Übersetzung entsprechend lautet:

Il più forte, da solo, si appropria dei beni comuni, schiacciando i deboli. (6 La pecora, la capra, la giovenca e il leone, V. 8)

Der Starke wiederum ist abschließend mit dem Mächtigen gleichgesetzt, wie sich dem Epimythion entnehmen lässt:

Ne fortem societ fragilis, vult fabula presens.

Nam fragili fidus nesciet esse potens. (V. 9-10)

Die vorliegende Fassung der Fabel vom Löwenanteil zielt auf dieselbe Handlungsmaxime hinaus wie wir sie in den Bearbeitungen der Recensio gallicana und vetus auch antreffen. Anders als dort, muss hier allerdings eine Anrede, wie sie in cuntos gegeben ist, fehlen. Aufgrund einer Adressierung des Schwachen scheint hier die Lehre als weniger allgemein angesehen werden zu können (vgl. V. 9). Weiters abweichend von den Fassungen der Recensio gallicana und vetus ist in der vorliegenden Lehre die Verwendung der Singularformen in den Benennungen der Gegenspieler. Abschließend wird in der vorliegenden Version ein Grund für die Warnung vor dem Mächtigen angeführt (vgl. V. 10). Die hier vorliegende Infinitivgruppe fidus nesciet esse und das am Beginn der narratio stehende Substantiv fedus (V.2) bilden eine figura etymologica: Der bereits in fedus implizierte Aspekt des Vertrauens wird in diesem Kontext, allerdings unter negativem Vorzeichen, wiederholt, sodass dieser Sachverhalt eine wichtige Stellung im Gesamttext einnehmen kann.

Auch Górski vertritt die Meinung, dass der Treuebruch des Mächtigen für die Erzählung und Lehre in der Fassung der Fabel vom Löwenanteil des Anonymus Neveleti wichtig ist. Er geht davon aus, dass in der vorliegenden Fabellehre „[…] die Treue als etwas den Mächtigen geradezu Unmögliches hingestellt werden kann“.[55] Deshalb könne diese als „stark pessimistisch“ bezeichnet werden.

Zu einer anderen Ansicht gelangt Vollrath. Sie meint, dass sich in der Moral eine „kühl belehrende Haltung“ ausdrücke[56]. Außerdem liege eine abstrakte Feststellung über die Mächtigen im fabula docet in der Fassung des Anonymus Neveleti vor[57]. Vollrath gelangt aber offenbar durch den Vergleich mit der mittelhochdeutschen Bearbeitung im Edelstein zu dieser Meinung. Ganz ähnliches lässt sich aus dieser Position auch über die anderen beiden mittellateinischen Fassungen sagen.

Aus einer anderen Perspektive sieht Grubmüller das fabula docet. Letzter geht davon aus, dass „in dieser Fassung […] die institutionelle Verbindlichkeit des Epimythions dadurch aufgehoben [wird], daß die soziologisch lokalisierbaren Termini“, wie wir sie in den anderen lateinischen Texten vorfanden, „durch offene Eigenschaftsbegriffe ersetzt oder durch sie neutralisiert werden“.[58]

Wie in der Untersuchung allerdings gezeigt werden konnte, wird wiederum der Mächtige als potens bezeichnet und auch der Gegenpol mittels ima apostrophiert. Die übrigen Benennungen stellen jeweils Synonyme zur Bezeichnung eines der beiden Oppositionspole dar. Inwiefern die Benennungen hier mehr oder weniger soziologisch relevant sind als in den Fassungen der Recensio gallicana und vetus, kann deshalb nicht zweifelsfrei festgehalten werden.

