Funktionen von Visionen


Seminararbeit, 2003

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Problemstellung, Ziele und Vorgehensweise

2. Begriffsgrundlagen
2.1. Die Unternehmensvision
2.2. Die Logistikvision

3. Die Visionsfunktionen im Überblick
3.1. Identitätsfunktion
3.2. Sinnvermittlungs- und Identifikationsfunktion
3.3. Motivationsfunktion
3.4. Orientierungs- und Richtungsfunktion
3.5. Fokussierungsfunktion- und Selektionsfunktion
3.6 Integrationsfunktion
3.7. Kreativitäts- und Innovationsfunktion
3.8. Legitimationsfunktion

4. Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

1. Problemstellung, Ziele und Vorgehensweise

In Zeiten sich rasch wandelnder Markt- und Wettbewerbsbedingungen sehen sich die Unternehmen immer schwierigeren und komplexeren Anforderungen gegenübergestellt. Wettbewerbsvorteile auf den globalisierten Märkten zu erlangen, stellt zahlreiche Akteure vor schwerwiegende Probleme. Um nicht passiv auf die dynamischen Veränderungen reagieren zu müssen, sondern die Zukunft aktiv mitzugestalten, bedarf es einer klaren Vorstellung über die Entwicklung der Märkte und die Ziele und Konzepte des Unternehmens. Unternehmen, die diese Vorstellungen entwickelt haben, verfügen über einen „entscheidenden Zeitvorteil im weltweiten Wettbewerb“[1].

Visionen haben sich in diesem Zusammenhang zu einem zunehmend wichtiger werdenden kritischen Erfolgsfaktor entwickelt. Empirische Studien deuten an, dass ein Zusammenhang zwischen einer ausgereiften Vision und dem Erfolg eines Unternehmens besteht.[2]

Dies wirft die übergeordneten Fragen auf, was der Grund für die Bedeutung der Vision für ein Unternehmen ist und welche Fortschritte sich durch diese ergeben. Der Schlüssel zur Beantwortung dieser Fragen liegt in der Diskussion darüber, welche Funktionen eine Vision erfüllt. Hierzu ist zunächst herauszuarbeiten, welche Funktionen eine Vision überhaupt hat. Darüber hinaus muss aufgezeigt werden, welche Potentiale und Effekte aus den ermittelten Visionsfunktionen resultieren.

Ziel der Arbeit ist es somit, die Visionsfunktionen, einschließlich ihrer unterschiedlichen Bezüge zueinander, sowie deren Wirkungen detailliert darzustellen und diese zu bewerten.

Aus diesem Grund werden zunächst die notwendigen Grundbegriffe der unternehmerischen Vision und der Logistikvision definiert. Darauf folgend werden die verschiedenen Funktionen einer Vision dargestellt. Eine Schlussbemerkung rundet die Arbeit ab.

2. Begriffsgrundlagen

2.1. Die Unternehmensvision

In der Literatur finden sich zum Thema Vision zahlreiche Beiträge. Dabei wird der Begriff der Vision in den einzelnen Beiträgen sehr unterschiedlich ausgelegt. Die Kriterien, nach denen eine Vision klassifiziert wird, unterscheiden sich deutlich. Zum einen werden technologische oder auf einzelne Produkte bezogene Ziele in Visionen ausgedrückt. Andere Autoren beziehen die Vision auf das Unternehmen als Ganzes.[3] In dieser Arbeit bezieht sich der Begriff auf eine unternehmensbezogene, ganzheitliche Vision.

Um die Definition einer Vision sinnvoll vornehmen zu können, bedarf es zunächst der Identifikation grundlegender Visionseigenschaften.

