Ein zentrales Motiv in Heinrich von Kleists literarischem Werk ist die Ohnmacht. Ohnmachten markieren zentrale, für den weiteren Handlungsverlauf bedeutende Textstellen.
Wie eine Ohnmacht den Verlauf der Handlung beeinflusst, wann und unter welchen Umständen sie auftritt und wer unter ihr zu leiden hat, wird hier, insbesondere anhand der Erzählung "Die Marquise von O..." und des Dramas "Das Käthchen von Heilbronn", zu beantworten versucht.
Die Beschäftigung mit der "Kleistschen Ohnmacht" , mit einem Zustand, in dem der Mensch ohne Bewusstsein ist, wirft die Frage auf, welches Verständnis Kleist von Bewusstsein und Unbewusstsein hatte. In dieser Hinsicht aufschlussreich ist der im Jahre 1810 erschienene Aufsatz "Über das Marionettentheater", sowie die Auseinandersetzung Kleists mit Immanuel Kant, auf die ebenfalls eingegangen wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorbemerkungen:
1.1 Einleitung
1.2 Kleist und Kante
1.3 Über das Marionettentheater
2. Die Marquise von O...
2.1 Inhaltsüberblick
2.2 Bedeutung und Funktion der Ohnmacht
3. Das Käthchen von Heilbronn
3.1 Inhaltsüberblick
3.2 Bedeutung und Funktion der Ohnmacht
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das zentrale Motiv der Ohnmacht in Heinrich von Kleists literarischem Werk, insbesondere anhand der Erzählung "Die Marquise von O..." und des Dramas "Das Käthchen von Heilbronn". Dabei wird analysiert, wie Ohnmachtsanfälle den Handlungsverlauf beeinflussen, unter welchen Umständen sie auftreten und welche Funktion sie im Kontext von Kleists Verständnis von Bewusstsein, Unbewusstsein und Erkenntnis einnehmen.
- Die philosophische Entwicklung Kleists nach der Lektüre von Immanuel Kant
- Die Analyse des Unbewussten als Erkenntnisinstanz in "Über das Marionettentheater"
- Die narrative und funktionale Bedeutung der Ohnmacht in "Die Marquise von O..."
- Die Rolle der Ohnmacht und der Traumwelt im Drama "Das Käthchen von Heilbronn"
- Der Vergleich der Figurenkonzeptionen und deren Verhältnis zu innerer und äußerer Realität
Auszug aus dem Buch
2.2 Bedeutung und Funktion der Ohnmacht
Die erste Ohnmacht der Marquise ereignet sich unmittelbar nach ihrer Rettung durch den Grafen F... . Es bleibt unklar, was die Ohnmacht herbeiführt; denkbar sind zwei potentielle Auslöser: Zum einen hat die Marquise gerade eine Ausnahmesituation durchlebt. Ihr wohlgeordneter, behüteter Alltag geriet durch den Einfall der feindlichen Truppen völlig durcheinander. Als die feindlichen Scharfschützen sie dann auch noch zu entführen versuchten, verlor sie vollends die Kontrolle über das Geschehen. Nach ihrer Rettung fällt die Anspannung von ihr ab, dies könnte sich in der Ohnmacht äußern.
Zum anderen geht mit ihrer Rettung auch die Bekanntschaft mit dem Grafen F... einher, welcher der Marquise als Engel erscheint („Der Marquise schien er ein Engel des Himmels zu sein“). Sie wird mit einer Männlichkeit konfrontiert, der sie abgeschworen hat. Seit dem Tod ihres Mannes lebt sie zurückgezogen und enthaltsam. Die einzigen Männer, zu denen sie Kontakt hat, sind ihr Vater und ihr Bruder. Dann erscheint plötzlich der Graf. Er repräsentiert die zwei Seiten eines Mannes, die auf eine Frau zweifelsohne eine gewisse Wirkung ausüben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorbemerkungen: Einführung in das Motiv der Ohnmacht bei Kleist sowie Darstellung der philosophischen Wandlung des Autors durch die Auseinandersetzung mit Kant und dem Marionettentheater-Aufsatz.
1.1 Einleitung: Vorstellung des zentralen Motivs der Ohnmacht und der Forschungsabsicht anhand der gewählten Primärtexte.
1.2 Kleist und Kante: Analyse der philosophischen Krise Kleists nach der Kant-Lektüre und deren Folgen für sein Weltbild.
1.3 Über das Marionettentheater: Untersuchung der Aufwertung des Unbewussten gegenüber einem reflektierenden Bewusstsein bei Kleist.
2. Die Marquise von O...: Darstellung der Handlung der Erzählung mit Fokus auf die Ereignisse um die Marquise und den Grafen F...
2.1 Inhaltsüberblick: Zusammenfassender Überblick über den Handlungsverlauf der Erzählung.
2.2 Bedeutung und Funktion der Ohnmacht: Untersuchung der verschiedenen Ohnmachtsanfälle der Marquise als Schutzmechanismus und Ausdruck innerer Konflikte.
3. Das Käthchen von Heilbronn: Darstellung der Handlung des Dramas unter Berücksichtigung der Beziehung zwischen Käthchen und Graf Wetter.
3.1 Inhaltsüberblick: Zusammenfassender Überblick über den Handlungsverlauf des Dramas.
3.2 Bedeutung und Funktion der Ohnmacht: Analyse der Ohnmacht im Kontext der unbewussten Triebhaftigkeit und des Zusammenwirkens von Traum und Realität bei Käthchen.
4. Resümee: Synthese der Ergebnisse über die Funktion der Ohnmacht als Anzeichen für den Widerspruch zwischen innerer und äußerer Realität in Kleists Werk.
Schlüsselwörter
Heinrich von Kleist, Ohnmacht, Bewusstsein, Unbewusstsein, Kant, Die Marquise von O..., Das Käthchen von Heilbronn, Erkenntnis, Traum, Wirklichkeit, Grazie, Gefühl, Vernunft, Identität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das literarische Motiv der Ohnmacht in den Werken von Heinrich von Kleist und dessen Bedeutung für den Handlungsverlauf.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit befasst sich mit der Spannung zwischen bewusstem Handeln und unbewusstem Gefühl sowie der philosophischen Beeinflussung durch Kant.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll beantwortet werden, wie Ohnmachten den Verlauf der Handlung steuern und welche Funktionen sie im Hinblick auf die Charakterentwicklung ausüben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die Textstellen aus den Primärwerken mit philosophischen Hintergründen verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Betrachtung von "Die Marquise von O..." und "Das Käthchen von Heilbronn" hinsichtlich ihrer spezifischen Ohnmachtsszenen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Kleistsche Ohnmacht, Bewusstsein, Unbewusstsein, Wahrheit, Gefühl und Identität beschreiben.
Warum fungiert die Ohnmacht in der "Marquise von O..." als Schutzfunktion?
Die Ohnmacht schützt die Marquise davor, ihren Verstand bei der Konfrontation mit der nicht erklärbaren Realität ihrer Schwangerschaft zu verlieren.
Wie unterscheidet sich Käthchen in ihrer Ohnmacht von der Marquise?
Während die Marquise durch die Ohnmacht eher eine psychische Bewältigung erfährt, ist Käthchens Ohnmacht stärker mit ihrer schlafwandlerischen, unbewussten Hingabe an das Schicksal und ihren "Traum" verknüpft.
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- Katrin Vollmann (Author), 2003, Ohnmacht bei Heinrich von Kleist, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23459