Mindestens geltend zu machen ist hier noch die Rhetorisierung der Fabeln, die im sogenannten Anonymus Neveleti stets im Vordergrund steht, so dass

[d]as Epimythion […]zur Sentenz [wurde], die Allgemeingültiges formuliert, ihrem Wesen nach parteilos ist und reale Spannungen, seien sie sozialpolitischer Art oder auf sittliche Postulate gegründet, überdeckt. Auch die Sentenz besitzt rhetorischen Charakter wie die Satzfiguren des Erzählteils […].[59]

2. Die mittelhochdeutschen Fassungen

Bis zum 13. Jh. ist die Fabel vom Löwenanteil nur im Mittellateinischen überliefert. Im Wiener Codex 2705 liegt dann die erste Fassung in mittelhochdeutscher, ja in deutschsprachiger Überlieferung überhaupt, vor. Bis 1500 sind für die hier zu untersuchende Fabel vom Löwenanteil in der ersten Version unter Nr. 402 15 deutschsprachige Fassungen zu zählen.[60] Davon bilden 6 mittelhochdeutsche Bearbeitungen den Gegenstand der nun folgenden Untersuchung.

2.0. Wiener Codex 2705

Es handelt sich hierbei um die „[f]rüheste erhaltene Sammelhs. kleinerer mhd. Reimpaartexte des 13. Jh.s“ (1260/80[61] ) und die „Haupths. der Kleindichtung des […] Strickers (Hs. A)“.[62]

Der Codex gehört zum Bestand der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien. Er „enthält außerhalb des sog. Strickerteiles (Nr. 1-166) und eingestreut in eine Kollektion meist anonymer Mären und Bîspel eine Anzahl von Fabeln, […]“.[63]

Die Handschrift bezeugt „eine […] intensive[…] Rezeption der lat. Fabel“[64]. Ihre „Stoffe“ wurden „teils […] aus bekannten Sammlungen (v. a. Romulus und Avian) übernommen und bearbeitet, teils [wurden] Texte nach dem Muster der Tradition neu geschaffen […]. Formal handelt es sich bei den meisten der von Kosak edierten Stücke[65] um Bîspel mit unterschiedlich langen Auslegungsteilen: Neben Texten, die in der Art des Strickers eine Erzählung mit nicht-menschlichem Personal ausführlich und detailidentifizierend auslegen, finden sich auch Stücke mit sprichwortähnlich verknapptem zweitem Teil. Der letztere Subtyp ist durch die Romulus- Tradition vorgebildet[…]“.[66]

Für die Fabel vom Löwenanteil, wie sie in der Wiener Pergamenthandschrift steht, kann nach Grubmüller als „nächste Parallele“ die Fassung im „Romulus Nilantinus“ oder in der „Recensio gallicana“ gelten.[67] Allerdings relativiert er weiter unten diese Annahme: „Auf eine bestimmte Vorlage unter den zahlreichen lateinischen Fassungen dieser Fabel“ ist die Fassung im Wiener Codex „nicht festzulegen; auch relativ vermag ich seine Fassung keinem der lateinischen Texte näher zuzuordnen.“[68]

Die Fabelfassung, wie sie im Wiener Codex belegt ist, umfasst 28 Verse, sie liegt damit, was die Länge betrifft, im Vergleich zu den weiteren, hier noch zu untersuchenden Texten, im mittleren Bereich. Unter den Reimpaarfassungen ist sie allerdings die kürzeste. Die ersten 22 Verse entfallen auf den Erzählteil, die folgenden 6 Verse enthalten die Lehre. Letzterer entspricht ein Anteil von 21% am Gesamtumfang der Fabel.

Für die Paarreimbildung der Version kennzeichnend ist reiner Reim.