Die Vision wird hier als zukunftsgerichtetes, vom Unternehmen angestrebtes Zukunftsbild verstanden. Durch ihre Zukunftsorientierung unterscheidet sich die Vision von häufig mit selbiger in Zusammenhang gesetzten Begriffen des Selbstverständnisses eines Unternehmens und der Unternehmenskultur. Letztere haben im Gegensatz zur Vision einen gegenwartsorientierten Zeitbezug.[4]

Des weiteren muss das Ziel einer unternehmerischen Vision realisierbar sein. Nur eine in ihren Zielen realistische Vision vermag, Kräfte im Unternehmen zu bündeln und Erfolgspotentiale freizusetzen. Die Vision ist somit von traumhaften, unerfüllbaren Utopien und Wünschen abzugrenzen[5].

Mit der Vision muss eine Veränderung der gegenwärtigen Situation angestrebt werden.[6] Ohne Veränderungscharakter wäre eine Vision letztlich nicht zukunftsgerichtet, sondern nur eine Beschreibung des Status Quo.

Als Grundlage für die weiteren Ausführungen dient die obige Elemente verbindende Definition einer Unternehmensvision von Göpfert:

„Die Unternehmensvision ist das wünschenswerte und realistische Zukunftsbild des Unternehmens einschließlich der Wege zu dessen Erreichung für die Sicherung einer dauerhaften und erfolgreichen Unternehmensentwicklung.“[7]

2.2. Die Logistikvision

Analog zur Unternehmensvision ergibt sich für die Logistikvision:

Die Logistikvision bildet das wünschenswerte und realistische Zukunftsbild über die logistischen Strukturen und Prozesse des unternehmensweiten und unternehmensübergreifenden Wertschöpfungssystems einschließlich der Wege zu dessen Erreichung. Über die Umsetzung der Logistikvision wird die Entwicklungsfähigkeit des logistischen Systems und eine hohe Effektivität und Effizienz

der Güter und Informationsflüsse gesichert.“[8]

Da die Unternehmensvision Veränderungen innerhalb der gesamten Innenwelt eines Unternehmens auslöst, ergibt sich auch eine unmittelbare Wirkung dieser auf die Logistikvision. Diese bildet neben anderen, wie z.B. der Personal- oder der Controllingvision eine Teilvision der umfassenden Unternehmensvision.[9]

Grund für die explizite Berücksichtigung der Logistikvision ist - neben der Einordnung in die Themenstellung des Seminars - deren zunehmende Bedeutung für die dem Servicewettbewerb ausgesetzten Unternehmen. Diese Aussage kann in diesem Zusammenhang nur relativ getroffen werden, da die konkrete Situation eines Unternehmens für den Grad der Bedeutung der Logistikvision ausschlaggebend sein muss. Bei Unternehmen, in denen die Logistik aufgrund der Struktur des Wertschöpfungssystems des Unternehmens eine herausgehobene Stellung einnimmt, kann eine Logistikvision die gesamte Unternehmensvision beeinflussen und prägen. In einer solchen Situation fällt die Logistikvision mit der Unternehmensvision zusammen. Die Beziehung zwischen Unternehmensvision und Logistikvision ist demzufolge wechselseitiger Natur.[10]

Bei den nachfolgenden Ausführungen über die verschiedenen Funktionen einer Vision wird zwar weiterhin der Begriff der Unternehmensvision verwendet, zu berücksichtigen ist hierbei jedoch, dass innerhalb der Unternehmensvision die Logistikvision eine gewichtige Rolle einnehmen kann.

3. Die Visionsfunktionen im Überblick

Vergleichbar dem sich bietenden Bild bei der Betrachtung der Standpunkte zum Visionsbegriff, bietet sich auch bei der Analyse der Darstellungen der Funktionen einer Vision ein uneinheitliches Bild in der Literatur. Hauptunterschiede liegen in der Benennung und in der Anzahl, der von den Autoren aufgeführten Funktionen[11].

Als Kriterium für die Auswahl der im Folgenden ausführlich dargestellten Visionsfunktionen dient die Bedeutung derselben für die mit der Vision angestrebten Effekte und Ziele. Hier sind in erster Linie ökonomische Erfolgsziele von Relevanz. Zwar können mit einer Vision auch primär andere, wie etwa soziale Zielsetzungen, verfolgt werden, der ökonomische Erfolg jedoch bildet als Existenzgrundlage eines Unternehmens dessen Kernziel. Des weiteren weist ein Großteil der publizierten Visionen aus der Unternehmenspraxis in ihrer Zielsetzung Erfolgskomponenten auf.

