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Jeanne d' Arc und das mittelalterliche Königtum

Title: Jeanne d' Arc und das mittelalterliche Königtum

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 24 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Timo Luks (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Je länger eine Auseinandersetzung dauert, desto experimenteller scheinen die Mittel
zu sein, derer man sich bedient, um den Sieg davonzutragen. Sind die eigenen militärischen
Mittel zu groß, um gänzlich unterzugehen, aber auch zu klein, um den Streit zu seinen
Gunsten zu entscheiden, kommt eine heilige Jungfrau, eine Magd Gottes, ein
Bauernmädchen mit religiösen Offenbarungen gerade recht, um die Frage zu klären, wer
der legitime Herrscher Frankreichs sei. Ganz so aussichtslos oder absurd, wie es für heutige
Ohren klingt, war dies im ersten Drittel des 15. Jahrhunderts, zu jener Zeit, als Jeanne
d´Arc ihrem König, Karl VII. von Frankreich, zu Hilfe kam, nicht. In einer Zeit, in der
Könige als geheiligte Personen angesehen wurden1 und ihre Wundertätigkeit
gewissermaßen eine „Erfahrungstatsache“ war2, konnte jemand, der direkten Kontakt mit
Engeln, mit der Heiligen Katharina, der Heiligen Margarete und dem Heiligen Michael
hatte, ein entscheidender Trumpf sein – insbesondere dann, wenn es gelang dieses Kontakt
kirchlich feststellen und anerkennen zu lassen. Dass dies freilich kein leichtes Unterfangen
war angesichts der machtpolitischen Konstellationen und Konflikte auch innerhalb der
Kirche, die ja keineswegs als monolithischer Block vorzustellen ist, liegt auf der Hand.
Wenn in dieser Arbeit das mittelalterliche Königtum und Jeanne d´Arc thematisiert
werden, wenn also Politik und Religion, Herrschaft und Heiligkeit, Macht und
Wundertätigkeit zur Darstellung kommen, so ist dies dem Umstand geschuldet, dass in der
symbolischen Dimension eine im weiteren Verlauf zu präzisierende Auffassung der
höchsten politischen Gewalt ihren Ausdruck findet.3 Auch die sich um Jeanne d´Arc
entfaltende Geschichte gehört in jenen „Fundus halb religiöser, halb politischer Lehren“4,
von dem Marc Bloch in Bezug auf das mittelalterliche Königtum spricht.
1 Bloch, Marc: Die wundertätigen Könige, München 1998, S. 199: „Aber die Könige waren keine Menschen
wie alle anderen; sie galten als geheiligte Wesen“.
2 Ebd., S. 55, vgl. dazu: ebd., S. 59: „[...] und die Idee des wundertätigen und geheiligten Königtums war in
ganz Westeuropa verbreitet“.
3 Ebd., S. 87.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

1. Jeanne d´Arc und das mittelalterliche Königtum

2. Quellen und Literatur

3. Aufbau der Arbeit

II. Umkämpfte Legitimität: Frankreich und England im Hundertjährigen Krieg

III. Jeannes „Mission“: Die Herstellung der Legitimität Karls VII.

IV. Die „Religion von Reims“: Die Säulen der Legitimität

1. Die Wiederherstellung des Königreichs Frankreich

2. Die (nationale?) Stoßrichtung gegen England

3. Die Krönung und Salbung des Dauphin in Reims

a) Dauphin

b) Reims

c) Krönung und Salbung

4. Der legitime König: Königliches Blut und die Dynastie

5. Heilige und wunderbare Zeichen: Die Manifestation von Legitimität

V. Die Prozesse der Jeanne d´Arc: Verhandlungen über königliche Legitimität und semantische Pflege königlicher Herrschaft

1. Legitimität im Spannungsfeld politisch-religiöser Prozesse

2. Die Prozesse der Jeanne d´Arc

VI. Schluss

VII. Quellen und Literatur

1. Quellen

2. Literatur

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht die Rolle Jeanne d´Arcs im Kontext des spätmittelalterlichen französischen Königtums unter besonderer Berücksichtigung der herrschaftlichen Legitimität. Dabei wird analysiert, wie politische Macht, religiöse Mythen und die Krönungssymbolik ineinandergreifen, um den Herrschaftsanspruch Karls VII. gegen die englischen Ansprüche im Hundertjährigen Krieg zu untermauern.

  • Das Spannungsfeld zwischen England und Frankreich im Hundertjährigen Krieg.
  • Die Funktion von Jeanne d´Arc als „Sendbotin“ zur Herstellung legitimer Königsherrschaft.
  • Die symbolische und sakrale Bedeutung von Krönung und Salbung in Reims.
  • Die Rolle der „Religion von Reims“ und des dynastischen Prinzips für das französische Königtum.
  • Die Verhandlung von Legitimität in den Inquisitions- und Rehabilitationsprozessen gegen Jeanne d´Arc.

Auszug aus dem Buch

Die Krönung und Salbung des Dauphin in Reims

Zwischen 1270 und 1789 – so heißt es bei LeGoff – schrieb sich die Krönungszeremonie in ihren einzelnen Elementen nahezu unverändert fort. Sie wurde ein „nahezu unbewegliches Gedächtnis“. Der nächste Teil meiner Arbeit versucht, über die Klärung der Begriffe und Gegenstände „Dauphin“ (a), „Reims“ (b), „Krönung und Salbung“ (c) das für Jeanne so zentrale Problem der Königswerdung zu erhellen.