Der Versbau zeichnet sich durch variierende Verslänge (Silbenanzahl schwankt zwischen 5– 10 Silben) aus. Die kürzeren Verse treten zu Beginn, gleich bei der Aufzählung der Fabelprotagonisten auf:

Dvrch gewin hvb sich an einen sint
ein lewe unt ein rint,
ein scaf vnt ein g#iz
vil verre in einen wilden chreiz.
si heten gerne ettewas gevangen. (V.1-5)

Es handelt sich ihrer Artzugehörigkeit nach um die gleichen Tiere wie in den möglichen mittellateinischen Quellen[69]. Sie machen sich in der vorliegenden Textstelle in der Absicht, erfolgreich in der Jagd zu sein (vgl. V. 1) und eine Beute zu fangen (vgl. V. 5), auf. Die Reihenfolge der hierbei genannten Tiere ist mit keiner der in dieser Untersuchung berücksichtigten mittellateinischen Fassungen identisch. Die Konjunktion vnt teilt sie hingegen mit den beiden mittellateinischen Prosaversionen. Indem die Tiere ohne Attribute nacheinander aufgezählt sind, scheint in dieser Stelle der einfache und knappe Stil der mittellateinischen Fabelfassungen übernommen zu sein. Auffällig ist die Bezeichnung des Handlungsortes in der ältesten mittelhochdeutschen Fassung als wilder chreiz. Darin scheint einerseits in saltibus wiedergegeben zu sein. Der Verfasser weist auf die wüste, unkultivierte Gegend hin. Darüber hinaus ist diese Gegend vil verre. Die Fabeltiere scheinen ihre gewohnte Gegend verlassen zu haben, um auf Jagd zu ziehen. Indem der Löwe als einziges Tier erscheint, das in der Wildnis beheimatet ist, scheint der Ausgang der Fabelerzählung vorgezeichnet. Die drei schwachen, domestizierten Tiere sind in der fremden Gegend dem Löwen unterlegen. In dieser Gegend kann der Löwe sich durchsetzen ohne auf gesellschaftliche bzw. höfische Konventionen zu achten. Ein Vergleich mit den anderen in diese Untersuchung einbezogenen Bearbeitungen der Fabel vom Löwenanteil fördert gleichzeitig das Fehlen eines anderen Erzählelementes in der Version im Wiener Codex zutage: Die gemeinsame Unternehmung der Tiere findet nicht unter einer expliziten Vereinbarung statt. Eine Teilungsabsicht des gewins untereinander fehlt hier.

si heten gerne ettewas gevangen.
nv chom ein hirz gegangen.
vnt do erz an der hvte sah stan,
zehant hvb er sich dan.
er vorhte, si n#men im daz leben. (V. 5-9)

Was das Quartett demgegenüber bei der Jagd eint, ist nicht eine Regel, sondern ein Wunsch. (vgl. V. 5): Dieser wird, so hat es den Anschein, der Furcht des Hirsches gegenübergestellt (vgl. V. 9). Durch die Verwendung der Konjunktive wird die Perspektive von Jägern und Gejagtem suggeriert. Die anschauliche Darstellung, die die Erzählung in diesem Abschnitt erreicht, ist gegenüber den späteren Fassungen hervorzuheben.

si ergahten in mit notstreben.
do lobt iglichez sin chraft.
nv wart der lewe redehaft.
er sprach […](V. 10- 13)

Bemerkenswert ist, dass nach dem gemeinsamen mühevollen Erlegen des Hirsches, alle Tiere ihre eigene chraft loben. Bei dem Selbstlob der Jäger handelt es sich um ein Erzähldetail, das nur in dieser Fassung im Rahmen der vorliegenden Untersuchung nachgewiesen werden kann. Es stellt hier eine Verbindung zwischen der abgeschlossenen Jagdunternehmung und der direkten Rede des Löwen her. Sein erstes Argument bringt der Löwe vor, als jedes Tier sein eigenes physisches Leistungsvermögen lobt.

Die vorliegende direkte Rede des Löwen (V. 13- 21) nimmt - ähnlich wie in den anderen in der vorliegenden Untersuchung noch zu berücksichtigenden Fassungen - fast die Hälfte der narratio ein; konkret beträgt ihr prozentueller Anteil am Erzählteil in der ältesten mittelhochdeutschen Fassung 41%. Das Erzählsegment liegt, wie in den mittellateinischen Prosafassungen, als Satzgefüge vor.