Die ausgewählten Funktionen sollen als Hauptfunktionen einer Vision angesehen werden.

Ebenfalls Beachtung bei der Darstellung finden die Beziehungen, die zwischen den einzelnen Funktionen bestehen und die von den Hauptfunktionen abgeleiteten Visionen. Diese werden im Rahmen der Betrachtung der zugehörigen Hauptfunktion mitberücksichtigt.

3.1. Identitätsfunktion

Unternehmen verfügen über eigene Wertvorstellungen, Ziele und Beziehungsgeflechte zu anderen Unternehmen. Sie sind demnach in ihrem Wesen durchaus mit Individuen zu vergleichen und besitzen eine eigene Identität[12].

Abstrahiert man ein Unternehmen auf die Ebene eines Individuums, so ergibt sich daraus, dass ein Unternehmen, ähnlich wie ein Individuum auch, klare Vorstellungen über den Verlauf und die Ziele seiner Zukunft benötigt. Ohne diese identitätsstiftenden Elemente kann kein Individuum erfolgreich und zielgerichtet den Herausforderungen der Zukunft begegnen.

Viel stärker noch trifft diese Aussage auf Unternehmen zu, die sich - verstärkter als das Individuum - dem Wettbewerb um die besten Ideen und Konzepte der Zukunft gegenübergestellt sehen. Die stark ausgeprägte Identität eines Unternehmens bildet demnach ein unverzichtbares Element, um individuelle Erfolgspotentiale zu erschließen.[13]

An dieser Stelle nimmt die Vision eines Unternehmens eine wichtige Rolle ein. Gerade die Vision, als erstrebenswertes Zukunftsbild kann die Identität und Individualität des Unternehmens stärken.

Aus einer Vision sollte hervorgehen, worin die Identität des betroffenen Unternehmens liegt. Die Vision des Unternehmens sollte ebenfalls dafür genutzt werden, eine Abgrenzung zu konkurrierenden Unternehmen aufzuzeigen.[14] Die Abgrenzung zu anderen Wettbewerbern ermöglicht es, die eigene Identität besser einzuschätzen. Hier besteht ebenso eine Verbindung zu dem Vergleich des Unternehmens mit einem Individuum. Auch das Individuum kann durch den Vergleich mit anderen besser beurteilen, welche unverwechselbaren Eigenschaften dessen Unterschiedlichkeit zu anderen Individuen bedingen. Die Identitätsfunktion bildet die Grundlage für die weiteren Visionsfunktionen[15].

[...]


[1] Göpfert (1999), S. 42.

[2] Vgl. Göpfert/Jung/Deppe (2001) und Collins/Porras (1995).

[3] Vgl. Collins/Porras (1995), S.22.

[4] Vgl. Henzler (1999), S. 292.

[5] Vgl. Göpfert (2000), S. 164.

[6] Vgl. Wirtz (1996), S. 373.

[7] Göpfert (2001), S. 85.

[8] Göpfert (2001), S. 85.

[9] Vgl. Göpfert (2000), S. 176.

[10] Vgl. Göpfert (2000), S. 176f.

[11] Vgl. Göpfert (2000), S. 167.

[12] Vgl. Mann (1990), S. 44.

[13] Vgl. Göpfert (2000), S. 161.

[14] Vgl. Lipton (1996), S. 87.

[15] Vgl. Göpfert/Jung/Deppe (2001), S. 295.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Funktionen von Visionen
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Wirtschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Seminar SS 2003
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
18
Katalognummer
V23447
ISBN (eBook)
9783638265683
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Funktionen, Visionen, Seminar
Arbeit zitieren
Thomas Kaiser (Autor:in), 2003, Funktionen von Visionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23447

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