Immer wieder wurde betont, dass Jeanne bei ihrer Ankunft in Chinon konsequent vom Dauphin und nicht vom König redete. Jeanne und ihre Begleiter ritten nach Chinon: „wo sich der König aufhielt, der damals noch Dauphin war“. Der Dauphin, dies wird hier deutlich, war eben nicht der König. Es galt hier, trennscharf – auch und gerade in der Wortwahl – zu unterscheiden. In dieser Trennung der Begrifflichkeiten zeigt sich schon die enorme Bedeutung von Krönung und Salbung; diese waren am Schnittpunkt platziert und markierten den Moment des Übergangs, der seine Bedeutung jedoch nur entfalten konnte, wenn zuvor die Existenz zweier Bereiche und ihre Verschiedenheit stabilisiert wurden.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Einführung in die Fragestellung nach Legitimität und Herrschaft im Kontext Jeanne d´Arcs unter Einbeziehung theoretischer Ansätze von Marc Bloch und Ernst H. Kantorowicz.

II. Umkämpfte Legitimität: Frankreich und England im Hundertjährigen Krieg: Beleuchtung des dynastischen Konflikts zwischen Karl VII. und Heinrich VI. und die Krise der Thronfolge.

III. Jeannes „Mission“: Die Herstellung der Legitimität Karls VII.: Analyse der Motivationen und Ziele Jeannes sowie deren Bedeutung für das Sendungsbewusstsein zur Stärkung der königlichen Autorität.

IV. Die „Religion von Reims“: Die Säulen der Legitimität: Untersuchung der symbolischen, sakralen und rituellen Grundlagen französischer Herrschaft, insbesondere der Krönungszeremonie und der Idee der Dynastie.

V. Die Prozesse der Jeanne d´Arc: Verhandlungen über königliche Legitimität und semantische Pflege königlicher Herrschaft: Darstellung der Prozesse als Arenen, in denen über die Natur und Legitimität der königlichen Herrschaft gestritten wurde.

VI. Schluss: Zusammenfassende Betrachtung der Verbindung zwischen historischer Ereignisgeschichte und den strukturellen Deutungsmustern des mittelalterlichen Königtums.

VII. Quellen und Literatur: Auflistung der verwendeten Prozessprotokolle und wissenschaftlichen Fachliteratur.

Schlüsselwörter

Jeanne d´Arc, Hundertjähriger Krieg, Karl VII., Legitimität, Königtum, Reims, Krönung, Salbung, Frankreich, England, Dynastie, Religion, politische Theologie, Prozessprotokolle, Mittelalter.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die historische Bedeutung von Jeanne d´Arc im Rahmen des spätmittelalterlichen französischen Königtums und untersucht, wie ihr Wirken zur Festigung der Legitimität von König Karl VII. beitrug.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen umfassen die Konzepte des sakralen Königtums, die Bedeutung der Krönungszeremonie in Reims sowie die Verschränkung von religiösen Offenbarungen und politischer Legitimation im Hundertjährigen Krieg.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, das Wirken von Jeanne d´Arc aus der Perspektive der herrschaftlichen Legitimität zu beleuchten und dabei aufzuzeigen, wie sie den Prozess der Königswerdung durch symbolische Handlungen maßgeblich beeinflusste.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine historisch-analytische Methode angewandt, die Prozessprotokolle als Quellen mit den Interpretationsrahmen von Historikern wie Marc Bloch und Ernst H. Kantorowicz verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit dem Hundertjährigen Krieg, der Mission Jeannes, den rituellen Säulen der Legitimität (Reims, Salbung) und der Bedeutung der gerichtlichen Prozesse als Instrumente zur Aushandlung von Herrschaftsrechten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Jeanne d´Arc, Legitimität, sakrales Königtum, Krönungsritual, Hundertjähriger Krieg und politische Theologie beschreiben.

Warum war die Stadt Reims für die Krönung Karls VII. so entscheidend?

Reims galt als Sanktuarium der Königsreligion, dessen Legitimität eng mit der Legende des himmlischen Salböls verknüpft war; erst durch die dort vollzogene Zeremonie wurde der König in seiner vollen sakralen Würde anerkannt.

Welche Rolle spielten die Prozesse für das Verständnis der Legitimität?

Die Prozesse dienten nicht nur der juristischen Beurteilung Jeannes, sondern fungierten als Verhandlungssaal für den Machtanspruch des französischen Königs, wobei sowohl religiöse als auch politische Argumente ineinander übergingen.

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Details

Title
Jeanne d' Arc und das mittelalterliche Königtum
College
Carl von Ossietzky University of Oldenburg  (Institut für Geschichte)
Grade
sehr gut
Author
Timo Luks (Author)
Publication Year
2002
Pages
24
Catalog Number
V23377
ISBN (eBook)
9783638265126
Language
German
Tags
Jeanne Königtum
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Timo Luks (Author), 2002, Jeanne d' Arc und das mittelalterliche Königtum, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23377
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