Die Bezeichnung des Beuteteiles steht wie in der Fassung der Recensio gallicana und vetus jeweils am Satzbeginn; allerdings gilt dies nur für die drei ersten Ansprüche. Übrigens liegt in allen mittelhochdeutschen Versfassungen dieses Muster vor, auch dort, wo die mittellateinische Versfassung als Vorlage angenommen wird.[70]

Der Einsatz von Modalverben scheint spezifisch für die älteste mittelhochdeutsche Fassung zu sein. Anzahl und Unterschiedlichkeit derselben übertrifft in dieser Textpassage alle anderen Belegstellen für die direkte Rede des Löwen, die in dieser Untersuchung einbezogen sind:

er sprach: „der erste teil sol wesen min,
ich mach wol der snellest sin.
den andern teil wil ich han,
wan ich in wol verzern chan.
der dritte teil sol davon wesen min,
wan ich iwr aller chvnic bin. (V. 13- 18)

Der Einsatz eines Modalverbs, jeweils in Verbindung mit einem wol (vgl. V. 14, V. 16), könnte an beiden Stellen, nämlich im Rahmen der Vorwände für den ersten und zweiten Anteil an der Beute, eine nicht mit hundertprozentiger Sicherheit getane Äußerung indizieren. Das rhetorische Ich scheint an diesen Stellen die Zustimmung der drei Tiere zu erwarten. In der Begründung für den dritten Anteil (vgl. V. 18) sollte hingegen, so hat es den Anschein, durch den Einsatz von sîn die Sicherheit des Redners unterstrichen und damit gleichzeitig seine Aussage als Dogma dargestellt werden. Anders gesagt könnte hier darauf angespielt werden, dass der Königsstatus des Löwen nicht anzuzweifeln ist.

Ein Vergleich der Argumentationskette des Löwen bis hierher zeigt, dass die Reihenfolge der Begründungen anders als in den mittellateinischen Texten ist. Der Löwe behauptet von sich selbst als erstes, dass er der schnellste sei. Dieser Grund ähnelt dem quia plus vobis cucurri. (R. g. Satz 4; R. v. Satz 5). Wird im Mittellateinischen aber eine zeitlich zurückliegende Lauftätigkeit genannt, so scheint im Wiener Codex eher eine zeitlich ungebundene Fähigkeit und Eigenschaft bezeichnet zu sein. Das Ausmaß des Laufens als Argument, auf das in der Formulierung in den Fassungen der Recensio gallicana und vetus angespielt ist, fehlt hier. Stattdessen wird das Argument der Schnelligkeit genannt. Die komparative Wendung der mittellateinischen Passage findet sich auch nicht wiederholt.

Das nächste Argument in der frühesten mittelhochdeutschen Fassung ist dann in keinem der hier noch untersuchten Texte belegbar. Die Aussage bleibt mehrdeutig, da man sie sowohl auf den größeren Hunger, den erhöhten Nahrungsbedarf, aber auch auf das Raubtiergebiss und die Tatsache, dass der Löwe das einzige Raubtier, ja fleischfressende Tier der Jagdgesellschaft ist, beziehen kann. Die Auswahl der Pflanzenfresser als Jagdgenossen des Löwen rekurriert im Übrigen bereits auf die antiken Quellen.[71]

Die letzte Anspruchsstellung des Löwen erfolgt nun, und zwar in Form eines Dreizeilers:

swer den vierden teil wil han,

der sol sich rehte des enstan:

er mNz immer haben mine var.“ (V. 19- 21)

Der Tatbestand, der die Nachstellung beziehungsweise Gefahr eines Kampfes mit dem Löwen nach sich ziehen wird: die potentielle Beschlagnahmung des vierten Teiles durch einen anderen als den Löwen selbst, wird hier erst gar nicht genannt, sondern nur die Besitzabsicht (vgl. V. 19). Wer den Wunsch hegt auf das letzte Viertel der Beute, der soll bedenken, dass der Redner dies ahnden wird. - So die Drohung, die hier gleichzeitig zur Zurückhaltung auffordert (vgl. V. 20).

