BDSM - Sadomasochismus - Ein krankhaftes „Spiel“ mit der Gewalt?


Studienarbeit, 2002
16 Seiten, Note: 3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Vorwort

2. Einleitung

3. Was versteht man unter BDSM?

4. Gewalt versus Gewalt - Klärung des Gewaltbegriffs in Bezug auf BDSM
4.1 Gefahr der Destruktivität sadomasochistischer Beziehungen

5. Kommunikation im BDSM

6. Medizinische und psychologische Ansichten zu BDSM
6.1. Ätiologie des BDSM
6.2. Klassifizierung des Sadomasochismus
6.3. Warum ist Schmerz nicht unbedingt Schmerz?

7. Sadomasochismus – legal oder illegal

8. Persönliche Gedanken und Stellungnahme zum Thema

9. Literatur- und Quellennachweisnachweis

1. Vorwort

Zu Beginn meiner Studienarbeit möchte ich dem Leser noch einige Hintergründe zu meiner Themenwahl und Arbeit darlegen:

Gewalt ist ein permanenter Bestandteil unserer Gesellschaft, wenn nicht sogar allen Lebens. Bei der Wahl meines Themas für die Studienarbeit viel es mir dementsprechend schwer eine Entscheidung für ein, mich persönlich anregendes Gebiet aus der unendlichen Bandbreite und den verschiedenen Fazetten der Gewalt zu finden. Durch Gespräche mit Freunden und Bekannten, Berichten in den Medien, sowie meinen eigenen Erfahrungen fiel meine Wahl auf die Subkultur der SadomasochistInnen. Ziel dieser Arbeit ist es neben der thematischen Erarbeitung auch, Verständnis, Toleranz oder sogar Interesse an dieser immer noch tabuisierten Subkultur zu wecken.

Die von mir verwendeten Informationen erhielt ich fast ausschließlich durch das Medium Internet (bekannte Seiten der BDSM-Kultur, Online-Gespräche mit Angehörigen dieser Subkultur), sowie einge Gespräche mit aktiven BDSMlern aus meinem eigenen Umfeld. Grund dafür ist zum einen die Authentizietät, dass heißt, ich hatte dadurch die Möglichkeit die direkten Ansichten der „Betroffenen“ zu erfahren und zum anderen, dass die Auswahl an fachlich guter deutschsprachiger Literatur zu diesem Thema äußerst spärlich ist. Das einzige, von den meisten empfohlene, Buch „Sadomasochismus – Szenen und Rituale“ von Wetzstein war über den gesamten Zeitraum meiner Recherche für die Studienarbeit in den Münchner Bibliotheken ausgeliehen und im Fachhandel leider vergriffen und wird derzeit auch nicht neu aufgelegt.

2. Einleitung

Züchtigung, Erziehung, Spass an der Quälerei, Genuss am Schmerz, ... der Herr und sein Sklave, Prostitution als Domina, ...

Was steckt dahinter? Was ist wahr?

Die Welt der SadomasochistInnen liegt immer noch im Dunkeln und es ist für Außenstehende meist schwer nachzuvollziehen, was es mit dem Thema Sadomasochismus wirklich auf sich hat. Worin liegt der Reiz sich freiwillig Schmerzen, sowie physischer und psychischer Gewalt auszusetzen. Wird es überhaupt als Gewalt und Schmerz empfunden, oder wo liegt der Unterschied zum allgemeinen Gewaltverständnis?

Im Verlauf der Arbeit möchte ich zuerst darlegen, was allgemein unter BDSM zu verstehen ist. Weiter soll erarbeitet werden, wo die Gewalthandlungen von positiven Empfindungen zu negativen Gewalterfahrungen wechseln und sich im BDSM potentielle Gefahrenquellen ergeben. Dementsprechend werde ich auf etablierte Schutzmaßnahmen der Subkultur eingehen. Im zweiten Teil der Arbeit möchte ich durch medizinischen, psychologischen und auch rechtlichen Ansichten das Thema BDSM von verschiedenen Blickwinkeln aus beleuchten. Abschließend möchte ich noch kurz persönlich zum Thema Stellung nehmen. Das Interview führte ich mit einem Paar aus Chemnitz, welches ich in meiner Online Recherche kennengelernt hatte und läßt sich in Ausschnitten in der Arbeit finden.

3. Was versteht man unter BDSM und Sadomasochismus?

Die Abkürzung BDSM, die ich im folgenden verwenden werde, steht für die englischen Bezeichnungen:

B&D - bondage (Fesselung) & discipline (Disziplin)

D&S – domination (Dominanz) & submission (Unterwerfung)

S&M - sadism (Sadismus) & masochism (Masochismus)

In allgemeinen Sprachgebrauch werden diese Begriffe, die ein ziemliches Spektrum an sexuellen Praktiken abdecken, oft auf Sadomasochismus oder „Sadomaso“ verkürzt. Leider gibt es keine sinnvolle Bezeichnung, die wirklich, individuell zutreffend, die jeweilige sexuelle Neigung der einzelnen Menschen beschreiben würde, welche sich weitläufig unter diesen Begriffen angesprochen fühlen.

„Wie darf man sich das eigentlich bei euch vorstellen? In welchem Bereich des BDSM fühlt ihr euch wohl?

R:Tja, ich würde uns als Anhänger des Bondage sehen. Es gibt zwar auch die ein oder anderen SM-Spielchen, aber ansonsten eher alles aus dem Bondage-Bereich. Ich bin also der dominante Part bei uns (im Gegensatz zum Alltag; da bin ich eher faul und entscheidungsunwillig). Nur in einzelnen Momenten schaffe auch ich es mich wie Sue fallen zu lassen. Ich bewundere sie dafür sehr.

