In der Vergangenheit sind immer wieder Organisationskonzepte, Geschäftsmodelle und Managementinstrumente aufgekommen, die sich durch geschicktes Marketing schnell verbreitet haben. 1 Dabei hat es sich oft um bereits lange bekanntes in einer modernen Verpackung ge-handelt. Auch wenn neue Elemente in die Produkte der Beratungsfirmen eingearbeitet wurden, konnten diese, wenn überhaupt, nur für eine sehr begrenzte Zeit Vorteile für die Unternehmen bieten, die sich auf diese Art „Trendmanagement“ eingelassen haben. 2 In jüngster Zeit scheint sich ein neuer Trend auszubreiten, der allerdings auch nicht ganz neu ist - Betreibermodelle. Es ist ein nebulöser Begriff, der viele Hoffnungen weckt, aber auch viele Fragen offen lässt. In dieser Arbeit wird untersucht ob die Hoffnung berechtigt ist, und es werden damit einige der offenen Fragen beantwortet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit
1.3. Aufbau der Arbeit
2. Grundlagen
2.1. Gesellschaftliche Entwicklung
2.1.1. Kondratieff-Zyklen
2.1.2. „Drei-Sektoren-Hypothese“
2.1.3. Dienstleistungen
2.2. Anforderungen an die Wirtschaft
2.2.1. Branchenwettbewerb
2.2.2. Kernkompetenzen
2.2.3. Wertschöpfungskette
2.3. Wettbewerbsstrategische Instrumente
2.3.1. Kooperationen
2.3.2. Lean Management
2.3.3. Just in Time
2.3.4. Outsourcing
2.3.5. Räumliche Lieferantenintegration
2.3.6. Total Quality Management
2.3.7. Business Process Reengineering
2.3.8. Customer Relationship Management
2.3.9. Service Engineering
2.3.10. Facility Management
2.4. Zwischenfazit
3. Begriffsbestimmung von Betreibermodellen
3.1. Ausgewählte Definitionsansätze
3.1.1. Definitionsansätze aus der Theorie
3.1.2. Definitionsansätze aus der Praxis
3.2. Analyse und Abgrenzung von Betreibermodellen
3.2.1. Betreiber
3.2.2. Leistungsbündel
3.2.3. Wertschöpfung
3.2.4. Örtlichkeit der Anlagen
3.2.5. Eigentum und Finanzierung
3.2.6. Bezahlung
3.3. Arbeitsdefinition
4. Vom Betreibermodell zur Wettbewerbsstrategie
4.1. Ziele der Betreiberpartner
4.1.1. Ziele der Anbieter
4.1.1.1. Herausragende Alleinstellungsmerkmale
4.1.1.2. Neue Absatzmärkte
4.1.1.3. Konjunkturunabhängiger Dienstleistungsabsatz
4.1.1.4. Anlagenpreisverhandlungen treten in den Hintergrund
4.1.2. Ziele der Nachfrager
4.1.2.1. Kalkulation mit festen Maschinenkosten
4.1.2.2. Geringere Kapitalbindungskosten
4.1.2.3. Geringe Anlaufkosten
4.1.2.4. Übertragung der Risiken
4.1.2.5. Reduzierung der Fertigungstiefe
4.2. Voraussetzungen für die Realisierung von Betreibermodellen
4.2.1. Strategisch
4.2.2. Organisatorisch
4.2.3. Sozial
4.2.4. Finanziell
4.2.5. Vertraglich
4.3. Risiken durch Betreibermodelle
4.3.1. Risiken für Anbieter
4.3.1.1. Mehraufwand
4.3.1.2. Rechtliche Verpflichtungen
4.3.1.3. Finanzierung
4.3.1.4. Unsicherheit über Abnahmemenge
4.3.1.5. Kalkulation des Leistungsbündels
4.3.1.6. Vertragsgestaltung
4.3.2. Risiken für Nachfrager
4.3.2.1. Abhängigkeit von Lieferanten
4.3.2.2. Einsatz von Fremdpersonal
4.4. Wettbewerbsstrategische Wirkung von Betreibermodellen
5. Betreibermodelle in der Praxis
5.1. Eisenmann
5.2. Dürr
5.3. Boge und andere
5.4. Negativbeispiele
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die Diplomarbeit untersucht Betreibermodelle als wettbewerbsstrategisches Instrument für Industrieunternehmen innerhalb einer zunehmend tertiarisierten Wirtschaft. Dabei wird analysiert, ob Betreibermodelle den Anforderungen an moderne Industrieunternehmen gerecht werden können, um nachhaltige Wettbewerbsvorteile durch die Integration von Produkten und Dienstleistungen zu erzielen, sowie welche Chancen und Risiken sich daraus für Anbieter und Nachfrager ergeben.
- Strukturwandel und die Bedeutung von Dienstleistungen für Industrieunternehmen
- Theoretische Systematisierung und Begriffsbestimmung von Betreibermodellen
- Strategische Ziele, Voraussetzungen und Risiken bei der Realisierung von Betreibermodellen
- Wettbewerbsstrategische Wirkungsanalyse und praktische Anwendungsbeispiele
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Betreiber
Der Begriff „betreiben“ wird vielfach missverständlich oder gar widersprüchlich verwendet, so dass es vor einer genaueren Analyse der Betreiber notwendig ist, hier eine Begriffsbestimmung vorzunehmen. Die Leistung des Betreibens kann zunächst grob in technische und wirtschaftliche Betriebsleistung unterteilt werden.