Durch die Worte müezen und immer bringt der Redner seine Position klar und selbstbewusst zum Ausdruck: Durch das Possessivpronomen der ersten Person stellt er sich als Person gewissermaßen dem Herausforderer gegenüber.

Der Handlungsausgang wird unmittelbar auf die Rede, in einem Satz konzentriert, dargeboten:

also beleib im der hirz gar. (V. 22)

Die Kürze an dieser Stelle scheint mit der breiten Darstellung vor der direkten Rede des Löwen, insbesondere der Schilderung der Jagd, zu kontrastieren. In der vorliegenden Fabelerzählung scheint dadurch die Redewirkung besonders drastisch. Der Vergleich mit den möglichen Vorlagen für die Gestaltung von direkter Rede und Ende des Erzählteils bringt weitere Aspekte zutage; so kann, wenn es auch in den Argumenten der Rede des Löwen keine gänzliche Übereinstimmung gibt, womöglich der Wiener Codex eine größere Nähe zu den mittellateinischen Prosafassungen aufweisen. Dafür zumindest sprechen die ähnlichen Formulierungen der Drohungen: quartam autem qui tetigerit, inimicum me habebit. (R.g.)[72] Der Einsatz der Relativpronomen und des Futur, hier allerdings durch Einsatz von Modalverben substituiert, sind auch in der entsprechenden Textstelle im Wiener Codex belegbar (vgl. V. 19-21). Dann weist außerdem der Abschluss der Fabelerzählung Ähnlichkeiten zwischen den mittellateinischen Prosafassungen und der ältesten mittelhochdeutschen Reimpaarfassung auf: Auch hier umfasst dieser einen Hauptsatz (vgl. V. 22), in welchem, im Gegensatz zur mittellateinischen Versfassung, nur der Stärkere apostrophiert wird. Diese Nennung ist wie in den mittellateinischen Prosafassungen außerdem in der unbestimmten Markierung als 3. Person Singular im Wiener Codex belegt. Zudem könnte also als eine Wiedergabe von sic angesehen werden, und hirz gar könnte eine Paraphrase für totam praedam (Satz 6) darstellen.

[...]


[1] Die Fabeln des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Ein Katalog der deutschen Versionen und ihrer lateinischen Entsprechungen. Hrsg. von G. Dicke, K. Grubmüller et. al. München 1987 (=Münstersche Mittelalter-Schriften Bd. 60). S.470-475. Die 2. Version findet sich ebd., S. 475-479.

[2] Ebd., S. 470.

[3] Der Lateinische Äsop des Romulus und die Prosa-Fassungen des Phädrus. Kritischer Text mit Kommentar und einleitenden Untersuchungen von Georg Thiele, Heidelberg 1910.

S. 24, 26.

[4] Ebd., S. 25, S. 27.

[5] Lyoner Yzopet. Altfranzösische Übersetzung des XIII. Jahrhunderts in der Mundart der France-Comté. Mit dem kritische Text des lateinischen Originals (sog. Anonymus Neveleti). Zum ersten Mal hrsg. von Wendelin Foerster Heilbronn 1882 (=Altfranzösische Bibliothek Bd. 5). S. 99.

[6] Die Reimpaarfabel im Spätmittelalter. Hrsg. von Bernhard Kosak, Göppingen 1977 (=Göppinger Arbeiten zur Germanistik Bd. 223). S. 499.

[7] Der Edelstein von Ulrich Boner. Hrsg. von Franz Pfeiffer. Leipzig 1844 (=Dichtungen des Mittelalters Bd. 4). S. 13f.

