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Modernitätskritik am Beispiel Christa Wolfs "Störfall. Nachrichten eines Tages"

Titel: Modernitätskritik am Beispiel Christa Wolfs "Störfall. Nachrichten eines Tages"

Studienarbeit , 2012 , 19 Seiten , Note: 2

Autor:in: Melanie Illert (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Mit dieser Hausarbeit möchte ich einen Einblick in Christa Wolfs „Störfall. Nachrichten eines Tages“ geben und mich mit diesen Werk auseinandersetzten. Dieses Buch kann man als Chronik eines Tages lesen und stößt dabei auf die Frage: „Was ist an diesem Tag im April 1986 mit den Menschen geschehen?“ Auch wenn man dies nicht zu beantworten vermag, beinhaltet doch das Werk einen Ausblick in die Zukunft.
Um einen kleinen Überblick zu gewährleisten, werde ich in diesem Zusammenhang die Situation der DDR-Literatur in den 1980er Jahren sowie die Umweltbewegung in der DDR kurz betrachten. Des Weiteren werde ich versuchen, die im „Störfall“ geäußerte Modernitätskritik, explizit herauszuarbeiten und unter verschiedenen Aspekten zu beleuchten. Lohnenswert erscheint bei Christa Wolf auch die Betrachtung des Verhältnisses Mann und Frau unter Berücksichtigung der Gender Studies.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer Hintergrund

3. Die Situation der DDR-Literatur in den 1980er Jahren

3.1. Christa Wolf als Autorin

4. Störfall. Nachrichten eines Tages.

4.1. Die Bruderproblematik im „Störfall“

4.2. Modernitätskritik

4.3. Geschlechterspezifische Betrachtungsweise

4.4. Sprache als „Störfall“

4.5. Der „blinde Fleck“

5. Was bleibt? – Die Bilanz von „Störfall“

Zielsetzung & Themen

Die Hausarbeit untersucht Christa Wolfs Werk „Störfall. Nachrichten eines Tages“ vor dem Hintergrund der Tschernobyl-Katastrophe und der gesellschaftlichen Situation in der DDR der 1980er Jahre. Ziel ist es, die im Werk enthaltene Fortschritts- und Modernitätskritik sowie die geschlechtsspezifische Perspektive der Ich-Erzählerin herauszuarbeiten und zu analysieren.

  • Kritische Aufarbeitung der Atomenergie- und Umweltproblematik in der DDR
  • Analyse der Fortschritts- und Rationalitätskritik im literarischen Kontext
  • Untersuchung geschlechterspezifischer Rollenmuster und der Gender Studies
  • Reflektion über die Verantwortung von Sprache und Schriftstellern
  • Die Bedeutung der „subjektiven Authentizität“ im Schreibprozess

Auszug aus dem Buch

4.2. MODERNITÄTSKRITIK

„Störfall“ ist Anlass für Christa Wolf, ihre bereits begonnen Fortschrittskritik zu vertiefen. Diese „negative Evolutionstheorie der Gattung Mensch“ erhält laut Schenkel ein „anthropologisches, ja biologisches Element“, indem sie eine Verbindung zwischen der Sprachentwicklung des Gehirns und dem Zerstörungsdrang herstellt. „Darüber hinaus hat die Entwicklung der Sprachfähigkeit […], die Unterdrückung und Vernachlässigung jener Gehirnteile zur Folge, die für die Entwicklung und Ausbildung der emotional-intuitiven Fähigkeiten zuständig sind.“ Hier sei zu erwähnen, dass insbesondere Männer diese Fähigkeit verloren haben. Die Überentwicklung des Gehirns, infolge eines „Evolutionsüberschwang[s]“ steht im direkten Zusammenhang mit dem Aggressions- und Tötungstriebes. An dieser Stelle ist bei der Evolution etwas schief gelaufen. Wolf stellt die zentrale Frage „An welchem Kreuzweg ist womöglich die Evolution bei uns Menschen fehlgelaufen, daß wir Lustbefriedigung an Zerstörungsdrang gekoppelt haben.“ Mit großen Erfindungen geht einher, dass der Mensch sich selber zerstört. „Die Verbindung zwischen Töten und Erfinden“ besteht seit Kain und Abel und gipfelt in Wissenschaftlern, „jene Männer, die dem friedlichen Atom nachjagten“, denn ohne „dieses Ziel, vermute ich versuchsweise, hätten sie nichts mit sich anzufangen gewußt; hätten maßlos unter ihrer überentwickelten Gehirntätigkeit leiden müssen“.

In dem imaginären Zwiegespräch mit dem Bruder wird die Frage woher „diese Lust an Spaltung, an Zertrümmerung, an Feuer und Explosionen“ stammt vom Bruder schlichtweg damit beantwortet, dass man eben nicht mehr damit aufhören könne, wenn man einmal begonnen hat zu forschen, zu erfinden oder zu entwickeln. Die Erzählerin sieht den Forscherdrang jedoch lediglich als eine „Ersatzbefriedigung“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt die zentrale Fragestellung zur Wirkung der Tschernobyl-Katastrophe auf den Menschen und die Umwelt im Kontext der DDR-Literatur vor.

2. Historischer Hintergrund: Dieses Kapitel beleuchtet die Ambivalenz der Atomenergiepolitik der DDR im Vergleich zur tatsächlichen Umweltsituation und der wachsenden Oppositionsbewegung.