Die technische Betriebsleistung wird nach DIN 32541 „Betreiben von Maschinen und vergleichbaren technischen Arbeitsmitteln“, wie folgt definiert: „Gesamtheit aller Tätigkeiten, die an Maschinen und vergleichbaren technischen Arbeitsmitteln von der Übernahme bis zum Ausmustern ausgeübt werden.“ Das schließt die Leistungen von Übernehmen, Inbetriebnahme, Rüsten, Betätigen (Bedienen), Instandhalten, Außerbetriebnehmen sowie Ausmustern ein. Im Zusammenhang mit Betreibermodellen ist die Präzisierung von „Betätigen bzw. Bedienen“ nach GEFMA geeigneter als die nach DIN, weil dadurch eine weitere Differenzierung möglich ist. „Bedienen“ nach GEFMA 122 umfasst Stellen (Ingangsetzen, Inganghalten, Stillsetzen), Überwachen, Störungen beheben, Gewährleistung verfolgen, Betriebsmittel bereitstellen, Optimieren im laufenden Betrieb, Prüfungen veranlassen und kleine Umbauten durchführen.
Wird beispielsweise eine Lackieranlage im Rahmen eines Betreibermodells vom Anbieter betrieben, ist er für die Anlage umfassend verantwortlich. Der Lackiervorgang selber (Produktion) wird jedoch vielfach ausgeschlossen und vom Nachfrager eigenverantwortlich durchgeführt. Die Anlage wird dabei vom Anbieter soweit betätigt und bedient, dass der Nachfrager zu jeder Zeit in vereinbarter Qualität lackieren kann. Detaillierter wird in Kapitel 5.1. „Eisenmann“ und Kapitel 5.2. „Dürr“ auf dieses Beispiel eingegangen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Führt in das Thema Betreibermodelle als aktueller Trend für Industrieunternehmen ein und erläutert die Problemstellung im Kontext einer zunehmenden Dienstleistungsorientierung.
2. Grundlagen: Erläutert den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturwandel sowie die notwendigen wettbewerbsstrategischen Instrumente, die als Basis für das Verständnis von Betreibermodellen dienen.
3. Begriffsbestimmung von Betreibermodellen: Analysiert und differenziert diverse Definitionsansätze aus Theorie und Praxis, um eine präzise Arbeitsdefinition für die weitere Untersuchung zu etablieren.
4. Vom Betreibermodell zur Wettbewerbsstrategie: Untersucht die spezifischen Ziele, notwendigen Voraussetzungen sowie die Risiken für Anbieter und Nachfrager bei der Implementierung von Betreibermodellen.
5. Betreibermodelle in der Praxis: Stellt konkrete Praxisbeispiele (Eisenmann, Dürr, Boge) vor und diskutiert diese kritisch anhand der zuvor erarbeiteten theoretischen Konzepte.
6. Schlussbetrachtung: Fasst die wesentlichen Ergebnisse zusammen, bewertet die Zukunftsfähigkeit von Betreibermodellen und gibt eine Prognose für deren weitere Entwicklung.
Schlüsselwörter
Betreibermodelle, Industrieunternehmen, Dienstleistungsgesellschaft, Wettbewerbsstrategie, Outsourcing, Leistungsbündel, Anlagenbau, Instandhaltung, Verfügbarkeit, Pay-on-production, Prozessoptimierung, Service Engineering, Facility Management, Kernkompetenzen, Wertschöpfungskette.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht Betreibermodelle als eine strategische Antwort auf den Strukturwandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft, speziell für Industrieunternehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Systematisierung von Dienstleistungen in der Produktion, die Abgrenzung von Betreibermodellen zu anderen Instrumenten sowie die strategische Bewertung von Chancen und Risiken.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, zu klären, ob Betreibermodelle ein geeignetes wettbewerbsstrategisches Instrument für moderne Industrieunternehmen darstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine systematische theoretische Aufarbeitung der Literatur sowie eine fallorientierte Analyse praktischer Beispiele aus dem Maschinen- und Anlagenbau.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgt zunächst die theoretische Begriffsbestimmung, gefolgt von einer tiefgehenden Betrachtung der Ziele, Voraussetzungen und Risiken sowie der praktischen Anwendung bei verschiedenen Unternehmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Betreibermodelle, Leistungsbündel, Pay-on-production, Wettbewerbsstrategie und industrielle Dienstleistungen beschreiben.
Was unterscheidet das „Betreibermodell“ vom einfachen „Outsourcing“?
Beim Outsourcing werden meist Funktionsbereiche ausgelagert; beim Betreibermodell bleibt jedoch das Know-how und die Verfügbarkeitsverantwortung für eine komplexe Anlage beim Hersteller, während der Nachfrager nur die Leistung (z.B. gefertigte Teile) erwirbt.
Wie gehen die behandelten Firmen wie Eisenmann oder Dürr mit dem Risiko um?
Die Firmen setzen auf umfassende Qualitätsmanagementsysteme, modularisierte Serviceangebote und versuchen, durch vertragliche Regelungen und eine enge technische Integration eine Win-win-Situation zu schaffen.
- Quote paper
- Diplom Kaufmann Sebastian Stock (Author), Markus Wende (Author), 2003, Betreibermodelle - Eine Wettbewerbsstrategie für Industrieunternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23576