[8] Die Kleineren Dichtungen Heinrichs von Mügeln 1. Abt. Die Spruchsammlung. des Göttinger Cod. Philos. 21. Hrsg. von Karl Stackmann, 1. Teilband. Berlin (DDR) 1959 (=Deutsche Texte des Mittelalters Bd. 50). S. 92- 95.

[9] Nürnberger Prosa- Äsop. Hrsg. von Klaus Grubmüller. Tübingen 1994 (=Altdeutsche Textbibliothek Bd. 107). S. 74f.

[10] Codex Karlsruhe 408. Bearb. von Ursula Schmid, Bern - München 1974 (=Bibliotheca Germanica Bd. 16). S. 301.

[11] Steinhöwels Äsop. Hrsg. von Hermann Österley. Tübingen 1873 (=Bibliothek des Litterarischen Vereins in Stuttgart Bd. 117). S. 86.

[12] Grubmüller, K.: Meister Esopus. Untersuchungen zu Geschichte und Funktion der Fabel im Mittelalter. Hrsg. von K. Grubmüller. München 1977 (=Münchener Texte und Untersuchungen zur deutschen Literatur des Mittelalters Bd. 56). S. 58.

[13] Elschenbroich, Adalbert: Die deutsche und lateinische Fabel in der frühen Neuzeit. Bd. II Grundzüge einer Geschichte der Fabel in der frühen Neuzeit. Kommentar zu den Autoren und Sammlungen. Tübingen, 1990. S. 4-5.

[14] Küppers, Jochem: Romulus. In: Der neue Pauly. Enzyklopädie der Antike. Altertum. (12 Bde.) Hrsg. v. Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Stuttgart, Weimar 1996-2003 (=DNP). Hier: Bd. 10 (2001), Sp. 1133-1134.

[15] Vgl. Holzberg, Niklas: Die antike Fabel. Eine Einführung. Darmstadt 1993. S. 106.

[16] Vgl. ebd. S. 109. sowie Holzberg, Niklas: Äsop und die griechisch-römische Fabeltradition. In: Von listigen Schakalen und törichten Kamelen. Die Fabel in Orient und Okzident. Wissenschaftliches Kolloquium im Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg zur Vorbereitung der Ausstellung "Tierisch moralisch. Die Welt der Fabel in Orient und Okzident" am 22. bis 23. November 2007. Hrsg. v. Mamoun Fansa und Eckhard Grunewald. Wiesbaden 2008 (=Schriftenreihe des Landesmuseums Natur und Mensch Bd. 62).S. 18.

[17] Vgl. Holzberg, 1993, S. 105.

[18] Vgl. Grubmüller, 1977, S. 66. Vgl. auch Rauner, E.: Fabel,-dichtung, II. Lateinische Literatur. In: Lexikon des Mittelalters. (10 Bde.) Hrsg. v. Norbert Angermann, Robert Auty et. al. München u. a. 1980-1999. (=LM). Hier: Bd. 4 (1989), Sp. 201-203.

[19] Grubmüller, 1977, S. 67.

[20] Thiele, 1910, S. CLXII.

[21] Thiele, 1910, S. XXXVI.

[22] Grubmüller, 1977, S. 152.

[23] Ebd., S. 154.

[24] Vgl. ebd., S. 183.

[25] Vgl. ebd. S. 216. Thieles Ansicht (1910, S. LXXVII) darf als überholt gelten; er hält ebd. fest, dass “in VIII [...] an Stelle des Verhältnisses zwischen Starkem und Schwachem bei Phädrus das zwischen Reichem und Armem getreten [ist] [...].”

[26] Vgl. Grubmüller, 1977, S. 185. Dort wird das Thema des betreffenden Satzes spezifischer bezeichnet als eine „kasuistisch gemeinte Unlust [der Mächtigen] zu gerechter Teilung“.

[27] Vgl. ebd.

[28] Thiele, 1910, S. LXXVII.