3. Die Situation der DDR-Literatur in den 1980er Jahren: Es wird die Veränderung der Erzählliteratur hin zu dokumentarischen und faktographischen Formen beschrieben, die als Ersatz für fehlende journalistische Authentizität dienen.

3.1. Christa Wolf als Autorin: Der Abschnitt charakterisiert Christa Wolfs spezifische Erzählweise, insbesondere ihr Konzept der „subjektiven Authentizität“ und ihre Rolle als kritische Stimme.

4. Störfall. Nachrichten eines Tages.: Das Kapitel führt in das Werk ein und thematisiert die Verbindung zwischen dem persönlichen Alltag und der globalen Katastrophennachricht.

4.1. Die Bruderproblematik im „Störfall“: Die fiktive Kommunikation mit dem kranken Bruder wird als Ventil für die Sorgen und die Fortschrittskritik der Erzählerin gedeutet.

4.2. Modernitätskritik: Hier wird Wolfs Kritik an der rationalen Überentwicklung des Menschen und dem damit verbundenen destruktiven Forscherdrang detailliert analysiert.

4.3. Geschlechterspezifische Betrachtungsweise: Dieser Teil untersucht die scharfe Trennung zwischen männlicher Rationalität und weiblicher Empathie im Werk.

4.4. Sprache als „Störfall“: Die Analyse konzentriert sich darauf, wie Begriffe und Sprache durch die Katastrophe ihre Unschuld verlieren und der Schriftstellerin eine neue Verantwortung auferlegen.

4.5. Der „blinde Fleck“: Es wird erörtert, wie die Suche nach dem eigenen „blinden Fleck“ zur notwendigen Bedingung für Wahrheitsfindung und verantwortungsvolles Handeln wird.

5. Was bleibt? – Die Bilanz von „Störfall“: Die Bilanz zieht ein Fazit über die Möglichkeiten eines Neubeginns und betont die Bedeutung von Kommunikation und Mitverantwortung trotz skeptischer Untertöne.

Schlüsselwörter

Christa Wolf, Störfall, DDR-Literatur, Tschernobyl, Modernitätskritik, Fortschrittskritik, Gender Studies, Subjektive Authentizität, Umweltschutz, Zivilisationskritik, Sprachkritik, Blinder Fleck, Verantwortung, Atomenergie, Rationalität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Hausarbeit im Kern?

Die Arbeit befasst sich mit Christa Wolfs Erzählung „Störfall. Nachrichten eines Tages“ und untersucht, wie die Autorin die Katastrophe von Tschernobyl verarbeitet und dabei Kritik an Fortschrittsglauben und gesellschaftlichen Strukturen übt.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentrale Themen sind die ökologische Krise in der DDR, die Rolle des Schriftstellers, die Geschlechterrollen sowie die philosophische Reflexion über menschliche Destruktivität und technische Entwicklung.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, die Modernitätskritik von Christa Wolf innerhalb des Werkes explizit herauszuarbeiten und die verschiedenen Aspekte ihrer Gesellschaftskritik, insbesondere die geschlechtsspezifischen Unterschiede, zu beleuchten.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?

Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse des Primärtextes unter Einbeziehung von Sekundärliteratur zur DDR-Literaturgeschichte und Gender-Theorien.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung, die Analyse der Bruderproblematik, der Modernitäts- und Sprachkritik sowie die Untersuchung des Begriffs des „blinden Flecks“.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Wichtige Begriffe sind „subjektive Authentizität“, „Modernitätskritik“, „Zivilisationskritik“, „Störfall“ und „Verantwortung des Schriftstellers“.

Warum spielt die Bruderfigur eine so wichtige Rolle im Text?

Die Figur des Bruders dient der Erzählerin als Ventil für ihre Sorgen und als dialogisches Gegenüber, das es ihr ermöglicht, ihre negative Evolutionstheorie und Fortschrittskritik ohne direkte Konfrontation darzulegen.

Was bedeutet der von Christa Wolf geprägte Begriff „blinder Fleck“ in diesem Kontext?

Er bezeichnet das Unvermögen, verdrängte Wahrnehmungen, eigene Mitschuld oder Selbsttäuschungen im eigenen Denken zu erkennen – ein Prozess, den die Protagonistin durch das Schreiben aufzubrechen versucht.

Wie bewertet die Arbeit die Bilanz der Autorin am Ende des Buches?

Die Bilanz wird als vorsichtig positiv gewertet; obwohl die Fortschrittskritik dominiert, bietet der Text durch die Betonung menschlicher Kommunikation und solidarisches Handeln Ansätze für einen Neubeginn.

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Details

Titel
Modernitätskritik am Beispiel Christa Wolfs "Störfall. Nachrichten eines Tages"
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Institut für Germanistik)
Note
2
Autor
Melanie Illert (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
19
Katalognummer
V233694
ISBN (eBook)
9783656506249
ISBN (Buch)
9783656507826
Sprache
Deutsch
Schlagworte
modernitätskritik beispiel christa wolfs störfall nachrichten tages
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Melanie Illert (Autor:in), 2012, Modernitätskritik am Beispiel Christa Wolfs "Störfall. Nachrichten eines Tages", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233694
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  19  Seiten
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