S:Wie stellt man sich das vor. Hm? Also Robert hat eine Vorliebe dafür mich zu beobachten denke ich. Wie, ist glaub ich gar nich so wichtig. Ich liebe eigentlich so alle Bereiche des Bondage. Und manchmal auch Teile der so genannten Blood Sports (Anm.d.Verf.: Blood Sports=Spiele mit Piercen, Nadeln, Hautritzungen, ...). Rollenspiele kommt drauf an, wir spielen ja immer irgendwelche Rollen, aber so klassisch ne.“

Grundsätzlich gilt zunächst einmal festzuhalten, dass die Anhänger dieser Richtung keine Irren oder sonstige Spinner, schon gar nicht Perversen sind. Es fordert viel innere Stärke und Persönlichkeit, sich zu einer sexuellen Spielart zu bekennen, die außerhalb dessen liegt, was wir im Allgemeinen als Norm bezeichnen.

BDSM umfasst viele Aspekte: Macht- und Rollenspiele, Liebe, Sexualität, Neugier, die Suche nach den eigenen Grenzen – hinter dem Begriff verstecken sich viele Aspekte menschlicher Triebbefriedigung.

Es bleibt aber unbedingt festzuhalten, dass es sich hierbei um eine sexuelle Spielart handelt, bei der beide Partner alles, was sie tun - oder über sich ergehen lassen, natürlich freiwillig und in Absprache miteinander tun. In dem Moment, wo jemand etwas gezwungener Maßen tut, wird es zur, auch so empfundenen, Gewalt und somit natürlich auch illegal und selbstverständlich auch unmenschlich. Hiervon distanzieren sich die BDSMler genauso wie der Rest der vernünftig denkenden Gesellschaft.

„Ich hab euch ja schon erzählt wie weit in meinem Verständnis der Gewaltbegriff geht. Wo seht ihr den Unterschied in eurer Beziehung.

R:Das, was bei uns oder eigentlich allgemein in der sadomasochostischen Szene passiert, passiert immer freiwillig. Aber ein anderer Punkt. Ich persönlich finde ja, dass es bei uns beiden eher um Verantwortung übernehmen und um Fallenlassen geht, anstatt um Macht und Gewalt. Is wohl eine Frage des Blickwinkels.

S:Der SSC ist es. Genau da liegt der Unterschied. Wenn mich mein Freund mehr und mehr verbindet und fesselt, geschieht dies sehr bewusst. Ich vertraue mich ihm an und lasse mich fallen. Ich habe nicht das Gefühl, dass er mich unterdrückt oder ich unterwürfig bin. Ich sehe es eigentlich eher als Stärke an mich so öffnen zu können. Ich bin jedesmal wieder fasziniert wie sensibel mein Schatz mich wahrnimmt, was aber auch nich immer so war.“

Um sich vor den „Realsadisten und -masochisten“, wie die BDSM-Subkultur die krankhaften Sadisten und Masochisten nennt, zu schützen und sich selbst davon abzugrenzen, gibt es so etwas wie ein Grundgesetz: „SSC“. Dies bedeutet: Safe, Sane & Consensual; zu deutsch: sicher, gesund und einvernehmlich. Dadurch unterscheidet sich diese Subkultur von den Verbrechern, Geisteskranken und Psychopathen, die der Gerichtsmediziener Krafft-Ebing 1886 in seinem Buch „Psychopatia sexualis“ („sexuelle Geisteskrankheiten“) beschrieb und die Begriffe Sadomasochismus, Sadismus und Masochismus erfand. Als Namensgeber bezog er sich dabei auf die Romanschriftsteller Marquis de Sade und Leopold von Sacher-Masoch (hierbei ist interessant, das Krafft-Ebing sich bei letzterem auf den mütterlichen Teil des Namens festlegte. Dies legt nahe, dass er Masochismus, wie viele seiner Zeit, als klar weiblich ansah). Erst durch eine Bevölkerungsumfrage zum Sexualverhalten durch Kinsey Ende 1940 wurde man auf die SadomasochistInnen in der Gesellschaft (wieder) aufmerksam. In den letzten Jahren haben auch die Medien BDSM mehr und mehr als Thema für sich entdeckt. Bei der Zahl der heutigen SMler in Deutschland geht man von ca. 700 Tausend (Fernsehsendung „peep“ vom 18.3.00) bis zu einer ungenauen Dunkelziffer von mehreren Millionen aus. Tatsache ist, dass sadomasochistische Praktiken schon bis ins antike Rom zurückgehen und auch in Japan sind sie schon immer ein akzeptierter Teil deren Sexualität.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
BDSM - Sadomasochismus - Ein krankhaftes „Spiel“ mit der Gewalt?
Hochschule
Hochschule München  (Fachbereich: 11 Sozialwesen)
Veranstaltung
Soziale und kulturelle Umwelt
Note
3
Autor
Jahr
2002
Seiten
16
Katalognummer
V23380
ISBN (eBook)
9783638265157
Dateigröße
551 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit beruht nur auf Internetquellen.
Schlagworte
BDSM, Sadomasochismus, Gewalt, Soziale, Umwelt
Arbeit zitieren
Dipl.Soz.Päd. (FH) Friedel Buergel-Goodwin (Autor), 2002, BDSM - Sadomasochismus - Ein krankhaftes „Spiel“ mit der Gewalt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23380

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