[29] Anders übersetzt ist in 3Antike Fabeln. Herausgegeben und aus dem Griechischen und Lateinischen übersetzt von Johannes Irmscher. Berlin - Weimar 1991. S. 348: und teilten ihn.

Aufgrund der passiven Wendung lässt sich aber nicht belegen, dass ihn die Tiere teilten, und nicht ein einzelnes Tier, bzw. der Löwe. Vgl. die entsprechende Übersetzung aus Phädrus’ sic est locutus partibus factis leo (2Fabeln der Antike. Griechisch-Lateinisch-Deutsch. Herausgegeben und übersetzt von Harry C. Schnur. München – Zürich 1985. S. 168):

und aufgeteilt die Beute war, da sprach der Leu (Irmscher, 1991, S. 168).

[30] Ebd. S. 348.

[31] Vgl. hierzu die Stelle in Steinhöwels Fassung der Fabel vom Löwenanteil, die wohl auf den zweiten Aspekt anspielt: fester geloffen bin (Z.8).

[32] Thiele, 1910, S. 27.

[33] Irmscher, 1991, S. 348.

[34] Babrius and Phaedrus. Hrsg. und übers. Von Ben Edwin Perry. Cambridge, Mass. 1990 (The Loeb Classical Library 436). S. 198-199.

[35] Thiele, 1910, S. LXXXVIII.

[36] Ebd., S. LXXV.

[37] Auch in der Recensio vetus lässt sich, wenn auch in geringfügig variierter Formulierung, dieser Aspekt erschließen.

[38] Vgl. Grubmüller, 1977, S. 77-78.

[39] Ebd. S. 78.

[40] Vgl. ebd.

[41] Vgl. ebd. Dazu auch: Elschenbroich, 1990, S. 6.

[42] Bernt, G.: Auctores. In: LM 1(1999), Sp.1189-1190.

[43] Grubmüller, 1977, S. 81. dazu ebenso Elschenbroich,1990, S. 5. Vgl. dazu aber Dicke, der sogar von knapp 200 erhaltenen Handschriften und Dutzenden von Frühdruckauflagen spricht. Dicke, Gerd: …ist ein hochberümt Buch gewesen bey den allergelertesten auff Erden. Die Fabeln in Mittelalter und Früher Neuzeit. In: Mamoun Fansa und Eckhard Grunewald. 2008. S. 28.

[44] Der Gesamtkatalog der Wiegendrucke nennt Nr. 382-395 als Esopus moralisatus und Nr. 398- 417 als Esopus moralisatus cum bono commento. Online: http://gesamtkatalogderwiegendrucke.de/docs/AESOPUS.htm. (24.7.2010). Vgl. auch Grubmüller, 1977, S. 82, Anm. 181a; sowie Elschenbroich, 1990, S.6, Anm. 14.

[45] Vgl. Dicke, ebd.

[46] Bernt, G.: Vers- und Strophenbau, I. Lateinische Literatur. In: LM 8 (1997), Sp. 1570-1571.

[47] Vgl. Grubmüller, 1977, S. 283, Anm. 17.

[48] Vgl. Vollrath, Margot: Die Moral der Fabeln im 13. und 14. Jahrhundert in ihrer Beziehung zu den gesellschaftlichen Verhältnissen unter besonderer Berücksichtigung von Boners „Edelstein“. Diss. masch. Jena 1966. S. 41: […]der Löwe besitzt „edelkeit“, […]wenn auch nicht des Handelns, so doch des Standes[…].

[49] Nicht von einer Benennung eines konkreten Personenkreises wird bei der Annahme von zwei Gruppen von Apostrophen in den vorliegenden Fabeln ausgegangen, denn von den Personennamen kann ein gewisser Allgemeinheitsgrad bzw. eine relative Anonymitätswahrung in jedem Fall erwartet werden. Vgl. dazu auch Schütze, 1973, S. 137.

[50] Vgl. Górski, Konstanty: Die Fabel vom Löwenantheil in ihrer geschichtlichen Entwickelung. Diss. Rostock 1888. S. 20.

[51] Busdraghi, Paola: L’ Esopus. attribuito a Gualtiero Anglico. Genova 2005 (= Favolisti latini medievali e umanistici Bd. 10; Pubblicazioni del D.AR.FI.CL.ET. Nuova serie Bd. 214). ebd.: 6 La pecora, la capra, la giovenca e il leone,S. 57.

[52] Górski, ebd.

[53] Vgl. ebd.

[54] Vgl. imus. In: Mittellateinisches Glossar. Nachdruck der 2. Aufl. 1959. Hrsg. von Edwin Habel & Friedrich Gröbel. Mit einer Einführung von Heinz-Dieter Heimann. Paderborn; München u. a. 1989. Sp. 187.

[55] Górski, 1888, S.20.

[56] Vollrath, 1966, S. 42.

[57] Vgl. ebd. S. 44.

[58] Grubmüller, 1977, S. 186.

[59] Elschenbroich,1990, S. 6.

[60] Vgl. Dicke & Grubmüller, 1987, S. 473-474.

[61]Schneider,Karin: Gotische Schriften in deutscher Sprache, I. Vom späten 12. Jahrhundert bis um 1300. Text- und Tafelband. Wiesbaden 1987. Textbd. S. 177-178. Vgl. auch Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2705. Online im Marburger Repertorium deutschsprachiger Handschriften des 13. und 14. Jahrhunderts unter: http://www.mr1314.de/1285 [11.3. 2010].

[62] Holznagel, Franz-Josef: Wiener Kleinepikhandschrift cod. 2705. In: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. Begr. v. Wolfgang Stammler, fortgef. v. Karl Langosch. 2., völlig neu bearb. Aufl. unter Mitarb. zahlr. Fachgelehrter hrsg. v. Kurt Ruh et al. Berlin, New York 1978ff. (=2VL). Hier: Bd. 10. 1999. Sp. 1018-1024. Hier: Sp. 1018. Der Inhalt der Handschrift ist online im Marburger Repertorium deutschsprachiger Handschriften des 13. und 14. Jahrhunderts ebd. verfügbar.

[63] Grubmüller, 1977, S. 125. Zur Überlieferungsgeschichte des sog. Wiener Fabel– und Bîspelcorpus vgl. ebd. S. 125-146.

[64] Holznagel, 1999, Sp. 1021.

[65] Vgl. Kosak, 1977, S. 415-521.

[66] Holznagel, ebd.

[67] Grubmüller, 1977, S. 154.

[68] Ebd., S. 184, Anm. 176.

[69] Aufgrund der hier durchgängig angewandten geschlechts- und altersneutralen Tiernamen lässt sich nicht eine relativ größere Nähe zu einer unter diesen konstatieren.

[70] In der Reimpaarfassung im Karlsruher Codex steht auch beim vierten Anspruch die Bezeichnung des Beuteteiles am Satzanfang.

[71] Was bereits Górski (1888) feststellte: ebd. S. 10-11.

[72] Genauso könnte die Recensio vetus zitiert werden, denn sie teilt jedenfalls die nun zu nennenden Parallelen in den vorliegenden Zeilen mit dem Wiener Codex.

Ende der Leseprobe aus 121 Seiten

Details

Titel
Die Fabel vom Löwenanteil in ihren hochdeutschen Fassungen des Mittelalters
Hochschule
Universität Wien
Autor
Jahr
2010
Seiten
121
Katalognummer
V233680
ISBN (eBook)
9783656505365
Dateigröße
892 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
fabel, löwenanteil, fassungen, mittelalters
Arbeit zitieren
Natalie Raffetzeder (Autor), 2010, Die Fabel vom Löwenanteil in ihren hochdeutschen Fassungen des Mittelalters, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233680

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